Ausgabe 
21.1.1896
 
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wärtige Professoren als Sachverständige gehört werden.

i. Mainz, 19. Jan. Die Firma Eich⸗ baum u. Co. bewilligte gestern nach mehr maligen Unterhandlungen durch den Arbeiter ausschuß den in anderen hiesigen Schuhfabriken üblichen Lohntarif. Infolgedessen können die Streitigkeiten mit den Maschinenausputzern als beseitigt erklärt werden und wurden dabei sämt liche Kündigungen wieder zurückgenommen.

H. Aus Hessen, 19. Jan. In Reichlos (Oberhessen) vermißte man dieser Tage in einer dortigen Familie das zweijährige Söhnchen. Nachdem man zwei Tage nach dem Kinde ver geblich geforscht, fand man es in der vor dem Hause befindlichen Miststätte, in die das Kind gefallen und ertrunken war, und die wie das jetzt vielfach vorkommt, mit Wasser hoch angefüllt war.Einem riesigen Schneefall folgte am gestrigen Nachmittag im Ohmthal ein heftiger Schnee sturm, der kolossale Schneewehen auftürmte. Die Hohlwege und Schluchten wurden zugeweht und die auf den Straßen befindlichen Fuhrwerke hatten die größte Mühe durchzukommen. Einige mußten umkehren und vermochten ihren Weg nicht fortzusetzen. Die Holzhauer waren durch den tiefen Schnee gezwungen, ihre Arbeiten im Walde einzustellen. In Falkengesäß im hinteren Odenwalde wurde einem Zjährigen Kinde der kleine Finger der linken Hand an der Kreissäge abgesägt.

Letzte Nachrichten.

* Gießen, 19. Jan. Der Kriegerverein feierte die 25jährige Wiederkehr der Kaiserprokla⸗ mation gleichzeitig durch Begehung seines 23. Stiftungsfestes. In Leib's Saal hatten sich die Kameraden mit ihren Familien versammelt. Der Vorsitzende, Postsekretär Mayer hielt eine ündende, der Bedeutung des Tages entsprechende

usprache, welche mit einem Hoch auf Kaiser und Reich, sowie den Landesherrn schloß. Ein zur Aufführung gekommenes Lustspiel: Lebende Bilder, Konzert und Tanz bildeten den Beschluß der prächtig verlaufenen Feier.

* Gießen, 20. Januar. Der gestern Abend in Steins Saalbau stattgefundene Festkom

mers zur Erinnerung der Keaiserprokla⸗ mation hatte den weiten Festsaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Unsere Regimentskapelle unter Leitung ihres Dirigenten, des Musikdirektors Krause intonirte als EinleitungDeutscher Sieges⸗ marsch 1870/71 von Hamma. Als die präch⸗ tigen Akkorde des Touwerks verhallt waren, er⸗ hob sich Oberbürgermeister Gnauth und hielt eine Ansprache an die Versammlung:Es gereiche ihm zur Ehre, als Vorsitzender des Ausschusses der erste zu sein, welcher in dieser imposanten Fest⸗ versammlung das Wort ergreife, um Namens dieses Ausschusses, den Kommers für eröffnet zu erklären. Er begrüße mit Freude und Stolz die Versammlung, in welcher alle Stände, alle Berufsklassen, alle politischen Anschauungen ver treten seien, die sich heute einig fühlten als Bürger des deutschen Reiches, die sich eins fühlen in dem Jubelgefühl des Dankes, daß ein einiges Reich, ein deutscher Kaiser uns wieder erstanden. Red⸗ ner gedachte des Kaisers Wilhelm I., des Kaiser Friedrich, welcher sich als Held ein unvergäng liches Denkmal gesetzt, er gedachte des Groß herzogs Ludwig III., der seinen Erben hinaus schickte nach Frankreich, um auf dem Feld der Ehre zu streiten für Deutschlands Cinheit und Recht. Das Hoch unseres Oberbürgermeisters galt dem Kaiser und dem Landesherrn, iu welches die Versammlung jubelnd einstimmte, um dann stehend dasHeil dir im Siegeskranz anzu⸗ stimmen.(Schluß f.)

Gießen, 20. Januar. Am Sonntag den 12. Januar konstituirte sich eine neue karne valistische Vereinigung, Karneval-Verein Unikum. Derselbe hielt gestern Abend seine erste mit gutem Humor gewürzte Sitzung in der Restauration Euler ab. Die nächste Sitzung findet Sonntag den 26. Januar, Abends 8 Uhr,

ebendaselbst statt und können wir den Besuch

derselben bestens empfehlen.

* Gießen, 20. Januar. DieGießener Zeitung macht sich ein Vergnügen daraus, den paar Abonnenten, die sie noch behalten hat, die konfusen und mehr als unverständlichen Aus führungen des Marburger Aemterorgans vorzu setzen, auf die in der letzten Nummer derHess. Landesztg. bereits eine deutliche Antwort ge geben worden ist. Den Kampf mit eigenen

geistigen Waffen hat dieGießener Ztg. längst aufgegeben; was in ihrem Arsenal davon vorhanden war, ist verrostet und verbraucht. So macht dann dasunparteiische Organ für preu⸗ ßische Junkerherrlichkeit bei der Marburger Kollegin konservativer Kanitzerei eine zinsenlose Anleihe und druckt die unsinnigen Bemerkungen nach, mit denen dieOberh. Ztg. sich über ihre Prozeß⸗Niederlage hinwegzutrösten versucht hat. Da derGießener Ztg. Preß- und Strafgesetz unbekannte Gefilde sind, so hat sie natürlich nicht bemerkt, daß das, was sie für ausgeklügelte Inter⸗ pretationsweisheit gehalten hat, der pure juristische Unsinn ist. So ist sie denn in der Absicht, der aus guten Gründen verhaßtenHess. Landesztg. einen Hieb zu versetzen, Volldampf voraus auf die Untiefe gesegelt und mag sich nun mit dem Marburger Amtsblatt über das Pech unter⸗ halten, von dem sie Beide verfolgt werden, sobald einmal was allerdings selten passiert die jeweiligen Redakteure statt Scheere und Kleister topf die Feder in die Hand nehmen. Wir stören die Unterhaltung nicht, werden aber noch öfter Veranlassung nehmen, die beiden einander gleichwertigen Kame⸗ raden in ähnlicher Lage zusammenzu⸗ führen. Aus reinem Mitleid natürlich, denn es ist immer ein Glück, im Unglück Leidensgenossen zu haben. Und über mangelndes Unglück braucht dieGie⸗ ßener Zig. nicht Klage zu führen. Sie kommt unseres Erachtens aus dem Pech nicht mehr heraus.

Letzte Telegramme.

Hd. Berlin, 20. Jan. DasBerl. Tagebl. erfährt, daß dem Reichstage noch in dieser Session eine größere Marine⸗Vorlage zugehen wird.

Hd. Berlin, 20. Januar. Wie dasBerl. Tagebl. hört, beabsichtigt ein hervorragendes Mitglied der konservativen Fraktion des Reichs tages, welches die Haltung des Freiherrn von Manteuffel gegenüber dem Landwirtschafts Minister v. Hammerstein gelegentlich der Be ratung des Antrages Kanitz am Freitag als nicht mit den Gepflogenheiten und Traditionen der konservativen Partei vereinbar durchaus miß

billigt, aus der Fraktion auszuscheiden. Es sei nicht unmöglich, daß mehrere andere bekannte

Mitglieder der Fraktion aus dem gleichen Grunde diesem Beispiele folgen werden. 5

Hd. Karlsruhe, 20. Januar. Bei der am

18. Januar stattgehabten Erinnerungsfeier des hiesigen Artillerie- Regiments an die Schlachten

an der Lisaine richtete der Großherzog ein Mahnwort an die Veteranen, indem er in seiner Ansprache, mit der er sich verabschiedete, sagte: Es ist heute nicht nur der Tag der Erinnerungen an die Schlachten, die wir geschlagen, es ist auch der Tag der Wiederherstellung des Deutschen Reichs. Sie, meine Freunde, haben oft die

Wacht am Rhein gesungen, wenn der Ruf an

Sie erging, es war ein Freudengesang und er hat schöne Folgen gehabt. Heute brauchen wir

dieWacht am Rhein nicht mehr in?

diesem Sinne zu singen, weil die Grenzen gegen Frankreich weiter gerückt sind. Aber, meine Freunde, dieser Wacht gegenüber steht noch eine andere Wacht: Die Wacht des Herzens. Sie verstehen, was ich darunter meine; diese Macht festzuhalten und sie zu stärken, damit wir vor dem Unglück bewahrt bleiben, daß sich der Umsturz beginnt Bahn zu brechen. Das ist die Wacht des Herzens.

Hd. Paris, 20. Jan. Gestern fand in der Nähe des Arsenals eine gewaltige Explosion statt, welche durch Unvorsichtigkeit eines Arbeiters veranlaßt wurde.

Briefkasten der Redaktion.

K. R., Gießen. Sie haben Recht. Es stimmt beiter, dieGießener Zeitung überSitzredakteure aburteilen zu hören. Dasselbe Blatt, das milbsam aus der Berliner Wiemann'schen Korrespondenz zusammengestoppelt wird, in dem keine einzige politishe Notiz von dem Redakteur geschrieben wird! Wehe, wenn dem Berliner Leitartikler einmal die Feder ausrutscht. Der unschuldige Gießener Re daktor muß die Suppe auslöffeln. Aber sie ist doch ein großes Blatt, dieGießener Ztg Sie selber sagt's und muß es wissen

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.

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Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag, den 27. Januar 1896, Vormittags 9˙½ Jlhr

beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, Distrikt Charloktenwald, versteigert werden: 81 Eichenstämme mit 25,28 km, 3 Fichtenstämme mit 1,63 km, 11 Eichenstangen mit 1,48 km,(für Wagner geeignet), 9 Fichtenstangen mit 0,79 im, 224 rm Buchen-Scheitholz, 22 xm Eichen-Scheitholz, 16 rm Erlen Scheitholz, 142 rm Buchen-Knüppelholz, 21 rm Eichen-Knüppelholz, Irm Erlen-Knüppelholz, 2 rm Nadel-Knüppelholz, 95 rm Buchen-Stockholz, 11 rm Exlen⸗Stockholz, 4440 Wellen Buchen-Reisig, 270 Wellen Eichen-Reisig, 100 Wellen Nadel-Reisig. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 8. Schneise. Gießen, den 20. Januar 1896. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.

Holzversteigerungen.

Gräfliche Oberförsterei Arusburg. 59 Eichenstämme von 18 bis 74 em Durchm., 34,59 fm, 12 Buchenstämme von 4054 em Durchm., 6 m Länge, 8,48 km, 70 Fichtenstämme von 2238 em Durchm., 16-19 m Länge, 58,00 km, 3 Fichtenstangen, 0,15 km, 8 Kiefernstämme von 2343 em Durchm., 614 m Länge, 5,92 fm, 4 Lärchenstämme, 0,48 km. Mittwoch, den 22. Januar, Vorm. 10 Uhr. Zusammenkunft am Jägerpfad an der Lich Butzbacherstraße.

Reiskirchen.(Gemeindewald). Distrikt Walbersberg. 236 Nadel stämme von 1018 m Länge, 1330 em Durchm., 76,88 km, 1489 Nadel Derbstangen, von 1018 m Länge, 713 em Durchm., 142,10 km, 339 rm Nadelknüppel, 5970 Nadelreisig-Wellen, 14,8 rm Nadelstöcke.

Mittwoch, den 22. u. Donnerstag, den 23. Januar 1896, jedesmal Vormittags 9 Uhr.

Zusammenkunft ist jedesmal in der Schäferschneiße.

Das Bauholz kommt am ersten Tage zur Versteigerung, die Nadel-Derb holzstangen eignen sich zu schönen Sparren und Rüststangen.

Submissionen.

Für die psychiatrische Klinik in Gießen soll die vieferung nachbenaunter Gegenstände auf dem öffentlichen Submissions-Wege vergeben werden und zwar: 1. Von Porzellanwaren, 2. Von Emaillewaaren, 3. Von Papiermachéwaaren, 4. Glaswaaren,(Tisch⸗ und Küchengeräte, sowie Toilettegegenstände), 5. Bürsten waren, 6. Toilettegegenstände, 7. Hausreinigungs-Utensilien, 8. Tischgeräte,(Messer, Gabeln ꝛc.), 9. Verschiedene andere Utensilien, 10. Schreibmaterialien, 11. Das Reinigen der Senkgruben. Die Muster der einzelnen Gegenstände, sowie die Verzeichnisse über dieselben können auf dem Verwaltungsbüreau in den Nach mittagsstunden von 2 bis 4 Uhr eingesehen werden. Die Lieferung erstreckt sich bei sämmtlichen Gegenständen auf das Rechnungsjahr 1896/97, bei einem Teile derselben außerdem noch auf den Rest des Rechnungsjahres 1895/96. Offerten sind versiegelt und mit genauer Aufschrift und Angabe derjenigen pos., auf welche submittirt wird, versehen bis zum 31. Januar, Vormittags 8 Uhr, auf ge nannten Büreau einzureichen. Zuschlag erfolgt am 10. Febr. 1896.

Giessen. Die bei den Feldbereinigungsausführungen in Gemarkung Ruttershausen weiter erforderlich werdenden Arbeiten und zwar: Verschleifungs-, Graben⸗, Wegebau⸗, Maurer- und Chaussierungsarbeiten ꝛc., veranschlagt zu 3000 Mark, sollen

Dienstag, den 21. Januar, Vormittags 10 Uhr, in mehreren Arbeitsloosen vergeben werden. Zusammenkunft im Saale der WirtschaftZur Lahnbrücke(bei Geißler). Die Verdingungsunterlagen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen zur Einsicht offen.

A Nor Jagd⸗Verpachtungen.

Donnerstag, den 23. d. Mts. werden nachverzeichnete am 1. Februar d. J. leihfällig werdende Domanialjagden aus den Oberförstereien Treis an der Lumda und Schiffenberg verpachtet: 1. Oberförsterei Treis an der Lumda. Jagdbezirk. Nr. 1, 2. Oberförsterei Schiffenberg die Jagdbezirke 1 und 2. Die Verpach tung findet in Röhrles Brauerei zu Gießen statt und beginnt Vormittags 10 Uhr. Personen, welche diese Jagden zu pachten beabsichtigen und deren Qua lifikation hierzu nicht notorisch vorliegt, haben sich binnen 14 Tagen bei Großh. Oberförsterei Schiffenberg hierüber auszuweisen.

Gambach. Samstag, den 1. Februar, Nachmittags 2 Uhr, soll die der Gemeinde zustehende Jagd von circa 4200 hessischen Morgen- 1050 Hektar Feld und ca. 1400 hessischen Morgen- 350 Hektar Wald, auf hiesigem Rat hause verpachtet werden. Der Wald ist ca. 20 Minuten von den Stationen Butzbach und Langgöns entfernt.

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