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Gießen, Dienstag, den 19. Mai
1896.
ssche Landeszeikung,
Ausgabe
Gießen.
Redaktion:
0 Kreuzplatz Nr. 4. 8
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die 5spaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
2
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 18. Mai. Zum weiteren Stell⸗ vertreter des Vorsitzenden des Schiedsgerichtes der land⸗ und forstwirtschaftlichen Be⸗ rufsgenossenschaft für das Großherzogtum N40 ist der großherzogliche Kreisamtmann
ach in Darmstadt ernannt worden.
* Gießen, 18. Mai. Postalisches. Vom 15. Mai ab wird das Meist gewicht der Post⸗ Pe im Verkehr mit Griechenland(in den
eziehungen zur griechischen Postverwaltung) ohne Erhöhung der bisherigen Taxen von 3 Kilo— sramm auf 5 Kilogramm ausgedehnt, mithin auf die gleiche Gewichtsgrenze, die bereits für den durch die Agenturen des Oesterreichischen Lloyd in Griechenland vermittelten Postpaketverkehr zugelassen war.
* Gießen, 18. Mai. Zur Erleichterung des diesjährigen Pfing stverkehrs haben laut einer Vereinbarung der deutschen Eisenbahnver⸗ waltungen am 22. d. M. gelöste Rückfahr⸗ karten bis einschließlich 28. Mai auf sämt⸗ lichen deutscheu Bahnen Giltigkeit.
Gießen, 18. Mai. Daß die Menschen heutzutage noch lange nicht so schlecht sind, wie man sie von gewisser Seite häufig hinzustellen sucht, davon hier zwei Beispiele aus dem Ge⸗ werbeleben unserer Stadt. Zum Metzgermeister Adolf Möhl kommt jüngst ein Pfarrer und bittet diesen, ihm doch eine Quittung über 10 A. zu chreiben. Eines seiner Pfarrkinder habe ihn,
en Meister, vor Jahren um diesen Betrag be— stohlen und wolle gutmachen, was er damals n Der Geistliche erhielt die gewünschte
uittung, mußte aber auch die 10. wieder mitnehmen zur Verteilung an die Armen in seiner Gemeinde.— Am Sonntag erhielt der Metzgermeister Hilgardt per Post in einem ge⸗ wöhnlichen Brief eingefaltet einen 5-Markschein übersandt. Der Inhalt des Briefes, dem die Unterschrift fehlt, ist der folgende:„Geehrter 75 Hilgardt! Sie haben mir vor einigen ahren bei der Auszahlung eines Schweines 5 K zu viel gegeben, welches ich erst wahrnahm, als ich zuhause mein Geld nachzählte. Da ich nun damals das Geld gut brauchen konnte, habe ich es ausgegeben. Da ich es nun jetzt besser machen kann, will ich Ihnen die 5* wieder schicken. Bitte herzlich um Verzeihung, daß ich es nicht schon längst gut gemacht habe.“ Auch Herr Hilgardt will diese 5„ für einen Wohl⸗ thätigkeitszweck verwenden.
* Gießen, 17. Mai.(Besitzwechsel.) Die Hofraithe Große Mühlgasse 23 belegen, dem Privatier Chr. Lony gehörig, ging für den Preis von 32000. in den Besitz des Fabri⸗ kanten Heinrich Schaffstädt über. Der neue Besitzer wird das Grundstück zur Vergrößerung seines Fabrik⸗Etablissements benutzen.
* Gießen, 18. Mai. Eine Anzahl Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren spieltern gestern
Nachmittag an den Badeanstalten an der Lahn. Hierbei entdeckten sie eine Partie Hobelspähne, trugen diese unter die Männerbadeanstalt und zündeten sie an. Eine hinzugekommene Frau machte dem gefährlichen Spiel ein Ende und löschte das Feuer aus, sonst wäre die Anstalt zweifellos niedergebrannt.
* Gießen, 18. Mai. Die Bergfexerei hat ihr erstes Opfer in diesem Jahre gefordert. Ein Wiener Tourist Namens Wellnöfer, so melden die Blätter, ist in der Umgebung von Graz bei einer verwegenen Kletter— partie abgestürzt. Es galt einen neuen gefährlichen An⸗ stieg auf den sogenannten„Hochlantsch“ zu finden, der zu den besuchtesten Ausflugsgebieten gehört und dessen Höhen gangbaren Wegen mühelos genug zu ersteigen sind. Na⸗ türlich genügte ein bequemer Spaziergang den ehr— geizigen Bergfexen nicht, die sich als Mitglieder eines Alpenklubs verpflichtet fühlten, kletternd, rutschend oder auf allen Vieren kriechend ein Ziel zu erreichen, dem ge— wöhnliche Sterbliche in gemächlichem Schlenderschritt zu⸗ streben. Durch enge Schluchten, über zackige Felsblöcke hinweg, an senkrecht aufsteigenden Rasenabhängen empor⸗ klomm die unternehmende Schaar im Schweiße ihres An⸗ gesichts mühselig bergan. Da— nach sechsstündigem Klettern— geschah, was fast regelmäßig bei derartigen Wagnissen zu geschehen pflegt: ein Stein kam ins Rollen, sauste polternd zu Thal und riß Wallnöfer mit sich, der mit lautem Aufschrei iu die Tiefe stürzte, auf eine Fels- platte aufschlug und endlich zerschmettert an einem Strauche hängen blieb. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er in den Armen seiner Freunde nach wenigen Minuten. Solche beklagenswerten Ereignisse wiederholen sich zu Dutzenden in jedem Jahr und die Zeitungen berichten immer von neuem in ellenlangen Spalten da⸗ rüber. Leider scheinen selbst die grausigsten Schilderungen eher anfeuernd, als abschreckend auf tollkühne Bergfexe zu wirken. Ein jeder ist eben auf das innigste davon überzeugt, daß seiner Kunstfertigkeit im Bergsteigen un⸗ fehlbar gelingen müsse, was des Andern Verderben war und daß er ein lobenswertes Werk thue, wenn er nun erst recht die gefährliche Partie wagt und glänzend alle Hindernisse überwindet. Man glaubt in Touristenkreisen noch vielfach, die Welt verfolge mit ehrfürchtigem Staunen die Wunderthaten einer Bergfexerei, welche vor nichts zu⸗ rückschreckt und prahlerisch Menschenleben auf Spiel setzt, um mit Gemsen und sonstigem Getier erfolgreich in Kon— kurrenz zu treten. In Wahrheit interessirt die Welt sich herzlich wenig für leichtfertige Kletterübungen, die keinen vernünftigen Zweck haben, die weder der Wissenschaft noch dem edlen Sport nutzbringend sind. Sobald unsere Berg⸗ fexe erst zu der Erkenntnis gelangt sein werden, daß ihr Treiben, statt Bewunderung zu wecken, mitleidig belächelt und von der verständigen Mehrheit ihrer Mitmenschen scharf verurteilt wird, werden hoffentlich auch die Opfer, die alljährlich diesem Unfug zu Liebe verbluten müssen, an Zahl mehr und mehr abnehmen oder wohl gar völlig von der Liste der Unglücksfälle verschwinden!
* Bad Salzhausen in der Wetterau, 17. Mai. Das sommerliche Wetter der letzten Zeit hat schon eine Anzahl Ausflügler und Heilung suchender, unserem idyllischen, gegen rauhe Winde geschützten Kurort mit seinem schönen, an Wälder sich anschließenden Park und dem neuen Gradierbau nebst Wandelbahn zugeführt. Hier finden Sommerfrischler und Rekonvaleszenten eine kräftigende Gebirgsluft sowie schöne Spazier⸗
gung und Gelegenheit zu mühelosen Partien in den nahen Vogelsberg. Aber auch gegen Nerven-, Magen⸗, Leber- und dergleichen Leiden sowie Rheumatismus und Gicht werden die verschiedenartigen Soolbäder, ferner die lithium⸗ reichen Mineralquellen unseres nahe der Bahn⸗ station Nidda gelegenen Ortes wegen ihrer über⸗ raschenden Heilerfolge gebraucht, wobei die Patienten noch Gelegenheit zur Massage haben, all dies ohne die Kurtaxen eines Luxusbades, vielmehr gegen mäßige Preise.
Darmstadt, 17. Mai. Abg. Jöst hat an die Zweite Kammer folgenden Antrag gelangen lassen:„Bei Austritt aus einer der bestehenden Religionsgemeinschaften muß für alle über 14 Jahre alten Personen bei der gericht— lichen Beurkundung des Austritts ein Stempel von 6, verwendet werden. Dieser Betrag ist für Viele unerschwinglich und muß daher als ein indirekter Gewissenszwang betrachtet werden. Der Unterzeichnete beantragt deshalb: Die Kammer möge beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald die Beseitigung dieser Stempel⸗ gebühr herbeizuführen.“
* Darmstadt, 17. Mai. Nach dem Regie⸗ rungsblatte wird die Großh. Staatsregierung ermächtigt, zur Deckung der außerordentlichen Bedürfnisse des Staates eine Summe von 1020 030% auf dem Wege der Anleihe verzinslich zu höchstens 3½ pCt. aufzunehmen.
Mainz, 17. Mai. Das hiesige Gewerbe- gericht ist auch in einer großen Anzahl von Fällen zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Dienstboten und Dienstherrschaft angegangen worden, obwohl hier die Zuständig⸗ keit des Gewerbegerichts ausgeschlossen ist, da die Dienstboten im Allgemeinen nicht unter den Begriff der gewerblichen Arbeiter fallen. Der Vorsitzende des Gewerbegerichts sieht sich veran⸗ laßt, hierzu folgende Ausführungen zu machen: „Angesichts solcher Erfahrungen, die vielfach auch anderwärts gemacht worden sind, wird der gegenwärtig im Gang befindlichen, weite Kreise umfassenden Bewegung, die auf eine Er wei⸗ terung der Zuständigkeit der Gewerbe- gerichte abzielt, eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden dürfen. Wenigstens ist nicht erfindlich, welche unüberwindlichen Schwierigkeiten einer Regelung der Verhältnisse der Dienst⸗ boten, der in der Landwirt schaft be⸗ schäftigten Personen und der kauf männischen Gewerbsgehilfen in der gleich einheitlichen Weise entgegenstehen sollten, die für die gewerb⸗ lichen Arbeiter nach der Ansicht aller unbefangen Urteilenden mit gutem Erfolge durchgeführt ist, sei es durch die Ausstattung der Gewerbegerichte mit weitergehenden Befugnissen, oder, wie solches für die kaufmännischen Angestellten vielfach ver— langt wird, durch Bildung besonderer, den Ge— werbegerichten ähnlicher kaufmännischer Schieds- gerichte. Jedenfalls wird die Frage, welche die rechtliche und damit zugleich die wirtschaftliche
Besserstellung breiter Volksschichten bezweckt, nicht von der Tagesordnung abgesetzt werden können, bevor nicht eine befriedigende Lösung gefunden ist.“
Mainz, 17. Mai. Ein großer Teil der Mitglieder der hiesigen Bäcker-Innung hat die Absicht, die Innung aufzulösen und an
ihrer Stelle eine freie genossenschaftliche Ver?
einigung zu gründen.
Vermischtes.
— Eine excentrische Choristin. In Wien hat sich die Chordame des Theaters an der Wien, Fräulein Milena S., durch einen gegen den Magen gerichteten Revolverschuß verletzt. Fräulein S. hatte drei Briefe bei sich, die der Polizei übergeben wurden. Das an die Polizei⸗Direktion gerichtete Schreiben hat folgenden exzen⸗ trischen Wortlaut: Ich, Milena S., Schülerin der Ge⸗ sangsprofessorin Frau Papier, Mitglied des Theaters an der Wien, erlaube mir, eine schöne Reise ohne Waffenpaß zu machen. Meinen Körper muß ich verlassen, da er keine solche Reise aushält. Nur meine Seele, mein historisches Ich, geht fort. Bald wird es wieder kommen; ich hoffe, daß es möglich ist; wenn nicht, ist es auch so besser. Ich ersuche höflichst, die Briefe, die ich bei mir habe, morgen in der Frühe an die Adresse zu bringen; ich will nicht, daß Jemand gestört werde. Ich befehle es. Grund meiner Reise ist: Wissenschaftlich will ich Herrn Professor Krafft⸗Ebing helfen, ob eine unsterbliche Seele existiert. Das Couvert des Briefes trägt außen in flüchtigen Blei⸗ stiftzügen die Worte: Bitte, Maiglöckerl und Vergißmein⸗ nicht nicht von der Hand zu nehmen und die Briefe morgen früh zu übergeben. Die beiden anderen Briefe waren an den Vater der jungen Dame, k. und k. Major Sima S., und die Direktrice Fräulein von Schönerer, gerichtet.
— Die Tell⸗Sage. Einem historischen Aufsatz in der„Wiener Zeitung“, die das Material der Tell⸗ Legende, ohne wesentlich Neues zu bringen, sichtet und kritisiert, entnehmen wir die folgenden zusammenfassenden Schlußbetrachtungen:„Heutzutage hält kein Historiker, der ernst genommen werden will, die Erzählungen von den Vögten und von der Befreiung der Eidgenossen für etwas Anderes als eine Sage. Allein wie konnte es ge⸗ schehen, daß eine so schöne lebensvolle Sage in einer ge⸗ schichtlich hell beleuchteten Zeit heranwuchs? Die Ant⸗ wort lautet: Die Sage ist eben nicht in dieser Zeit ent⸗ standen, sondern weit früher, sie ist älter als die Schweiz, älter vielleicht als das deutsche Reich, und das ist eben das Merkwürdige an ihr. Die bezeichneten Züge: der Apfelschuß und die Antwort des Schützen, finden sich in der dänischen Ueberlieferung von Toko wieder, deren Geßler König Harald Blauzahn heißt. In Norwegen heißt der Schütze Heming, in Island Eigil, in Holstein Hem ing Wulf, am Rhein Puncher von Rohrbach, in England William bon Cloudesly. Die nordische Sage wird schon von Saxo, einem sehr bekannten Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts, erzählt, und ist es nicht unmöglich, daß sie auf diesem Wege in die Alpenthäler gekommen, aus der Gelehrtenstube ins Volk gedrungen wäre. Viel⸗ leicht ist aber eine jener Wandersagen, die von Volk zu Volk, von Land zu Land ziehen und sich niederlassen, wo sie eine Stätte finden, wie die Sage von den treuen Weibern zu Weinsberg, die von mehr als dreißig deut⸗ schen, französischen und italienischen Städten erzielt wird. Und noch eine dritte Möglichkeit muß offengelassen werden: vielleicht ist die Gestalt des Schützen uralt gemeinsames
————* B— m.——————— Seine Villa. die eitlen Mädchen. Sie lassen sich schmeicheln;] Villa. Und dabei hat er noch gar keine— aber An Eine Humoreske von Paul Bliß. scherzen und schäkern auch mit dem kleinen Kauf⸗ nicht viel fehlt an der Summe, ungefähr noch (Nachdruck verboten.) mann, der doch immer ein— Mann ist. So hat 1000 Mark, daun kann er sie kaufen. Und wie e er 0 In einem winzigen Gäßchen der westlichen[er nach und nach etwas geschafft, denn er ist sehr lange wird's denn noch dauern, vielleicht ein Jahr weiß, daß sie klatscht, gern klascht.
Friedrichstadt wohnt Herr Friedrich Wohlgemuth. Er ist ein geborener Berliner, noch einer vom alten Schlage, an dem die seit den siebenziger Jahren sich mit Macht Bahn brechenden Neuerungen und Um⸗ wälzungen der alten Berliner Verhältuisse spurlos vorübergegangen sind. Seit zweiundzwanzig Jahren hat er das kleine halbhelle Lädchen in der engen Gasse, in dem er einen kleinen Handel mit„Ma⸗ terial, Mehl und Vorkostwaaren“ betreibt. Seit zweiundzwanzig Jahren Tag sür Tag dasselbe. Früh morgens 7 Uhr schlägt er die Holzklappthüren vor seinen Fenstern und vor dem Eingang auf, lüftet das Lokal, besprengt mit einer längst verroste⸗ ten Gießkanne den Fußboden, fegt dann den Kehricht
großen Glasnäpfe ab— und dann kanns losgehen. Das Geschäft nämlich. Und es geht wirklich los. Aus der ganzen Nachbarschaft kommen all'„die kleinen Leute“ und kaufen für wenige Nickel den täglichen Bedarf; es sind zwar immer nur kleine Posten, aber auch diese summen sich. Und später kommen sogar die herrschaftlichen Dienstmädchen. Man wundert sich, daß diese Küchenfeen das un— scheinbare Lädchen aufsuchen und an den großen Spezialgeschäften, wo sie vielleicht billiger kauften, vorübergehen,— ja, der Herr Wohlgemutb ist ein Mädchenkenner! Er weiß sie zu fesseln, sagt ihnen täglich neue Schmeicheleien, ist auch mauchmal spendabel, schenkt ihnen ein Stückchen Seife oder
sparsam; manch' böser Nachbar behauptet sogar, er sei geizig— aber ganz gleich, er hat etwas geschafft. Und wenn er des Abends sein Lädchen schließt, wenn er in seinem nach hinten herausgelegenen Schlafkämmerchen den großen, eisenbeschlagenen Kasten unter dem Bett hervorzieht und die langen dürren Finger die Gold- und Silberrollen und die Banknoten durchzählt, dann huscht es über sein sonst so friedlich lächelndes Gesicht wie wilde Freude. Faft diabolisch blitzt es aus den kleinen grauen Augen hervor, wenn er seine in den langen Jahren mühsam erworbenen Schätze vor sich sieht und sich an dem Glanz der einfachen und Doppelkronen erfreut.
Aber nicht nur diese Freude ist seine Leiden— schaft— o nein! Er legt sich gemächlich in die tief heruntergedrückten Polster seines mit dunklem, fett— gewordenen Kattun bezogenen Sofas, zündet sich eine Vier⸗ manchmal sogar eine Fünf⸗ Pfennig Cigarre an, bläst voll Wohlbehagen den Dampf in die Luft und träumt von— seiner Villa.
Schwäche! Und er träumt, und träumt so süß und so wohlig!
Ein Ausdruck stiller Zufriedenheit kommt über das schon stark runzlige Gesicht, glückselig lächelnd schließen sich die noch eben so schlau zwinkernden Augen; die langen, dürren Hände über den Bauch zusammengelegt, aus dem Mund— die Cigarre zwischen den Zähnen— dicke bläuliche Rauchwolken
gar ein Fläschchen Parfüm— er bucht dies alles auf's„Geschäftsunkostenkonto“— und das zieht
ausstoßend, so lehnt er in dem Polster, selbstbewußt, glücklich und zufrieden— und träumt von seiner
Seine Villa! Das ist sein Steckenpferd, seine
noch, dann hat er auch diese Summe wieder ge— spart Dann aber, dann kann er die Sehnsucht all' seiner Träume, das Ziel seines Strebens, die ganze Hoffnungsfreude seiner Zukunft; die Villa, seine Villa in einem der westlichen Vor— orte Berlin's!
Seit zweiundzwanzig Jahren hegt er diesen Traum und seit ebensolanger Zeit spart er auch, um demselben verwirklicht zu sehen. Seit zweiund⸗ zwanzig Jahren führt er jeden Sonntag Nachmittag — wenn er seinen Laden geschlossen hat— hinaus nach dem kleinen Vorort, geht dann wohl einige Dutzend Mal um die Villa herum, vor dem Gorten auf und ab, liebäugelt mit den grünen Feusterläden nickt auch wohl der schlanken Jungfrau zu, die auf der Dachzinne die Wetterfahne trägt, oder er führt scherzhafte Gespräche mit der krausen Hecke, die sich als dichte Schutzmauer rings um den Garten zieht — Bald, bald wird alles dies ihm gehören, er wird hier schalten und walten, er, der Besitzer dieser Villa!
Ach welch' ein Traum! Zweiundzwanzig Jahre hat er gespart, oftmals hat er gedarbt und Not gelitten, un seinen Wunsch erfüllt zu sehen. Er hat nicht geheiratet— aus Rücksicht für seine Villa, er hat sich von allen kostspieligen Vergnügungen fern gehalten— für seine Villa. Er muß sie haben! Der Gedanke daß ein Anderer ihm zuvor⸗ kommen könnte, bringt ihn zur Raserei. Und endlich, endlich follte der Tag anbrechen, an dem er seinen Herzenswunsch erfüllt sah.
sie kaufen—
— ͤ ͤ——
einem wunderherrlichen Frühlingsmorgen kommt eine Frau zu ihm in den Laden, die zwar
eine seiner besten Freundinnen ist, von der er aber Darum verab⸗ reicht er ihr schweigsam und schnell die verlangten Waren und geht dann wieder an seinen Tisch, J wo er seine ganze Aufmerksamkeit den vor ihm liegen⸗ den kleinen Rosinen zuwendet, die zu sortieren er gerade beschäftigt ist. Die gesprächige Nachbarin aber ist nicht feinfühlig, sie bleibt— o sie weiß so viel zu erzählen. Und der kleine Kaufmann hört sie an,— er muß ja wohl— aber er sortiert dabei seine Rosinen ruhig weiter. Plötzlich blickt er auf. Was sagte die Alte? Das ist ja nicht möglich! Und doch, sie sagt es noch einmal, er hat es deutlich gehört, Wort für Wort.— Sie sollte verkauft werden, seine Villa?— Ein Anderer hätte bereits mit dem Besitzer unterhandelt.—
War das möglich? Himmel! Und nun beginnt er zu zittern, mehr und immer mehr, und aus den Augen und von den Gesichtszügen spricht die ihn durchdringende Erregung ihre deutliche Sprache. Ha! wie ists möglich! Er findet keine anderen Worte.
Und die Nachbarin? Hm, sie hat ihn genau betrachtet; ganz genau, ihr ist es nicht entgangen, welchen Eindruck ihre Wrrte auf ihn gemacht haben, — o, sie war schlau, berechnend,— und im Innern freute sie sich ihres gelungenen Streiches. Nur einmal, als der Händler fast toll wurde vor Wut, empfand sie ein leichtes Mitleid mit ihm.— Der Aermste! Wenn er ahnte, daß alles dies nur ein Kniff des Villenbesitzers war, dem daran lag, sein Häuschen gut und schnell zu verkaufen.
(Schluß folgt.)
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