Ausgabe 
24.10.1896
 
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Gießen, Sonnabend, den 24. Oktober

1896.

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Ausgabe

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Gießen.

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8 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition:

1 Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 23. Okt. Gegen die Wahl des Rechtsanwalts Metz als Landtags⸗ abgeordneter ist von Seiten der Gegner Protest eingelegt, und zwar mit der Begründung, daß mehr wie 13 Personen nichthessischer Staats⸗

4 angehörigkeit an der Wahl teilgenommen haben, weil dieselben in der Wählerliste verzeichnet

standen. Wir haben also Aussicht, aus der Qual oder Wahl vorerst nicht herauszukommen.

* Gießen, 23. Oktober. Heute kam die 120 starke Lehrerkompanie zur Entlassung, nachdem dieselbe 10 Wochen lang im Gebrauch

der Waffen tüchtig geübt worden ist.

* Gießen, 23. Oktober. Mit der Fort⸗ führung der Liebigstraße zwischen der Ludwig⸗ und Frankfurterstraße ist an der ersteren

traße der Anfang gemacht. Hoffentlich wird die Sache eifrig gefördert, damit diese wichtige Verbindung bald fertig gestellt und enutzt werden kann.

Gießen, 23. Oktober. Von Sonntag, . 0 d. M. ab wird im hiesigen Stadttheater has bekannte, und in der That berühmt ge⸗

wordene Schlierseer Bauernensemble ein mehrabendliches Gastspiel absolvieren und zunächst eine NovitätDie Wildschützen,

uch seinem Direktor, dem königl. bayr. Hof⸗ chauspieler Konrad Dreher bearbeitet, zur Aufführung bringen. Man darf mit Recht auf das interessante Gastspiel gespanut sein. Das Stück wurde in jüngster Zeit von den Schlier seern in Nürnberg und Stuttgart mit großem Erfolg und wiederholt gegeben. An Gießen, 23. Oktober.(Stadttheater.) an hätte erwarten können, daß dem gestrigen Gastspiel des genialen Komikers aus Frankfurt d. M., Herrn Clemens Grün, ein besserer Besuch zu Teil geworden wäre. Man konnte die Besetzung des Hauses nur eine ziemliche nennen, aber sie stand gewiß in keinem Ver⸗ hältnis zu dem, was geboten wurde. Ueber das, was Herr Grün leistete, etwas zu sagen, ist überflüssig, denn auch in Gießen ist der genannte Künstler nur zu vorteilhaft bekannt. In der SolosceneMeine drei Töchter kam sein Ko⸗ mikertalent so recht zur vollen Geltung. Als Charakterdarsteller war er in dem Lustspiel Erlauben Sie, gnädige Frau! und den Schwank Taub muß er sein hervorragend, thätig. Das Publikum kargte mit Beifallsbezeugungen in keiner Weise. Auch die übrigen Darsteller gaben sich alle Mühe nur die an sie gestellte Anforde rungen Genüge zu leisten. Es ist wirklich be⸗ merkenswert, wie eifrig sich die Theater-Direktion bemüht, die Theaterbesucher stets Neues und zwar das Beste zu bieten. * Gießen, 23. Oktober. Der Tagelöhner Martin Mai von Offenbach zuletzt in Massenheim, hatte sich heute Vormittag vor er Strafkammer wegen Majestätsbe⸗ leidigung zu verantworten. Er hatte dieselbe

im betrunkenen Zustande gethau. Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis. Gießen, 23. Okt. Vor dem Schöffen⸗ gericht wurde heute unser verantwortlicher Re⸗ dakteur W. Sell wegen Beleidigung des Handelsmannes J. Simon aus Mainzlar mit 20 AJ Geldstrafe belegt. Es handelt sich um jene Fleischbeschau-Angelegenheit, in der wir in einem Punkte nicht recht unterrichtet waren.

Gießen, 23. Okt. In Gruppe III der Berliner Gewerbe⸗Ausstellung, Bau⸗ und Ingenieurwesen, die zahlreich und mit manchen hervorragenden Leistungen beschickt war, istnureine einzige goldene Medaille der Kaiserin verliehen worden, deren Wert solcher Art um so höher zu schätzen ist. Diese Aus zeich⸗ nung ist der bekannten feuer⸗ und schwamm⸗ sicheren Kleine'schen Deckenkonstruktion, welche in Gießen durch den Licenzinhaber für Provinz Oberhessen Architekt H. Kockerbeck vertreten ist, in Würdigung ihrer hohen gesund⸗ heitlichen und wirtschaftlichen Bedeutung zu Teil geworden.

* Gießen, 23. Oktober. Aus Worms wird derKl. Pr. geschrieben: Der neu gewählte Landtags abgeordnete Bürgermeister Glaser von Nordheim veröffentlicht eineEr⸗ klärung, in der er mitteilt, daß man ihn zum Teil als antisemitischen Landtagsabgeord⸗ neten, zum Teil auch alsBauern bündler aufgeführt habe. Daraufhin erklärte er:Anti⸗ semit bin ich nicht, wenigstens in dem Sinne nicht, wie man aus diesen Ausführungen anzu⸗ nehmen versucht sein könnte.(Also doch ein Antisemit!) Bauernbündler bin ich wieder nicht, obschon ich deren sehr wahrscheinliche Be⸗ strebungen zur Hebung des Bauernstandes auch als mein Programm anerkenne.(Also auch ein Bauernbündler!) Ich bin aus innerster Ueber⸗ zeugung Mitglied vom Bund der Landwirte, sonst nichts. Na! Na! Genügt denn das?

hd. Lollar, 23. Oktober. Gestern fand aus An⸗ laß der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl im Saale des Gasthofes zum Schwanen eine Wähler versammlung statt, die anfangs nur schwach, später aber sehr stark, von ca. 200 Personen, besucht war. Einberufen war dieselbe von deutsch⸗soztaler Seite. Kurz vor 9 Uhr erschienen die Abgg. Köhler und Hirschel. Dem Antrag auf Bureauwahl wurde nicht stattgegeben, dagegen das Versprechen geleistet, auch die Gegner zu Wort kommen zu lassen. Der verflossene Reichs⸗ tagsabg. Köhler begann damit, sich wegen des ihm ge⸗ machten Vorwurfs desSchwänzens im Reichstag zu entschuldigen. Er erhalte keine Diäten wie die Soztal⸗ demokraten und beziehe ein Gehalt nicht weiter, wie der freisinnige Kandidat; er opfere so wie so schon sein Ver⸗ mögen und könne nicht öfter nach Berlin gehen, als es geschehen; das werde auch in der Zukunft nicht anders werden. Daß er im Juli 1893 die Militärvorlage angenommen mit seinen Freunden, habe den von ihnen vor der Wahl gemachten Versprechungen durchaus nicht widersprochen. Sie hätten damals gesagt, daß sie für die Militärvorlage stimmten, wenn die Kosten auf die Schultern der Reichen abgeladen würden. Graf Caprivi hätte es damals versprochen; wenn er es nicht gehalten, so sei das nicht seine, Köhlers, Schuld. Hierauf gab

Abg. Hirschel eine kleine Blüthenlese, wie es nach seiner Meinung in der Politik Deutschlands zur Zeit ausschaut. Die Kosten der Militärvorlage seien durch die Börsensteuer gedeckt worden, die vornehmlich den Anregungen von der deutsch⸗sozialen Seite zu verdanken sei. Mit dem Verbot des Terminhandels sei es ebenso. Er werde dem Bauern⸗ stande sehr viel nützen. Zu der Erhöhung der Zucker⸗ steuer hätten sie Ja gesagt, well die Steuer von den Fabrikanten, nicht den Bauern getragen werde. Daß sie sich dem Bunde der Land wirthe angeschlossen, werde ihnen zum Vorwurf gemacht. Nicht sie hätten sich dem Bunde, sondern der Bauer hätte sich ihnen angeschlossen und sie würden den Bündlern schon genau auf die Finger sehen, damit dieser keine Sonderinteressen betreibe. Wenn es der Landwirtschaft gut gehe, verdiene auch der Arbeiter mehr und deshalb könnten auch die Arbeiter für die deutsch⸗soztale Reformpartei eintreten. Es begann die Diskusston. Der sozialdemokratische Kandidat Redakteur Ph. Scheide⸗ mann setzte gleich scharf ein. Er beleuchtete die Haltung der Deutsch⸗sozialen in der Militärvorlage. Ihnen allein sei es zu danken, daß wir die bedeutende Mehr⸗ ausgabe von rund 100 Millionen Mark jährlich auf⸗ gehalst bekommen hätten. Eine solche Partei verdiene das Vertrauen des Volkes nicht mehr. Auf die Börsen⸗ steuer brauchten sich die Reformer nicht viel einzubilden; sie reiche lange nicht aus, die Kosten der Militärvorlage zu decken. Die Sozialdemokraten hätten sie abgelehnt, weil das Steuerergebnis derselben nicht zur Entlastung des Volkes verwandt worden wäre. Wenn das einmal geschehe, wäre die Sozialdemokratie für eine zehnfach so hohe Börsensteuer zu haben. Uebrigens sollten sich die Deutsch⸗Sozialen nicht einbilden, daß sie in ihrer heutigen Gesellschaftsordnung die Börse, den Zentrumspunkt des Handels, überhaupt entbehren könnten; das sei nicht der Fall. Das volksfeindliche Verhalten der Deutsch-Sozialen bewies Scheidemann weiter an ihrem Eintreten für die Zucker⸗ steuer, für Ausfuhrprämien, den Antrag Kanitz und nicht zuletzt ihrem Anschluß an den Bund der Land⸗ wirte. Die Deutsch⸗Sozialen hätten wie in der Hasen⸗ frage so auch hier gründlich geschwankt, sodaß das werk⸗ thätige Volk ihnen kein Vertrauen mehr schenken könnte. Es gäbe nur eine Partei, auf die das Volk sich verlassen könne; das sei die Sozialdemokratie. Nachdem Abg. Hirschel kurz auf diese Ausführungen geantwortet hatte, ergriff das Wort der Verleger derHess. Landes⸗Ztg., Bader⸗Marburg, der als Gast in der Versammlung anwesend war. Er hielt den Deutsch-Sozialen ebenfalls, wenngleich nicht von einem bestimmten Parteistandpunkt aus, vor, daß ste seit 1893 von Stufe zu Stufe ins konser⸗ vative Lager hinabgesunken seien. Mit der Militärvorlage

hätte es begonnen, mit dem Antrag Kanitz hätte es sich fortgesetzt und jetzt seien die deutsch⸗sozlalen Reformer, die einstmals eine Volkspartei gewesen unter Böckels Führung, auf den großgrundbesitzerlichen Bund der Land⸗ wirte gekommen. Da sei es kein Wunder, wenn das ländliche Volk das Vertrauen für sie verloren hätte, und wenn die Deutsch⸗Sozialen das Ihrige thäten, um auch das Land der Soztaldemokratie in die Arme zu treiben. So ging die Diskussion weiter. Es war ein scharfer Einzelkampf, der bis ein Uhr nachts Mann gegen Mann dauerte. Zu bewundern waren die Lollarer Wähler, die mit wenigen Ausnahmen bis zur letzten Minute ausharrten und donnernden Beifall klatschten, als zum Schluß kon⸗ statiert wurde, daß die deutsch⸗sozialen Reformer in der Zwickmühle festsäßen und kein Glied mehr rühren könnten. Erfreulich war es, daß nachher die vier Gegner mit einer ganzen Anzahl Versammlungsbesucher noch bei Trank und Gesang munter zusammensaßen, bis der Nachtzug die Besucher entfernte. So soll es sein: im politischen Kampfe scharf mit einander abgerechnet, nachher Mensch zu Mensch

gesprochen. Hoffentlich wird das Lollarer Beispiel überall Nachahmung finden.

* Bad Nauheim, 21. Okt. Am Kinder⸗ sanatorium Em ma⸗Heim der Frau Sani⸗ tätsrat Dr. Müller wurden in diesem Sommer drei junge Damen als Kinderpflegerinnen und Kinderkrankenpflegerinnen in einem sechsmonat⸗ lichen Kursus ausgebildet. Die praktische Aus⸗ bildung lag in den welt der Anstaltsvor⸗ steherin und einer Oberschwester, den theoretischen Unterricht erteilten Oberstabsarzt Dr. Steinberg und praktischer Arzt Dr. Hirsch. Nach wohlbe⸗ standener Prüfung erhielten die Elevinnen auf Empfehlung der Frau Dr. Müller Stellen in Privatheillehranstalten.

* Nidda, 21. Oktober. Die Kartoffel- ernte, die jetzt zu Ende, ist im allgemeinen recht befriedigend ausgefallen. DieImperator undblauen Riesen sind stellenweise in Exemp⸗ laren von außerordentlicher Größe zutage ge⸗ kommen. Wo die Ernte nicht so nach Wunsch ausfiel, lag die Schuld an dem schweren Boden und dem nassen Jahrgang, sowie an den nicht widerstandsfähigen Sorten der Kartoffeln. Den schwersten Schaden thaten stellenweise die Enger⸗ linge. Es sollte, wo nunmehr wieder ein Mai⸗ käferj ihr in Ausstcht ist, mit der Vertilgung der Käfer nicht gewartet werden, bis ste in Masse auftreten, sondern beim ersten 122 10 der Schädlinge sollten sofort alle Vorkehrungen zu ihrer Verkilgung getroffen werden. Insbesondete sollten die Maulwurfsfänger in diesem Herbst ihre Arbeit einstellen. Jufolge des en. den Regens beginnt die Nidda stark zu steigen. Alle Garten- und Feldarbeit ruht, denn es ist alles grundlos, und doch ist noch viel Winter⸗ saat zu bestellen, welcher erst die Räumung der Aecker vorausgehen muß. Die frühzeitig bestellte Roggensaat steht sehr schön, auch der Weizen geht eben auf.(D. Z.)

* Darmstadt, 22. Oktober. Die Einnahme an Brausteuer im Rechnungsjahr 1895 96 beträgt 1024147 4 gegen 930 926 4 im Vor⸗ jahr. Dieses günstige Ergebnis ist auf die größere Thätigkeit der Brauereien im abge⸗ laufenen Jahre zurückzuführen. Es wurden nämlich in ganz Hessen 1166 273 Hektoliter Bier gegen 1045 155 Hektoliter im Vorfahre gebraut, d. h. 121 118 Hektoliter mehr.

* Offenbach, 22. Okt. Das Organ des Allgemeinen Verbandes der deutschen landw. Genossenschaften empfiehlt in seiner neuesten Nummer, den genossenschaftlichen Absatz von Eiern zu organisteren. Gegenwärtig gehen jährlich für importierte Eier an 74 Mill. Mark außer Landes, die unsere heimische Land⸗ wirtschaft sehr gut verdienen könnte. Der Absatz würde sich gerade für Eierverkaufsgenossenschaften leichter als für andere Absatzvereinigungen er⸗ geben. Denn die Organisation des Eierabsatzes sei in Deutschland bisher sehr lückenhaft. Die Genossenschaften würden hier auf keine starke kapitalistische Konkurrenz stoßen. Die städtischen Konsumenten wünschten selbst solche Genossen⸗

Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel.

Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Es fehlte nicht viel, nur noch etwas über Manneshöhe bis zur Sohle, und dort sah ich auch seitwärts eine schwarze Oeffnung.

Ich hätte hinabspringen können, ohne Schaden zu nehmen, aber wie dann den Strick mit den Händen erreichen, um wieder aufzusteigen?

Ich mußte wieder nach oben. ö Die Lampe am Gurt eingehakt, begann ich mich mit beiden Händen emporzuarbeiten.

Dem starken, ruckweisen Anziehen war der innen wohl morsche Balken nicht gewachsen.

Er brach mitten durch.

Ich stürzte in die Tiefe..

Ein Stück des geborstenen nachstürzenden Quer⸗ holzes traf mich am Kopf.

Das raubte mir die Besinnung.

Als ich aus meiner Betäubung erwacht war, 1 ich erst das ganze Schreckliche meiner

age.

Hatte ich auch keinen ernsteren Schaden ge⸗ nommen, so gab es für mich doch keine Möglich keit, auf diesem Weg wieder an die Oberwelt zu gelangen und wenn ich sonst keinen Ausweg fand, war ich lebendig begraben.

Dieser Gedanke scheuchte mich schuell genug auf und trieb mir den Angstschweiß auf die Stirn.

Ich fühlte es, ich hatte zuviel gewagt.

Und hier war ich nun ohne Nahrung, ohne

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Wasser, also auch nicht im Stande, mich so lange am Leben zu erhalten, bis der Sergeant die Kame⸗ raden ausschicken würde, um nach meinem Verbleib zu forschen.

Meine Laterne war ausgegangen.

Ich zündete sie wieder an und betrat, sobald ich mich genügend erholt hatte, den Seitengang.

Dieser war zwar regelrecht abgestützt, aber das Gebälk war so dürr und morsch, daß vielleicht die Erschütterung durch meine Tritte genügte, um es unter der Wucht des Erdreiches zusammenbrechen zu lassen. 47 1

Mit Zittern und Zagen schritt ich vorwärts, für mich die einzig mögliche Lebensrettung. Das war also die Erfüllung meiner Ahnung vorhin.

Ueber mir hing der Tod.

Seine Schatten waren um mich her.

Ich wandelte dahin wie Einer, der zum Schaffott geführt wird. 255

Das Licht meiner Laterne scheuchte Fledermäuse auf, welche mich wie große Nachtfalter umflatterten.

Mehrfach öffneten sich neue Gänge.

Welchen sollte ich betreten? 5

Ich hatte nicht geglaubt, daß diese Mine eine solche Ausdehnung haben konnte.

Die Luft war schlecht.

Konnte es hier entzündbare Grubengase geben?

Meine Laterne war keine Sicherheitslampe.

Diese Gedanken vermehrten meine Angst und

Verwirrung.. l Ich betrat unsicher einen neuen Seitenweg.

Ich war starr vor Schreck. Nun war mir auch der Rückweg abgeschnitten. Da gab es kein Besinnen.

Ich mußte vorwärts.

Weh' mir, wenn der Gang vor einer toten Wand endete!

Er führte abwärts, immer tiefer in die Einge⸗ weide der Erde hinein und endlich, an der größten Senkung, öffnete sich ein neues Labyrinth von Gängen!

Wo sollte ich nun hin? 5

Mir schwindelte, sei es in Folge der Angst, oder der schlechten Luft, ich war nahe daran noch einmal zusammenzubrechen.

Ich rannte verzweifelt hin und her

Ich leuchtete hier hinein und dort hinein, ob ich nicht einen Gang finde, der aufwärts führte.

Plötzlich sah ich aus einem der schwarzen Gänge einen Lichtschimmer hervorbrechen.

Wäre mir die Kehle nicht vor Angst so zuge schnürt und trocken gewesen, ich würde jezt einen Freudenschrei ausgestoßen haben.

Daß ich es nicht konnte, rettete mir da s Leben.

Im Begriff, mich in den Gang zu stürz en, sah ich den Lichtschimmer heller werden.

Ich sah einen wandelnden Lichtkern, ich hörte dumpfe Tritte man kam! Wer?

Ich besaß noch Geistesgegenwart genug, rasch meine, in der Hand getragene Blendlaterzne zu löschen und zurückzugehen.

Ich geriet so unbewußt in einen Gang, y velchen

Kaum hatte ich fünf Schritte darin gethan, da stürzte hinter mir das Geschiebe zusammen.

der Daherkommende nicht betrat, an dem er vor überschritt zu meinem Glück.

Flüchtig und halb in Schatten gehüllt, wie ich ihn sah, erkannte ich in ihm doch denselben Mann, der heut Vormittag aus der Schlucht geritten war.

Er trug etwas in der Hand, ein Bündel oder

Packet. Sein Blick war zu Boden gesenkt, er schien tief in Gedanken versunken, sonst hätte er wohl den Schimmer von meiner Lampe sehen müssen, als ich ihm entgegenkam, so gut wie ich sein Licht gesehen hatte. 5 Er war schon vorüber und seine Schritte hallten weniger laut an der Wölbung wider, als es mir erst zum Bewußtsein kam, daß ich ihm folgen müsse, um den Weg nach oben zu finden.

Vielleicht kam er von dort, er konnte aber ebensowohl dahin zurückkehren.

Ich mußte ihm folgen, obwohl eine innere Stimme mir sagte, daß dieser Mann mein Todfeind sei und daß er, sowie er mich erblickte, seinen Re⸗ volver auf mich richten würde.

Ich zog schleunigst meine Stiefeln von den Füßen. Diese in der Hand, das Messer in der Rechten schlich ich ihm nach von Weitem.

Er fühlte sich so sicher, daß es ihm nicht ein⸗ mal einfiel, sich umzuwenden.

Oder weilten seine Gedanken ganz wo anders?

Was mich noch weiter schützte, war der Um stand, daß seine Blendlaterne nach rückwärts nur Schatten warf.

Sowie er Miene machen sollte, sich umzu⸗ wenden, war ich entschlossen, mich flach zu Boden zu werfen.

(Fortsetzung folgt.)

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