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teressterende Bierfrage. Hoffentlich werde, wie in München, künftig auch anderwärts energisch Front gemacht gegen die grobe Unsitte des„schlechten Einschänkens“. Vielfach komme dies dadurch, daß der Wirt an einen Unternehmer oder seine Kellner das Bier im Ganzen vergebe und letz⸗ tere dann durch knappes Maß, sog. Feldwebel, sich einen Profit verschaffen und dafür obendrein noch durch unnützes Trinkgeld belohnt werden. Ist es schon zu beklagen, daß man in letzter Zeit statt des richtigen„Maas!“ stets nur drei„Quarteln“ bekommt und, trotzdem auch der Bier⸗ preis noch ein ungerechtfertigt höherer geworden ist, so ist es ganz am Platze, wenigstens sich gegen die weitere Ver⸗ kürzung durch Mindermaß zu schützen. Es muß dies aber allgemein geschehen.— Die Entschuldigung, daß »die Lokale jetzt so schön eingerichtet“ seien, kann nicht in Betracht kommen.„Gengens weiter“, sagt ein Münchener in Berlin,„dös Kanapee kost mi alle Tag a Maas!“ und fügte im Brustton innerer Ueberzeugung hinzu, daß er im Jahre mehrere Tonnen Bier bezahlen müsse, ohne sie getrunken zu haben. 2
— Ein neuer Hans Sachs ist zu Straßburg auferstanden. Im Stil des weiland Nürnberger„Schuh⸗ Machers und Poet dazu“ veröffentlicht der neue Meister⸗ singer folgenden Ton auf sich selber, den die Nürnberger Tabulatur⸗Kenner wahrscheinlich die„Phrenologische Pech⸗ Weis“ genannt haben würden;
„Nur für Damen mache ich Schuh'
Nach neuester Mode und billig dazu,
Weil unverheiratet und bescheiden ich bin
Und nicht viel frage nach Geld und Gewinn.
Auch schreib' ich Gedichte und treib' Phrenologie,
Kann beurteilen die Männer nach ihrer Photographie:
Ob sie werden in der Ehe hübsch sittsam und fein,
Oder oft launig, brutal und gemein.
Das sag ich gratis jeder Dame und viel mehr dazu, Welche sich bestellt bei mir ein Paar Schuh.“
Bei so viel Vergnügen kanns nicht gut fehl gehen. Ob unter diesen Umständen aber das an erster Stelle gepriesene Verdienst:„weil unverheiratet ich bin“ bei dem Straßburger Jünger dauerhafter sein wird, als bei dem Nürnberger Meister— wer mag es sagen!
— Die Schläferin von Thenelles. In Thénelles, einem freundlichen Dörfchen bei Saint⸗Quentin, lebte vor 13 Jahren ein junges Müdchen Namens Mar⸗ guérite Boyenval, das damals in dem blühenden Alter von 19 Jahren stand, ein aufgewecktes, hübsches Ding, welches mit der Mutter ein Häuschen mit Strohdach be⸗ wohnte und sich von Nähen nährte. Der Klatsch zischelte auch um diese Maid und behauptete, sie habe ein Liebes⸗ verhältnis mit bösen Folgen gehabt. An ihrem 19. Ge⸗ burtstage, dem 19. Mai 1883, trat Margusrite zufällig aus
sie zuzukommen schienen. Ein jähes Entsetzen erfaßte sie. Die Aermste glaubte, der Klatsch sei der Behörde bekannt geworden, und die Gendarmen wollten sie nun verhaften. Sie stieß einen entsetzlichen Schrei aus und fiel zu Boden. Eine tiefe Ohnmacht kam über sie. Von dieser Stunde an ist Marguerite Boyenval nicht mehr zu sich gekommen; sie schläft nun volle 13½ Jahre. Ihre Angst war, nebenbei bemerkt, unbegründet, denn die Gendarmen wollten gar nicht zu ihr, sondern gingen vorüber. Der seltsame Fall hat die größte Aufmerksamkeit der ärztlichen Welt Frankreichs erregt. Der Schläferin wurde die sorg⸗ fältigste Pflege zu teil, und die ersten Fachmänner, wie Charcot, Berillon und Brouardel, begaben sich nach Thénelles, um die Ursachen dieser merkwürdigen Schlaf⸗ krankheit festzustellen. Es ist nicht gelungen; man stcht heute noch vor einem Rätsel. Außer den schwachen Atem⸗ bewegungen und dem matten Kreislauf des Blutes ist in diesem Körper kaum eine Spur von Thätigkeit der will⸗ kürlichen und unwillkürlichen Muskeln zu entdecken. Der Körper schläft eben und ist durch kein Mittel zum Auf⸗ wachen zu bringen. Das Mittel, welches der bekannte „Figaro“-Korrespondent, Charles Chinchölle, der„König der Reporter“, vorschlägt, der die„belle sous le chaume dormant“ in Thénelles besucht hat, scheint angesichts der Traurigkeit des Falles einen frivolen Beigeschmack zu haben; er meint, es müsse wohl der Prinz Wunderhold kommen, der sie durch den befreienden Kuß erwecke. Dieser billige Scherz soll übrigens Chincholle verziehen werden, da er zugleich eine genaue, in der„Straßb. Post“ wiedergegebene Beschreibung der Kranken liefert. Er berichtet von ihr, die„im Schlafe aus einem Mädchen eine Frau geworden“, daß er sie bei seinem Eintritt in das kleine Zimmer völlig einwandfrei als Schlafende, als Kranke befunden habe. Sie liegt, erzählt er, auf ihrem Bette den Kopf auf das Kopfkissen gelehnt, die Arme unter der Decke, ganz bleich, hohlwangig, mehr wie eine Tote denn wie eine Schlafende aussehend. Mund und Augen sind geschlossen. Oeffnet man die tiefliegenden Augen, so sieht man nur zwei ganz weiße Kugeln. Die Augäpfel sind völlig unter die Augenbrauenbogen gedreht. Die Mutter ist eine kräftige, starkgebaute Frau, sodaß man sich bei der Aehnlichkeit der beiden ein Bild von der früheren Marguerite machen kann. Sie sieht mit ihrem kastanienbraunen Haar schön aus, aber die Mutter stellt fest, daß sie sehr gealtert sei, seit sie eingeschlafen ist. Im Anfang des langen Schlafes hat es verschiedene Male geschienen, als ob sie erwachen werde, nach fünf Minuten war das aber wieder jedes Mal vorbei. Die Ernährung,
die bis vor acht Jahren noch mittelst eines Löffels durch den Mund besorgt werden konnte, macht große Mühe. Die Mutter hebt die Decke, das Hemd scheint ein Skelett
Finger sind steif und nur Haut und Knochen. Die Hand fühlt sich heiß an und die Mutter erklärt, daß sie sie künstlich wärme. Sie hebt gewaltsam den einen Arm, der dann diese Stellung beibehält, auch als die Decke wieder darüber gedeckt ist. Die Aerzte haben vollständiges Ab⸗ sterben der Nerventhätigkeit festgestellt. Auf das Berühren mit empfindlich heißen Gegenständen hat das Nervensystem nicht im Gerin gsten reagiert. Man nimmt an, daß die Kranke in den ersten Monaten des Schlafes noch Gehör gehabt habe; dann ist davon aber jede Spur verschwunden. Fälle von derartigem kataleptischen Dauerschlaf sind zwar schon öfter beobachtet worden, aber von solcher Länge
noch nicht. Humoristisches.
— Aus den„Fliegenden“. Neuer Hei⸗ rats antrag.„Gnädiges Fräulein, darf ich Sie vielleicht zu meiner Hochzeit einladen?“
— Rom anphrase. Ein wonniges Gefühl durch⸗ schauerte den jungen Mann, als sein Regenschirm auf dem schmalen Steige den Regenschirm der Heimlichgeliebten berührte.
— Kasernenhofblüte.„... Kerls, Helden müßt Ihr sein wie Napoleon— aber was versteht Ihr denn von der Mythologie!“
Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten—
Versammlung, Donnerstag, 26. November 1396, nachm. 3½ Uhr pünktlich.
1. Mitteilung.
2. Ausführung der Gas- und Wasserleitung in der Liebigstraße.
3. Ausführung der Gasleitung in der Wiesenstraße.
4. Das Gerätemagazin auf Oswaldsgarten; hier: Errichtung einer Wohnung in demselben.
5. Die Entwässerung der Lindengasse.
6. Gesuch des Andreas Sorgenfrei dahier um Er⸗ laubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Wichardschen Hause, Hammstraße 14.
Neueste Telegramme. Hd. Reichenberg i. B., 24. November. In dem Bezirk Lomnitz wurde eine sehr ergiebige Erdölquelle entdeckt, welche brennbares Petroleum in großen Mengen liefert. Hd. Paris, 24. November. Wegen der Dreyfus⸗Affaire fand zwischen zweijung en
der Thür des Hauses, als sic Gendarmen sah, welche auf
zu umschließen.
Die Arme liegen dicht am Körper, die
Aerzten ein Degen-Duell statt. Der Arzt,
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welcher für Dreifus eingetreten war, gefährlichen Stich in die Brust.
erhielt einen
Hd. Nancy, 24. Nov. Das Sch wurgerich hierselbst hat einen gewissen Harsch 99 Lustmordes, begangen an einem 15jährigen Mädchen, zum Tode verurteilt. Das Ve brechen wurde auf französischen Boden
2 2 2 in g 8 J Nähe der lothringischen Grenze begangen*
*
Hd. Bordeaux, 24. Nov. Der Ausstand
der Gasaxbeiter erreicht mit dem heuß en dad fe die ef 11 oe 15 eizern die verlangte Lohnerhöhun 10 G be wi Zur ab ie Gasarbeiter in ukunft vier Zen e N. e „Hd. Petersburg, 24. Nov. Die. teilung deutscher und englischer Blätter, 19 Rußland und Deutschland gelegentlich des Aufe halts des Zaren in Deutschland den Neutra⸗ litätsvertrag erneuert hätten, welchen Fürst Bismarck geschlossen und Graf Caprio später fallen gelassen, wird von gut unterrich⸗ teier Seite nachdrücklich dementiert. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland sind, wie bei diesem Anlaß hervorgehoben wird, sehr gute und auf keiner Seite bestände ein An⸗ laß, zu der Bismarckschen Politik der Rückver⸗ sicherungsverträge zurückzukehren. 1 Hd. Belgrad, 24. November. In dem Seminar zu Prizrend kam es z wischen montenegrinischen und anderen Zög⸗ lingen zu Reibereien. 38 Zöglinge aus Alt⸗Serbien und Macedonien verließen das Seminar.
Marktpreise. 2 Gießen, den 24. November. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 90— 1,00, Hühner⸗
eier 1 St. 6—8, Enteneier—, Gänseeier——, Käse 5—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 17, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 50—65 Pfg., Hühner p. St. 90—1.,20, Hahnen 42— 54, Enten 1,40— 1,60, Gänse per Pfund 42— 55, Ochsenfleisch 6674, Kuh⸗ und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 56 66, Schweinefl., gesalz. 70-72, Kalbfleisch 50— 54, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln pro 100 Kilo 4,00— 4,50, Zwiebeln per Zentner 4,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg.
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öffentlich meistbietend versteigert werden. Wegen etwaiger vorheriger Besichtigung
wolle man sich an das Stadtbauamt wenden Gießen, den 22. November 1896.
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