Ausgabe 
20.9.1896
 
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seien wertlos gewesen und habe ihm sein Brot⸗ herr den Auftrag gegeben, dieselben gelegentlich 8 verschenken. er Gerichtshof beschloß die

ertagung der Sache und Ladung des Zeugen Weiß zum neuen Termin. a 4

Gießen, 19. Sept. Man schreibt uns mit der Bitte um Veröffentlichung: Vorträge bei den Ortsgewerbevereinen im Groß⸗ herzogtum Hessen. DasGewerbeblatt,

eitschrift für den Landesgewerbeverein, schreibt betreffs der Vorträge in den Ortsgewerbevereinen

in Hessen: Im letzten Winterhalbjahr 1895/96 hatte sich die

Veraustaltung von Vorträgen technischen und wirt⸗ schaf lichen Inhalts bei den Ortsgewerbevereinen, wie in den Vorjahren, einer großen Beliebtheit zu erfreuen. Nach den uns zugekommenen Mitteilungen, welche auf Vollständigkeit einen Anspruch nicht machen können, sind bei 47 Ortsgewerbevereinen insgesamt 122 Vor⸗ träge gehalten worden. In 27 Fällen hatten Mit⸗ glieder der betreffenden Vereine sich in dankenswertester Weise bereit gefunden, das Gewerbewesen berührende Angelegenheiten zur öffentlichen Besprechung zu bringen. Aber auch die mit Unterstützung der Großh. Zentralstelle durch Uebernahme der Kosten veranstalteten 91 Vorträge haben zur Belebung des Vereinsinteresses wesentlich beigetragen. Von den letzteren Vorträgen waren 13 Vorträge von den Beamten der chemischen Prüfungs⸗ und Auskunfts⸗Station für die Gewerbe und 78 Vor⸗ träge von sonstigen Beamten, dem Lehrerstande ange⸗ hörenden und im Gewerbeleben steyenden Persönlichkeiten nach den schon seit Jahren eingehaltenen Grundsätzen übernommen worden. Zu weiteren 4 Vorträgen über besonders ausgewählte Thematas waren von den Orts⸗ gewerbevereinen geeignete Personen von auswärts gewonnen worden.

Von der Abhaltung der hier vornerwähnten Vorträge haben wir in unserer Provinzialhaupt⸗ stadt Gießen im vorigen Winterhalbjahr nichts gehört. Glaubt man, unsere Handwerker be⸗ dürfen nicht derartiger sie belehrender und unter⸗ weisender Vorträge oder ist die Leitung unseres Gießener Ortsgewerbevereins der Meinung, daß sie vollauf genug gethan, wenn sie den Mit⸗ gliedern des Vereins die Vorträge des Kauf⸗ männischen Vereins zugänglich macht. Es wurde in dieser Zeitung schon einmal angeregt, daß der Hauptlehrer der hiesigen Handwerker⸗ schule, gleich wie es sein Vorgänger gethan, Vorträge halten möge über Fragen, die das Handwerk angehen, aus denen der Handwerker Belehrung und Anregung bekommt für seine gewerbliche Thätigkeit. Daß unsere Ansicht auch von kompetenter Seite geteilt wird, geht aus nachstehenden Zeilen, die wir ebenfalls dem Gewerbeblatt entnehmen, hervor:

Die Abhaltung solcher Vorträge hat sich als ein sehr geeignetes Mittel erwiesen, das Interesse der Mit⸗ glieder an den Bestrebungen der Ortsgewerbevereine zu erhalten bezw. zu wecken. Die Großh. Zentralstelle läßt es sich deshalb auch angelegen sein, derartige Veraustaltungen nach Möglichkeit zu unterstützen. Hierbei kann aber die Mitwirkung der Vorstände der Orts⸗ gewerbevereine sowohl als auch diejenige der einzelnen Mitglieder nicht entbehrt werden. Oftmals bedarf es nur einer geeigneten Anregung seitens des Vorstandes,

um eines der Mitglieder zur Uebernahme eines Vor⸗

trages oder einer Mitteilung über einen einzelnen Gegenstand im Verein zu bewegen. Die etwa hierzu erforderlichen besonderen Studien werden durch leihweise Abgabe von Büchern, Zeitschriften u. s. w. aus der Bibliothek des Landesgewerbevereins soweit thunlich gefördert. Sofern bei den Mitgliedern eines Orts⸗ gewerbevereins ein besonderes Interesse für einen be⸗ stimmten Gegenstand besteht, aber eine Persönlichkeit zur Uebernahme des Vortrages nicht ausfindig gemacht werden kann, so genügt es, eine entsprechende Mit⸗ teilung an die Großherzogl. Zentralstelle gelangen zu lassen, damit diese die geäußerten Wünsche bei der Wahl der Vortragsgegenstände zu berücksichtigen in der Lage ist.

Wir entnehmen dem Vorstehenden, daß es nur an dem Vorstand unseres Ortsgewerbevereins liegt, wenn wir derartige Vorträge bisher ent⸗ behrt haben, und sprechen hiermit den Wunsch aus, daß im Interesse des Handwerks für das kommende Winterhalbjahr der Großherzoglichen

Zentralstelle die Anregung gegeben wird, den Ortsgewerbeverein Gießen nach dieser Richtung hin zu unterstüsten, denn dieselbe! verfügt wieder wie im Vorjahr über eine größere Anzahl ge⸗

eigneter Persönlichkeiten, welche belehrende Vor⸗ träge technischer und wirtschaftlicher Art zu übernehmen bereit sind. Die von den Rednern bezeichneten Vortragsgegenstände werden noch den Vorständen der Ortsgewerbevereine bekannt gegeben, sodaß diese in die Lage kommen, geeignet erscheinende Vorträge auszuwählen, durch deren Veranstaltung dem Verein Kosten nicht einmal erwachsen. Bequemer und billiger kann es die Zentralstelle wahrhaftig Niemand machen. Es ist das nicht nur anzuerkennen, sondern man mache auch bei uns Gebrauch davon, für den Fall, daß man innerhalb des hiesigen Vereins keine geeigneten rednerischen Talente Weed

* Gießen, 19. Sept. Vor kurzem wurde in der Marktstraße ein junges Kätzchen durch ein vorüberrollendes Fuhrwerk überfahren und dabei demselben eine Pfote arg zerquetscht. Eine barm⸗ herzige Samariterin nahm sich des Tierchens an, nahm dasselbe in ihr Haus und pflegte das wunde Kätzchen, bis es eines Tages wieder laufen konnte und sein Asyl verließ. Noch Patientin, wurde das Tier in einem der Nach⸗ barhäuser von jungen Burschen, die abends sich ins Bett legen wollten, vier Treppen hoch im Zimmer angetroffen und in der rohesten Weise von dort aus in den mit Steinfließen belegten Hausflur geworfen, wo das Tierchen die Nacht über liegen blieb. Am nächsten Morgen fand der Hausbesitzer die Katze todeswund im Hause an, öffnete den Hausflur und stieß mit dem Fuße ausholend das jammernde Tier mit ge⸗ waltigem Stoß auf eine Hintergasse hinaus, wo die Hunde dieselbe buchstäblich in Stücke zer⸗ rissen. Unser Gewährsmann für diese beispiellos rohe Handlungsweise hat voller Entrüstung der Polizei Anzeige von dem Vorfall erstattet.

* Gießen, 18. Sept.(Hin eingefallen.) Vor längerer Zeit brachten dieNeuen Hess. Volksblätter die Mitteilung aus Zwingen⸗ berg an der Bergstraße, daß in einer Nachbar⸗ gemeinde am 13. Juli ein Waldbrand aus⸗ gebrochen sei und der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr, als er hiervon Meldung erhielt, geäußert habe, er wolle erst seinen Kaffee trinken. Angefügt war noch die kritische Be⸗ merkung:Ein eifriger Kommandant. Durch

willigen Feuerwehr von Alsbach sich belei⸗

die Notiz fühlte der Kommandant der frei- F

nitz, Solingen, Trier, Ulm, Worms und der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft.

* Schotten, 18. Sept. Die zweite Haupt⸗ versammlung des LehrerheimsVogels⸗ berg wird am 3. Oktober in den Räumen desLehrerheims abgehalten. Auf der Tages⸗ ordnung stehen: Rechenschaftsbericht über den jetzigen Vereinsstand, Beratung über die Auf⸗ bringung weiterer Mittel zur vollständigen Ein⸗ richtung desLehrerheims, Beratung über die Art und Weise der Rückzahlung der Anteil⸗ scheine, sowie Neuwahl und Erweiterung des Vorstandes.

*Rudingshain bei Schotten, 18. Septbr. Vor wenigen Tagen schwebte der den Vogels⸗ berg⸗Touristen bestens bekannte hiesige Gastwirt Georg Deubel in großer Lebensgefahr. Er wollte von Götzen, einem von hier nur eine halbe Stunde entfernt liegenden, aber durch ein ziemlich tiefes Thal getrennten Orte, wo er sich auf einer Geschäftstour befand, abends, als es bereits sehr dunkel geworden war und ein Gewitter unsere Gegend bedrohte, mit seinem Fuhrwerk nach Hause zurückkehren. Da die Fahrt unter solchen Umständen nicht ungefährlich erschien, so begleitete ihn der dortige Polizeidiener noch ein Stück Wegs. Nachdem sich derselbe wieder von ihm getrennt hatte, wurde das Pferd infolge eines grellen Blitzes scheu, ging durch, wobei der Wagen umfiel; das Pferd raste in sausendem

Galopp den steil abschüssigen Berg hinunter.

Deubel war glücklicherweise sofort beim Umfallen des Wagens aus demselben herausgeschleudert worden und ist dadurch unbeschädigt mit dem bloßen Schrecken davongekommen. Das Pferd aber fand man später unten im Thale, wo es von einer Brücke herabgestürzt war und das Genick gebrochen hatte. Doch auch dieser Verlust wird nicht so stark empfunden, indem das Pferd versichert war und der Eigentümer infolgedessen 450/ zu beanspruchen hat. Für die bis jetzt der betreffenden Versicherung noch fernstehenden Pferdebesitzer dürfte dieser Vorfall wiederum eine Mahnung bedeuten. * Nidda, 16. September. Wie im Leben in viel Freud und Leid treu vereint, ist auch im Tode sich treu geblieben ein betagtes Ehe⸗ paar hier. Der Kappenmacher Kemm, 86 Jahre alt, starb vorigen Donnerstag, seine Ehe⸗ frau, eine hohe Siebzigerin, bekam gleichzeitig einen Schlaganfall und starb gestern; beide kommen nebeneinander zu liegen. Ihre größte reude waren vier blühende Kinder, ihr größtes Leid der Verlust dieser Kinder im aft sten

digt und stellte Strafantrag. Vor dem Schöffengericht bestritt heute der Redakteur der Hessischen Volksblätter, Herr Ramspeck, die Absicht der Beleidigung und trat den Wahrheits⸗ beweis an, der vollständig gelang. Das Gericht erkannte auf kostenlose Freisprechung des Angeklagten unter der ausdrücklichen Begründung, daß sich der Kommandant in seinem Amte nicht eifrig gezeigt habe. Die Kosten hat der Privat⸗ kläger zu tragen.

* Gießen, 19. Sept. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Mainzer Handelskammer, Geh. Kommerzienrats St. C. Michel, wird in Mainz im Konzerthaus vom 21. September ab die von dem Präsidium des deutschen Han⸗ ae ee eingesetzte 2. Unterkom mission zur Vorberathung eines neuen Handelsge setzbuches tagen. Die Sitzungen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Ab⸗ schnitte, die genannter Kommission überwiesen wurden, sind der erste, zweite und fünfte Teil des zweiten Buches 88 94164 und§8 306 bis 314 überOffene Handelsgesellschaften, Kom⸗ manditgesellschaften und Stille Gesellschaft. Die Kommission besteht aus Vertretern der Han⸗ delskammern von Aachen, Bielefeld, Bonn, Crefeld, Elberfeld, Essen, Flensburg, Göttingen, Hagen Harburg, Hildesheim, Kiel, Lennep, Lüdenscheid, Mainz, Mühlhausen, Posen, Schweid⸗

Alter an der Schwindsucht. Allgemeine Teil⸗ nahme im Leben wie im Tode seitens unsrer Stadt folgt dem nun wieder vereinten Ehe⸗ paare.(D. Z.) Nidda, 18. Sept. Die Zuchtviehsch au der Zuchtviehgenossenschaft des Kreises Büdingen, einträchtigt.

war aufgetrieben.

fernung, gegeben. * Darmstadt, 18. Sept.

denaturierten Spiritus auf.

teresse der Industrie

sicht auf Erfolg.

halten werde und daß der Mainzer Verein hie

eine namhafte Summe als Garantiefonds j nen solle. In der Versammlung wurde weite mitgeteilt, daß die letzte Geflügelausstellung i Mainz eine Einnahme von ½ 31.281,05 un eine Ausgabe von 1 31 259,81 gehabt mithin ein Ueberschuß von 1 21,24 verblieben sei. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Landwirt Jak. Jochs von G

Bischofsheim wegen fahrlässiger Tötun zu 3 Monaten Gefängnis. Jochs hatte s.

den Tod des Taglöhners Seibert dadurch 9. ursacht, daß er bei einem Militärtransport mit der Peitsche auf ein Militärpferd einhieb; dieses sprang zur Seite und drückte den Taglöhner Seibert derart gegen einen Baum, daß Seibert nach einer Viertelstunde verstarb. 1

Vermischtes.

Ein lustiger Schüleraufsatz macht in Köl⸗ ner Leserkreisen die Runde. Das Thema lautete:In der Schule. Hier ist die Ausführung:Das Schulzim⸗

mer besteht aus der Wandtafel, den Bänken, den Tinten⸗ fässern, dem Stock und dem Lehrer. Die meisten Sachen in unserer Schule sind sehr alt, nur der Stock ist neu. Wer noch später wie der Lehrer in die Schule kommt, ist der größte Faullenzer und wird durch diesen bestraft. Auf der Wandkarte sind Flüsse und Städte gemalt, damit wir sie auswendig lernen müssen. Der Lehrer hat mit dem Stock ein Loch ins gelobte Land gestoßen. Mit dem Globus macht er die Sonnenfinsternis. In der

Gesangstunde streicht der Lehrer den Bogen; auch schlügt er uns so lange den Takt, bis es klappt. Wir fingen

do bis la; einige können noch höher; der Lehrer kann es 30 n

am tiefsten, aber der kommt nicht in die Höhe. In der Pahlen zun Schule hängt auch ein Thermometer; mit diesem macht. 0 ung der! man es im Sommer heiß, bis frei ist; der Lehrer sieht Af 5 1 so lange darauf, bis es 20 Grad sind. In der Frei⸗ bechigten viertelstunde essen wir eine halbe Stunde lang unser An fohgerdel dre Butterbrot. Der Schulinspektor lobt uns immer, aber 0 nd 23. 2 der Lehrer ist froh, wenn er wieder fort ist. In der 1 8 vo Turnstunde springen wir über den Bock; der Lehrer springt vorm eg zuerst, daß er kracht, dann springen wir auch und stärken und ua die Ul unsere Glieder. Der Lehrer macht uns zu ordentlichen Uhr, feen Wahl Menschen; denn Fleiß bricht Eis. Wer Aepfel stiehlt, Gez zur kommt einen herunter; wer sie aber dem Lehrer stiehlt, berechlglen. Sun kommt zwei herunter. Wenn der Lehrer die Orgel spielt, en daf web treten wir ihm den Balg und singen zweistmmig dazu; ehe zu Wohlni wenn man ihm den Balg zu arg tritt, e die Orgel. den dütgermeste Jetzt ist der Lehrer krank und hält keine Schule; wir i 15 wissen nicht, ob er wieder gut wird, aber wir hoffen n. Nur an der

das beste. Standesamtliche Nachrichten.

Geburten. Am 8. Sept. Dem Schuhmachermelster Heinrich Fuchs ein Sohn. 10. Dem Architekten Heinrich Kockerbeck eine Tochter, Irene Elisabeth. 13. Dem Maschinisten Georg Biedenkapp ein Sohn. Dem Quartiermeister Jo⸗ hann Georg Schön eine Tochter, Elisabeth Luise Katha⸗ rina. 14. Dem Straßenkehrer Philipp Werner dne Tochter, Margarethe. Dem Fuhrknecht Heinrich Lemp

dalale Eiuwendung uud Volsdärdigtel Medulg des Ve dungen vorhebrat Nachweisungen il Einzelne außerhal cer des Steuerbe in den Lien unb ssad, geliefert wen

Nun? fragte er kurz und gebieterisch.

Jameson zuckte leicht zusammen, und ein tückischer Blick traf den Lord von unten herauf. Dieser Ton des Herrn zum Untergebenen verletzte ihn. Er strebte selbst nach der höchsten Würde, denn er wollte Transvaal für sich erobern. Noch war es nicht so weit, und nur mit Rhodes Geld war das Ziel seines Ehrgeizes zu erreichen. Da hieß es, sich ducken und Ergebenheit heucheln.

Man holt Versäumtes nach, Mylord, ent⸗ gegnete er mit eisiger Ruhe.

Das heißt, Sie wollen den Gefangenen nach Traneraal zurückbringen und dann? Ich ver⸗ stehe. Der Plan ist gut.

Nein, Mylord, der Plan ist nicht gut. Bei Lage der Sache muß ich hier bleiben, und ge⸗ dungenen Mördern kann man auf so weite Ent⸗ fernungen zumal mit einem Manne nicht trauen, der selbst über bedeutende Mittel verfügt und einer der verwegensten Menschen ist, die ich jemals kennen gelernt habe. Wir wissen nicht, wenn der Sturm losbricht. Ein verfrühter Aufstandsversuch drüben, und wir müssen marschieren.

Nun also! rief Rhodes ungeduldig.Was soll also mit dem Grafen geschehen?

Können Sie Bianca ganz vertrauen?

Sie ist meine Kreatur und muß meinen Be⸗ fehlen gehorchen.

Gut. Sie muß sich in Gemäßheit ihrer Rolle mit dem Grafen an irgend einem verschwiegenen Ort ein Rendezvous geben. Da überrascht sie unser Mann und stößt den Grafen nieder. Ein Mord aus Eifersucht, heißt es dann. Das kommt alle Tage vor.

So, und der Mörder tritt an die Stelle des Grafen. Wir sehen uns auf's Neue mit Ent⸗ hüllungen bedroht, die uns noch verderblicher werden

Ich werde ihn fürstlich belohnen. Selbstverständlich sollen Sie das. Wie aber, wenn er später zum Bewußtsein seiner Macht kommt? Er köunte alles fordern, und wir müßten ihm alles gewähren.

Niemals. Er wird mit in den Krieg ziehen und im Kampfe fallen. Das überlassen Sie mir!

Eine unheimliche Stille trat ein. Der Lord begriff. Er reichte seinem Verbündeten stumm, aber mit einem verständnisinnigen Blick die Hand.

Kehren wir zur Gesellschaft zurück, sagte er dann.Jedes Aufsehen muß vermieden werden. Bianca ging mit dem Grafeu nach dem Garten. Ich hole sie herein und führe sie zum Tanz. Sie ist klug und mir sklavisch ergeben. Es bedarf nur einiger Worte, und morgen früh ist alles vorbei. Kommen Sie!

Kaum hatten beide Männer dem Zimmer den Rücken gewandt, da erhob sich unterhalb des offenen Fensters, das auf die Veranda des Hauses hinaus- ging, eine dunkle Gestalt, welche dort niedergekauert war. Dann glitt sie lautlos über die Stufen hinab in den Garten und verschwand im Dunkel der Nacht.

16. Kapitel. Minen und Gegenminen.

Bianca hatte sich mit Kurt nach dem Garten begeben, wo sie ungenierter als hier ihre Gedanken austauschen konnten.

Unter den leiserauschenden Palmen und duften den Oleanderbäumen wandelten sie eine Weile schweigend dahin. Sorglich hatte ihr Kurt den leichten Sbawl von farbiger Seide um die ent blößten vollen Schultern gelegt. Das verführerisch schöne Weib schmiegte sich fast, wie Hilfe suchend, an ihn an. Ein wilder Freiheitsdrang hatte sie erfaßt, und hier war der Mann, der allein sie

können.

ihrem Elend entreißen und unter anderem Namen

einer glücklichen Zukunft entgegenführen konnte. Er war schön, reich und von adeliger Gesinnung, eine Eigenschaft, die sie bisher noch bei keinem anderen Manne gefunden hatte. l Welch eine erquickende Luft, sagte Bianca mit dem süßen Wohllaut ihres heimatlichen Idioms. Sie baben recht, Graf, es giebt nichts so Köstliches wie die Freiheit, ich meine die Freiheit der Unge⸗ bundenheit. Jede Form ist ein Zwang und Zwang eine Last. Ich möchte jetzt gleich hier zu Pferde steigen und hinausstürmen in die endlose Weite, ohne Plan und Ziel, nur meinem Freiheitsdrange folgend. O fürwahr, das müßte herrlich sein! Nichts hindert Sie, das zu thun, Signora, sagte Kurt mit leichtem Bedauern.Ein Wink von Ihrer schönen Hand, und geschäftige Diener führen Ihnen das Pferd zu. Der Weg steht Ihnen offen, denn Sie sind frei. Ich bin es nicht, gebunden durch ein Wort, das ich nicht brechen darf. Aber was brauche ich Ihnen mehr zu sagen. Sie gaben mir ja zu erkennen, daß Sie alles wußten. Bianca warf einen flüchtigen Blick umher. Sie waren allein. Allerdings habe ich Kenntnis von Ihrer trau⸗ rigen Lage, Graf Hallern, sagte sie teilnehmend, und ich kann es Ihnen nachempfinden, was Sie leiden. Ich begreife nur nicht, was einen Mann von Ihrem Freiheitsdrange und kühnen Wagemut bestimmen konnte, ein so verhängnisvolles Ver⸗ sprechen zu geben. Verdanke ich diesem Umstande auch das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft, so bin ich doch selbstlos genug, zu wünschen, daß ich Ihnen unter weniger traurigen Umständen begegnet wäre. Es waren ihrer mehr als zwanzig, und ich war unbewaffnet, entgegnete Kurt dumpf.Freilich, ich hätte mich meiner Würde mehr bewußt bleiben und lieber sterben sollen, als mich gefangen geben.

Im Kriege wäre das auch geschehen. Hier durfte

A Vormittags u ahags; Sonnlag

Ed. Rotte

e 50 ine Tochter, Wilhelmine Katharine. 15. Dem 0

die hier für den Bezirk Nidda abgehalten wurde,] Schneider Heinrich Klee eine To lte an 10 war leider durch heftiges Regenwetter sehr be⸗ Sala A Kolb an S den ee Die Wahl q Sehr schönes Vieh(Simmenthaler Aufgebote. Der Ober und Simmenthaler Kreuzung), gegen 30 Stück, Am 12. September. Theodor Bender, Ingenieur zu G5 ö Es wurden 13 Diplome Gießen, mit Helene Mathilde Bender zu Kirchen. 14. Die Urku verteilt und Wegvergütungen von je 2,50 4 Karl Mohr, Weißbinder zu Hausen, mit Elisabethe gelle und 1,50, je nach näherer oder weiterer Ent-] Gilbert zu Sichertshausen. 15. Hermann Falk, Bäcker 1 ü zu Gießen, mit Katharine Ludwig zu Niedershausen. Ftädt 8 Auf Antrag der 92 0 e 1 0 dahier, mit Luise 9 5

995 7 5 einer hierselbst. 7 il epper, Schuhmacher Bürgermeisterei hob heute die Stadtverordneten dahier, mit Marie e 725 18. 0 25 ö 1

Versammlung das Oktroi auf Essig und Ludwig Christian Haubach, Schreiner dahier, mit Katha 11 1 Eine An⸗ rine Auguste Büttner hierselbst. 0 Ochse regung des Stadtverordneten Reinemer, im In⸗ Eheschließung en. Aut laden, teresse auch das Oktroi auf Am 12. September. Karl Wilhelm Hans Fablan, Ichw Steinkohlen abzuschaffen, hat mit Rücksicht] Gerichtsassessor zu Ziesar, mit Meta Karoline Wilhelmine a e auf den allzugroßen Einnahmeausfall keine Aus⸗ Johanna Mettenheimer hierselbst. Johann Kehrein, Kauf⸗ ee 9 1 0 8 8 e Friedberg. Ludwig Die drelbant ble 1. 5 5 5 enberger, Bahnbeamter zu Friedrichsfeld, mit Marie U 5 0 1 fe 118 einer 1 Anna Reichert von Mannheim. ee Paul, 1551 11 15 5 Bo igen Bereins für Ge⸗ Regierungsbaumeister zu Darmstadt, mit Lina Johanna a kunft 5 und Vogelzucht wurde mitgeteilt, Ackermann hierselbt. 16. Wilhelm Lemp, Schlossen Derussge der Klub der deutschen und österreichisch⸗un⸗ dahier, mit Katharine Köhler hierselbst. Auprüg garischen Geflügelzuchtvereine im Jahre 1897 Sterbesälle. ben seine Ausstellung in Frankfurt a. M. ab⸗ Am 13. Sept. Karl Wilhelm Friedrich, 5 Monate Nite fn Sprech un

0

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ö . ich meinem eigenen Triebe nicht gehorchen, denn ich bin der Träger einer Mission, die nicht unerfüllt bleiben darf und die ich erfüllen muß, denn niemand kann es außer mir.

Ich verstehe, nickte Bianca.Daran ist nun aber nicht zu denken, wenn Sie hier in der Ge⸗ fangenschaft verbleiben

Doch nicht für immer? warf Kurt erschreckt ein. 5 Wer kanu es wissen, entgegnete Biauca ge heimnisvoll.Ich kann mir denken, daß gerade die geheime Mission es ist, welche Ihre Gefangen⸗ schaft zu einer dauernden machen könnte.

Er schüttelte den Kopf.

Es kann niemand ein Interesse daran haben, mich an der Erfüllung dieser Mission zu hindern, als nur einer; und der gehört nicht zu Ihnen. Er lebt drüben im Boerenlande, wo ich ihn bisher ver⸗ geblich suchte, und doch darf ich nicht ruhen, bis ich ihn gefunden habe.

Die Creolin blieb stehen und nach einem zweiten hastigen Blick umher neigte sie ihr Gesicht dicht zu dem seinen. Ihr heißer Atem fächelte seine Wange.

Graf, eine Freundin spricht zu Ihnen, flüsterte sie.Ich nehme aufrichtigen Anteil an Ihrem Schicksal und möchte es gern zum Guten wenden. Fassen Sie Vertrauen, sagen Sie mir Alles! Ich kann Ihnen helfen und ich will es! Sie sind der Träger einer geheimen Mission an den Präsidenten Krüger. So viel steht fest. Was mich nur wun⸗ dert, ist, daß ein Mann von Ihrer Stellung sich zum Spion hergeben konnte, denn als solcher sind Sie erkannt und ergriffen worden. 1

Kurt sah die Sprecherin groß und kalt an.

(Fortsetzung folgt.)