Ausgabe 
18.6.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 18. Juni

1896.

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starl Platz wird demnächst pensioniert werden.

Steuerzahler mit dem alt gewordenen Beamten die vollständig veraltete und unpraktische Steuer-

erhebestelle.

mit Rindvieh, Schweinen oder Schafen befahren werden.

Ausdruck gegeben habe. Gewonnen habe ich diese

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeikung,

lles. Gießen, 17. Juni. Die in der nächsten Stadtverordneten⸗Versammlung zur

berlegung wird voraussichtlich eine große Bekanntlich sind die Sstzungen öffentlich, und ist anzunehmen, daß ch ein größeres Auditorium einfinden wird. Es wäre überhaupt kein Schaden, wenn die Thätigkeit unserer Herren Stadtväter mehr an her Quelle studiert würde.

* Gießen, 17. Juni. Distrikts⸗Einnehmer

Wir haben vor einem Jahr die Verhältnisse der staatlichen Steuererhebestelle Gießen einmal be⸗ prochen und dieselbe für eine Stadt von der Bedeutung Gießens für unbedingt reformbedürftig erklärt. Hoffentlich verschwindet nun für die

* Gießen, 17. Juni. Fast allabendlich wimmelt es auf dem Trieb von Radfahrern, auch einzelne Damen pflegen den Sport dort mit Chik und Eleganz. Wir hören, daß sich Gießen an den d deen Straßenrennen der Salson stark beteiligen wird.

Gießen, 17. Juni. Mit Rücksicht auf die zur Zeit für den Bezirk Grünberg be⸗ stehende, erhöhte Seuchengefahr hat das hie⸗ sige Kreisamt den für den 18. l. Mts. anbe⸗ Taunten Viehmarkt zu Grünberg ver⸗ boten. Es darf hiernach dieser Markt nicht

Gießen, 17. Juni. In derDarmst. Ztg. lesen wir folgende Erklärung: Soeben erst ersehe ich aus dem Bericht derDarmstädter Zeitung vom 10. Juni über die 74. Sitzung der Zweiten Kammer der Stände, daß Herr Ministerialrat Muhl bei der Beratung über die Gründung ständiger Forstassistentenstellen folgende Aeußerung gethan hat:Geschmackvoll sei es auch nicht von den Forstassessoren gehandelt, Gulgchten von Professoren einzuholen. Der erste e in Gießen, dessen hohe theoretische

enntnisse er anerkenne, sei doch nicht so, wie die Leute, die immer in der Praxis gewesen seien, in der Lage, diese Frage zu überschauen. Ich bemerke zur Richtigstellung nur, daß ich von dem Verbande der hessischen Forstassessoren um ein Gutachten nicht enen worden bin, sondern aus freiem Antriebe meiner Ueberzeugung

während langjähriger praktischer Thätigkeit in einem Staatsforsthaushalt, in welchem die jetzt in Hessen 1 7 Einrichtung seit langer Zeit mit bestem Erfolge besteht. Gießen, den 14. Juni 1896. Dr. R. Heß. o. ö. Professor der Forstwissenschaft an der Landesuniversität.

* Gießen, 16. Juni. Die Hitze über alle Begriffe gut mit uns, daß wir uns schier erstickt fühlen von ihrem Wohlwollen. Besonders zur Mittagszeit, wenn die Sonne senkrecht auf unsere Scheitel herabbrennt, gestehen wir beschämt ein, daß wir so feu⸗ riger Liebe nicht würdig sind und eilen schweißtriefend zum nächstentiefen Keller, um unseren Unwertim Schatten kühler Denkungsart zu verbergen und unseren verdorrten Gaumen mit irgend einer Flüssigkeit, die lange genugauf Eis gelegen hat, zu befeuchten. Dort, vom sicheren Schlupfwinkel aus, betrachten wir mitleidig durch graue oder blau Gazefenster die Vorübergehenden, die in einer Temperatur von fünfundzwanzig Grad Reaumur schutzlos die Straße dahin wallen. Das Pflaster, dessen Steine wie die Kacheln eines Backofens glühen, droht die doppel⸗ sohligsten Stiefel zu versengen und bei jedem Schritt, der gethan wird, wirbelt die bescheidenste weibliche Schleppe einen Staub auf, der sich beißend in geblendete Augen wühlt und empfindsame Lungen unwiderstehlich zum Husten reizt. Vergebens sucht der hülfesuchende Blick nach einem Spreugwagen aus, der nirgends, soweit die geübteste Sehkraft reicht, zu erforschen ist. Ach, ein Sprengwagen deucht uns in diesen Tagen der tropischen Hitze nützlicher, als eine mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattete Equi⸗ page, und wenn sein unmelodisches Gerumpel von ferne an unser Ohr schlägt, so zieht neue Hoffnung in unser Herz ein und unser Fuß eilt ihm beflügelt entgegen. Seht, da biegt er eben schwerfällig um die Ecke! Eine Flath erdrückender Tropfen bezeichnet seine Spur und die liebe Jugend rennt jauchzend hinter ihm her, bis zum Knie die Kleidchen oder Beinkleid hochgekrempelier und mit nackten Füßen fröhlich in den Lachen herumpatschend. welche den Staub der Straße gierig aufsaugen. Im Nu bietet der breite Fahrdamm ein anderes Bild. Er ist wie unter Wasser gesetzt und ein frischer Hauch, ein kräf⸗ tiger Erdgeruch, geht von ihm aus. Die Luft kühlt sich merklich ab, ein feuchter Dunst legt sich angenehm auf die erhitzten Stirnen und schläfrigen Augenlider. Freilich! Wie lange? Bald wird die Sonne wieder triumphirend auf das besiegte Element herniederlächelu, die Hitze wird doppelt drückend auf Fahrdamm und Bürgersteig lasten. Der Sprengwagen kann daher, wenn er seinen Zweck richtig erfüllen will, gar nicht oft genug kommen; er, muß unermüdlich sein im dem Kampfe, den er zu Gunsten der schwitzenden Menschheit im Sommer kämpft. An Wasser fehlt's ja nicht und ein bischen Wasser ist doch das Mindeste, was der pünktliche Steuerzahler in den Hundstagen verlangen darf!

* Bad Nauheim, 17. Juni. Am Sams⸗ tag besuchte Herr Professor Dr. Müller aus Marburg mit dreißig Medizinern das hiesige, von Herrn Gabriel aus Mannheim geleitete Zanderinstitut, um diesen Herren die ver⸗ schiedenen Apparate, deren Anwendung; und Wirkungen ꝛc. eingehend zu erklären. Bei der neulichen Aerzteversammlung hat 1 05 Müller mit einigen Professoren das Etablissement zum ersten ale besichtigt und war er von der ganzen Einrichtung so befriedigt, daß er mit seinen Hörern alljährlich eine Studienreise hierher machen will.

* Bad⸗Nauheim, 15. Juni. In der letzten Woche sind 995 Fremde angelangt gegen 934 in der Parallelwoche des Vorjahres. Gesamt⸗ frequenz 4939 Personen, der Vorsprung gegen das Vorjahr berechnet sich auf nahezu 600 Per⸗ sonen. Die Zahl der hier anwesenden Kurgäste

meint es so

dürfte der Seelenzahl der ortsansässigen Bevölke rung nahezu gleichkommen. Bis Donnerstag ein⸗ schließlich wurden 41472 Bäder abgegeben gegen 37555 bis zur entsprechenden Zeit des Vor⸗ jahres, also ein Plus von 3917 Bäder. Gestern Abend war Tanz im großen Konzertsaale des Kurhauses, der sich bei dem großen Andrang des Publikums als viel zu klein erwies, Leider gestatten die vorliegenden architektonischen Ver⸗ hältnisse kaum eine Erweiterung des Saales.

* Offenbach a. M., 15. Juni. Falsches Geld wird seit einiger Zeit hier verausgabt. So wurden u. a. ein Fünfmarkstück von 1876 mit dem Bildnis des Königs von Württemberg, ein Fünfzigpfennigstück und in einer öffentlichen Kasse in diesen Tagen ein Zweimarkstück von 1877 und ein Einmarkstück von 1885 einge⸗ nommen und als Falsifikate erkannt. An einem Hause der Waldstraße stürzte gestern Vormittag ein Baugerüst ein, wobei drei Arbeiter verschüttet wurden. Zwei der⸗ selben trugen keine Verletzungen davon, während der dritte, ein verheirateter Maurer aus Epperts⸗ hausen, ins Krankenhaus verbracht werden mußte. Er scheint innere Verletzungen erlitten zu haben.

Mainz, 17. Juni. An den Rhein, an den Rhein u. s. w. Ein Berliner höherer Polizeibeamter, der seine Ferien zu einer Rhein⸗ reise benutzen wollte, wurde in der Nacht von Polizisten in schwer beäthertem Zustande aufge⸗ funden. Da er die Macht des Weines noch nicht kannte, hatte er zu viel des Guten genossen; er war in verschiedenen Wirtschaften gewesen, die er aber nicht näher bezeichnen konnte. Auf dieser Rundreise wurde ihm seine Börse mit 200. gestohlen. Statt der Rheinreise trat er die Heimreise an.

* Mainz, 16. Juni. Die Beratungen des deutschen Schlossertages dauerten gestern mit kurzer Unterbrechung 7 Stunden. Im Ein⸗ gang konstatirte der Vorsitzende E. Schmidt⸗ Hamburg, daß, die diesmalige Schlosser-Aus⸗ stellung ihre Vorgängerin an Größe, sowie an Vollkommenheit der Leistungen übertreffe. Na⸗ mentlich die kunstgewerblichen Leistungen er⸗ innerten an die Blütezeit des deutschen Kunst⸗ handwerks. Die Fürsorge der sächsischen Re⸗ gierung, die für die deutsche Schlosser⸗ schule zu Roßwein außer einem Jahres⸗

Beitrag von α 6000 für besondere Zwecke be⸗ willigt hat, wurde mit freudigem Dank aner⸗ kannt. Zur Förderung der Schule wurde in Aussicht genommen, daß ihre befriedigenden Ab⸗ gangs⸗Zeugnisse beim Eintritt in eine Innung von der theoretischen Meisterprüfung dispensiren sollen. Beschlußfassung über die vom Reichs⸗ kanzler verlangten Aenderungen an dem Statut für die Verbands⸗Sterbekasse soll so lange ausgesetzt bleiben, bis der Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks erledigt ist. Mit gleichem Hinweis wurde anch nach langer Debatte, bei welcher die persönlichen Meinungen

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1 5. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. D Expedition: 9 Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 55 20 Kreuzplatz Nr. 4. N

und jene von Nord und Süd weit auseinander⸗ gingen, Beschlußfassung darüber vertagt, wie die Innungen dem im§ 97 Abs. 2 der Gewerbe⸗ ordnung enthaltenen Vorschriften über Her bergswesen und Arbeits-Nachweis nach⸗ kommen sollten. Ebenso kam ein Antrag von Neuschild⸗ Dresden: Zur Gewährung wirt⸗ schaftlicher Vorteile ist den Verbands⸗Innungen Beihilfe zur Errichtung von Genossen⸗ schaften für den gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen, Halbfabrikaten, Werkzeugen, Dar⸗ lehenskassen u. s. w. zu leisten, nur halbwegs zur Erledigung. Die Mehrzahl der Redner er⸗ klärte sich gegen derartige Genossenschaften, es wurde aber eine Resolution angenommen, daß die einzelnen Vorstandsmitglieder in ihren Be⸗ zirken über die betreffenden Einrichtungen und die damit gemachten Erfahrungen sich verlässigen und darüber dem Verbandsvorstand berichten sollen. Denn die Hebung der persönlichen Lage der einzelnen Mitglieder solle auch ein Hauptziel des Verbandes sein.

Vermischtes.

Bei welchen Krankheiten darf man rauchen? In derZeitschrift für Krankenpflege wird diese Frage folgendermaßen beantwortet: In erster Linie ist das Rauchen bei den meisten chirurgischen Krankheiten erlaubt mit Ausnahme von dem Rekonvaleszentenzustande nach Blasen⸗ und Bauchoperationen. Augen⸗Nas⸗ Hals⸗ und Rachenkranke sollten niemals rauchen. Innere Krank⸗ heiten, die das Rauchen ausschließen, sind: Bauchfellent⸗ zündung, Typhus und ähnliche. Bei Magenaffektionen kann das Rauchen gestattet werden, wenn der Rauch filtrirt wird. Bei Lungenkrankheiten ist das Rauchen unter Umständen angezeigt. Bei Nervenkrankheiten läßt sich die Handhabung des Rauchens nicht allgemein fest⸗ stellen; plötzliches Entziehen schadet sehr oft, während bei Herzneurosen andererseits nur sehr leichter Tabak unter Filtration des Rauches benützt werden darf. In Kranken⸗ zimmern zu rauchen ist unzulässig. Die beste Zeit für das Rauchen ist mehrere Stunden nach der Mahlzeit.

Bestrafte Bierpantscherei.Die Gäste eines Schankwirts haben ein Recht darauf, für ihr gutes Geld gutes, frisches Bier zu erhalten und nicht ein Ge⸗ misch von abgestandenen Bierneigen! So äußerte sich am Mittwoch der Staatsanwalt in einer vor dem Berliner Schöffengericht geführten Verhandlung gegen den Restau⸗ rateur Paul Voß, der wegen Bierpantscherei angeklagt war. Dieser läßt das Bier, welches er in seiner in Moabit belegenen Schankwirtschaft verzapft, durch einen Apparat gehen und das übertropfende durch Abstreichen des Schaumes von den Bierseideln gewonnene Bier wird in einem auf dem Büffet stehenden Glase gesammelt. Einer der Gäste des Angeklagten nahm zu seinem Aerger wahr, daß der Angeklagte zunächst aus jenem Sammelglase einen Teil in das für ihn bestimmte Seidelglas über⸗ führte, dann das letztere mit dem Apparatbier weiter füllte und ihm zuschickte. Er erhob lebhaften dun Fug gegen die Annahme diesesköstlichen Trankes und al er damit nichts ausrichtete, der Wirt vielmehr meinte, daß das Bier gut sei und von ihm selbst getrunken werde, veran⸗ laßte er die Strafanzeige. Der Staatsanwalt hielt es für ganz zweifellos, daß in einer solchen Mischung ein Verstoß gegen das Nahrungsmittelgesetz zu finden sei, da das Bier in dem Sammelglase einerseits abgestanden,

unsere Naive. Humoreske von Paul A. Kirstein. (Nachdrud verboten.) (Schluß.)

Da die Haud hatte es ihm wieder ange⸗ than! Und er ftreicheltt sie zärtlich, hinüber, herüber und als sie das schweigend zuließ, nahm er sie in die seine, und dann küßte er sie wieder und drückte sie, und dann glaube ich ja sogar ziemlich wahrscheinlich drückte sie wohl etwas wieder, und da

Surr, surr, surr machte die Fliege und wollte sich vor Aerger wieder den Kopf, einstoßen, da küßten sie sich schon auf den Mund.

Na, und wie! Aber Tante!!! 125

O, dann errötete sie doch etwas! Sich so zu vergessen! Sie wendete das Köpfchen ab. Aber da schmeichelte er so lieb, so zärtlich, sprach ihr so süße berauschende Worte nein sie konnte ihm nicht böse sein, er war doch ein zu lieber Mensch!

Und sie sollte Tante sein! Wo sich soeben noch ein junger hübscher Mann so mir nichts Dir nichts in sie verliebt hatte! O nein, Frau Schwester, das wollen wir denn doch nicht einführen! b

Er aber sank in seiner Liebesseligkeit zu ihren Füßen nieder, und barg seinen Kopf in ihrem Schooße. Sie strich ihm leise über die vollen blonden Locken, leise und zärtlich!

Ich weiß nicht derStrich hatte doch schon eher etwaß Mütterliches an sich!

Nein, Gustl, wer das gestern geahnt hätte, als ich Dich so schwärmerisch auf der Bühne be wunderte, daß ich heute schon so nah, so selig bei Dir sein würde!

Ja mein lieber Ach, nun wußte sie nicht, wie er hieß. Das war peinlich, aber zu fragen genierte sie sich jetzt doch. Er merkte es kaum. In seiner Verliebtheit plapperte er ruhig weiter.

Wenn ich gewußt hätte, daß ich Dich, Du Einzig Geliebte, Du Unerreichte, hier treffen würde, dann hätte ich mich doch, doch, weiß Gott, nicht so lange nötigen lassen, zu der alten Tante zu reisen!

Wa as?

Dann wäre ich gekommen, und sollte es mitten in der Nacht bei Sturm und Regen sein! Ja sogar bei einem Erdbeben wäre ich zu Dir ge kommen, denn ich liebe Dich ja, liebe Dich wie.. Und er wollte ihren Mund wieder haschen, sie

küssen Sie aber wehrte ihm ab. Zu wem wollten st Du reisen?

stotterte sie verwirrt.

Na zu meiner Tannte, einer fürchterlichen alten Jungfer! Sie starrte ihn noch immer ent⸗ setzt an.Dem Frl. Rodeuburger; bei dem Du hier wohnst, mein Engel!

So? Hastig stand sie von ihrem Sitz auf und schob ihn bei Seite. Es überlief sie in den verschiedensten Temperaturgraden.

Aber was hast Du denn nur? fragte er noch ganz naiv.

wieder einmal im tragischen Bühneuschritt das

Zimmer. Wie konnte sie sich da ausreden? Wenn das die Schwester erführe! Sie errötete bei dem Gedanken.

Erröten! Nein das durfte sie nicht, das konnte ihrem Teint schaden. Also hieß es sich schnell fassen; ihre schauspielerische Fähigkeit mußte ihr helfen. Und sie richtete sich in ihrer größten Klein⸗ heit auf und stellte sich breitspurig vor dem jungen Mann hin, der verwundert über diese ganze Szene noch immer auf dem Teppich vor der Chaiselongue ku iete.

Was ich habe! herrschte sie ihn noch einmal an, und er riß seine Augen immer größer auf. Ich wollte nur einmal beweisen, daß eine alte Tante, eine fürchterliche alte Jungfer und sie sprach es breitgedrucktnoch immer ein Wesen voller Jugend, voller Schönheit, voller Anmut sein kaun, nota bene, wenn man sie nicht kennt! Denn diese Au gus ta Rodenburger langsam träufelte sie ihm jede Silbe ein bin ich Gustl Rode, Deine fürchterlich alte Taute und unheimlich junge Schwärmerin!

Sprachs und stürzte wie der Wind ins Neben⸗ zimmer, um sich noch einmal außer der Zeit das Gesicht zu frottieren von wegen der Jugend!!

Er aber kuiete verdutzt noch immer an der Erde, und machte sich klar was eigentlich vorge fallen war. Doch da er da unten nicht ewig bleiben konnte, so erheb ler sich endlich langsam und seinen schönen blonden Schuurrbart nach der ver⸗ kehrten Seite zwirbelnd murmelte er bedauernd für

Aber dann hub er seine großen Augen wieder zu ihr auf:

Was ich habe? O nichts! Und sie durchmaß

sich:Schade wirklich schade! Warum mußte ich

auch unangemeldet früher als verabredet kommen! Aber eigentlich doch verdammtes Pech, fing so nett an diese Geschichte, wir waren so schön im Zuge! Und nach einer Weile fuhr er in seinem Selbstgespräche bitter lächelnd fert:Na, nun werde ich das Abenteuer man lieber nicht auf der Kneipe erzählen. Wenn die wüßten, daß ich eine alte Taute habe, die nochNaive ist Oh!!!

Und die Fliege, die machte: Surr, Sur

Düstere sächsische Traumbilder. Ich sah im Droom en' Mann mit Käsen reesen, Der dhat en' Liebesbrief aus Dräsen lesen, Worin mer eingepackt Frommahsch de Brih Sei' eegner Brief an seine Amélie!

Das war nich' scheen!

Ich sah im Droom en' Mann in Meißen schbeisen, Der dhat in frischgebrad'ne Meisen beißen;

Ae Sänger war'sch, der grausam se verschlang; Er neidete der Veglein scheenen Sang.

Das war nich' scheen!

Ich sah im Droom zwee große Sterneschnubben Vomkleenen Hund hinab nach Bärne hubben; Ae hibsches Mädchen hob se auf im Nu,

Und zog dadurch sich eenen Schnubben zu. Das war nich' scheen!

Ich sah im Droom en' Mann in Cossebaude, Der Schnitzel von en' alden Rosse kaude;

Da kriegt' vor Schreck ich gleich en' Hexenschuß: Es war das Fleisch von meinem Begasus! Das war nich' scheen! Fl. Bl.)

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