Ausgabe 
21.5.1896
 
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wurde auch ermittelt, daß in einer Schuhfabrik ein Knabe

Das Verhältnis von Arbeitern zu Arbeiterinnen stellt sich

Gießen, Donnerstag, den 21. Mai

1896.

Ausgabe

Gießen.

ssche Landeszeikung.

Redaktion:

68. Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.

. 2

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Die Fabrikinspektion in Hessen.

1

Interessant ist das statistische Material, welches die Fabrikinspektoren beigebracht haben. Im Jahre 1895 waren in Rhein⸗ und Oberhessen 2184 jugendliche Arbeiter in Fabrikbetrieben beschäftigt, davon sind 1335 männlichen und 849 weiblichen Geschlechts. Gegen das Vorjahr ein Mehr von 19 männlichen und 119 weiblichen jugendlichen Arbeitern.

Kinder unter 14 Jahren wurden im Allgemeinen nicht mehr beschäftigt. Nur in einer Reihe von Ziegeleien wurden solche ermittelt. Durch einen schweren Unfall

unter 14 Jahren beschäftigt war.

Die Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen betrug in beiden Provinzen 4864. Davon sind 2402 über 21 Jahre alt, 2462 stehen im Alter von 16 21 Jahren. Die Zahl ist seit dem Vorjahre um 184 gestiegen. Die meisten Arbeiterinnen werden in der Zigarrenfabri⸗ kation beschäftigt. Es heißt in dem Bericht darüber:

Der Hauptsitz derselben befindet sich in der Provinz Oberhessen(Kreis Gießen). Nahezu ½ sämtlicher Arbeiterinnen des Aufsichtsbezirks werden in der Stadt Gießen und ihrer nächsten Umgebung beschäftigt. Diese Betriebe verwenden überwiegend weibliche Arbeitskräfte.

nämlich in dieser Industrie durchschnittlich wie 1: 3, während der Gesamtdurchschnitt im Aufsichtsbezirke 1: 4 beträgt.

Ueber die Veränderungen, welche die Oberhessische Zi⸗ garrenindustrie in den letzten Jahren in Bezug auf Ar⸗ beiterzahl und Sitz erfahren hat, giebt folgende Uebersicht näheren Aufschluß.

2 2 Männliche Arbeiter: Arbeiterinnen:

. 72

850 68 erwachsene. jugendlicheserwachsene. jugendliche 1895 34 55¹ 60 152⁵ 241 1894 33 513 73 1405 184 1892 36 487 45 1341 194 1890 32 514 40 1187 237 1888 30 504 52 1079 162

Seit dem Jahre 1888 hat sich demnach die Zahl der Fabriken nicht erheblich vermehrt. Die Zahl der er⸗ wachsenen männlichen Arbeiter ist von 504 auf 551, also um 9 pt. gestiegen. Die erwachsenen weiblichen Ar⸗ beiterinnen dagegen haben eine Zunahme von 41 pCt. erfahren. Während im Jahre 1888 auf 1 Arbeiter 2 Arbeiterinnen kamen, stellt sich, wie bereits früher be⸗ merkt, dieses Verhältnis wie 1: 3. Die Zunahme der Arbeitskräfte in der Zigarrenindustrie ist seit dem Jahre 1888 in der Hauptsache durch eine Mehreinstellung von Arbeiterinnen herbeigeführt worden.

Es liegt nun nahe, die Frage aufzuwerfen, ob die Zunahme in der Zigarenindustrie ihren Sitz in der Stadt Gießen unverändert beibehalten hat, ob die Vermehrung ausschließlich in der Stadt eingetreten oder ob eine Ver⸗

Stadt Gießen.

2 5 Männliche Arbeiter: Arbeiterinnen:

2 Seer wachsene. jugendliche erwachsene ingendliche 1895 14 369 24 619 84 1 1894 16 379 40 648 86 1892 15 331 26 672 88 1890 15 364 40 637 98 1888 15 364 30 582 77

Um gebung von Gießen. 1895 20 185 36 906 157 1894 17 134 33 757 98 1892 21 156 19 669 106 1890 17 150 37 550 139 1888 15 140 22 497 85

Die Vermehrung der Zahl der Betriebe ist demnach nur auf dem Lande eingetreten. Die Zahl der beschäf⸗ tigten erwachsenen Arbeiter ist in der Stadt nahezu un⸗ verändert. Die Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen hat sich daselbst von 1888 auf 1895 nur um 6 pCt. gehoben. Auf dem Lande dagegen beträgt die Zunahme der erwachsenen Arbeiter 31 pCr., die Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen dagegen 83 pCt. Es hat also eine Ausdehnung der Zigarrenindustrie in der Hauptsache nur auf dem Lande stattgefunden und eine Mehreinstellung von Arbeiterinnen in erster Linie zur Folge gehabt.

Dieser ganze Vorgang, wie er sich aus dem Zahlen⸗ material darstellt, muß als ein erfreulicher bezeichnet werden, denn es handelt sich hier nicht etwa um die Ver⸗ pflanzung einer Industrie von ihrem Hauptsitze auf das Land als Hausindustrie, sondern um die Neuanlage von Fabriken auf dem Lande, welche in jeder Hinsicht den hygienischen und technischen Ansprüchen genügen. Die Erbauung erfolgt dort, wo sich geschulte Zigarrenmacher vorfinden.

Die Zunahme der Arbeiterinnen auf dem Lande er⸗ klärt sich hauptsächlich daraus, daß durch die Möglichkeit, sich an Ort und Stelle beschäftigen zu können, anstatt erst den Weg nach der Stadt zurücklegen zu müssen, viele Frauen, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, ihre freien Stunden zumal in den Wintermonaten auf die Anfertigung von Zigarren in der Fabrik verwenden, da bei dem Akkordsystem ein festes Einhalten der Arbeits⸗ zeiten nicht unbedingt erforderlich ist. Aus dem Vor⸗ stehenden erklärt sich auch die Thatsache, daß 35 pCt. der in den Zigarrenfal riken beschäftigten erwachsenen Arbeiterinnen verheiratet sind.

Allerdings hat sich auch durch Selbständigmachung von Werkmeistern und geschulten Zigarrenarbeitern eine Art Hausindustrie gebildet, in der auch oft wieder Personen beschäftigt werden, welche nicht zu den Familien⸗ mitgliedern des Unternehmers gehören. In diesen Betrieben treten alsbald alle Nachteile der Haus industrie in Erscheinung, wie schlechte Arbeitsräume, unge⸗ nügender Luftraum, Trocknen der Wickel im Arbeitsraume, infolgedessen Ueberheizung des⸗ selben, schlechte Ventilation, ungenügende Entfernung des Staubes, übermäßige Arbeitszeit ꝛc. Alle diese Mißstände, welche in derartigen Betrieben fast immer

schiebung zu Gunsten des flachen Landes stattgefunden hat. Ueber diese Frage geben folgende Tabellen Aufklärung.

zu finden sind, lassen es als unbedingt erforderlich er⸗ scheinen, insoweit die Bekanntmachung des Bundesrats

vom 8. Juli 1893, die Anfertigung von Zigarren be⸗ treffend, Gültigkeit für sie hat, der Gewerbeaufsicht zu unterstellen, da sich die Thätigkeit der Ortspolizei⸗ behörden hinsichtlich der Durchführung dieser Bekannt⸗ machung als vollständig unzulänglich erwiesen hat.

(Ein dritter Artikel folgt.)

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 20. Mai. Die Großh. Kreis⸗ Schulkommission Gießen erläßt an die Schul⸗ vorstände des Kreises folgende Bekanntmachung: Es ist uns berichtet worden, daß zur Vertilgung schädlicher Vögel durch Ausheben der Nester u. dgl. Schulkinder verwendet worden sind. In⸗ dem wir auf das Ausschreiben des Gr. Kreis⸗ amts hinweisen, welches die Wertil gung von schädlichen Vögeln nur durch zuverläs⸗ sige Personen anordnet, machen wir Sie darauf aufmerksam, daß die Jugend bei solchen Hand lungen zur Thierquälerei neigt und leicht ver roht. Wir verbieten daher das Verwenden von Schulkindern zur Vertilgung von schädlichen Vögel und beauftragen Sie, die Gr. Bürger⸗ meistereien Ihrer Gemeinden auf dies aus pä⸗ dagogischen Gründen erlassene Verbot aufmerksam zu machen und zugleich dasselbe in den Schulen verkünden zu lassen.

D. Z. Aus dem mittleren Odenwald, 19. Mai. Zur bevorstehenden Heidelbeer⸗ ernte erlassen viele Heidelbeerensammler einen Aufruf imErbacher Kreisblatt, worin sie sämtliche Heidelberrensammler auffordern, keine Heidelbeeren mehr unter sieben Pfennig pro Schoppen abzugeben. Demnächst soll in Erbach eine Versammlung der Interessenten stattfinden. Der Einsender dieses wandte sich an einen Grossisten in Norddeutschland, um im Interesse der armen Leute einmal genau zu erfahren, was eigentlich die Großhändler in Norddeutschland für die Heidelbeeren zahlen. Er erhielt die Mit⸗ theilung, daß sie anfänglich pro Centner 20 Mk., also pro Schoppen 20 Pfg. zahlten. Nach und nach würden diese Beträge heruntergehen, aber am Ende der betr. Zeit würden sie immer noch 10 Pfg. pro Schoppen zahlen. Unsere armen Leute bekommen bekanntlich anfänglich höchstens 8 Pfg., aber höchstens nur 2 bis 3 Tage; als⸗ dann reduzieren sich diese Preise so rapid, daß zuletzt nur noch 2 Pfg. pro Schoppen gegeben werden.

Nidda, 19. Mai. Vorige Woche wurde nach einer fünfmonatlichen Pause wieder ein großer Viehmarkt dahier abgehalten, der sehr gut befahren war und einen besonders lebhaften Handel mit etwa 900 Jungschweinen zu ver⸗ zeichnen hatte. Das Paar Ferkel kostete je nach Qualität zwischen 2540, ein paar Läufer kamen auf 6080, und fette Schweine wurden mit 30 per Pfund Lebendgewicht verkauft.

Aus dem Nidderthale, 17. Mal. Als

letzter in der Reihe unserer Obstbäume hat auch

der Apfelbaum in günstig gelegenen Gegenden seine rosa angehauchten Blüten geöffnet und ganze

Baumstücke, wie z. B. in der obstreichen Ge⸗

markung Himbach prangen bereits in prächtigem Frühlingsgewande, auch für dieses Jahr einen

guten Ertrag versprechend. Anderseits scheinen wieder viele Bäume von ihrem alten Feinde aus

der Käferwelt, dem zur Familie der Rüsselkäfer 1

gehörigen schädlichen Apfelblütenstecher(Antho⸗ nomus pomorum) heimgesucht zu sein, dessen Weibchen

aus dem sich alsdann in ganz kurzer Zeit die Larve entwickelt, welche die sie bergenden Knospen

ausfrißt, wodurch dieselben nicht zur Entfaltung

gelangen und die betroffenen Bäume infolge der

vertrockneten und gebräunten Knospen wie ver⸗

brannt aussehen, weshalb jener Käfer in manchen Gegenden auchBrenner genannt wird. Worms, 18. Mai. Die

dem Radfahrerfest in Heidelberg beim Korso⸗ fahren den ersten Preis. Es ist dies der dritte erste Preis, welcher der Gesellschaft in diesem Jahre zufiel. Mainz, 19. Mai. Hessischen Ludwigsbahn sind zum Teil

sehr beunruhigt über ihr Schicksal nach voll⸗ 5 Neuerdings hat auf ihr Betreiben der hessische Eisenbahnbeamten⸗ Verein an das Ministerium der Finanzen zu

zogener Verstaatlichung.

Darmstadt eine Vorstellung gerichtet, die jede Schädigung von Ludwigsbahnbeamten beim Ein⸗ tritt in das Staatsbeamtenverhältnis abzuwenden bezweckt. Insbesondere wird gebeten, den An⸗ gestellten die Entschließung darüber offen zu halten, ob sie bei dem bisherigen Penstonsver⸗ hältnis bleiben oder in dasjenige der hessischen Staatsdiener übertreten wollen, in allen Dienst⸗ zweigen möge immer ein bestimmter Prozentsatz hessischer Unterthanen zur Anstellung kommen, die in den Staatsdienst übernommenen Beamten möchten nicht außerhalb des jetzigen Ludwigs⸗ bahngebiets versetzt und nicht ohne zwingenden Werk aus ihren bisherigen Stellungen entfernt werden.

* Mainz, 18. Mai. Ein seltener Alter⸗ thums fund wurde bei den Kanalisationsarbeiten auf dem Domhofe gemacht. In einer Tiefe von etwa 2,50 Meter wurden zwei goldene, mit kostbaren Steinen geschmückte Brochen von 7 em Durchmesser gefunden.

Vermischtes.

Das Ende eines Liebesverhältnisses, welches mit einem Mordversuch und Selbstmord endete, spielte sich Freitag Abend gegen 8 Uhr in dem Hause Kurfürstenstraße 97 in Berlin ab. Dort befand sich bei

Geisterspuk. Humoreske von B. W. Zell.

(Nachdruck verboten.)

Wenn nur erst das Gesellschaft bei Herrn Major glücklich vorbei wär' ich haben diese Nacht so schlecht geträumt

Stefan Lischinski, der Bursche des Lieutenants Marzahn, sagt das mit trübseliger Miene. Um ihn herum sitzen in der Leutestube des Major Klencke Bursche, Köchin und Hausmädchen des letzteren und hänseln und neckenals aufgeklärte Berliner den Genossen nun weidlich ob seines Aberglaubens. Stefan Lischinski ist ein hübscher, gewandter Polc, der vor seiner Militärzeit Diener in vornehmen Häusern war und von seinem jeweiligen Herrn den Kameraden gern zur Aushilfe bei Gesellschaften überlassen wird. Daß er mit der deutschen Sprache auf sehr gespanntem Fuß steht, stört dabei ja nicht weiter. Auch morgen bei der großen Gesellschaft des Herrn Major wird er helfen. 5

Und was haben Sie denn so Gruseliges ge⸗ träumt? neckt ihn das Zöfchen lachend.

Muß man nicht sagen, weicht er aus,Wenn man Traum vorher erzählt, ist nicht gut..

Erneuter Lachausbruch der Uebrigen auf diese Rede hin. 5 8 1

So glauben Sie auch wohl an Gespenster? fragt die Köchin. 5

Gewißlich! versichert Lischinski ernsthaft.Ist sich garnichts zu lachen dabei wenn Ihr Drei hier wie ich mit Herrn Grafen meiniges in ver⸗ wunschenen Spukschloß am Goglosee gelebt oder im alten Kloster bei Gnesen, dann Ihr auch glauben, Ich oft genug weiße Gestalt gesehen schrecklich!

Die beiden Mädchen rückten näher und hätten sich trotz aller Aufgeklärtheit doch gern eine gruselige Spulgeschichte erzählen lassen. In diesem Augen⸗

blick aber kundete ein Klingelzeichen, daß die Herr⸗ schaft heimgekehrt sei und das Domestikenvölkchen stob nach allen Seiten auseinander.

Der große Tag war erschienen, an dem Major Klencke's die erst vor kurzem nach der Residenz ver⸗ setzt waren, ihre erste offizielle Gesellschaft gaben. Es waren daher auch wenig Absagen eingelaufen und das Regiment vom Obersten bis herab zum jüngsten Lieutenant vertreten. Ihrem hohen Range gemäß nahm die Frau Kommandeuse den Ehrenplatz zur Rechten der Hausfrau auf dem Sopha ein, um sie herum gruppierten sich in geziemender Ent⸗ fernung die Damen des Regiments, die Lieutenants- frauen natürlich zuletzt. Man war streugunter sich mit einer kleinen Abweichung allerdings; Major Klencke hatte nämlich gegen übliches Her⸗ kommen, das nur die aktiven Militärs mit ihren Familien als zuiässig bei denoffiziellen Gesell⸗ schaften gelten läßt, die Witwe und Tochter eines dahingegangenen lieben Freundes, Oberstlieutenant Baring, geladen. Frau Oberst von Götze hatte anfangs ein wenig die Nase gerümpft ob dieser Neuerung, als jedoch die verwitwete Frau Oberst⸗ lieutenant als eine geborene Gräfin Brenkenhof vor⸗ gestellt wurde, fand sie den Verstoß weniger schlimm. Aber noch eine Neuerung hatte Frau Major Klencke sich erlaubt, indem sie ihrem einzigen Töchterchen, einem allerliebsten Backfisch von fünfzehn Jahren gestattete, zun Begrüßung der Damen zu erscheinen und bis zum Beginne des Abendessens zu verweilen. Frau Oberst fand das sehr überflüssig, denn bis zur Konfirmierung mußten ihrer Meinung nach junge Mädchen bei allen gesellschaftlichen Anlässen streng versteckt gehalten werden. Aber die reizende Henni Klencke küßte ihr so ehrfurchtdurchschauert die behandschuhte Rechte, knixte dann nach allen Seiten ebenso tief als anmutig, und zog sich dann sofort

bis zum äußersten Umkreis der Damenrunde zurück man konnte also auch diesen Verstoß passieren lassen.

Flankiert und umfriedet waren die Damenreihen natürlich von den Herren der verschiedenen mili tärischen Rangstufen, die, den Helm vorschrifts mäßig im Arm, über die Sessellehnen hinweg die herkömmliche Salonunterhaltung begannen, welche nur allzuoft einem auswendig gelernten Frage- und Antwortspiel gleicht. Da die kleine Henni in weiser Erkenntnis ihres Geduldetseins sich bis zum letzten Platz zurückgezogen, traf es sich, daß gerade hinter ihrem Stuhl der flotte Lieutenant Marzahn aus demselben Hause, der ihr so oft auf der Treppe begegnet war und immer sosinnberückend gegrüßt hatte, sich befand. Lieutenant Marzahn war außer dem offiziellen Besuch schon mehrere Mal bei Major Klencke's gewesen, doch durfte Henni ja bei Herren⸗ besuchen noch nicht anwesend sein. Nur einmal hatte Papa flüchtig Gelegenheit genommen, ihr den Hausgenossen und Kameraden vorzustellen. Es ent⸗ spann sich daher heute sofort die angeregteste Unter haltung zwischen Beiden, die garnicht auswendig gelernt klang. Henni fand den Lieutenantent- zückend und der die Kleinefamos. Natürlich behandelte er sie ganz als Dame und das war ja eben berauschend für ihr fünfzehnjähriges Herz.

Der übliche Thee mit Backwerk war gereicht, Henni nahm gar keinen Rum und sehr viel Kuchen, Lieutenant Marzahn machte es umgekehrt. Im Uebrigen schienen beide durchaus seelenverwandt, denn Scherze und Neckereien sprühten nur so zwischen ihm und ihr. Henni begriff nicht, weshalb Papa immer auf die langweilige Gesellschaft schalt und sie als lästige Pflicht bezeichnete sie fand es himmlisch, so dazusitzen und sich den Hof machen

zu lassen.

Jetzt wurden die Flügelthüren zum Speisezimmer aufgeschlagen und Kühlke, der Majorsbursche, an⸗ gethan mit dunkler Livree, meldete, daß angerichtet sei. Mamas Weisung gemäß hatte Henni beim Aufbruch zur Tafel lautlos und unbemerkt zu ver⸗ schwinden, was sich allerdings bei dem allgemeinen Wirrwar leicht bewerkstelligen ließ. Henni fand es geradezu grausam, so obne allen Uebergang aus dem Himmel des glänzenden Salons, als dessen Cherub ihr Lieutenant Marzahn erschien, in die Ein⸗ samkeit ihres Mädchenstübchens verbannt zu werden. Ihr kleines Herz wallte auf in Trotz und Groll und die lustigen braunen Augen standen voll Thränen, als sie nununbemerkt hinauszuhuschen versuchte. Aber Marzahn hatte es doch bemerkt; eben im Begriff, die ihm zugewiesene Tischdame von ihrem Sitz zu holen, trat er noch schnell an ihre Seite.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Guano⸗Fund. Nach demBull Agric. von Algier hat man in den Bergen desTell einen wahren Schatz aufgefunden: unermeßliche Guano⸗Lager, die in den dort entdeckten Kalksteingrotten durch die sie bewohnenden zahllosen Fledermäuse im Laufe vieler Jahr⸗ tausende angehäuft wurden. Herr J. Marchand hat diese Tropfsteinhöhlen von kohlensaurem Kalk im Bezirke Mas⸗ cara untersucht. Er fand Stalaktiten, Stalagmiten und Säulen von herrlichem Anblick bei Fackelbeleuchtung. Bei Keelnaß im Thale des Flusses El-Abd fand er zwei große Höhlen und weithingehende Galerien, deren Boden in der Tiefe von 56 Meter und darüber durch den wertvollen Dünger im Gewicht von vielen tausend Zentnern gebildet wird. Der Höhe der Höhle entsprechend finden sich auf dem Boden hohe Guano-Pyramiden. In den Grotten von Macerata findet sich ein förmlicher Silo, nach außen durch einen Gang verbunden, dessen Aus⸗ beutung man schon begonnen hatte. Doch wurde sie, wie es scheint, aus administrativen Gründen untersagt.

i im zeitigen Frühjahre die Blüten⸗ knospen ansticht, meist je ein Ei hineinschiebt,

hiesige Rad: fahrergesellschaft Wormatia errang gestern bet

Die Beamten der