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10 Redaktion:
12 Einzelmitglieder.
Gießen, Freitag, den 19. Juni
Ausgabe
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Gießen.
. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen N E i 5 i 1 N xpedition: Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die ispaltige Petitzeile. 2 Kreußzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 18. Juni. Auf Veranlassung des Ministeriums hat die hiesige Handelskammer Umfrage halten lassen bei den Inhabern offener Ladengeschäfte wie sie über den 8 Uhr Schluß denken. Die Mehrheit will die gesetz— liche Einführung des Ladenschlusses um 9 Uhr. Eine starke Minorität ist vorhanden, der es er— wünscht wäre, wenn der Geschäftsschluß gesetzlich um 8 Uhr eingeführt würde. Eine kleine Minder⸗ heit wünscht, daß es so bleibe, wie es ist. Die meisten Anhänger des 8 Uhr Schlusses wohnen meistens in unserer lebhaftesten Geschäftsstraße, nämlich dem Seltersweg.
Gießen, 18. Juni. Der Landes ver⸗ band der Kriegervereine des Groß- herzogtums Hessen besteht nach der neuesten Statistik aus 37975 Mitgliedern. Davon sind aktiv, d. h. gediente Soldaten, 32 734; passiv 5241. Der Verband zergliedert sich in 37 Be⸗ zirke mit 674 Vereinen. Davon entfallen auf
die Provinz Starkenburg 11 Bezirke mit 254 Vereinen, Oberhessen 17 Bezirke mit 246 Ver⸗ einen, Rheinhessen 10 Bezirke mit 174 Vereinen. Außerdem zählt der Verband 14 Ehren- und
Die Einnahmen der Ver⸗
handskasse betrugen im abgelaufenen Rechnungs⸗
jahr 26 674,34%.; die Ausgaben 23 650,8 A.
Das Gesamt⸗ Kapitalvermögen des Verbandes
beziffert sich auf 68 540,62%. Davon kommen
auf die Verbandskasse 35 766, die Prinz
Ludwig⸗Stiftung 27 552,78 1, die Ernst Lud⸗
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wig und Viktoria Melita⸗Stiftung 5521,80 A. Die Verbandsvereine repräsentieren nach den am 1. Januar 1896 aufgestellten Rapporten ein Kapitalvermögen von 257620, ein Inventar⸗ vermögen von 237666 4. Aus dem Reingewinn des Verbandsorgans(„Parole“) flossen der Kasse 232,60 4 zu. Die von der Feuerversicherungs⸗ esellschaft Providentia in Mainz gewährte Boni⸗ ikation belief sich auf 7399,86 4. An bedürf⸗ tige Mitglieder der Kriegervereine verabfolgte der Versand im Jahr 1895 2995% Unter⸗ stützungen. Seitens der Vereine wurden für denselben Zweck 38 240/ aufgewendet. 22 Ver⸗ einen wurde die Genehmigung zur Beschaffung einer Fahne mit e andeswappen erteilt. Der diesjährige Delegiertentag des Hassiaver⸗ bandes findet am 19. Juli in Lauterbach (Oberhessen) statt.
Gießen, 18. Juni. Ein hiesiges Fuhr⸗ werk passirte gestern Abend, von Dudenhofen zu— rückkehrend, das Dorf Kleinlinden. Zu den Insassen des Wagens zählten auch zwei Damen, von denen eine, den Kutscher ablösend, das
Lenken des Fuhrwerkes besorgte. Als der Wagen an drei jungen Männern vorbeifuhr, warf einer
derselben eine klumpige Masse nach der den Wagen führenden Dame und traf diese ins Ge⸗ sicht, welches sofort aus einer Menge kleinen Stichwunden zu bluten anfing. Der nieder⸗ trächtige Flegel hatte die Dame mit einem— Stacheligel bombardirt, den man noch obendrein in einer Jauchepfütze herumgewälzt zu haben schien. Das Tier blieb auf dem Trittbrett des Wagens liegen. Obgleich die gemeinen Buben sofort verschwanden, dürfte es doch gelingen die Persönlichkeit derselben festzustellen, da sofort Nachforschungen angestellt worden sind.
Gießen, 18. Juni. An einem Neubau der Frankfurterstraße gerieten gestern Mittag zwei Arbeiter in Streit, wobei einer dem andern mit einer Mistgabel in die Hand stach. Zwei hinzukommende Schutzleute schlichteten den Streit und wird eine Anzeige wegen Körperverletzung die Folge sein.
Gießen, 18. Juni. Gestern am Spät⸗ nachmittag fiel eine etwa 18 Jahre alte junge Dame am Neuen Weg in Krämpfe. Ein junger Arzt und ein Einjähriger nahmen sich der Aermsten an und trugen dieselbe in ihre nahe gelegene Wohnung.
* Gießen, 18. Juni. Radlerfreuden und Radler⸗ leiden halten einander, je mehr die edle Radfahrerkunst bei Alt und Jung in Aufnahme kommt, so ziemlich das Gleichgewicht— ja, es scheint, als ob die Leiden bis⸗ weilen die Freuden bedenklich überwiegen. Unaufhörlich liest man von Unfällen, die Radfahrern zugestoßen sind oder die sie hervorgerufen haben, woraus natürlich der unverständige Laie den kühnen Schluß zieht, daß ent⸗ weder die Radfahrkunst sehr schwierig zu erlernen oder in ihrer Anwendung sehr gefährlich für die übrige Mensch⸗ heit sei. Beides trifft nicht zu. Man kann sich in wenigen Wochen, bei einiger Ausdauer und einigem guten Willen, zum tüchtigen Radfahrer heranbilden; aber man sollte sich dann nicht gleich als„Kunstfahrer“ öffentlich produzieren wollen, sollte nicht, um dem Publikum zu imponieren, die Straßen in einem Tempo durchrasen, das in gar keinem Verhältnis zu der erlaugten Geschicklichkeit im Radfahren steht. Die liebe Eitelkeit verleitet so manchen Dilettanten auf dem Rade zu Wagnissen, die ein Ende mit Schrecken nehmen; sei es durch Ueberfahren harmloser Spaziergänger, sei es durch Zusammenstöße mit Fuhrwerken aller Art, wodurch einerseits das Leben und die Gesundheit unbeteiligter Personen, andererseits das Leben und die Gesundheit des schuldigen Radlers aufs Spiel gesetzt werden. Die polizeilichen Vorschriften, welche sich gegen ein derartiges Treiben richten, müssen streng sein; denn sie dienen nicht nur dem Wohle der Allgemein⸗ heit, sondern tragen auch dazu bei, die täglich anwachsende Zunft der Radler von Elementen zu säubern, welche den nützlichen Radfahrersport selbst bei vorurteilslosen Leuten leicht in argen Mißkredit bringen. Nicht minder ver⸗ dammenswert aber, als leichtfertiges Fahren, ist die leider recht stark verbreitete Unsitte, den Radfahrern allerhand Schabernack zuzufügen, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, kurz, auf jede nur mögliche Weise ein Entgleisen und Umstürzen der Maschine herbeizuführen. Unvernünf⸗
tige Kinder, halbwüchsiges Gesindel beiderlei Geschlechts und krakehlsüchtige Rowdies beteiligen sich mit Vorliebe an solchen Ausschreitungen, die allzu häufig für friedlich ihres Weges kommende Radfahrer die schlimmsten gesund⸗ heitlichen Folgen haben oder ihnen doch mindestens durch Beschädigung oder Zertrümmerung des teueren Rades schwere pekuniäre Verluste bereiten. Hier sollte die Polizei mit äußerster Rücksichtslosigkeit gegen die Uebelthäter vor⸗ gehen und gerechtigkeitsliebende Zeugen der widrigen Vor⸗ fälle sollten ihr wacker in ihrem Bemühen helfen, die Schuldigen festzustellen und der wohlverdienten Strafe zu überliefern. Je unparteiischer Recht und Unrecht auf beiden Seiten, auf Seiten der Radler und ihrer Gegner, abgewogen wird, desto mehr wird die edle Radfahrerkunst dabei gewinnen, desto sicherer und zielbewußter wird sie sich entwickeln und ihren Vorzügen volle Geltung zu schaffen vermögen!
Butzbach, 17. Juni. Ein trauriger Vor⸗ fall ereignete sich gestern Abend auf dem hiesigen Festplatze des Turuvereins! Herr Adam Held, berittener Gendarm hier, wohnte der Festlichkeit bei. Gegen 1 Uhr nachts fühlte er sich unwohl und brach plötzlich bewußtlos zusammen, so daß er auf einer Tragbahre vom Festplatze nach seiner Woh— nung getragen werden mußte. Nach wenigen Minuten war er eine Lei he; ein Hitzschlag hatte ihm ein jähes Ende bereitet. Die Trauerkunde erregte unter den Anwesenden allgemeine Teil⸗ nahme. Der Verblichene war ein solider pflicht⸗ treuer und bei dem Publikum vielbeliebter Po⸗ lizeibeamter und erst 33 Jahre alt. Seine Kol⸗ legen, Freunde und Bekannten werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
* Offenbach a. M., 18. Juni. Wegen Einführung einer gesetzlichen Ladenschluß⸗ stunde um 8 Uhr Abends vom Großherzogl. Ministerium des Innern und der Justiz zu einem Gutachten aufgefordert, hat die hiesige Handels⸗ kammer an ca. 100 Ladeninhaber eine Umfrage gerichtet, auf die 72 Antworten eingegangen sind. Das Ergebnis ist in einem Bericht zusammen⸗ gestellt und dem Großherzogl. Ministerium mit dem erbetenen Gutachten eingesendet worden. Die Handelskammer hat bei ihren Ermittelungen und Erörterungen nicht die Ueberzeugung ge⸗ winnen können, daß die vom Großherzogl. Mi⸗ nisterium gestellte Frage, ob die Einführung einer gesetzlichen Ladenschlußstunde um 8 Uhr Abends durchführbar sei, ohne bestehende Kaufgewohn⸗ heiten des Publikums allzusehr zu beeinträchtigen und den Ladengeschäften allzugroße Nachteile zuzufügen, zu bejahen sei. Sie bezieht sich dabei namentlich auf die durch die Arbeitsver⸗ hältnisse bedingten Kaufgewohnheiten der Arbeiter⸗ bevölkerung und wendet sich insbesondere gegen den beabsichtigten Eingriff in die Selbstbestimmung und freie Bethätigung ihrer Arbeitskraft für die Geschäftsinhaber, die keine Gehilfen und Lehr⸗ linge beschäftigen und trotzdem gezwungen werden sollen, um 8 Uhr ihre Läden zu schließen. Die
Handelskammer führt weiter aus, daß die Zahl der Gehilfen und Lehrlinge in Ladengeschäften „wenigstens in ihrem Bezirk“ nicht sehr groß und deren Thätigkeit keine besonders anstrengende (2) sei, daß Mißbräuche nur ganz vereinzelt vor⸗ kommen und es deshalb genügen würde, wenn zum Schutze der Gehilfinnen und der noch nicht 17 Jahre alten Gehilfen eine wochenweise fest⸗ gesetzte Maximalarbeitszeit eingeführt würde.
Mainz, 17. Juni. Der elfte deutsche Schl e beschäftigte sich zunächst mit der Schlüsselfrage. Berndt⸗Stettin legte dar, daß die meisten Schlüssel jetzt beim Eisenhändler gekauft und dann nach Bedarf zugefeilt werden. Während 8 369 des Strafgesetzbuches nur den Schlosser mit Strafe bedroht, geht jeder Privat⸗ mann, der das Gleiche thut, straffrei aus. Es wurde ein Ersuchen an die Regierung beschlossen, eine Aenderung des§ 369 dahin zu veranlassen, daß Jeder, der gegen diesen Paragraphen ver⸗ stößt und nicht nur der Schlosser allein, die ent⸗ sprechende Strafe erleidet. Geißler-Breslau re⸗ ferirte über die Organisation des Hand⸗ werks und das Lehrlingswesen. Er ver⸗ mißt auf Seiten der Regierung den ernsten Willen zur Förderung des Handwerks; auch für die Verbesserung des Lehrlingswesens geschehe nicht genug. Aus den Staatseisenbahnwerk— stätten gehen sogenannte Schlosser hervor, die kein Meister in seiner Werkstätte gebrauchen kann. Zwei Resolutionen wurden angenommen, die eine verlangt von der Regierung strenge Unterscheid⸗ ung zwischen Handwerkslehrlingen und jugend⸗ lichen Fabrikarbeitern; der andere will den § 154 der Gewerbeordnung so abgeändert haben, daß die nachweislichen handwerksmäßigen Be⸗ triebe, die mit Dampf- oder elementarer Kraft arbeiten, von den Bestimmungen des§ 154 der Gewerbeordnung ausgeschlossen werden. Der Entwurf zu einem neuen Lehrvertrag wurde angenommen; der seitherige Vorstand und Ha m⸗ burg als Vorort wiedergewählt. Als Ort für den nächstjährigen Verbandstag wurde Leipzig bestimmt. Am Abend war Gartenfest in der „Neuen Aulage“ mit Beleuchtung der Eisenbahn⸗ brücke u. s. w. und morgen geht es zu Schiff nach Rüdesheim und von dort auf den Nieder⸗ wald. Die Ausstellung wird am Sonntag ge⸗ schloss en.
Vermischtes.
— ueber die Mimik. Ueber die Sprache des menschlichen Antlitzes hielt der Zoologe Prof. Selenka in der Münchener Anthropologischen Gesellschaft einen Vor⸗ trag, fußend auf Untersuchungen von Darwin, Duchenne u. a. und auf eigene Beobachtungen, sowie unterstützt durch eine Reihe typischer Abbildungen. Es giebt eigent⸗
lich, wie der Vortragende nach der„Allg. Ztg.“ aus⸗
—
Nero und Lydia. Eine Tier⸗ und Menschengeschichte von Oscar Linke. (Nachdruck verboten)
Richard Hermann, ein junger Fabrikbesitzer, stand vor dem hohen Schxreibtisch in seinem kleinen, schmucklosen Kontorstübchen, dessen Fenster nach dem Hofe lag; 1 01 durchlas er noch einige einge⸗ gangene Geschäftsbriefe, dann blickte er auf die Uhr und sagte:
„Sie müssen gleich kommen. Es ist heute das erste Mal, daß sie mein Allerheiligstes betreten— meine schöne Lydia und die teure, goldne Schwieger⸗ mama!“
Zugleich wandte er sich nach dem schwarz⸗ glänzenden Ledersopha hin, in dessen Winkel wie zusammengerollt ein grauer, häßlicher Köter lag, wie vom Tode vergessen, ein Bild der Hinfälligkeit, bejammernswerter Hilflosigkeit.
„Und“, er fuhr fort, dem elenden Tiere zärtlich den Rücken streichelnd,„Du betrage Dich schön manierlich. Du sollst eine Herrin empfangen, die Dir ebenso gut sein wird wie ich.“
Das alte treue Tier sah bei diesen Worten so liebevoll zu ihm auf, mit so unsagbar seelenvoll glänzenden Augen, als verstünde es die Rede seines An Richard wurde gerührt und mußte in diesen Augenblicken seliger Erwartung wieder seines ver⸗ storbenen, jüngeren Bruders gedenken: von ihm, dem durch einen Fall auf dem Straßenpflaster Ver⸗ unglückten, der langsam dahinsiechte, ohne sein Ziel zu erreichen, eines Tages als Landpfarrer das Wort der Liebe zu lehren, hatte Richard das Tier als Vermächtnis erhalten und dem Sterbenden ver⸗ sprochen, es zu pflegen wie einen leiblichen Bruder.
Und bis auf diesen Tag war von ihm Wort gehallep, Ein eigenartiges Seelenbündnis hatte sich im Laufe der Jahre zwischen beiden entwickelt. Wie viele fremde Herren auch das Kontor betraten,
niemals bellte Nero, niemals rührte er sich, während die Augen jede Bewegung des Anwesenden betrach— teten. Nur gegen manche Kunden zeigte er eine mißtrauische Unruhe; er knurrte leise, und— Herr Richard freute sich im Stillen über die Menschen— kenntnis seines harmlosen Freundes.
Da rauschten die beiden Damen herein: frohe Worte der Begrüßung, ein Kuß für die Hand der Schwiegermutter, ein anderer für die Lippen der schlankgebauten anmutigen Braut mit den scharfen, blitzenden Augen— und er stand, den Cylinder in der Hand, zur Verfügung bereit zum Besuche der Kunstausstellung.
„Und hier“, sagte er scherzend,„stelle ich Dir auch unseren zukünftigen Freund und Hausgenossen vor. Du kennst die Geschichte von meinem armen Bruder.“
Während die Schwiegermutter den häßlichen Köter mit gerade nicht sehr freundlichen Blicken maß und im Stillen einige Betrachtungen über Junggesellengrillen machte, versuchte Lydia, sich über das Tier zu beugen und einige Redensarten von Teilnahme zu heucheln.
In diesem Augenblick wurde Richard durch einen hereintretenden Lehrjungen abberufen; unter Ent⸗ schuldigungen entfernte er sich.
Da sagte die Schwiegermutter zur Tochter: „Und dies Scheusal sollst Du in Dein Hauswesen mit übernehmen? Pfui! Ich begreife Richard nicht. Hat er denn gar keinen Sinn für Schönheit? Und dem da wäre doch am wohlsten, wenn er nach der Anatomie in der Philippstraße gebracht würde— kostet 75 Pfennig.“
„Aber, Mama, bedenke doch—“
„Ach was, verstelle nur Du Dich nicht auch noch.“
Indessen Lydia wandte sich zu dem Tiere und schlug es leicht mit der Hand, ungefähr wie man
——
einem allzu aufdringlichen Anbeter einen Fächer⸗ schlag auf die Finger giebt. Das sollte eine Lieb— kosung sein, wenngleich im Grunde des Herzens ihr das Tier nicht minder unsympathisch war. Und das empfand Nero, er knurrte.
Jetzt schlug Lydia, empört über das unliebens⸗ würdige Entgegenkommen des bösen Geschöpfes, leicht mit dem Sonnenschirm nach ihm. Nero winsle nicht; aber ein Blick aus seinen Augen, und Lydia erschrak unwillkürlich. Mit diesem Augenblicke war die Entscheidung gekommen: der Köter war ibr zuwider; er sollte schon eines Tages aus dem Hause kommen und ihr süß r Richard von seiner falschen Sentimentalität zurückkommen. Was ist ein Hund und nun gar der da!
Als der zukünftige Schwiegersohn wieder ein— trat, merkte er nichts von dem Vorgefallenen. Die drei verließen bald den Geschäftsraum, nachdem er zuvor noch dem lieben Freunde den Kopf zum Ab⸗ schied gestreichelt hatte.
Schon auf der Fahrt nach der Kunstausstellung ließ es die Schwiegermutter nicht an gewissen Be— merkungen fehlen; aber diese Pfeile blieben wirkungs⸗ los, da sie Richard in seiner Ahnungslosigkeit gar nicht empfand.
So waren einige Monde in's Land gegangen. Fräulein Lydia hieß Frau Hermann und beide waren ven ihrer Hochzeitsreise am Garda-See zurückgekehrt. Nero erregte wiederum den zornigen Unwillen seiner neuen Herrin. Ihr Mann bat sie, sie— die Frau Fabrikbesitzer— solle selber dem Hunde täglich sein Mittagsmahl hinstellen, damit er sich rascher an sie gewöhne. Die Frage, warum nicht das Hausmädchen dies ebenso gut thun könnte, behielt sie für sich. Sie versuchte es denn am nächsten Tage; aber sonderbar, der Hund knurrte
sie an und ließ das Essen unberührt stehen. Erst
als Richard das irdene Gefäß in die Hand nahm und ihm hinreichte, ließ sich Nero herbei und fraß.
„Ich scheine die Freundschaft Deines Freundes verscherzt zu haben“, bemerkte sie ein wenig boshaft.
„Ja, es scheint so“, entgegnete er harmlos er— staunt.„Aber es bleibt mir rätselhaft, weshalb. Wenn einmal ein kleines Kind seinem Felle zu nahe kam und darin kraute und ihm wohl gar einige Härchen in seiner spielerischen Grausamkeit dabei ausriß, er knurrte und murrte nicht, wie sehr er sich auch bemühte, die überfreundlichen Zärtlich⸗ keiten des Kindes von sich abzuschütteln. Und Du? Hast ihm doch auch nichts bisher zugefügt—“
„Nein“, sagte sie.
„Na, es wird schon noch werden.“
Allein je mehr sie sehen mußte, wie ihr Gatte dem armen Wesen zugethan blieb, obwohl von einer
nicht im mindesten etwas zu spüren war, desto tiefer wurzelte sich in ihr der Haß und die Ab⸗ neigung gegen das Tier fest. Und wo Satan sein Werk des Unfriedens, der Zerstörung beginnen will, da pflegen auch seine dienstbaren Geister niemals allzu ferne zu weilen.
besondere Veranlassung, gegen den überflüssigen Köter verstimmt zu sein. Lag ihr doch seine Pflege ob, und sie fand es unbegreiflich, wie der schöne, große, junge Herr auf solches Scheusal so viel Wert legen konnte. Ihrer pfiffigen Weisheit entging es
wurde durch den Anblick des Tieres. Sie sah ihn
zwar selten, da Nero den Tag über sein Gnaden— eckchen auf dem schwarzglänzenden Ledersopha nur
lichen“ Feind.
(Schluß folgt.)
Teilung seines Herzens zwischen ihr und ihm doch
Frieda, das Hausmädchen, hatte natürlich
nicht, wie Frau Lydia jedesmal unangenehm berührt
selten zu verlassen pflegte, allein ihr Widerwillen wurde stärker und stärker gegen den gleichsam„heim


