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Gießen, Dienstag, den 21. April
1896.
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Ausgabe
Gießen.
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77 5 daktion: 8 Erscheint tägli i 8 T f edaktion: 0 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 2 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 30 Kreuzplatz Nr. 4.
Besoldung der Volksschullehrer in Hessen.
* Das Gesetz, betr. die Gehalte der Volks⸗ schullehrer ist am 11. d. M. vom Großherzog unterzeichnet worden. Es tritt am 1. April 1897 in Kraft. Das Gesetz hat folgenden Wortlaut:
Artikel 1. Bei gewissenhafter Dienstführung hat jeder definitiv angestellte Lehrer an Volks— schulen
nach Z jähr. Dienstführung einen Gehalt von 1100
6„„ 5 7 1200 5„„ 1„ ee 12,„ 1 0 1400 „ 15„„ 1 1 100 „ 18„„„„„ 1600 2„„ 1 1„ 1700 24„„„ 1800 2„„„„ Ade zu beziehen.
Die Dienstzeit wird vom Tage der ersten dienstlichen Verwendung nach bestandener Schluß— prüfung gerechnet.
Sofern ein definitiv angestellter Lehrer an Volksschulen die ihm nach 3, 6, 9, 12, 15, 18, 21, 24 und 27 jähriger Dienstzeit zukommenden Gehaltsbeträge nicht bereits aus dem nach Maß⸗ 1 der Bestimmungen des Gesetzes vom 9. März 878, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend, l Einkommen der von ihm bekleideten
ehrerstelle bezieht, wird ihm der fehlende Betrag aus Staatsmitteln als Alterszulage ausbezahlt.
Art. 2. Außer dem ihm zukommenden Ge— lt hat jeder definitiv angestellte Lehrer an
olksschulen eine angemessene Wohnung, womög⸗ lich mit Garten, oder eine Mietentschädigung an— zusprechen.
Als Mietentschädigung ist der Betrag festzu⸗ setzen, welcher an dem betreffenden Ort als Miet⸗ preis für eine angemessene Wohnung zu zahlen ist, und zwar mit Unterscheidung, ob es sich um eine Wohnung für einen verheirateten oder um eine Wohnung für einen unverheirateten Lehrer handelt. Die Kreisschulkommisston setzt die Miet⸗ entschädigung fest. Im Falle des Widerspruchs des betreffenden Gemeindevorstandes entscheidet der Kreisausschuß und in der Rekursinstanz der Provinzialausschuß über die Größe der Miet⸗ entschädigung.
Der Genuß der Dienstwohnung oder die dafür ewährte Mietentschädigung kommt im Falle der enstonierung eines Lehrers bei Bestimmung des
ihm ur Ruhegehalts im Betrage von 200 M. in Anrechnung.
Die Höhe der einem Schulverwalter zu ge⸗ währenden Mietentschädigung wird von Unseren Ministerien des Innern und der Justiz, Abtei⸗ lung für Schulangelegenheiten, bestimmt; diese Entschädigung darf nicht höher festgesetzt werden, als solche nach Maßgabe der vorhergehenden Bestimmungen für den definitiv angestellten ver⸗ heirateten, beziehungsweise unverheirateten Lehrer in der betreffenden Gemeinde beträgt.
Art. 3. Die Bestimmungen der Artikel 1 und
2 finden auch auf die definitiv angestellten Lehre⸗
rinnen und beziehungsweise auf Schulverwalte⸗
rinnen mit der Einschränkung Anwendung, daß
1) bei definitiv angestellten Lehrerinnen nach
—18jähriger Dienstzeit, beziehungsweise nach Erlangung eines Gehalts von 1600 Mk., ein weiteres Aufsteigen im Gehalt durch Gewährung von Alterszulagen aus Staats— mitteln nicht mehr stattfindet, und
2 definitiv angestellte Lehrerinnen und be⸗ ziehungsweise Schulverwalterinnen nur die für einen unverheirateten Lehrer in der be⸗ treffenden Gemeinde festgesetzte Mietent⸗ schädigung in Anspruch nehmen können.
Art. 4. Gegenwärtiges Gesetz tritt mit dem
1. April 1897 in Wirksamkeit; von gleichem Tage
an treten außer Kraft:
1) der Artikel 8 des Gesetzes vom 9. März 1878, 1 0 der Volksschullehrer betreffend, un
2) der 2. und 3. Absatz des Artikels 11 dieses Gesetzes;
3) die Bestimmungen im 2. Absatze des Artikels 12 des genannten Gesetzes in Betreff der Mietentschädigungen der Schulverwalter und Schulverwalterinnen;
4) das Gesetz, vom 23. Juli 1890, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend.
Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großherzoglichen Siegels. Darmstadt, den 11. April 1896.
(L. S.) Ernst Ludwig.
Finger.
Lokales und Provinzielles. * Gießen, 19. April. Die gestern Abend im Restaurant Feidel abgehaltene General- versammlung der Gießener Omnibus⸗ Gesellschaft war von den Mitgliedern der Genossenschaft zahlreich besucht. Die Debatte darüber, in welcher Weise das Unternehmen weiter geführt werden soll, war eine sehr leb— hafte. Herr Kirch teilte mit, daß ihm in Aus⸗ sicht gestellt sei, die Stadt wolle à fond perdu pro Anno 1 3000 zu den Betriebskosten bei⸗ tragen. Hierauf wurde der Beschluß gefaßt, den Betrieb auf beiden Linien wie bis⸗ her weiter zu führen.— Der Antrag, für die ganze Strecke den Fahrpreis zu erhöhen, wurde abgelehnt.— Die Genossenschaften wurden noch darüber aufgeklärt, daß sie nach dem Gesetz in gleicher Höhe ihrer Einlagen den eventuellen Gläubigern der Gesellschaft mit ihrem Vermögen haften. In den Vorstand wurden gewählt Fabrikant Hanau, Restaurateur Jean Kirch. Die Stadt Gießen ist im Vorstand vertreten durch den Stadtverordneten Ada mi. In den Verwaltungsrat wurden wieder gewählt: Bankier Heichelheim, Rechtsanwalt Grünewald, Oekonom Flett, Schlossermeister Becker und Oekonom Kitz.
Gießen, 20. April. Als letztes Gastspiel brachte das Basler Operettenensemble gestern Abend im Leib' schen Saale die Operette „Der Vogelhändler“ zu Gehör. Die Auf⸗ führung war in Gesang und Spiel durchaus gelungen und der ihr reichlich zu Teil gewordene Beifall war ein wohlverdienter. Das Orchester entledigte sich seiner Aufgabe in rühmlicher Weise. Die Gesellschaft geht von hieraus nach Marburg, um schon morgen den Cyclus ihrer Vorstellungen mit dem Obersteiger zu beginnen.
Gießen, 20. April. Das gestrige Na ch⸗ mittags⸗Konzert unserer Regimentskapelle in Steins Garten war wieder sehr gut besucht. Meister Krauß e hatte aber auch durch den Spielzettel seinen Hörern einen besonderen Ohren⸗ schmaus angekündigt. Das Posaunensolo„Die Wanderer“ von Schubert vorgetragen von Herrn Trinks, sowie ein von Herrn Querch⸗ feld zu Gehör gebrachtes Violin-Solo ern— teten lebhaften Beifall. Die Jubiläums⸗ Ouvertüre zur 500jährigen Jubelfeier der Universität Seeed komponiert von Ochs, welche den zweiten Teil des Konzerts eröffnete, war für Gießen neu und wurde lebhaft applau⸗ diert, so daß Musikdirektor Krauße noch einen Marsch zugab.
Gießen, 20. April. Am 1. Mai geht die Jagd auf Rehböcke auf. Das Wild hat sich während des milden Winters sehr gut gehalten und wünschen wir den zahlreichen Jägern unserer Stadt und Umgegend, daß jeder von ihnen in der bevorstehenden Saison wenigstens ein Mal einen Bock schießt.
* Gießen, 19. April. Unser Reichstags⸗ wahlkreis wird leihfällig! Das Mandat des Abgeordneten Köhler(Antisemit) dürfte als erloschen anzusehen sein, da derselbe ein Staats- amt, nämlich die Postagentur zu Langsdorf, erhalten hat an Stelle seines Vaters, der ver— storben ist. Eine Postagentur ist ein Staatsamt, der Inhaber der Stelle ist Beamter. Nun wird es für die volksparteilichen Kreise sich darum handeln, sich zusammenzuschließen und einen ge— eigneten Candidaten zu finden, der den Antise⸗ miten beseitigen kann. Der Wahlkreis ist zu gewinnen, da der Antisemitismus ziemlich ab⸗ gewirthschaftet hat, der Nationalliberalismus auf wirtschaftliche Fragen keine Antwort giebt. Kauf⸗ leute, Landwirte, die keine Agrarier sind, Klein⸗ bürger, Arbeiter werden sich zusammeuthun müssen, um einem geeigneten und würdigen Vertreter zum Siege zu verhelfen.
* Gießen, 20. April. Ein Insasse des um 7 Uhr 53 hier von Frankfurt a. M. einlaufenden Personenzuges wollte die kurze Haltezeit zur Lösung einer Fahrkarte benutzen und sprang, während der Zug noch im Fahren sich befand, aus dem Wagenabteil 3. Cl. heraus, aber so un⸗ glücklich, daß er überfahren wurde und an⸗ scheinend der Tod sofort eintrat. Die Räder hatten den Körper quer durchschnitten, der Zug
mußte einen Schritt zurückfahren, um es möglich zu machen, den Körper unter den Wagen heraus— zuholen. Der Ueberfahrene war ein bei Bang und Müller in Biedenkopf beschäftigter Arbeiter.
* Gießen, 20. April. Im Großherzogtum Hessen starben im IV. Quartal 1895 im Ganzen 4489 Personen gegen 5016 im vorausgegan⸗ genen Quartal. Von den Verstorbenen waren alt unter 1 Jahr: 1198, von 1—15 Jahren: 683, von 15—60 Jahren: 1326 und über 60 Jahre: 1282. An Masern und Rötheln starben 134, an Scharlach 15 und an Diphtherie 103 Personen. Kindbettfieber war in 19 Fällen Todesursache, außerdem starben noch 17 Frauen an sonstigen Folgen des Kindbettes. Der Lungen⸗ schwindsucht fielen 543, der Tuberkulose anderer Organe 163, der kroupösen Lungenentzündung 216 und sonstigen Erkrankungen der Atmungs⸗ organe 304 Personen zum Opfer. Einen ge⸗ waltsamen Tod(Selbstmord, Unglücksfälle) fanden 133 Personen.
* Gießen, 20. April. In der Provinz Oberhessen wurden vom 1. Juli 1894 bis zum 30. Juni 1895 für 2,705,538.17 Mk. Hypothekenschulden eingetragen. Davon entfallen auf den Amtsgerichtsbezirk Gießen 170,718.35 Mk.
Lollar, 20. April. Das Gasthaus„zum Schwan“ hier wurde von der Witwe des ver⸗ storbenen Besitzers für den Preis von + 13,500 an Herrn Ludwig Bierau in Lollar verkauft. — Der von ungefähr 15 Jahren von meist fremden Arbeitern hier gegründete Gesangver⸗ ein Konkordia ist nach und nach in seiner Mitgliederzahl von ursprünglich 36—38 auf 5—6 zurückgegangen. In einer am 15. d. Mts. stattgehabten Mitglieder-Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, den Verein wieder aufzulösen.
Butzbach, 20. April. Dem hiesigen Tier⸗ schutzverein wurden vom Stadtvorstande aus der Stadtkasse 50 Mk. für Anlegung von Hecken zum Schutze von Singvögeln bewilligt. Wie wir erfahren, so auch eine solche Anlage auf dem von Herrn Realschuldirektor J. erkauften Grundstücke, auf welchem sich die Bismarcks-Eiche befindet, beabsichtigt werden. Mögen solch schöne Werke wei⸗ tere Nachahmung finden.— Der 20 zweite Viehmarkt wurde vorige Woche ab⸗ gehalten. Der Auftrieb beschränkte sich auf Vieh aus den seuchenfreien Orten des Groß⸗ herzogtums Hessen und der preußischen Kreise Usingen und Wetzlar. Vorwiegend stark war der Auftrieb von Schweinen und es fand ein
flotter Handel statt; die Preise derselben waren
gegen diejenigen des früheren Marktes mittel⸗ mäßig. Der Auftrieb von Rindvieh war schwach. * Darmstadt, 19. April. Das Sommer⸗
semester der Großherzoglichen Technischen
Hochschule beginnt am 21. April.(Das Vor⸗ lesungs⸗Verzeichnis kaun in der Expedition der
„Hessischen Landesztg.“, Kreuzplatz 4 eingesehen werden.)
———— Eine fire Idee? Von Martin Böttcher. (Fortsetzung.)
„Was sagt sie?“ hatte der Vater wiederholt gefragt, und seine Stimme hatte jedesmal ein wenig gezittert. In den letzten Tagen schien der Panzer von Egoismus und stumpfer Gefühllosigkeit fremdem Wohl und Wehe gegenüber, der sich mit den Jahren um sein Herz gelegt, doch etwas dünner geworden zu sein. Dies hatte die alte„excentrische Person“ bemerkt, und sie hatte beschlossen, zu thun, was in ihrer Gewalt stand, um ihn ganz zu zerstören. Eines Tages als die heiser hervorgestoßenen Worte sich unheimlicher denn je anhörten unter der Ein⸗ wirkung eines ungewöhnlich heftigen Fieberparoxismus, fragte er wieder, und auch seine Stimme war heiser und undeutlich.—„Ich glaube,“ antwortete die alte Dame in der Absicht, ein gutes Werk zu thun, aber nicht ohne eine gewisse schadenfrohe Be⸗ friedigung,„ich glaube, daß sie mit einiger Frei— heit den Scheffel eitiert:
„Vergeb' Dir's Gott, es war so schön gewesen;
Vergeb' Dir's Gott, es hätte können sein!“
Sie sprach die Worte mit gehobener Stimme und unterstützte sie mit einem Blick, der Gedanken zu lesen schien. Und als sie nach einer kurzen Pause mit scharfer Betonung wiederholte:„Ver⸗ geb Dir's Gott;“ und die Krankeihr gleichzeitig un⸗ willkürlich und unbewußt, aber jetzt mit unver⸗ keunbarerer Deutlichkeit ins Wort fiel, da zeigte es sich, daß die beabsichtigte Wirkung eingetreten war: der alte Mann erhob sich und verließ das
Das Fieber mit seinen Phantasmen hielt lange an; aber die Patientin wurde nach und nach ruhiger, und die Trugbilder, welche ihr vorschwebten, nahmen allmählich einen freundlicheren Charakter au.— „Er hat das Glück gefunden! Bald kommt er und holt mich!, hörte man sie nun häufig sagen. Und die Augen erglänzten in milder Freude, die von einem überirdischen Schimmer gefärbt schien.— Diese Worte brauchte die Tante nicht dem Schwager zu wiederholen; denn die Stimme der Kranken batte schon ihre alte Deutlichkeit wiedergewonnen. Aber sie hielt es für zweckmäßig, sie zu deuten; sie hatte sich ja ein Ziel gesteckt: der Herzenspanzer mußte völlig zerschmettert, vernichtet werden.—„Es sind Todesahnungen!“ flüsterte sie.„Das Glück, welches„er“ gefunden und zu dem er sie„bald“ abholen wird, ist der Tod“—— Diesem Au— griff gegenüber konnte der Panzer, der in den letzten schweren Wochen so manchen Riß erhalten hatte, nicht stand halten.— Er war völlig zermalmt; es war der Vater, der bis in den Tod betrübte Vater, der, vom Schmerz überwältigt, zusammenbrach und das Antlitz in den zitternden Händen verbarg. Aber Todesahnungen waren es nicht gewesen. Allmählig hörten die Fieberphantasien auf. Die Seele war geheilt, und das Herz hatte gelernt, sich mit Ergebung in das Unvermeidliche zu schicken. Wohl war der Körper noch sehr schwach; aber der Arzt erklärte jede Gefahr für beseltigt.— Nun saß der Vater eben so oft und eben so lange wie die Taute neben dem Bette der Kranken, nicht, weil es nötig sei, sondern—„aus Kaprice“, weil auch er ein passionierter Krankenpfleger geworden war. Kaum, daß man den sonst so kalt berechnen—
Zimmer mit schwankenden Schritten. Einen großen Riß hatte der Panzer schon.
den, so mathematisch trockenen Geschäftsmann wieder⸗
kaunte— so hatte er sich geändert; die schwere Prüfung war ihm zum Segen gewesen.
Eines Tages, als er allein neben der Kranken saß, überwältigte ihn die Reue.— Nun mußte es hervor, das, was ihm schon so lange schwer auf dem Herzen gelegen, und an das ihn der frei zitierte Scheffelsche Vers mit seinem ewigen Summen vor seinen Ohren ohne Unterlaß gemahnte. Und hervor kam es:„Kannst Du mir vergeben, meine Tochter?— Ich bin ja schuld daran, daß es nicht ist, wie es hätte sein können!“
Seine Stimme klang so weich, bittend.
Sie antwortete nicht, sondern ergriff die darge— reichte Hand und preßte sie gegen ihre Brust, und es lag mehr als Vergebung in ihrem Blick, als ihr Mund sagte:„Gelobt sei Gott, daß er mich meinen Vater finden ließ.“
Sein Dank fand keine Worte; er fand seinen Ausdruck in einem väterlichen Kuß auf die weiße Stirn.—„Nun darf ich hoffen, daß auch Gott mir meine Schuld nicht anrechnet“, sagte er endlich bewegt;„aber niemals werde ich mir selbst meine unnatürliche Härte vergeben können; denn die Zeit wird ja leider nie kommen, da es mir vergönnt wird, sie wieder gut zu machen.“
Die Kranke sah ihu an mit einem unsagbar hoffnungsfrohen Blick;—„Nie?— Ja, vielleicht wird es lange dauern; aber kommen wird sie. Ich lebe der untrüglichen Zuversicht, daß er einst zurück— kehren wird.“
Der alte Mann eutsetzte sich fast über diese felsenfeste Ueberzeugung, diese glühende Begeisterung. Die Worte und der Ton, mit dem sie gesprochen wurden, erinnerten so stark an die freundlichen
so demütig
Trugbilder und Vorspiegelungen im zweiten Stadium des Fieberwahns.— Er schwieg; denn er wollte sie nicht durch Widerspruch betrüben, und ebenso
wenig durfte er eine Hoffnung ermuntern, deren
Erfüllung so höchst unwahrscheinlich war, eine Hoff—
nung, welche er für eine fixe Idee hielt, für einen Rest der Phantasmen, welche die Fieberhitze aus-
gebrütet hatte.
Aber„die fixe Idee“ verließ sie nicht, auch nicht, nachdem sie vollständig gesund geworden war, und für den Vater blieb dieselbe eine Quelle des Kummers und der Furcht vor einem Rückfall.
Die„excentrische“ Tante dagegen bestärkte sie aus allen Kräften und bei jeder Gelegenheit.—3
„Halte nur immer die Hoffnung aufrecht“, sagte sie. „Daß sie kein Schwanken kennt, obgleich sie gane“
ohne Stütze ist, das ist mir ein Zeichen, eine sicher Bürgschaft, daß sie Dir von demjenigen ins Herz gepflanzt sein muß, der Mittel und Wege kennt, sie zu erfüllen.“
Eine Stütze hatte sie nicht nötig; sie war stark genug, selbst eine Stütze zu sein, an welcher sich die schwache Menschenblume, die des Lebens Stürme geknickt und in den Staub geworfen hatten, wieder emporrichten konnte Leben.
Sie war stark und dauerhaft. Sie wich nicht 150
gegen das Licht und das
und wankte nicht unter der Wucht der Zeitwogen.
die sich unaufhörlich heranwälzten und sich über sie
hinwälzten— schwer und leer. Sie brachten nichts, nichts!— Es kam weder Brief noch Botschaft.“— „Die unselige fixe Ideel“ seufzte der Vater. (Fortsetzung folgt.)


