Ausgabe 
24.4.1896
 
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gangenen Jahre die Verwahrlosung dieser Straße

dem Zimmer des Hauptmanns taumelte, brummte

Nr. 96

Gießen, Freitag, den 24. April

1896.

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Ausgabe

Gießen.

andeszeikung.

Redaktion:

. Kreuzplatz Nr. 4..

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen:

10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 22. April. Die Parkanlage, gegenüber den Kliniken, auf der noch im ver gangenen Jahre wüst gelegenen Landzunge an der Klinikstraße, die auf Kosten des Staates in diesem Frühjahr angelegt wurde, präsenlirt sich jetzt als eine würdige Zierde der ganzen Gegend. Gleichzeitig mit der Herrichtung dieser Anlage ist die von Geheimrat Prof. Riegel bewohnte Villa resp. der dabei liegende Hofraum nach 115 Seiten zweckdienlich abgegrenzt. Baum⸗ pflanzungen längs der Klinikstraße vervoll ständigen das Ganze, welches auf den die Ge end Passirenden einen angenehmen und freund ichen Eindruck macht und bildet nunmehr die Klinikstraße eine Zierde des Südens, was wir hiermit um so lieber konstatiren, als es die Hessische Landeszeitung war, welche im ver

in scharfen Worten tadelte.

* Gießen, 22. April. Ehe das Bett der verlegten Wieseck hinter der Gasfabrik zugeworfen wurde, ist dasselbe von dem Fischereiberechtigten noch einmal gründlich abgefischt worden. War die Beute quantitativ zwar keine sehr große, so war doch der Fang gewiß interessant ob der verschiedenen Fischarten, die man gefangen: Hechte, Barsche, Schleien, Aale, Weißfische, Rotaugen, Bresen, Mönen ꝛc. Wegen der vielen Löcher im alten Flußbett war ein gänzliches Leerfischen des nun zugeworfenen Wieseckflusses nicht möglich und manch leckerer Fisch mußte mit verschuͤttet werden.

* Gießen, 23. April. Gestern Nachmittag wurde auf der Ausladestelle des hiesigen Güter bahnhofes der Inhaber einer unserer Getreide firmen von dem Taglöhner S. überfallen und am Arm mittels eines armstarken Prügels schwer verletzt. Der Arbeiter, welcher aushilfsweise bei dem Verletzten beschäftigt gewesen, kam bei seinem Abgang mit diesem in Lohndifferenzen und scheint dieses den Grund zu dem Angriff zu bilden.

Gießen, 23. April. Ueber die gestern

schon erwähnte Affeujagd können wir weiter melden, daß von verschiedenen Seiten ane Versuche unternommen wurden, des schlauen Gesellen tot oder lebendig habhaft zu werden. Nachdem Jocko vorgestern das Gymnasium in der Bismarckstraße mit seinem Besuch beehrt, muß ihn der Drang nach Wissenschaft wohl estern aufs Neue beseelt haben, denn er begab sech in die Nähe des Kollegienhauses, wo er sich nach Herzenslust amüsirte. Zu seinem Unglück begab sich der Affe in das Gebäude des chemischen Laboratoriums, aus dem es für ihn kein Ent⸗ rinnen mehr gab. Nach tapferer Gegenwehr wurde Jocko von einem Arbeiter hier wieder eingefangen.

* Gießen, 23. April. Wann beginnt das 20. Jahrhundert? Die Frage des Jahr- hundertwechsels wurde schon im vorigen Jahr⸗ hundert gelöst, wo sie ebenfalls aufgetaucht war

u. zwar, wie Herr Landgerichtsdirektor Dr. Bocken heimer(Mainz) vorgestern Abend im Journalisten⸗ verein erzählte, durch ein einfaches Beispiel, das ein damaliger Chronist der Nachwelt aufbewahrt habe. Wenn sich Jemand 300 Aepfel kaufe, so zähle er gewiß das zweite Hundert erst vom 101. Apfel an und nicht vom hundertsten ab. So sei es auch mit den Jahren. Das 20. Jahrhundert beginne also erst mit dem Jahre 1901, also dem ersten Jahre des 20. Jahrhunderts. Gießen, 25. April. Der erste Redaktions⸗ Maikäfer ist heute, wohlverpackt in die niedlichste kleine Schachtel von der Welt und sorglich auf frisches Laub gebettet, bei uns eingetroffen. Auf dem Deckel der Schachtel, die mit Luftlöchern reichlich versehen war, prangte ein zierlicher kleiner Zettel, der den Namen des gütigen Spenders und den beachtenswerten VermerkVorsicht! trug. Als wir ihn lüfteten und behutsam die blaßgrünen Blätrchen auseinander schoben, hatten wir Muße genug, unsern Schützling zu betrachten. Es war ein sogenannterMüller, mit zartem weißen Flaum wie mit feinem Mehlstaub bedeckt. Er schlief den friedlichen Schlaf des Gerechten und schien in den ersten fünf Minuten durchaus nicht gewillt, das Land der Träume, in dem vermutlich die Bäume üppig blühten und ihm saftige Nahrung boten, zu Gunsten der rauhen Wirklichkeit zu verlassen. Nach fünf Minuten und drei ½ Sekunden jedoch rappelte er sich hoch, streckte vorsichtig die Fühler aus und setzte die winzigen Beinchen schwerfällig in Bewegung. Die Temperatur mochte ihm prächtig behagen, denn wir hatten tüchtig geheizt; hoffnungs⸗ froh hob er die schmächtigen Flügeldecken aber ach! Der erste Flugversuch mißlang, und hätten wir nicht schützend die Hand ausgebreitet, so wäre er um ein Haar ins Tintenfaß gepurzelt. Da saß er nun und krabbelte resigniert unsern Daumen entlang. Wir aber, mitleidig wie Redakteure sind, packten ihn beherzt mit zwei Fingern um den Leib und spedierten ihn wieder in seine Schachtel zurück. Da hatte er nun Zeit vollauf, über das vorwitzige seiner Existenz nachzudenken, während wir, unbekümmert um seine Gefühle, unsere tägliche Arbeit aufnahmen. Als wir ein halbes Stündchen später nach ihm ausschauten, war er verschwunden. Also fortgeflogen! Er hatte es wirklich zu Stande gebracht. Ein Surren und Summen in der Nähe des Ofens belehrte uns, daß er ziemlich verständig in der Wahl seines Endziels gewesen war. Wir ließen ihn um die Kacheln schwärmen und von seinem Vater träumen, der im Kriege ist, und seiner Mutter, die im abgebrannten Pommernland ein zweifellos kärgliches Dasein führt. Morgen, wenn die blaßgrünen Blätter in der Schachtel verwelkt und die Holzscheite, die lustig im Ofen prasseln, als Asche in alle vier Winde geweht sein werden, wird auch der Redaktions-Maikäfer, der erste in diesem Jahr, sein Eintagsleben beschlossen haben. * Darmstadt, 21. April. Den Land⸗ ständen ist der zwischen Hessen und Preußen betreffs Erbauung und Betriebs einer Eisenbahn

von Friedrichsdorf nach Friedberg vereinbarte Staatsvertrag zugegangen, nach dem bekanntlich Hessen zu den Baukosten einen Zuschuß von 315 600 leistet und Grund und Boden un entgeltlich zur Verfügung stellt. Darmstadt, 22. April. Am Sonntag Abend lauerten in Griesheim einige Burschen dem 25 jährigen ledigen Maurergesellen Peter Rühl, dem sie nicht hold waren, vor einer Wirt⸗ schaft auf und einer von ihnen versetzte dem nichts Böses ahnenden einen Messerstich in den Unter leib, der den Tod des Verwundeten herbeiführte. Vor seinem Hinscheiden bezeichnete er den 18 jähr. Peter M. von Weiterstadt als den Thäter, der, alsbald gefänglich eingezogen, sein Alibi nachzu weisen vermochte und aus der Haft entlassen wurde. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich nun auf den Kammmacher N. und den Schreiner Heinrich Schmidt zu Griesheim. Ersterer wurde verhaftet und bezeichnete Letzteren als den Verüber der Unthat, der dieselbe ihm gegenüber schon eingestanden habe und auch bereue. Schmidt, der sich seiner Verhaftung zu entziehen gewußt, büßte letzte Nacht die That mit seinem eigenen Leben; er erschoß sich in der Behausung seiner Eltern.

Mainz, April. Gestern Nachmittag fanden Haussuchungen bei 25 Arbeiterinnen statt. Es war angezeigt worden, daß sämtliche Arbeiterinnen in einer bedeutenden Möbelfabrik Diebstähle verübt haben sollten. Die aufgefun⸗ denen Stoffe ꝛc. mußten in einem Wagen nach der Kriminalabteilung gefahren werden. Von den Mädchen wurden indessen nur 4, und zwar die Hauptschuldigen, verhaftet.

Vermischtes.

An einem Knödel erstickt. Im Ge⸗ fängnistrakte des Wiener Landgerichts für weib liche Sträflinge ereignete sich der traurige Fall, daß eine Frau an einem allzu hastig geschluckten Bissen erstickte. Die 34 jährige Tagelöhnersfrau Antonie Reiterer, die kürzlich wegen eines Eigen tumdelikts zu 4 Monaten schweren Kerkers ver urteilt wurde und vor etwa 14 Tagen ihre Strafe antrat, hatte gestern den als Strafver schärfung angeordneten Fasttag abzuleisten. Sie wurde deshalb in die sogenannteFastenzelle gebracht, in welcher sie so lange verbleiben mußte, bis die übrigen Häftlinge ihre Mahlzeit gehalten hatten. Dann kehrte sie wieder in ihre alte Zelle zurück. Dort reichte ihr nun eine Zellengenossin, die aus Mitleid einen Teil ihres Mittagsmahles für sie aufgespart hatte, einen Knödel. Die Reiterer schluckte denselben hastig hinab; plötzlich verfärbte sie sich, bekam Atemnot und fiel ihrer Zellengenossin bewußtlos in die Arme. Die Ge⸗ fangenen pochten an die Zellenthür, der Stock aufseher erschien und suchte, während man eilends nach dem Hausarzt schickte, der um Atem Ringen⸗ den Hülfe zu leisten. Als Dr. Knapp erschien, fand er die Gefangene in sterbendem Zustande; die Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, die letzten Lebenszeichen erloschen, die Arme war

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tot. Wie man annimmt, ist sie an dem Knödel der ihr zum Teile im Halse stecken blieb, erstickt.

Die Leiche wurde in die Totenkammer des In⸗ quisitenspitals gebracht. Die plötzlich Verstorbene hinterläßt zwei kleine hülflose Kinder.

Die Freisprechung eines geständigen An- geklagten durch die Geschworeuen bildet gegenwärtig in Elbing und Umgegend das Tagesgespräch. In der letzten Schwurgerichtssitzung zu Elbing hatte sich der 50jährige Stadtkämmerer Samuel Ruhm aus Tiegenhof wegen Unterschlaguug ihm amtlich anvertrauter Gelder im Ge⸗ samtbetrage von 23 500 zu verantworten. Der An⸗ geklagte verwaltete seit 1891 die genannte Kämmereikasse, als bei einer im vorigen Jahre stattgehabten Revision der durch falsche Buchungen und Abschlüsse ermöglichte Fehl⸗ betrag entdeckt wurde. Nachdem durch Verwandte des Ruhm das fehlende Geld voll ersetzt worden war, wäre über die ganze Angelegenheit wahrscheinlich Gras gewachsen, wenn nicht noch nachträglich ein Gensdarm dieselbe zur Anzeige gebracht hätte. Der ungetreue Beamte wurde hierauf in Untersuchungshaft genommen, auf Betreiben seiner Verwandten aber bald darauf zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Irrenanstalt überwiesen. Dort wurde jedoch der angeblich geistig nicht intakte Mann als vollständig geistig gesund erklärt und daher wieder dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Im Ver⸗ handlungstermin vor dem Schwurgericht war der Ange⸗ klagte in vollem Umfange geständig; er gab zu, in etwa 34 Fällen der ihm anvertrauten Kasse Einzelbeträge von . 100 bis, 1500 entnommen zu haben. Ferner er⸗ weiterte er sein Geständnis noch dahin, daß die Gesamt⸗ summe der Unterschlagungen nicht, wie die Anklage be⸗ haupte, nur& 23 500, sondern 4 24 800 betrage. Nach diesem erschöpfenden Geständnis des Angeklagten wurde seitens des Gerichtshofes im Einverständnis mit dem Staatsanwalt und Verteidiger, nachdem nur ein Zeuge und ein Sachverstän⸗ diger vernommen worden war, auf jede weitere Beweisauf⸗ nahme verzichtet. Dem Vertheidiger des Angeklagten blieb nach Lage der Sache nur übrig, für seinen Klienten mildernde Umstände zu erbitten. Nachdem hierauf den Geschworenen einige 30 Schuldfragen vorgelegt worden waren, zogen sich dieselben in das Beratungszimmer zurück. Nach etwa eineinhalbstündiger Beratung verkündete der Obmann der Geschworenen, daß sämmtliche Schuldfragen veneint worden seien. Die Verkündung dieses Spruches rief im Gerichtssaale ungemeine Sensation hervor, und dem Vorsitzenden des Schwurgerichts, Landgerichtsdirktor Rauscher, fiel es sichtlich schwer, seine Erregung niederzu⸗ halten, als er nunmehr das freisprechende Urteil ver⸗ künden mußte. Der Angeklagte wurde hierauf sofort aus der Untersuchungshaft entlassen. Wie verlautet, beabsichtigt die Staatsanwaltschaft, das Urteil im Wege der Revision anzufechten, auch soll den oberen Justizbe⸗ hörden über diesen außergewöhnlichen Fall Bericht er⸗ stattet werden.

Zur Geschichte des Eisens und der eisernen Brücken in Europa. Dieses Thema behandelte die An⸗ trittsvorlesung, mit der Regierungs- und Baurath G. Mehrtens sein Amt als ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule zu Dresden als der Nachfolger Fränkels angetreten hat. Ausgehend von zwei Gesichts⸗ punkten, nämlich unter Berücksichtigung der Entwicklungs⸗ stufen in der Verwendung des Eisens und der Ausbildung der mathematisch mechanischen Grundlagen der Bauwerke, hat er dargestellt, wie diese zwei Sonderzüge des tech nischen Wissens, nachdem sie Jahrhunderte lang, ohne sich zu berühren, nebeneinander wuchsen, sich endlich zu einem dritten Zweige, derEisenkonstruktion, vereinigten und in diesem Bunde einen plötzlichen und ungeahnten Auf⸗

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Soldatenliebe.

Preisgekrönte Humoreske aus dem Soldatenleben von S. Steinberg.

Na! so ein Reinfall is noch gar nich dage wesen, wenn ick ihn nich selbst erlebt hätte, dann würde ick nich dran glooben, aber ick sage Ihnen, ick habe dran glooben müssen, bis uf den letzten Troppen. Dat jeht immer so bei't Militär, wenn da Eener Pech hat, denn kann er sich den Finger in Appelmus verknacksen.

Also, ick war mit Lust und Liebe Soldat und hatte die Rekrutenzeit ohne die geringste Strafe glücklich überstanden. Zur Belohnung für meine außergewöhnlich gute Führung wurde ich bald zum Burschen des Herrn Hauptmanns ernannt. Ick war mit meiner neuen Stellung sehr zufrieden, denn sie brachte mir leichteren Dienst, elejantere Happens und jebildeten Umgang. Aber damit war meine frisch jebackene Herrlichkeit noch jar nich fertig, ihr verdanke ick noch det Allerscheenste, wat ein Soldatenherz erquicken kann: nämlich die nähere Bekanntschaft mit unserm umfangreichen Küchen vorstand Fräulein Jette Prepelmann, Wenn ick Jette so gemütlich bei der Hammelkeule oder Kalbs⸗ braten erblickte, denn war ick im siebenten Himmel. Leider hatte der Herr Hauptmann den Braten ge⸗ rochen, denn wenige Dage nachher jab er mir unter vier Augen den herzerschütternden Befehl:Ein für allemal gesagt sein, dulde durchaus leine Scharwenzelei mit dem Mädel; ohne direkte Wei⸗ sung niemals die Küche betreten. Als ick aus

mir noch lange der herzlose Bannspruch in die Ohren. Es war doch ein wahres Glück, daß sich unsere Herzen so rasch gefunden hatten, denn wie leicht wäre der zarte Keim unserer erwachenden Liebe unter dem eisigen Hauche der hauptmännischen Verordnung erstickt worden. Der Himmel war mit uns gewesen, denn dieses mal hatte der Herr Haupt⸗ mann entschiedenkeine Ahnung, daß es bereits geschehen sei. Natürlich waren wir vorsichtig ge nug, mit keinem Blicke zu verraten, was so stürmisch unsere Herzen bewegte. DieVerbindung kounte am nächsten Tage auf dem neutralen Korridor und zwar auch nur in solchen Augenblicken hergestellt werden, in welchen Jette von der hellschallenden Glocke der jungen Frau Huuptmann gerufen, mein Arbeitskabinet passiren mußte. Glich dieser Verkehr auch nur zweien mit Windeseile sich kreuzenden Eilzügen, so ermöglichte es die Liebe dennoch, mit einem hörbaren Signal gespitzter Lippen ohne jede Entgleisung an einandervorbei zu schrammen. Der Abend des dritten Tages gestattete uns endlich das heißersehnte Jubeln im jungen Lenz der Liebe. Unsere Herrschaft besuchte das Theater. Selten sind die Wünsche für ihre Unterhaltung aufrichtiger gefühlt worden, als von Jette und mir. Kaum hatte sich die Etagenthür geschlossen, so ruhte auch schon Jettens Venuskopf an meiner stürmisch klopfenden Brust. Aber hier auf dem Korridor war nicht geeignetes Terrain, uns Liebe zu schwören, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Aber wo sonst? Die Zimmer der Herrschaft mußten unter allen Umständen respektiert werden, die Küche war

mir strenge verboten, unsere beengten Privatgemächer eigneten sich keineswegs für eine gemütliche Unter haltung, denn schon allein das militärische Schick lichkeitsgefühl versperrte uns die Pforte. Jette fand in dieser bangenden Pein den einzig richtigen Weg. Das helle, geräumige Badezimmer war wie ge schaffen für sinniges, verliebtes Plaudern. Eiligst hatten wir es okkupiert. Man kann sich wobl denken, daß zwei liebende Wesen, die sich im ganzen Leben nur dreimal flüchtig gesehen, unendlich viel zu erzählen hatten, daß die Stunden dahinflogen, als wären sie leicht beschwingte Minuten. Plötzlich weckte uns die Thürglocke aus unseren süßen Träumen. Jette eilte mürrisch hinaus, um den unliebsamen Ruhestörer rasch wieder zu entfernen, doch kaum hatte sie die Thür geöffnet, als ihr halberstickter Schrei ertönte. Ick stund eben im Begriff, aus der Thür zu treten, als Jette in zügelloser Hast die Thür von außen zuschlug und mir noch die Worte zurief:Um Jottes Willen, Aujust, verstecke Dir, die Herrschaft is anjekommen, die Gunädige is plötzlich unwohl jeworden. Im ersten Augenblick war mir jar nich klar, warum Jette aus der Fassung jekommen, doch verschwand ick, mit affenartiger Gelenkigkeit in die mit einem Badelaken überdeckte Badewanne, um meiner jungen Braut den ersten Beweis unbedingter Folgsamkeit zu lieferu. Einige stillvergnügte Minuten hatte ich in dieser Zurückgezogenheit verlebt, als geflügelte Schritte über den Korridor erschallten. Erfreut durch Jettes Ankunft von meiner auf die Dauer doch lästigen Gefaugeaschaft befreit zu werden,

hatte ick mir eiligst erhoben, schnellte aber im selben Momang so tief als möglich auf den Grund der Badewanne nieder. Eck bin sonst jar nich so

schreckhaft, aber det war for meine Nerven doch zu heftig. Die gnädige Frau Hauptmann stand auf der Schwelle des Badezimmers und erteilte der in ihrer Bestürzung hin und her jallopierenden Jette den mir ins Herz schneidenden Befehl:Heuriette! wo bleiben Sie denn? Machen Sie doch bitte das Bad rasch in Ordnung, aber nicht zu kalt, siebenundzwanzig Grad. (Schluß folgt.)

Folgende hübsche Grabschriften werden derDüna⸗Zeitung von einem Leser des Blattes mit⸗ getheilt:

1. In diesem Grabe liegt Aloys Peter, Die Frau begrub man hier erst später, Man hat sie neben ihm begraben Wird er die ewige Ruh' nun haben??

2. Hier ruht Andreas Krug, Der Kinder, Weib und Zither schlug.

3. Hier ruhet Konrad Reich als Leich Ein schlechter Tenorist, Jedoch ein guter Christ. Im Leben hat er nie so leicht, Wie jetzt die Höh' erreicht!

4. Hier ruhet Wenzel Podibrat, Leibkutscher bei Graf skolowrat, Ueber sein' Bauch ging Wagenrad, Und weil er immer war so brav, Ließ Stein ihm setzen der Herr Graf.

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