Ausgabe 
22.8.1896
 
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1896.

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Ausgabe

Gießen, Sonnabend, den 22. August

Gießen.

adeszeitung.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die FIspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

11 1* 2 Lokales und Provinzielles. Gießen, 21 August. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 14. August ist der Lehramtsaccessist Wilhelm Kalbfleisch von hier zum Lehramtsassessor ernannt worden. * Gießen, 21. August. Das Reichsver⸗ icherungsamt hat kürzlich entschieden, daß 8 Fahrrad nicht mehr als Gegenstand es Sports, sondern als Verkehrs mittel auzusehen sei, da es weit verbreitet sei und für manche Gewerbetriebe eine erhebliche Bedeutung gewonnen habe. Es müsse somit als ein der Gepflogenheit der Bevölkerung ent⸗ sprechendes Beförderungsmittel anerkannt werden, und es seien solchen Gewerbetreibenden, die in ihrem Beruf ein Fahrrad benutzten und dabei verunglückten, Renten zuzubilligen.

* Gießen, 21. August. Vom 1. September ab wird auf den preußischen Staats⸗ bahnen die dem reisenden Publikum gewiß willkommene e eingeführt, daß die Zug⸗ ier der Schnellzüge mit Zuschlags⸗ larten versehen werden. Will also ein Reisender vom ane zum Schnellzug übergehen oder im Schnellzuge auf einer Unter⸗ wegsstation eine höhere Wagenklasse nehmen, so kann er gegen Hinterlegung des Mehrpreises beim Zugführer die erforderliche Zu⸗ a lösen und braucht nicht mehr

illetschalter zu gehen. Die großen Werk⸗

zum Gießen, 21. August. stätten der Oberhessischen Eisenbahnen n Vollendung entgegen. Bereits sind en Umgebung eine Anzahl mittlerer Wohn⸗ häuser errichtet worden, die nicht nur für die Eisenbahnarbeiter bestimmt sind, sondern auch für die Arbeiter einer ebenfalls der Vollendung aer großen Maschinenfabrik und Eisengießerei(Heyligenstädt u. Co.) und einer 1 G0 er vollendeten Lampenfabrik(Kauffmann 1 O. Gießen, 21. August. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Obstzeit dürfte es angebracht sein, auf folgende, bisher zu wenig beachtete Thatsache, die schon manche Krankheit herbeige⸗ führt hat, aufmerksam zu machen. An den Bir⸗ nen und Aepfeln bemerkt man oft rauhe, sch war ze Flecke, die beim Genusse des Obstes meist unbeachtet bleiben. Wissenschaftliche Unter⸗ suchungen aber haben mit Bestimmtheit ergeben, daß die Flecke Pilzwucherungen sind, die sehr nachteilig auf die Verdauungsorgane wirken können. Es empfiehlt sich daher, Obst nur geschält zu genießen; überdies ist auch eine mitgenossene Schale schon im Stande, bei schwachem Magen das bekannle schmerzhafte ücken zu erzeugen.

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Straßenpassant sprang schnell hinzu, hielt die Kühe an und verhinderte, daß der zu Boden Gefallene überfahren wurde, allein schon durch

15 Gießen, 21. August. Der am 24. Juli 12 früh von Straßburg(Els.) 2 mit der Schaffnerbahnpost im Zuge 34 Straßburg⸗Appen⸗ weier abgesandte Geldbriefbeutel für Frankfurt(Main) 1 ist unterwegs ent⸗ wendet und dafür ein anderer Geldbeutel mit wertlosem Inhalt unterschoben worden. In Verlust geraten sind drek Geldbriefe und zwei Wertpackete mit einem angegebenen Werte von zusammen 4992 Mark 43 Pfennig. Auf die Ermittelung des Diebes und die Herbeischaffung des entwendeten Gutes ist von der Postbehörde eine Belohnung von 500 Mark aus⸗ gesetzt.

* Gießen, 21. August. Ein schon bejahrter Bauersmann aus Wieseck hatte gestern Abend in einer hiesigen Brauerei mit seinem mit zwei Kühen bespannten Wagen Treber geholt. Beim Nachhausefahren setzte sich der Mann auf ein Brett seines Wagens. Ohne es zu merken, war das Brett ins Rutschen gekommen, sodaß der Mann in der Wallthorstraße vom Wagen herunter und vor die Räder rutschte. Ein

den Fall hatte sich derselbe eine nicht unbe⸗ deutende Verletzung an der Stirn zuge⸗ zogen. Ein des Wegs kommender Arzt legte dem Verletzten, den man in einen Geschäftsladen gebracht hatte, einen Notverband an.

Gießen, 21. Aug. Die Klagesache des Schlachthaustierarztes Liebe gegen den Ober meister Pirr, in welcher heute Vormittag vor dem Schöffengericht Termin anstand, kam nicht zur Verhandlung, wurde vielmehr auf den 29. September Vormittags verlegt.

* Gießen, 20. August.(Strafkammer.) Der 19jährige Chr. Schepp von Burkhards⸗ felden wurde heute Vormittag von der Straf kammer wegen Körperverletzung mittels eines Messers zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt, auch sofort in Haft genom⸗ men. Der Gerichtshof erkannte dem Verletzten 300, Buße zu, die der Angeklagte zu bezahlen hat. Soeben wurde gegen den 17 Jahre alten Philipp Wagner von Großen-Buseck wegen Urkundenfälschung und Betrug verhandelt. Der junge Mann ist gestandig in das Kontobuch seines Vaters, welches dieser beim Konsumverein hatte, Waren als entnommen eingetragen zu haben, die faktisch nicht bezogen waren, um sich dadurch einen Vorteil bei der Dividendenab⸗ hebung zu verschaffen. Dieser Vorteil ist dem Angeklagten auch thatsächlich im Betrage von 5 c. zu Teil geworden. Der Staatsanwalt billigte dem unbestraften, jugendlichen Ange klagten mildernde Umstände zu und beantragte

mäß lautete auch das Urteil. Die Backstein⸗ macher Dietrich Funck 3 und Jakob N udolph, beide z. Zt. in Gießen, werden be⸗ schuldigt, im Jahre 1896 gegen die Gewerbe⸗ ordnung verstoßen zu haben, weil sie Kinder unter 14 Jahren resp. jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren, länger als die gesetzlich zulässige Zeit beschäftigt haben. Die Angeklagten ent⸗ schuldigen sich damit, sie hätten die gesetzlichen Bestimmungen nicht gekannt und daß die Eltern ihre Kinder an sie zum Arbeiten verakkordiert hätten. Die Vernehmung des Wachtmeisters Kaspar ergiebt, daß die fraglichen Arbeiter von Mor⸗ gens 4 bis Abends 9 Uhr mit nur 2 Stunden Pause beschäftigt wurden. Staats⸗ anwalt Zimmermann beantragte auf eine Geld⸗ strafe von 10. gegen jeden der Angeklagten zu erkennen. Das Gericht beschloß, die Sache auszusetzen, damit die Anklagebehörde über die Größe der Betriebe der Angeklagten erst Er hebungen anstellen kann. Butzbach, 21. August. Gestern Abend fand zu Ehren der seither hier garnisonierenden Eskadron Dragoner, die morgen die hie sige Stadt verläßt, um an den Manövern teil⸗ zunehmen und nach denselben ihren neuen Gar⸗ nisonsort Darmstadt bezieht, ein Abschieds⸗ essen im GasthausZum goldenen Löwen auf städtische Kosten statk. ImHessischen Hof fand aus gleichem Anlaß ein gemeinschaftliches Abschiedsessen der Offiziere und Bürgerschaft statt. Seit September 1818, in welchem Monat 300 Mann hier einrückten, besteht die hiesige Kavalleriegarnison, die, wie erwähnt, nunmehr in eine Infanteriegarnison umgewandelt wird. * Friedberg, 20. August. Die Aktie n⸗ zuckerfabrik Wetterau verteilt aus dem letzten Geschäftsjahr 7 Prozent Gewinndividende. Der Gesamtgewinn betrug bei 945 501 4 90 Einnahme 118676. 67 H. Dadurch war die Gesellschaft in der Lage, auf den Zentner Aktien⸗ rüben eine Nachzahlung von 6 5 zu leisten, was eine Gesamtsausgabe von 12938 40 W be⸗ deutet. Der außerordentlichen Rücklage wurden 0 17107 73&, dem Unterstützungsfonds 2000 Mark zugewiesen. Die Rücklage für Neubauten beträgt 13 000. Für Rüben, Frachten und Samen wurden 561693 4 35» ausgegeben, während die Fabrikationskosten 211 990% 68 betrugen. Die Fabrik verarbeitete insgesamt 564000 Zentner Rüben, mithin weniger als in einem der letzten sechs Betriebsjahre. Da diese von einer Fläche von rund 4000 Morgen geerntet wurden, beträgt der Durchschnittsertrag von einem Morgen 141 Zentner, gegen 206 Zentner in 1894. Der Durchschnittszuckerertrag war indessen 2,7 Prozent höher und betrug 14,4 Prozent. Die geringe Rübenmenge ver⸗

auf 6 Wochen Gefängnis zu erkennen. Demge⸗

ursachte einen unverhältnismäßig hohen Mehr⸗

aufwand an Fabrikationsunkosten. Es wurden

69285 Zentner erstes und 5240 Zentner Nach⸗

produkt, sowie 14200 Zentner Melasse gewonnen. Im Herbst stand der Preis für Zucker von 92 Rendement auf ungefähr 11, stieg vorüber⸗ gehend auf 13 4 50, um Mitte Mai wieder zu weichen. Die Durchschnittsverkaufspreise be⸗ trugen für erstes Produkt 12. 20&, für Nachprodukt 10, für Melasse 92,5. Das Aktienkapital beträgt 835 200 /., der Re⸗ servefonds 100 000, die außerordentliche Rück⸗ lage 32 892 4 27 und der Unterstützungsfonds 10 274 1 75&.

Vermischtes.

Ein hartnäckiger Spitzbube.

Vor länger

als Jahresfrist war in dem Komptoir einer Druckerei in

Darmstadt ein Einbruchsdiebstahl verübt worden. Der Thäter, der noch sehr junge Friedrich Philipp Arnold von Darmstadt wurde darauf hin zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Kaum hatte er dieser Tage seine Strafe ver⸗ büßt, als er abermals dem genannten Komptoir einen nächtlichen Besuch abstattete und einen größeren Geld⸗ betrag stahl. Bei der heute erfolgten Verhaftung des Diebes war das Geld bis auf 25 Mark bereits ver⸗

jubelt.

Ein Riesenfaß. Die Firma Gebrüder Walther zu Mainz erhielt von der Faßfabrik M. B. Bodenheimer in Cassel für neugebaute Kellereien ein Faß, das 3500 0 Liter aufnehmen kann.

Unter dem Verdacht der Massentötung von Pflegekindern ist in dem Dorfe Pettendorf in der Oberpfalz die 36jährige Frau des dort wohnhaften Zimmermanns und Häuslers Habler verhaftet worden. Die Beschuldigte hat seit etwa 6 Jahren gegen Entgelt Pflegekinder angenommen, die aber zum größten Teil nach kurzer Zeit starben, ohne daß man diesen Todesfällen eine besondere Bedeutung beigemessen hätte. Außerdem wird die Habler noch beschuldigt, häufig Todesfälle fingiert zu haben, um von den Mitgliedern der Pflegekinder die Leichenkosten herauszuschwindeln.

Ungesunder Wettbewerb. In der badischen Gemeinde Hemsbach sollte der Oelfarbenanstrich des Schulhauses, welcher zu 250 Mark veranschlagt war, ver⸗ geben werden. Dabei wurden die Arbeiten so angeboten, daß ein Geschästsmanu die Arbeit für 78 Mark zuge⸗ schlagen bekam.

Von der Solidarität unter den Tieren wird aus Freiburg folgende hübsche Geschichte erzählt, die sich vor einigen Tagen daselbst zugetragen hat. Gegen 6 Uhr morgens bemerkte man eine Taube, die sich in den Telephondrähten über dem Dache des Hauses Erle⸗ bach am unteren Ende der Rue des Alpes gefangen hatte. Alle Anstrengungen, sich frei zu machen, blieben erfolglos, und ermüdet hing das Tierchen von der Drahtlinie herunter. Da kam Hilfe. Ein Flug Tauben hatte den Vorfall wahrgenommen. Zuerst umkreisten sie die Ge⸗ fangene, dann schlossen sie sich eng zusammen und suchten durch einen raschen Anflug die Bande zu sprengen. Der erste Versuch mißlang, aber das zweite Mal gab der Draht nach, die Taube wurde frei und fiel, dicht umgeben von ihren Kameraden, sanft auf das Dach. Da blieb

Marja, das Heldenmädchen . von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg (Nachdruck verboten.)

75(Fortsetzung.)

Aber das konnte ja nur eine liebliche Täuschung seln, eine tönende Fata morgana! Wer sollte hier in der Wüste von Transvaal

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so singen? Gewiß diese Stimme war nur das Echo feiner eigenen Gefühle! Es überkam ihn wie ein füßer Rausch. Der Schlaf drohte ihn zu über⸗ mannen.

Weg mit diesem Sirenengesang. Besser, der

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Wirklichkeit in's Auge schauen als ihr für immer entrückt werden.

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Er stieß den Hut vom Gesicht und richtete sich

mit einer gewaltsamen Kraftaustrengung halb empor.

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Staunend und seinen Sinnen nicht trauend,

blickte er um sich. Die Sonne stand, von Purpurglut umhüllt, im Westen. Rosige Lichtwellen überfluteten die blumen⸗ eiche Fläche!

And aus all' diesem Duft und Schimmer heraus gahte ihm eine weibliche Gestalt, schön wie ein ärchentraum, aber doch so irdisch in Allem, auch ihrer wenig malerischen Boerenkleidung, daß er ein bloßes Trugbild seiner überreizten Phantasie cht zu glauben vermochte.

Doch was war das?

Schien nicht die ganze Prairie hinter ihr in f hüpfender Bewegung? Schleifte es ihr nicht nach wie der die Erde umspannende Mantel der Nacht?

e iese sich langsam heranwälzende, d nieder wogende Flut raubte seinen 1 Grad von Festigkeit. Die ganze lun sich um ihn her zu drehen.

Das Ende! hauchte er.

dunkle, auf Augen den Prairie be⸗

Mit einem dumpfen Wehlaut sank er schwer nach hinten. Ihm schwanden die Sinne.

2. Kapitel. Marja.

Nacht lagerte auf der Prairie. Glut flammten die Sterne hernieder.

Noch immer lag die hingestreckte Gestalt des Mannes regungslos im Grase. Aber er war nicht mehr allein.

Neben ihm kniete eine barmherzige Samariterin und wandte alle ihre bekannten und verfügbaren Mittel an, um das entflohene Leben zurückzurufen.

Es war ein Boerenmädchen.

So wenigstens war sie gekleidet, und die rings umhergelagerte Schafheerde, deren leifes, viel⸗ stimmiges Blöken die stille Nacht durchtönte, ließ keinen Zweifel an ihrem Hirtenstande aufkommen. Wer aber in diese unergründlichen, tiefblauen Augensterne sah und die ganze, zart knospende Ge⸗ stalt überflog, welche mit der landesüblichen, weib⸗ lichen Körperfülle nichts gemein hatte, der empfing auch sofort den Eindruck einer ungewöhnlichen In⸗ telligenz und großer Willenskraft, die diesem lieb⸗ lichen Geschöpf inne wohnte. Sonst würde sie ihre vergeblichen Wiederbelebungeversuche wohl längst eingestellt und vor der nächtlichen Totenwache auf öder Haide die Flucht ergriffen haben.

Endlich, aber erst ganz allmählich, kehrte Leben in den entseelten Körper des Mannes zurück.

Gott sei Dank, er schlägt die Augen auf! rief sie jetzt freudig erregt.

Aus der Inbrunst dieser Worte sprach ein frommgläubiges Kindergemüt. Die Jungfrau hielt die Hände gefaltet, und wie sie da auf den durch sie Geretteten niederblickte, umschwebte ein glückseliges Lächeln ihren fein geschnittenen Mund.

Eine Zeit lang starrte der am Boden Liegende sie an, wie ein Wesen aus der sie umleuchtenden Sternenwelt, zu der er aufblickte.

In südlicher

Ihre teilnehmenden Fragen nach seinem Be finden und seinen Wünschen, nicht minder das Blöken der Schafe, ließen ihn dann doch erkennen, daß sie eine Tochter der Erde und zwar ein schlichtes Kind der Boeren-Erde war.

Sie leben o sprechen Sie ein Wort! bat sie noch dringend.Was ist geschehen? Wie kamen Sie in diese schreckliche Lage?

Sie sind ein Engländer, nicht wahr und unter wegs nach den Goldfeldern von Pietersburg oder Leydsdorp? Oder kamen Sie von dort? Hat man Sie überfallen und beraubt? O es streifen solche Banden hier herum, welche den nach Pretoria ziehenden, glücklichen Goldgräbern auflauern, sie ausrauben und töten. Wenn Sie mir nur sagen wollten, was Ihnen fehlt, dann könnte ich Ihnen auch wohl helfen.

Der Fremde blickte noch immer wie in Staunen und Bewunderung zu ihr auf. Es lag ein eigener Reiz in dieser glockenreinen Stimme, ein süßer Zauber in dem Wesen des schönen Mädchens. Das war keine Schafhirtin von gewöhnlichem Schlage. Wie eine thaufrischende Prairieblume mutete sie ihn an. Wie lebensvoll ihr die Worte über die Lippen sprudelten! Und dann das entzückende Kauderwelsch von Holländisch und Englisch, in dem sie das sagte! Er hätte immer weiter so träumen und lauschen mögen, ohne auch nur eine ihrer vielen Fragen zu beantworten.

Noch tiefer senkte sich ihr Haupt auf das bleiche, stille Gesicht im Grase. In ihren Augen lag ein feuchter Glanz, als sie klagend fragte:Ist es zu Ende, armer Herr? Kann ich Ihnen garnicht garnicht helfen?

Das schnitt ihm in's Herz.

Ein leiser und inniger Druck seiner kraftlosen Hand, die sie gefaßt hielt, gab ihr Antwort. Mit aller Anstrengung brachte er das einzige Wort Wasser! hervor.

Ein Zubelgeschrei brach von ihren Lippen.

Wasser? Ja, ja rief sie.O das nicht gleich zu denken! Verirrt verschmachtend natürlich, und ich hier wie ein Kind nach tausend thörichten Dingen fragend. Wasser! Gottlob, das habe ich bei mir, und nun sollen Sie gewiß nicht länger schmachten!

Sie schenkte aus einer umgehängten ver⸗ schlossenen Kanne einen Becher von dem köstlichen Naß und that aus einer Feldflasche ein wenig Cognac hinein. Dann hob sie seinen Kopf empor und brachte den Becher an seine Lippen.

Gierig trank er, trank neues Leben aus ihrer Hand, wie die schmachtende welke Wüstenblume aus dem blinkenden Nachtthau.

Dank! Dank! murmelte er, und dann sank sein Haupt in ihren Schooß zurück. Er schloß die Augen.

O mein Gott! stöhnte sie.Ist denn alles vergebens? Kam die Hilfe doch zu spät?

Diese Worte, die sie mehr an sich selbst als an ihn gerichtet, sprach sie Deutsch

Das elektrisierte ihn. Aus seinen schnell wieder geöffneten Augen brach ein heller Freudenstrahl.

Sie sind eine Deutsche? fragte er in der⸗ selben Sprache, und jede Muskel seines schönen, männlichen Gesichts zuckte in peinvoller Spannung. Meine Mutter war es, gab sie mit einem Klang von Wehmut in der Stimme zurück:Mein Vater ist ein Boer.

Tief atmete er auf, als trinke er Erquickung aus ihren Worten.

Und die schönen Lieder, haben Sie von ihr?

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Sie senkte die lang bewimperten Lider, und liebliche Röte ergoß sich über ihr Antlitz.

(Fortsetzung folgt.)

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