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Gießen, Freitag, den 25. Dezember
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Posiztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
. Kreuzplatz Nr. 4. E
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.
.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
lokales und Provinzielles.
* Gi en, 24. Dezember. Neujahrs⸗ ir haben schon häufig darauf auf— gerksam gemacht, daß es zur Sicherung einer scchnellen Beförderung und Bestellung 0 Postsendungen, namentlich zur Neujahrs⸗ eit, von größter Wichtigkeit ist, wenn er Bestimmungsort auf den Postsendungen Anöglichst deutlich unten rechts in der Ecke nit großen lateinischen Buchstaben vermerkt, und imterhalb dieser Augaben außerdem die Woh- jung der Empfänger recht genau, d. h. ach Straße, Hausnummer und Lage— ub eine oder zwei Treppen pp.— niederge⸗ hrieben wird. Aus der Aufschrift muß auch ge Lage des Bestimmungsortes, namentlich bei beniger bekannten Orten, unzweifelhaft hervor⸗ chen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich e Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks(Provinz, Re⸗ ferungsbezirks), oder auch die Angabe von ößeren Flüssen(„an der Oder“,„an der Elbe“, am Rhein“,„am Main“ pp.), oder an Gebirgen am Harz“,„im Odenwald“ pp.). Nicht Hinder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie„in Thüringen“,„in der Altmark“,„im Rheingau“ p. für den Zweck geeignet. Bei Postsendungen gach Ortschaften ohne Postanstalt ist auf ger Adresse außer dem eigentlichen Bestimmungs⸗ te noch die Bestell⸗Postaustalt anzugeben. HZiebt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder hnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizu⸗ igen. Ein Verzeichnis der gleichnamigen oder 1 Postorte kann zum Preise von 6 Pfg. bei jeder Reichspostanstalt bezogen erden. Liegt der Bestimmungsort einer Post⸗ dung in einem fremden Postgebiet, so ei den weniger bekannten Orten auch das Jand oder der Landesteil auf der Adresse anzu⸗ geben. Bei Briefen nach Berlin ist, außer der Pohnung des Adressaten, der Postbezirk(N., N. O. pp.), in dem die Wohnung sich befindet, zuf der Adresse hinter der Ortsbezeichnung Berlin“ zu vermerken. Die genaue Beachtung eser Punkte trägt zu einer beschleunigten Beförderung der Postsendungen wesentlich bei und liegt daher in erster Linie im eigenen In⸗ leresse der Absender. Schließlich wollen wir, um gochmals auf den Neujahrsverkehr zurückzu⸗ jommen, nicht unterlassen, den Absendern von Neujahrsbriefen den möglichst frühzeitigen Unkauf der erforderlichen Freimarken und die Absendung der Neujahrsbriefe nach aus⸗ wärts einige Tage vor Neujahr dringend ans Herz zu legen. Denn erfahrungsgemäß ist der Andrang an den Postschaltern am 31. Dezember ein so ungeheuerer, daß es trotz der umfassendsten ngen der Postbehörde oft licht zu vermeiden ist, wenn an diesen Tagen Stockungen am Schalter eintreten. Wer also zur Erlangung seiner Freimarken nicht längere geit am Schalter stehen will, was gerade nicht qu den Annehmlichkeiten gehört, der mache seine
Einkäufe schon einige Tage vor Jahresschluß. * Gießen, 24. Dez. Postkarten aus Holz. Bekanntlich werden seit kurzem von der Privatindustrie hergestellte Postkarten aus Holz den Handel gebracht. Im Interesse des
zublikums wird deshalb darauf aufmerksam
gemacht, daß derartige Karten von der Post gegen die Postkartentaxe von 5 nicht be⸗ fördert werden. Nach den Bestimmungen der vom Reichskanzler erlassenen Postordnung müssen nämlich Formulare zu Postkarten, die nicht von der Post bezogen werden, in Größe und Stärke des Papiers mit den von der Post gelieferten übereinstimmen.
* Gießen, 24. Dezember. Im Amtsgerichts⸗ bezirke Gießen bestanden Ende 1894 382 ein⸗ getragene Handelsfirmen. Im Laufe des Jahres 1895 wurden 38 neu eingetragen, 48 dagegen gelöscht, sodaß Ende 1895 noch 372 eingetragene Handelsfirmen bestanden.
* Gießen, 24. Dezember. Die Soll- Einnahmen an Zöllen und gemein⸗ schaftlichen Verbrauchssteuern betrug im Großherzogtum Hessen im Jahre 1895/96 13 615 081,60 l. Die Bonifikationen auf gemein⸗ schaftliche Rechnung beliefen sich auf 664 012,85 Mark, sadaß eine Reineinnahme verblieb von 12 951 068,75. Die Eingangszölle allein brachten 8 238 172. ein. Die nächsthöchsten Beträge lieferten die Branntwein⸗ und Salzsteuer. Erstere brachte netto 1 275 858,60 Mark, letztere 1 102 000,65%. Die Zucker⸗ steuer brachte 453 113,85, die Tabaks-⸗ steuer 373 040,40. ein.
„Gießen, 24. Dezember. Die hiesige theo⸗ logische Fakultät hat Sr. Excellenz dem Wirk⸗ lichen Geheimerat Ludwig Hallwachs zu Darmstadt anläßlich seines 70. Geburtstages die Doktorwürde honoris causa verlieren.
* Gießen, 24. Dezember.(Wie man das Handwerk hebt!) Am vergangenen Montag fand die Submission von öffent⸗ lichen Bauarbeiten für das hiesige Kreis⸗ bauamt statt. Von hiesigen Schreinermeistern wurde u. a. Preise gestellt— 360. als Mindestgebot und 704 l als Meistgebot, also beinahe 100 Prozent Differenz— die, wie uns aus fachmännischen Kreisen mitgeteilt wird, nicht dazu angethan sind, um allen Anforderungen, die an den Submittenten gestellt werden, zu ge⸗ nügen. Entweder liefert man ihm das Material „umsonst,, oder man greift zu dem gewohnten Mittel der„Lehrlingszucht“, denn anders wäre es nicht möglich, solche Angebote zu stellen. Sache der Meister wäre es, diesen Krebsschaden auszurotten.
* Aus Hessen, 22. Dezember. Um den Sinn der Jugend für die Sorge der Tiere zu wecken und zu fördern, wurden dieser Tage 8000 Tierschutzkalender in den Schulen des Landes verteilt.
*Watzenborn, 23. Dez. Die Reichstags⸗ abgeordneten Hirschel und Köhler hielten am vergangenen Sonntag hierselbst eine Ver⸗ sammlung ab, die den Zweck haben sollte, der seither nur sehr schwache Ortsgruppen des Mittel⸗ deutschen Bauern⸗Vereins auf die Beine zu helfen. Herr Hirschel hielt eine Ansprache, in der er sich gegen die Sozialdemokratie wandte und schließ⸗ lich zum Beitritt zur Ortsgruppe aufforderte. Herr Hirschel hielt es für nötig, den Auwesen⸗ den ans Herz zu legen, denjenigen Wirtschaften fern⸗
übleiben, in denen Sozialdemokraten verkehrten.
emerkt sei noch, daß trotz der zahlreichen anti⸗ semitischen Stimmen les waren 147 gegen 145 sozialdemokratische Stimmen) sich nur 24 Wähler zum Beitritt zur Ortsgruppe herbeiließen. Den
Arbeitern ist nun zu empfehlen, gleichwie in Steinberg, so auch hier, einen Arbeiter⸗Verein zu gründen, der bezüglich des Besuches der Wirt— schaften auch sein Interesse vertritt.
„Altenbuseck, 23. Dez. Eine Schlägerei, bei der leider auch das Messer eine Rolle spielte, fand am Montag Abend zwischen hier und dem benachbarten Trohe statt. In einer Wirtschaft gerieten die Burschen aus letzterem Orte mit einigen hiesigen Altersgenossen in Wortwechsel, wodurch letztere gereizt wurden und jene auf dem Nachhausewege verfolgten. Am schlimmsten kam bei der alsbald entstehenden Rauferei der 20jährige H. Meisel weg, der je einen Messerstich in Kopf und Brust erhielt, sodaß er noch jetzt das Bett zu hüten ge⸗ nötigt ist.
* Lampertheim, 24. Dezember. In den letzten Wochen wurden von hier, Bürstadt, Biblis und anderen Orten des süblichen Rieds gegen 1000 Stück Hämmel nach Frank⸗ reich ausgeführt.
* Neu⸗Isenburg, 23. Dez. Die Polizei hat hier zwei angeblich aus Gießen zugereiste Burschen in dem Augenblick festgenommen, als sie in ein Haus der Hirtengasse einsteigen wollten. Vorher hatten ste versucht, in einem Laden unter Drohungen Geld für Nachtquartier zu erpressen.
* Mainz, 22. Dezember. Das Dienst⸗ mädchen einer hiesigen Herrschaft ist an einer schweren Blutvergiftung erkrankt. Das Mädchen war vorgestern damit beschäftigt, für die bevorstehende Weihnachten kupferne Kessel zu scheuern; einer dieser Töpfe hatte einen kleinen Riß und damit zog sich das Mädchen eine Ver⸗ letzung an der einen Hand zu. Von dem an⸗ gesetzten Grünspann war etwas in die Wunde gekommen und führte die Vergiftung herbei.
* Mainz, 23. Dezember. Im Laufe des Herbstes wurden in der Neustadt in der Nähe der Försterstraße zahlreiche Grabstätten und auch menschliche Gebeine aufgefunden. Die Untersuchungen haben ergeben, daß man es nicht allein mit einem römischen Friedhofe, der offen⸗ bar viele Jahre benutzt worden war, zu thun hat, sondern auch mit Gräbern aus dem dritten Jahrhundert mit frühchristlichen Grabschriften und schließlich mit Gräbern aus der napoleonischen Zeit. Die Gräber wurden auf einem Platz, zum Teil bis zu 5 Meter tief, aufgefunden.
* Mainz, 23. Dezember. Vor der Straf⸗ kammer des Landgerichts begann heute Vor⸗ mittag der Kuppeleiprozeß gegen die von ihrem Ehemann getrennt lebende Ehefrau Katharine Engel. 48 Zeugen waren ge⸗ laden, darunter eine große Anzahl Kellnerinnen. Die Verhandlung fand bei verschlossenen Thüren statt. Der Vorsitzende erklärte am Schlusse der Verhandlung, es sei erwiesen, daß in den Räumen der von der Angeklagten geführten; Wirtschaft mit den Kellnerinnen und Dienstmädchen wieder⸗ holt Unzucht getrieben worden, es sei aber nicht erwiesen, daß die Angeklagte von dem Treiben Kenutnis gehabt habe. Die Angeklagte wurde deshalb freigesprochen.
* Launspach, 24. Dez. Ein Beobachter der sozialen Miß verhältnisse auf dem Lande teilt uns folgenden Fall mit: Eine arme Witwe, die sich als Fabrikarbeiterin zu Gießen
ihren Lebensunterhalt verdienen muß, fand an einem der letzten Abende bei ihrer Heimkehr das Haus verschlossen. Wohl eine Stunde mußte die Frau im Kalten warten. Ihre Kinder im Alter von 2, 3 und 9 Jahren hatten sich aus Furcht eingeschlossen und waren vor Ermüdung in Schlaf gesunken. Durch das anhaltende Pochen der Mutter wurde endlich der neun⸗ jährige Knabe, dem tagsüber die„Ver⸗ wahrung“ seiner jüngeren Geschwister obliegt, wach und öffnete der Wartenden. Das eine der Kinder lag vor dem glühenden Ofen, während sich das andere in einer Ecke sein Schlafplätzchen aufgesucht hatte. Abgesehen von einem Unglück, das durch das Hantieren der Kinder mit dem Feuer entstehen kann, ist es als recht bedauerlich zu bezeichnen, daß die Kinder Tag für Tag die mütterliche Pflege entbehren müssen. Wo bleibt da die Erziehung? Die Mutter ist wahrlich nicht dafür verantwort⸗ lich zu machen.
Vermischtes.
— Zum Untergang des„Salier““. Einem tieftraurigen Weihnachtsfest sehen alle die Familien in Bremerhaven, Geestemünde und Lehe entgegen, welche auf dem„Salier“ Angehörige gehabt haben. Wie verzweifelt dort die Stimmung über dieses schwere Unglück ist, davon spricht in ergreifenden Worten ein Privatbrief aus Bremer⸗ haven, dem der„Hann. Kur.“ Folgendes entnimmt: „Ihr könnt Euch keinen Begriff machen von dem Jammer und der Aufregung, die hier in Bremerhaven und einigen in der Nähe liegenden Ortschaften herrschen. Ueberall sieht man trauernde und aufgeregte Gesichter. Die Lloyd⸗ Agentur, welcher wir gegenüber wohnen, wurde in der ersten Zeit förmlich gestürmt, ein Jeder wollte Auf⸗ klärung haben. Alle kehrten sie zurück, und in ihren Mienen konnte man lesen, was die Beamten ihnen sagen mußten:„Keiner gerettet“. Wir haben gestern den ganzen Tag die beiden jüngsten Kinder des Kapitäns Wempe— sechs und zwei Jahre alt— bei uns gehabt; die armen Kleinen waren ganz verhungert, zu Hause hatte kein Mensch an Beköstigung gedacht. Frau Wempe hat den Kopf verloren. Ihre beiden Knaben im Alter von 14 und 12 Jahren liegen im Krankenhause, sie haben die Masern. Sehr hart betroffen wurde auch ein alter Herr, der Direktor der Bremerhavener Sparkasse. Sein dritter und letzter Sohn befindet sich unter den Verun⸗ glückten. Der älteste war Offizier auf der„Elbe“, der zweite war Kapitän auf einem Fischdampfer, der im vorigen Jahre verschollen ist— und nnn hat er auch noch auf dem„Salier“ den letzten Sohn verloren. Der Arzt auf dem gescheiterten Schiffe war auch der einzige Sohn seiner alten Mutter. Er scheint seinen Tod schon geahnt zu haben, denn am Abend vor der Abreise war er noch bei uns und sagte, daß ihm der Abschied von seiner Mutter ganz besonders schwer geworden sei, er würde sie wohl nicht wiedersehen. Auch der Zufall spielte wieder eine Rolle. Eine Familie aus Osnabrück wollte die Fahrt auf dem„Salier“ ebenfalls mitmachen, mußte aber an Land bleiben, weil der Mann kurz vorher er⸗ krankte. Dadurch wurden sie gerettet. Die Leute fuhren nun mit der„Pfalz“ nach Buenos Aires.“
Briefkasten. L. in Watzenborn. Ihre Einsendung soll ver⸗ wandt werden, jedoch müssen wir noch weitgehendere Er⸗ kundigungen einziehen.
Neueste Telegramme.
Hd. Schwäb. Gmünd, 23. Dez. Bei der gestrigen Landtag 3-Stichwahl wurde Pfarrer Schwarz von Ottenbach(Zentr.) mit 3066 Stimmen gewählt. Der Gegen⸗ kandidat Rektor Dr. Klauß erhielt 2643 Stimmen.
Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. (Fortsetzung.)
Erleichtert atmete sie auf, als sie nun wieder uter freiem Himmel standen. „Da drinnen ist es ja fürchterlich!“ sagte sie ast unwillkürlich.„Wie ist es nur möglich, daß ie Leute Tag für Tag an einem solchen Orte ver— veilen können?“ „Es ist freilich ein hartes Tagewerk; aber die s verrichten, sind dennoch gerade unsere besten und ufriedensten Arbeiter. Sie erhalten einen aus— jömmlichen Lohn und sind fast ohne Ausnahme Familienväter, die in dem stillen Glück des häus⸗ schen Herdes Befriedigung und Eutschädigung finden r die Mühsal ihres schweren Berufs.“ Das waren gewiß ganz unverfängliche Worte; Elisabeth fühlte doch, daß ihr das Blut in die Wangen stieg, und sie fand mit einem Male, daß eigentlich gar nicht schicklich sei, so allein mit Die kleine goldene Taschenühr von ihrem Gürtel nestelnd, gage sie, ohne ihn anzusehen: ich darf Sie nicht länger bemühen, und es ist vohl auch an der Zeit, daß ich zu meinem Papa ückkehre!“
—
„Wollen Sie nicht wenigstens noch einen Blick auf unseren größten Dampfhammer werfen?— Er hat augenblicklich seinesgleichen nicht in Deutsch⸗ land!“ sagte Bernhard.
Das konnte Elisabeth natürlich nicht abschlagen, und gleich darauf standen sie vor dem hoch empor⸗ ragenden Eisengerüst. Der Hammer war zwar augenblicklich nicht in Thätigkeit; aber der Ingenieur gab dem graubärtigen Manne, der die Bedienung des ungefügigen Kolosses zu besorgen hatte, einen Wink und wandte sich dann an Elisabeth:
„Dank den Fortschritten, welche die Technik neuerdings gemacht hat, sind wir in der Lage, das Spiel dieses dreihundert Zentner schweren Hammers je nach der gewünschten Stärke des Schlages und der Dicke des behandelnden Arbeitsstückes mit voll⸗ kommener Genauigkeit und Sicherbeit zu regulieren. Die Anordnung des Steuermechanisuus ermöglicht es, die Fallhöhe bis auf den Millimeter zu be— stimmen.“
Während der graubärtige Arbeiter einen ein— fachen Messinghebel niederdrückte, war der Chef— Ingenieur dicht an den Amboß herangetreten und hatte scheinbar absichtslos seine Haud auf die Platte desselben gelegt. In demselben Moment sauste be⸗
reits der über ihm schwebende Hammerbär her—
nieder und Elisabeth stieß einen lauten Schrei des Eutsetzens aus, denn sie mußte ja glauben, daß die Haud und der Arm des Unvorsichtigen vollständig zermalmt seien. Todtenbleich lehnte sie sich gegen die Mauer zurück, und auch als sie sah, daß Jener seine Hand unversehrt unter dem unmittelbar darüber stehen gebliebenen Hammer hervorzog, war sie vor Schrecken noch außer Stande, auch nur ein einziges Wort hervorzubringen. Der Urheber ihrer Bestürzung aber trat mit einem treuherzig bittenden Ausdruck in seinem ehrlichen Gesicht auf sie zu:
„Ich bitte Sie um Verzeihung, Elisabeth!“ sagte er mit gedämpfter Stimme.„Haben Sie sich denn wirklich um meinetwillen gefürchtet?“
Noch wunderbarer als der Umstand, daß er sie plötzlich mit ihrem Vornamen anredete, war die Thatsache, daß die junge Dame über eine solche Dreistigkeit weder Erstaunen noch Entrüstung zeigte. In demselben Augenblick, da sie den Ingenieur in einer— ihrer Meinung nach— so schrecklichen Gefahr gesehen hatte, war ihr mit der Schnelligleit eines grell aufzuckenden Blitzstrahles auch das Er— kennen gekommen. Während ihr Busen noch immer stürmisch wogte, sagte sie vorwurfsvoll:
„Das hätten Sie nicht thun dürfen, Bernhard!
wenn er nun versagt hätte, welches furchtbare Un— heil wäre Ihnen da widerfahren.“
In Bernhard Milow's Augen blitzte es auf und mit Stolz erhob er das Haupt.
„Ich selbst habe den Hammer konstruiert“, ent— gegnete er,„und ich müßte ein jämmerlicher Ingenieur sein, wenn ich nicht so viel Vertrauen haben sollte in mein eigenes Werk! Aber geben Sie mir Ihren Arm, Fräulein Elisabeth! Sie sehen angegriffen aus und ich mache mir die bittersten Vorwürfe, Ihnen ohne Not solchen Schrecken bereitet zu haben.“
Kaum jemals war wohl eine Erkennungsszene so seltsam gewesen als diese. Eine halbe Stunde lang waren sie nebeneinander hergegangen und hatten wie Zwei, die sich zum ersten Male im Leben begegnen, von den gleichgiltigsten und fernliegendsten Dingen gesprochen, dann war in einem häßlichen Augenblick, der jedes plötzliche Aufwallen freudiger Ueberraschung unmöglich machte, das Erkennen er— folgt, und nun, da sie im Weiterschreiten zum klaren Bewußtsein der Situation gelangten, bemächtigte sich ihrer eine Befangenheit und Verwirrung, die dem Einen wie der Anderen die Lippen verschloß und unbarmherzig Alles zurückhielt, was sich aus dem tiefsten Herzen heiß auf dieselben drängen wollte.
Dieser Mechanismus ist bewunderungswürdig; aber
(Fortsetzung folgt.)


