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Gießen, Sonnabend, den 23. Mai
1896.
Ausgabe
Gießen.
Redaktion:
68 Kreuzplatz Nr. 4.. ——
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.
N 2
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Die Fabrikinspektion in Hessen.
1 IV.
Die meisten Zuwiderhandlungen gegen die Be⸗ stimmungen über die Sonntagsruhe kamen in den größeren Getreidemühlen vor. Auf dem Lande hat man in den mittleren und kleineren Mühlen von den gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe anscheinend gar keine Notiz genommen.
angemeldet, 74 mehr als im Vorjahr. Mit unmittelbarem tödlichen Ausgang waren 9 Unfälle zu verzeichnen.
Ueber die Lebenshaltung der Arbeiter wird ge— sagt, sie„hat in dem abgelaufenen Jahre eher eine Verbesserung als eine Verschlechterung erfahren. Wenn auch die Löhne im allgemeinen keine Steigerung zeigen, so hat doch die rege Thätigkeit in der Industrie, der gelinde Winter und die günstige Ernte jede Stockung der Arbeit beseitigt und eher eine Verbilligung als eine Verteuerung der Lebensmittel zur Folge gehabt.“ Diese Sätze sind recht anfechtbar. Man vermißt in denselben bestimmte Angaben. Was heißt „eher besser als schlechter geworden“ und was heißt„eher billiger als teuerer geworden?“ Der einzige Satz, der mit Bestimmtheit ausgesprochen ist, ist der, daß die Löhne im allgemeinen keine Steigerung zeigen. Da wir aber bestimmt wissen, daß die Lebensmittel nicht billiger geworden sind, so können wir nicht gut glauben, daß die Lebenshaltung der Arbeiter„eher eine Verbesse⸗ rung als eine Verschlechterung“ erfahren habe. Sehr be⸗ merkenswert ist, was über die Woh nungsverhält— nisse gesagt ist:
„Durch genossenschaftlichen Zusammenschluß nach Muster des Hannöverschen Spar⸗ und Bauvereins ist in einer Reihe von Städten die Wohnungsfrage in Angriff ge⸗ nommen worden und es sind schon recht erfreuliche Resul⸗ tate zu verzeichnen, so in der Stadt Friedberg, Büdingen, Gießen ze. Durch das Gesetz vom 1. Juli 1893, be⸗ treffend die Beaufsichtigung von Mietwohnungen und Schlafstellen sind eine Reihe von Anforderungen an die Mietwohnungen und Schlafstellen gesetzlich fest⸗ gelegt worden, welchen in der Stadt Mainz in einer großen Anzahl von Wohnungen nicht entsprochen werden kann.(Dasselbe hätte auch sehr wohl von Gießen gesagt werden können. D. V.) Mit einem bloßen Verbote ist hier aber wenig genützt, da die Wohnungen schon jetzt sast unerschwingliche Preise für die Arbeiter- bevölkerung haben. Deshalb ist die Erbauung von
billigen Woh nungen eine unerläßliche Vorbedingung für die strenge Durchführung des Gesetzes, wenn nicht an Stelle der Wohnungsnot Nahrungs sorgen treten sollen, denn was alsdann von dem Einkommen des Ar⸗ beiters auf die Wohnung verwendet wird, muß an der Lebenshaltung erspart werden.“
Wir unterschätzen keineswegs die„erfreulichen Resul⸗ tate“ der Bauvereine in Gießen u. s. w. Aber sicherlich sind sie nicht in der Lage, gründliche Abhilfe von der Wohnungsnot zu schaffen. Und wenn der Staat Gesetze erläßt über die Wohnungsverhältnisse, Größe derselben ꝛc., dann hat er unseres Erachtens auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß man diesen Gesetzen gemäß wohnen kann. Man dürfte also das Erbauen von billigen Wohnungen, die den gesetzlichen Anforderungen genügen, nicht privaten Vereinen überlassen, sondern entweder müßte der Staat oder aber die Kommune den Bau derartiger Wohnungen selbst in die Hand nehmen,
(Ein Schlußartikel folgt.)
Lokales und Provinzielles.
Sitzung der Stadt ver⸗ Um 3½ Uhr eröffnet Herr
* Gießen, 21. Mai. ordnetenversammlung.
Unfälle wurden bei den Berufsgenossenschaften 485
Oberbürgermeister Guauth die stark besuchte Versamm⸗ lung. Die Gesuche des Schneidermeisters Georg Pfaff um Erlaubniß zur Anbringung eines Schildes an das Kannsche Haus, Kreuzplatz 10 im 3. Stock, des Apothe⸗ kers H. Dornberger zur Errichtung eines transpor— tablen Bretterhauses am Nahrungsberg in der Nähe des Klebbergäßchens, des Georg Appel zur Aufstellung einer Gartenhütte an der Ebelstraße, werden ausnahmsweise widerruflich genehmigt.— Der Fabrikant Georg Throm wünscht außerhalb des Bebauungsplanes auf dem Grund⸗ stück seines Etablissements in der Nähe der Margarethen⸗ hütte 3 kleinere Bauten, nämlich Stallung mit Remise, 1 Arbeiterwohnhäuschen und einen Anbau an das Fabrik⸗ gebäude zu errichten. Die Baudeputation empfiehlt mit Rücksicht auf den gewerblichen Charakter dieser Bauten ausnahmsweise Genehmigung derselben, demgemäß wird auch beschlossen.— Der Kaufmann Karl Bieler hat infolge der Beanstandung seines geplanten Baues für den Neuenweg einen Bauplan nur für ein zu erbauendes Hintergebäude(Lagerhaus) zur Genehmigung eingereicht. Das Projekt wird vom Kollegium zur Ausführung unter der ausdrücklichen Bedingung gutgeheißen, daß sämtliche alte Bauwerke zwischen dem neu zu errichtenden Lagerhaus und der Straße entfernt werden.— Die Eckbauplätze an den Ecken der Landmannstraße der Grünberger und der Licher⸗ straße 2 Parzellen neben den ohne Brandmauern er⸗ richteten Arbeiterwohnhäusern sind Eigenthum der Stadt. Die Versammlung giebt ihr Einverständnis, daß diese Eckbaustellen mindestens in einer Entfernung von 3 Metern von den benachbarten Arbeiterhäusern unbebaut bleiben, damit der unterlassenen Errichtung der Brandmauern Genüge geleistet wird.— Ein Gesuch des A men-Vereins um Anlage eines Kamins im früher Wacker'schen Hause in der Mühlgasse findet keine Bedenken. Wegen der An⸗ lage einer Senkgrube unter die bebaute Fläche des Hauses glaubte die Polizei aus sanitären Gründen Einspruch er⸗ heben zu sollen. Auf die erneute Vorstellung des Ver- eins glaubte die Bau⸗Deputation die Genehmigung des Gesuchs wegen der Grube aber befürworten zu sollen, weil erstens dieselbe unter einem als Waschküche zu be⸗ nutzenden Raum zu liegen kommt und weil zweitens diese Anlage immerhin eine Verbesserung der sanitären Ver⸗ hältnisse für jenes Haus bedeute. Die Genehmigung wird hierauf erteilt. Das ehemals Bourgeois'sche Haus an der Kirchstraße, der Stadt gehörig, ist von dieser soweit die Wohnräume in Betracht kommen, an den All⸗ gemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege über⸗ lassen. Zur Herrichtung kleinerer Wohnungen ist die Anlage von Küchen erforderlich, wozu laut Voranschlag Mk. 280.— benötigt werden. Der Betrag wird be⸗ willigt.— Dem Louis Becker wird am Lutherberge ein Lagerplatz von 200 Quadratmeter gegen die übliche Jahres⸗ pacht von 5 8 pro Quadrameter überlassen.— Die Ge⸗ suche des Wirtes J. Raab Kaiserhof, des Konditors J. Hettler, Café Hettler und des Hotelier H. Kuhn, Ein⸗ horn⸗Hotel ihnen zu gestatten vor ihren resp. Lokalen Tische und Stühle zur Benutzung ihrer Gäste aufstellen zu dürfen, wird abgelehnt und zwar weil man eine Be⸗ lästiguug der Passanten dadurch befürchtet und weil man ein direktes Bedürfnis in unserer Stadt fur eine solche Einrichtung nicht anerkennen kann. Der Antrag des kaufmännischen Vereins, betreffend die Sicherstellung des Wertes des im überlassenen Bauplatzes zur Errichtung eines Kaufmännischeu Vereinshauses hat die Bau-Depntation und juristische Kommission beschäftigt. Deren Vorschläge werden vom Collegium gebilligt. Die Versammlung geht darauf über zur Beratung der Eingaben betr. Er⸗ richtung eines Volksbades für unsere Stadt. Ober⸗ bürgermeister Gnauth ist der Meinung, daß man sich wohl allseitig darüber einig sei, daß es sich hier darum handelt eine im weitesten Sinne gemeinnützige Anstalt, um die Befriedigung eines Bedürfnisses aller Gesellschaftsklassen in unserer Stadt. Darüber, daß von der Stadt für die Zwecke des geplanten Bades das benötigte Wasser zu
dem reinen, nackten Selbstkostenpreise abgegeben werden müsse, war man sich in der die Vorlage beratenden Kom⸗ mission einig. In welcher Form man das Unternehmen weiter unterstützen müsse, um die Gestattung desselben zu ermöglichen, war die Mehrheit der Kommission der Ansicht, daß diese Badeanstalt den Charakter der privaten Unter⸗ nehmung haben müsse, wenigstens so lange, bis dieselbe sich zu entwickeln im Stande sei. Die Beteiligung Pri⸗ vater an der Sache würde doch der Gradmesser sein in wie weit das zu errichtende Institut ein Bedürfniß sei, wenn auch in vielen Fällen das Bedürfniß vorhanden sein wird, wo die finanzielle Leistungsfähigkeit nicht vorhanden ist. Man einigte sich in der Kommission auf die Form der Aktien⸗Gesellschaft. Der Vorschlag, daß die Stadt sich mit der gleichen Summe wie die von Privaten zu zeichnende an dem Unternehmen betheiligen solle, fand die Unterstützung und Billigung der vereinigten Bau- und Finanz⸗Kommission. Doch wollte man deren Höhe fest auf 60 000“ begrenzt wissen. Nicht ganz einig aber war man sich betreffs der vorgeschlagenen, gleich nach dem ersten Betriebsjahr beginnen sollenden Aufsaugung des privaten Aktienkapitals. Mit allen gegen 2 Stimmen hat die Kommission auch hierfür einen Modus gefunden, der annehmbar erscheine. Man hat sich in der Finanz⸗ Kommission die finanzielle Seite der Sache klar gemacht und dürfte das Schlimmste sein, daß die in Aktien des Unternehmens seitens der Stadt angelegten 50000 l. die ersten 5 Jahre zinslos bleiben werden. Die Vor- schläge die der Versammlung zu machen seien, gingen dahin: a) die Stadt liefert das für das Volksbad be⸗ nötigte Wasser zum Selbstkostenpreis von 4& pro Cubikmeter, b) die Stadt betheiligt sich mit dem gleichen Aktienkapital wie der Betrag ausmacht, der von privater Seite zu dem Zwecke gezeichnet wird, e) der Aufkauf der in privaten Händen befindlichen Aktien beginnt erst nach 5 Jahren von der Inbetriebsetzung der Anstalt an, dann im Laufe von 20 Jahren, in möglichst gleichen Raten. Stadtv. Homberger hält sich für verpflichtet, seine ab— lehnende Stellung in der vorliegenden Frage, die er bei den Beratungen in der Kommission eingenommen, zu motivieren. Gießen habe im Sommer eine vorzügliche Badegelegenheit und im Winter sei auch bei uns das Badebedürfnis nicht so groß, daß dadurch das Unter⸗ nehmen sich rentabel gestalten könne. Es komme hinzu, daß unsere Fabrikbevölkerung auswärts wohne und da— durch behindert sei, das Bad zu frequentieren. Er ver⸗ kenne die Wohlthat des Badens im Winter für unsere Bevölkerung keineswegs, aber für ihn komme in erster Linie hierbei die Verzinsung des Anlagekapitals in Frage. Für eine billige Wasserabgabe an das Institut sei auch er, er wolle selbst noch weiter gehen und die Beteiligung der Stadt an dem Zustandekommen des Unternehmens durch Hergabe von 60 000 4 gutheißen, aber den Ankauf der Aktien, selbst wenn auch innerhalb von 25 Jahren, dieses Opfer halte er für zu hoch. Die Stadt habe in nächster Zeit große Opfer zu bringen, die unbedingt ge⸗ bracht werden müßten, er erinnere an die geplante Kanali⸗ sation, die seines Wissens 1¼ Million Mark kosten würde, dann komme die Verbesserung des Pflasters und die Regelung der Friedhofsfrage, die ebenfalls Geld koste. Stadtv. Wallenfels glaubt im Sinne der Mehrheit unserer Steuerzahler zu handeln, wenn er den Antrag stellt, diese Vorlage vorerst zurückzustellen, damit man sich erst einmal klar werde, welche Summen die in Aussicht stehenden Vorlagen, als Kanalisation, Pflasterungen, Fried⸗ höfe ꝛc. erfordern. Redner kann sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß es mit diesem Volksbad nicht so pressant sei, so wohlthätig auch eine solche Einrichtung für die Bevölkerung sei. Sollte die Versammlung seinen Antrag ablehnen, so würde er gegen die Vorlage stimmen. Stadtv. Löber ist von der Notwendigkeit der geplanten Einrichtung nicht überzeugt, wir hätten das denkbar gesündeste Bad, unsere Lahn. Das Volksbad komme um 10 Jahre zu
mit dem ewigen Schuldenmachen. Stadtv. Haubach steht auf dem entgegengesetzten Standpunkt wie der Vor⸗ redner. Er begrüßt die der Versammlung gemachten Vor⸗ schläge mit Freude, umsomehr, als die Stadt bel der Sache so gut wie gar kein Risiko habe. Es sei eine un⸗ bestrittene Thatsache, daß in kleineren Städten die Bade⸗ frequenz bedeutender sei, als in den größeren Städten und daß die Anstalten überall da, wo die natürliche Bade⸗ gelegenheit sellst vorhanden, am besten frequentiert seien und auch rentabel gestalten. Er weist dieses aus dem vorhandenen statistischen Material nach und bittet die Vorschläge der Kommission, so wie sie gemacht selen, an⸗ zunehmen. Stadtv. Grünewald ist bereit, für die Vor⸗ schläge a und b der Kommission zu stimmen, bedauert aber, den weiter gehenden Vorschlag wegen des allmäh⸗ lichen Aufkaufs der in privaten Händen befindlichen Aktien durch die Stadt ablehnen zu müssen. Stadts. Professor Gaffky erklärt, daß eine solche Badegelegenheit ganz be⸗ sonders dazu dient, die Volksgesundheit zu fördern. Er wundere sich, daß man sich seitens einzelner Kollegen da⸗ gegen sperre und die Notwendigkeit dieser Einrichtung nicht anerkenne. Die Versammlung habe doch die Einrichtung der Bäder in den Schulen gut geheißen. Wo sollen nun aber die später Erwachsenen, die in der Schule das Baden gelernt und geübt, die sich an Reinlichkeit gewöhnt, später, wenn sie den gesundenden und reinigenden Einfluß des Bades erst recht brauchen, wo sollen dann diese Menschen in unserer Stadt das Badebedürfnis befriedigen? Das Baden ist anerkannt eines der wichtigsten Mittel zur Be⸗ kämpfung der Infektionskrankheiten. Leute, die gewohnt sind, Reinlichkeit an ihrem Körper zu üben, werden auch peinlicher im Sauberhalten ihrer Wohnungen. Man habe auf die Lahnbäder verwiesen und gemeint, diese genügen dem Bedürfnis, aber da müsse er doch sagen, benutzbar seien diese doch nur 3—4 Monat im Jahre, denn länger läßt dieses die Witterung doch selten zu. Auch der Hinweis, daß die Lahnbäder so vorzügliche seien, treffe in hygienischer Beziehung nicht ganz zu. Haupt⸗ sächlich im Sommer nicht, wo der Wasserstand nur klein sei, da sei dasselbe gewiß kein hygienisch reines und das eines Bades wie das zur Ausführung geplante jedenfalls vorzuziehen. Dem Hinweis des Kollegen Grünewald, daß das Lahnwasser, seitdem Marburg seine Fäka⸗ lien in die Lahn abführe, deren Wasser bei uns wesentlich zum Baden schlechter geworden sei, könne er nicht beipflichten. Es mache dies nur einen schwachen Prozeutsatz aus, denn Marburg habe früher schon seine sonstigen Abwässer in die Lahn geführt. Bei der Prüfung, ob die Anstalr rentabel werden würde, solle man doch bedenken, daß schon die Besucher der Universität und unsere Garnison ein starkes Contingent der regelmäßig Badenden stelle, wozu noch komme, daß anerkannter Maßen die Be⸗ völkerung bei uns an das Baden gewöhnt sei. Ein Ver⸗ krachen der Anstalt sei u iter solchen Umständen gänzlich ausgeschlossen. Professor Gaffky steht nicht an zu er⸗ klären, daß er durchaus nicht abgeneigt sei, der Errichtung dieser Aunstalt ganz aus städtischen Mitteln zuzustimmen. Es sei falsch, die Mittel für diese durchaus gemeinnützige Anstalt etwa zurückzustellen huter andere Ausgaben. Stadtv. Heichelheim ist der Meinung, daß die finanzielle Inanspruchnahme der Stadt bei dem Unternehmen zu hoch sei. Die Begründung eines solchen Bades sei ja im In⸗ teresse der Bevölkerung unserer Stadt mit Freuden zu be⸗ grüßen, aber die von der Stadt geforderten Opfer seien doch zu große. Der Oberbürgermeist er erklärt, daß er persönlich es ja auch mit Freuden begrüßen würde, wenn der Opfermut desjenigen Teiles der Bürgerschaft, dessen Verhältnisse dies zuließen, sich bei Inaugurirung von Wohl⸗ fahrtseinrichtungen stärker bethätigen würde, als dies für das Volksbad vorgesehen. Ihm wäre es auch lieber, wenn die Bürgerschaft /; und die Stadt/ des Aktien-
früh und es wäre an der Zeit, endlich Einhalt zu thun
kapitals übernehme. Es gäbe hier nur 2 Wege: ent⸗ weder man verzichtet auf ein Volksbad oder aber man
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Geisterspuk. Humoreske von B. W. Zell.
(Fortsetzung.)
„Sitzenbleiben— ich bitte sehr“, kommandiert
der Major abermals. 5 5 Auf der anderen Seite der Tafel aber wird doch euergisch ein Stuhl gerückt und das Rauschen eines Seidenkleides hörbar. i „Lydia— komm zu mir, mein Kind“, tönt die Stimme der Frau Oberstlieutenant Baring, ge⸗ borene Gräfin Brenkenhof.„Es schickt sich doch durchaus nicht, daß Du im Finstern an der Seite eines Herrn sitzest“, wollte sie eigentlich hinzufügen, besann sich aber noch rechtzeitig. Wer weiß, was sich da im Finstern entwickelte— wenn das Kind seinem Nachbar,— es war der reiche Schmoecken — vielleicht vor Schreck ohnmächtig in die Arme sank und dieser sich dadurch zu einer Verlobung angeregt oder verpflichtet fühlte— Lydia war dreißig Jahre— keinesfalls wollte die Mama etwas verderben—„so schutzlos dasitzest“, vollendete sie
daher.
„Ich bin vom Schreck ganz betäubt, Muttchen“, flotete Fräulein Lydia mit schwacher Stimme zurück, woraus Frau Oberstlieutenant entnahm, daß ihr
verständnisvolles Töchterchen bereits stark auf eine
Ohnmacht zusteuerte. Aber auch Herrn von
in der er sich befindet und verbeugend sagt er seiner Nachbarin zur Linken:„Das gnädige Fräulein scheint unpäßlich— würden Gnädigste vielleicht den Platz mit mir wechseln, um nötigenfalls zur Hand zu sein?“
Frau Hauptmann Röhling erklärt sich bereit; erneutes Stuhlrücken und erneutes Kommando des Hausherrn:„Aber ich bitte um Gotteswillen, sitzen zu bleiben— es kommt ja sofort Licht!“
Aber das Licht kommt noch immer nicht und Frau Oberst findet das Alles äußerst uuschicklich, ja, sie ist einfach empört. Derlei hat sie denn doch noch nie erlebt, obgleich sie mindesteus tausend offizielle Gesellschaften hinter sich hat— man merkt's den Klencke's wahrlich an, daß sie von der Ostgrenze des Reichs aus einem von der Kultur vergessenen Winkel kommen!
Nun fliegt die Thür auf und ein Ah! der Er⸗ lösung begrüßt den Lichtschimmer, der hereinfällt. Freilich ist's eben nur ein Schimmer, kein voller Lichtstrom, denn Kühlke hält im niedern Leuchter ein einzig Lichtlein vor sich hin— er nahm's vom Nachttisch des Herrn Major, ein anderes vermochte er im Moment und im Finstern nicht aufzutreiben. Das kleine Flämmchen erscheint in dem großen Raum wie ein hüpfendes Irrlicht und läßt kaum die Umrisse der einzelnen Gestalten erkennen.
„So bringen Sie doch die Lampen, Kühlke“,
0 Schmoecken dämmert eine Ahnung der Gefahr auf,
donnert der Major.
„Zu Befehl— ich weiß nur nicht, wo welch hernehmen.“—
„Die Lampen sind noch verpackt, lieber Udo— wir brauchen sie ja nie“, tönt kläglich die Stimme der Hausfrau.
„Natürlich— polnische Wirtschaft! murmelt die Kommandeuse.
„So rufen Sie schleunigst den Hausverwalter herbei— vielleicht weiß der mit dem Gas Bescheid schlimmsteufalls eilen Sie zur nächsten Gasanstalt“ — keucht der Major wieder.
„Sie ist eine Stunde von hier entfernt, Herr Kamerad“, berichtet Oberst von Götze spöttisch und seine Gemahlin sekundiert, sich energisch erhebend: „Und so lange können wir hier unmöglich im Finstern sitzen.“
„Um Gotteswillen— Sie werden mir das nicht authun“, ruft die Frau Major beschwörend über den Tisch hinüber.
Wieder fliegt die Thür auf, ein zweites Irrlicht schwankt herein— Stefan Lischinsky hat es vom Nachttisch des Lieutenant Marzahn geholt. Aber was ist das— läßt nur die flackernde Beleuchtung das Antlitz des Polen so kreideweiß erscheinen? Auch schwankt der Mann hin und her und da— ein Krachen, Klirren und Splittern, begleitet von erschreckten Ausrufen der Anwesenden— Lischinski ist in der dämmernden Finsternis an eine Kredenz
geraten und ungezählte herrliche Krystalle, Schalen,
———— Gläser und Kannen liegen in Tausend Scherben am Boden.
Jetzt aber muß selbst die Frau Oberst zugeben daß Frau Major Kleucke trotz des„unkultivierten“ Ostens nicht nur eine vollendete Wirtin, sondern eine ebenso vollendete Weltdame ist. Denn ob ihr Herz auch bluten mag, mit einem Lächeln, das allerdings etwas gezwungen erscheint, spricht sie: „O, ich bitte, meine Herrschaften, keine Aufregung wegen der Kleinigkeit— dergleichen kommt vor.“ Und dann blickt sie wie eine Heldin im Kreise umher.
Aber Lieutenant Marzahn ist mit gerunzelten Brauen aufgefahren. Sein Bursche war's, der das Unheil angerichtet, was fällt dem sonst so ge⸗ wandten Menschen ein? Sollte er getrunken haben? Dann wehe ihm!
Noch immer ist die ganze Szene nur von zwei flackernden Lichten beleuchtet. Die Mädchen er⸗ scheinen jetzt, um die Scherben zusammenzukehren, zugleich kommt der Hausverwalter, um die Gas- leitung zu untersuchen. Zum Glück hat der vor⸗ sichtige Mann, ein ehrsamer Schuhmacher, seine leuchtende Schuhmacherkugel mitgebracht, die in der Dunkelheit wie ein riesiger Leuchtkäfer erscheint und die drolligsten Reflexe über die silberschimmernde Tafel, die blitzenden Uniformen und die eleganten Toiletten der Damen wirft.
(Schluß folgt.)
ische maudeszeilung.
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