Gießen, Dienstag, den 22. Dezember
1896.
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Posiztg. Nr. 3239a. Telephou⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
ische Landes
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
g Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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4 0 eießen 21. Dezember.
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hunt, hat längst nicht mehr die Bedeutun frühen. Das Leben und Treiben
shtigkeit des Tages angepaßt.
waren die Umsätze nur mäßig. Besonder
gen die Woll⸗ und Pelzwarenhändler über lichte Geschäfte, woran wohl der fortwährende
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schsel der Witterung die Schuld trägt. Gießen, 21. Dez. Das Reichsgerich
die Rebision des vom Schwurgericht zu drei Ihren Zuchthaus verurteilten Handelsmannes
mer von Crainfeld verworfen. Gießen, 21. Dezember. Dr. Liebe gegen den Obermeister Pirr i
0 n das Urteil des Schöffengerichts seitens des
Ienklägers Berufung eingelegt.
Gießen, 21. Dez. Gestern Mittag um Ebel eine Versamm⸗ ztlichen Verei⸗ unter Vorsitz
ihr fand im Cafe (g der Veterinärär gung der Provinz Oberhessen Dr. en statt. interessanten Mitteilu Aken es, welche üischtigte Zeit zusammenhielten. Gießen, 21. Dez. Ir Hesszsche J band Gießen,
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die sehr Tauschverlosung
cherung ab,
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die dabei Beteiligten manche Ueberraschung. hielt die Fechter bis gegen — Der Gießener Zither⸗ diesjährige Weihnachts⸗
ang und Tanz borgen zusammen. Aub hielt seine tischerung gestern Abend im Café Leib a
n bedürftige Kinder wurden aus den Mitteln — Musik und Vorträge Komikers trugen sehr viel A Unterhaltung der nicht sehr zahlreich Er⸗
Vereins vollständig gekleidet. d Gesang, lebende Bilder ges auswärtigen
ienenen bei. Gießen, 21. Dezember. tags in Steins Saalbau begann, wa Hucht, was jedoch in Rücksicht auf die bevo Perch Feiertage erklärlich erscheint. büerch
such das Streichquartett
te Zeugnis ab, daß unsere
ber ausgezeichnete Kräfte verfügt.
il wurde denn auch nach jeder Nummer d
I pielplans gespendet.
„ Cießen, 21. Dezember. Stellung gewesener junger
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ales und Provinzielles.
5 0 Der gestrige tag, von den Geschäftsleuten der„goldene“
ö war * gestern in den Hauptverkehrsstraßen der In der Spiel⸗ enbranche, und da wo es Christbaumschmuck kaufen gab, waren die Geschäfte von Käufern zum Geschäftsschluß gefüllt. In den übrigen
In der Klage⸗
ngen aus der Praxis die Versammlung über die be⸗
(Vereinsfeiern.) echtverein Waisenschutz, hielt gestern Abend im Cafe im oberen Saal seine Weihnachts- gemütlich ver⸗
Das gestrige stauße⸗Konzert, welches um 5 Uhr nach⸗ war mäßi
Herr 0 eld(Violine) und Herr Schwarz Viston) leisteten als Solisten ganz Vorzügliches. „Weihnachtsgesang“ Militärkapelle
Reicher Bei⸗
Ein früher hier Kaufmann ist seit 15 Jahren in seiner Heimat(Schlesien) krank
und erwerbsunfähig. Die Krankenkasse hat ihre Leistungen eingestellt. Die nicht bemittelten Ver⸗ wandten hatten geholfen, so gut sie konnten. In seiner Not wandte sich der junge Mann an seine Gießener Kollegen, an den Borstand des hiesigen Kaufmännischen Vereins, dem er während seines Hierseins angehörte. Eine unter den Mitgliedern des Vereins sofort vorgenommene Sammlung hatte den Erfolg, daß dem Kranken die Summe von über 200/ übersandt werden konnte.
* Von der Lahn, 21. Dezember. Wie uns zuverlässig mitgeteilt wird, beabsichtigen sämtliche Kalkwerke des Lahnthales ein Kartell abzuschließen zwecks e des Prei⸗ ses ihres Fabrikats. Es soll dies beson⸗ t ders im Interesse der kleinen und mitt⸗ leren Betriebe liegen, welche bei den sehr gedrückten Preisen des Kalkes nicht nur nicht auf die Kosten kommen, sondern sogar mit Unter⸗ bilanz arbeiten. * Grünberg, 20. Dezember. Auch aus den Waldungen unserer Gegend sind wieder große Mengen von Christbäumchen zum ersandt gekommen. Sie gingen größtenteils nach größeren Städten Norddeutschlauds, wie Köln, Hannover u. a. Nach Frankfurt a. M. wurden ebenfalls mehrere Wagenladungen ge⸗ liefert.— Auf der hiesigen Distriktseinnehmerei wurde kürzlich ein falsches Einmarkstück vereinnahmt; es konnte nicht festgestellt werden, von wem dasselbe eingezahlt worden war.— Wie in vielen Orten des Vogelsberges, treten auch in unsrer Gegend gegenwärtig zahlreiche Masernerkrankungen auf. In der benach⸗ barten Gemeinde Harbach ist die Schule deshalb geschlossen worden.
* Grünberg, 21. Dez. Auf dem letzten Fruchtmarkt wurden für Getreide folgende Durchschnittspreise(pro 9 9 gezahlt: Weizen: 8 1, Roggen: 0,00%, Erbsen 8, Gerste: 0, Hafer: 6,21%, Wicken: 0 A pro Ztr.
* Butzbach, 21. Dezember. Der Sozial⸗ demokrat H. Becker, der vor 2 Jahren in Mainz wegen„Aufreizung zur Unlust am Dienste vor versammelter Mannschaft“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die er in Einzelhaft im hiesigen Zellengefängnis ver⸗ büßte, hat nach dem„Saalfelder Volksblatt“, das früher von Becker redigiert wurde, auf Ver⸗
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9 r⸗erlaß von 1 Jahr erhalten. Am 7. Februar nächsten Jahres wird er aus dem Butzbacher Ge⸗ fängnis entlassen.
* Bad Nauheim, 20. Dezember. Vom Schöffengericht wurde der vielfach vorbestrafte Tagelöhner Karl Stephan Bingel aus Busen⸗ horn bei Schotten, der dermalen in der Zellen⸗ strafanstalt zu Butzbach wegen Beamten⸗ beleidigung eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten verbüßt, wegen abermaliger Beamtenbeleidigung, wegen Widerstands und Diebstahls in eine Ge⸗ samtstrafe von 12 Monaten Gefängnis verur-
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wendung der Gefängnisdirektion einen Straf⸗ f
teilt, in welcher die obige Strafe von drei Monaten enthalten ist.
* Otterbach(Kreis Alsfeld), 20. Dezember. Auf traurige Weise kam ein Veteran aus den Feldzügen von 1866 und 1870/71, die er glück⸗ lich mitgemacht, ums Leben. Es war der hiesige Ortsbürger Joh. Rühl III, der auf dem Heimweg den rechten Weg verfehlte und jeden⸗ falls durch einen unglücklichen Sturz in den Mühlgraben geriet und hierin ertrank. Am nächsten Morgen fand man seinen Leichnam am Ufer liegen.
* Darmstadt, 20. Dezember. In der von der Stadt Darmstadt im Auftrage des Hessi⸗ schen Städtetages gegen die Reichsbank an⸗ gestrengten Klage, wonach die hiesige Reichsbank⸗ nebenstelle zur Zahlung der Kommunal⸗ steuern heranzuziehen sei, entschied der Ver⸗ waltungsgerichtshof als letzte Instanz dahin, daß der Rekurs der Reichsbank kostenpflichtig ab zu⸗ weisen sei. Die Reichsbank ist somit in Hessen verpflichtet, in den Städten, in denen sie Filialen besitzt, Rommunalsteuern zu zahlen.
* Darmstadt, 20. Dezember. Vor der hiesigen Strafkammer als Appell-Instanz kam die Privatklage des früheren Feuerwehr⸗ kommandanten Loos aus Alsbach an der Berg⸗ straße gegen den Redakteur des„Neuen Hess. Volksblattes“, Rudolf Ramspeck, wegen Be⸗ leidigung durch die Presse zur Verhandlung. Der Privatbeklagte war am 18. September vom Schöffengericht Darmstadt I freigesprochen worden, wogegen der Privatkläger Berufung eingelegt hatte. Heute führte Letzterer eine Reihe neuer Zeugen ins Treffen. Der Gerichtshof verwarf jedoch die Berufung unter Verurteilung des Klägers in die sämtlichen Kosten beider Instanzen. Das Gericht nahm den Wahrheits⸗ beweis als vollständig erbracht an.
* Aus Rheinhessen, 20. Dezeinber. Zur Ausbildung von Obstbaumwärtern hat der landwirtschaftliche Provinzial⸗ verein für Rheinhessen 500 Mark bewilligt, welcher Betrag zu 60 und 40 Mark an jeden Teilnehmer des Kursus ausbezahlt werden soll, wenn er sich verpflichtet, mindestens 6 Jahre nach dem Kursus in der Provinz Rheinhessen zu verbleiben. Diejenigen jungen Manner sollen vorzugsweise berücksichigt werden, die sich bereits seit Jahren mit der Obstbaumzucht be⸗ aßt haben.
* Mainz, 20. Dezember. Die von Seiten der Stadtverordneten gewählte Notstands⸗ kommission ist zusammengetreten und hat be⸗ schlossen, die Notstandsarbeiten bei eintretendem Bedürfuisse beginnen zu lassen. Es sollen die sich meldenden Arbeiter wieder mit Steinschlagen beschäftigt werden; doch soll hier ein Modus eingeführt werden, der den Arbeitern ermöglicht, pro Tag Mart 2,20(bisher Mark 1,50) ver⸗ dienen zu können.
* Mainz, 20. Dez. Durch die Geistes⸗
gegenwart eines Dienstmädchens ist hier ein
größeres Unglück verhütet worden. Durch das Umfallen einer Petroleumlampe entstand in einem Hause der Weinthorstraße während der Abwesen⸗ heit der Herrschaft ein Zimmerbrand. Wäh⸗ rend im Nu der lackierte Zimmerboden mit Teppich und Kinderbettchen in hellen Flammen stand, gelang es der Geistesgegenwart des Dienst⸗ mädchens, das kleine Kind, welches in dem Bettchen lag, den Flammen zu entreißen und bei benachbarten Leuten unterzubringen. Das Feuer blieb auf seinen Herd beschränkt.
* Worms, 20. Dezember. Die von Seiten der städtischen Sparkasse gegebene Rech⸗ nungsablage für 1895 weist einen Reingewinn von 101 97/7 4 76& auf. Die Einlagen be⸗ trugen 1 333 749. 384&, die Ausgaben 1 209 290 4 25 f. Das Vermögen der Kasse beträgt 974 1109. 86&, bei 8 769 448 22 38 F verzinslich angelegten Ausständen.
Vermischtes.
— Die Telegraphie ohne Drähte. Einem jungen Italiener, Namens Marconi, ist eine Erfindung gelungen, die das Problem der Telegraphie ohne Drähte anscheinend vollkommen löst. Daß wir einst dahinkommen könnten, hat schon im Jahre 1838 Steinheil in Aussicht gestellt, und es ist in der Zwischenzeit mancherlei versucht worden, um auf weite Entfernungen ohne metallische Verbindungen zu telegraphieren. Als im vorigen Jahre das die Iusel Mull mit dem Festland verbindende Kabel brach, wurde der Apparat während der Dauer der Repara⸗ turen nach Oban gebracht, und es wurden während einer Woche 156 Meldungen vermittelt, darunter eine von 120 Worten. Diese Erfahrungen veranlaßten das Postdeparte⸗ ment, Versuche anzustellen, in welcher Weise diese Art der Uebertragung von Botschaften ohne metallische Ver⸗ bindungen für die Schifffahrt nutzbar gemacht werden könnte. Das Goodwin⸗Leuchtschiff gegenüber Ramsgate wurde für diese Experimente benutzt, aber nachdem man bereits große Summen dafür verausgabt hatte, zeigte es sich, daß es ganz unmöglich sei, eine Botschaft au Bord gelangen zu lassen, denn das Seewasser fing den elek⸗ trischen Strom auf und verhinderte ihn, das Schiff zu erreichen. Der Italiener Marconi hat nun dem Uebel⸗ stande dadurch abgeholfen, daß er nicht elektromagnetische, sondern elettrostatische Ströme anwendet, d. h. Ströme, die durch viel schnellere Schwingungen, als die ersteren erzeugt werden. Es war bekauntlich Hertz, der vor wenigen Jahren allzufrüh seiner Wissenschaft entrissene deutsche Phy⸗ siker, der die Erzeugung dieser Ströme lehrte. Bei Marconis Versuchen wurden diese Schwingungen in geraden Linien projiziert und konnten wie Licht zurückgeworfen und ge⸗ brochen werden. Marconi, ein etwa dreißigjähriger Maun, kam erst vor ganz kurzer Zeit nach London und fand hier bei den Behörden, zumal bei dem Postamt, dem Kriegs⸗ ministerium und der Admiralität das denkbar freundlichste Entgegenkommen. Man veranstaltete mehrere Versuche auf dem Dache des Generalpostamts und dann auf eine Entfernung von dreiviertel Meilen bei Salisbury. Das sonst nicht gerade auf der Höhe seiner Aufgabe stehende Postamt nimmt sich mit besonderem Eiser der neuen Er⸗
findung an und hat Marconi versprochen, keine Unkosten zu scheuen, um sich von der Nützlichkeit seiner Erfindung zu überzeugen. In größerem Stil sollen demnächst Ver⸗ suche unternommen werden. Von Penarth nach einer Kanalinsel. Später will man mit den Marconischen
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Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolshardt. Gachdrud verboten.,
(Gortsetzung.) ö Ich bin bei ihm wie
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45d, so gut! 5 a id ich bete jeden Abend, daß ich immer, immer Er hat selbst eine Tochter . die bei dem großen Unglück ihr Leben ver⸗ ken pat; da drüben unter den biet Bäumen,
l ihm bleiben lann. ghabt,
1 5 u Spitzen so hoch über die sie begraben, und mein r erlaubt, daß ich ihn so nenne— geht a
Jage sehr oft dahin, um ganz u sie zu denken. Laus zurückkommt, ist er nur sebevoller gegen mich. Der nich in seinen Weg geführt, berlorene Tochter eine andere geben wollte, 0 zu sagen, und ich wünsche nur 195 recht deutlich zeigen könnte,
U ach, daß ich eben so viel leruen soll, wie sei
eme Hertha, und ich habe alle Tage den Boklor Bergewald aus Rothhalde, bis en bouvernante kommen wird, schten. Manchmal weiß ich seschieht und womit ich das
4e ist uur dann gerade so, wie Du vorhin sagte
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pböner jein könnte, der ea Traum sein könnte,
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im Himmel,
anderen emporragen, Papa— denn er hat
allein und ungestort Aber wenn er dann in das um so gütiger und Himmel selbst habe weil er ihm für die pflegt immer, daß ich wie dankbar ich im bin und wie innig lieb ich ihn habe. Er will
Stunden bei
um mich zu unter⸗ selber nicht, wie mir Alles verdient habe.
(es ob es gar leine Wirtlichteit, sondern nur en bald vergehen
War es denn möglich, daß dies dasselbe scheue, ue e, schweiglame Kind war, welches sich 2 o furchtsam und frostelnd in eine Ecke des
Eisenbahnkoupees geschmiegt hatte? Mit hellem Ent⸗ zücken hatte ihr Bernhard anfänglich zugehört; aber je weiter sie sprach, desto ernster war sein Gesicht geworden und mit desto nachdentlicheren Blicken hatte er vor sich hin auf den Kiesboden geschaut. Ale Elisabeth nun innehielt, antwortete er ihr nicht, und es war ein Ausdruck leiser Enttäuschung in ihren Worten, da sie ihn fragte:
„Warum sagst Du nichts? öreust Du Dich nicht ein wenig darüber?“
„Ja, ich freue mich!“ versicherte er mit großem Nachdruck,„denn ich wünsche nichts so sehnlich, als daß es Dir immer— Dein ganzes Leben lang — recht gut ergehen möge. Aber ich dachte eben daran, daß wir uns wohl nie mehr wiedersehen werden.“
Er hatte das mit mäunlicher Fassung sagen wollen; aber sein guter Wille war stärker gewesen als sein Vermögen. Vielleicht war es darum nur der schmerzliche Auedruck des letzten Satzes, welcher Elisabeth bestürzt und erschrocken machte.
„Warum sollten wir uns nie mehr wiedersehen? — Kannst Du denn nicht öfter, weun Du eine freie Stunde hast, herüberkommen, um mich zu besuchen?“
In dem Herzen des Jünglings, der ja fast noch ein Knabe war, vollzog sich ein Kampf, wie ihn auch ein gereifter Mann nicht schwerer häte be— stehen können; der überschäumende Becher der Freude war geleert, und nun erkannte er, daß ein gar bitterer Trunk auf seine Grunde gewesen war. Das hoffnungsvolle Zutunftsbild von dem glänzenden Ritter, welcher das arme Aschenbrödel aus Elend und Niedrigteit befreit, in dieser Stunde war es
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vollständig und für alle Zukunft zerstört worden. Das Aschenbrödel hatte sich ohne sein Zuthun in eine Prinzessin verwandelt, und wenn es auch jetzt noch in seiner kindlichen Unerfahrenheit mit ihm plauderte wie mit einem guten Kameraden, so würde es doch nach wenigen Jahren mit Stolz und Geringschätzung herabsehen auf den armen Teufel, der sich in thörichter Vermessenheit eine turze Stunde lang eingebildet hatte, ihm ein Be⸗ schützer zu werden.
Sein gerader Sinn und seine Wahrheitsliebe rangen mit seinem Stolze; aber die besseren Re⸗ gungen behielten den Sieg. Mit derselben frei⸗ mütigen Offenheit, welche Elisabeth ihm gegenüber an den Tag gelegt hatte, schilderte er ihr jetzt seine eigene, durch die Dienstentlassung und die schreck⸗ liche, hoffnungslose Krankheit seines Vaters ge⸗ schaffene Lage.
„Ich vermag ihm nichts mehr zu nutzen“, schloßz er seine mutlose Erzählung,„und viel zu lange schon bin ich ihm jetzt zur Last gefallen. Jeder Bissen Brod, den ich noch in meinem Eltern⸗ hause esse, erscheint mir wie ein Diebstahl an meinem unglücklichen, hilflosen Vater. Ich kann und darf diesen Zustand nicht länger ertragen, und ich bin jetzt fest entschlossen, schon morgen nach Berlin oder nach einer anderen großen Stadt zu reisen, wo ich mein Forttommen finden werde, wie es tausend Andere finden, auf eine wie jämmerliche Weise es auch immer sei.“
Elisabeth hatte ihm aufmerksam zugehört. Als er von der unheilbaren Krantheit des Packmeisters sprach, hatte sie wie zum Troste ihre kleine, warme
drücken versucht, seiner Absichten für die Zukunft Erwähnung gethan, sah sie ihm erstaunt und wie mit sanfter Mißbilligung in das finstere Gesicht.
„Weshalb denn auf eine jaͤmmerliche Weise?“ fragte sie.„Kannst Du nicht ein reicher und an⸗ gesehener Mann werden, wie es mein Papa Rode⸗ wald ist? Er hat mir erst gestern erzählt, daß er auch ein ganz armer, verwaister Knabe war, und daß er sich nur durch Fleiß und Beharrlichkeit emporge⸗ arbeitet hat. Was ihm möglich gewesen ist, muß doch auch Dir gelingen.“ a
Ihre kindlichen Worte übten eine tiefe Wirkung auf Bernhard aus. Sie beschämten ihn und machten ihn zugleich sehr glücklich.
„Möchtest Du denn wünschen, daß ich ein reicher und angesehener Mann würde, Elisabeth!“ fragte er zögernd.
„Ich wünsche es sehr innig“, gab sie ohne Ver⸗ legenheit zurück,„deu ich weiß, Du würdest mich auch dann nicht vergessen!“
„Nein, ich schwöre es, daß ich Dich niemals vergessen werde“, rief er mit Feuer aus,„und ich schwöre auch, daß ich meine ganze Kraft aufbieten werde, es wirklich zu etwas Bedeutendem zu bringen. Mein armer Vater hat ja Opfer genug gebracht, um mich etwas lernen zu lassen und es wäre sehr traurig, wenn das Alles verloren sein sollte. Aber es wird freilich nicht leicht sein, und ich bin sicher, daß eine lange Zeit vergehen muß, ehe ich zurücklehren kann. Wirst auch Du inzwischen ein wenig au mich denken, Elisabeth?“
„Gewiß!“ erwiderte sie einfach.„Ich habe
Hand auf die seinige gelegt. Nun aber, als er
mit einer Bitterkeit, die er vergeblich zu unter⸗
bisher alle Tage an Dich gedacht, denn Du warst der Erste, der wirklich gut gegen mich gewesen ist.“ Gortsetzung folgt.)


