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wegen Totschlags eingeleitet. In diesen Tagen ist das Urteil gesprochen worden. Das Erkenntnis ist eingereicht und ist noch nicht bestätigt, also noch nicht rechtskräftig. Ich bin daher nicht iu der Lage, über diese Verhandlungen Auskunft zu geben. Der Kaiser hat aber angeordnet, daß später die Akten dem Kriegsministerium eingereicht werden sollen. Ich bin dann in der Lage, eventuell das Urteil mit den Urteilsgründen zu publizieren. Es ist der Wunsch geäußert worden, zur Beruhigung der öffentlichen Meinung das Ergebnis der Untersuchung vorweg zu publizieren. Ich bemerke, daß dies auch im bürgerlichen Verfahren nicht üblich ist. Redner schildert sodann die beiden Per⸗ sonen, um die es sich handelt. Der Lieutenant v. Brüse⸗ witz stamme aus ganz einfachen Verhältnissen. Er habe eine einwurfsfreie Dienstzeit hinter sich und sei nie zu Erzessen geneigt gewesen. Er habe in verschiedenen Ver⸗ trauensstellungen fungiert. Was nun den getöteten Siep⸗ mann betreffe, so war er ein ungewöhnlich kräftiger, herkulisch gebauter Mann. Er war aus der Metall⸗ patronenfabrik in Karlsruhe wegen schwerer Bedrohung seiner Mitarbeiter entlassen. Nachher habe er den Fabrik⸗ inspektor jener Fabrik aufs schwerste bedroht. Daraus könne man jedenfalls entnehmen, daß die Affaire einer genauen Untersuchung bedarf. Eine schwere Provokotion liege unzweifelhaft vor. Der Kriegsminister wendet sich dann zu den Einzelheiten der Rede des Abg. Munckel, die eines einzelnen Mannes That einem ganzen Stande zur Last lege. Dazu liegt keine Berechtigung vor.(Sehr richtig!) Ich bedauere diese Verhetzung(große Unruhe), die aus den Zeitungen auch hierher übertragen wurde. Redner führt dann einige Fälle an, wo Offiziere von Unbekannten aufs ärgste belästigt und beleidigt wurden. Daraus ergebe sich, daß eine Verhetzung stattfand, an der die Armee wahrhaftig nicht schuld war. Ohne be⸗ rechtigtes Standesgefühl, ohne militärisches Ehrgefühl darf kein Offizierkorps sein; sonst ist es wert, aufgelöst zu werden.(Zuruf: Bravo!) 5
Bachem(Ztr.): Der Fall Brüsewitz beweise die Dringlichkeit der Militär⸗Strafprozeß⸗Reform.
Präsident von Buol erklärt: Der Ausdruck des Herrn Kriegsministers, die Verhetzungen in der Presse würden in dieses Haus übertragen, gebe ihm Veranlassung, sein Bedauern darüber auszusprechen und zu erklären, daß, wenn dieser Ausdruck von einem Mitgliede des Hauses an ein anderes gerichtet worden wäre, es nötig gewesen sein würde, den Redner zur Ordnung zu rufen.
Bebel(Soz.) legt seine Ansichten über die Duellfrage dar und hebt besonders hervor, daß die Duelle oft aus gauz niedrigen und schmutzigen Motiven entstehen. Der Redner kommt nach eingehender Be⸗ sprechung der Duellfrage auf den Fall Brüsewitz zurück und bemerkt dabei, der Kriegsminister habe es nicht unter⸗ lassen, den getöteten Siepmann indirekt zu verdächtigen, das sei nicht gentlemanlike. Brüsewitz war ein Trinker. (Präsident v. Buol ersucht den Redner, nicht einen Mann zu beleidigen, der vor Gericht stehe, und ruft Bebel wegen des Ausdrucks„nicht gentlemanlike“, der beleidigend sei, zur Ordnung.) Bebel bemerkt schließlich, die Sozial⸗ demokraten fordern, daß die Fälle, in denen ein Soldat Verbrechen begangen hat, die mit seinen dienstlichen Ob⸗ liegenheiten nicht im Zusammenhange stehen, vor das bürgerleche Gericht gehören.
Bayerischer Bundesratsbevollmächtigter Melldegg erklärt, daß Aenderungen in der bayerischen Militärgerichts⸗ ordnung nicht erfolgt seien. Der spezielle Fall, der in der Debatte wiederholt angeführt wurde, habe eine Aus⸗ tragung mit der Waffe nicht erfordert.
Kriegsminister von Goßler: Ich erkläre, daß ich meine Ausführungen von der Notwehr auf den Fall Brüsewitz nicht anwenden will. Der Abg. Bebel hat sein gewöhnliches Prinzip verfolgt: anzuklagen, ohne zu be⸗ weisen. Ich muß mich gegen solche Beleidigungen im Namen der Offiziere der Armee verwahren, bin aber für diese Beleidigungen von Seiten der Sozialdemokraten vollständig unempfindlich.(Bravo rechts, Lachen links.)
Bassermann(mnatl.) wünscht die allgemeine Ein⸗ führung von Ehrengerichten für alle Berufe. Außerdem wäre eine Reform des Strafgesetzes wünschenswert dahin, daß jeder Duellant und Zeuge, der seine Affaire nicht vor das Ehrengericht gebracht habe, härter bestraft werde. Der Fall Brüsewitz sei ein frivoler Totschlag, eine rohe, brutale Farce, aber er sei die That eines Einzelnen. Die allgemeine Erregung erfordere die Oeffentlichkeit des Ver⸗ fahrens. Die vielen Begnadigungen seien weiten Kreisen unverständlich.
Pflüger(Hospit. der Freis. Vpt.): Er habe in den Ausführungen des Kriegsministers jede Objektivität vermißt.
Das Haus beschließt sodann, die weitere Debatte auf Donnerstag 1 Uhr zu vertagen.
Munckel verwahrt sich in einer persönlichen Be⸗ merkung gegen den Vorwurf, daß er die Verhetzungen in der Presse in den Reichstag übertrage.
Auf der Tagesordnung der Donnerstags⸗Sitzung steht außerdem die Novelle zur Strafprozeßordnung. Schluß 5 Uhr.
Politische Rundschau.
Die orientalische Frage.
Der Petersburger Berichterstatter der„Köln. Ztg.“ versichert, das gleichzeitige Eintreffen der Botschafter Nelidow aus Konstantinopel und Montebello aus Paris sei kein zu⸗ fälliges. In den allernächsten Tagen würden interessante Auseinandersetzungen über die betreffs der Maßnahmen in der Türkei auseinandergehenden Ansichten Frank⸗ reichs und Rußlands erfolgen. Frankreich neige entschieden zu Zwangsmaßregeln, falls die Türkei nicht endlich mit ihren Reform⸗ versprechungen Wort halte; um Letzteres zu er⸗ möglichen, möchte Frankreich die türkischen e regeln und deshalb Rußland be— stimmen, in die bereits bestehende ottomanische Schuldenkommission einen russischen Ver⸗ treter zu entsenden. Rußland dagegen sei jeder Einmischung in die Türkei abhold, weshalb es bereits in Konstantinopel zu mehrfachen Reibe⸗ reien zwischen dem russischen und dem fran⸗ zösischen Botschafter gekommen sei. Ruß⸗ land will die Ordnung der türkischen Finanzen nicht übernehmen. Der diesbezügliche Artikel der„Petersburger Zeitung entspreche vollkommen den Ansichten der leitenden Kreise.
Poetisches für und wider Bismarck.
Die er Nachrichten“ bringen einen Artikel über„Caprivismus“, an dessen Schluß sie folgendes Gedicht abdrucken:
„Zu den Enthüllungen. Das war wieder so ein Wasserstrahl Zur Abkühlung der Frauzosen, Dem Zweibund fallen mit einem Mal Die Herzen jetzt in die Hösen.—. ö Nun traut der Franzmann dem Russen nicht, Die Russen nicht den Franken; Für diese rettende, neue That Hat Wilhelm dem Fürsten zu danken.— Wir saßen nun leider dicke drin, Wohin uns Caprivi geschoben, Und nur Dein streitbarer Rittersinn Hat uns aus der Patsche gehoben.— Ja, ja! Uuẽs Leutchen im Sachsenland Dein Koup war uns klar auf der Stelle, Die andern haben die Augen voll Sand, Wir Sachsen aber sind helle!“ 5 Dagegen zitiert„Die Welt am Montag“ ein Goethisches Worte: 5 Als Knabe verschlossen und trutzig, Als Jüngling anmaßlich und stutzig, Als Mann zu Thaten willig, Als Greis leichsinnig und grillig,—
Das ist fürwahr ein Mensch gewesen.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. November. Für die Mari ne⸗ forderungen macht der„Hamb. Corr.“ wieder das geltend, das immer herhalten muß, daß die verlangten Summen im Lande bleiben und auf Umwegen wieder in die Taschen der Steuerzahler zurückgehen. Unsere Werften, unsere Industrie und Tausende von Arbeitern hätten Nutzen von den Schiffsbauten. Und die Löhne, die die letz— teren beziehen, gingen auch wieder für bessere und reichlichere Nahrung, behaglichere Woh⸗ nungen, Kleidungen usw. in die Hände der Landwirte, Gewerbetreibenden, Kaufleute, Grun d⸗ besitzer. Kein Pfennig von den Marine⸗ bewilligungen gelange ins Ausland, alle die Millionen bleiben im Lande und dem Volksver⸗ mögen erhalten. Mit solchen Argumentationen kann man schließlich jede Ausgabe begründen und kommt schließlich auf den Standpunkt: je mehr der Staat für Heer und Marine aufwendet, je mehr seine Schuldenlast dadurch anschwillt, um so größer wird sein Nationalvermögen. Zu⸗ guterletzt wird das Nationalvermögen dann so groß, daß kein Mensch mehr etwas davon sieht.
— Von Deutsch-Süd westafrika soll nach der Kapkolonie eine Telegraphenlinie gelegt werden. Die Anlage wird dem„Hamb. Corr.“ zufolge von der Reichspost⸗ und Tele⸗ graphenverwaltung selbst ausgeführt. Die Vor⸗ lage soll, nach Abschluß der Vorarbeiten, dem Reichstage zugehen.
— Die antisemitische und agrarische Presse bemüht sich, die gestrige Inter- pellationsdebatte im Reichstage als einen Triumph des Altreichskanzlers und seiner An⸗ hänger auszugeben. Es wird dabei nicht ohne Hohn auf die Thatsache hingewiesen, daß die größte Partei, das Zentrum, von dem die In⸗ terpellation ausging, eine auffällige diplomatische Zurückhaltung in der Debatte beobachtet hat. Daß dies zurückzuführen ist auf gewisse Einflüsse, die sich nach Einbringung der Interpellation geltend gemacht haben, wird vielfach angedeutet. Da die Regierung einen Kampf gegen den großen Enthüller nicht aufnehmen will und aus be— stimmten Gründen nicht aufnehmen kann, so hat offenbar das Zentrum, obwohl es nicht zur Regierung gehört, dieser Sachlage doch Rechnung
getragen. 5 Ausland.
Spanien. Nach dem gestern stattgehabten Ministerrat hatte ein Korrespoldent der„Frkf. Ztg.“ eine Unterredung mit dem Fin anz⸗ minister. Er schreibt darüber: Die genane Summe der gestern für die innere Anleihe gezeichneten Beträge ist: 595 Millionen. Wie erinnerlich, hatte die Regierung zunächst bloß 250 Millionen ausgeschrieben. Se ebeschloß die Zuteilung von 400 Millionen. Die Zeichner von 5 Obligationen bekommen dies vollzählig ausgehändigt, darüber hinaus erfolgt die Zu⸗ teilung pro rata. Der Minister zeigt sich über den Erfolg sehr zufrieden. Er sagte, er hätte ab⸗
edankt, wenn die Anleihe gescheitert wäre.
r erhielt unzählige Gratulations⸗Telegramme vom Aus⸗ und Inland. Auch die Königin gra— tulierte. Der Gedanke an eine äußere An- leihe ist nicht aufgegeben, weil mit dieser wich⸗ tigen Frage die Unterstützung der Eisenbahnen verwachsen sei. Der Miuister bemerkte noch, die sofortige Entsendung von 10000 Mann nach den Philippinen zur raschen Niederwerfung des Aufstandes sei beschlossen.
Italien. Die bekannte Thatsache, daß viel⸗ fach beim internationalen Geschäfts verkehr zwischen italienischen Lieferanten und aus⸗ wärtigen Abnehmern die ersteren das ihnen ent⸗ gegengebrachte Vertrauen durch unreelle Be— dienung verscherzen, hat hier zu einem interessanten Vorschlag geführt. Eine Gruppe Mailänder Kaufleute hat die Gründung eines Syndikats angeregt zur Ueberwachung der ehrlichen Ausführung ausländischer Aufträge und die Gewinnung des Vertrauens im Auslande zum italienischen Fabrikanten⸗ und Handelsstande. Allmählich bricht sich auch hier die Ueberzeugung Bahn, daß das bisherige System den italienischen Handel in empfindlicher Weise schädigt.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 18. Nov. Ernannt wurde der Justifikaturgehilfe Friedrich Engelbach aus Biedenkopf zum Oberrechnungsprobator bei der Oberrechnungskammer.
* Gießen, 16. November. Die„Hess. Schul⸗ blätter“ führen in scharfen Worten Beschwerde über die Behandlung, die den Lehrer-Rekruten bei der diesmaligen zehnwöchigen Uebung beim 116. Regiment in Gießen zu Teil geworden sein soll. Die behufs Feststellung des Thatbe⸗ standes zu erwartende Untersuchung wird wohl Genaueres darüber ergeben.
* Gießen, 18. Nov. In der gestern Nach⸗ mittag auf Lonys Felsenkeller hierselbst stattge⸗ habten General-Versammlung des land⸗ wirtschaftlichen Bezirksvereins, die außer⸗ gewöhnlich stark besucht war, referierte Rechts⸗ anwalt Jost über die Notwendigkeit einer Ab⸗ änderung der hessischen Instruktion für die chemischen Untersuchungsämter inbezug auf die Untersuchusng der Milch. Redner führte aus, daß nach§ 8 der vom Polizeiamt Gießen er⸗ lassenen Milchverkaufsordnung das specifische Ge⸗ wicht der Milch(ganzer Milch) zwischen 1,029 und 1,033 bei 15% liegen soll. Ganze Milch soll aber außerdem mindestens 2,8% Fett be⸗ sitzen. Der§ 11 dieses Gesetzes bestimmt aber, daß der Sachverständige als gewässert zu be⸗ zeichnen hat: a) ganze Milch, deren specsfisches Gewicht über 1,027 liegt, nach 24stündigem Stehen und darauf erfolgtem Abrahmen jedoch unter 1,033 liegt, e) abgerahmte Milch deren spezifisches Gewicht nach 24 stündigem Stehen und darauf erfolgtem Abrahmen unter 1,033 liegt. Feruer hat der Sachverständige als ent⸗ rahmt zu bezeichnen ganze Milch, deren Fettge⸗ halt weniger als 288 beträgt. Dies voraus⸗ schickend, teilt Redner mit, daß am 13. März d. J. eine polizeiliche Milchkontrolle in Gießen stattgefunden. Das spezifische Gewicht der von einem Oekonomen eingeführten Milch betrug bei dieser Untersuchung 1027,5 und deren Fettgehalt belief sich auf 3,01%. Danach konnte diese Milch nach§ 11 der Gießener Milchverkaufsordnung weder für gewässert, noch für entrahmt erklärt werden. Das chemische Untersuchungsamt Gießen gab trotzdem ein Gutachten dahin ab, daß die Milch gewässert und wahrscheinlich auch entrahmt sei, weil eine 24 Stunden später im Stalle des betreffenden Oekonomen entnommene Milchprobe ein viel besseres Resultat ergeben habe. Auf er⸗ hobene Anzeige lehnte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung des Falles ab, weil eine vor⸗ sätzliche Milchfälschung nicht erwiesen sei. Der Amtsanwalt erließ sodann einen Strafbefehl in Höhe von 5, gegen das Dienstmädchen des Oekonomen, als der Verkäuferin der Milch, wegen fahrlässigen Verkaufs gewässerter Milch. Der Dienstherr des Mädchens, der mit gutem Gewissen jede Fälschung in Abrede stellen konnte, aber ebenfalls ein Strafbefehl erhielt, veranlaßte Widerspruch gegen die Strafbefehle, und so kam die Sache zur gerichtlichen Entscheidung. Der Angeklagte behauptete nun, er habe seinen Kühen allerdings eine zeitlang in Folge Futtermangels gefrorene Dickwurzeln gefüttert. Zwei Tage vor der Milchkontrolle seien ihm 3 Kühe erkraukt und auch die Milch sei durch diese Verhältnisse gering⸗ wertiger geworden. Redner weist darauf hin, daß jeder Landwirt bestätigen könne, daß die verschiedenen Futtermittel nicht nur einen ent⸗ scheidenden Einfluß auf die Güte der Milch, sondern sogar auf die Farbe und den Geschmack der daraus gewonnenen Butter ausüben. Jeder Landwirt wisse, daß auf die Güte der Milch, sowohl die Fütterung der Tiere als event. Erkran⸗ kungen einen wesentlichen Einfluß ausüben, ja daß sogar die einzelnen Viehrassen Milch von verschiedner Güte lieferten. Daß aber das spezifische Gewicht einer Milch unter 1,029 sinken könne, ohne daß bei derselben gewässert worden, sei von der Wissenschaft schon längst anerkannt. Auf Grund der Beobachtungen Fachgelehrter stehe weiter fest, daß bei der auf den Markt ge⸗ brachten Milch gewöhnlich schon nach mehreren Stunden in den Kammern die leichteren Fett⸗ kügelchen nach oben steigen und die obere Schicht der Ware deshalb ein geringeres spezifisches Ge— wicht zeigt, als es dem Durchschnitt entspreche. Infolge nicht sachkundiger Probenahme der Milch komme es häufig vor, daß Unschuldige als Milch⸗ fälscher vor Gericht gestellt werden, weil aus der fehlerhaften Probeentnahme falsche Schlußfolge⸗ rungen gezogen würden. Zur Sache des ange— klagten Oekonomen zurückkehrend, teilte Redner mit, daß derselbe auf Grund der Gutachten der chemischen Untersuchungsämter vom Gericht ver⸗ urteilt wurde, ebenso dessen Dienstmagd.(Die höhere Strafe war damals vom Amtsanwalt be⸗ antragt, weil die Angeklagten die Behauptung der Anklage, Wasser zu der Milch geschüttet zu haben, energisch in Abrede stellten. Diese Be— gründung schlug bei Fällung des Urteils durch. Die Redaktion.)(Schluß folgt).
* Gießen, 18. November. Eines der besten neueren Lustspiele,„Komtesse Gucker!“ von Schönthan und Koppel-Ellfeld wurde gestern Abend im hiesigen Stadttheater aufgeführt. Leider hatte sich eine nur geringe Anzahl Be⸗ sucher eingefunden, welche der vortrefflichen Wiedergabe des Stückes viel Beifall zollte. Die nächste Vorstellung findet am nächsten Freitag statt, und zwar wird die Novität„Fräulein Doktor“ zur Aufführung gelangen.
* Gießen, 18. Nov.(Besitzwechsel.) Die dem Herrn Steinbach gehörige Villa, Gartenstraße Nr. 18, ging durch Kauf für den Preis von 40000% in den Besitz der Frau Lina Nattmann über.
S. Gießen, 18. November. Am Sonntag Nachmittag entstand in dem Hause des Schlossers Ockel, Tiefenweg, ein Kaminbrand, der noch rechtzeitig entdeckt und gelöscht wurde.
Gießen, 17. November.(Viehmarkts⸗ bericht.) Der heutige KRuhmarkt hatte einen
Auftrieb von 5 bis 550 Stück Rindvieh, darunter
etwa 150 Kälber. Am Markt wa N und uur vereinzelte Simm Handel setzte zu Aufang siau ein, machte sic jedoch in schwerer Ware später, die der 0 Nachfrage, wegen zu guten Preisen verkah 11 wurde. Geringe Ware fand nur zu schle— Preisen Abnahme. Es wurden gehandelt hochtragend und frischmelkend 1. Oual. 300 le 400 eh Qual. 1 bis 280, 3. Oual erzielte sehr geringe Preise. Trächtige K kosteten 1. Qual. 9350 05 2. Sue 20 260 4, 3. Qual. 120 bis 150 devi wurde verkauft: Kühe— 40, Rinder 1 Qual. 45 50%, 2. Qual. 4043% Killer wurden in extra schwerer Ware bis 54 Mark für den Frankfurter Markt extra angekauft Ware 1. Qual preiste 48 bis 50 M., 2. Qual. b8 e e de Schlachtgewicht. 5 wurde beinahe geräumt.— 4— Gießen, 17. Nov. Am 12. ds. Mts wurden im städtischen Schlachthaus 98 Schweine, die bis jetzt erreichte größte Zahl an einem Tage seit Bestehen des Schlachthauses geschlachtet. Auch die Schlachtungen der Rinder haben in den letzten Wochen sich erheblich ge Rebif 5 15 I 5 so anhält, sich das
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rünberg, 18. Nov. Am M 14. November, wurden auf dem e Fruchtmarkte folgende Fruchtarten usw. zu den beigesetzten Durchschnittspreisen erkaul 165 Doppel⸗Zentner(à 100 Kilogramm) Weizen zu 15,92 Mk., 24 D.⸗Z. Korn zu 13,00 Mt 13 D.⸗Z. Gerste zu 12,36 Mk., 114 D. Har zu 13,10 Mark, 0,5 D.⸗Z. Linsen zu 13, ark.
Mainz, 17. November. Ein neuer Güterschraubendampfer befährt eben 1 ersten Mal den Rhein. Der Dampfer ist auf Kosten der Mannheimer Lagerhausgesellschaft auf der Werft von Schichau in Elbing erbaut und führt den Namen„Badenja 7“. Das Schiff besitzt eine Länge von 66 Meter, eine Breite von 9,20 Meter und einen Tiefgang bon 2,30 Meter; es ist mit Doppelschrauben, elek⸗ trischer Beleuchtung und Dampffeuerung versehen. Die innere Ausstattung entspricht den neuesten Einrichtungen, ganz besonders ist den Schlaf.
räumen des Schiffspersonals Rechnung 9212000 5
Die Ladefähigkeit des Dampfers beträgk 12
Zentner. Vermischtes.
— Von der Sonne. Man schrelbt aus St. Petersburg, 11. November. Professor Glase napp hat soeben den offiziellen Bericht über die Ergebnisse der ber schiedenen Expeditionen abgestattet, die von der russischen Regierung ausgerüstet wurden, um die diesjährigen Sonnenfinsternis⸗Phänomene zu studieren. Glasenapp weist mit Stolz darauf hin, daß die Russen bei dieser Gelegenheit einen hervorragenden Platz be hauptet haben, indem sie nicht weniger als acht Expehl tionen aussandten, welche sich sämmtlich die besondent Aufgabe gestellt hatten, die Corona der Sonne beobachten. Zwei von diesen Expeditionen sind ganz er folglos geblieben, weil der Himmel im gegebenen Auge, blick mit dichten Wolken bedeckt war; die übrigen sechz haben aber hübsche Resultate aufzuweisen. Die Expedition,
welche sich unter Leitung von Baron Kaulbars nach der 1 Gegend von Torneo, dicht an der schwedischen Grenze be. geben hatte, ist im Stande gewesen, in Folge der Reln⸗
heit der Luft ganz vorzügliche Resultate zu erzielen. Baron Kaulbars hat die Hypothese aufgestellt, daß sich auf der Sonne eine große Anhäufung von Elektrizität befinde, welche die Kometen und Meteore beeinflusse; diese Theorie kann aber erst während kommender Sonmen⸗ finsternisse näher geprüft und kontrolliert werden. Die Coronaphotographien, welche die Torneo- und die Leng⸗ Expeditiouen erhalteu haben, sind völlig übereinstimmend und zeigen, daß die Corona ganz so ist, wie man sie im, Jahre 1886 zu photographieren vermochte. Außerdem hat Herr Lebedinsky mit Hilfe eines prismatischen Appa⸗ rates besondere Photographien aufgenommen und Herr Blumbach hat mittelst eines Riesenapparates(System Schaberle) vorzügliche Sonnenphotographien erzielt. Pro⸗ fessor Petruschensky ist der Meinung, daß die Ergebnisse, welche diesen Sommer erreicht wurden, mit den Ergeb⸗ nissen des Jahres 1886 verglichen, die Theorie bezüglich einer allmählichen Abnahme der Sonnenflecken vollauf bestätigen. Er hofft, Rußland werde auch 1898 und 1900 zahlreiche Expeditionen ausrüsten.
— Die Zugvögel und der Winter. Außer- ordentlich früh, so schreibt man uns, sind in diesem Jahre die Zugvögel nach dem Süden gewandert. Aus Frank- reich sind die Schwalben schon Anfang September fortge⸗ zogen, aus Deutschland sind die Störche früher als sonst aufgebrochen, und am Vierwaldstätter See sind bereits die Möven einen ganzen Monat früher wie sonst eingetroffen. Da heißt es denn überall: Das sind die Zeichen für einen frühzeitigen und strengen Winter: Das will sagen; Die Zugvögel haben eine Art doppeltes Gesicht, und wenn sie uns früher verlassen, so geschieht es aus dem Grunde, weil sie voraussehen oder fühlen, daß ein harter Winter im Anzuge ist. Also macht man einfach aus Schwalben, Störchen und Möven Wetterpropheten auf ein halbes Jahr hinaus, gerade wie es umgekehrt heißt, daß es warm werden müsse, wenn die Störche gekommen sind. Ist nun diese Anschauung, die das frühzeitige Wandern der Zug⸗ vögel mit einem bevorstehenden harten Winter in Ver⸗ bindung bringt, richtig? Stimmt sie mit der Erfahrung und dem gesunden Menschenverstande überein? Was die Erfahrung betrifft, so haben die Leute, die sich mit der Sache beschäftigen, keinen Zusammenhang zwischen den beiden Erscheinungen finden können. Ein Franzose Namens Bouvart hat seit 1890 Beobachtungen angestellt und sie kürzlich in der Zeitschrift„Etangs et Rivières“ ver- öffentlicht; er hat keinen Zusammenhang gefunden. Im Jahr 1891 reisten die Zugvögel in normaler Zeit ab; der Winter darauf war milde, mit einer durchschnlttlichen Wärme von 3 Grad. Im Jahr 1892 zogen die Vögel
verspätet ab; der Winter war ebenfalls milde, mit einer Wärme von 2.4 Grand. Im Jahr 1893 frühzeitige Ab reise und milder Winter von 2.9 Grad. Im Jahr 1894 sehr späte Abreise, weshalb ein milder Winter in Augsicht gestellt wurde, während der Winter von 1894/95 that⸗
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