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Nr. 167
Gießen, Sonnabend, den 18. Juli
1896.
Ausgabe
Hessische Landeszeitun
Gießen.
Redaktion:
Kreuzplatz Nr. 4. 5
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die§spaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles.
Gießen, 17. Juli. Die Konkurse im Jahre 1895. Seit dem 1. Januar 1895 besitzt das Deutsche teich eine amtliche Konkursstatistik. Obgleich die Er⸗ gebnisse, die sie geliefert hat, nicht völlig einwandfrei sind, o sind sie doch immerhin geeignet, wenigstens ein an⸗ zähernd zutreffendes Bild zu liefern. Nach dem jüngst erschienenen„Statistischen Jahrbuche für das Deutsche steich“ wurden im Jahre 1895 6333 Konkurse eröffnet. Dieser Zahl sind die 661 Fälle hinzuzurechnen, in denen ser Antrag auf Konkurseröffnung wegen Mangels einer te Kosten des Verfahrens deckenden Konkursmasse abge⸗ khnt wurde. Im Ganzen sind immerhin 6994 Konkurs⸗ äälle zur amtlichen Kenntnis gelangt. Im Verhältnis sur Einwohnerzahl gestaltet sich die Häufigkeit der Kon⸗ surse derart, daß im ganzen Reiche auf 100000 Ein⸗ pohner 13,5 Konkurse entfallen. Von den Einzelstaaten tehen die Hansestädte obenan. Ste hatten, wie es ja zalürlich erscheint, als Haupthandelsplätze mit überwiegend tädtischer Bevölkerung die meisten Konkurse, nämlich Bremen 43,7, Lübeck 36,3 und Hamburg 33,4 auf 100 000 Einwohner, dann folgen Sachsen-Altenburg mit 29,0. Preußen hatte 11,5, Baiern 10,0 Konkurse uf 100 000 Einwohner. Innerhalb der preußischen krovinzen lagen die Verhältnisse wieder sehr verschieden; mulffälliger Weise steht Schleswig⸗Holstein mit 21,9 obenan; is fanden dort verhältnismäßig ebensoviel Konkurse statt wie in Berlin. Alsdann folgen die Provinzen Sachsen mit 13,7 und Brandenburg mit 12,4, während West⸗ sreußen und Posen mit 7,9 am günstigsten dastehen. Die wenigsten Konkurse entfielen auf Waldeck mit 5,2 und Schwarzburg⸗Rudolstadt mit 3,4. Für Sachsen⸗Meiningen legen Zahlen nicht vor. Was die Subjekte anbelangt, über deren Vermögen Konkurs eröffnet wurde, so waren sie iu 6104 Fällen physische Personen, darunter in 672 Fällen weibliche. 580 Konkurse betrafen Nachlässe, 260 Handelsgesellschaften, 23 Genossenschaften und 27 andere Gemeinschuldner. Bei den 3770 durch Schlußverteilung beendeten Konkursen erhielten die Gläubiger in 183 Fällen gar nichts, in 540 Fällen weniger als 5 v. H. ihrer nicht bevorrechtigten Forderungen, in 635 Fällen 5 bis unter 10 v. H. und in 606 10 bis unter 15 v. H.
* Gießen, 16. Juli. Die ältesten Lehrer im ee sind wohl die Herren Oberlehrer Kübe in Mainz und Lehrer Mag⸗ mus in Ruppertsburg im Kreise Schotten; eisterer ist 58, letzterer 59 Jahre im Schuldienst thätig. Da beide Lehrer noch sehr rüstig sind, so dürften sie in zwei, bezw. einem Jahre ihr
60jähriges Dienstjubiläum feiern können.
Gießen, 17. Juli. Gestern ist endlich auf der Nordanlage der erste Spatenstich zur Aushebung des Grundes behufs Erbauung des Kaufmännischen Vereinshauses erfolgt. Die Architekten Stein u. Meyer haben den Bau für 32000. fix und fertig herzustellen übernom⸗ men und diese Arbeit für den gleichen Preis der Baufirma Birkenstock u. Schneider übertragen.
* Gießen, 17. Juli. Unfall. Beim Ab⸗ fahren von Lahnkies von dem Baggerschiff über eine Bohle nach dem Lahnufer unterhalb des Untermühlwehrs fiel gestern Nachmittag
der Taglöhner Hch. Hopp von hier mit sei— nem Schiebkarren von der Bohle herunter in die Lahn und wurde hierbei durch Nach— fallen des Karrens an der Brust und innerlich derart verletzt, daß er in die Klinik gebracht werden mußte. Ohne wieder zur Besinnung zu gelangen, starb derselbe einige Stunden nachher. Der Verunglückte hinterläßt Frau und Kinder in hülfsbedürftiger Lage.
* Gießen, 17. Juli.(Strafkammer⸗ Sitzung). Jacob Heidt von Gießen ver⸗ folgte Berufung gegen ein Urteil des Schöffen⸗ gerichts, welches ihn wegen Sachbeschädigung zu 4 Monate Gefängnis verurteilt hat. Die Straf⸗ kammer hob das Urteil der Vorinstanz auf und erkannte nur auf 3 Wochen Gefängnis.— Der Brauer Joh. Georg Nock von Freiburg in Baden, aus der Haft vorgeführt, noch unbestraft, wurde darauf wegen Majestätsbeleidigung zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der An⸗ geklagte war in Gießen thätig, kam in ange⸗ trunkenem Zustande in einer Kneipe mit einigen Soldaten über das Heer ins Gespräch und hat hier die inkriminierte Aeußerung in Bezug auf den Kaiser gethan. Er weiß heute selbst nicht, wie er dazu gekommen. Die erlittene Untersuchungs⸗ haft wurde dem Angeklagten voll angerechnet. — Dann wurde unter Ausschluß der Oeffent⸗ lichkeit gegen den 19 Jahre alten Kutscher Har⸗ nisch von Friedberg wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an einem 9 Jahre alten Mädchen, ver⸗ handelt. Der Angeklagte bestreitet seine Schuld. Nach beendeter Beweisaufnahme wird die Ver⸗ handlung auf Montag vertagt, um weitere Be⸗ weise zu erheben und neue Zeugen zu laden.
* Gießen, 16. Juli. Sitzung der Stadt⸗ verordneten. Oberbürgermeister Gnauth teilt vor Eintritt in die Tagesordnung dem Kollegium mit, daß der Turnverein zur Feier seines 50jährigen Jubiläums eine Einladung an den Stadtvorstand erlassen.— Das Komité gegen Verlegung des Viehmarktes hat dem Stadtvorstand Kenntnis gegeben von der s. Zt. von der Bürgerversammlung im Café Leib beschlossenen Re⸗ solution gegen eben diese Verlegung nach dem Süd⸗Ende der Stadt. Die Resolution wird durch Verlesen zur Kenntnis der Versammlung gebracht. Ferner teilt der Oberbürgermeister mit, daß durch den Rechtsanwalt J ost Namens der Herren Hanau, Bieler, Happel, Euler der Rekurs gegen den Beschluß der Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung(aus den schon in der Presse erörterten Gründe. Red.) verfolgt werde. Dieser Rekursver⸗ folgung ist auch der Stadtverordnete Schmall beigetreten. — In die Tagesordnung eintretend wird eine Uebersicht über die Ein⸗ und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule für das Jahr 1895/96 erteilt. Der Zu⸗ schuß zu den sachlichen Ausgaben seitens der Stadt ist unter dem Voranschlag geblieben. Die Versammlung hat bei dieser Uebersicht nichts zu erinnern.— Der Großh. Direktion der Oberhessischen Eisenbahnen war s. Zt. bei Genehmigung der Errichtung des neuen Werkstättengebäudes aufgetragen worden, dieses nach dem Klingelbach zu, bis
zur Regelung der Kanalisation, zu entwässern. Heute liegen die
Pläne dieser Entwässerung vor, welche widerruflich genehmigt werden.— Stadtv. Kirch führt aus, daß er bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen wolle, daß nach dem be— kannt gewordenen Staatsvertrag zwischen Hessen und Preußen, bei Uebergang der Oberhessischen Bahnen an das letztere, die Interessen unserer Stadt durch Verlegung der Di⸗ rektion dieser Bahn empfindlich geschädigt würde. Er wolle hier⸗ mit anregen, ob man nicht Schritte thun solle, um die Interessen auszugleichen und frage gleichzeitig an, ob etwa die Bürgermeisterei nach dieser Richtung hin Schritte gethan habe. Der Oberbürgermeister habe geglaubt in der Frage abwarten zu sollen, bis diese amtlich an ihn herantreten würde, und dieses sei vor einigen Tagen ge⸗ schehen. Nach dem Vertrag, der ja durch die Presse be⸗ kannt geworden, sei unzweifelhaft, daß eine selbständige Direktion für die Oberhessischen Bahnen in Fortfall komme. In der Bestimmung 7 des Schlußprotokolls die Ab⸗ machungen zwischen der Staatsregierung und Preußen betreffend, sei aber die Bestimmung enthalten, daß bei der Einteilung der einzelnen Inspektionen auf Darmstadt und Gießen Rücksicht zu nehmen sei. Der Schaden für unsere Stadt wird ein doppelter sein. Die Interessenten, welche hier wohnen und welche früher es sehr bequem hatten mit der Direktion zu verkehren, werden sich später nach Frankfurt wenden müssen. Durch die Verlegung dieser Verwaltung aus unserer Stadt verlieren wir eine Anzahl gut besoldeter Beamten, wodurch eine Anzahl von Wohnungen leer werden, abgeseheu davon, daß auch andere Interessen dadurch verletzt werden, verliert auch die Stadt die Steuerkraft der uns verlassenden Beamten. Es fragt sich nun, wie der Schaden auszugleichen sein würde, und da vertritt der Oberbürgermeister nach den von ihm ein⸗ geholten Informationen den Standpunkt: Das Mindeste was an Stelle dessen, was wir verlieren, zu fordern sei, wäre die Einrichtung zweier Betriebs-Inspektionen, ferner einer Maschinen⸗Inspektion und einer Verkehrs-Inspektion, jede zu 6—8 Beamte, so daß wir zusammen etwa als Ersatz 24—32 Beamte bekämen für die fortfallenden 35 bis 40 Beamten der Direktion. Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß sich die Landstände in der nächsten Woche mit der in Rede stehenden Frage des Uebergangs auch der Oberhessischen Bahn in preußische Verwaltung zu beschäftigen haben werden. Er habe sich ohne die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung bereits mit einer Eingabe an die Staatsregierung gewandt und zur Wahrung der Interessen der Stadt die Schädigung dieser Interessen dargelegt und dieselbe zu veranlassen gesucht, der Bürgermeisterei mitzuteilen, auf welch mindeste Zahl von Inspektionen, mit welcher Anzahl von Beamten wir auf Grund der Bestimmung 7 des Schlußprotokolls un⸗ bedingt zu rechnen haben. Sollte eine Antwort auf die Eingabe der Bürgermeisterei an das Ministerium nicht bald erfolgen, so ist wohl anzunehmen, daß das Ministerium eine Erklärung in der Kammer abgeben wird. Nach Ver⸗ lesung der Eingabe an das Ministerium bittet der Ober⸗ bürgermeister, die von ihm gethanen Schritte seitens der Versammlung nachträglich gut zu heißen. Die Versamm⸗ lung spricht die Billigung der Eingabe aus.— Dem Emil Schmall wird widerruflich gestattet, an seinem Hause in der Lindengasse ein Schild anzubringen, welches die Wasserrinne des Marktlaubengebäudes verdeckt. Das Schild kommt aufrecht zu stehen und muß unter vom Stadtbauamte vorgeschriebenen Bedingungen angebracht werden.— Dem Uhrmacher Otto Schmidt wird ebenfalls widerruflich genehmigt, am Hause Marktstraße Nr. 1,
Ecke Marktplatz, in einer Höhe von 4,50— 4,75 Meter eine doppelseitige Uhr, welche mittels Elektrizität getrieben wird, anzubringen.— Ein Baugesuch der Firma Heyligen⸗ städt u. Co. zur Errichtung eines Pack- und Lagerhauses, sowie zweier Lagerschuppen an der projektierten Liebig⸗ straße wird, weil diese Bauten Teile des schon genehmigten Fabrikneubaues bilden, ausnahmsweise genehmigt.— Ein Baugesuch des Heinrich Winn für die Hofmannstraße, an der Ecke der auszubauenden Hollergasse, wird nach dem Antrag der Baudeputation genehmigt. Gesuchsteller ver⸗ pflichtet sich, die Pflasterkosten in Höhe von 1200 sicher zu stellen und außerdem das erforderliche Gelände zur Straßenanlage zum Preise von 1, 12 an die Stadt abzutreten.— Für den Ausbau des Riegespfades — es ist dies die Straße an der Ludwigstraße längs der Oberhessischen Bahn— sind 17000& im Etat pro 1896/97 eingestellt. Der Versammlung liegen heute die speziellen Pläne für die Herstellung der Straße vor, welche einen Kostenvoranschlag von 17 600& nachweisen. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß der Bau der Straße schleunigst begonnen wird.— Für 2 Zeichen⸗ schränke für den Stadtgeometer werden 360„ bewilligt. — Die Vorlage des Wirtschaftsplanes über die Wald⸗ rechnung schließt mit einer voraussichtlichen Minder⸗Ein⸗ nahme von 3400„ ab. Die Versammlung hat gegen den Wirtschaftsplan nichts zu erinnern.— Die hiesigen Ziegenbesitzer hatten sich im vergangenen Jahre an den Stadtvorstand wegen eines Zuschusses zur Haltung von Ziegenböcken gewendet. Man hatte den Petenten nahe⸗ gelegt, sich vorerst mit dem Antrage an den Landwirt⸗ schaftlichen Verein zu wenden und sich zu einem Ziegen⸗ züchtervein zusammen zu thun. Der Ziegenzüchterverein hat sich inzwischen konstituiert. Er verfügt über 4 Böcke und 172 Ziegen. Die Versammlung bewilligt auf Be⸗ fürwortung des Landw. Vereins pro Bock und Jahr 25.— Es folgt hierauf die Beratung des einzurich⸗ tenden städtischen Arbeitsnachweises. Ober⸗ bürgermeister Gnauth hat der Versammlung des freien deutschen Hochstifts am 8. Oktober 1893 in Frankfurt a. Main beigewohnt. In dieser Versammlung wurde über das Thema Arbeitslosigkeit und Arbeits vermittelung verhandelt. Er verwertete diese Anregung, indem er in dem darauf folgenden Verwaltungsbericht seine Geneigtheit aussprach, der Frage eines städtischen Arbeitsamtes näher zu treten, wenn von Seiten der Interessenten dahin gehende Wünsche an ihn herantreten würden. Dies sei unter dem 15. September 1895 durch eine aus der Mitte von Ar⸗ beitern gewählte Kommission geschehen. Deren Vertreter, Ph. Scheidemann, habe sich mit einer Eingabe an die Bürger⸗ meisterei gewandt und schon gesiichtetes Material vorgelegt, wie man sich unter der Arbeiterschaft die Sache denke. Hierauf hat sich der Evangelische Arbeiterverein über die Frage zustimmend geäußert und den Wunsch ausgesprochen, daß das Amt gleichzeitig sich mit der Vermittlung und Vermietung der kleineren Wohnungen befassen möge. Auf Anfrage äußerte sich die Großh. Handelskammer und der Vorstand des kaufmännischen Vereins, daß für den Kauf⸗ mannsstand der Arbeitsnachweis unnötig sei, da die kauf⸗ männischen Vereine und die Fachpresse dem Bedürfnisse des Stellennachweises vollkommen gerecht würden. Die Bür⸗ germeisterei informirte sich nunmehr über diese Augelegen⸗ heit weiter in Stuttgart und Frankfurt, wo derartige Einrichtungen bereits bestehen, sie wandte sich nach Maiuz, wo man ein solches Amt einzurichten beabsichtigte. Es folgte dann eine Sitzung an der die 24 Besitzer des Ge⸗
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Digitalis purpurea. Eine Erzählung nach dem Leben von A. Oskar Klaußmann. (Nachdruck verboten.)
„Ich verspreche Ihnen nochmals, Herr Brink⸗ mann, möglichste Milde gegen Sie walten zu lassen und dem Herrn Direktor die Sache in Ihrem Inter⸗ sse recht harmlos darzustellen; aber bitte, schreiben Sie mir Ihre Adresse auf.“
Brinkmann riß ein Blatt aus seinem Notiz- buch und schrieb darauf:
„R. Brinkmann, Regierungsbeamter, Taschen— üraße 48.“
„Es ist gut“, sagte Dr. Brettschneider,„ich muß Sie natürlich nun dringend ersuchen, alle weiteren Beraubungen des Botanischen Gartens zu gassen und kann Sie versichern, daß unsere Gärtner Sie bei einem etwaigen weiteren Besuch des Vartens besonders scharf beobachten würden.“
„Ich werde, um mich nicht in Versuchung zu bringen, gar nicht mehr den Botanischen Garten be— mchen“, erklärte Brinkmann,„wenn ich mich da⸗ burch vielleicht auch um das höchste Vergnügen meines Lebens bringe. Ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank, Herr Doktor. Möge Ihnen der Himmel Ihre Güte vergelten!“
Brettschneider befahl den Gärtnern und Auf⸗ sehern, den Herrn, der seine Adresse angegeben babe, unbehindert hinausgehen zu lassen, und Brinkmann entfernte sich unter höflichem Gruße.
Da die Verhaftung Brinkmanns in den Tages⸗ vapport des Kastellans geschrieben wurde und so zur Kenntnis des Direktors kam, war Brettschueider gezwungen, von der Angelegenheit seinem Vorge⸗ setzten Mitteilung zu machen.
Der Direktor war geneigt, die Sache auch milde aufzufassen und auf eine gesetzliche Verfolgung
Brinkmanns zu verzichten. Aber er glaubte doch, daß eine Strafe einem gebildeten Mann gegenüber am Platze sei, der sich nicht entblöde, sich an den Beständen des Botanischen Gartens zu vergreifen. Er schrieb daher selbst einen Brief an Brinkmann, in dem er ihn aufforderte, zur Sühne eine Summe von 20 Mark an die Unterstützungskasse der Ar⸗ beiter des Botanischen Gartens zu zahlen.
Dieser Brief kam am nächsten Tage als un⸗ bestellbar zurück. Es wohnte in dem Hause Taschenstraße 48 kein Regierungsbeamter Brinkmann. Ein solcher war nach den polizeilichen Angaben überhaupt nicht in Breslau gemeldet und aufzu— finden.
Der Direktor ließ Dr. Brettschneider kommen und zeigte ihm die postalischen Vermerke auf dem zurückgekommenen Brief.
Brettschneider machte darauf ein sehr erstauntes Gesicht, und der Direktor konnte nicht umhin, ihm zu bemerken:
„Sie waren recht unvorsichtig und haben sich von dem Mann belügen und betrügen lassen. Haben Sie ihm denn irgend eine Legitimation ab— gefordert?“
„Nein!“ erklärte Brettschneider;„er machte einen so glaubwürdigen Eindruck auf mich, daß ich ohne Weiteres annahm, der Mann werde mich nicht belügen.“
„Sie sehen, er hat es doch gethan, Herr Doktor. Lassen Sie sich das eine Warnung sein, und glauben Sie nicht ohne Weiteres bloßen Ver⸗ sicherungen. Ein Mann, der sich an den Beständen des Botanischen Gartens vergreift, ist an und für sich ein Lump, wie Sie hierdurch sehen, und wer stielt, der lügt auch selbstverftändlich“———
2. Am Fuße der Karpathen auf österreichischem
————— Gebiet, aber dicht an der schlesischen Grenze, liegt das liebliche Ernstdorf. Es hat eine schwache Soolquelle, vor Allem aber eine geschützte Lage am Fuße des Gebirges, ist im Sommer kühl, hat eine außerordentlich reine Luft und wird deshalb von Sommerfrischleru, Badegästen aus Oesterreich⸗ Schlesien und Galizien, vor Allem aber aus der Provinz Schlesien sehr stark besucht.
Von Breslau führt eine Fahrt durch den inter essanten oberschlesischen Industriebezirk und über die Grenzstation Dpieditz nach Ernstdorf.
Auch der Privatdozent Dr. Brettschneider ver⸗ brachte seine Ferien in Ernstdorf, allerdings nicht nur in der Absicht, seine Gesundheit zu stärken, sondern um von da aus botanische Exkursionen in die Vorberge der Karpathen vorzunehmen, damit er sich mit der hochinteressanten Flora der Vorkarpathen vertraut mache. Dr. Brettschneider war ein streb— samer junger Botaniker, dem nicht nur daran lag, eine Professur zu erlangen, sondern der auch den Drang hatte, auf wissenschaftlichem Gebiet etwas zu leisten. Auch der Zwang, Geld zu verdienen, veranlaßte ihn zur Herausgabe botanischer Werke. Als Privatdozent empfing er keinen Gehalt, und die Stelle als Assistent am Botanischen Garten war sehr schlecht dotiert und betrug kaum das Ein⸗ kommen eines Arbeiters. Dr. Brettschneider hatte sie angenommen, um wenigstens ein festes Ein⸗ kommen zu haben; denn seine Liebe zur Botanik und zur exakten Naturwissenschaft waren bedeuten⸗ der gewesen als die Mittel, über die er verfügte, und nachdem er unter ziemlichen Schwierigkeiten seine Universitätsstudien absolviert und das Doktor⸗ examen gemacht hatte, mußte er ernstlich daran denken, sich Einnahmen zu verschaffen, wollte er nicht in Not und Schulden geraten.
In solchen Badeorten schließt man sich leicht aneinander an. Es bilden sich in der Gesellschaft
gewöhnlich, große Gruppen, die ziemlich fest zu— sammenhalten und deren Mitglieder untereinander recht angenehm verkehren. Die Gesellschaftsgruppe, welcher Dr. Brettschneider angehörte, kam jeden Abend in einem der einfachen Gasthäuser zu einem gemütlichen Schoppen zusammen. Mau trank einige Glas von dem billigen und schönen Ungarwein und ging dann sehr solide nach Hause, um ordentlich auszuschlafen.
Als Brettschueider eines Abends mit seiner Ge— sellschaft in dem Gasthause saß, entdeckte er an einem der Nebentische einen Unbekannten, der sehr eifrig die Wiener Zeitungen las. An diesem Un⸗ bekannten fiel Brettschneider irgend etwas auf, das ihn veranlaßte ihn immer wieder zu betrachten. Brettschneider wußte selbst nicht, was das sei, wie ein Blitz aber kam ihm plötzlich die Erkenntnis; dieser Mann da ist ja Brinkmann oder wenigstens der unverschämte Mensch, der sich bei dem Dieb— stahl im Breslauer Botanischen Garten diesen Namen beigelegt hat.
Grade als Brettschneider so weit war, daß er den Meuschen erkannt hatte, erhob sich dieser, bezahlte seine Zeche und verließ das Gasthaus. Nach einiger Zeit rief Brettschneider den Wirt heran und fragte ihn, ob er nicht wisse, wer der Gast sei.
„Ich kenne ihn nicht“, erklärte der Wirt,„er ist heut zum dritten Male hier, kam aber bisher nie abends sondern immer nur am Tage. Er sagte mir, er habe einen weiten Weg. Ich vermute, er wohnt gar nicht hier in Ernstdorf, sondern in der Nähe in irgend einem Gorallendorfe.“
Die Gorallen sind Slowaken, die echten Rastelbinder und Mausefallenhändler, die mit ihrem Kram von Drahtwaaren in der ganzen Welt herumziehen und die in den Karpathen und ihren Vorbergen zu
Hause sind.(Fortsetzung folgt.)


