Ausgabe 
23.7.1896
 
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Ausgabe

Gießen, Donnerstag, den 23. Juli

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Gießen.

0 i 4 8 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Expedition: 8 reuzplatz Nr. 4. 2. 2 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die§spaltige Petitzeile. Kreuzplatz Nr. 4.

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it mit der ersten Kammer nicht besteht, Beharren auf

18995 itwurf über die Zusammensetzung des Verwaltungs⸗ St. 9010

it den Gerichten und Verwaltungskörpern das Wort. r, Schmidt Angsgerichtshof nicht verwaltungsrechtliche, sondern ledig⸗ ch Rechtsfragen zu entscheiden habe.

finger erklärte es als unmöglich für die Regierung,

5 Kammer, auch Steuerbeamte als Mitglieder zuzu⸗ 1 0 1 ac Gesetz ohne Zulassung der Kameralisten zu publizieren.

ungsgerichtshof ab, ebenso das Gesetz betr. das berbot der Teilnahme jugendlicher Personen uin Tanzbelustigungen und betr. den Wirts-

Hessischer Landtag.

*Darmstadt, 21. Juli.

Heute trat die zweite Kammer zum letzten Male uf dem gegenwärtigen Landtag auf einige Tage zu⸗ ammen. Zur Beratung kam der Gesetzentwurf auf herabsetzung der Tilgungsquote für Dar ehen aus der Landeskreditkasse auf/ pCt., zr in Uebereinstimmung mit der ersten Kammer Annahme und. Eine wiederholte Beratung des Kunststraßen⸗ e setzes ergab in den meisten Punkten, in denen Einig⸗

han früheren Beschluß. Namentlich kam es bei der von haas ⸗Offenbach befürworteten Unterordnung der Kreis⸗ auinspektoren unter die Kreisräte zu lebhafter Diskussion, u der die Regierungsvertreter kräftig für die genannten daubeamten eintraten, indes vergeblich, die Kammer blieb uch hier bei ihrem früheren Beschluß. Zum Gesetzes⸗

serichtshofes besteht der abweichende Beschluß der üssen, während die zweite Kammer nur Mitglieder mit chterlicher Qualität zu Mitgliederu ernannt wissen will. lautz empfahl die Zuziehung von Kameralisten und udete ebenso der stärkeren Heranziehung des Laienelements betonte insbesondere, daß der Verwal- Staatsminister

die Kammer lehnte schließlich mit 21 gegen 17 Stimmen ge Zulassung der Kameralisten in den obersten Verwal⸗

sausbesuch. Die Kammer verwarf endlich ohne De ate gegen 8 Stimmen den neuen Weinsteuergesetz⸗ entwurf.

Lokales und Provinzielles.

L. Gießen, 22. Juli. Menschlicher Unver⸗ tand und menschliche Rohett sorgen dafür, daß klbst in den Hundstagen, die so arm an großen politischen ind sozialen Ereignissen sind, den Zeitungen der Stoff um Mahnen und Klagen nicht mangelt. Aus wild⸗ uo mantischen Gebirgsgegenden werden fast täglich Unglücks⸗

lle gemeldet, hauptsächlich Abstürze von Schneefeldern und Gletschern, die nicht ausschließlich auf Bergfexerei wurückzuführen sind, auf leichtsinniges Klettern und über⸗ ebene Waghalsigkeit, vielmehr auf unvernünftiges Ueber⸗ chätzen der körperlichen Kraft und Ausdauer, welche der unngelbte Stadtbewohner im Hochgebirge zu entwickeln bermag. Zartbesaitete, schwächliche Damen unternehmen in Begleitung abgehärteter, starknerviger Führer Dauer⸗ märsche, deren Anstrengungen sie, obwohl die empor⸗

führenden Gebirgswege leicht passierbar sind, keineswegs

bewältigen können; sie sinken unterwegs, zu Tode ermattet,

eder, oder stürzen, von plötzlicher Ohnmacht ergriffen,

bpfüber in die schreckliche Tiefe. Dauernde Krankheit

ber ein jähes Ende sind die Folgen der thörichten An⸗

scht, daß eine Alpentour keine größeren Schwierigkeiten biete, als eine Landpartie aufs nächste Dorf. Nicht

die sommerliche Lust am Schwimmen und Rudern fordert. Reisende, die den erhitzten Leib in der Flut eines vorbei⸗ rauschenden Flusses abkühlen möchten, gehen ohne die nötige Vorsicht ins Wasser, um mitten in den sanft schaukelnden Wellen einem Schlaganfall zu erliegen, und vorwitzige Jünglinge und Jungfrauen, denen die Kunst des Ruderns so unbekannt ist wie dem Pudel das Fliegen, vertrauen sich auf schwankendem Nachen dem feuchten Element an, das sich oft furchtbar für die Mißhandlung rächt, die ihr unkundiger Eifer ihm angedeihen läßt, und sie gierig in seine gurgelnden Strudel hinabzieht. In mancher Beziehung könnten auch Dorfschulzen und länd⸗ liche Gemeinderäte zur Verhütung schweren Unheils das ihrige beitragen. Im Sommer wird bekanntlich mehr getrunken als im Winter, und die Unsitte der Wirtshaus⸗ prügeleien steht daher zu keiner Zeit des Jahres in vielen Gauen unseres gesegneten Vaterlandes so üppig in Blüte, wie gerade jetzt. So lange es bei solchen Gelegenheiten nur Schrammen und Beulen giebt, so lange nur die Faust oder der Knotenstock als Waffe zur Anwendung kommen, mag man zu dem Unfug ein Auge zudrücken; aber leider arten die Prügeleien häufig in Mord und Totschlag aus, und die Berichte über blutig verlaufene Messerstechereien mehren sich in einer Weise, die Wider⸗ willen und Abscheu vor diesen Aeußerungen barbarischer Gemütsroheit einflößt. Möge es uns immer erspart bleiben, in unserer nächsten Umgebung derartige Greuel⸗ szenen zu erteben und unseren Lesern schaudernd davon erzählen zu müssen.

Gießen, 22. Juli. Nachdem die Gießener Ruder⸗Gesellschaft es abgelehnt hat, die Schürz'sche Bleiche wie in den Vorjahren zu miethen, wird dieselbe Freunden des Wassersports von dem derzeitigen Inhaber gegen ein Entgelt von 20 pro Person zu der am Sonntag statt⸗ findenden Regatta zur Verfügung gestellt. Es ist auch ein Wirt gewonnen, welcher denjenigen, welche von hier aus den Wettkämpfen auf der Lahn zuschauen wollen, einen frischen Trunk ver⸗ abfolgen wird. Der Bleichplatz, welcher gerade gegenüber dem Bootsplatz der G.-R.⸗G. gelegen, bietet Raum für Tausende von Menschen, welche das Schauspiel von hier aus gut beobachten können.

* Gießen, 22. Juli. Heute Morgen brachte der Kirchengesangverein dem Geh. Kirchen⸗ rat Dr. Köstlin in der Südanlage ein Ständchen. Unsere Regimentskapelle konzertierte heute Vormittag im Hofe der Woh⸗ nung unseres Oberbürgermeisters. Das Kon⸗ zert unserer Regimenktskapelle heute Mittag auf der Südanlage erfreute sich einer starken Zu hörerschaft.

B. Gießen, 21. Juli.(Beerdigung des stud. Liesefeld.) Heute morgen fand auf dem Friedhofe von der Leichenhalle aus in ebenso einfacher wie erhebender Weise die Be⸗ erdigung des so jäh geschiedenen stud. med. vet. Liesefeld statt. Außer seinen Freunden und Kollegen waren von der Studentenschaft nur die Hasso-Rhenania, Adelphia, Allemania und Markomannia vertreten. Unter den Leid⸗

tragenden bemerkten wir auch seinen Lehrer, Herrn Prof. Dr. Eichbaum. Die Mutter des Verunglückten war bereits gestern hier einge⸗ troffen. Es wird wohl Jeder den Schmerz der so schwer geprüften Mutter erkennen. Friede

seiner Asche!

Gießen, 22. Juli.(Viehmarkt⸗Be⸗ richt. Der Auftrieb auf dem gestrigen Kuh⸗ markt belief sich etwa auf 700 750 Stück, darunter etwa 100150 Rinder und Kälber. Der Handel setzte gleich früh flott ein, daun trat Flaue ein, während zum Schluß das Ge⸗ schäft sich sehr gut machte, so daß die Preise gegen den letzten Markt etwas anzogen. Be⸗ sonders lebhaft wurde in Zuchtvieh gehandelt, welches von Händlern aus der Frankfurter und Wiesbadener Gegend in den Preisen getrieben wurde. Fettvieh, welches der Nachfrage ent⸗ sprechend zu wenig am Markt war, wurde in Folge dessen ebenfalls zu guten Preisen umgesetzt, so daß der Markt früh geräumt wurde. Am Markt fehlten wieder schwere Milchkühe. Es wurden gehandelt: Kühe, frischmelkend und tragend, oberhessische Landkühe 1. Qual. 360 bis 410, 2. Qual. 260-330 /, 3. Qual. 160 220. pro Stück. Fettvieh wurde verkauft: Rinder 1. Qual. 5558, 2. Qual. 50-54., Kälber 5558 4, besonders schwere Ware bis 62& per 100 Pfd. Schlacht⸗ gewicht. Der Auftrieb in Kälbern besserer Qualität genügte nicht der Nachfrage.

* Gießen, 21. Juli. Auf dem heutigen Ochsenmarkt waren etwa 250 Stück Vieh aufgetrieben, darunter ungefähr 80 Stück Rinder, welche auf den früheren Märkten knapp waren und stark gesucht wurden. Entgegen der gestrigen war die heutige Tendenz des Marktes sehr flau. Der Handel ging nicht voran, weil fremde Käufer gänzlich fehlten. Einige schwere Paare Ochsen, die am Markt waren, gingen gleich bei Beginn desselben für 900 4 das Paar fort. In Folge der Flauheit, welche ihre Ursache wohl in den geringen Fettviehpreisen findet, gingen auch die Preise herunter. Fahrvieh 1. Qualität kostete 750800, 2. Qual. 660 750., 3. Qual. (Stiere) 480600. pro Paar. Fettvieh war nicht vorhanden. Der Markt blieb bedeutend überständig.

* Bersrod, 22. Juli. In dem hiesigen Steinbruch wurde ein älterer Arbeiter durch herabfallendes Gerölle zur Erde geworfen. Der Verletzte erlitt außer kleinen Haut⸗ schürfungen und Quetschungen eine klaffende Wunde am Hinterkopf.

*Staden, 20. Juli. Welch unange⸗ nehme Folgen ein scheinbar leichtes Fallen doch nach sich ziehen kann, zeigt folgendes Vor⸗ kommnis: Ein neunjähriges Mädchen fiel vor 8 Tagen auf ebener Erde auf den Hinterkopf. Es klagte sofort über heftige Schmerzen und

bald schwoll der Hinterkopf an. Da die Schmerzen nicht nachließen, wurde der Arzt gerufen, der einen Arterienbruch konstatierte, womit ein Blut⸗ erguß unter der Kopfhaut verbunden war. Diese würden nun ausgeschnitten und das Blut heraus⸗ gedrückt. Hierdurch kam man einer Vereiterung, die die schlimmsten Folgen hätte nach sich ziehen können, zuvor. Das Kind befindet sich heute außer aller Gefahr.

Vom Vogelsberg, 21. Juli. Die letzte Hoffnung, die unsere Imker auf die Linden⸗ blüte gesetzt, daß diese nach der seitherigen schlechten Honigtracht den Bienen noch etwas Ersatz hierfür liefern würde, hat sich nicht er⸗ füllt. Wie alle Blüten in diesem schlechten Bienenjahre, so honigt auch die Linde nur schlecht. Bei diesen schlechten Honigerträgen vermögen die zu spät Ace Völker dieser Jahres Schwärme nicht ihren für den Winter erforder lichen Honigbedarf einzutragen, so daß sie da, wo man sie erhalten will, Futterzuschuß erhalten müssen. Wie schwarmlustig übrigens die Krainer Biene ist, zeigt ein solches Volk eines uns be⸗ kannten Bienenbesitzers, das am vorigen Soun⸗ tage noch einen Schwarm lieferte, nicht zur Freude des betreffenden Imkers.

Bad Nauheim, 21. Juli. Ein eig en⸗ tümliches Jubiläum feiert unsere Bade⸗ stadt gegen Schluß des Jahres. Am 22. Dez. kehet zum 50. Male der Tag wieder an welchem das größte Wunder von Bad Nauheim, der große Soolsprudel, die Quelle Nr. VII infolge eines leichten Erdbebens zu Tag ge⸗ treten ist. Im April 1839 wurden die Bohr⸗ versuche bei Nr. VII begonnen. Nachdem man bei 159,14 Meter Tiefe eine nur 12,25 pCt. und nur 21, 87,87 C. warme Soole erlangt hatte, gab man die Hoffnung auf Gewinnung einer reichhaltigereu Soole auf und stellte am 4. Juni 1841 die Bohrarbeit ein, brach die Bohrhaue ab und bedeckte den Schacht mit einer Balken⸗ lage und Erde, um etwa später die Bohrarbeit leichter wieder aufnehmen zu können. So hatte die Arbeit 6 Jahre geruht, als am 22. Dez. 1846 des Morgens 7 Uhr unerwartet eine Quelle mit Gewalt durch die Schachtdeckung brach und eine herrliche Schaupyramide zu Tag trat. Als die mächtigste der damals vorhandenen Quellen wurde sie der Großsprudel genaunt, wiewohl der am 15. Mai 1855 erbohrte Quell Nr. XII, der Friedrich⸗Wilhelm⸗Sprudel ihn an Höhe noch übertraf, Diesen Quellen verdankt unser Bad seinen Ruf als Weltbad, das von Heilbe dürftigen aller Länder aufgesucht und mit dem besten Erfolge gebraucht wird. Der denkwürdige Tag, an welchem der großartige Sprudel zu Tage trat, soll durch die kommunalen oder staat⸗ lichen Behörden mit einer entsprechenden Feier begangen und an diesem Tage durch das Hanauer Stadttheater-Eusemble ein von dem Lokaldichter

münder zahlreich dürften die Opfer sein, welche alltäglich

Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdrud verboten (Fortsetzung.)

öVerzeihung! Das kann ich eben nicht sagen, entgegnete Ignaz, in seiner schmerzlichen Bestürzung über Wettis schnöden Verrat ganz fassungslos. Ich meinte nur, die Gräfin da auf dem Bilde sihe ebenfalls einer Dame ähnlich, die die ich einmal in Maske gesehen habe. Und und...

Und weil das blaue Herzel genau mit dem auf dem Portrait übereinstimmt, fiel Wetti mit beshaftem Triumph ein,so will er es eben Ihrer cher des Herrn Grafen Entscheidung überlassen, ob ncht wirklich die Gräfin Thekla das Ding ver⸗ laren hätte. 8

Die Baronesse winkte der Uebereifrigen zu syweigen. Der ganze Auftritt war ihr ärgerlich; sie wollte jetzt gerade an etwas Anderes deuken.

Gut, gut also, sagte sie kühl und legte das leine Herz auf den Schreibtischaufsatz.Ich werde Ihren Wunsch erfüllen. Fragen Sie nächster Tage darnach an. i

Die Gesie, mit der sie diese Worte begleitete, nachte es Nazi unmöglich, noch eine Silbe vor⸗

bringen. Es blieb ihm nichts Anderes übrig, o sich mit einem devoten Kratzfuß zu bedanken ind zu empfehlen. en Wetti Abschied weibl.. 1 Als er gegangen war, wagte Wetti noch einmal enen diplomatischen Kniff, sich des begehrten gerlols zu bemächtigen, um ihre Forschungen darau irtzusttzen. Sie war ja dabei gerade in dem lugenblicke unterbrochen worden, in welchem sie uf eine interessante Spur gekommen zu sein baubte. 5 5 Bitte um Eutschuldigung, gnädiges Fräulein!

nahm, war einfach unbe⸗

Der Blick aber, mit dem er

Soll ich vielleicht das Ding dort gleich zum Herrn

Grafen Degenstein tragen?

Adele warf unmutig den Kopf zurück, griff aber doch wieder nach dem allzuviel besprochenen Gegenstande.

Ja, was weiß ich! Was redete der Bursche überhaupt für ungereimtes Zeug; ich habe garnicht recht darauf hingehört. Wie sagte er, will er auf den Gedanken gekommen sein, daß diese Quin caillerie einst meiner Freundin Thekla gehört habe?

Wetti wies noch einmal auf das Portrait hin. Adele verglich nun das Berlok in ihrer Haud mit dem auf dem Gemälde.

Ja, es ist unmöglich, daß es dasselbe An hängsel ist, das ich da auf der Leinwand conterfeit habe. Aber ich erinnere mich nicht mehr darau. Genau hab' ich mir's jedenfalls auch damals nicht angesehen; ich malte eben, was ich vor mir sah. Und schließlich könnte der Juwelier doch mehrere Exemplare desselben Berloks verkauft haben. Wie, wann und wo will der Mann es übrigens gefunden haben?

Wetti konnte darüber keine ausreichende Ant wort geben eder sie verschwieg vielmehr das Flüchtige, was sie davon gehört hatte; es galt ihr ja, einen Vorwand zur eingehenden Untersuchung desblauen Herzens zu finden, das ihren Geist so intensiv beschäftigte.

Wirklich, es ist schade, daß wir den Burschen nicht gleich um das Nähere gefragt haben. Aber vielleicht hätte das Ding einen Inhalt, aus dem man irgendwie auf die Verlustträgerin schließen könnte....

Den müßte der Mann doch längst schon selber entdeckt haben...

Verzeihung! kicherte die Kleine, mit ihrer

Schürze tändelnd.Er behauptet, das Herz sei

massiv. Aber er ist ein bischen dumm und die Männer verstehen sich überhaupt nicht viel auf derlei Sächelchen. Es könnte ja einen ganz beson deren Verschluß haben. Und mir war's vorhin gerade, als wär' ich auf den Weg zur Entdeckung eines solchen gewesen. Ich hab' mir nämlich ge⸗ dacht, ob das kleine Ringel an dem Herzel nicht vielleicht so herauszudrehen wär'. Ich hab' als Kind von meiner Firmgodl') eine kleine Nuß aus Silber kriegt, die hat man auch durch so ein Schrauberl an dem einen End' aufmachen und auseinanderlegen können....

Nun, so versuch's! lächelte die Baronesse und deutete mit nachlässiger Geberde auf den Schreibtisch.

Wetti ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie nahm das Ding auf und drehte die in eine Schraube auslaufende Oese, die sie vorhin mittels einer als Kurbel durchgesteckten Haarnadel schon in Bewegung gesetzt hatte, vollends heraus. Noch blieb das Herz fest. Aber als es Wetti zwischen Daumen und Zeigefinger rieb, siehe da schob es sich in zwei Hälften auseinander. Die beiden Teile waren durch einen inneren Falz aneinander gefügt gewesen, und die äußere Perlenumrahmung hatte die Fugen verdeckt. Innen ließen diese zwei Hälften gemein⸗ sam eine Höhlung frei, in welcher allenfalls eine kleine Erbse Platz gehabt hätte; im Uebrigen war das Herz dennoch immer schwer genug, daß man es fürmassiv hatte halten können.

(Fertsetzung folgt.)

Die Angst vor dem Gewitter. Die Ge⸗ witterfurcht ist ein thörichte, wenn sie auch, wenigstens bei den zartnervigen Personen, zu entschuldigen ist, da der betäubende Schlag, der einem nahe niederfahrenden Blitze folgt, auch ganz kräftige Personen erschüttern mag.

) Firm⸗Pathin.

Daß der Blitz töten kann, ist allerdings wahr, aber das hat er mit jedem fallenden Dachziegel oder Blumentopf gemein. Daß der Blitz Häuser anzündet, ist ebenfalls wahr, aber das hat er mit jedem Licht und mit jeder glimmenden Kohle gemein, und die bei weitem wenigsten Feuersbrünste entstehen durch den Blitz. Wäre es mög⸗ lich, unsere tagtägliche Feuersgefahr durch Donner zu ver⸗ künden, es würde nicht aufhören, zu donnern, wir würden vom Geräusch taub werden; denn es reichen sich die Ge⸗ fahren durch das Holzholen mit Licht aus dem Keller oder vom Boden, das Tabak- oder Zigarrenrauchen der Herren und Bedienten, das nächtliche Putzordnen der Kammerjungfern, das im Bette Lesen ihrer Herrschaft bei Licht, das Haarbrennen der Damen u. s. w. in steter Abwechslung unaufhörlich die Hände. Und nun erst, wie thöricht die Gewitterfurcht, wenn man an die Krankheiten denkt! Wir wollen nicht von Epidemien sprechen, nicht von Cholera, sondern von Nerven-, gastrischen und andern Fiebern, von Lungenentzündungen, von Diphtherie. Es sterben in Berlin z. B. an diesen verschiedenen Krankheiten durchschnittlich in der Woche 250 Menschen; in 1500 Mal so viel Zeit, d. h. in dreißig Jahren(bis Ende 1895) ist in Berlin ein einziger Mensch vom Blitz erschlagen worden! Ist es da nicht thöricht, sich vor dem Tode durch den Blitz zu fürchten? Das Verhältnis ist wie 375000 zu 11

Das Radfahren und die Blitzgefahr. Ueber die Blitzgefahr für Radfahrer macht Ingenieur Kramer interessante Mitteilungen. Er empfiehlt nur in bewaldeten Gegenden die Radfahrt während eines Ge⸗ witters fortzusetzen, da in solchen Gegenden keine Blitz⸗ gefahr zu befürchten sei. In der Ebene und am Wasser hingegen wird eine Unterbrechung der Fahrt durchaus an⸗ geraten. Hier soll das Rad flach auf die Erde gelegt werden und der Fahrer irgendwelche Deckung während des Unwetters suchen. Der Radfahrer bildet nämlich für atmosphärische Elektrizität einen Kondensator, da er mit der Erde nur durch Pneumatikreifen, welche elektrischen Strom nicht ableiten, in Berührung kommt. Andererfeits bilden die Metallteile des Rades gute Leiter fur die

Elektrizität.