Ausgabe 
25.10.1896
 
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Die heutige Versammlung ist der Ansicht, daß, nachdem die deutsche Reichsregierung ihre Beteiligung an der Welt⸗ ausstellung in Paris 1900 offiziell bekanntgegeben hat, eine ausgiebige Beschickung dieser Ausstellung unter allen Umständen angezeigt erscheine. Nach Ansicht der Versammlung liegt es im gemeinsamen Interesse unserer Industrie und unseres Haudels, daß in der deutschen Abteilung der Pariser Weltausstellung ein würdiges und anschauliches Gesamtbild der Leistungsfähigkeit Deutsch⸗ lands auf künstlerischem und gewerblichem Gebiete gegeben wird. Die Versammlung empfiehlt deshalb, die Beschickung der Pariser Weltausstellung unter allen Umständen ein⸗ treten zu lassen und in diesem Sinne zu wirken. Die Versammlung spricht ferner die Ansicht aus, daß auch für die verschiedenen Gruppen der deutscheu Abteilung solche Erzeugnisse zur Ausstellung zugelassen werden sollen, welche durch eigens zu diesem Zwecke gebildete Ko m⸗ misstonen für ausstellungswert, befunden werden. Die Versammlung ist unbedingt der Ansicht, daß auf der Pariser Weltausstellung nur solche Industrie⸗ Erzeugnisse Deutschlands ausgestellt werden sollten, welche Deutschlands Industrie zur Ehre gereichen.

Herr Sekretär Jutzi von Darmstadt berichtet nunmehr über den Gesetzentwurf zur Abänderung de Urbelterversicherungsgesetze. Er hob in auschau⸗ licher Weise die Mängel hervor, die dem Gesetzentwurfe anhafteteten, besonders daß derselbe zu sehr in die Selbst⸗ verwaltung eingreife, auch die Belastung nach ihm elne sehr einseitige sei u. s. w. Der Berichterstatter verlas nunmehr eine Resolution, die sich um Beseitigung der von ihm vorgebrachten Mißstände ausspricht. Auf Antrag des Herrn Buder hier wurde von der Annahme der Resolution Abstand genommen, da man die Materie des Gesetzentwurfes noch viel zu wenig kenne, um jetzt schon sich in einer Resolution darüber schlüssig machen zu können. Nachdem noch einer der anwesenden Herren der deutschen Reichsvertretung seine Anerkennung über deren Schritte bezüglich der Pariser Weltausstellung ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung geschlossen.

* Worms, 22. Okt. Der vom landwirt⸗ schaftlichen Verein heute hier veranstaltete Obst⸗ und Kartoffelmarkt war nur von 12 Ausstellern beschickt. Die Preise stellten sich für Aepfel und Birnen auf 918 l pro Cent⸗ ner, für Kartoffeln auf 2,505,50 pro Centner.

Vermischtes.

Ach, wie ist's möglich dann! Aus Ruhla schreibt man derEisenacher Zeitung: Unsere Mitteilung, daß dem Organisten Georg Heinrich Lux, dem Komponisten des thüringischen VolksliedesAch, wie ist's möglich dann, auf dem hiesigen Friedhofe ein Denkstein gesetzt ist, hat die Frage nach dem Autor jenes anheimelnden Sanges noch einmal wachgerufen, und namentlich in Gothaer und Schmalkalder Blättern hat es sich geregt, unserem Lux die Autorschaft abzusprechen und sie Kücken zuzuschreiben. Alle die alten Ladenhüter, die schon vor Jahren zu Gunsten Kückens ins Gefecht geführt wurden, mußten auch diesmal wieder vorrücken, da neue Beweisgründe für Kückens Autorschaft fehlen. Die alten aber haben keine Beweiskraft und wurden in den Thüringer Monatsblättern überzeugend zurückgewiesen. Dies hat auch Professor Dr. Regel in seinem geo⸗ graphischen Handbuche anerkannt(Thüringen II, 2, Seite 736). Dort macht der genannte thüringische Forscher Mitteilung von dem Streit, der uns jetzt wieder beschäftigt und fügt auch hinzu, daß Kücken selbst sich im Kückenalbum dahin ausgesprochen habe, daß er das Thüringer Volkslied 1827 komponiert habe, daß das⸗ selbe aber wie alle seine aus der Jugendzeit stammenden Instrumental⸗ und Gesangskompositionen ungedruckt ge⸗ blieben sei.Trotz dieser Angabe Kückens, schreibt Regel,halten wir die Auffassung, welche M. Beltz, der Herausgeber der Monatsblätter, kürzlich verfochten hat, für die richtige und verweisen auf dessen nähere Aus⸗ führungen. Nach denselben ist Lux der Kom ponist. Das steht auch für uns ein für alle Mal fest, denn es ist nach den Monatsblättern erwiesen, daß der Sachverhalt der folgende ist: Kücken komponierte 1827 ein Lied zu denn TexteAch, wie ist's möglich dann Lux eben⸗ falls. Die Lursche Komposition erschien ohne Augabe des Komponisten 1830 in Wien(bei Spina), die Kückensche aber blieb ungedruckt und von Kücken selbst vergessen. Mitte der Fünfziger Jahre hörte Kücken dann in Ulm daß LiedAch, wie ist's möglich dann der Text war ihm bekannt; er erinnerte sich, zu dem Texte eine Melodie geschrieben zu haben, und da das Lied gesungen wurde und der Komponist desselben in Ulm unbekannt war, so war derselbe ja nun mit einem Male gefunden: Kücken wars, hatte er doch besagtem Texte auch eine Melodie gegeben! Wir denken gar nicht daran, daß Kücken hierbei absichtlich sich mit fremden Federn schmückte, find vielmehr der Ueberzeugung, daß er in gutem Glauben handelte, als er das Lied, das er in Ulm hörte, für sich in Auspruch nahm. Dies aber war dasjenige, das bei Spinus in Wien gedruckt erschienen war Kücken selbst batte seine Komposition ja gar nicht drucken lassen.

Ende eines Deutschen in Amerika. Aus Cleveland O., 6. Okt., wird der New⸗Yorker Staats⸗ zeitung Folgendes geschrieben: Eine grauenhafte Geschichte hat sich in dem 20 Meilen von hier entfernten Hinckley zugetragen. Vor etwa 20 Jahren ließ sich daselbst ein Deutscher Namens Bernhard Scherrmann nieder, der mit einem riesigen Bernhardiner Hunde eine armselige, ganz abgelegene Hütte bezog und sich nur selten in dem Städt⸗ chen sehen ließ. Der Mann führte ein wahres Ein⸗ siedlerleben und sprach mit Niemanden. Seit Kurzem hatte man ihn gar nicht mehr gesehen und gestern machten mehrere Jungen, die in der Nähe spielten, die grauenhafte Entdeckung, daß der Einsiedler und sein Hund unter ent⸗ setzlichen Umständen geendet hatten. Der alte Mann war tot und an einen Posten gekettet. Vor der Thür des Stübchens lag sein Hund, der einen Axthieb auf den Kopf erhalten hatte. Der Körper des Mannes ließ auf einen schrecklichen Kampf schließen und die Aerzte kamen nach einer Untersuchung zu folgender Ansicht: Der Hund sei von Tollwut befallen worden und habe den Mann gebissen. Dieser habe erkannt, daß er gleichfalls von der Tollwut befallen werde und daher auch sterben würde. Er habe daher den Hund getötet, sich mit Ketten an den Posten gefesselt, die Ketten mit einem Schlosse befestigt und um zu verhindern, daß er sich befreie und andere Personen unglücklich mache, den Schlüssel fortgeworfen. Dann habe er das Eintreten der Tollwut und gleichzeitig seinen Tod abgewartet. Die Hütte wurde durchsucht und man fand in einem Versteck 13000 Doll. in Gold. Wo der Einsiedler herkam und ob er Verwandte hat, ist nicht bekannt.

Zur Vorsicht für Eisenbahnreisende. Einem Passagier wurde am Sonntag Abend auf der Sta⸗ tion Bischofsheim beim Schließen der Koupeethür ein Finger total abgeklemmt.

Der Untergang von Sodom und Go⸗ morrha. Aus München berichtet die dortigeAllgem. Zeitung: In einer öffentlichen Versammlung der Geo⸗ graphischen Gesellschaft sprach vor einem zahlreichen Publikum Dr. M. Blanckenborn(Erlangen) über das Tote Meer und den Untergang von Sodom und Go⸗ morrha. Das Tote Meer entspricht der Vorstellung, die man sich von der fluchbeladenen Stätte eines göttlichen Strafgerichts zu machen gewohnt ist, nur zum Teil. Dem Reisenden, der von Jerusalem aus auf bequemem Wege nach Jericho herniedersteigt und von da über die wüste Jordanebene ans Nordende desselben kommt, erscheint es eher als ein friedlicher, in seiner Art majestätischer Ge⸗ birgssee, dessen schwer zugängliche Ost⸗ und Westufer sich in großartiger Steilheit erheben. Sein Wasser, sechsmal so salzig als das des Ozeans, schmeckt widerwärtig bitter und besitzt so hohe spezifische Schwere, daß Boote darauf leicht zum Kentern kommen. Dieser Umstand, heftige und plötzliche Windstöße, hohe Temperatur und ungewohnt hoher Luftdruck, Unsicherheit der Ufer, endlich giftige Schwefelwasserstofferxhalationen, die mit Schwefelthermen zahlreich am Ost⸗ und Westufer und auch mitten im See vorkommen, erklären zur Genüge, daß auf dem See noch keine Schiffahrt getrieben wird, und daß die Ufer ein Bild trostloser Verlassenheit bieten. Am südlichen Teil des Sees, der von Hebron aus in zwei mühevollen, nahezu wasserlosen Tagemärschen erreicht wird, fällt vor allem der sonderbare, 180 Meter hohe Dschebel Usdum, d. h. Sodomsberg, auf. Er besteht in seinem unteren Drittel durchaus aus reinem Steinsalz, dessen rasche Ver⸗ witterung nicht selten säulenförmige Stücke stehen läßt, die von weitem an menschliche, besonders an weibliche Gestalten erinnern(Lots Weib). Das Südufer des hier nur 16 Meter tiefen Sees nimmt der schwer passier⸗ bare, mit einer Salzkruste bedeckte Morast Sebcha ein und hier werfen die Wellen mitunter knollenförmige Stücke von Schwefel und Asphalt aus. Die Entstehung des Toten Meeres begann gegen Ende der Tertiärperiode mit der Bildung des großen Systems meridionaler Spalten, die vom Ppyassa⸗See in Afrika bis zum kleinasiatischen Taurus nachgewiesen sind. An diesen Spalten sanken einige scholleuförmige Stücke der Erdkruste in die Tiefe, sodaß grabenförmige Thalzüge entstanden, die jetzt zum Teil mit Wasser ausgefüllt sind, wie der Nyassa, Tan⸗ ganyika, Samburu, das Rote Meer und das Ghor oder die Jordanebene mit dem Toten Meer. Letzteres, die tiefste aller genannten Einsenkungen(400 Meter unter dem Spiegel des Mittelmeers), stand während der Dilluvial⸗ zeit in niederschlagsreichen Perioden, die unseren Eiszeiten entsprechen dürften, in höherem Niveau als jetzt, wie die Dilluvialstraßen der Jordanebene und Geröllablagerungen auf dem Dschebel Usdum zeigen. Der Untergang von Sodom und Gomorrha erfolgte erst in der Alluvial- oder geologischen Neuzeit. Südlich von der Halbinsel Lisan muß statt der jetzigen Südbucht des Sees einst eine fruchtbare Thalebene mit den Städten Sodom, Gomorrha u. A. gelegen haben, und diese sank wahrscheinlich unter heftigen Erdbeben, nicht aber unter vulkanischen Eruptions⸗ erscheinungen, längs der erwähnten Spalten bis unter das Seeniveau. Während der Senkung entzündeten sich durch Reibung oder Blitzschlag die an vielen Stellen empordringenden brennbaren Stoffe, insbesondere Asphalt⸗ und Erdölmassen, so daß ein ungeheueres Flammenmeer die ganze Gegend bedeckte undein Rauch aufging, wie

ein Rauch vom Ofen.

Aber das war er ja gar nicht, das war ja ein

Anderer?

Wie dumm diese Meinung von mir, hier immer nur den einen Menschen zu sehen, während ich doch bereits ihrer Zwei zu Gesicht bekommen hatte, und wer weiß, wie Viele noch hier verborgen lebten.

Pah, dieser war ja gar nicht der Juteressantere, sondern jener Weißbart, welcher mit so täuschender Natürlichkeit die Rolle des Geistes spielte.

Warum?

Zu welchem Zweck?

Da stand ich wieder vor dem alten Rätsel, zu dem mir bis jetzt noch jede Erklärung fehlte.

Was war das?

Eine Stimme?!

Der ernste Mann sprach mit sich selbst, er gab seinen Gedanken lauten Ausdruck, wie man es wohl thut, wenn man sich am einsamen Ort ganz allein wähnt.

Ich lauschte.

Ja, ja, Gold, Juwelen, eine Million und arm wie Hiob! sagte er mit ingrimmigem Spott. Vogelfrei und an einem unsichtbaren Faden in dauernder Gefangenschaft gehalten. Unter der Erde, tiefer, als im tiefsten Grab, und doch ruhelos! Diese Nacht, sie ist finster und doch nicht so schwarz, wie die Nacht in meiner Brust.

Ewige Gerechtigkeit, schlummerst Du? fuhr er, aufspringend und seine Stimme erhebend, fort.

Treffe mich mit Deinen Blitzen, vernichte mich mit Deinen Donnerkeilen, nur lasse meine Seele nicht länger zwischen Himmel und Erde hinschwanken! Gieb mir die Verdammnis, wenn Du mir die Seligkeit nicht geben kannst! O Gott, mein Gott, wie weit hast Du mich verlassen!?

Diese Worte hallten wie der Verzweiflungsschrei einer gemarterten Seele von der dunklen Wölbung wieder, und kaum waren sie verhallt, so drang ein Laut wie ersticktes Schluchzen zu meinem Ohr.

Ich blickte hinüber.

Da saß er wieder wie vorhin, nun aber ganz in sich zusammengesunken und zwischen seinen das Gesicht bedeckenden Händen rannen die Thränen hervor, ja, Thränen! Ich war erschüttert, ich war starr.

Das war keine Komödie.

Die Worte kamen ihm vom Herzen, und auch seine Thränen waren echt.

Sie deuteten auf einen großen, tiefen, unaus⸗ löschlichen Schmerz, der ihm die Brust zerwühlte und ihn seines Besitzes nicht froh werden ließ.

So offenkundig das war, so geheimnisvoll waren seine Worte.

War er denn nicht verdammt?

Trug er denn nicht die Hölle in seiner Brust?

Wie konnte dieser Mann Gott anrufen!?

(Fortsetzung folgt.)

unter türkischen Räubern. DieFrankf.

Ztg. hatte vor kurzem aus Salonik gemeldet, daß ein österreichisch-ungarischer Staatsangehöriger, der Grund⸗ besitzer D. Zlatko, ein Bruder des österreichisch-ungari⸗ schen Vize⸗Konsuls in der macedonischen Stadt Serres, von türkischen Räubern entführt und bei der Auszahlung des Lösegeldes infolge vorzeitigen Eingreifens türkischer Truppen von den Räubern getötet worden ist. Sein Schicksal teilte noch ein zweiter, von den Räubern gleich⸗ falls entführter Grundbesitzer. Ueber diesen Vorfall wird derNeuen Freien Presse noch folgendes geschrieben: D. Zlatko besaß ein Landgut in der Nähe von Serres, woselbst er auch wohnte. Am 10. September, abends, wurde aus Hausthor geklopft, worauf die Schwester Zlatkos zum Fenster eilte, um zu sehen, wer Einlaß begehre. Ein Blick belehrte sie, daß das ganze Gehöft von Räubern umstellt sei. Auf die an sie gerichtete Aufforderung, der Hausherr möge unverzüglich herunter in den Hof kommen, antwortete sie, er sei nicht zu Hause. Der Anführer der Räuber gab sich jedoch mit dieser Antwort nicht zufrieden und erwiderte, falls der Hausherr nicht anwesend sei, werde man die Schwester mitnehmen, und sie solle sich bereit machen, ihnen zu folgen, da man sonst Gewalt brauchen würde. Nun eilte Zlatko selbst zum Fenster und erklärte, daß er selbst kommen werde. Er eilte in den Hof hinab, und hier wurde ihm von den Räubern mitgeteilt, daß er ihnen zu folgen habe, Wider⸗ stand sei unnütz. Da es aber nachts kalt sei, namentlich im Gebirge, riet man Zlatko, einen Winterrock mit⸗ zunehmen. Das geschah. Zlatko versuchte noch die zurückbleibenden Angehörigen zu beruhigen und folgte den Räubern, welche die Richtung nach dem Tschiftlik Rai⸗ koftscha einschlugen. Nach ungefähr dreiviertelstündigem Marsche langte der Zug vor diesem Gehöfte an. Ein Teil der Räuberbande setzte mit dem gefangenen Zlatko den Marsch fort, während die Uebrigen das Tschiftlik Raikoftscha umstellten und dessen Besitzer, den vlagischen Grundbesitzer und türkischen Staatsangehörigen Nuschko Hadschi Cotscho zu entführen suchten. Dieser, ein schon älterer Mann, wurde schleunigst versteckt und man sagte den Räubern, er befinde sich in Serres. Die Räuber drohten aber mit Mord und Brand, und schließlich sah sich der jüngere Bruder des Cotscho veranlaßt, sich den Räubern auszuliefern. Diese schlugen nun gleich der ersten Bande einen ins Perimgebirge führenden Räuberpfad ein und machten erst in größerer Entfernung von der Ort⸗ schaft Menelik Halt. Inzwischen hatte man in Serres Lärm geschlagen. Der Bruder Zlatkos, Herr Georg C. Zlatko, österreichisch⸗ungarischer Vize⸗Konsul von Serres, ver⸗ ständigte sofort das österreichisch-ungarische General⸗Konsulat in Salonichi von dem Vorfalle. Es wurden Truppen in der Richtung der Flucht der Räuber auf Streifungen geschickt. Inzwischen leitete der österreichisch- ungarische Konsul in Salonichi die notwendigen Schritte ein, um so rasch als möglich die Befreiung des gefangenen Zlatko zu erwirken. Die österreichisch⸗ungarische Botschaft in Kon⸗ stantinopel erwirkte seitens der Pforte die Zusicherung, daß in diesem Falle das Möglichste geschehen werde, um den Entführten zu befreien. Auf ausdrücklichen Wunsch des österreich-ungarischen Konsuls stellfe man die Ver⸗ folgung der Räuber ein. Diese ließen mehrere Tage verstreichen, bevor sie irgend welche Nachricht von sich gaben; endlich gaben sie durch Boten zu verstehen, daß sie Zlatko gegen ein Lösegeld von 2000 türkischen Pfund und freien Abzug freigeben würden, widrigenfalls er dem Tode verfallen sei. Das Geld sollte an einem näher bezeichneten Orte deponiert werden. Das österreichisch⸗ ungarische Konsulat erwirkte durch Vermittelung der Bot⸗ schaft in Konstantinopel den Befehl, der Gouverneur von Salonichi solle sofort die verlangte Summe den Räubern auszahlen lassen. Es scheint indessen gewisse Schwierig⸗ keiten gekostet zu haben, dieselbe aufzutreiben; thatsächlich aber brachte der Gouverneur von Salonicht die 2000. türkische Pfund auf und überreichte das Geld dem Mutessarif von Serres, damit er es den Räubern auszahlen lasse. Der österreichisch-ungarische Konsul machte es ausdrücklich den türkischen Behörden zur Pflicht, übereilte Verfolgungs⸗ versuche zu unterlassen, und der Gouverneur von Salonichi sagte zu, daß nichts geschehen solle, was das Leben des Gefangenen in Gefahr bringen könnte. Die Befreiung Zlatkos verzögerte sich aber um mehrere Tage. Der österreichisch⸗ungarische Konsul erklärte dem Gouverneur, daß er ihn für alle Folgen verantwortlich halte, falls dem Gefangenen infolge eines unvorsichtigen Vorgehens der mit der Geldablieferung betrauten türkischen Behörden in Serres ein Unglück geschehe. Der Mutessarif von Serres entschuldigte sich damit, er habe nicht den ganzen Betrag von 2000 Pfund den Räubern auf einmal aus⸗ zahlen wollen, damit dieselben nicht nachträglich höhere Forderungen stellen. Daraufhin erhielt der Mutessarif von Serres die strengste Weisung, den Rest der 2000 Pfund ohne weiteres Zögern zu bezahlen und vor Ablauf von drei Tagen nach der Freilassung Zlatkos überhaupt keinerlei Versuche zur Verfolgung der Räuber zu machen. Diesem Befehle wurde aber nicht Folge geleistet. Noch bevor Zlatko in Freiheit gesetzt war, griffen die türkischen Soldaten die Räuber an, offenbar in der Ab⸗ sicht, sich des Geldes zu bemächtigen; sie waren gegen alle Befehle taub und gegen jede Vorsicht blind. Als die Räuber dies bemerkten, machten sie ihre Drohung wahr und töteten D. Zlatko und dessen Leidens⸗ gefährten Cotscho. Dann wendeten sie sich zur Flucht und es gelang ihnen, ohne Verlust samt den erhaltenen 2000 Pfund Lösegeld zu entkommen. Nette Zustände!

Mangel an Wasser herrscht in Madrid. Seit etwa drei Monaten ist dort kein Tropfen Regen ge⸗ fallen. Die Direktion der Wasserleitung teilt mit, daß der Fluß Lozoya, der die Madrider Wasserleitung speist, gänzlich vertrocknet ist, was seit der Kanalisierung des genannten Flusses noch nie vorgekommen war und die Erschöpfung der Wasserbehälter sehr bald im Gefolge haben wird. Am 1. d. Mts. betrug der Wasserbestand in den Behältern der Wasserleitung rund zwei Millionen Kubikmeter. Madrid, eine Stadt von 500 000 Ein- wohnern, verbraucht täglich 100 000 Kubikmeter Wasser. Der Vorrat wird also bloß für 20 Tage ausreichen. In früheren Jahren waren im Oktober immer wenigstens 10 Mill. Kubikmeter Wasser in den Behältern vorhanden. Die Direktion der Wasserleitung, im Verein mit der Stadt⸗ verwaltung, hat verschiedene Maßnahmen getroffen, um nach Kräften dem Uebel zu begegnen. Der Alkade hat einen Aufruf an die Bürgerschaft erlassen, in welchem jedermaun aufgefordert wird, im Interesse der Gesamtheit im Wasserverbrauch so sparsam als möglich umzugehen. In den 5000 in Madrid bestehenden Schänken, wo für gewöhnlich die Röhren der Wasserleitung immer offen⸗ stehen, werden dieselben jetzt, auf polizeiliche Verordnung, jede Nacht geschlossen, was ein wahrer Segen ist für die ehrsame Zunft der Trunkenbolde, denn so können die Wirte nicht mehr so viel Wasser wie sonst in den Wein

mischen. Auch unterbleibt die Begießung der Garten⸗ und

* Parkanlagen, sowie der Straßen und Plätze. Alle Ge⸗ werbe, die sich des Wassers der Stadtleitung bedlenen, mit Ausnahme der Bäcker, erhalten kein Wasser mehr und müssen somit pausieren, bis bessere Zeiten, das ist Regen⸗ güsse kommen. Sämtliche Lifts werden ebenfalls auf Be⸗ fehl der Stadtverwaltung außer Betrieb gesetzt.

Tesla über die Röntgenschen Strahlen. Der berühmte Elektriker Tesla hat kürzlich in demSesen⸗ tific American seine Ansicht über das Wesen der Rönt⸗ genschen Strahlen ausgesprochen. Es ist nach ihm wenig zweifelhaft, daß die Kathodenstrahlen in der Hittorffschen Röhre aus kleinen Teilen von Materie bestehen, welche mit einer großen Geschwindigkeit von der Kathode fortge⸗ schleudert werden. Man kann sogar die thatsächliche Ge⸗ schwindigkeit dieser Stoffteilchen schätzen. Tesla gelaugt zu der Annahme, daß diese Geschwindigkeit 100 Kilomeler in der Sekunde betragen könne. Bei einer solchen enormen Schnelligkeit der Bewegung sind auch die mechanischen Effekte und die Wärmeerscheinungen erklärlich, welche an den Wänden der Röhre oder an entgegengestellten Hinder⸗ nissen anderer Art durch die ausgeworfenen Strahlenbündel erzeugt werden. Diese Strahlen wirken eben wie eine unendlich enorme Anzahl unendlich kleiner Geschosse. Wenn die Gesetze der Mechanik auch für die Kathodenstrahlen und die in ihnen mit so rasender Geschwindigkeit fortbe⸗ wegten Teilchen gelten, so müssen diese notwendig in einen ihnen in den Weg gestellten Körper tief eindringen. Eine wesentliche Stütze der Teslaschen Anschauung ist durch die wichtige, zuerst von Röntgen festgestellte Thatsache gegeben, daß die Durchlässigkeit der Körper für die Röntgen⸗ schen Strahlen von ihrer Dichte abhängig ist; je dichter ein Körper ist, desto undurchlässiger ist er also. In Be⸗ zug auf die Durchlässigkeit der Körper für Lichtstrahlen besteht dieses Gesetz nicht. Es ist daher anzunehmen, daß es auch für die Röntgenschen Strahlen nicht bestehen würde, wenn sie lichtähnliche Strahlen wären. Einen weiteren augenscheinlichen Beweis dafür, daß die Kathoden⸗ strahlen aus Materie bestehen, sieht Tesla darin, daß die⸗ selben in einer gewissen Entfernung von der Röhre Schatten werfen. Tesla glaubt aber, daß die Materie in den Kathodenstrahlen auf eine gewisse Urform zurückgeführt sei, welche bisher unbekannt war, da solche Geschwindigkelten und so gewaltige Stöße von materiellen Strahlen bisher noch nie beobachtet werden konnten, bevor die neuesten Errungenschaften der Physik der Erkenntnis einen neuen Weg wiesen.

Eine Henkerfamilie. Die Frau des be⸗ kannten französischen Scharfrichters Deibler ist in Parls gestorben. Deibler, den seit der Hinrichtung des Anar⸗ chisten Vaillant und Emile Henry kein Hauseigentümer mehr als Miether aufnehmen wollte, weil die Anhänger und Freunde der Hingerichteten das Leben und auch dle Wohnung aller Personen bedrohten, die in dem Prozesse eine Rolle gespielt haben, war gezwungen, sich ein eignes Heim zu gründen und kaufte in dem Stadtviertel Auteull ein kleines Haus mit Garten, wo er mit seiner Famille in stiller Zurückgezogenheit ein ruhiges Henker⸗Daseln führte. Die Verstorbene war die Urenkelin des Henkers Samson, der Ludwig XVI. hinrichtete und in dessen Fa⸗ milie das Amt vom Vater auf den Sohn überging. Deibler, der als erster Henkersgehülfe unter dem Scharf⸗ richter Roch thätig war, heiratete sie nach dem Tode seines Meisters, dessen Amt ihm zufiel.

Standesamtliche Nachrichten. Geburten.

Am 13. Oktober. Dem Schneider Heinrich Schmidt X 1 T., Ernestine Susanne. Am 15. Oktober. Dem Kaufmann Wilhelm Mayer 1 T. Am 17. Oktober, Dem Bankier Jakob Grünewald 1 T., Olga. 17. Kaufmann Georg Herbordt 1 T., Elise Eharlotte. 17. Dem Händler Philipp Fischer 1 S. 17. Dem Schlosser Jakob Reichel 1 T. Am 20. Oktober. Dem Schmied Franz Brunow 1 T., Marie Auguste. Am 21. Ol⸗ tober. Dem Kaufmann Karl Zülch 1 S. Am 22. Oktober. Dem Friseur Wilhelm Balser 1 T., Katharine Magdalena Lina.

Aufgebote.

Am 17. Oktober. Werner Sinning, Hoboist dahler, mit Marie Anna Johanna Josephine Wilhelmine Vogel hierselbst. Am 19. Oktober. Ludwig Martin Weber, Metzger und Wirt dahier, mit Marie Bert von Londors. 19. Max Stein, Kaufmann zu Darmstadt, mit Emilse Reichenbach zu Flawil. Am 20. Oktober. Konrad Walter, Schlosser zu Großen⸗Buseck, mit Luise Auguste Feiler daselbst. 20. Ludwig Luh, Bahnarbeiter zu

Klein⸗Linden, mit Christine Luise Hahn hierselbst. Am 22. Oktober. Heinrich Knorr, Metzger dahier, mit Lusse

Christiane Schmidt hierselbst. 22. Wilhelm Benjamin Saeftel, Schreiner dahier, mit Marie Katharine Karoline Hedwig Heil hierselbst.

Eheschließungen.

1d hierdurch e bh n donner 3 50 daß dit e e Edt 118

bbeaiek: d 4 Heßg gasec 5 Schokstrabe, Hicsecerwege

Woblborsehe % Wahlbeitrke an 5 Neuen aulage, des

anlage Nr.

Wabloorfiebe bezirk: 1 Btaugasse, 2 Kirchenplatet Slobgosse Wiesenstraße

n Wal

Wahlvorstehe al Wahlbesirk: d Kirchstraße,! Koserne J. d sraße, des 2

Wabloorstehe ler Wahlbezirk: ta e, An d Müblgasse( Wesanlage!

Wahlvorsteh.

her Wahlbezirk: des Erdlaul

Lundmannstt Ludwigstraße der Sephar

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sahcater Wahlbezirk aße, Ebel wege, der Wüͤbelmstra

Wahlvorsteh Jießen, den 2

1

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he ich einen

Am 21. Oktober. Hermann Falk, Bäcker dahter, mit 5

Katharine Ludwig hierselbst. Am 22. Oktober. Hein⸗ rich Steuernagel, Sergeant dahier, mit Marie Gebauet hierselbst.

Sterbefälle.

Am 18. Oktober. Henriette Mähler, geb. Wurm, 48 Jahre alt, Witwe von Lokomotivführer i. P. Engelhar) Mähler zu Siegen. 18. Marie Bohling, 6 Jahre alt-

Tochter von Tapezier Wilhelm Bohling dahier. Am 19. Oktober. Johanna Inderthal, 10 Tage alt, Tochlet von Liqueurfabrikant Christian Inderthal dahier. An 21. Oktober. Julius Ratje, 35 Jahre alt, Zimmermann von Lollar. Am 22. Oktober. Jakob Becker, 65 Jahre alt, Knecht von Heuchelheim.

Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 25. Oktober, 21. nach Trinitatis. Gottesdienst.

In der Stadtkirche: Vormittags 9⅛ Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche, Pfarrer Schlossen

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. 1 Donnerstag, den 29. Oktober, Abends 8 Uhr, Bibelstunde im Konfirmandensaal(Neustadt 61). Jac. 4, Ver! 6 bis 12. Pfarrer Schlo sser. 1 Nächstkünftigen Sonntag, den 1. November, als an Reformationsfest, findet Beichte und heiliges Abendmall für Matthäus⸗ und Markusgemeinde gemeinsam im Abend gottesdienst statt. Anmeldungen dazu werden vorher b dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Die Versammlur] der konfirmierten Mädchen aus der Markusgemeinde find ausnahmswe ise statt Dienstag den 27. d. Mis Montag, den 26. Ottober Abends 8 Uhr im Kouft mandensaal der Neustadt statt. In der Johanneskirche: Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr:

gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

Nachmittags 5 Uhr: Siehe Stadtkirche.

Kindergottesdienst für die Johanne