Ausgabe 
22.1.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 22. Jannar

1896.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Preis der Anzeigen: 10

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

N Expedition: 0 Kreuzplatz Nr. 4.

2

Pfg. für die Sispaltige Petitzeile.

Hermann Hanstein.

Der Westen, eine große Chicagoer Zei tung, veröffentlicht über unseren Landsmann Hanstein einen Artikel, der uns deutlich zeigt, wie es Hanstein auch in der neuen Welt ver⸗ standen hat, sich Achtung und Ehre zu erringen. Die zahlreichen hiesigen Freunde Hansteins werden gewiß mit großem Interesse einen Auszug jenes Zeitungsberichtes lesen.

ImWesten wird zunächst darauf hinge⸗ wiesen, daß die auf der Weltausstellung zu Chicago, wo Hanstein Supervisor des Zeichen unterrichts an den Hochschulen ist, ausgestellt gewesenen Zeichenarbeiten große Anerken nung gefunden hätten, daß dieselben noch jetzt in Amerika von Stadt zu Stadt wanderten, um auch einzeln ausgestellt zu werden. Wie sehr die Ausstellung überall ald beweist wohl der folgende imWesten abgedruckte Brief: 8

Baltimore, Md., Dezember 1895. Herrn Herman Hanstein, Supervisor des Zeichenunterrichtes der Chicagoer Hochschulen,

Werther Herr! 5

Ich habe soeben Gelegenheit gehabt, die Aus stellung der Chicagoer öffentlichen Schulen auf der Atlanta'er Ausstellung einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Was ich da gesehen, hat mir die Augen geöffnet über die Möglichkeit dessen, was von den öffentlichen Schulen, wenn dieselben unter der Leitung von tüchtigen Fach- männern stehen, geleistet werden kann.. Ich möchte mir nun die Anfrage erlauben, ob Sie das Recht haben und Willens sind, Ihre Gesamtausstellung in Atlanta nach Schluß der dortigen Ausstellung eine zeitlang leihweise Bal timore zu überlassen und welche Schritte nötig sind, dies zu erreichen... Ich selbst bin Präsident der Alumni⸗Association des Polytech nischen Instituts, welches seinerseits ein Theil des öffentlichen Schulwesens bildet. Unsere Asso ciation ist zur Zeit damit beschäftigt, das Ma⸗ terial zu einer energischen Campagne zwecks einer Reformierung des öffentlichen Schulwesens zusammenzutragen.

Indem ich Ihnen im Voraus für Ihre Be mühungen danke und indem ich der Hoffnung

Chicago.

Ausdruck gebe, daß ich nicht zu viel von Ihnen

verlange, verbleibe ich ꝛc. Ihr James B. Scott. 139 Mosher Str., Baltimore Md.

Aehnliche Schreiben erhielt Hanstein noch mehr. Im Artikel desWesten wird dann der Schulplan unseres Landmannes beschrieben, der sich auf vier Jahre erstreckt. Zum Schluß heißt es in der amerikanischen Zeitung:

Wie man sieht, umfaßt dieser vierjährige Studienplan einen vollständigen Kursus sowohl des Freihandzeichnens, als des Konstruktions⸗ zeichnens, und im vierten Studienjahre ist dem Schüler Gelegenheit geboten, nach freier Wahl sich entweder für einen künstlerischen oder einen technischen Beruf durch Spezialarbeiten unter

. Vaterliebe.

Erzählung eines Gefangenenwärters. Mitgeteilt von R. Merlin. (Nachdruck verboten)

Aus dem Thore des Zuchthauses rollte der un

heimliche schwarze Wagen, der den Leichnam eines verstorbenen Züchtlings nach der Universitätsangtomie brachte.

Wen habt Ihr denn da spedirt? fragte Jemand einen ihm bekannten Wärter, der eben abgelöst

worden war.

fragte.War Einbruchs

Ausbrecher.

hier detiniert! Sie

wegen Haben

gehört? ch?

Nein; ich kümmere mich nicht um

Nun, er war gewissermaßen eine Ausnahme.

0 Uuseremer soll nicht weichherzig sein und hat meist auch keine Ursache dazu; aber in der vebensges hichte

dieses Meuschen war doch etwas, das einen hätte mitleidig machen können. Schon daß er unter die Verbrecher geraten konnte, ist merkwürdig, denn er galt vorher als eine grundehrliche Haut. Bei ihm saßen Ehrlichkeit und Spitzbüberei hart aufeinander. Vielleicht, wenn sie ihn jetzt zerschuelden, finden sie das Rätselhafte in seiner Natur.

Wie heißt: Rätselhaftes? Wer war er denn?

Das ist bald erzählt. Sein Fall hat den Zeitungen mehrere Tag lang Stoff gegeben. Wir dier sind auf ihn erst dann ordentlich aufmerksam zeworden, als er ausgebrochen war. Es war aber

persönlicher Leitung des Supervisors Hanstein vorzubereiten.

Gewiß werden die hiesigen Bekannten Hansteins mit Genugthuung aus obigem ersehen, daß uns unser Landsmann auch in Amerika Ehre macht. Das von Hermann Hanstein Erreichte ist um so höher anzuschlagen, als es ihm anfänglich keineswegs glänzend in der neuen Welt ging.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 20. Jan. Gelegentlich des in Berlin begangenen Ordensfest es wurde der rothe Adlerorden 4. Klasse dem Haupt⸗ mann Goldmann und das allgemeine Ehrenzeichen dem Stabshautboist Krauße, beide beim hiesigen Kaiser-Wilhelm⸗Regiment, verliehen.

Gießen, 21. Jan. Die Feier der vor 25 Jahren erfolgten Kaiserproklamation ist in ganz Hessen gefeiert worden. Besonders glanzvoll war die Feier in den größeren Städten. Allen voran Darmstadt. Da die Berichte fast alle gleich lauten, so verzichten wir auf die Wie dergabe derselben. 5

Gießen, 21. Januar.(Festkommers. Schluß). Nachdem die vereinigten Gießener Gesangvereine Friedrich Rothbart von Podbertsky gesungen, hielt Provinzialdirektor Frhr. v. Gagern eine Ansprache, welche mit einem Hoch auf das Vaterland schloß. Es folgten das gemeinsam ge⸗ sungene LiedDeutschland, Deutschland über Alles, Festouvertüre von Leutner, ausgeführt von der Regimentskapelle und Männerchöre von den Gesangvereinen, worauf Stadtverordneter Kirch ein Hoch auf das deutsche Heer, das Volk in Waffen, ausbrachte, woran sich der Gesang: Die Wacht am Rhein auschloß. Nach Wagners Finale aus Lohengrin brachte Rechtsauwalt Dr. Gutfleisch einen Rückblick auf die politische Entwickelung unseres Vaterlandes, wo die Reichs⸗ städte, ja Reichsdörfer blühten und wo es un möglich schien, eine Einheit des Vaterlandes zu schaffen. Er wies darauf hin, wie man uns unsere schönsten deutschen Städte Mainz, Aachen, und Köln wegnahm, ohne daß Jemand in Deutschland danach fragte. Da kam Aufang des Jahrhunderts Napoleon und machte diesen beschämenden Zuständen in Deutschland ein Ende, da brach die Zeit der Freiheitskriege herein und Staatsmänner wie Stein, Gneist und Harden⸗ berg Blücher, und Körner, sie wirkten für den Gedanken der Einheit, die sich damals nicht ver wirklichte. Redner gedachte der zahlreichen Männer, welche in der späteren trüben Zeit für die deutsche Einheit eingetreten und ihr Wirken mit dem Kerker und der Verbannung haben büßen müssen. Mit Wehmut müsse man heute dieser Männer gedenken, die das nicht haben schauen dürfen, wofür sie gestrebt und gelitten. Da kam der Mann der That, der Eiserne, und vollbrachte, was jene Politiker vorbereitet. Ihm gebührt als dem größten Staatsmanne unser Dank. Unsern Staatsmännern und Politikern, die

sich um die Werdung der deutschen Einheit ver dient gemacht, und vor allem dem größten deutschen Staatsmann, dem ersten Kanzler des Reiches, dem Fürsten Bismarck, ihm gelte sein Hoch. Brausender Jubel erfüllte den weiten Festraum, als der Redner geendet. Hierauf intonierten die Sänger die 6 altniederländischen

Volkslieder. Oberstlieutenant von Wartenberg dankte als ältester anwesender Offizier des

Heeres für die Ovation, die man dem deutschen Heere gebracht. Er bezeichnete die guten Be⸗ ziehungen, in denen hier in Gießen die Bürger zum Militär stehen, als selbstverständlich, denn unser Heer bestehe ja aus den Söhnen des Landes. Sein Hoch galt der Bürgerschaft und der Garnisonstadt Gießen. Rechtsanwalt Metz widmete seine Worte den deutschen Frauen, während Stadtverordneter Dr. Schäfer den Vereinen und Sängern, welche bei dieser patrio⸗ tischen Veranstaltung mitgewirkt, den Dank aus⸗ sprach. Diese erhebende Feier habe alle Kreise der Bürgerschaft gegenseitig menschlich näher gebracht und das werde seine guten Früchte tragen. Ein Hoch den Vereinen und Sängern bildete den Schluß des offiziellen Teiles des Kommerses.

Gießen, 20. Januar. Der Finanzaspirant Bickel, Sohn des Kirchendieners Bickel hier⸗ selbst, hat eine Stelle als Kaiserlicher Rechnungs⸗ beamter in Dar⸗es⸗Salam angenommen. Derselbe hat sich auf 2 Jahre gegen einen Jah⸗ resgehalt von Mark 4500 verpflichtet und ist bereits nach dorthin unterwegs.

Gießen, 21. Jan. Wir hören, daß die Absicht besteht, für die Gemeinden St. Lucas und St. Marcus je ein Pfarrhaus zu erbauen.

Gießen, 21. Jan. Wie dieKleine Presse aus Nieder⸗Florstadt meldet, ist die wegen Brandstiftung in Untersuchung genommene 16 Jahre alte Siemon nun doch aus der Haft entlassen worden.

Gießen, 21. Jan. Gestern Abend tagte in der Stadt Mainz der Vorstand des Män ner Bade⸗Vereins. Der Bestand des Vereins an Mitgliedern beträgt ca. 500. Der Ueberschuß aus dem verflossenen Jahre beträgt ca. 500 Mk., so daß der Verein über ein Baarvermögen von 800 Mark verfügt. Es wurde beschlossen, der Mitte Februar einzuberufenden Generalversammlung Repara⸗ turen und Verbesserungen der Austalt zu em⸗ pfehlen. Es kam bei dieser Gelegenheit der sehr gerechtfertigte Wunsch der Mitglieder des Vereins zur Sprache, auch für deren Frauen die Wohl⸗ chat einer billigen Badegelegenheit zu schaffen. Dem rührigen Vorstand, speciell dessen Präsident u. Rechner, dürfte der glänzende finanzielle Stand des Unternehmens nur allein zu verdanken sein.

h. Gießen, 21. Jan. Die Strafkammer verhandelte heute gegen den 32 Jahre alten Forstwart Meyer von Wippelbach wegen Sitt⸗ lichteits verbrechen, begangen an seiner noch nicht 14 jährigen Stieftochter. Aus dem ver- lesenen Anklage-Beschluß geht hervor, daß die Anklagebehörde den Antrag auf außer Ver⸗

folgung⸗Setzung des Angeklagten gestellt hatte, den die Beschlußkammer aber ablehnte. Der Angeklagte bestreitet mit aller Entschiedenheit seine Schuld. Es sind 26 Zeugen und ein medizinischer Sachverständiger zu vernehmen. Die Verteidigung führt Accessist Schimmel- pfennig. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Die Oeffentlichkeit wurde während der Verhandlung ausgeschlossen. Der Gerichtshof verurteilte den Forstwart Meyer zu zwei Jahren Zuchthaus und dreijährigem Verlust der bürger⸗ lichen Ehrenrechte.

Vilbel, 20. Jan. Ueber das Vermögen des in Untersuchungshaft befindlichen Gemeindeein⸗ nehmers Hermann Christian Rausch wurde vom hiesigen Amtsgericht das Konkursverfahren eröffnet.

Darmstadt, 20. Jan. Am 7. September Morgens etwa um ½5 Uhr wurde ein von Worfelden nach Darmstadt fahrendes Fuhrwerk bei dem Bahnwärterhaus Nr. 84 der Riedbahn von dem nach Gernsheim fahrenden Zug erfaßt. Die beiden Pferde und Landwirth Rother⸗ berger von Worfelden wurden getödtet und dessen Neffe derart verletzt, daß er wohl dauernd erwerbsunfähig bleiben wird. Beide Jusassen des Fuhrwerks hatten geschlafen. Die Dienstmagd Johaunette Schuchmann aus Niederrad stand in Folge dessen heute vor der Strafkammer unter der Anklage der fahr⸗ lässigen Tödtung, der fahrlässigen Körper⸗ verletzung und der Gefährdung eines Eisen⸗ bahntransportes. Ueber den Antrag der Staatsbehörde hinaus wurde sie zu 6 Monaten Gefäugnis verurtheilt, da sie als Ablöserin ihres Oukels am genannten Morgen das Schließen der Barrieren versäumt hatte.

1. Mainz, 21. Jan. Oberstabsarzt Dr. Schmitt, welcher am Samstag von einem

Schlaganfall betroffen wurde, ist gestor ben. In Kastel fiel ein Kind in einen Topf mit heißem Wasser und zog sich entsetzllche Brand- wunden zu.

Mainz, 20. Jan. Der seit zwei Tagen verschwundene Bäckermeister wurde bei Bingen im Rheine geländet. Er hatte sich dort eine Kugel in den Kopf geschossen und sich gleichzeitig in das Wasser gestürzt. Heute früh starb hier in Folge eines Hiruschlags der Oberstabs⸗ arzt und Regimentsarzt des 117. Regiments, Herr Dr. Ludwig Schmidt. Als Festbraten für den Tag der Kaiserproklamation schenkte eine hlesige Jagdgesellschaft den Unteroffizieren der Regimenter 87, 88, 117 und 118 pro Regiment 30 Hasen. Ein hiesiger Jäger hat vor einem Jahre bei einem Treibfagen in der Gemarkung Kostheim einen Treiber angeschossen. Der Mann kann seinem Geschäft als Tüncher nicht mehr nachgehen und hat jetzt eine Eutschädigungs⸗ forderung von Mk. 10.000 Mk. eingeklagt. Der Schneidermeister John, dessen Frau letzthin durch Absturz verunglückt ist, hat in den hiesigen Zei⸗ tungs redaktionen erklärt, daß die aus diesem An⸗ laß eingeleiteten Sammlungen ohne sein Wissen und gegen seinen Willen veranstaltet wurden.

auch erstaunlich, wie er das möglich gemacht hatte. Ein Riese von Gestalt, mit der Kraft eines Löwen, hatte er sich fünf Stock hoch herabgelassen und war mit Hilfe einer Stange, an der oben auf dem Dache unsere Flagge aufgezogen wurde, über drei Hofmauern gesprungen. Genaues erfuhren wir erst, nachdem er drei Tage fort war. Er war mit einem anderen Gefangenen in einer Zelle und eines Morgens war er verschwunden. Sein Kamerad war ruhig zurückgeblieben. vielleicht nur deswegen weil er das Wagstück doch nicht hätte nachtthun können. Er mußte aber doch bon des Barons Flucht wissen und wurde scharf ius Verhör ge nommen. Wir hatten gut verhören; wie ein Klotz schwieg er. Er kam endlich ins schwarze Loch, worin es nichts giebt als die blanke Diele und Wasser und Brot, aber auch das nahm er auf sich. Erst nach drei Tagen that er von selbst den Mund auf.

Ich hatt's ihm zugeschworen, sagte er,drei Tage lang zu schweigen, und ein Nana muß sein Wort halten. Sie müssen wissen, fuhr er fort, daß der Baron ein Höchstes in der Welt hat oder gehabt hat, das war sein Junge, sein einziges Kind aus der Ehe mit seiner vor zwei Jahren verstor benen Frau. Für gewöhnlich redete der Baron wenig, er war ein Kopfhänger geworden, der

sich das Wort abkaufen lieg, aber wenn er mal

gesprächig wurde, da war's von seinem Ottchen. Um den drehte sich sein ganzes Denken. Was er von deim Jungen zu erzählen wußte, war nichts Besonderes, aber es ist einmal so in der Welt: Jeder hält gerade sein Kind für ein Geule; und

ich glaube,'s ist auch gut so. Wenn Einer noch

Hoffnungen auf seine Kinder setzt, ist er selber noch

nicht ganz verloren, und in den Kindern achtet er sich selber. Auf die ganze Meuschheit konnte der Baron schimpfen, als eine ungerechte teilnamlose Brut, aber wenn er an sein Kind dachte, da hatte er die schmerzlichsten Gewissensbisse.Das ist mein Schmerz, sagte er dann,und mein Fluch, daß ich meinem Kinde Schande vererben muß! Oftmals warf er sich Nachts auf seinem Strohlager umher und ich hörte, wie er seufzte und stöhnte der Gedanke an sein Kind ließ ihn nicht schlafen. Er erzählte mir auch, wie er in die Zunft gekommen war. Schon als Unmündiger war er vom Vor⸗ mund um fast sein ganzes Erbe betrogen worden. Der Vormund starb und das Geld war weg. Kaum, daß er ein Häuschen behielt, welches seinem Vater gehört hatte. Er war Tischler und arbeitete für Bauunternehmer. Sein Fleiß brachte ihm Gewinn, aber seine dumme Gutmütigkeit führte ihn aus einem Fehler in den andern. Einmal gab er seinen Namen zu einem Wechsel und mußte ihn bezahlen. Ein andres Mal verlor er Geld beim Bankrott eines Baukiers. Dann lockte ihn ein schwindel hafter Häuserbauer ins Malheur. Nicht blos, daß er ihm für die Lieferungen keinen Pfeuuig bezahlte, verleitete er ihn auch, ihm sein Häuschen abzutreten. Das wurde sehr wertvoll, weil eine neue Elsenbahn dahin geführt und gerade auf der Stelle der Bahn hof gebaut werden sollte. Immer, wenn er klagte oder verklagt wurde, verlor er, weil er sich stets halte über's Ohr hauen lasseu. Da half kein Protestieren, die Richter entschieden nach dem Buch staben. Er aber faßte einen furchtbaren Geimm gegen sie und gegen die ganze menschliche Gesell

schaft. Jetzt wollte er's auch so machen, wie die

Bande, die ihn um Alles gebracht hatte, und er machte seinen ersten nächtlichen Gang. Das erste Mal brach er bei dem Sohne des Bankiers ein, der ihn betrogen hatte, denn der Sohn saß im Wohlleben, obschon sein Vater ein Spitzbube ge⸗ wesen war; dann bei einem alten Richter, von dem er glaubte, daß er ihn ungerecht behandelt habe; dann bei dem reich gewordenen Schuft, der ihm sein Haus abgeschwindelt hatte und der nun mit im Eisenbahn-Komitee saß. So dumm er als Ge⸗ schäftsmann gewesen war, so schlau war er als Einbrecher. Den NamenBarou hatten ihm schon seine Mitgesellen im Handwerk beigelegt, weil er sich abseits hielt undimmer was Besonderes sein wollte, und er behielt den Namen auch in der Einbrecherzunft. Keiner nannte ihnHülse, wie er eigentlich hieß, sondern nurDer Baron. Um's kurz zu machen: in einer Nacht vor vier Tagen war's fuhr er mit einem Schrei auf und ließ darauf unverständliche Jammerlaute hören. Der Mond schien hell in unsre Zelle. Ich sah ihn auf seinem Lager sitzen, bleich wie ein Gespenst.Was hast Du denn? fragte ich ärgerlich über die Störung meines Schlafes.Eben ist mein Otto dagewesen, sagte er zitternd.Dummes Zeug, entgegnet ich ihm;Du hast nur lebhaft an ihn gedacht.Nein, nein, behauptete er eifrig;ich schlief, da rief er ganz laut und deutlich: Vater!

Vater! und er stand leibhaft vor mir, in eine m schueeweißen Hemdchen und blaß wie der Tod. Es war ganz hell um ihn her, viel heller als der Mondschein. Gewiß ist ihm was geschehen, meinem einzigen Lieblinge.

(Schluß folgt.)