bote A teilten Bh gen.
uf dem
0120, 9 seier—, f „än 20 rp. St. 11% Gänse her gf ad Aufi K g. J0.—f.
mer 450 101
tg, Verantw. J Ottmann, bebe h
Aswürtign
eres
11
n
2 0b
g
Skandal Degenstein“ befürchtet hatte, ö ts
Gießen, Dienstag, den 18. August
5
Ausgabe
Gießen.
andeszeikung.
Redaktion:
8. Kreuzplatz Nr. 4.
2=
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
1
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 17. August. Am gestrigen Sonn⸗ tag veranstaltete der Veteranen⸗Verein zur Erinnerung an die am 16., 17. und 18. August vor Metz n Kämpfe für seine Mit⸗ glieder einen gemeinsamen Kirchgang, worauf man sich in geschlossenem Zuge nach den Fried⸗ höfen begab, wo Pfarrer Grein an den Krieger⸗ räbern eine tief empfundene Rede hielt, die dem
edächtnis der gefallenen Kameraden gewidmet war. Nachdem die Gräber geschmückt waren, og der Verein mit klingendem Spiel zum Café bel wo die Teilnehmer bei einem Frühschoppen noch einige Zeit beisammen blieben.
Gießen, 17. August. Auf dem Schützen⸗ platz herrschte gestern anläßlich des vom Schützen⸗Verein veranstalteten Preisschießens, trotz der ungünstigen Witterung ein buntes Treiben. An den Schießständen wurde tüchtig
eknallt und mauch guter Treffer gemacht. ußer von Offenbach waren fremde Schützen gestern noch nicht eingetroffen; dieselben werden erst heute erwartet. Der Besuch des Volksfestes war ein guter. Am Nachmittag lauschte man dem Konzert der Kraußeschen Kapelle. Die Jugend amüsierte sich auf dem Juxplatz. Mit Eintritt der Dunkelheit war die große Halle durch zahlreiche bunte Lämpchen illuminiert und lustig ertönten die Tanzweisen, welche auf die jüngeren Teilnehmer 995 Wirkung nicht ver⸗ fehlten. Man befand sich trotz der Kühle, die Abends herrschte, in der ausgelassensten Volks⸗ feststimmung.
Gießen, 17. Aug. Die Strafsache gegen Vetter wegen Jagdfrevel— unsere Leser werden sich erinnern, daß der Angeklagte auf Rendeler Gebiet mit Gunderloch gemeinsam Hasen gejagt haben soll— kommt am 2. Sep⸗ tember zur nochmaligen Verhandlung vor die Strafkammer. In der Revisions⸗Instanz wurde das den Angeklagten verurteilende Erkenntnis des Gerichtshofes aufgehoben. Gunderloch, der in derselben Sache, aber in einem gesonderten Verfahren, abgeurteilt und für schuldig befunden wurde, hatte das Wiederaufnahmeverfahren be⸗ antragt, doch ist dieser Antrag abgelehnt worden und infolgedessen ein Begnadigungsgesuch einge⸗ reicht— Gunderloch hatte in dieser Hasenge⸗ schichte in der ersten Instanz gegen Vetter be⸗ schworen, daß weder dieser noch er Hasen gejagt habe. Er wurde, nachdem Vetter in 2. Instanz verur⸗ teilt, in Haft genommen. Man beschuldigte den Verhafteten nicht nur der Hasenjagd, sondern auch des Meineids. Nachdem man ihn vor der Strafkammer verurteilt, wurde Gunderloch
zweitägiger Verhandlung von den Ge⸗ schworenen des Meineids für nicht schuldig be⸗ funden und infolgedessen freigesprochen. Die Strafe wegen des Jagens muß Gunderloch, trotzdem er unter Eid bekundete, er sowohl wie Vetter hätten nicht gejagt, verbüßen, sofern das Begnadigungsgesuch ohne Erfolg bleibt.
* Gießen, 17. August. Um dem Maul⸗
zu verleiden, giebt es ein einfaches Mittel. Man lege in die Maulwurfsgänge einige mit Petro⸗ leum, Teer oder einer sonstigen stark riechenden Flüssigkeit getränkte Läppchen; dadurch wird er zum schleunigen Wegzug veranlaßt. Ein Garten⸗ besitzer, der diesen treuen Gehilfen keineswegs in seinem Garten vermissen, aber aus naheliegenden Gründen in einem oder dem andren Beete nicht erdulden mag, wendet dieses einfache Mittel oft und immer mit dem erwünschten Erfolg an.
Gießen, 17. August. Bis zur„Zlehzeit“, zum ersten Oktober, ist's zwar noch volle sechs Wochen hin; aber schon jetzt wirft sie ihre dunklen Schatten voraus und macht unsere Hausfrauen, die im nächsten Quartal ihr Heim zu wechseln gedenken, ärgerlich und nervös. Denn natürlich will der Hauswirt die gekündigte Wohnung neu vermieten; Zeitungsannoncen werden von ihm erlassen, Zettel herausgehüngt— und ununterbrochen wälzt sich nun ein Strom neugieriger Besucher heran, welche die frei werdenden Räume besichtigen und gründlich prüfen wollen. Die scheidenden Mieter sind also ver⸗ pflichtet, ihre Häuslichkeit Tag für Tag stundenlang den kritischen Blicken wildfremder Leute preiszugeben, die in ihrem Urteil nicht immer sonderlich zartfühlend und diskret sind. Das Unangenehmste bei diesen nicht zu vermeidenden Besuchen ist, daß sie häufig zu früher Tagesstunde er⸗ folgen, wodurch die ordnungsliebende Hausfrau genötigt wird, schon zeitig mit dem„Reinemachen“ der Zimmer zu beginnen. Man kann doch unmöglich in ungefegtem und ungescheuertem Zustande die wohnlichen Räume einer beliebigen Frau Schulze oder Frau Müller zeigen! Wie leicht könnte man da in üble Nachrede kommen und dem unerbittlichen Stadtklatsch verfallen!
* Langsdorf,(bei Hungen) 16. August. Gestern fiel beim Tanzen ein junger Mann plötzlich zu Boden. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Vor einem Jahr wurde dessen Schwester auf der Straße von demselben Schicksal ereilt.
* Bad Nauheim, 15. August. In der letzten Woche sind 802 Kurfremde(1895: 673) angemeldet worden; die Gesamtfrequenz ist 12803. Noch anwesend sind 3322 Personen. Der Vorsprung gegen das Vorjahr berechnet sich auf 1225.— In den letzten Wochen sind 10896 Bäder, in 1 Tag durchschnittlich 1556 abgegeben worden. Die Gesamtzahl der bis 13. August einschließlich abgegebenen Bäder ist 150573, 12909 Bäder mehr, als bis zum ent⸗ sprechenden Zeitpunkte des Vorjahres.
* Alsfeld, 14. August. Im nördlichen und nordöstlichen Teil unseres Kreises wachsen die Heidelbeeren in großer Menge, während sie in anderen Gegenden des Kreises gar nicht vor— kommen. Obwohl die Heidelbeeren fast stets geraten, so sind doch die Jahrgänge selten, wo, wie gegenwärtig, die Stöcke außerordentlich reich⸗ lich tragen. Durch diese vorzügliche Ernte ist der Preis der Heidelbeeren sehr heruntergegangen. Das halbe Liter wird im einzelnen für nur 6», im Korbe zu 5„ in den Ortschaften verkauft. Da aus Heidelbeeren ein ganz vorzüglicher Haus⸗ wein bereitet werden kann, so ist heuer die Ge⸗ legenheit hierzu besonders günstig.
* Vom südöstlichen Vogelsberg, im August. Wie die besten Absichten zum Schaden führen können, mußte ein Teil der Bewohner
des Mooser Grundes dieser Tage erleben. Dort bildete sich ein sog. Eierverein, d. h. es vereinigten sich aus mehreren Dörfern des Kirchspiels Nieder⸗Moos die Landwirte, um die in ihrer Wirtschaft erzielten Eier gemein⸗ schaftlich zu verwerten. Man schloß zu dem Zwecke einen Vertrag mit irgend einem Ab⸗ nehmer in Elberfeld, wonach franco dorten 50 Pfg. für das Pfund Eier gezahlt werden sollten. Wenn man bedenkt, daß hierzulande durchschnitt⸗ lich höchstens 3½ Pfg. für das Stück erlöst wurden, so ists begreiflich, daß man diesen Ver⸗ trag für äußerst günstig hielt. Es kamen daher sehr viele Eier zusammen. Dabei zeigte sich auch, daß ein recht merklicher Unterschied bestehe zwischen den verschiedenen Hühnerarten. Wäh⸗ rend nämlich einige Lieferanten 6—7 Stück aufs Pfund nötig hatten, brauchten andre 9—10 Stück. Es regte diese Erfahrung dazu an, auf diese Hühnerrasse besonderes Augenmerk zu lenken. Man lieferte also Eier, und da der Abnehmer auch Verwendung für Butter und Schinken hatte, sandte ein kleiner Butterhändler seine Butter und ein Metzger etwa 1 Zentner ein. Als nun kürzlich abermals telegraphisch eine Sendung Schinken bestellt wurde, wobei be— merkt war, daß das Geld für die erste unter⸗ wegs sei, war man so klug, erst einmal das Geld abzuwarten. Aber dieses kam nicht. Nach⸗ forschungen an Ort und Stelle haben nun er— geben, daß man es mit einer Schwindel⸗ firma zu thun hatte.
Schotten, 14. August. Die drei ersten Tage voriger Woche gehörten hier dem Hafer⸗ oder Sommermarkt. Auf dem Pferdemarkt, der am ersten Markttag stattfand, war der Auf⸗ trieb ein guter, auch der Handel ging lebhaft, namentlich in Fohlen. Während der Pferde— markt stärkeren Auftrieb als der vorjährige Markt zu verzeichnen hatte, war es beim Rindviehmarkt umgekehrt. Auch der Handel ging hierbei recht flau, jedenfalls verursacht durch den auffallend niedrigen Stand der Rindviehpreise. Viel besseren Fluß zeigte der Handel auf dem Schweinemarkt, der recht gut befahren war. Die Preise hielten sich auf der seither bekannten Höhe. Bezeichnend für den An- und Verkauf ist es, daß 19 Waggons Vieh mit der Bahn eintrafen, während 80 Waggons abgingen.
Mücke, 12. August. Gegenwärtig ist man auf der Station damit beschäftigt, ein zweites Geleise zu legen. Hierdurch wird dem fort⸗ während zunehmenden Verkehr auf der Station Rechnung getragen und gleichzeitig der Uebelstand abgestellt, daß eine Kreuzung der Züge nur in Nieder-Gemünden stattfinden konnte und daß beim Rangieren der Aus- und Einladeverkehr Störung erlitt.— Heute sind die Vermessungs⸗ arbeiten zur Verbindungsbahn Mücke— Laubach aufgenommen worden. Der Bau der Bahn soll im nächsten Jahr in Angriff ge⸗ nommen werden.— Die bedeutende Schmidt- sche Holzschneiderei bei hiesiger Station, die etwa 80 Arbeiter beschäftigt und einen sehr weitgehenden Holzhandel betreibt, soll, wie wir
von kundiger Seite erfahren, von einer Aktien⸗ gesellschaft übernommen und weiter in größerem Umfange betrieben werden. Der seit⸗ herige Besitzer Schmidt bleibt Teilhaber an dem neuen Unternehmen. 5
* Wölfersheim in der Wetterau, 15. Aug. Daß das Rindvieh viel schwerer zu lenken ist als Pferde, hat wohl schon mancher Fuhrmann erfahren müssen. Durch die Halsstarrigkeit von Kühen hätte vor einigen Tagen sehr leicht ein Unfall herbeigeführt werden können. Eine hiesige Frau fuhr mit einem Erntewagen, der mit zwei Kühen bespannt war, auf der Chaussee in der Richtung nach Berstadt. Kurz vor der etwa eine Viertelstunde von hier entfernt liegen⸗ den Ziegelhütte, wo die Straße eine ziemlich beträchtliche Steigung hat, wanden sich die vor⸗ her ganz harmlos und gemächlich dahinsch reiten⸗ den Kühe plötzlich nach links, einem von der Chaussee nur durch einen Kleeacker geschiedenen Kleeacker zu. Alle Bemühungen der auf dem Wagen sitzenden Frau, die Tiere durch Zurufen und Lenken von ihrem Vorhaben abzubringen, waren vergeblich. Da entschloß sich die Frau, vom Wagen abzusteigen, blieb aber dabei mit einem Bein an der seitlichen Zugkette hängen und wäre sicher mit in den Graben gerissen und überfahren worden, wenn die Kühe nicht un⸗ mittelbar vor demselben durch irgendwelchen Zufall Halt gemacht hätten, währenddessen es der Frau möglich wurde, sich aus ihrer gefähr⸗ lichen Lage zu befreien.
Heppenheim a. d. B., 16. Aug. Hier hat sich eine„Aktiengesellschaft für Gurkenverwertung“ gebildet. Die Unter⸗ nehmer sind hiesige Geschäftsleute und haben beschlossen, mit einem Grundkapital von 20000 Mark eine Gurken-Konservierungsan⸗ stalt fürs nächste Jahr ins Leben zu rufen. Behufs des Verschleißes der konservierten Früchte hat man sich schon mit verschiedenen größeren Städten in Verbindung gesetzt.
Vermischtes.
Wird mehr Bier oder Wein ge⸗ trunken? Ueber diese interessante Frage teilt das Pa⸗ tent⸗ und technische Bureau von Richard Lüders in Gör⸗ litz Nachstehendes mit. Der jährliche gesamte Weinertrag der ganzeu Welt beträgt 130 Millionen Hektoliter, während 180 Millionen Hektoliter Bier gebraut werden. Es werden also 50 Millionen Hektoliter mehr Bier ge⸗ trunken als Wein. Von dem Bier werden in Deutsch⸗ land 48 Millionen und in England 47 Millionen Hekto⸗ liter getrunken. Hierauf folgen die Vereinigten Staaten Amerikas mit 37, Oesterreich-Ungarn mit 14 und Frank⸗ reich und Belgien mit ungefähr je 10 Millionen Hekto⸗ liter. Hieraus läßt sich ersehen, daß Deutschland die tüchtigsten Biertrinker besitzt.
— Güterwagen für die deutschen Eisen⸗ bahnen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Eisenbahn⸗Direktion in Berlin beauftragt, 3666 Güter⸗ wagen, und zwar 1060 bedeckte Güterwagen, 800 offene Güterwagen, 800 Kohlenwagen, 800 Kokswagen, 120 Kalkdeckelwagen, 60 Plattform- und 26 Langholzwagen zu beschaffen. Auf die einzelnen Direktionen verteilen sich die Wagen, wie folgt. Altona 30, Breslau 786, Brom⸗
wurf die Wühlarbeit an Gartenbeeten u. s. w.
—
.— Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. 12(Fortsetzung.) Effenberg, schon im Begriffe zu gehen, blickte den Grafen zweifelnd an. „Ja, ja, ich rede bei voller Vernunft“, ver⸗ sicherte dieser gelassen.„Thun Sie, was jetzt Ihre Pflicht ist! Ich will indessen— ein umfassendes schriftliches Bekenntnis aufsetzen, das den Gang der Dinge sehr vereinfachen wird.“ „Thun Sie das!“ Effenberg nickte und verließ mit raschen Schritten das Zimmer, während sich Degenstein Schreibtisch wandte, als wolle er den eben ußerten Vorsatz auf der Stelle ausführen.... Draußen im Vorzimmer wartete Ignaz. Er atmete erleichtert auf, als er den Baron in leid⸗ licher Haltung heraustreten sah. g „Kommen Sie!“ flüsterte Effenberg, die bange age in der Miene des Burschen beantwortend. „Sie müssen nun wirklich unverzüglich.... Eine heftige Detonation schnitt dem Freiherrn hier das Wort ab. Sie war aus dem Bibliotheks- zimmer gekommen. Dort mußte ein Schuß ge—⸗ fallen sein 1 * 1* 2 5 Die schlimmen Erwartungen erfüllen sich in diesem Leben weit sicherer als die hoffnungsvollen. Alles, was der Freiherr v. Effenberg von dem traf ein, die in ihrer Mitte
5 17, lieb der Familie erspar 155
enen— Mörder aufgenommen hätte.
sah fast so aus, als wolle die„gute Gesellschaft“ diesen drei Personen die Sühne auferlegen, der sich der Missethäter durch seinen Selbstmord entzogen atte.
5 Aber da sollte dem armen Baron, den die nächsten Tage nach Degensteins Ende schier ge⸗ brochen hatten, von einer ganz unerwarteten Seite der tröstliche Beweis zuteil werden, daß er noch Freunde hatte. Emmerich v. Fröden, der Gesandt⸗ schaftsattache, der sich's einst zugeschworen hatte, keinen Fuß mehr in das freiherrliche Haus zu setzen, hielt es jetzt für seine Pflicht— und zwar noch ohne jeden„Hintergedanken“— der schwer⸗ geprüften Familie seine Teilnahme zu bezeigen und um so treuer zu ihr zu stehen, als sie von ihrem sonstigen Bekanntenkreise auf die kränkendste Art gemieden wurde.
Ignaz, der Diener, hatte der Entwicklung der Dinge mit bangem Herzen entgegengesehen; als der Herr aber diese erste Visite nach der großen Katastrophe bei den Effenbergs abstattete, da atmete er wieder im alten Frohmut auf. Ah! jetzt machte er sich keine Sorge mehr darüber,„wie die Ge⸗ schicht' ausgehen“ würde.
So fleißig aber auch der Attaché in den nächsten vier Wochen im Hause des Freiherrn verkehrte, so streng hielt sich Ignaz von dort ferne. Freilich, er büßte dabei nichts ein, denn jenes Paar „Schwarzbeerenaugen“ das er dort zu suchen ge⸗ habt hätte, wurde ihm andernorts zugänglich. Die schönen Sonntagsnachmittage im lustigen Prater, von denen die Wetti geträumt, kamen jetzt wirklich
zustande. Und der„Nazi“ hatte umsomehr Ur⸗ sache, zu seinem Humor zurückzukehren, als er sich davon überzeugen konnte, daß sich sein Herr von Tag zu Tag auffallender von seiner einstigen „schwarzen Melancholie“ befreite.—
Zu Ende des Juni hatte der Freiherr v. Effenberg seine Angelegenheiten endlich bestellt. Sein Gesuch um Entlassung aus dem Staatsdienste war genehmigt, das Hauswesen in Wien so gut wie aufgelöst. In einem idyllischen Winkel der schönen Steyermark aber waren fleißige Arbeits⸗ hände daran, das neue Heim der Familie auszu- statten; es war das Herrenhaus eines bescheidenen Rittergutes, auf dem der Baron sein Leben zu be— schließen gedachte.
Am Abend vor dem Johannistage kam Herr v. Fröden in sehr gehobener Stimmung nach Hause batte aber eine eigentümliche Art, den neugierigen Augen seines Bedienten auszuweichen.„Pack' meine Koffer!“ warf er kurz hin.„In zwei Stunden will ich fort.“
„Der Herr Attaché verreisen?“ machte Nazi mit gut gespielter Verwunderung.
(Schluß folgt.)
— Ueber einen raffinierten Diebstahl wird der „Köln. Ztg.“ aus Lüttich geschrieben: An der Kreuzung von vier belebten Straßen wurden aus einem Packetbestellwagen der Lütticher Posthalterei(Messageries de Etat) ein 16,3 Kg. schwerer Beutel mit 50,000 Fr. in Goldmünzen, ein Wertbrief von 1000 Fr. und eine Anzahl kleinerer Wertpackete gestohlen. Der Diebstahl erfolgte, während die beiden Begleiter des Wagens diesen auf wenige Augen⸗
blicke verlassen hatten, um einige schwere Packete in der Nachbarschaft abzuliefern. Eine Ladengehülfin, die an ihrem Schaufenster stand, hat gesehen, wie ein kleiner Mann, der einen blauen Kittel und einen Strohhut trug und in der Hand eine Reisetasche hielt, sich auf den Wagen schwang, das Schloß des Behältnisses, in welchem sich die Wertsachen befanden, mit einem Schlüssel öffnete und darauf die Reisetasche mit den vier gefundenen Packeten füllte. Der Zeugin fiel die Sache nicht weiter auf, da der Mann völlig wie ein Fuhrmann der Post⸗ halterei aussah und den Kasten für Wertsachen vor seiner Entfernung ruhig wieder abschloß. Zu dem Dieb gesellte sich ein zweiter Mann, der wie ein amtlicher Begleiter der Packetbestellwagen gekleidet war und während des Dieb⸗ stahls mit einer Zeitung in der Hand Posten gestanden hatte. Die Spitzbuben entfernten sich ruhig durch eine Seitenstraße und sind verschwunden. Der gestohlene Geld⸗ beutel war von der Nationalbankstelle in Grammont an die Lütticher Filiale der Nationalbank, der Wertbrief an die Firma Emonds-Dossin in Lüttich gerichtet. Die für verschiedene Empfänger bestimmten kleineren Packete ent⸗ hielten eine Goldbarre von 146 Gr., ein Bund Blattgold, verschiedene Taschenuhren und Juwelen. Die Firma Du⸗ pont, welche die Messageries de l'Etat betreibt, hat 2000 Fr. auf die Entdeckung der Diebe ausgesetzt.
— Die Fahrt über den Ocean wird immer kürzer. Der Cunard⸗Dampfer„Cam pa⸗ nia“ hat die Reise von Queenstown nach New⸗York in 5 Tagen 9 Stunden 35 Minuten zurückgelegt. Durch⸗ schuittlich hat das Schiff 21½ Knoten die Stunde durch⸗ messen. Die Fahrgäste, welche am Sonnabend von Lon⸗ don um die Mittagszeit nach Liverpool fuhren, sind am nächsten Freitag in New⸗York angekommen.


