Ausgabe 
27.3.1896
 
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Gießen, Freitag, den 27. März

1896.

ische mandeszeikung.

Ausgabe

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Modernes Baunernlegen

* In der Ersten hessischen Kammer gab es gestern einen Entrüstungssturm der groß⸗ srundbesitzenden Herren Fürsten, Grafen und reiherren gegen die Regierung resp. deren brgan, dieDarmst. Ztg.. DieD. Z. hatte zor kurzem einen Artikel veröffentlicht, in dem gachgewiesen und beklagt wurde, daß kleine Ge geinden im Odenwald gänzlich verschwunden und om Großgrundbesitz aufgesaugt worden

ären. 5 Die Herren Großgrundbesitzer natürlich, welche dieKleinen zu ihren reaktionären Bestrebungen gebrauchen und diesen daher bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit erzählen, daß sie, h. die Großen und Kleinen, die gleichen Interessen hätten, konnten das nicht unwider⸗ prochen lassen, und soschrieen sie denn gestern and,, ingedenk des Kriegsrufes desBundes der Land⸗ Sima, bite. Der erste war Graf zu Erbach-Fürstenau.

Er richtet an die

egierung die Frage, ob ihr bekannt sei, was er durch beugen beweisen könne, daß der seiner Zeit in der Darmstädter Zeitung erschienene und gegen die Güter⸗ 1 wehe

anköufe der Verwaltungen seiner Familie gerichtete Artikel uf Veranlassung des Kreisamts Erbach in dem sffiziellen Lokalblatt dieses Kreises Aufnahme gefunden habe. Staatsminister Finger: Er wisse nichts davon, daß angezogene Artikel auf Geheiß bes Kreisamts Erbach n das dortige Kreisblatt aufgenommen worden sei. Graf zu Erbach-Fürstenau: Er könne es beweisen, 0 es so sei. Seiner Ansicht nach sei es sehr traurig, genn eine Großh. Behörde in dieser Weise durch Zeitungs⸗ tikel in Form einer Preßfehde gegen einzelne Staats⸗ ürger Stimmung mache; er müsse dagegen Verwahrung inlegen. Graf zu Solms-Laubach: Auch er halte es für recht, wenn von Seiten einer Regierungsbehörde Hetz ürtikel, wie der in Frage stehende, ausgingen. Staatsminister Finger: Er habe den Artikel gelesen, abe jedoch nicht das darin finden können, was man hier In Hause als Klage darin entdecken wolle. Es seien gar icht die Standesherren oder gar einzelne als solche be keichnet, die möglicherweise einen wirtschaftlichen Schaden trursachen könnten. Es sei nur die Rede davon, daß e Anhäufung allzu großer Güter in den Ienden einzelner Besitzer ein Mißstand sei. Graf zu Erhach⸗Fürstenau: Auch er bedauere , wenn früher ganze Dörfer angekauft worden seien ind jetzt noch würden. Daß die Ausführungen des taglichen Artikels für seine Person nicht zuträfen, habe ar in seiner bereits in derDarmst. Ztg.: erschienenen bntgegnung nachgewiesen. Der fragliche Artikel sei in er Michelstädter Bevölkerung als Aufreizung zum flassenhaß empfunden worden. Staatsminister Finger: Er möchte doch bezweifeln, bb der Kreirat des Kreises Erbach, Herr von Gemmingen, uch wenn die Aufnahme des Artikels auf seine Veran⸗ assung erfolgt sein sollte, dabei irgendwelche gehässige Tendenz verfolgt habe; er halte das bei dem Charakter lieses Beamten für gänzlich ausgeschlossen.

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Er, wie seine

ö Fürst zu Isenburg-Birstein:

Standesgenossen, bedauerten es, wenn der kleine Bauer zum Verkaufen gebracht werde. Es sei ein Zeichen, daß er nicht mehr lebensfähig sei. Wenn der Bauer eben vollständig verschuldet sei, bleibe ihm nichts anderes mehr übrig, als zu verkaufen, und da sei es doch noch besser, wenn große Hände sein Besitztum ankauften, als wenn der kleine Landwucher sich der Bauerngüter be mächtigte.

Graf zu Solms-Laubach: Er habe mit dem Ausdruck Hetzartikel auch nicht sagen wollen, daß der Kreisrath von Erbach habe hetzen wollen. Wir lebten in einer Zeit, in der der kleinste Funken das Pulverfaß zur Explosion bringen könne. Er exemplifizire nur auf die Erscheinungen im bayerischen Bauernbund, in dem schon recht bedauerliche Erscheinungen zu Tage getreten seien, wohl nicht ganz unveranlaßt durch die Artikel in der offiziellenDarmstädter Zeitung. Die Erscheinung der bäuerlichen Güterverkäufe führte er, wie Fürst zu Isenbu g⸗Birstein, darauf zurück, daß die Noth unsren westdeutschen Klein grundbesitzer zum Verkauf treibe. Es sei dem Großgrundbesitz des Westens dann nicht zu verargen, wenn er die zum Verkauf kommenden Güterstücke ankaufe, um darin sein freies Kapital anzulegen. Der Bauer, dessen Grund und Boden vom Großgrundbesitzer angekauft werde, erhalte von diesem immer noch mehr, als wenn die öffentliche Konkurrenz über diese Preise zu entscheiden haben würde.

Freiherr Heyl zu Herrusheim: Der Artikel habe den Zweck verfolgt, darzuthun, daß die fraglichen Ankäufe gemacht würden in Ausbeutung der Nothlage des kleinen Grundbesitzes. Auch sein Name sei in dem Artikel in lügenhafter Weise genannt worden, denn er habe noch kein Land von kleinen Grundbesitzern ange kauft, sondern stets nur aus großen Händen.

Staatsminister Finger: Er habe in den fraglichen Artikeln keine persönliche Spitze gegen irgend jemand ent⸗ decken können. Er betrachte ihn noch jetzt als eine wirt⸗ schaftspolitische Studie über Dinge, die allerdings der Be⸗ trachtung werth seien. Wenn Graf zu Solms-Laubach die Landwirtschaft als Stiefkind der Regierungen bezeichnet habe, so habe er hoffentlich nicht damit die hessische ge meint; dieser würde er sonst unrecht gethan haben. Er wolle den Artikel nochmals einer Prüfung unterziehen; wenn er dann eine Remedur für notwendig erachte, werde er sie eintreten lassen.

Die kleinen Landwirte werden schon noch ein sehen, was sie für eineInteressengemeinschaft mit Großgrundbesitzern haben. Interessant ist das Zugeständnis des nationalliberalen Hörigen des Bundes der Landwirte, Freiherrn v. Heyl, er kaufe nicht von kleinen Grundbesitzern, son dern nur ausgrößeren Händen. Wer denkt da nicht an den Satz: Die Kleinen werden von den Großen, und die Großen von den noch Größeren aufgefressen?

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 26. März. Für den Bau des Kaufmännischen Vereins⸗Hauses ist unter folgenden drei Architektenfirmen eine Kon⸗ kurrenz vorgesehen: Stein und Meyer, Gustav Hamann und Heinrich Kocken

beck. Der Beurteilungskommission gehören u. A. auch an Bürgermeister Gnauth und Stadtbau meister Schmandt.

Gießen, 26. März. Nach beim Kreisamt eingeholter Information wird der nach Ostern fällige Viehmarkt in Gießen abgehalten werden.

Gießen, 26. März. An den Neubauten der Hauptwerkstätten der Ober hessischen Eisenbahn im Süden unserer Stadt wird jetzt wieder 9 15 gearbeitet, um dieselben noch vor Ende des Jahres, wo sie ihrer Bestimmung über geben werden sollen, fertig zu stellen. In der Hauptsache sind nur die Baulichkeiten vollendet und es muß noch gewaltig geschafft werden, um die Einrichtungen im Innern herzustellen. In dem großen 5560 Quadratmeter umfassenden Hauptgebäude des Etablissements wird die Repa⸗ ratur für Lokomotiven und Wagen untergebracht und ist man jetzt schon dabei, die Fundamente für die benötigten Schienengeleise aufzumauern. Ferner schließt dieser Hauptbau, unter sich ge trennt, in sich die Werkstätten für Dreherei, Schreinerei, Schmiede, das Kesselhaus, sowie einen unterkellerten Raum, in dem die Bureaus und eine Badeeinrichtung Unterkunft finden. Als selbständige Bauten sind aufgeführt der Trocken⸗ ofen für Holz, das 70 Meter lange Magazin⸗ gebäude, das Portierhaus und die Aborte. Sämtliche Gebäude sind in Rohziegelbau bell⸗ gelbe Verblender ausgeführt. Die massenhaft nötigen Strebepfeiler des Hauptgebäudes, sowie die Gliederungen der Façade an allen Gebäuden bestehen aus dunkel lederfarbenen Verblendern. Zu dem Sockel und den Abdeckungen der Pfeiler hat Lungstein⸗-Material Verwendung gefunden. Die Innenkonstruktion der Lokomotiv- und Wagen reparatur, welche ca./ des ganzen Raumes einnimmt, bildet Eisen. Auch ist in den übrigen Räumen die Verwendung von Holz streng ver mieden.

Gießen, 26. März. In Berücksichtigung des zum 1. April vielfach vorkommenden Per- sonalwechsels dürfte für die Invalididäts und Alters ver sicherung die Beachtung nach stehender Punkte angebracht sein: Arbeiter, Ge hilfen, Gesellen, Arbeiterinnen und Dienstboten sind vom vollendeten 16. Lebensjahre ab ver sicherungspflichtig, wenn sie gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt werden. Lehrlinge sind nur dann versicherungspflichtig, wenn sie 16 Jahre alt sind und mindestens ½ des ortsüblichen Tagelohnes pro Woche verdienen. Die An- und Abmeldung zur Invalididäts- und Altersver⸗ sicherung hat durch den Arbeitgeber binnen drei Tagen nach Beginn oder Beendigung des Ar⸗ beitsverhältnisses auf bei der Meldestelle erhält liche Vordrucke zu erfolgen. Ebenso ist jede während der Dauer des Arbeitsverhältuisses ein⸗ tretende das Versicherungsverhältnis beeinflussende

Aenderung binnen drei Tagen zu melden. Die Unterlassung der rechtzeitigen An- und Abmeldung wird gesetzlich bestraft.

F. Z. Darmstadt, 25. März. Politik in der Schule. In einer öffentlichen Schul⸗ rede des Gymnasialdirektors B. kamen folgende Stellen vor:Der Staat muß unbedingt auf konservativer Grundlage ruhen. Der Staat braucht darum tüchtige Beamte, tüchtige Lehrer und tüchtige Offiziere: tüchtige Beamte aber sind konservativ! Darum sind unsere Offiziere konservativ, darum müssen auch die übrigen Beamten des Staates, darum müssen auch die Lehrer konservativ sein! Der Sinn der Worte war unleugbar: Konservativ ist Trumpf! Wer nicht konservativ ist, der eignet sich nicht zum Offizier, nicht zum Beamten und Lehrer; für den ist auf dem Boden des gesunden Staatslebens kein Platz! Den Aufgaben der Jugenderziehung dienen derartige Reden ge wiß nicht.

*Darmstadt, 25. März. Die erste Kammer nahm heute das Volksschullehrergesetz, das den hessischen Lehrern ab 1. April 1897 die höchsten in Deutschland gewährten Gehaltssätze sichert, ohne Weiteres an. Die von der zweiten Kammer nach dem Antrag Wasserburg befür wortete Einführung direkter Landtags⸗ wahlen wurde abgelehnt und auf dem früheren Beschlusse, die Anstellung einer Fabrik- inspektorin im nächsten Budget vorzusehen, beharrt. Die zweite Kammer hatte, wie er⸗ innerlich, nur Assistentinnen vorgesehen. Die übrigen Verhandlungsgegenstände boten wenig Interesse.

Mainz, 25. März. Nach einer Mittei⸗ lung aus Karlsruhe ist es gelungen, die vor kurzem aus einem hiesigen Justitut entwichenen beiden jungen Franzosen dort festzunehmen, da auf Veranlassung der Eltern der beiden Jungen den Behörden amtliche Mitteilung über die Beiden gemacht worden war. Die Eltern der Franzosen haben sich sofort nach Karlsruhe begeben, haben daselbst ihre beiden Früchtchen in Empfang genommen und sind mit denselben nach Frankreich zurückgereist. Ueber die Ursache der Flucht gaben, wie wir hören, die beiden Franzosen an, daß sie plötzlich von einem großen Heimweh nach Frankreich befallen worden seien; auf dem gemeinschaftlichen Gaug zur Kirche hätten sie dann eines Morgens die Gelegenheit benutzt und seien unbemerkt davongegangen. Von dem Geld, das sie bei sich hatten, lösten sie ihre Billete auf der Bahn und fuhren zuerst nach Mannheim und dann in der Richtung nach Karlsruhe.

i Mainz, 25. März. Gestern Nachmittag legten sämmtliche Zwicker und Maschinenaus⸗ putzer in der Schuhfabrik Eichbaum u. Co., in welcher in letzter Zeit wiederholt Differenzen vorkamen, die Arbeit nieder, weil der durch den

Gogol!

9 Novelette von Hermann Heiberg.

15(Nachdruck verboten.) Nun waren es gerade zehn Jahre, seitdem Konrad Gogol in das Bankhaus von Palacios und Komp. als erster Buchhalter eingetreten, und gerade fünf Jahre, seitdem ihm von dem Chef dieser Welt⸗ fiema: Subprokuxa für die Effektenabteilung erteilt bporden war.

Ja, Palacios und Komp. das war eine Firma! Sie besaß einen unbegrenzten Kredit, besaß Nieder⸗ saͤssungen an allen großen überseeischen Plätzen, und henn's sein mußte, vermochte sie an einem Tage h wenigen Stunden aus eigenen Beständen eine Million Pfund Sterling flüssig zu machen.

In der Stadt am Rathausmarkt befand sich der Bankpalast, da waren die Kontore, in denen weihundertundfünfzig Angestellte an Pulten ar beiteten.

Und am Alsterdamm lag der andere Palast, in dem Caesar Palacios wohnte und fürstliche Feste ab, von denen nicht nur Hamburg sprach.

Welche Räume! welche Einrichtung, welche ge egene Pracht!

Wie funkelte die Equipage von Senator Caesar galacios, die jeden Morgen vor dem Hause hielt, m den Chef ins Bankkontor zu bringen, wie tief erbeugte sich die in eiergelber Livree gekleidete bienerschaft, wenn die Wagenthür zuschlug und das gefährt davonflog.

Und oben guckte Felicita Palacios aus dem senster, ein Mädchen, wie eine Maurin mit ihrem leichen, etwas länglich geschnittenen Augesicht, ein heschöpf, das Männer, aber auch Frauen be⸗ nuberte.

Aus schwarzer Nacht strahlten zwei feurig blitzende Sonnen

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Und da sie die einzige Tochter des millionen reichen Herrn Palacios, war sie umschwärmt von denen, die meinen, daß sie ein Anrecht besitzen auf jeden Lebenserfolg, und ward beneidet und sehn süchtig bewundert von denen, welchen eine größere Rolle in der Welt zu spielen nicht einmal der Ge danke kommt.

Konrad Gogol gehörte nicht zu den letztern. Nachdem ihm in diesem Jahre zweimal der Vorzug geworden war, in den Bällen und Maskeraden im Palacios'schen Hause eingeladen zu werden, hatte er sich mit Mienen und Worten an Felicita heran gemacht, als habe ihm nur die Gelegenheit gefehlt, ihr zu zeigen, daß sie schon lange der Mittelpunkt aller seiner Gedanken gewesen.

Es hinderte ihn durchaus nicht, daß ihm junge Militärs mit stolzen Namen und alten Wappen schildern, daß ihm die Söhne der großen Kauf mannsfamilien, und daß ihm Mitglieder der Ge sandtschaften und Konsulate den Rang streitig zu machen suchten, oder schon mit Aussichten auf die Gunst dieses schönen und klugen Mädchens sich ihr näherten.

Er trat auf, als ob er ihresgleichen sei, und da Fe licita natürlich einem ganz andern Herrn als Tisch dame zuerteilt war, wußte Gogol sich für Quadrille und Kotillon neben ihr einen Platz als Herr zu erobern!

Beim ersten Mal legte sich der schöne, schwarze Kopf etwas steif zurück; ein Anhauch von sprödem Zögern machte sich in ihren Zügen bemerkbar. Aber als er dann den Mund öffnete, in dem zwei Reihen schueeweißer Zähne unter dem dunkeln Schnurrbart blitzten, als er sprach mit der ihn eigenen eutschiedenen und doch so wohlklingenden Stimme, als er seine entschlossen blickenden, be zwingenden Augen auf sie richtete, da neigte sie dasselbe stolze Haupt und bejahte nicht nur mit der

Miene der Wohlerzogenheit, sondern mit derselben

Zuvorkommenheit, die sie gleich darauf dem Ritt

meister Grafen von Fürstenberg bei dessen Bitte

um den Walzer spendete. *

*

*

Frauen sind Blumen, die man wegen ihrer simpeln Gewöhnlichkeit unbeachtet läßt, zu denen man sich hinabneigt, um ihren süßen Duft einzu atmen, oder nach denen man, berauscht von ihrer Schönheit, die Hand ausstreckt!

Sie gehören zu den letztern, Fräulein Pa lacios

Das hatte er gewagt, ihr zu sagen.

Und von den Kaufleuten sagte er:

Es ist ein Stand, der die Kunst besitzt, da sein Gewissen schon eingeschläfert zu haben, wo das andere laut und zagend zu pochen beginnt.

Kaufleute müssen ein wenig Betrüger, Geistliche ein wenig Heuchler, Künstler und Schriftsteller ein wenig Phantasten sein.

Und wohin registrieren Sie die Beamten und Militärpersonen? warf Felicita, die nach dem un bescheidenen Kompliment eigentlich gesonnen ge wesen, eine straff abweisende Miene aufzuziehen und doch lebhaft angezogen, hin. Die Art, wie dieser Prokurist ihres Vaters sprach, gefiel ihr.

Er stand klug lächelnd über den Dingen; er besaß Urteil und ein Selbstgefühl, das er sogleich in die Ecke zu stellen verstand, sobald ihm seine Klugheit Beschränkung auriet.

Militärs gleichen in Friedenszeiten Zinnsoldaten, und Staatsbeamte stellt mau, an, weil sonst die armen Palte in der Welt verhungern müßten.

Felicita spitzte den Mund: sie lächelte, schien aber doch nicht ganz befriedigt.

Das klingt, als ob beide überflüssig seien, Herr Gokol.

schmitzter Miene.Einziger Sohn des Justizrat Gogol in Görlitz, wenn Sie es gnädig gestatten, fügte er, sich graziös verneigend, hinzu.

Um so besser, Herr Gogol. Der Name, wie ich ihn bisher verstand, war mir nicht sympathisch! Aber nun zu meiner Frage zurück. Ich bitte, ant worten Sie, Herr Gogol!

Niemand ist überflüssig und jedermann kann entbehrt werden, gnädiges Fräulein! Fern sei es von mir diese Stände zu mißachten!

Aber wenn man Vergleiche anstellt, kommts weniger auf das absolut Zutreffende an, als auf die Fähigkeit etwas unzweifelhaft Wesentliches in die rechte Beleuchtung zu stellen.

Man sagt zum Beispiel, der Mann sieht aus wie ein Bär!

Daß er nicht wirklich wie ein Bär aussieht, ist ausgemacht, obschon er wie jener auf den Hinter⸗ beinen spaziert!

Ja, Sie haben recht ich verstand auch, daß Sie durch solche Charakterisierung der Beamten⸗ welt den vorhandenen Ueberfluß ironisieren wollten!

Da in diesem Augenblicke beide von neuem zum Tanzen an die Reihe kamen, wurden sie unter- brochen, und nach dem Kotillon begegneten sie sich nur mit den Augen. Die aber trafen sich, obschon Felicita umschwärmt wurde wie eine Königin.

Beim zweitenmal, als Gogol eine Gesellschaft bei Palacios besuchte, gelangte das eingetretene stille Einverständnis zwischen ihnen schon zu einem ganz andern Ausdruck.

Felicita hatte Gogol inzwischen einmal auf dem Eise getroffen und auch Erkundigungen bei ihrem Vatee über ihn eingezogen.

Er sei ein ungewöhnlich befähigter Mensch. Wenn er sich ebenso unterzuordnen verstände, wie er tüchtig sei, so würde er ihn auch gehalten haben.

Herr Gogol, betonte Konrad mit lustig ver⸗

(Schluß folgt.)