Ausgabe 
26.4.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 26. April

1896.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

65 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 24. April. Es wird uns ge schrieben:Es sind Meinungsverschiedenheiten über die Frage entstanden, ob die Uebernahme einer Postagentur seitens eines Reichstags⸗ abgeordneten die Erlöschung seines Mandats zur Folge habe oder nicht. Der Abg. Köhler-Langs⸗ dorf ist der Ansicht, daß er sich einer Neuwahl aussetzen müsse, während der Abg. Richter, der

ührer der freisinnigen Partei, in derFreis. tg. die Anschauung vertritt, daß die Ueber⸗ ve einer Postagentur die Neuwahl nicht be⸗ dinge. Als einzigen Grund seiner Meinung giebt Herr Richter an, daß der Postagent keine Be⸗ soldung, sondern eine Remune ration beziehe. Dieser Grund scheint doch nicht ganz einwands frei zu sein. Es ist zunächst davon auszugehen, daß dem Art. 21 der Reichsverfassung der gesetz⸗ eberische Gedanke zu Grunde liegt, daß der bgeordnete nicht möglicherweise durch Verleihung eines Amtes in Abhängigkeit gebracht, beeinflußt wird von der Regierung. Diese Gefahr liegt gleichmäßig vor, ob nun die Regierung einen Abgeordneten mit einem remuneratbrisch vergüteten oder etatsmäßig besoldeten Amt bestellt. Es könnte gedacht werden, daß die Regierung, indem sie unter mehreren Be⸗ werbern um eine Postagentur den Bewerber, der Parlamentsmitglied ist, vorzieht, einen Einfluß ausübt. Auch der weitere Gesichtspunkt, der wohl bei Entstehung der Verfassungsbestimmung eine Rolle gespielt hat: daß die Wähler einen Abgeordneten gewählt haben, der kein Be⸗ amter war, während derselbe jetzt Beamter ist, und man nicht weiß, ob er gewählt worden wäre, wenn er zur Zeit der Wahl Beamter gewesen wäre, it zu beachten. Es kann auch nicht zweifelhaft sein, daß die Post⸗ agentur ein Staats amt ist. Der Postagent wird in sein Amt eingeführt, er wird ver- pflichtet, er steht unter den Disziplinarbe⸗ stimmungen, er wird vom Strafgesetz als Be⸗ amter behandelt(S 31. 359 St.⸗G.⸗B.). Für die letztere Hinsicht hat das Reichsgericht es als gleichgiltig bezeichnet, ob der Beamte ein festes Gehalt beziehe oder auf Gebühren angewiesen sei. Der Postagent übt öffentliche Dienst⸗ funktionen aus, wird er im Dienst beleidigt, so wird der Beleidiger wegen Beamtenbeleidigung bestraft. Uns schienen die aufgetretenen Zweifel wesentlich aus dem Grunde entsprungen zu sein, daß die Postagentur ein untergeordnetes, nebensächliches Staatsamt und daß es noch nicht vorgekommen ist, daß ein Abgeordneter sich um eine solche Stelle bewarb. Dieser Um⸗ stand ist aber unwesentlich. Liegen deshalb die Voraussetzungen des Art. 21 der Verfassung vor, so dürfte die Uebernahme der Postagentur aller

dings die Unwirksamkeit des Köhler'schen Mandats zur Folge haben. Gießen, 24. April. Eine in Bildung begriffene Genossenschaft mit beschränkter Haftung beabsichtigt von der städtischen Verwaltung drei unserer Marktlauben zu mieten, um darin an den Wochenmarkttagen vom Lande einzuführen des Fleisch feilzuhalten. Die Genossenschafter, meist Landwirte der näheren Umgebung, wollen das auf den Markt zu bringende Fleisch der städtischen Fleischschau unterwerfen oder, wenn nicht anders ausführbar, sollen die Schlachtungen im hiesigen Schlachthof ausgeführt werden. * Gießen, 25. April. Wir hören, daß man im Ministerium erwägt, ob man unter gewissen Bedingungen zu unseren wieder ge statteten Viehmärkten Vieh aus Preußen zulassen soll. Ein Entscheid hierüber wird wegen des nächsten Gießener Marktes vom Kreisamt stündlich hier erwartet. Sollte der Entscheid im bejahenden Sinne ausfallen, so können wir am 28. und 29. ds. Mts. auf einen sehr bedeutenden Auflrieb rechnen. * Gießen, 25. April. In der Neustadt zirkulirt das Gerücht, daß hinter dem Schlacht hof die Arbeiten für den neuen Viehmarkt⸗ platz in Angriff genommen seien. Nach unserer Erkundigung handelt es sich aber um Planirungs⸗ arbeiten und Umzäunungen, die dort vorgenommen werden. * Gießen, 25. April. Es werden von der Stadt Gießen pro 1896/97 die nachstehenden Umlagen erhoben: a) auf das gesamte Kommunalsteuerkapital 53 Ortseinwohner und Forensen 431134. 53 8

b) auf das Steuerkapital der evangelischen Gemeindeangehörigen 42 100.

c) do, der katholischen Gemeindeangehörigen 2500 Kl.

Der Steuerzuschlag berechnet sich hiernach

auf 1. Kommunalsteuerkapital: a) auf 28,8 b) 3,658 0)* 2,564 1

Daneben werden von den evangelischen Ge⸗ meindeangehörigen noch an Landeskirchensteuer 1 auf die Mark Kommunalsteuerkapital er⸗ hoben. 0 Von den auf den Steuerzetteln als Gemeinde steuern eingeforderten Beträgen werden somit erhoben bei evangelischen Gemeindeangehörigen rund 10,71% für die evangelische Kirchengemeinde dahier und 4,98% für die evangelische Landes kirche, bei katholischen Gemeindeangehörigen 8,17% für die katholische Kirchengemeinde dahier.

* Gießen, 25. April. Das 2. Bataillon unseres Regiments zog heute Vormittag um % 11 Uhr mit klingendem Spiel in die Kaserne zurück. Das Regiment war auf dem Trieb zur

Regimentsvorstellung vor dem Oberst v. Mad ai zusammengezogen.

Froschhausen, 27. April. Ein seltenes Glück beim Ausgraben von jungen Füchsen batte heuer der hiesige Jagdaufseher Herr Kunkel. In 14 Tagen grub derselbe 4 Fuchsbäue mit zusammen 24 Jungen aus. Die gehörigen 4 Füchsinnen fing er jedesmal am folgenden Tage mittels Tellerfallen. Für jeden jungen Fuchs werden dem. Jagdaufseher seitens des Jagdschutzvereins 50 Pfg.; für jeden alten Fuchs 1 Mk. 75 Prämie ausbezahlt.

Bensheim, 24. April. Gestern begann das hiesige Lehrerseminar das neue Schul- jahr mit 87 Zöglingen, davon gehören 31 der Unter-, 27 der Mittel- und 29 der Oberklasse an.

Mainz, 23. April. Der Arbeiterausschuß der Schuhfabrik von Rosenbusch u. Co. verhandelte heute mit dem Inhaber der Firma über die von den Stepperinnen aufgestellten Forderungen, wobei Herr Rosenbusch sich bereit erklärte, dieselben sämtlich zu bewilligen. Die für heute ange⸗ kündigte Arbeitseinstellung ist in Folge dessen unterblieben. Der Fabrikant verpflichtet sich dem⸗ nach, für vollständige Beschäftigung seiner Ar⸗ beiterinnen zu sorgen und andernfalls bei mangeln⸗ der Arbeit die Arbeitszeit entsprechend zu verkürzen. Die Lohnzahlung soll wöchentlich stattfinden. Die seither eingeführte Miete für die Benutzung der Maschinen, die den Stepperinnen wöchentlich vom Arbeitslohn abgezogen wurde, das sog. Maschinen⸗ geld, wird abgeschafft. Sämtliche Materialien, wie Seide, Garn u. s. w. hat der Fabrikant zum Selbstkostenpreis zu liefern. Der vereinbarte neue Lohntarif bringt den Stepperinnen an einzelnen Arbeiten bis zu zwanzig Prozent.

Vermischtes.

DasNein der Braut. Aus Wien berichtet das dortigeN. Tagebl.: Für gestern Nachmittag war im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung eines Witwers mit einem ungefähr zwanzig⸗ jährigen Mädchen angekündigt. Etwa eine Stunde vor dem festgesetzten Termin wurde aber der Tempelvorstand in Kenntnis gesetzt, daß die Trauung nicht stattfinde; nach einer weiteren halben Stunde wurde diese Absage widerrufen, das Brautpaar erschien und die Zeremonie nahm gegen 2 Uhr ihren Anfang. Als der Prediger endlich an die Braut die übliche Frage richtete, ob sie in die Ehe einwillige, gab sie keine Antwort. Auf die Wiederholung der Frage rief dann das Mädchen ein lautesNein! Die sofortige Unterbrechung des Trau ungsaktes war die selbstverständliche Folge. Der Bräu⸗ tigam entfernte sich sofort aus dem Tempel, welchem Bei⸗ spiele nach einiger Zeit auch die Braut und ihre Angehörigen folgten. Die Ursache dieser peinlichen Szene soll in dem Umstande gelegen sein, daß die Braut erfahren hatte, der für sie erwählte Mann habe seiner ersten Frau eine schlechte Behandlung zu Teil werden lassen. Von ihren Eltern gedrängt, gab sie schließlich doch ihre Zustimmung, um sich

aber im letzten Momente durch dasNein im Tempel vor der gehaßten Verbindung zu retten.

Stiergefechte in Frankreich. In Per⸗ pignan stieß am 20. April beim Stiergefecht, das trotz allen Verboten stattfand, ein Stier das Horn einem Kämpfer in die rechte Wade, die vollständig zerfleischt wurde, und einem Banderillero in den Bauch, aus dem die Gedärme hervorquollen. Einen Dritten nahm er auf die Hörner, warf ihn in die Luft und trampelte auf ihm. Alle drei wurden bewußtlos, der Banderillero in Lebens⸗ gefahr weggetragen. Das Publikum klatschte dem tapfern und klugen Stier, der lieber den Menschen als den Schindmähren zu Leibe ging, begeisterten Beifall. Das Gefecht wurde unters rochen, so daß der Stier Sieger blieb.

In die Erde versunken. Eine Unglücks⸗ nachricht durchlief am Samstag Vormittag Brüssel. Im stark bewohnten Arbeiterviertel auf der Place de Jeu de Balle schritt der Trödler Dollo, eine Karre vor sich herschiebend; neben ihm ging seine greise Mutter. Plötz⸗ lich that sich die Erde auf; Dollo und die Karre ver⸗ sanken; ein Vorübergehender zog die alte Frau vor dem Abgrunde zurück. Sofort wurde Lärm geschlagen, das Rettungswerk begann. Man stieß auf ein 8 Meter tiefes, 4 Meter breites Wasserreservoir, das eine Fabrik vor 40 Jahren dort angelegt hatte. Nachmittags gegen 3 Uhr fand man die Leiche Dollos, der sofort durch die Erdmassen getötet worden war.

Standesamtliche Nachrichten. Geburten. 15 5 12. April dem Fuhrmann Ernst Ruppel 1 Sohn, vrnst.

Den 14. April dem Kaufmann Peter Leppla 1 T., Erna Hedwig Karoline.

Den 15. April dem Bauaspirant Wilhelm Nold 1 S.

Den 16. April dem Weinhändler Zadock Kann 1 Sohn, Otto.

Den 18. April dem Metzgermeister Wilhelm Faust 1 Tochter, Lina. 5

Den 19. April dem Taglöhner Karl Mandler 1 T., Emma Henriette Philippine Katharine.

Den 21. April dem Photograph Gustav Mook 1 S.

Den 23. April dem Bahnarbeiter Heinrich Berg 1 S.

Aufgebote.

Den 14. April. Ernst Otto Müller, Monteur zu Oberhausen, mit Luise Karoline Christiane Auguste Reiber hierselbst.

Den 21. April. Ludwig Friedrich Heinrich Wilhelm Wacker, Werkführer zu Rudolstadt, mit Martha Louise Wilhelmine Druschke hierselbst.

Den 21. April. Johann Jakob Aßmaun, Brauer dahier, mit Margarethe Dörr hierselbst.!

Den 21. April. Johann Georg Carl Böttner, Schuh⸗ macher zu Lich, mit Maria Keil hierselbst.

Den 23. April. Carl Emil Stroh, Maschinist dahier, mit Elise Kaus hierselbst.

Den 23. April. mit Mathilde Wilhelmine Emilie Schröder hierselbst.

Eheschließungen.

Den 22. April. Großenlinden, mit Anna geb. Wolf, Wittwe von Ana⸗ tomiediener Albert Mielbrecht dahier.

Sterbefälle.

Den 18. April. Ernst Bernhard Heine, 17 Monate

alt, Sohn von Hilfsbremser Ernst Heine dahier.

2 Sascha. Novelle von Graf Günther Rosenhagen. (Nachdruck verboten.)

Frau Vera von Smirninghoff saß an ihrem Schreibtisch mit dem Ordnen ihrer Wirtschafts⸗ bücher beschäftigt, als sich die Thür ihres Zimmers öffnete und ihr zwölfjähriger Sohn Sascha herein stürzte. Sie hielt mit dem Schreiben inne und streichelte die dichten, schwarzen Locken ihres Lieb⸗ lings, der sich vor ihr auf die Kniee geworfen hatte:Ist es schon so spät, Sascha, schon zwei Uhr? Ich glaubte, es sei noch früher, aber dem Glücklichen schlägt keine Stunde und das reinste, wahrhafte Glück, das Keiner uns zu trüben und zu rauben vermag, ist die Arbeit. Nun aber komm und laß uns Mittag essen, Du wirst hungrig sein.

Noch immer lag Sascha auf den Knieen vor seiner Mutter und hatte, während er sie mit seinen Armen sie umschlungen hielt, seinen Kopf in ihren Schoß vergraben.

Komm' Sascha, steh' auf, bat die Mutter. Der Knabe löste seine Arme und als sie in das Gesicht ihres Kindes blickte, sah sie, daß schwere, heiße Thränen ihm die Wangen herunterrollten und daß ein krampfhaftes Zucken und Beben durch seinen ganzen Körper ging.

um Gottes Willen, Sascha, was hast Du, bist Du krank, fehlt Dir etwas? Warum weinst Du?

Thränen in den ewig heiteren, sorglosen Augen ihres Kindes waren eine so seltene Erscheinung, daß Frau Smirninghoff nicht ohne Grund eine besondere Ursache vermutete.

Der Knabe war aufgesprungen und hatte sich vor die Mutter hingestellt, da erst bemerkte sie, daß sein Anzug zerrissen und voller Löcher war. Sie lachte hell auf:Hast Du Dich schon mal wieder geprügelt und dieses Mal dabei selbst die meisten

Schläge bekommen? Wer aber so groß ist wie

Du, muß körperliche Schmerzen stumm zu ertragen verstehen. Wer war Dein Gegner?

Er nannte den Namen.

Ach, der schielende Sohn der Schneiderin, in dessen Gesicht nur Niedertracht und Verlogenheit zu lesen sind. Was hat er Dir gethan?

Wieder schwieg er einen Augenblick und schaute mit seinen großen, dunklen Augen, die doch so klar und rein waren, als könne man durch sie hindurch bis in sein innerstes unverdorbenes Herz blicken, seine Nutter an, dann sagte er langsam, aber ganz leise, als schäme er sich, die Worte des Anderen zu wiederholen:

Er hat schlecht von Dir gesprochen, Mamming.

Verwundert sah die Mutter ihr Kind an:Von mir? Was kann denn dieses verdorbene Geschöpf schlechtes von mir sagen?

Eine flammende Röte stieg in Saschas Wangen. Er sprach von Dir und Onkel Markewitz. Ich verstand ihn nicht und wußte nicht, was seine Worte bedeuteten; aber als ich hörte, wie die anderen Knaben darüber lachten, empfand ich, daß es etwas Häßliches sein müßte, was er sagte. Noch ein anderes Wort aber da hättest Du mich sehen sollen; Mamming, so habe ich ihn gefaßt, mit der linken Hand um den Hals und mit der Rechten habe ich ihn verhauen. Hätten die Au deren mich nicht losgerissen, ich glaube, ich hätte ihn totgeschlagen.

Seine Augen funkelten und seine Hände ballten sich von Neuem, als wollte er sich noch einmal auf seinen Gegner stürzen.

Frau von Smirninghoff war bei den ersten Worten unwillkürlich erbleicht, gleich darauf aber hatte Sie sich wieder gefaßt und nichts verriet die

große Erregung in ihrem Innern, als sie ihr Kind

an sich zog und ihm die Thränen aus den Augen küßte:

Und deshalb weinst Du, Liebling? Laß sie reden, was sie wollen und beantworte, was Du hörst, nicht mit Schlägen, sondern mit Verachtung. Gegen Alles kann man sich schützen und verteidigen, nur nicht gegen die Verleumdung. Wer sich über Schmähungen ärgert und dies offen zeigt, erweist dem Verleumder einen Gefallen, Verachtung ist das Einzige, das ihn zu entwaffnen vermag. Nun ver⸗ giß, was Du gehört; Dir aber danke ich, daß Du so tapfer Deine Liebe bewiesen hast. 5

Sie ergriff ihren Sohn an der Hand und führte ihn hinüber in das kleine, mit behaglicher Eleganz eingerichtete Eßzimmer, an dessen Wänden alte Silber- und Krystallsachen auf den Borden prangten und in dem der alte blankgeputzte Samovar einen Hauptschmuck bildete.

Die Stunde des Essens verlief wie immer; für Alles, was ihren Sohn betraf, zeigte Frau von Smirninghoff das regste Interesse, sie fragte ihn aus nach Allem, was er in der Schule gesehen und gelernt hatte, ließ sich seine kleinen Erlebnisse und Abenteuer erzählen, erkundigte sich nach seinen Mit⸗ schülern, die sie, aus seinen Erzählungen wenigstens, Alle dem Namen nach kannte und hatte Sinn und Verständnis für seine kleinen Sorgen.

Seit dem Tage, da ihr Gatte gestorben, hatte sie ihre ganze Liebe dem Knaben zugewendet und ihm alle ihre Sorgfalt und Pflege gewidmet. Mit abgöttischer Liebe hing Sascha au seiner Mutter. Durch das Alleinsein, durch den ausschließlichen Verkehr mit ihr, hatten sich sein Verstand und sein Fassungsvermögen früh entwickelt. Seine Mutter unternahm nichts, ohne ihn vorher um Rat zu fragen und auf das Höchste wurde sie oft durch seine Antworten, die fast immer, selbst auf ihm

bisher unbekannten und fernliegenden Gebieten, das 1

Richtige trafen, überrascht. Mutter, deren Fleiß und Sparsamkeit grenzenloser Verehrung gegen sie

Sascha sah in seiner ihn mit. erfüllten und

deren kluge, verständige Worte sich fest in sein leicht empfängliches Herz einprägten, das Ebenbild einer Göttin: sie war für ihn der Inbegriff alles

Guten, Schönen und Edlen.

Als die Mahlzeit beendet war, zog Frau von Smirninghoff sich in ihr Zimmer zurück, um wie

stets um diese Zeit einen Augenblick zu ruhen. Schon früh am Morgen verließ sie ihr Lager, das

Jakob Fischer, Stat.⸗Gehilfe daher,

Ludwig Peppler 3., Taglöhner von

sie erst am späten Abend, nachdem sie den ganzen

Tag über gewirkt und geschafft hatte, wieder auf-

suchte. Aber heute floh sie der Schlaf, wachend

lag sie auf ihrer Chaiselongue, eine innere Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt. Sie wollte sie nicht beachten, sie sträubte sich dagegen mit der ganzen Kraft ihres Verstandes, aber die Worte, die Sascha ihr wiederberichtet, klangen immer und wieder an ihr Ohr. Also so weit war es schon

gekommen, daß man es wagte, sie bei ihrem Kinde

zu verleumden. Denn nur Bosheit und Gemein

heit konuten an ihr und ihrem Benehmen etwas

Tadelnswertes finden. Der Verkehr mit Herrn von Markewitz war nebst der Freude an ihrem Knaben das Einzige, das sie noch auf der Welt

immer

hatte, das ihr das Leben lieb und teuer machte;

sollte sie auch dieses, wie schon so vieles vorher, 1

opfern und aufgeben? Ihr Stolz bäumte sich da⸗

gegen auf.Nein, rief es in ihrem Herzen,laß

sie reden und denken, was sie wollen, ich verachte/

die Menge und ihr Urteil, Keinem bin ich Rechen

schaft über mein Thun und Treiben schuldig, zumal wenn es gut und vorwurfsfrei ist und keine Sühne fordert. leidigt und meine Ehre angreift?

(Forts e f.)

Was habe ich gethan, deß mau mich be⸗