Ausgabe 
21.1.1896
 
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Gießen, Dienstag, den 21. Jannar

1896.

Ausgabe

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Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die 5spaltige Petitzeile.

Expedition:

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 20. Jan. Am Samstag Vor⸗ mittag hielt auch die Gewerbeschule einen Festaktus ab. Der Leiter der Anstalt, Haupt lehrer Baumeister Traber hielt eine längere Ansprache, worin er auf die Bedeutung des Tages hinwies. Am Abend des 18. Januar ver sammelte sich der Männer-Turnverein im Darmstädter Haus zu einer Feier. Der erste Sprecher des Vereins, Lehrer Backes, hielt eine der Bedeutung des Tages entsprechende An

sprache, die mit großem Beifall aufgenommen

wurde, Redner schloß mit den Worten: Gott schütze und erhalte unser deutsches Vaterland und seine Macht und Größe! Darauf ein dreifaches Gut Heil! worin die Turner begeistert ein stimmten.

* Gießen, 20. Jan. Die Illumination am Samstag Abend gestaltete sich überaus glanz voll. Tagsüber schauten aller Augen ängstlich nach dem trüben Himmel, von welchem ein Ver regnen der Feier drohte, aber das Wetter hat sich gehalten, und so dräugten denn Tausende von Menschen sich beim Dunkelwerden in den Hauptstraßen. Da flammte es gegen Uhr plötzlich auf! Der Marktplatz machte den An fang. Seltersweg, Mäusburg, Linden- und Kirchenplatz folgten. Unsere Stadt strahlte buch stäblich in einem Meer von Lichtern. Beson⸗ ders schön wirkten das alte Rathaus, die Bür⸗ germeisterei, das Kollegienhaus in der Ludwig straße, die neue Kaserne, die Zeughauskaserne am Brand. Aber auch unter den Privathäusern hoben sich einige durch geschicktes Arrangement hervor. Die Illumination hat zwar ihre Opfer gefordert. Dies diente jedoch nur zur Erheiterung des die Straßen füllenden Publikums. An 4 Stellen flammten nämlich Fahnen, die den Beleuchtungs körpern zu nahe kamen, hell auf und waren im Nu vernichtet. Gestern Vormittag fand für die Mitglieder des Veteranenvereins gemeinsamer Kirchgang in die Johanniskirche statt. Das Konzert unserer Militärkapelle gestern Mittag auf der Südanlage erfreute sich des besten Zu spruches seitens der Bewohner unserer Stadt. ae Spaziergänger erfreuten sich an den

eisen, die Meister Krauße mit seinen Leuten zum Besten gab.

Gießen, 19. Januar. Schon um 3 Uhr strömten die Menschen nach Steins Saalbau, wo der Festakt zur 25. Wiederkehr des Jahrestages der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches stattfinden sollte. Schon vor 4 Uhr war der mit Guirlanden, Fahnen und Wappen prächtig e Festraum mit Menschen gefüllt.

ebers Jubelouvertüre, woran sich der von den vereinigten Gießener Sängern gesungene Männer⸗ chorDie Ehre Gottes aus der Natur von Beethoven anschloß, leitete die Feier stimmungs⸗ voll ein. Die Festrede hielt der Geh. Kirchenrat Professor Dr. Köstlin, worauf die Festver⸗ sammlungDeutschland, Deutschland über Alles anstimmte. Kriegsfanfaren und Königsgebet aus Wagners Lohengrin, meisterlich ausgeführt von unserer Regiments⸗Kapelle, sowie der Männerchor mit Orchesterbegleitung Friedrich Rothbart von

Podbertsky, wieder von den Sängern gesungen, bildete den Beschluß der Feier am Nachmittag.

Gießen, 19. Januar. Der von uns schon in der Sonntags-Nummer durch Privattele gramm gemeldete Amnestie-Erlaß des Großherzogs bestimmt in seinem einzigen Ar tikel: Allen denjenigen Personen, gegen welche bis zum heutigen Tage durch Urteil oder Straf befehl eines Gerichts wegen Uebertretungen auf Haft oder Geldstrafen, oder wegen Vergehen auf Freiheitsstrafen von nicht mehr als 6 Wochen oder auf Geldstrafen von nicht mehr als 150 Mark rechtskräftig erkannt worden ist, werden diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, in Gnaden erlassen.

Haftstrafen bleiben von dieser Guadenerweisung ausgeschlossen, sofern zugleich auf Ueberweisung an die Landespolizeibehörde erkannt ist.

Ist in einer Entscheidung die Verurteilung wegen mehrerer strafbaren Handlungen aus gesprochen, so greift diese Gnadenerweisung nur Platz, sofern die Strafe insgesamt das oben be zeichnete Maß nicht übersteigt.

Gießen, 19. Januar. Von der hiesigen Großherzogl. Staatsauwaltschaft werden steck brieflich verfolgt: Posthilfsbote Karl Horn aus Hungen, zuletzt in Gießen, wegen Vergehens im Amte, Schreinerlehrling Franz Schmidt aus Oberrad wegen Diebstahls, Brauergehilfe Nikolai Stutmann aus Petersburg, zuletzt in Friedberg..

Gießen, 20. Jan. Die am Samstag Abend nach dem Postkeller einberufene, außer ordentliche Seneralversammlung des Kauf⸗ männischen Vereins war äußerst zahlxeich von den aktiven Mitgliedern besucht. Der Vor sitzende eröffnete die Sitzung mit dem Hinweis, daß es gelte, einen für den Verein äußerst wich tigen Beschluß, die Erbauung eines eigenen Vereinshauses, zu fassen; er legte die Gründe dar, welche den Vorstand veranlaßt haben, die Generalversammlung gerade jetzt mit dieser Frage zu beschäftigen und schlug vor, die Versammlung möge die vom Vorstand gestellten Anträge gutheißen. Dieselben gingen dahin: Den Vorstand zu beauftragen, beim Stadtvor⸗ stand vorstellig zu werden, daß dieser dem Ver ein den an der Nordanlage, gegenüber der Stadtkunabenschule gelegenen 640 qm großen Bauplatz kostenlos überlasse. Gleichzeitig soll ein vom Architekten Kockerbeck ausgearbeiteter Bauplan der Bürgermeisterei mit eingereicht werden, welcher nach einem Kostenvoranschlag mit 3032 000 Mark herzustellen sei. Bezüglich der Rentabilität des Gebäudes verwies der Vor⸗ sitzende auf die Bereitwilligkeit der Handels kammer, 2 Räume in diesem Hause zum Preise von Mk. 400 per Jahr zu übernehmen, Mk. 300 habe der Verein jetzt schon zu zahlen, als Miets⸗ preis für die Räume der Fachschule und des Lehrlingsheims. Von z hiesigen Brauereien sei für die Priorität des Ausschanks ihres Ge bräues im Vereinshaus eine Bonifikation von 5501000 Mark pro Jahr in Aussicht gestellt, so daß der Verein dabei ganz gut herauskomme. Nach einer sehr lebhaften Debatte woran sich die Herren Köser, Wiegelmann, Scheel sen., Jung,

Hoffmann und Vaupel beteiligten, kam folgender vom letzten Reduer gestellte Antrag zur Annahme: J. Die Versammlung beschließt, den Vorstand zu beauftragen, bei dem Stadtvorstande um unent geltliche Ueberlassung eines Platzes zur Er⸗ bauung eines Vereinshauses vorstellig zu werden, 2. der Vorstand wird beauftragt, mit Hilfe der Handelskammer aus den unterstützenden Mit gliedern einen Ausschuß zu wählen, der gemein⸗ sam mit dem Vorstande über die aufzubringenden Mittel berät und beschließt. Der Antrag des Vorstandes, ihn zu beauftragen für den Verein die Rechte einer juristischen Person nachzusuchen, fand ebenfalls Annahme.

Gießen, 20. Jan. Wohl selten hat ein Vortrag im kaufmännischen Verein soviel Aner⸗ kennung gefunden und soviel Interesse erregt wie der im vergangenen Jahre von Jens Lützen (Dozent an der Humboldt Akademie⸗Berlin) ge⸗ haltene populär⸗-wissenschaftliche Projektionsvor⸗ trag:Ein Tag auf dem Monde. Dies veranlaßte die Vorstände des Gewerbevereins und des kaufmännischen Vereins den Vertreter volks tümlich⸗natur wissenschaftlicher Vortragskunst auch für dieses Jahr als Redner zu gewinnen. Jens Lützen wird am 25. d. M. in Leibs⸗Saal einen VortragEinen Ausflug in den Welten raum halten und dabei dureh Vorführung großer überaus glänzender Lichtbilder nach Naturphotographien hergestellt, seine Ausführungen erläutern. Wir machen schon jetzt auf diesen interessanten Vortrag aufmerksam.

Gießen, 20. Januar. Die neue große Carneval⸗Gesellschaft hielt gestern Abend auf dem Lahnstein ein äußerst gelungenes carnevalistisches Konzert ab. Liebhabern eines guten Humors können wir nur den Besuch dieser Veranstaltungen empfehlen.

Gießen, 20. Januar. Der Bergmännische Verein Gießen hält am 25. d. Mts. in seinem Vereinslokal eine Sitzung ab, in welcher Dr. Elbs einen Vortrag über die X⸗Strahlen des Professor Röntgen halten wird.

D. Z. Butzbach, 19. Jan. Vor einigen Tagen ereignete sich in dem, in der Gemarkung Kirchgöns gelegenen Kalksteinbruch des W. J. Küchel hier ein Unfall. Zwei Arbeiter waren mit dem Sprengen eines Kalkfelseus be schäftigt; als der gelegte Schuß nach Ablauf einer halben Stunde nicht losging, wollte einer der Arbeiter den Versuch machen, den Schuß unter Zuhilfenahme von Wasser herauszubohren; unterdessen ging jedoch plötzlich der Schuß los und verletzte beide Arbeiter, und zwar den einen am rechten und den andern am linken Auge; außerdem wurden dem einen Arbeiter noch zwei Finger an der rechten Hand zerschmet

tert. h. Darmstadt, 19. Jau. An die Zweite Kammer der Stände des Großherzogtums

richtet sich folgendes Ansinnen des Großh. Ministeriums der Finanzen.

Von den im Bau begriffenen staatlichen Nebenbahnen werden voraussichtlich noch vor Ablauf der gegenwärtigen Finanzperiode vollendet werden:

J. in der Provinz Oberhessen

24 Kreuzplatz Nr. 4.

die Bahn von Grünberg 13 Kilometer Länge. II. in der Provinz Starkenburg die Bahn von Offenbach nach Reinheiu borerst noch ohne die Zweigbahn von Bieber nach Dietzenbach und ohne das Anschlußgleis von Station Offenbach nach dem Hafen in Offenbach, also zunächst 39 Kilometer Bahn. III. in der Provinz Rheinhessen

die Linie Bodenheim über Odernheim nach Heß⸗ lochDittelsheim u. s. w. Es wird beabsichkigt, diese neuen Bahnen, und zwar nicht nur die Oberhessischen, sondern auch diejenigen in den beiden anderen Provinzen der Großherzoglichen Direktion der Oberhessischen Eisenbah⸗ nen zu unterstellen, die demnächst als Direktion der Großherzogl. Staats- eisenbahnen bezeichnet werden soll. Infolge dessen muß für die Zentralverwaltung nur eine einzige neue Stelle vorgesehen werden, diejenige eines Assistenten des Maschineningenieurs. Der letzte, dessen Geschäftskreis durch die Eröffnung der neuen Nebenbahnen und die im Laufe des nächsten Jahres bevorstehende Vollendung der neuen Haupt⸗Werkstätte in Gießen eine wesent⸗ liche Erweiterung erfährt, bedarf einer Unter⸗ stützung, insbesondere auch bei der Projektierung, Beschaffung und Abnahme der noch weiter er⸗ forderlichen Lokomotiven, Wagen und maschinellen Anlagen, sowie eines Stellvertreters in Abwesen⸗ heitsfällen. Verlangt werden insgesamt 87 Be⸗ amte, die eine Ausgabe von 129962 Mk. er⸗ fordern pro Jahr. Die Zweite Kammer wird ersucht, die Anstellung der Beamten zu bewilligen.

dr. Offenbach, 19. Januar. Die Sträf⸗ linge des hiesigen Gefängnisses, welche bis zu 6 Wochen Strafe zu verbüßen hatten, wurden anläßlich der erlassenen Amnestie gestern ent lassen und verließen mit Hurra das Gefängnis.

ch. Offenbach, 18. Januar. Die hiesige Polizei übt eine sehr scharfe Lebensmittel⸗ kontrolle. So z. B. wurden im abgelaufenen Jahr nicht weniger als 2135 Milchproben erhoben und geprüft. Nach einer Vorprüfung wurden 28 noch chemisch untersucht, welche 12 Kon⸗ fiskationen und Strafanzeigen im Gefolge hatten. Butterproben wurden auf dem Markt, sowie in Läden 1472 entnommen, davon 7 chemisch unter⸗ sucht und gegen 4 Verkäufer wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz Strafbefehl er⸗ lassen. Der Wirkungskreis der Polizei erstreckte sich außerdem noch auf die Untersuchung von Wein, Bier, Branntwein, Wurst- und Fleisch⸗ waren, Brod, Chokolade, Konditor- und Zucker⸗ waren, Gewürze, Kaffee, Thee, Käse, Mehl, Honig, Cichorien, Essig, Oele, Mineral- und anderes Trinkwasser, Soda, Tapeten und Spiel⸗ sachen, sowie auf die Beaufsichtigung der Miet⸗ wohnungen und Schlafstätten. Der Gesundheits⸗ polizei liegt nach Vorstehendem in unserer Stadt ein reiches Arbeitsfeld ob.

i. Mainz, 19. Januar. Ein theuerer Schuß. Gegen einen hiesigen Jäger, der bei einer Treibjagd einen Treiber angeschossen hat, ist, da der Mann vollständig arbeitsunfähig bleibt, eine Entschädigungsklage auf 10,000 Mk. anhängig gemacht. In der Sache sollen aus⸗

nach Londorf mit

Dünenzauber. Eine Strandgeschichte von Ormänos Sandor. (Schluß.) f

Baron Kronau war roh genug, ihr seine Wut über die mißlungene Spekulation in rücksichtslosester Weise fühlbar zu machen und sie die in den Tagen der Trauer und der tiefsten Demütigung um Jahre gereift war warf ihm in unsäglicher Verachtung den Ring vor die Füße und verließ ihn. Bei einer Schwester ihres Vaters, der verwittweten Senatorin Ell in Hamburg, fand sie herzliche Auf nahme. Der Baron nahm bald darauf seinen Abschied und trieb sich als das herum, was er bis an sein Eude geblieben ist ein Abenteurer mit dunkler Existenz...

Frau Dorette batte die Ehescheidung beantragt; ich führte damals ihre Sache, aber wir konnten trotz aller Austrengung in dem langwierigen Prozeß nichts als eine siebenjährige räumliche Trennung erreichen.

Nach fünf Jahren starb die Senatorin; in ihrem Testament hatte sie ihrer Nichte zwei Drittel ihres Vermögens, ungefähr eine halbe Million Mark vermacht.

r Kuckuck mag wissen, wie der Kerl Wind von der Geschichte bekommen; genug, kaum hat sie die Erbschaft angetreten, erscheint der saubere Ge mahl wieder auf der Bildfläche und macht aller hand Ansprüche geltend. In der Illusion, ihn da⸗ mit los zu werden, warf sie ihm eine unvernünftig hohe Summe hin; wie ein erfahrener Menschen⸗

kenner im Voraus berechnen konnte, war aber diese Freigiebigkeit lediglich das Signal zu weiteren un verschämten Anforderungen des Schurken.

Seit jener Zeit war sie immer auf der Flucht vor ihm und überall wußte er sie zu finden. Summen nach Summen erpreßte er von ihr, sie gab ihm alles, nur um sich ihn vom Halse zu schaffen. Ihr Leben war eine ununterbrochene Kette von Angst und Aufregung. Die Aermste! Gottlob, daß sie jetzt endlich von ihrem Peiniger erlöst ist.

Ihr Vermögen schmolz unter dem Sturmlauf des biederen Gatten allmählich zusammen. Den Rest hat sie kürzlich bei einem Berliner Bankkrach ver loren. Vor acht Tagen traf ich sie hier auf Sylt, es ist ihre letzte Erholungsreise, sie will barmherzige Schwester werden.

Gestern Morgen kam er an. Er soll wieder wahnsinnig hazardirt haben wahrscheinlich wollte er sich hier bei seiner geschiedenen Frau wieder Deckung holen, erfuhr von ihrem Verluste und der endgültigen Verstopfung der ergiebigen und bequemen Geldquelle und griff daraufhin zu dem letzten Mittel aller Schufte und Feiglinge, dem Revolver.

Da haben Sie Dorette von Uelzens und zu gleich Rudolf Kronaus Geschichte.

Georg Rosen konnte nicht gleich antworten. Zu mächtig hatte ihn die Erzählung ergriffen. Alles begriff er jetzt, ihr Geheimnis, ihre Flucht vor ihm, das gestrige Rendezvous, und noch eins wurde ihm

klar daß der böse Zauber ihres Lebens jetzt für immer gelöst sei...

Seine Stimme klang merkwürdig warm und bewegt, als er dem Rechtsanwalt für diese Mit teilungen dankte

Dann stand er auf; es litt ihn nicht länger auf dem Fleck.

Draußen vor der Halle entwickelte sich wieder

das laute, lustige, bunte vom Sonnenlicht über flutete Strandleben, vielfarbig flirrte, schillerte,

glühte, funkelte das Meer. Ueberall wie schön ist die Welt!..

Sonne. O,

Blutrot ging die Sonne zur Rüste. Wie eine Rosenampel, gefüllt mit brennendem Golde hing sie am Horizonte. Weithin strahlte ihr märchenhaftes Licht. Es küßte die Wogen, daß sie schämig er glühten, es verhüllte die Dünen in zarte, herrliche Farbenschleier.

Es war wie ein Märchen, das die Natur er zählte und verkörperte. Wie ein holder Zauber lag es um und über die eigenartige, herbe und doch so reizvolle Landschaft ausgebreitet.

Dünenzauber!

Darum wunderte sich Georg nicht einmal, als er plötzlich, wie am vergangenen Abend kaum zwanzig Schritte entfernt diejenige erblickte, der sein ganzes Denken und Fühlen gehörte.

Er ging ihr entgegen, erfaßte ihre Hand, die sie ihm willig überließ, und führte sie weiter hinein

in die Dünen bis an das Meer. Da blieben sie

stehen und sahen unverwandt in die Pracht des immer dunkler erglühenden Abendlichts, das den Horizont wie ein schimmernder Vorhang umwallte. Dorette sah noch erust aus, aber ihre Augen hatten einen anderen Ausdruck bekommen, der Wiederschein der Abendsonne durchglühte sie mit neuer Hoffnung; ihr Gang schien leichter, ihre Gestalt höher als sei eine Bürde von ihr abgefallen.

Ich weiß alles, Dorette! sagte Georg bewegt. Ich kenne Ihre ganze traurige Geschichte, Ihre herben, bitteren Erlebnisse. Aber ich weiß auch, daß nun das Schicksal den bösen Zauber gebrochen hat, den Menschen nicht zu lösen vermochten; daß Sie entzaubert und erlöst sind. Dorette! Wenn ich nun dieselbe Frage an Dich richte wie damals, wirst Du wieder fliehen?

Ein Windzug tänzelte über das Meer. Es klang wie ein melodisches Glockenspiel herauf. Drüben loderten die Sonnenflammen ewigen Lichts, da teilte sich der Vorhang des Abendrots und streute tausend dunkle Rosen über den schneeigen Sand, in das braune, dürftige Düneugras...

Antworte, Dorette! Zu ich warten!

Da lächelte sie und gab ihm beide Hände, und der Händedruck sagte mehr als Worte, er be⸗ siegelte ein Herzensbündnis bis an die Scheide⸗ grenze des Lebens.

lauge mußte