Ausgabe 
19.5.1896
 
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Besitztum der germanischen oder gar indogermanischen Völker, vielleicht ist sie, wie von manchen Gelehrten mit guten Gründen behauptet worden ist, mythologischen Ur⸗ sprunges. Wir wollen uns nicht in diese Nebelfernen verlieren, sondern die in ihre Bestandteite zerlegte Be⸗ freiungsfrage wieder zusammenfügen. Die wahren Ur⸗ sachen und Anlässe der schweren Kämpfe mit Oesterreich, die keineswegs einfacher Natur waren, verwischten sich im Gedächtnisse des schweizerischen Volkes. Indem man eine Erklärung suchte, und zwar eine solche, die den Eidge⸗ nossen alles Recht zuschob, verfiel man auf die Be⸗ drückungen der Vögte und glaubte gewiß bei der Wahrheit zu bleiben, denn daß die Vögte sich manchen Uebergriff erlaubten, liegt so sehr in der Natur der Dinge, daß wir es auch ohne ausdrückliches Zeugnis glauben dürfen. Noch Justinger weiß nur allgemein von ihrem Mutwillen zu berichten; allmählich wurde der Grundgedanke weiter aus⸗ gesponnen, bis die Sage vom Rütli⸗Bunde entwickelt war. Die Geschichte vom Tell und seinem Schusse steht noch im Tellen⸗Liede allein und ist auch bei Ruß nur äußer⸗ lich, als Beispiel für die Grausamkeit des Vogtes, mit jener anderen verknüpft. Im Weißen Buche vollzieht sich die innere Verschmelzung, und fortan arbeiten Dich⸗ tung und Geschichtsschreibung einander in die Hände und gestalteten mit vereinten Kräften ein wundervolles Ge⸗ Noch waren fie nicht völlig am Ziele in den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts als sich in dem ge⸗ lehrten Willimann die ersten Zweifel regten, und noch kein Menschenalter war nach dem Erscheinen von

Tschudi's Chronik vergangen, als im Jahre 1760 der

mit seiner Schrift Giuallaume Tell, table danoise die ganze Schweiz iu zornige Aufregung versetzte. Die Sage gab der Kritik die Thürklinke in die Hand der patriotische

Glaube schwand vor dem Wissen, allmählich, aber völlig dahin.

Tagesordnung

für die Sitzung der Stadtverordneten

bernische Pfarrer Freudenberger

0 Versammlung,

Donnerstag, den 21. Mai 1896, Nachmitags halb 4 Uhr pünktlich, und Freitag, den 22. Mai 1896, Nachmittags halb 4 Uhr pünktlich. 1. Gesuch des Schneidermeisters Georg Pfaff um Er⸗ laubniß zur Anbringung eines Firmenschildes. 2. Desgl. des Apothekers H. Dornberger zur Errich⸗ tung eines transportablen Bretterhäuschens am Nahrungs⸗ berg.

Bekanutmachung.

In Gemäßheit des Art. 7 der allgemeinen Bauordnung machen wir hierdurch bekannt, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz unterm 30. Oktober v. J. zu Nr M. J. 30066 die Aufuabme einer von der Bleich⸗ straße nach der Stephanstraße im rechten Winkel führenden Straße von 8 m Breite in den Ortsbauplan der Stadt Gießen genehmigt bat, und daß der bezügliche Plan auf unserm Stadtbauamt jederzeit von den Beteiligten ein gesehen werden kann. Gießen, den 16. Mai 1896. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des Art. 7 der allgemeinen Bauordnung machen wir hierdurch bekannt, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz unterm 26. August v. J zu Nr. M. J. 23943 die Aufnahme einer einseitig zu be⸗ bauenden von der Ludwigsstraße an dem Eisenbahnviadult nach Süldosten abzweigenden und dem Eisenbahndamm fol enden Straße von 8m Breite in den Ortsbauplan der Stadt Gießen genehmigt hat, und daß der bezügliche Plan auf unserem Stadtbauamt jederzeit von den Beteiligten eingesehen werden kann

Gießen, den 16. Mai 1896.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Städt. Schlachthaus Freibank.

Heute und morgen

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3. Desgl. des Gg. Appel zur Aufstellung einer Gar⸗ tenhütte an der Ebelstraße. 5

4. Desgl. des Karl Ulm um Erlaubniß zur Herstel lung einer Einfriedigung an der Schützenstraße.

5. Desgl. des Georg Throm zum Bauen an den Bahnhöfen.

6. Desgl. des Carl Bieler zum Bauen eines Lager⸗ hauses am Neuenweg.

7. Erbauung von lung von Dispens.

8. Gesuch des Armenvereins zur Kamins und Anlage einer Grube.

9. Herstellungen im ehemals Bourgeois'schen Hause.

10. Gesuch des Louis Becker um pachtweise Ueber⸗ lassung eines Lagerplatzes am Lutherberg.

11. Gesuch des J. Baab zum Kaiserhof um Erlaub⸗ niß zum Aufstellen von Tischen und Stühlen vor seinem Hause Schulstraße.

12. Desgl. des Conditors Hause Südanlage.

13. Desgl. des H. Kuhne am Kirchenplatz, sowie zur Anbringung einer Markise.

14. Errichtung einer kaufmännischen Fachschule hier: Gesuch um Schenkung eines Bauplatzes.

15. Errichtung eines Volkbades.

16. Errichtung einer regelmäßigen Omnibusverbindung zwischen den Bahnhöfen und der Stadt zur Personen⸗ beförderung.

17. Schlachtviehversicherung auf dem hiesigen Schlachthof.

18. Die Ermäßigung der Fernsprechgebühren.

19. Anbringung von Plakattafeln.

20. Die Prüfung der Rechnung der Gemeindekranken⸗ versicherung pro 1895.

21. Gesuch des Albert Kuhnd um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb zur schönen Aussicht.

22. Gesuch des Bleichers W. Schmall um Erlaubnis zum Stauen des Wassers im Wieseckfluß und um Ge⸗ ländeverpachtung.

23. Desgl. des Emil Schmall zur Anlegung erhöhten Trottoirs vor seinem Hause Lindengasse.

24. Plan über Herstellung erhöhte Trottoirs in der Marktstraße.

25. Ausbau der Löberstraße: hier: Rechnung über Bordsteine.

26. Das Straßenkreuz der Ludwig⸗ und Gretestraße.

27. Herstellung des Feldweges auf der Hardt und am Windhof.

28. Die Feier des 50jährigen Stiftungsfestes des Turuvereins Gießen.

Arbeiterwohnungen; hier: Erthei⸗

Aufführung eines

J. Hettler vor seinem

asphaltirter

Neueste Telegramme.

Hd. Hannover, 18. Mai. Wie der Hannov. Cour. aus Berlin meldet, würde der Zeremonienmeister v. Ko tz e wegen des Duells mit dem Zeremonien⸗ meister Schrader, in welchem dieser siel, vom Kriegsgericht zu zwei Jahren Festung verurteilt.

Hd. Rosenheim in Baiern, 18. Mai. Der oberbaierische Bauern- und Bürger⸗ bund hielt gestern eine General-Versammlung ab, zu welcher 74 Delegierte erschienen waren. Es wurde einstimmig beschlossen, in großen Fragen zusammen mit den andern Vereinen zu gehen, im Uebrigen aber die bisherige selbständige Haltung zu bewahren. Weiter wurde beschlossen, in das Programm statt Ablösung die Forde⸗ rung nach Aufhebung der Bodenziuse auf⸗ zunehmen. Auch sollen zu den Versammlungen selbständige Landwirtschaft⸗ und Gewerbe treibende Frauen zugelassen werden.

Hd. Budapest, 18. Mai. Wie hier verlautet, hatte bei der jüngsten Fahnen⸗ Affaire hauptsächlich die Königin Natalie die Hände im Spiel. Nach überein⸗ stimmenden Meldungen soll Natalie es gewesen sein, welche Norakowitsch zu seinem Vorgehen gegen Ungarn ermun⸗ terte und die gegebene Satisfaktion als eine genügende bezeichnete. In den nächsten Tagen wird von oppositioneller Seite abermals eine Interpellation in dieser Angelegenheit eingebracht werden.

Hd. Rom, 18. Mai. Infolge telegraphischer Reklamation sind gestern Abend Infanterie⸗Ab⸗ teilungen nach Sizilien abgegangen. Man glaubt, daß dort ernste Unruhen ausge⸗ brochen sind.

Hd. Rom, 18. Mai. In Venedig, Verona und anderen Städten Oberitaliens gingen gestern große Hagelschläge nieder, welche von orkan⸗ artigen Winden begleitet waren. Die Fluren wurden arg beschädigt.

Hd. Rom, 18. Mai. Es wird ge⸗ meldet, daß Menelik in Schoa einge⸗

lungen infolge der Ansprüche der Italiener vollständig abgebrochen sind.

Hd. Rom, 18. Mai. Die Ajaccis zum Nuntius in Wien wird zwar als gesichert betrachtet, doch behauptet man in vati⸗ kanischen Kreisen, daß noch Uegerraschungen be⸗

vorstehen.

Hd. Paris, 18. Mai. DerMatin ver⸗ sichert, daß zwischen den Alten und den Jungen der royalistischen Partei ein Bruch nahe bevor⸗ stehend ist und vielleicht schon morgen zur vollen⸗ deten Thatsache wird. Der Prätendent hält es mit den Jungen.

Hd. Paris, 18. Mai. Der monarchistische Preßverein hielt gestern eine General⸗Versamm⸗ lung ab. Gegenstand der Verhandlungen war der Zwischenfall des Prinzen Henry mit dem Herzog bon Orleans. Der Vorsitzende hielt eine Ansprache über den Herzog von Orleans, dessen Charaktereigenschaften und Politik er be⸗ sonders rühmte. Schließlich sandte man ein Ergebenheitstelegramm welcher sich augenblicklich in Palermo befindet.

Hd. Paris, 18. Mai. Auf der persischen Gesandtschaft ist von dem hier verbreiteten Ge⸗ rücht über ein Attentat auf den Schah von nichts bekannt.

Einführung der Kapital⸗Rentensteuer, welche als Ersatz der Einkommensteuer vom Mi⸗ nisterium in Vorschlag gebracht wird, ist noch nichts endgültiges beschlossen worden. 5 Steuer soll 4% betragen und dürfte etwa 30 Mi lionen Franks einbringen.

Hd. Brüssel, 18. Mai. In der Vorstadt Laeken sind in den letzten 14 Tagen 18 Selbst⸗ morde vorgekommen.

Sterbefälle.

Am 15. Mal. Friedrich Weber, 36 und ein⸗ halb Jahr alt, Bergmann aus Neunkirchen, Kreis Siegen. Gestorben in der alten Klinik. Die Leiche wird in die Heimath verbracht.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Ne⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in

troffen ist und die Friedensverhand⸗

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