Ausgabe 
20.5.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 20. Mai

1896.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

Redaktion: e Kreuzplatz Nr. 4.*

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Die Fabrikinspektion in Hessen. 1

Die Gewerbeaufsicht in Hessen wird durch drei Beamte vollzogen: die beiden Fabrik⸗ inspektoren Möser und Bäntsch und den Assistenten Weber. Erstgenannter Herr besorgt die Inspektion in Starkenburg, die Herren Bäntsch und Weber vollziehen die Aufsicht in Rheinhessen und Oberhessen.

Den Bericht der beiden letztgenannten Herren wollen wir uns des Näheren besehen. Die Ge⸗ samtzahl der im Jahre 1895 vorgenommenen visonen betrug 694. Darunter befanden sich 3 Nachtrevisionen und 18 Revisionen an Sonn und Festtagen. 338 Betriebe wurden einmal, 129 zweimal und 32 drei- und mehrmal revidiert. Die Herren Inspektoren geben sich der ange⸗ nehmen Hoffnung hin, daß sie im laufenden Jahr alle ihrer Aufsicht unterstellten Betriebe besich⸗ tigen können. Die Zahl derselben beträgt nach genauen Ermittelungen 682. Es wird in den Bericht ausdrücklich darauf hingewiesen, daß in

Hessen den Gewerbe⸗Aufsichtsbeamten die Dampf⸗ kesselrevisionen nicht übertragen sind.

In Oberhessen waren im Berichtsjahr vorhanden: 91 Betriebe mit 20 und mehr Ar⸗ beitern, 49 mit 1019 und 134 mit weniger als 10 Arbeitern.

Von dem Entgegenkommen der Herren Fabri⸗ kanten bei verlangten Abstellungen von Mißständen scheinen die Fabrikinspektoren nicht besonders ent⸗ zückt zu sein. Es heißt in ihrem Bericht: ., ist im Allgemeinen der Grundsatzz... befolgt worden, wichtigen und durchgreifenden Schutzmaßregeln in Gewerbebetrieben durch Ver⸗ mittelung der Großherzogl. Kreisämter... zur Durchführung zu bringen, da sonst immerhin die Gefahr besteht, daß derartigen Anforderungen nur sehr zögernd oder unvollständig Folge geleistet wird. 1 60

Der dienstliche Verkehr mit den Ortspolizei⸗ behörden wird als ein reger bezeichnet. Das Entgegenkommen der Behörden wird ausdrücklich anerkannt.

Die von den Gewerbe⸗Aufsichtsbeamten ein⸗ Kaen Sprechstunden sind mehr von den nternehmern als von den Arbeitern besucht worden. Es ist nicht etwa darauf zurückzuführen, daß die Arbeiter keine Beschwerden vorzubringen sätten. Die Arbeiter sind zu vorsichtig im erkehr mit den Aufsichtsbeamten. Sie fürchten

vielfach, sie könnten ihre Stellung verlieren, wenn

sie irgend eine Beschwerde vorbringen. Vielfach werden Zeitungen oder anonyme Zuschriften zur Anbringung von Beschwerden benutzt,die sich zum größten Teil als berechtigt er wiesen.

Persönliche Aussprache mit den Beschwerde führenden Arbeitern wird von den Aufsichtsbeamten als das wünschenswerteste bezeichnet. Sie er klären sich bereit, mit den Arbeitern unter Um⸗ ständen zusammenzukommen, die die Gefahr einer Denunziation des Arbeiters bei seinem Arbeit⸗ geber völlig ausschließen.

Von der früher geübten Methode, die Ar⸗ beiter in der Fabrik zuweilen direkt zu befragen, kommt der Unterzeichnete(Fabrikinspektor Bäntsch) mehr und mehr zurück, denn die Arbeiter beant⸗ worten in der Regel die an sie gerichteten Fragen nur zögernd, oft verschweigen sie Uebelstände in der Befürchtung, sich den Unwillen des Arbeitgebers zuzuziehen.

Man empfindet es beim Lesen des Berichts des Herrn Bäntsch, daß es den Beamten wirklich darum zu thun war, möglichst viel und möglichst Gutes zu leisten. Es ist deshalb zu bedauern, daß man den Herren, anstatt sie zu entlasten, eine neue Arbeit zugeteilt hat. Infolge einer ministeriellen Bestimmung müssen nämlich sämt⸗ liche Baugesuche von Gewerbetreibenden, inso weit ihre Betriebe der Fabrikinspektion unterstehen, durch die Gewerbeinspektion einer Vorprüfung unterzogen werden. Das hat gewiß seine Vor- teile, aber man hätte angesichts dieser Neubelastung der Beamten um so weniger Ursache im hes sischen Ministerium gehabt, sich der Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren, die ihre männlichen Kollegen doch wesentlich entlastet hätten, zu widersetzen.

(Ein zweiter Artikel folgt.)

Lokales und Provinzielles.

* Gießen 19. Mai. Dem Pfarrverwalter Philipp Marquardt zu Ehringshausen ist die evangel sche Pfarrstelle zu O ber-Gleen, Dekanat Alsfeld, übertragen worden.

* Gießen, 19. Mai. Erledigt ist: Eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrer- stel le an der Gemeindeschule zu Ober-Omen, Kreis Alsfeld, mit einem jährl. Gehalt von 900.

* Gießen, 18. Mai. Ein hessischer Katholikentag, der vierte, findet Ende Juni 1 Offenbach statt. Als Lokal ist das Schlos⸗ er'sche Anwesen in Aussicht genommen.

* Gießen, 19. Mai. Auf dem Burgfried des Gleibergs wehte gestern tagsüber die schwarz⸗weiß⸗rote Fahne. Die altersgraue Burg entbot damit ihren Gruß den Männern, die sich am Nachmittag im Rittersaal des Askanierbaues einfanden, um zu beraten, wie man schon dem Verfall Preisgegebenes erhalten, wie man schon halb Zerfallenes wieder aufrichten könne, um so der Nachwelt zu bewahren, was ohne die Obhut des Gleibergvereins vollständig vom Zahn der Zeit zerstört werden würde. War die Zahl der Mitglieder, welche zur Teilnahme an der Generalversammlung des Geselligkeitsvereins Gleiberg erschienen war, auch nur klein, so nahmen diese Wenigen doch mit um so größerem Interesse an den Beratungen teil. Den Vorsitz führte Freiherr von Gagern. Aus dem Rechenschaftsbericht, den der Vorsitzende erteilt, geht hervor, daß im Jahre 1895/96 8 Anteilscheine neu be⸗ geben wurden, daß der Verein 157 Mitglieder und außer⸗ dem 6 außerordentliche Mitglieder zählt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist die Neudielung des Luxemburger Raumes erfolgt. Nachdem dem Rechner Decharge erteilt, wird auch der Voranschlag pro 1896/97, welcher mit 1150, in Einnahme und Ausgabe abschließt, genehmigt. Der vor⸗ handene Kassenvorrat von 290, 24 ist dabei außer Ansatz geblieben. Aus der weiteren Debatte geht hervor, daß der Verein beabsichtigt, die Turmplatte asphaltieren zu lassen, um dadurch der Schädigung des senkrechten Mauerwerks des Burgfriedes durch Witterungseinflüsse vorzubeugen. Ferner ist dringend notwendig, die Um⸗ fassungsmauer an der Dorfstraße auszubessern. Nach Angabe des Dachdeckers sei auch eine gründliche Reparatur des Schieferdaches am südlichen Bau er forderlich, doch könnte diese letztere Arbeit nur auf mehrere Jahre verteilt zur Ausführung kommen, weil die Ausführung mit einem Male zu große Mittel erfordere. Freiherrn von Gagern machte Mitteilung, daß mehrere Gießener Gesangvereine zugesagt hätten, noch in diesem Jahre in Gießen zum Besten des Gleibergs ein Konzert zu geben. Ferner habe sich jenseits des Ozeans ein Ver.⸗Staaten⸗Gleibergs⸗Komitee gebildet, um Gelder zusammenzubringen zur Erhaltung der Burg Gleiberg. Es sei dieses Thun unserer amerikanischen Landsleute mit Freuden zu begrüßen. Landrat Stackmann⸗Wetzlar, der von der preuß. Behörde ernanute aufsichtsführende Beamte, dankte dem Vorsitzenden Freiherrn v. Gagern und dem Schriftführer Quästor Orbig für die gute Ordnung, die sie seither in den Angelegenheiten der Burg gehalten, und brachte als Mitglied des Gleibergsvereins beiden Herren ein dreifaches Hoch aus. Damit war der geschäftliche Teil der Versammlung erledigt, doch noch lange blieben die Herren in geselliger Unterhaltung beisammen.

Gießen, 19. Mai. Gestern wurde der Mann, welcher dringend verdächtig ist, das Feuer im Lotz' schen Hause am Tiefenweg ange⸗ legt zu haben, von Darmstadt nach hier ver bracht. Gleich nach Ausbruch des Brandes war allgemein bei den Beteiligten und deren Nach⸗ barschaft die Meinung vorhanden, daß ein da⸗ mals hier anwesender Soldat des 115. Regiments

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Deine Villa.

Eine Humoreske von Panl Bliß. (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Aber er ahnt es nicht, bewahre denn als das Weib den Laden verlassen, geschieht etwas Ungeheueres. Er schließt das Geschäft, schließt es am hellen, lichten Tage und klebt einen Zettel an die Thür, daß heut geschlossen bleibt. Dann stürzt er in sein Kämmerchen, steckt das Geld zu sich, alles, dann in eine Droschke, nach der Pots⸗ damer Bahn, ein Billet gelöst, den gerade bereit stehenden Zug bestiegen und dann geht's hinaus nach dem Vorort, nach seiner Villa. Und nun gehört sie ihm. Er hat sie erstanden, sogar noch um tausend Mark billiger, als der Preis von vorn⸗ herein ausbedungen war. Einen Augenblick hat er sich zwar über diese Großmut des Verkäufers ge⸗ wundert, ja, er stutzte sogar eine Sekunde ob die Sache wohl einen Haken haben könnte? Aber im nächsten Augenblick übermannte ihn schon wieder das Freudegefühl, er zahlte den Kaufpreis auf Heller und Pfennig und nun ist er der Besitzer. Jetzt atmet er wieder, er faßt sich an den Kopf; ist er's denn wirklich noch selber, er, Friedrich Wohlgemuth? Er blickt ringsum, sieht den Garten, die grünen Bäume, all' die bunten, hübschen Blumen und nun erst das Häuschen, wie sauber und schmuck! Er sieht es immer wieder an ach, am liebsten möchte er diese Mauern liebkosen 1 So froh, so selig, so glücklich ist er, der Eigentümer seiner neuen Villa! 5

Er ist ein ganz anderer Mensch geworden, seit⸗ dem er eine Villa hat. Natürlich bewohnt er sie. Sofort ist er nach dem kleinen Vorort übergesiedelt. Eine alte Verwandte führt ihm den Haushalt. Jeden Morgen fährt er nach Berlin, und abends kommt er zurück. Er ist glücklich. Wenn er früh ins Geschäft kommt und durch die kleine Gasse geht, dann tritt er fester auf, als früher. Sogar einen anderen Schritt hat er angenommen, energischer, selbstbewußter als ehedem jetzt ist er ja Villen⸗ besitzer! Und all' die kleinen Leute rings um seinen

Laden herum, er grüßt sie zwar noch, aber reser⸗ vierter als sonst. Spaß, eine Villa haben kann auch nicht Jedermann. Im Geschäft ist es ebenfalls anders geworden. Er hat einen jungen Mann engagiert, einen neunzehnjährigen, semmelblonden Jüngling mit schmachtenden Augen und kühner Habichtsnase, unter der sich eine empfindsame Sechse dreht. Dieser Adonis vertritt ihn, wenn er nicht da ist.

Jeden Morgen um 6 Uhr fährt der glückliche Mann nach Berlin, und abends um neun Uhr kommt er zurück. Eine angestrengte Thätigkeit, aber er hat ja eine Villa, hat frische Luft. Wie, frische Luft? Allerdings hat man keine Kanalisation hier, und manchmal sind die üblen Gerüche nicht abzu leugnen, aber das thut ja nichts. Und dann die Ruhe, o, die wunderbare Ruhe! So, so, also Ruhe? Nun, ja, zugegeben, daß die vorübersausenden Eisen⸗ bahnzüge manchmal die seligen Träume zerreißen, daß einem oft etwas gepfiffen wird, wenn man sich im Vorraum des Paradieses wähnt aber auch das ist ja nichts im Vergleich zu den tausend Annehmlichkeiten, die solch' eine Villa bietet allerdings abgesehen von den Mücken, die den Aufenthalt im Freien oft unmöglich machen, und von den Raupen, die jede schwache Natur er schrecken, wenn sie leise kitzelnd angekrochen kommen das sind ja nur Lappalien, an die man sich gewöhnt.

Gewiß! Man gewöhnt sich an all' diese kleinen Plackereien oder vielmehr, man muß sich daran gewöhnen, man hat ja draußen seine Villa. Und wie schön klingt es doch, wenn man in Gesellschaft von guten Kunden und Bekannten ist und dann von seiner Villa sprechen kann. Natürlich werden nur all' die Vorzüge gerühmt selbstverständlich! Wer wird denn auch sagen, daß es alle Augenblicke durchregnet, daß die Außenwände stocken ja, ja, und daß die Raupen in jedem Jahr fast alle Blätter von den Bäumen fressen? Wer wird denn verraten, daß man bei Regenwetter nur mit hohen Stulpenstiefeln von einem Hause zum anderen ge⸗

langen kann und dergleichen mehr? Thorheit!

Mögen doch Andere auch noch hereinfallen. Und Herr Kaufmann Friedrich Wohlgemuth lacht in sich hinein und wundert sich über sich selbst. Ja er ist schadenfroh geworden hier draußen aber er hat ja seine Villa.

Zwei Jahre hat er sie jetzt. Zwei Jahre hat, er gehofft, sich an all' die kleinen Unannehmlich keiten zu gewöhnen. Er ist ja sein Lebelang be scheiden gewesen, warum also sollte es ihm schwer werden, diese kleinen Störungen mit in den Kauf zu nehmen? Und wenn ihn manchmal der Groll mit Gewalt packte, wenn der Aerger ihm die Ver dauung störte er wies ihn immer wieder zurück, er würde sich dennoch an all' das Ungemach ge wöhnen.

Aber er hat sich nicht daran gewöhnt. Denn als zum dritten Mal der Herbst herankam mit seinen kalten Regentagen und seinen anhaltenden Stürmen, als er erkältet und total verschnupft Tag für Tagz durch die bodenlos scheinenden Wege des Vororts hindurch zur Bahn sich winden mußte, als er des Abends bei der jämmerlichen Beleuchtung keinen Schritt weit vor sich sehen konnte und über und über mit Koth bespritzt endlich seine Villa er⸗ reichte da wars auch um seine Geduld geschehen. Das mußte anders werden! Er sann auf Abhülfe. Und er fand sie! Fand sie in dem nahe bei seinem Lädchen belegenen Restaurant, in dem er seit einiger Zeit zu Mittag und Abend, fand sie bei der lustigen, schelmischen Unterhaltung der jungen Witwe, der Inhaberin des Lokals! Himmel! Welch' ein Unterschied! Hier war es gemütlich, so anhei melnd, so nett, ha! und da sollte er Abends in die unwirtliche Gegend hinaus? Nicht um die Welt! Verflogen der Wonnerausch seines, einst so heiß ersehnten Wunsches, vergessen die hoffuungs reiche Zukunft, die er auf seinem Tusculum sich erblühen sah dahin, alles, alles dahin vor diesen zwei schwarzen Augen, diesem prächtig schwarzge lockten Frauenkopf, diesen frischroten Lippen, um die ein entzückendes Lächeln spielte. Und nun waren die Tage zu zählen, die ihn noch draußen in seiner Villa sahen. Die Haushälterin konnte schalten und

der Brandstifter sei. Man äußerte schon in der Brandnacht ganz unverhohlen den Verdacht, daß Keil, so der Name des Soldaten, das Feuer an⸗ gelegt habe. Es muß aber wohl damals an Beweisen gefehlt haben, da man doch sicher den Menschen sonst gleich e e hätte. hat schon mehrfach wegen Brandstiftung in Unter⸗

suchungshaft gesessen. Zuletzt war er beschuldigt, ö

die beiden Brände angelegt zu haben, die in der Nacht während des Feuerwehrfestes in der Großen Mühlgasse und in der Bleichstraße wüteten. Der

in Haft genommene, damals dringend Verdächtigte

wurde aber kurz vor der schon angesetzt gewesenen Verhandlung vor den Geschworenen, wegen mangelnder Beweise außer Verfolgung gesetzt. Hoffentlich glückt es nun, den gefährlichen Menschen, falls er wirklich die That begangen, zu überführen und der verdienten Strafe zu über⸗ antworteu.

Gießen, 19. April. Gestern Abend fand die erste diesjährige Uebung der Fan Be Gail'schen Feuerwehr auf dem Brandplatz statt. Die Exerzitien verliefen zur größten Be⸗ friedigung der zahlreichen Zuschauer. Die große Ruhe mit welcher der Hauptmann dieser Feuer⸗ wehr, Herr Kreis-Feuerwehr⸗Inspektor Loos die Uebung leitete, bewies auf's Neue, welche reiche Erfahrung genannter Herr auf dem Ge⸗ biete des Feuerlöschwesens gesammelt hat.

D. Z. Bad Nauheim, 18. Mai. Nach der Kurliste sind bis zum 14. Mai 1435 Fremde angekommen gegen 1793 bis zum 17. Mai 1895 und gegen 1511 bis zum 17. Mai 1894. Am 14. Mai d. J., Christi Himmelfahrt, war das Anmeldebureau geschlossen. Berücksichtigt man, daß von am 13. Mai angelangten Fremden nur ein Teil denselben Tag noch angemeldet wurden, daß die am 14. Mai Angekommenen aber wegen des Bureauschlusses noch nicht mitzählen, so wird 1896 die Frequenz von 1895 mindestens erreicht, die von 1894 weit übertroffen sein. Daß der Saldo zu Gunsten des laufenden Jahres abschließt, dürfte auch daraus hervorgehen, daß von der Eröffnung der Badehäuser bis 14. Mai ein⸗ schließlich im Jahr 1895 6825, im Jahr 1896 7650 Bäder, also 825 mehr, verabfolgt wurden. Die Bäderzahl ist ein viel sicherer Prüfstein, als die schwerer zu kontrollierende Personen⸗Frequenz. Heuer stehen einige Hundert Fremdenquartiere den Kurgästen mehr zur Ver⸗ fügung als voriges Jahr.

* Darmstadt, 18. Mai. In Folge eines Versehens schluckte Amtsrichter Ludwig in Großgerau reines chlorsaures Kali. Er er⸗

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walten, wie es ihr beliebte; Herr Friedrich Wohl⸗ gemuth störte sie nicht mehr.

Bewahre, nie mehr! Denn er bewohnte fetzt ein möbliertes Zimmer ganz in der Nähe jenes Restaurants; und ein großer Zettel an dem Zaun seiner Villa zeigte, das diese für jeden annehmbaren Preis losgeschlagen werden sollte.

Dahin war es gekommen. Und die Leute aus der kleinen Gasse, in welcher Herrn Wohlgemuths Lädchen war, konnten nicht Wunder genug erzählen von der Aenderung, die mit dem einst so simplen kleinen Kaufmann vorgegangen war. Man hatte ihn in Gesellschaft jener jungen Witwe gesehen; einmal, noch einmal, öfter dann und öfter. Und wie intim sie thaten! Nein, dieser Herr Wohlge⸗ muth! Wer hätte das von ihm gedacht! Aber so ist's, wenn es die alten kriegen, dann kriegen sie's mit Macht!

Und richtig, so war es auch! Was all' die Er⸗ fahrungen und Erlebnisse nicht fertig gebracht haben zwei schwarze Schelmenaugen haben's geschafft: Herr Wohlgemuth ist ein Mann geworden. Wie umgewandelt ist er, alle Marotten und altväterliche Gewohnheiten hat er abgelegt; wie verjüngt zeigt er sich jetzt, kräftig, elastisch, energisch und ge⸗ schmeidig.

Und nach einem halben Jahr hat er sie gehei⸗ rathet! Himmel, das war ein Aufruhr in dem Gäßchen! Herr Friedrich Wohlgemuth verheiratet! Die Kirche faßte kaum den Schwarm der Neu⸗ gierigen. Und wie er aussieht an der Seite dieser hübschen Witwe! Entschieden ein sehr respektabler Mann, zweifellos! Wahrhaftig, die Liebe verjüngt! Ja, sie verjüngt! Auch Herr Friedrich Wohlgemuth fühlt das, als er sein reizendes, fesches Frauchen in den Hochzeitswagen hebt wahrhaftig, sie ver⸗ jüngt! Und nun lehnt sich der glückliche Ehegatte in die Polster des Wagens zurück, umfaßt sein junges, einziges Weibchen und drückt ihr einen herzhaften Kuß auf die vollen rosigen Lippen und nun, nun ist er endlich glücklich.

Keil

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