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stahlen, sind verhaftet; es sind dies Göttert und die Gebrüder Schweikard. Göttert gibt an, daß sie das Geld bei Caub in den Rhein bersenkt.
* Darmstadt, 16. Okt. In einer gestrigen, vom Ortsgewerbeverein einberufenen Hand⸗ werker versammlung wurde der preußische Gesetzentwurf, betreffend die Organisation des Handwerks, beraten und eine diesen Entwurf zur Durchführung billigende Reso⸗ lution Lautz, die zugleich die Ansicht aus⸗ spricht, daß die Durchführung der Zwangs⸗ organisation die Gewerbevereine nicht in ihrem Bestande schädigen werde, da diesen die Pflege des gewerblichen Schulwesens vor allem verbleibe — mit 20 gegen 7 Stimmen(bei 21 Stimm⸗ enthaltungen) angenommen.
* Offenbach, 15. Okt. Bei der heute vor⸗ genommenen Wahl eines Landtagsabgeord⸗ neten für die Stadt Offenbach wurde Buchdruckereibesitzer Karl Ulrich hier gewählt, der somit doppelt gewählt ist. Da Herr Ulrich in letzterem Wahlkreise das Mandat annehmen wird, so hat im Wahlkreise Offenbach⸗Land ein neuer Wahlgang stattzufinden.
Stadtverordnetensitzung vom 16. Oktober.
Die gestrige Stadtverordneten-Versammlung wurde vom Oberbürgermeister Gnauth gegen 4 Uhr eröffnet. Bei der Löberschen Stiftung für den Zeitraum vom 12. Juli 1895 bis 12. Juli 1896 fand sich nichts zu erinnern. Nach Verteilung der vor⸗ geschriebenen 8 Legate und Renten in Höhe von 2080 und der Verwaltungskosten im Betrage von 72 02 A verbleibt ein Kassenvorrat von 171 4 73&. Das Stiftungskapital beträgt, nachdem es sich um ein kleines erhöht hat, 51,817 4 15. Der Voranschlag der Löberschen Stiftung pro 1896/97 wurde dem Kol⸗ legium unterbreitet. Die Vorlage der Plockschen Stiftungs⸗ rechnung pro 1895/96 resp. deren Prfüung erfolgt ohne Beanstandung. Das Vermögen dieser Stiftung beläuft sich auf 133,510, von deren Rente für die Unter⸗ bringung armer kranker Personen aus Gießen im städ⸗ tischen Hospital oder im Siechenhaus pro Tag und Per⸗ son 1 4 20 resp. 1 4 90„ gezahlt wird. Die Aus⸗ gabe für diese Pfründner betrug pro 95/96 4874 4 80 8. Im Voranschlag pro 1897/98 sind in Einnahme 200 4 mehr für Pachtzinse gegen früher verzeichnet. Dieses findet dadurch seine Erklärung, als bei Neuver⸗ pachtung freigewordener Grundstücke eine höhere Pacht⸗ summe erzielt wurde, wie die seither gezahlte ausmachte. Für die Unterhaltung der Pfründner sind pro 1897/98 in Ausgabe ca. 500„ eingestellt. Zur Balanziernng des Etats sind daher von den 4000/ betragenden Er⸗ sparnissen früherer Jahre 500, im Voranschlag in Ein⸗ nahme. Im laufenden Etat sind zur Errichtung von Kursen für erziehliche Handarbeit 600, in Ausgabe ge⸗ stellt, denen jedoch 240 in Einnahme für Schulgeld ꝛc. gegenüberstehen. Die hierfür einzurichtenden 3 Kurse langen nicht mehr aus, um die besonders aus der Volks⸗ schule sich meldenden Knaben aufnehme, und so bean⸗ tragt der Schulvorstand zur Errichtung eines weiteren 4. Kurses die Bewilligung weiterer 180, dem die Ver⸗ sammlung auch nachkommt. Die Vergebung der Thon⸗ röhren zum Kanalbau in der Lindengasse wird der Firma Carl Hensel hierselbst als den Mindestfordernden in der engeren Submission übertragen. Eine Kostendekretur für die Handwerkerschule hat nur eine formale Bedeutung und hält sich in dem Rahmen des für Reparaturen für diese Schule vorgesehenen Voranschlags, so daß die Versamm⸗ lung sich zustimmend verhält. Ferner werden genehmigt 301 zur Einrichtung von Gasbeleuchtung in dem Zimmer des I. und II. Stocks des Polizeigebäudes, so⸗ weit solche noch fehlen. Das Gesuch des Vereins „Sängerkranz“ um Ueberlassung eines Saales im Ge⸗ bäude der höheren Mädchenschule zur Abhaltung von Gesangsproben ruft eine lange Debatte hervor. Das Kuratorium der Schule hält es nicht für erwünscht,
Es war ein Reiter auf schwarzem Pferd, welcher lautlos an mir vorüberglitt, obwohl er im Galopp riit und die Hufe seines Renners den Erdboden berührten.
Seine Gestalt war in einen weitfaltigen schwarzen Mantel eingehüllt, welcher hintennach im Wind flatterte; sein Kopf war mit einem breitrandigen, schwarzen Schlapphut bedeckt.
Ein langer, schneeweißer Bart wallte ihm bis auf die Brust herab, das ebenfalls weiße Haar fiel in dichten Massen auf die Schulter.
Dieser Reiter trug einen Spaten über der linken Schulter, dessen Eisen im Mondschein blinkte.
Hätten noch irgend welche Zweifel bei mir be⸗ standen, so hätte der Spaten mich überzeugen müssen, daß es der gespenstische Goldgräber der toten Schlucht war, welcher da an mir vorüber— schwebte.
Noch ehe ich die Erscheinung recht in mich auf⸗ genommen, war sie verschwunden, vorübergehuscht, mit keinem anderen Geräusch, als dem, welches der Flügelschlag eines großen Vogels verursachen würde.
Ich sah nach meiner Uhr.
Sie wies auf halb Eins!
Im ersten Augenblick war ich starr.
Kalt rieselte es mir über den Rücken.
Dann wich diese ganz natürliche Regung einem Gefühl tiefer Beschämung.
Ich glaubte wieder in das spöttisch lächelnde 1 0 meines Sergeanten zu sehen, als er mich ragte:
„Glauben Sie an Gespenster?“
„Nein, ich glaube nicht an Gespenster,“ hatte ich geantwortet.
Ich glaubte auch nicht daran.
Voll Unwillen gegen mich selbst, sprang ich auf meine Füße.
Ich stürzte vor nach der Stelle, wo der ge— spenstische Reiter den Boden berührt haben mußte.
Weder dort, noch auf der ganzen Strecke, die er vor meinen Augen zurückgelegt hatte, fand ich irgendwelche Huf-Eindrücke!
Bei dieser Entdeckung stand ich wie vom Blitz 1 80 Auch von diesem Schlag erholte ich mich.
(Fortsetzung solgt.)
dem Gesuche stattzugeben, besonders hält sie die Mitbe⸗ nutzung des vorhandenen Schulinstruments bei diesen Proben des Vereins Sängerkranz für nicht angängig. Im Juteresse der Hyglene könne man das Gesuch des Vereins nicht befürworten. Die Reinigung und Lüftung des Raumes, der Morgens um 8 Uhr wieder zu Schulzwecken benutzt werden müsse, sei undurchführbar, wenn der Verein bis 10 Uhr an einem Wochenabende das Lokal benutze. Zwar habe man dem israelitischen Synagogengesangverein für den Samstag Abend einen Raum zur Verfügung ge⸗ stellt und ebenso dem evangelischen Kirchengesangverein, aber beide dienen doch kirchlichen Zwecken und so gern man dem Verein Sängerkranz dienen wolle, müsse man doch nach gründlichen Erwägungen das Gesuch abzulehnen em⸗ pfehlen. Stadtverordneter Haubach bittet doch dem Ge⸗ such des Sängerkranz zu willfahren. Derselbe habe einen ziemlich starken Damenchor und fände eben infolgedessen kein passendes Lokal für seine Gesangsstunden. Es sei doch auch ein idealer Zweck, dem der Verein diene. Nötigenfalls wird die Aufstellung eines besonderen In⸗ struments sich ermöglichen lassen. Er könne nicht ein⸗ sehen, daß die Reinigung und Lüftung des Raumes so⸗ fort nach beendeter Benutzung durch den Sängerkranz Schwierigkeiten machen sollte. Stadtverordneter Wallen⸗ fels bedauert ebenfalls, daß man dem Sängerkranz nicht dienen kann, und regt an, doch die Turnhalle für den Zweck des Vereins zur Verfügung zu stellen. Gegen die Mitbenutzung des Schulflügels als Begleitungsinstrument bei den Gesangsproben müßte er sich auch aussprechen. Oberbürgermeister Gnauth wendet hiergegen ein, daß es doch dem Zwecke, dem die Turnhalle zu dienen hätte, nicht entspräche, wenn man in derselben ein Musikinstrument aufstellte, welches jedenfalls beim Turnen im Wege stehen würde. Stadtverordneter Emmelius spricht gegen die Be⸗ willigung eines Schulraumes zu Gesangsübungen des Sängerkranzes, ebenso Stadtverordneter Homberger, während Stadtverordneter Kirch dafür ist. Durch Ab⸗ stimmung wird das Gesuch des„Sängerkranz“ a bge⸗ lehnt. Das Ausleeren der Gruben usw. in den städtischen Gebäuden hat bisher J. Stahl, der Pächter des Kempfschen Gutes besorgt. Das Gut ist an H. Selzer in Pacht übergegangen und wird diesem der mit seinem Vorgänger für diese Leistungen geschlossene Akkord über⸗ tragen.— Ein Gesuch des August Zöckler um Erteilung der Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Westanlage 28 wird, da man kein Bedürfnis dafür anerkennt, abgelehnt.— Die Gesuche um Wirtschafts⸗ konzession des H. Knoch für das Haus Grünbergerstraße 32 und des Kasparbauer für die Lotzkneipe am Selters⸗ weg werden, da es sich nur um den Uebergang bestehen⸗ der Wirtschaften handelt, genehmigt.
Vermischtes.
— Eine Wilderer⸗Affaire kam am Montag vor dem Schwurgericht in Hanau zur Verhandlung. Der Wilderer Fr. Sauer von Röhrig bei Biber wurde wegen Totschlags und qualifizierten Jagdvergehens zu 8 Jahren 1 Monat Zuchthaus verurteilt. Sauer hatte mit seinem Bruder, dem ehemaligen Sergeanten des 80. Infanterie⸗ regiments und jetzigen Invaliden Georg Sauer, am 14. Juli d. J. im Walde bei seinem Heimatsorte ge⸗ wildert und zwei Rehe erbeutet. Bei ihrer Heimkehr am Abend trafen die Brüder mit den Jagdaufsehern Herr⸗ mann und Bellmann zusammen. Es entstand zwischen Herrmann und Friedrich Sauer ein Kampf auf Leben und Tod, in dessen Verlauf Sauer dem Jagdaufseher mit einem Revolver vier Schüsse beibrachte, von denen einer in die Lunge ging und nach einigen Stunden Herrmanns Tod herbeiführte. Als Bellmann von der Verfolgung G. Sauers zurückkam, war die That bereits vollbracht. Der sterbende Herrmann vermochte noch genaue Angaben über das Geschehnis zu machen, unter Anderem erzählte er auch, der Wilddieb habe ihm schließlich noch den Revolver vor die Stirne gehalten und unter den Worten abgedrückt:„Kerl, ich mache Dich kalt!“ Doch habe der Revolver keinen Schuß mehr enthalten. Eine Witwe und 5 unerzogene Kinder betrauern den unglücklichen Forst⸗ beamten. Die von der Verteidigung beantragten mildern⸗ den Umstände wurden von den Geschworenen nicht zuge⸗ billigt. Georg Sauer wurde wegen qualifizierten Jagd⸗ vergehens zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlungen erreichten erst um halb 12 Uhr abends ihr Ende.
— Der Fall Pröhler. Der aus dem Elsaß stammende Menonit Pröhler weigerte sich bekanntlich während seiner Dienstzeit bei der Garde in Berlin be⸗ harrlich, die Waffen zu berühren. Zwei Jahre sind jetzt verflossen, seit der Mann zum Militär einberufen wurde, und während dieser Zeit hat er seiner Weigerung wegen drei Festungsstrafen verbüßt, zuletzt eine von 6 Monaten mit erschwerter Einzelhaft. Jetzt sind die mit ihm Aus⸗ gehobenen wieder in die Heimat zurückgekehrt, er aber muß, wie aus Mülhausen gemeldet wird, noch ein Jahr in Spandau absitzen. In der festen Ueberzeugung, recht zu handeln, hat er alle Strafen still und ruhig ertragen und sich auch sonst willig gezeigt, nur die Waffen wollte er aus religiösen Skrupeln nicht ergreifen.
— Abenteuer eines Erzherzogs. Die in Wien erscheinende Oesterreichisch-Ungarische Radfahrer⸗Zei⸗ tung bringt nachstehende Mitteilung:„Am 27. v. M. hielt der Verein Ottakringer Radfahrer aus Wien auf dem Tullnerfelde, und zwar nächst Königstetten, sein Klubrennen ab. Da kam, als die Radfahrer eben im dichten Haufen auf der Straße(am Ziele) standen, ein Fiaker angefahren, welcher sich der Aufforderung„Auf⸗ halten“ nicht anbequemen, sondern mitten durch die Rad⸗ fahrer weiterfahren wollte. Darüber erbittert, fielen einige Radfahrer den Pferden in die Zügel, rissen dem Kutscher die Peitsche aus der Hand, schrieen und schimpften und wollten sich endlich sogar an den zwei Insassen des Wagens selbst vergreifen. Einer von den Herren soll auch thatsächlich, und zwar— von einer Dame einen Schlag in den Nacken erhalten haben. Erst jetzt, nach⸗ dem der Spektakel seinen Höhepunkt erreicht, erfuhren die Radfahrer zu ihrem Schrecken, wer die beiden Herren sind. Der eine Herr ist ein Mitglied des kaiser⸗ lichen Hauses, der andere sein Begleiter; sie waren auf der Heimfahrt von einer Jagd begriffen. Das ist die kurze Darstellung eines Vorfalles, als dessen erste Konse⸗ quenz das jüngst erlassene Verbot sämtlicher Straßen⸗ rennen im Bezirke Tulln zu betrachten ist, dessen weitere Folgen jedoch vorderhand uoch gar nicht abzusehen sind.“ Auf Grund der Schilderung eines Augenzeugen fügt die Oesterreichisch-Ungarische Radfahrer-Zeitung ihrem Berichte noch Folgendes bei: Die Sieger waren eben in Sicht, die Aufregung demnach eine allgemeine, Alles blickte, da die Fahrer eben angestürmt kamen, diesen ent⸗ gegen. Da sei plötzlich, während diese dichte Schar eben das Ziel besetzt hielt, ein Wagen mit zwei Pferden er⸗ schienen, dessen Kutscher, ohne Rücksicht auf die
Leute zu nehmen, einfach durchfahren wollte. Darüber
sei eine große Erregung entstanden, und in weiterer Folge dieses Umstandes mögen dann auch Ungehörigkeiten von Seiten der Radfahrer vorgekommen sein. Von den Rad⸗ fahrern aber werde bestimmt versichert, daß erstens ein Anhalten der im vollsten Spurt befindlichen Rennfahrer nicht mehr möglich war und daß ihrerseits nicht provoziert wurde.
— Das Geheimnis eines ungarischen Schlosses. Aus Miskolcz schreibt man: In der Ort⸗ schaft Szmirna⸗Bessenyö, wo sich das Fideikommißgut des Grafen Alfred Szirmay befindet, wurde gelegentlich der auf Veraulassung eines beim Grafen weilenden Raritäten⸗ Sammlers vom Gutsherrn angeordneten Ausgrabung in der Ruine einer verfallenen Burgkapelle ein räthselhafter Fund zu Tage gefördert. Als die Erdarbeiter etwa zwei Meter tief unter die Grundmauer kamen, stießen sie auf eine festgemauerte Wölbung; diese wurde geöffnet, ein penetranter Geruch entstieg der Höhle und auf deren Boden wurde eine eiserne Truhe sichtbar. Heraufgeholt erschien sie von Roste tief angefressen und zerbröckelte bei dem Oeffnungsversuche unter der Hand. Der zerfallenen Truhe entnahm der die Arbeiten überwachende Graf ein Bündel, das, vorsichtig entrollt, sich als ein golddurchwirkter Stoff in Form eines Meßgewandes zeigte und als Um⸗ hüllung für drei antike Gefäße aus Metall von kunst⸗ voller Filigranarbeit diente; in jeder derselben befanden sich mehrere Kupfer- und Silbermünzen. Nebst diesem Bündel lagen in der Truhe noch einige kleinere Gefäße aus stark oxydiertem Silber. Bei fortgesetzter Ausgrabung zeigten sich alsbald zwei andere Höhlungen, deren Inhalt die Arbeiter mit Schaudern erfüllte. Es wurden nämlich aus denselben nacheinander Skelette von Erwachsenen und Kindern hervorgeholt. Da ließ der Graf sofort die weiteren Ausgrabungen einstellen, die Knochengerüste wur⸗ den wieder in die Höhlen gelegt und nun läßt der Graf sein Familien⸗Archiv von unterst zu oberst kehren, um mit Hilfe seines Gastes in den vergilbten Urkunden irgend welche Spur zur Aufklärung des räthselhaften Fundes zu erlangen.
— Ein Riesen⸗Goldklumpen. Ein Riesen⸗ brocken Gold, so berichtet die„New⸗Yorker Handels⸗Ztg.“, kam dieser Tage in New⸗York an. Der gigantische Klumpen, den wohl Mancher gern im Schweiße seines Angesichts nach Hause wälzen möchte, wog 473 Pfund und ist 85 000 Dollars wert. Er kam von der Bank von Montreal, Canada, gehört der„Carlboo Mining Co.“ von British Columbia und wurde vom Grand Central⸗ Debot nach der Assay Office in Wall Street per Wagen befördert. Das gigantische„Goldkorn“ wurde von fünf Detektives bewacht. Es soll das größte Stück Gold in einem Klumpen gewesen sein, das je in die amtliche Münzstätte eingegangen ist.
— Ein Denkmal für Ibsen und Björnson. Aus Christiania wird der„Voss. Ztg.“ geschrieben: Daß Ibsen und Björnson, die nichts weniger denn Freunde sind und einander gern meilenweit aus dem Wege gehen, doch noch einmal einträchtig Seite an Seite stehen werden, hat gewiß niemand geglaubt, aber diesen seltenen Anblick wird man in Zukunft genießen können, wenn auch nur in der Form von Bronzestatuen. Die beiden Dichter gehören zu den wenigen Sterblichen, denen schon bei Lebzeiten ein Denkmal gesetzt wird. Beide sind von ihrem Landsmann, dem norwegischen Bildhauer, Stephan Sinding, modelliert worden. Während der Künstler dieser Tage das Modell Björnstjerne Björnsons gelegentlich dessen Aufenthalts in Kopenhagen vollendete, ist das Ibsens bereits nach Berlin gesandt worden, wo es jetzt gegossen wird. Die Bronze⸗ statuen erhalten ihren Platz vor dem neuen schönen „Nationaltheater“, das hier in den letzten Jahren inmitten einer parkartigen Anlage erstanden und bis auf die innere Ausschmückung fertig ist. Einen schöneren Platz können sich die Dichter nicht wünschen. Das Theater liegt an einer prächtigen, beliebten Promenade an der Karl Johansgade, dem Mittelpunkt des Fremdenverkehrs, mitten zwischen dem Storthin und dem Schlosse. Hier vor der vornehmsten norwegischen Bühne werden die beiden geistigen Größen Norwegens, die der Litteratur ihres Landes den Weg durch die Welt gebahnt haben, dem Beschauer in charakteristischer Auffassung entgegentreten. Stephan Sinding sagt selbst, er habe es sich zur Aufgabe gemacht, die beiden Dichter so darzustellen, wie sie sich voraussichtlich die Nach⸗ welt denken werde. In seiner Charakterisierung Ibsens und Björnsons sagt er, Ibsen sei der einsame, in seinem innersten Inneren einsame Mann, der Grübler, in dem das Mystische atmet und der in seiner Person selbst etwas von der großen Mystik habe. Björnson sei die offene Persönlichkeit mit dem frohen Sinn, mit dem Drang, sich mitzuteilen, mit dem großen liebenden Herzen; der Mann, der die ganze Welt an seine breite Brust drücken möchte, wenn er könnte. Beide— Ibsen und Björnson— seien Symbole des norwegischen Volkscharakters, ja, man könne sagen, der norwegischen Natur: Ibsen das dunkle, mächtige, unergründliche Gebirge, Björnson der lachende Birkenwald mit Frühlingssonne darüber. Demgemäß hat Siuding auch die beiden Gestalten geformt und Ibsen mit dicht zu⸗ geknöpftem langem Rock, die Hände auf dem Rücken, etwas vornüber gebeugt, in Grübeln versunken, dargestellt. Bei der Björnsonschen Statue ist das Haupt hoch aufge⸗ richtet, die Augen blicken unter den buschigen Brauen weit in die Ferne. Ibsen, den man nicht anders als mit Brille sieht, ist vom Künstler ohne diese dargestellt worden, wo⸗ durch die Statue auf den ersten Anbrick ohne Zweifel einen etwas anderen Anblick gewähren wird als der Ibsen, den man auf den Straßen wandeln sieht. Sinding ist aber der Ansicht, daß dadurch die Persönlichkeit des Dichters zu besserem Ausdruck komme.
— Ein unblutiges Duell. Auf origiuelle Art und Weise wurde dieser Tage in einem Städtchen des Ostmünsterlandes ein Zweikampf ausgefochten. Die Duel⸗ lanten gehörten den„höchsten“ Kreisen an und war der eine das Ortsoberhaupt und der andere ein Doktor. Die angegriffene Ehre sollte durch einen Degenkampf wieder hergestellt werden. In einem Wirtslokale trafen sich die⸗ selben. Der Gastwirt machte den vortrefflichen Vorschlag, sich doch gegenseitig nicht mit solch gefährlichen Waffen zu Leibe zu gehen, wobei vielleicht einer das Leben lassen müsse, sondern lieber ein Trinkduell zu veranstalten, indem Derjenige als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen solle, der das Trinken am längsten aushalte. Man erklärte sich mit dem famosen Vorschlag einverstanden. Das Duell fand sofort statt und hatte zur Folge, daß der be⸗ leidigte Doktor als Sieger aus dem unblutigen Kampfe hervorging.
— Der 1396er. Aus Rheinhessen wird be⸗ richtet:„Das hübsche Herbstwetter der letzten Woche ist den Weinbergen sehr zu Gute gekommen. Die Trauben wurden veredelt und haben, da die Stöcke noch belaubt sind, an Zuckergehalt, sehr gewonnen. Freilich kann ja
der Oktober nicht nachholen, was die beiden Vormonate versäumt haben, aber die Hoffnung auf einen brauch⸗
baren Mittelwein ist immer noch berechtigt. In der That spricht eine Vergleichung der aus 1896er bis
jetzt erzielten Mostgewichte mit jenem des 1894er Jahr⸗ ganges entschieden zu Gunsten des ersteren. In verschiedenen Gegenden, an der Hardt, im Markgräfler Land und in Elsaß⸗Lothringen wurde zwar in Rücksicht auf das Faulen der Trauben der Herbst begonnen, am Rhein und in Rheinhessen sucht man aber die Weißweinlese möglichst
lange noch hinausschieben. Nur Nierstein, das sonst durch seine Spätelesen auszeichnet, gestattet in Rück⸗ sicht auf den reichen Behang, der die Lese auf mindestens dret Wochen ausdehnt, den Beginn derselben am 12. Oktober. Der Herbst aus Portugieser Trauben ist sehr reich ausgefallen. Verkäufe sind aber nur weuige und zwar zu ganz ungenügenden Preisen zu Stande gekommen. In Weinen älterer Jahrgänge wurden an verschiedenen Orten kleinere Abschlüsse erzielt.“
— Der größte Mann der Welt. Mr. Wil⸗ kins ist für einige Tage im Orpheum zu Frank⸗ furt a. M. zu sehen, und er ist in der That ein sehens⸗ werter Mann. Er ist jetzt 22 Jahre alt, 386 Pfund schwer und 2 Meter 46 Centimeter hoch. Er ist noch immer im Wachstum begriffen, hat also Aussicht, drei Meter zu erreichen, ein recht anständiges Gardemaß.
Was seine Familienverhältnisse anlangt, so stammt er
von normalen Eltern ab; normal sind auch seine vier Brüder und seine einzige, 18 Jahre alte Schwester, ein hübsches Mädchen, das über seine Hand noch nicht ver⸗ fügt hat. Sie soll, beiläufig bemerkt, stark umworben sein, denn die Amerikaner schwärmen bekanntlich für alles Außerordentliche und viele Pankee⸗Junggesellen möchten gerne mit dem größten Mann der Welt verschwägert sein. Seinen Eltern ist Louis Wilkins schon in jungen Jahren über den Kopf gewachsen. Bis zu seinem vierten Jahre war er ein Kind wie alle anderen; von da an datlert sein unheimliches Wachstum und als er zehn Jahre alt geworden war, maß er bereits zwei Meter. Von seinen riesigen Proportionen mögen folgende Ziffern noch einen schwachen Begriff geben: seine Schuhnummer ist 62, dle Hutuummer 72, die Handschuhnummer 14. In letzter Beziehung ist ihm übrigens ein Droschkenkutscher über, der in einem Handschuhladen der Verkäuferin, als siie nach der Nummer frug, errötend die Antwort gab: 975 Mr. Wilkins hat einen Cylinder, der anderen Leuten, und seien sie noch so dickköpfig, bis auf die Schultern geht; kein Thaler ist so groß, daß man ihn nicht bequem durch den Trauring Mr. Wilkins stecken könne. Mr. Wilkins ist nämlich seit etwa Jahresfrist verhelratet und lebt mit seiner Frau in sehr glücklicher Ehe. Zu selnem Reisegepäck gehört infolgedessen eine Leiter, auf welche die junge Frau steigt, wenn sie ihren Mann küssen will. Seine Schuhe sind nicht ganz so groß wie Oderkühne. Er ißt für drei Personen und hat sich auch seit seinem neunmonatlichen Aufenthalt in Europa einem mäßigen Alkoholgenuß ergeben, obgleich seine Eltern strengste Temperenzler sind. Das Mäßig ist vechältnismäßig zu verstehen; er hat in München, wo er jüngst verweilte, in manchem Bierduell höchst ehrenvoll bestanden und kennt keinen Rausch und keinen Katzenjammer. Welch ein Glück für ihn, denn das müßte ein riesiger Jammer werden, für den noch kein Häring erfunden ist! Mr. Wilkins it sehr gutmütig von Natur; wenn er auch der größte Mann der Welt ist, kennt er keinerlei Hochmut. Er sieht zwar die Leute von oben herab an, aber das ist kein Gemüts⸗ fehler, gerade so wenig, wie man ihn für einen kriechen⸗ den, demütigen Menschen halten darf, weil er gebeugten Hauptes das Zimmer betritt, denn daran sind nur unsere Baumeister schuld, welche die Thüren zu niedrig außz⸗ führen lassen. Er fährt in zweispänniger Equipage, an⸗ gestaunt von einer zahlreichen Menschenmenge und begleltel von der johlenden Schuljugend. Mr. Wilkins nach Beendigung seiner europäischen Tournte in einem großen amerikanischen Bankhaus Anstellung als erster Kassierer finden. Man glaubt nämlich, daß dleser Mann sicherlich keine Fluchtgedanken hegt, denn ein Steckbrief, der als besonderes Kennzeichen:„2 Meter
46 Centimeter groß“ trägt, würde nicht vergeblich erlassen 9
werden. — Aerzte im Luftballon. Ueber eine Stu⸗ dienreise im Luftballon berichtet das Neue Wiener Tage⸗
blatt aus Wien: Vor einigen Tagen unternahmen zwe hiesige Aerzte, Assistenten an der Klinik des Professors v. Schrötter im Allgemeinen Krankenhause, ein interessantes
Experiment. Sie bestiegen die Gondel des Ballonz
„Vater Radetzky“ und machten mit demselben eine Fahrk 1
durch die Lüfte zu medizinischen Zwecken. Die beiden Aerzte nahmen bei diesem Aufflug eine ganze Anzahl von Instrumenten und Apparaten mit, und zwar Instrumenke zur Untersuchung der Veränderungen im menschlichen Or⸗ ganismus bei dem Eintritt vou einer Luftschicht in bie andere; diese Veränderungen wollten sie genau am eigenen Leibe fixleren. Das Experiment hat diesmal einen um so wichtigeren Zweck, als es mit Studien über eine zlem⸗ lich junge Krankheit im Zusammenhang steht, deren Kennt⸗ nis und Behandlung noch manche Unklarheiten übrig läßt, Es handelt sich nämlich um die sogenannte Caissonkrank⸗ heit, dieses mit so komplizierten Beschwerden einhergehende Leiden der Schleusenarbeiter. Der Aufenthalt im Cassson ist, wie die betreffenden Arbeiter nur zu gut wissen, mlt vielen physischen Unbehaglichkeiten verbunden. Der Caisson, dieser kastenförmige, aus Eisen geschmiedete, innen hohle Koloß, wird in den Fluß hinabgelassen, und dann wird durch eine Oeffnung von oben durch die Dampfmaschine komprimierte Luft eingetrieben, welche das Wasser inner⸗ halb des Caissons vollständig verdrängt. Statt der Flüssigkeit hat man dort nur mehr verdichtete Luft, und die Arbeiter, die in der Tiefe Abgrabungen und Erdar⸗ beiten sonstiger Art für die Legung von Brückenpfeilern auszuführen haben, können sich nun hinablassen und auf dem trocken gewordenen Untergrunde ihren Arbeiten nach⸗ gehen. Das Verweilen in der verdichteten Luft übt aber mannigfache Nachteile auf den Organismus, weshalb die Caissonarbeiter jedesmal blos einige Stunden in jenem Raume verbleiben dürfen. Sie werden beim Eintritt in den Caisson lebhafter und arbeiten rascher, allein nur allzu schnell stellen sich empfindlicher Druck auf allen Körperpartien, Muskelschmerzen und schließlich Erschöpfung ein. Noch schlimmer ergeht es dem Manne beim Ver⸗ lassen des Caissons, also beim Eintritt aus der verdich⸗ teten in die normale, dünnere Luftschichte. Der Wechsel wird stets sehr behutsam und langsam vorgenommen, allein trotzdem wird der Caissonarbeiter häufig von Be⸗ schwerden befallen, die ihn für den Anfang wie gelähmt erscheinen lassen. Er vermag sich nicht zu rühren, ist ohne Bewußtsein und zuweilen erfolgt Blutaustritt aus dem Gehirn und in weiterer Folge der Tod. Die Kraul⸗ heit ist noch verhältnismäßig jungen Datums und in ihren Beziehungen und charakteristischen Details wenig erforscht. Um nun in das Wesen dieses Leidens genauer eindringen zu können, haben die erwähnten Aerzte, die sich schon seit längerer Zeit mit Untersuchungen über die Caissonkrant⸗ heit befassen, das Experiment mit dem Ballon unternom⸗ men, durch welchen man gleichfalls aus der dichteren Luftschichte in die dünnere emporsteigt. Während der
Wie man hört, wird
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Normal Herren. Herren ll 6 Stück g
0 Paar 4 Damen. Gestrickte 6 Handti Schwarze Damen
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