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Gießen, Sonnabend, den 21. November
1896.
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Posiztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
e Landeszeitung.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
nicht vor.
Redaktion:. Erscheint tä glich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. 5 Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 5 30 Krenz plut 2. 4. Aesultat der Reiehst ti er Reiehstagsstiehwahl. . r 224. Juni Name des Orte⸗ 19. Nov. 24. Juni 19. Nov. 24. Juni Ie 18593. 5 1896 Name des Ortes. 8 ame de 5 19. Nov. in de g 9 1893. 1896. 1893. N s Ortes 1896. erde, e e S. S8 S 5 8 1 225 2 SS 23 2s SS 3 S 8 b 0% 25 2 SE S E S 3 S 33 4%) N Ss 8 Ss 8 88 8 SS 88 5 da il 7 N 6. e 8 88 5. as geber* 1. Kreis Gietzen. 85* „ e 25 9 Albach 42 1 e 9 39 63 Allendorf an der Lahn. 76 28 19 42 1 5 0 5 18 95 ir 5 f 1 er⸗Bessingen 69 1 8 36 Nieder⸗Seemen 37— 5 197] Allendorf an der Lumda 189 42 19 71 Ober⸗Hörgern. 80 81 1 50 52 Ober⸗Lals 72 9 24 Allertshausen 33 5 38 17 Odenhausen mit Appenborn 34 1 30 71 Ober⸗Seemen 6² 48 23 Alten⸗Buseck 12 189 5 49 Oppenrod. e 42 5 23 35 Ober⸗Schmitten 43 25 77] Annerod 52 12 69 15 Queckbornn n 46 48 27 44 Steinberg 67 7 124 Bellersheim 5 17 21 17 26 Rabertshausen mit Ringelshausen 39 1 5 63 Unter⸗Seibertenrod 68— 5 Belterhainn 27— 56— Reinhardshain e 62— 17 10] Volkartshain 9 19 6 48 Bersrod mit Winnerod. 53 12 26 52 Reiskirchen. 7 19 48 70] Bettenhausen. 73— 3 71] Rodheim mit Hof⸗Graß 73— A. Kreis Büdingen. 129 Beuern 107 28 26 32 Rödgen 3 31¹ 61 22 6 Vellmut hh 20 3 5 N 1 5 0 10 0 57 Röthges 8 50— 23 32 Bergheim 3 37 21 ran Burkhardsfelden. 1 52 Rüddingshausen 50 28 56 114 Berstadt. 91 18 mutig 23 Climbac hh 28— 21 68 Ruttershausen mit Kirchberg.. 65 13 60 84 Bingenheiemememe 107 16 tötet. 37 27] Daubringen mit Heibertshausen. 44 70 Saasen mit Bollnbach, Veitsberg 11 42 Bisses mit Berstädter Markwald 17 64 Dorf⸗ Gill. 85— 20 30 und Wirr berg 19 23 22 50] Bleichenbach„ 66 34 1 29 94 Eberstadt mit Arnsburg 102 2 16 34 Stangenro dd 33 14 Blofeld mit b, Perm“ 11 101] Ettingshausen. 5 88 6 6 76 Staufenberg mit Friedelhausen 56 22 Reichelsheimer Antheil an pttuann, bh! 14 65 Garbenteich 5 71 55 20 125 Steinbach 3 130 23 2 13 Bingenheimer Mark 19 17 32 39 Geilshausen 52 25 9 96 Steinheim. 87—— 26 12 Bobenhausen J. 14 17 1854 339 Gießen mit Schiffeuberg 670 1387 18 13] Stockhausen 21 2 2 102] Borsdorf mit Harbwald 5 96 1 7 35 Göbeln rod. 35 9 30 40 Trais⸗Horloff.. 37 1 Dauernheim mit Dauernheimer Hof 65 150] Großen⸗Buseck 132 80 54 126 Treis an der Lumda 137 7 73 85 und Schleifeld 110 9 39 182] Großen⸗Linden 133 103 5 111 Trohe 7 19 82 196 Echzell mit Echzeller Markwald“)[318 53 211 115 Grünberg 78 129 19 82 Utphe 51 29 12 30 Eckardsborn e 30 21 47 73 Grüningen. 92 36 38 105 Villingen. 131 12 37 28 Effolderbach 9 37 56 22] Harbach 48 8 27 91 Watzenborn mit Steinberg. 147 145 1 106 J Fauerbach. 59 25 29 29 Hattenrod. 52 25 20 25 Weickartshain 8 65 1 97 19 Geis⸗ Nidda 65 24 18 14 Hausen 34 27 34 45] Weiters hain 87 6 50 26] Gelnhaar(Isenb. u. Doman.) 20 19 5 40 Heuchelheim 9 75 15 98 29 Wieseck 3 355 55 1 Gettenau e 50 144 Holzheim euchelheim.— 12⁵ 101 1. 121 33 2. Kreis Alsfeld. 60 37 1 5 5 68 4 4 74 Inheiden 48 6 67 20 Atzenhain 5 92— 24 45 Kohden 46 18 15 41 Kesselbach 54— 25 32 Bernsfeld 68— 23 25 Leidhecken 29 30 76 656 Klein⸗Linden 19 7460 14 Ermenrod 52 1 4 63 Lißberg 20 20 7 124 Langd. 138— 26 34 Flensungen. 36 14 2 44 Michelnau 55 2 34 255 Lang⸗Göns 282 5 6 15 Alsdorf 10 7 209 65 Nidda 19 0 14 152 Langsdorff 119 50 55 2 Lehn heim 27— 10 70 Ober⸗Widdersheim 62 7 26 40] Lauter 5 65 8 56 17 Merlau mit Kirschgarten 53 13 104 52 Ortenberg 92 59 37 i Leibdestern 122 102 85 38 Nieder⸗Ohmen 0 57 24 117 23 Ranstadt 16 67 Lich mit Hof Albach, Colnhausen 50 18 Ober-Ohmen 43 21 20 70 Schwickartshausen 8 63 3 189 104 und Mühlsachsen 18 171 93 48 Ruppertenrod. 92 14 49 20 Selters mit Conradsdorf. 33 27 37 23 Lindenstruth 5 37 17 4 36 Wettsaasen. 39 2 47 28 Unter⸗Schmitten„ 62 18 123 149 Lollar 135 117 12 14 Zeilbach 37— Unter⸗Widdersheim mit Grund- 53 52 Londorf. 67 55 1 48 Schwalheim. 5 1 38 23 Lumda 38 11 8. Kreis Schotten. 58 29 usenborrn 34 27 10 88] Mainzlar 84 11 9 40 Eichelsdorf.„„ 46 33 43 100 Wallernhausen 126 1 4 58 Münster 99 2 25 5 10 5„ 5 194 11 15 Wippenbach 3 9 7 im mit Hof⸗Güll s ashütten 7 e 55 5 W 2 f 5 36 21 30 31] Groß-Eichen 92 4 6987 8163 Gesammtergebniß: 9614 5265 33 36] Nonnen roth 70 1 7 13] Klein⸗Eichen. 20— Die einzelnen Ergebnisse für diese Orte liegen uns noch
5) Die Ziffern fülr Echzell umfassen das Resultat von Echzell, Gettenau und Bisses zusammen genommen.
Köhler mit einer Majorität von
bisher 4349 Stimmen gewählt.
————— Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel.
Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Verzeihen Sie meinen rauhen Ton“, sagte er hastig,„aber wer Ihren Vater kannte, wie ich ihn kannte, dem empört sich sein Innerstes, wenn er eine solche Verdächtigung hört, hört aus dem Munde seines eigenen Kindes; und wenn Ihnen Ihre Mutter das von ihm gesagt hat, dann hat sie gelogen!“
„Nein, sie hat mir das nicht gesagt“, wehrte Eugenie ab.„Ich suchte in meinem Geiste natürlich nach Gründen, um zu erklären, warum meine Mutter ihrem Kind nicht von dem Vater sprechen wollte, warum sie es fernerhin mied, seinen Namen zu nennen. Das Unglück teilt sich gern mit, nur der Haß ist stumm. Sie mußte Ursache haben zu einem so tiefen, unauslöschlichen Haß, und wo anders konnte ich dieselbe suchen, als in einem be⸗ trogenen Herzen.“ 5.
Sehr richtig“, entgegnete der Mann,„n 7 9 f Aekiehrt Nicht Ihre Mutter war die Betrogene, sondern Ihr Vater.
„Was sagen Sie da von meiner Eu ergluͤhend. 0
0 1— 1 und machte eine Be⸗
Mutter?“ rief
—
wegung nach der Thür, als wenn sie die Hütte verlassen wolle. 5 „Was ich beweisen werde“, entgegnete er ruhig
Fund ohne sich von seinem Platz zu rühren.
„Ja beweisen werden Sie es müssen“, sprach sie fest und nahm ihren Platz wieder ein.„Ich werde mit einem solchen unerwiesenen Verdacht im Herzen nicht nach Hause zurückkehren. Ich lasse meine Mutter nicht beschimpfen!“
Er neigte in düsterer Zustimmung das Haupt.
„Sie sollen Alles wissen, denn Sie haben nun das Alter erreicht, um Richter zu sein in Ihrer eigenen Sache, und von einem Richter erwartet man nichts als— Gerechtigkeit.“
Das unglückliche, junge Mädchen erhob furchtsam ihren Blick zu dem finsteren Mann.
„Ihre Worte lassen mich Böses ahnen!“ sagte sie.„Sie stellen mich in einen Kampf zwischen Vater und Mutter. Diese kenne ich, ihn kannte ich nicht. Sie hat mein Vertrauen, er meine ganze Theilnahme. Gerechtigkeit! Wird mein Urtheil nicht schwanken zwischen den Herzen, die mir die nächsten und theuersten gewesen anf Erden? Sie kenne ich nicht; ich weiß nicht einmal, was Sie bestimmt, mir mit solchen Enthüllungen nahe zu treten. Warum das hier, unter so geheimuißvollen Umständen? Warum nicht in Gegenwart meiner Mutter, um ihr Gelegenheit zu geben, sich zu ver⸗
teidigen, denn Sie klagen sie an. Warum jetzt?“
Das waren in diesem Augenblick auch meine Gedanken.
Eugenie wurde da von einem ganz richtigen Gefühl geleitet, welches sie warnte, vor diesem Menschen auf ihrer Hut zu sein.
Nun, ich war ja da, und so war wenigstens für sie nichts zu fürchten.
„Alles das werden Sie wissen, wenn Sie meine Geschichte zu Ende gehört haben!“ entgegnete mit ruhiger Bestimmtheit der Mann.„Ich werde Sie Ihnen erzählen, schlicht und klar. Es ist nichts Außerordentliches daran. Solche Dinge passieren alle Tage. Sie werden nur selten laut, weil ein Jeder sich hütet, seine Schande öffentlich zu machen. Man verbirgt das Skelett im Hause so tief, als man kann. Auch in Ihrem Hause ruht ein solches Skelett, und ich habe die traurige Aufgabe, es zum Leben zu erwecken mit einem Wort. Schaudern Sie nicht. Ihr Vater war— ein Verbrecher.“
„O, meine Ahnung!“ rief Eugenie ver⸗ zweifelt aus.
Sie bedeckte das Gesicht mit den Händen.
„Er endete auf Neu-Caledonien unter dem Beil des Henkers— als Mörder. Er hatte seinen Auf⸗ seher erschlagen.“
Eugenie senkte das Haupt noch tiefer herab.
Ein dumpfes Stöhnen, wie ein im Entstehen erstickter Aufschrei, entrang sich ihrer gemarterten Brust.
„Armes Kind“, sagte teilnehmend der Mann' „Das ist das Schlimmste, was man von Ihrem unglücklichen Vater sagen kann, und ich schickte es voraus. Doch nun hören Sie, wie das Alles so gekommen ist, denn er war kein Verbrecher seiner natürlichen Anlage nach, er wurde dazu getrieben durch— Ihre Mutter!“
Wie Blei sanken da Eugeniens Arme herab.
Sie wandte ihr bleiches, entgeistigtes Antlitz dem Sprecher zu. Thränen hatten sich einen Weg über ihre Wangen gebahnt, Thränen, welche sie um ihren Vater, um ihren verbrecherischen Vater geweint.
Wohl mochten die Augen des Anderen voller Teilnahme auf ihr ruhen, denn mit dieser neuen Anschuldigung verlor sie auch die Mutter, an der sie bis dahin mit ganzem Herzen gehangen, an die sie geglaubt hatte, in deren Liebe sie glücklich ge— wesen war,
O, welch' ein Schmerz war das!
Mutterherz, Du bist doch das teuerste, edelste Gut auf Erden, und Dein Verluft schafft eine klaffende Lücke, die nie mehr ausgefüllt werden kann. Der Greis noch erhebt segnend die zitternden Hände, wenn er von seiner Mutter spricht, und selbst der hartgesottenste Verbrecher zerdrückt wohl eine heimliche Thräne, wenn er von hüben oder
drüben das Mutter-Auge auf sich gerichtet sieht. Eortsetzung folgt.)


