Ausgabe 
18.12.1896
 
Einzelbild herunterladen

0 ⁹ꝰçp e

Seng 1/

Ge en

2

5

wahl 1

1

U n

alner,

und Tf 1

ru

A889 Jh, Hlume

nd feu f tische,

Sesseh

Lapfs Aufssehen. hon 27.

bütte zen geeignet liast

mann, l straße!

Sole

laufe: von ieher ene Flanell kek zu Lillgt 0

devorstehende

Essen wie naila⸗ Au zelssler, ermaula

bäu all eingelnft,

Restal,

wos bine ad Vereine 9

dem Kinde als auch

ein

Gießen, Freitag, den 18. Dezember

1896.

Poslztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

hessische Landeszeitung.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

4 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

1 2

pedition: Kren Nr. 4.

fales und Provinzielles.

Gießen, 17. Dezember. Ernannt: Der er Eigenschaft als Volksschullehrer angestellte er am Schullehrerseminar in Friedberg, fedrich Gatzert, zum Lehrer an dieser alt mit den Rechten eines Zivilstaatsdieners. Der Hebamme Johannette Briel zu org ist die Silberne Medaille des Lude⸗ Ordens verliehen worden. Durch Ent⸗ seßung Großherzoglichen Ministeriums des ern bom 14. Dezember ist der Regierungs⸗ or Graef in Alsfeld bis auf weiteres mit

ersehung der Stelle eines Kreisamtmanns

Großherzoglichem Kreisamt Dieburg beauf

t worden.

* Gießen, Dez.(Gießener Turner⸗

aft.) Der deutschen Turnerschaft sind seitens

echnischen Unterausschusses neue Aufgaben

t. Der Gau Hessen wird Ende Januar

ir Anfang Februar in Gießen eine Gau⸗

ürturnerstunde abhalten, um sich mit diesen

175 zu beschäftigen. Besonders wird man

dem 9. Kreise(Mittelrhein) zur Erprobung rwiesenen 2 neuen UebungenSchnellgehen Gerwerfen in die Weite durchturnen und

ig üben. Die bisherige Wettturnordnung unte nur 10 volksthümliche Uebungen. Dazu men für die Folge weitere zehn neue volks⸗ mliche Uebungen Hürdenrennen über gleiche dernisse, Hürdenrennen mit verschiedenen udernissen, Flachrennen mit Graben, Schnell⸗ en, Schnelllauf, Weitwurf mit dem kleinen

ll, Gewichtstoßen mit Anlauf, Weitwurf mit

großen Schleuderball, Zielwerfen mit der ze(Ger) nach der Scheibe und Gerwerfen die Weite.

Gießen, 17. Dez.(Besitzwechsel.) Die

fraithe des Herrn Fuhrwerksbesitzers Wil⸗

Um Huhn, Löwengasse, ging durch Kauf it den Preis von 20 000 J. in den Besitz des errn Schmiedemeisters Joh. Kaspar Heß

des Herrn Spenglermeisters Georg Appel er.

Gießen, 17. Dez. Zu der im Haupt⸗ tt mitgeteilten Liebes affaire im Lollarer ald erfahren wir noch, daß der junge Mann, r seinen Tod gefunden, Glaßen heißt und ger anständigen Hamburger Familie angehört.

war im Gießener Fensterreinigungs⸗Institut gestellt und hat längere Zeit bei den Eltern Mädchens gewohnt. Mit deren Einver⸗ ündnis hat er das Liebesverhältnis mit der ochter angeknüpft, war auch mit dieser zum esuch seiner Eltern in Hamburg. Später rde er mit den Eltern seines Mädchens un⸗ nig, zog von denselben fort, und nun wollten ese das Liebesverhältnis nicht mehr dulden. laßen hat an seinen früheren Arbeitgeber, der

im das beste Zeugnis ausstellt, einen Abschieds⸗ tief geschrieben, worin er mitteilt, daß er ge⸗ leinsam mit seiner Geliebten in den Tod egangen sei. Dem verwundeten Mädchen wurde eute Nacht bei ihrer Rückkehr von einem Arzt ie Kugel aus der Wunde entfernt.

* Gießen, 16. Dezember. Es kursteren hierselbst Gerüchte wegen eines stattgefundenen Pistolenduells. Es soll dasselbe jedoch un blutig verlaufen sein, weil beide Gegner vorbeischossen. Wie weit die Sache auf Wahrheit beruht, konnten wir nicht feststellen. (Vor Schluß der Redaktion wird uns zu der Duellaffaire noch folgendes mitgeteilt: Die Gegner sind ein stud. med. Harms und der Neffe des Universitätsprofessors B. gewesen. Die Waffen stellte die Burschenschaft Germania und die Landsmannschaft Darmstadtia. Das Duell fand im Stadtwald statt. Der eine der jungen Leute soll dem Andern in einem hiesigen RestaurantEine runtergehauen haben deshalb das Duell.)

* Gießen, 17. Dez. Mit Begleichung der im Notstandsjahr 1893 vielen Bewohnern des Vogelsberges gestundeten Beträge für landwirtschaftliche Bedarfsartikel, Futtermittel ꝛc. ist noch eine Anzahl im Rückstande. Auf ein⸗ gerei hte Bittgesuche sind verschiedenen unbemit⸗ telten Landwirten die Restbeträge teilweise ganz erlassen, den weniger bedürftigen nochmals auf bestimmte Ziele gestundet worden.

* Steinberg, 17. Dez. In dem in der Nähe des Dorfes befindlichen Steinbruch ver- unglückte gestern Nachmittag der Arbeiter Heinrich Haas. Derselbe wurde sofort in die Klinik nach Gießen verbracht, wo ein Bein⸗ bwuch konstatiert wurde.

* Großen⸗Linden, 17. Dezember. Gestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr war der Knecht Balser(bei Friedel und Asprion) zwischen Großen⸗Linden und Klein⸗Linden auf der Fahrt nach Hause begriffen. Als er den abschüssigen Weg im Walde passteren wollte, sprang er vom Wagen, um zu hemmen, rutsche aber bei der Glätte aus und blieb mit gebrochenem Bein auf der Stelle liegen, während die Pferde ruhig weiter trabten. Der Verletzte rief um Hilfe. Da traten zwei Männer aus dem Walde, die, anstatt dem Bedauernswerten beizustehen, frech erklärten, sie müßten die Nacht über Christ⸗ bäumchen stehlen, wobei der eine der rohen Gesellen dem Hilflosen noch einen Tritt mit dem Stiefelabsatz versetzte. Die Pferde waren unterdessen in Klein⸗Linden vor der Hinter⸗ langschen Wirtschaft stehen geblieben. Der Wirk, welcher das Fehlen des Kutschers bemerkte, vermutete gleich ein Unglück und sandte seine beiden Söhne aus, um nach Balser zu forschen. Sie fanden denselben, sich vor Schmerzen windend, auf der Straße. Balser wurde sofort nach Gießen in die Klinik geschafft.

* Bad Nauheim, 15. Dez. Nach dem Vorgange von Homburg v. d. H. soll auch hier eine griechische Kapelle erbaut werden. Es weilten in der letzten Saison nicht weniger als 1400 Kurfremde aus Rußland hier.

* Aus Oberhessen, 16. Dezember. In der Gemarkung Unter-Widdersheim wurde in diesen Tagen ein fremder Schäfer mit 500 bis 600 Schafen angehalten. Er kam aus dem Westerwalde und wollte mit seinen Schafen in

die Gegend von Köln. Auf seiner von der preußischen Behörde ausgestellten Legitimation war ihm der Weg durch Oberhessen vorgeschrieben. Die Bürgermeisterei Ober-Widdersheim hate an ihre vorgesetzte Behörde, das Kreisamt zu Bü⸗ dingen, berichtet, da das Umherziehen mit Klauenvieh in Anbetracht der in verschiedenen Gemarkungen herrschenden Maul- und Klauen⸗ seuche bedenklich ist.

* Mainz, 16. Dezember. In der Straf⸗ sache gegen die Inhaber der Schuhfabrik von Eichbaum u. Co. wegen Uebertretung der Gewerbeordnung wurde heute das Urteil von

Kindesalter, wo schon jede mäßige Abweichung in der Temperatur der Nahrungsmittel von der Körperwärme (380) nach oben oder unten Verdauungs- und Allgemein⸗ störungen im Gefolge hat, eine allerdings verschieden aus⸗ geprägte Gewöhnung an höhere oder niedrigere Wärme⸗ grade der Speisen. Nur die alseiskalt, unter 7 warmen und die 55 und darüberheißen Speisen und Getränke rufen auch bei den meisten Erwachsenen eigen⸗ tümliche unangenehme Beschwerden hervor und bei häufigem Genusse solcher können Erkrankungen und dauernde Schä⸗ digungen sich einstellen. Nach überheißen Speisen tritt oft, abgesehen von dem Brennen im Munde und Schlunde, Magenkatarrh auf, ja selbst Blutungen der Schleimhaut und Bildung eines Magengeschwürs sind wiederholt

der Strafkammer des Landgerichts verkündet. Beide wurden zu je 100, Geldstrafe, eventuell zehn Tage Gefängnis verurteilt. Grund zu der Verurteilung gab die Thatsache, daß sie ihren Arbeiterinnen höhere Abzüge vom Lohn für Seide, Garn und Nadeln gemacht, als sie selbst dafür gezahlt haben.

* Worms, 15. Dez. Das hiesigeTage⸗ blatt berichtet, in der neuen Kaserne habe ein Sergeant einem Unteroffizier aus Verseheu mittelst eines mit Zielmunition geladenen Ge⸗ wehres in die Brust geschossen. Die Kugel habe zwar noch nicht entfernt werden können, doch sei der Zustand des Verletzten ein verhält⸗ nismäßig guter. Ein vor Kurzem erst wegen Milchverfälschung bestrafter hiesiger Land⸗ wirt und Milchhändler stand am Samstag unter derselben Anklage wieder vor Gericht. Die von ihm in Verschleiß gebrachte Milch enthielt mindestens sechs Prozent Wasser. Er wurde auch diesmal schuldig erklärt und mit Rücksicht auf seine Vorstrafen zu 100%. Geldstrafe oder 3 Wochen Haft verurteilt und die Veröffent lichung der Bestrafung in den drei hiesigen Zeitungen verfügt.

Worms, 15. Dezember. Zimmermeister Uhrig von hier wurde gestern auf frischer That ertappt, als er eine Partie Waren in einem Geschäfte stahl. Bei einer in seiner Wohnung angestellten Untersuchung wurden vier große Stoßkarren voll gestohlener Gegenstände gefunden, ebenso etwa 200 Nachschlüssel. Eine Anzahl hiesiger Geschäftsleute ist erheblich be stohlen worden, am meisten die Firma Isay Tuchgeschäft). Die von Herrn Isay als sein

igentum anerkannten Gegenstände repräsentiren allein einen Wert von 1200 bis 1500. Seiden⸗, Tuch⸗ und Leinenstoffe, Stiefel, Schuhe und Leder, Eßwaren, Tabak und Cigarren wurden in großen Mengen in der Wohnung des Diebes vorgefunden. Die Frau desselben wurde heute auch verhaftet..

Vermischtes.

Die Temperatur der Speisen und Ge⸗ tränke, welche wir in mebr oder minder schneller Auf einanderfolge genießen, zeigt bekanntlich oft enorme Diffe⸗ renzen, 50 z. B. sind nichts Außergewöhnliches, wenn wir unserer mit Gefrorenem beendeten Mahlzeit einen heißen Kaffee folgen lassen. Daß solche Schwankungen dem Körper schädlich sein müssen, liegt auf der Hand. Immerhin zeigt der Erwachsene im Gegensatz zum frühesten

beobachtet worden. Eiskalte Getränke(Wasser, Bier) schaden vornehmlich, wenn sie in großen Zügen bei er⸗ hitztem, aber zur Zeit ruhendem, nicht mehr thätigem Körper genossen werden. Außer dem Gefühl eisiger Kälte an den Zähnen und im Munde, die Speiseröhre entlang und in der Magengegend, rufen sie einen Reiz der Magen⸗ schleimhaut hervor, der Schmerzen und Appetitlosigkeit, zuweilen akuten Katarrh des Magens und des Darms zur Folge haben kann. Aehnlich sind die Erscheinungen nach Genuß kalter Speisen, nur weniger ausgesprochen, weil auch die genossenen Mengen uicht so groß zu sein pflegen. Schließlich ist nach Munk noch anzuführen, daß man auch vom gewohnheitsmäßigen Genusse kühler Speisen bei Arbeitern, welche außer dem Hause thätig sind und deren Mittagskost während des Transportes zur Arbeits⸗ stätte mehr oder weniger abgekühlt, Nachteile beobach tet haben will. Die kalten Speisen bilden eben kein ge⸗ nügendes Reizmittel für den Magen, infolgedessen greift der so Beköstigte zu anderenwärmenden Reizmit teln, insbesondere den alkohollschen. Nur bei guter warmer Kost ist der Branntwein im Haushalte des Arbeiters ent⸗ behrlich. Zu diesen Affektionen des Magens kommt, daß heiße und kalte Speisen, namentlich in schnellem Wechsel, auf die Zähne nachteilig einwirken, indem Sprünge in dem Schmelze entstehen, wodurch dem Eindringen der Mikroorganismen und damit der Zerstörung der Zahn⸗ masse(Caries) Thür und Thor geöffnet wird. Aus alledem geht hervor, daß die zweckmäßigste Temperatur der Speisen diejenige ist, welche der Blutwäre entspricht. 38 0, eine Erkenntnis, die für das Säuglingsalter ein⸗ geschränkt gilt. Im Uebrigen kann zwar diese Temperatur von dieser Normale nach oben und unten erheblich ab weichen, doch sind, wie Munk in seiner Schrift über Einzel⸗ und Massenernährung näher ausführt, 7 als unterste und 55 als oberste; Grenze zu erachten, welche höchstens vorübergehend einmal überstiegen werden dürfen. Vorteil⸗ haft hält man sich indessen auch von diesen Grenzen fern. Am schlimmsten aber erweist sich hastiger eiskalter Trunk bei erhitztem, ruhendem Körper..

Ein fürchterlicher Vorfall, der ebenso haarsträubend wie seltsam ist, hat sich vor einigen Tagen in Pest zugetragen: ein Affe hat seine Herrin zu Tode gebissen. Man berichtet demN. W. T. hierüber: Eine Offizierswitwe besaß unter anderen Tieren einen zahmen Pavian, dessen Pflege sie selbst besorgte. Dieser Tage wurde sie krank und mußte das Tier einer Dienerin überlassen. Vor zwei Tagen hörte sie den Affen in der Küche furchtbar lärmen, kaum hatte sie jedoch die Thüre geöffnet, als der Affe ihr ins Gesicht sprang und ehe sie um Hilfe rufen konnte, hatte ihr die bösartige Bestie schon die Haut vom Gesichte heruntergezogen und auch das Backenfleisch gierig zerbissen. Das Dienstmädchen und die Nachbarn stürzten herbei, um die Frau, welche in⸗ zwischen das Bewußtsein verloren hatte, aus ihrer fürchterlichen Situation zu befreien. Es gelang dies nur mit der größten Mühe, denn das Tier hatte mit solcher

Machte der Finsternis. Wolfhardt.

Roman von Helmuth 5(Nachdrud verboten.)

(Fortsetzung.)

So wollen wir es denn mit einander ver⸗ suchen! Komm her und gieb mir Deine Hand. Ich serspreche Dir mit diesem Handschlag feierlich, daß ch fortan alle Pflichten eines Vaters auf mich gehmen und sie treulich erfüllen werde. f Elisabeth antwortete nicht, aber Rodewald fühlte, die kleinen mageren Finger den Druck der einigen erwiderten. Und das Benehmen des Kindes gefiel ihm besser, als wenn es hundert überschwäng⸗ iche Dankesworte auf den Lippen gehabt hätte.

Bist Du bereit, mich gleich heute in Deine geue Heimat zu begleiten? fragte er weiter, und da sie bereitwillig bejahte, rief der Direktor durch ein Klingelzeichen eine Wärterin herbei, welche die Kleine für die Fahrt nach Sandhofen ankleiden sollte. Als Elisabeth dann das Zimmer verlassen Hatte, sprach er dem Gutsbesitzer in einigen schlichten Worten seine Anerkennung und Freude aus 3

Wie traurig auch immer die Veranlassung für das Ereignis dieser Stunde gewesen ist., sagte er zuletzt,so zweifle ich doch nicht, daß Sie sowohl sich selbst soeben eine segen⸗ bringende Wohlthat erwiesen haben. 5 Rodewald machte sich bereit zu gehen, und wie wehmütiges Lächeln huschte es um seine Lippen. ch glaube nicht mehr daran, daß aus der blutigen Saat dieser Katastrophe ein wirkliches Glück erwachsen könne, erwiderte er,aber dieses Kindes Benehmen und seine rührenden Augen haben 5

2

mich so tief ergriffen, daß ich von ganzer Seele wünsche, Ihre hoffnungsvolle Zuversicht möchte sich besser bewähren als mein trüber Pessimismus.

Der Arzt versprach noch, daß er sofort die er⸗ forderlichen Schritte thun werde, um durch das Gericht die Uebertragung der Vormundschaft an Rodewald zu bewirken. Dann schüttelten sich die beiden Männer noch einmal mit der Wärme alter Freunde die Hand, und der Gutsbesitzer verließ mit seinem inzwischen zurückgekehrten Schützling das Haus.

Christians ehrliches Gesicht nahm einen Aus⸗ druck hochgradiger Verwunderung an, als er seinen Herrn in der Begleitung eines fremden Mädchens auf den Wagen zukommen sah, aber er würde sich natürlich respektvoll jeder Aeußerung enthalten haben, wenn nicht Rodewald selbst gesagt hätte:

Ich habe da ein Töchterchen gefunden, Christian! Auch Du mußt sie lieb gewinnen, wie wenn es meine arme Hertha wäre!

Da lüftete er gegen Elisabeth seine Mütze und meinte treuherzig:

Daran soll's nicht fehlen! Und es war ein guter Gedanke, daß der Herr nicht ganz einsam bleiben wollte in dem großen Hause. Es wäre auf die Dauer doch auch gar zu sterbenstraurig gewesen.

Er knallte mit der Peitsche und die Braunen, denen das lange Warten durchaus nicht behagt hatte, legten sich rüstig ins Geschirr. Elisabeth schmiegte sich wieder in eine Ecke des Wagens, aber auf dem Grunde ihrer großen Augen schimmerte es wie das schüchterne Aufleuchten einer Hoffnung

der Hoffnung auf das Glück!

Sechstes Kapitel.

Das Wunder, an das der Herr Sanitätsrat nicht hatte glauben wollen, war nun doch geschehen! Stephan Milow war nicht gestorben, wenngleich es freilich eine schwer zu beantwortende Frage blieb, ob der Zustand, zu welchem er nach beinahe drei monatlichem Krankenlager genesen war, wesentlich besser sei als der Tod. Statt des riesenhaft ge bauten, kraftstrotzenden Mannes, der mit spielender Leichtigkeit die schwersten Lasten bewältigt hatte, saß jetzt eine auffällige, gebeugte Gestalt mit schlaffem Gesicht und matten Bewegungen in dem Lehnstuhl am Fenster. Ausdruckslos und blöde starrten die eingesunkenen Augen Stunde um Stunde in die weite Flachlandschaft hinaus, und das stumpf gewordene Gehirn schien nur dann in eine gewisse lebhaftere Thätigkeit zu geraten, wenn der Pfiff einer Lokomotive von dem unfern gelegenen Bahn hof herübertöute oder wenn die langgestreckten weißen Dampfwolken eines Eisenbahnzuges am Horizonte sichtbar wurden. Dann kam oftmals eine merkwürdige Erregung über den ehemaligen Pack meister. Unruhig drehte er den Kopf hin und her seine Hände suchten zitternd nach einer Stütze, als ob er unter seinem Lehnstuhle den Boden wanken fühle, und seine Lippen bewegten sich, wie wenn sie einen Angstschrei oder einen Hilferuf ausstoßen wollten. Trotzdem war er nicht dazu zu bewegen, seinen Platz am Fenster nit einem anderen zu ver tauschen, und der Arzt meinte, auch jene sonder baren Anfälle würden sich vielleicht mit der Zeit noch verlieren.

Stephan Milow war trotz seiner geistigen Apathie

keineswegs blödsinnig geworden. Seine Teilnahm losigkeit erschien vielmehr nur als eine Folge hoch gradiger körperlicher Schwäche, und wenn er auch nur sehr selten veranlaßt werden konnte, auf eine an ihn gerichtete Frage in ausführlicher Weise zu antworten, so bekundeten doch mancherlei untrügliche Anzeichen, daß er Alles, was um ihn her geschah, sehr wohl bemerkte und richtig zu beurteilen verstand.

Der unglückseligen Leidenschaft, die nach der Ansicht des Sanitätsrates seine Krankheit allein verschuldet hatte, vermochte er in seiner hilflosen Lage natürlich nicht mehr zu fröhnen; aber er äußerte auch niemals ein Verlangen danach, und selbst den Wein, der ihm in geringeren Mengen zu seiner Stärkung verordnet worden war, wies er jedesmal mit Abscheu zurück, wenn ein anderer als Bernhard ihm das Glas darreichte. Zwischen seinem Sohne und ihm hatte sich überhaupt seit dem Augenblicke, da er wieder zu vollem Bewußt sein gekommen war, ein ganz verändertes und sehr merkwürdiges Verhältnis herausgebildet. Während er der Wärterin und der alten Magd, welche später an die Stelle jener getreten war, seine Wünsche stets in einem rauhen, knurrenden Tone zu er kennen gab, zeigte er dem Jüngling gegenüber eine Fügsamkeit und Scheu, die vielmehr von einem Ge fühle der Furcht als der Zärtlichkeit eingegeben zu sein schien.

(Fortsetzung folgt.)