Ausgabe 
26.3.1896
 
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Sevilla fünftausend Mädchen und Frauen Zigaretten rollen und mit ihren bunten Umschlagtüchern und dem blumengeschmückten Haar ein ungemein amüsantes Bild bieten, arbeiten in der Corona, die vielleicht nicht weniger Zigaretten herstellt, nur etwa 100 Frauen und Mädchen, und einige 30 Maschinen liefern mehr Zigaretten, als die hundertfache Zahl von Menschen vermöchte. Die geringe Zahl von Arbeiterinnen macht es vielleicht verständlich, warum in den cubanischen Fabriken eine so große Ruhe herrscht, während in Spanien das Summen von Wiegen⸗ liedern(denn die jungen Mütter bringen ihre Säuglinge mit in die Fabrit), das Plaudern, Scherzen und Necken häufig zu solchem Umfange anschwillt, daß man es mit

dem Meeresbrausen vergleichen möchte. Vielleicht hat aber auch eine andere Einrichtung damit etwas zu thun, eine Einrichtung, die so praktisch

ist, daß ich baß erstaunte, sie hier bei den gewiß nicht im Rufe der gewerblichen Schlauheit stehenden Cubanern zu finden. Während in den spanischen Fabriken sämmtliche Arbeiterinnen zugleich reden, haben die cuba⸗ nischen Zigarrenmacher ein Kompromiß abgeschlossen, wo⸗ nach immer nur einer reden darf, und daraus ist all⸗ mäylich der Gebrauch entstanden,⸗daß die Arbeiter eines jeden Saales einen Vorleser anstellen und bezahlen. Mitten im Saale sitzt ein Mann auf einem Katheder und liest mit weithinschallender Stimme eine Zeitung nach der andern vor. Der Mann ist nicht etwa ein Automat, sondern er versteht sein Geschäft, hebt und senkt die Stimme, wie es die Regeln der Rhetorik verlangen, und begleitet seine Worte mit ausdrucksvollen Gesten, so daß es ein Vergnügen ist, ihm zuzuhören. Von seinen Be⸗ wegungen merken freilich die Arbeiter nichts, denn sie sind eifrig beschäftigt und sehen nicht von ihrem Tische auf, wo sie dietripas(Eingeweide) in das Deckblatt einrollen. Ist der Vorleser an das Ende der Tageszeitungen ge⸗ kommen, so hält er auch wohl einen freien Vortrag poli⸗ tischen, humoristischen oder allgemein belehrenden Inhaltes. Man sieht also, daß sein Amt kein leichtes: er ist die lebendige Zeitung der Zigarrenarbeiter und muß allein alles zusammentragen, was er zur Unterhaltung seiner Klienten für tauglich hält. Havanna ist zwar die Stadt der Zigarren, aber man befindet sich in einem großen Irrtum, wenn man glaubt, hier billige Rauchwaaren ein⸗ kaufen zu können. Wer bereits an amerikanische Zigarren⸗ preise gewöhnt ist, wird sich allerdings nicht über die Preise in Havanna beschweren können; wem aber noch deutsche Pfennige im Kopfe spuken, der wird staunen! Eine gute Mittelsorte bezahlt man in einem havannesischen Zigarrenladen mit 20 Pfennig das Stück, bessere Sachen kosten 50, 60, 80 Pfennig und es ist nichts Ungewöhn⸗ liches, daß man eine Zigarre mit 2 Mk. und mehr be⸗ zahlt. Einer unserer Reisegenossen, der mehr Geld hat

als die zwölf an Bord versammelten Zeitungsschreiber alle zusammen, kaufte 1000 Stück für 2300 Mk. und in der Corona wurde mir eine sorgfältig und hermetisch in einer Glasröhre verpackte Zigarre zum Geschenk gemacht, die 17 Mk. kosten soll. Diese ganz teure Waare wird jedoch überhaupt nur auf Bestellung gemacht und dient im übrigen, wie mir scheint, nur zu Reklamezwecken, indem sie an vornehme Gäste Leute wie der Schreiber dieser Zeilen verschenkt wird.

Hypnotischer U nfug. In London veranstaltet ein Hypnotiseur Vorstellungen, die sich großen Zuspruchs des schaulustigen Publikums erfreuen. Die Hauptnummer seines Programms besteht darin, daß er einen 29jährigen Menschen zeigt, den er durch Suggestion in einen lang⸗ dauernden Schlaf versetzt hat. Gegenwärtig befindet sich der bedauernswerthe Mann in einem Schlafe, der ihm auf 30 Tage suggerirt ist und 20 Tage bereits anhält. Der Schlafende macht einen jammervollen Eindruck. Sein Gesicht ist leichenblaß, der Puls schwach und zählt kaum 50 Schläge in der Minute, die Zahl der Athemzüge ist bis auf acht in der Minute gesunken, in den Lidern und unteren Gliedmaßen treten bisweilen Zuckungen auf. Die Augen sird geschlossen; werden die Lider emporgehoben, so dreht sich der Augapfel nach oben und außen; die Pupillen sind stark erweitert. Die Körpertemperatur be⸗ trägt 36,2 Grad. Der Schlafende wird mit peptonisirter Milch künstlich ernährt. Um die Unempfindlichkeit des Unglücklichen dem Publikum zu beweisen, unterwirft ihn der Hypnotiseur allerlei Peinigungen. Und das geschieht, bemerkt derWratsch, dem dieDeutsche Medizinal⸗ zeitung diese Mittheilung entnimmt, in einem der kul⸗

tivirtesten Länder Europas am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Die Amerikaner verdrießt es sehr, daß so

manche reiche, unter dem Sternenbanner geborene Erbin sich von der schiffbrüchigen jungen Aristokratie Europas bethören läßt und einen armen, aberhochgeborenen europäischen Adeligen heiratet. Es sind schon allerhand Vorschläge aufgetaucht, um das zu verhindern. Der neueste ist die Bill, die jetzt der Legislatur des Staates Newyork vorliegt. Nach dieser soll eine Steuer auf die Mitgift derjenigen Damen gelegt werden, die europäische Adelige heicaten oder deren Mitgift aus den, Einnahmen ihres amerikonischen Eigentums fließt. Zwei v. H. sollen von der Mitgift erhoben werden. Das auf diese Weise in die Staatskasse fließende Geld soll zur Gründung von Hand⸗ arbeitsschulen für Mädchen und zu Asylen für alte und gebrechliche Frauen verwandt werden. Der Antragsteller meint, daß dem Staat auf diese Weise zehn Millionen Dollars jährlich zufließen werden.

Zwischen Spitzbuben.Du, Schorsch, kannst

deun, der mich vertheidigt hat! Der weint sogar, wenn's nöthig ist!

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 25. März. Das Befin⸗ den des General⸗Feldmarschalls Grafen Blumenthal hat sich gebessert.

Hd. Berlin, 25. März. Zu dem Be⸗ such Kaiser Wilhelms in Wien und zu den hieran geknüpften Kombinationen Wiener Blätter sagt dieNat⸗Ztg, es

liege keine Veranlassung zu neuen politischen Abmachungen vor.

Hd. Paris, 25. März. Bei verschiedenen Personen fanden heute Haussuchungen statt, wie es heißt, nach verschwundenen Bankbüchern. Es soll sich um große Unterschlagungen handeln.

Hd. Paris, 25. März. Die gesamte bürger liche Presse, welche gegen die Einkommensteuer ist, bezeichnet das Auftreten der Sozialisten während der Debatte über die Einkommensteuer als einen noch nie dagewesenen Skandal. Das ist immer und überall so, wenn die Besitzenden

zahlen sollen. 5

Hd. Paris, 25. März. Wie derIn⸗ transigeant meldet, hat die ueber⸗ wachung des C örnelius Herz im Tan⸗ kerville⸗Hotel in England während 3 Jahren 20000 Franks gekostet.Auto⸗ rité schreibt: Wenn wir uns nicht irren, wird diese Woche nicht ohne Mi⸗ nister⸗Krisis zu Ende gehen, denn das Kabinett hat sich durch die Verquickung mit den Kollektivisten vollständig kom⸗ promittiert; die Diplomatie Bourgeois würde an der Antipathie der öffentlichen Meinung scheitern.

Hd. Brest, 25. März. Wie hier verlautet, wird demnächst zwischen hier und New⸗York eine direkte Schifffahrtslinie eingerichtet werden, und zwar soll der Verkehr einer Deut⸗ schen Gesellschaft anvertraut werden. Die Schiffe werden von Hamburger Kapitalisten in Stettin-und Belfast in Auftrag gegeben werden. Die chauvinistische Presse protestirt

Privattelegramme derHessischen Landesztg. d. Berlin, 25. März. 3.20 Nm.

Die wegenDiebstahl des Armee⸗ verordnungsblattes, welches den Gnaden⸗ erlaß enthielt, verurteilten drei Bach⸗ binder haben Berufung eingelegt.

Hunderttausende werden weggeworfen

Benutzung ungeeigneter Zeitungen. Ein Inserat muß nicht allein sachverständig und treffend abgefaßt sein, sondern es ist auch der Leserkreis der Zeitungen in Betracht zu ziehen. Auf dem weiten Felde des Zeitungswesens wird sich der Laie nicht leicht orientieren und deshalb eines erfahrenen und zuverlässigen Rathgebers be dürfen, um sein Geld nutzbringend anzulegen und mit einiger Sicherheit Erfolge zu erzielen. Ein berufener Führer ist die älteste Annoncen-Expedition Haasenstein u. Vogler, A. G., Frankfurt a. M. Vertreten in Gießen durch Gustav Wohlmuth, Seltersweg. Durch 40jqährige Praxis, welche zu den intimsten Ver⸗ bindungen mit allen Organen der Zeitungspresse des In⸗ und Auslandes geführt hat, ist sie mit ihren zahlreichen Zweighäusern und Agenturen vorzugsweise in der Lage,

machen. geführt, da nur die Originalzeilenpreise der Zeitungen berechnet werden, und kommen auf diese Preise bei belang⸗

nung. Man versäume deshalb nicht, sich bei obiger, Firma vor Vergebung eines Annoncen-⸗Auftrages erst ge⸗ nau zu informiren.

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Philipp Schmidt, 58 Jahre alt, Steiger von Wetzlar. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. ds. Mts., vormittags 11 Uhr von der neuen Klinik aus statt.

Am 25. März. Wilhelm Bayer, 64 Jahre alt, Werkführer dahier, Dammstraße 37. Die Be⸗ erdigung findet Freitag, den 27. ds. Mts, vor⸗ mittags 11 Uhr vom Sterbehause aus statt.

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der Deutz-Gießener Eisenb ahn.)

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ca. 200 qm), 3. Asphaltarbeit,(. ca. 4,8 ebm), 5. Zimmerarbeit(Tannenholz, ca. 165 qm), 6

geben werden. Die Angebotsunterlagen können im werden. Bezllglich der Bedingungen für die fübrung wird auf den Ministerialerlaß vom 16. Mittwoch, den 15. April 1896,

frist: 14 Tage. Versand von Zeichnungen nach außerhalb Die zur Ausführung von 4 Doppelwohnhäusern nebst Einfriedigungen an 1. Erd 5. Spenglerarbeiten, 6. Tüncher⸗ und Schreinerarbeiten und 9. Schlosserarbeiten, sollen in

Pläne und Bedingungen können im Bureau des Architekten G. Hamann, Bahnhofstr. 2, in den Vormittagsstunden eingesehen und Angebots- formulare daselbst gegen Erstattung der Copialien bezogen werden einzelnen Branchen, event. auch Angebote auf Uebernahme der gesammten Bauarbeiten für eine Mittags 12 Uhr, Eingetr. Genossensch. m. b. Haftpflicht, Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen. der Landmannstraße erforderlichen Arbeiten, als: lieferungen, 3. Zimmerarbeiten, 4. Dachdeckerarbeiten, Anstreicherarbeiten, 7. Glaserarbeiten, 8. öffentlicher Submission vergeben werden

Pauschaksumme sind bis zum 30. Marz er.,

genossenschaft des evang. Arbeitervereins zu Gießen, Gartenstraße 11 einzureichen.

Dachdeckerarbeit(Holzeementdächer, ea 165 qm), arbeit, 9. Glaserarbeit, 10. Schlosserarbeit, 11. Weißbinderarbeit, und Chaussierungsarbeit(ca. 85 qm), sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung ver⸗ Amtslokal der Baubehörde für die Univer sitäts⸗Neubauten in Gießen, Goethestraße 52, eingesehen und Angebotformulare daselbst bezogen Bewerbung um diese Arbeiten und ihre Aus⸗ Juni 1896 verwiesen. Vormittags 10 Uhr, ebendaselbst einzureichen

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1896.

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graf zu Soln J Auch, wenn von e eitel, wie der in Luateniniser F de doch nicht das n Haufe als Klage 0 die Stundesher heb, die mögliche chen könnten. 15 Anhäufung anden einzelner

uf zu Erla c ban ffüher gar 10 f nuch wür ff Als ff r in dänn bereits

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und Maurererbeiten,

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Bekanntmachung.

Hiermit zur Kenntnisnahme, daß vom 15 Marz 1896 ab die unterfertigte Ver⸗

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Die Prämiensatze für die übrigen Tiergattungen bleiben unverändert und zwar: für Ninder, Stiere Kühe Mk. 3. bezw. Mk 3. 1.

versichert.

Schweine Gießen, den 11. März 1896.

Die Schlachtvieh⸗Versicherungs⸗Gesellschaft zu Gießen. L. Vogt, Vorsitzender.

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