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1896.
Gießen, Sonnabend, den 17. Oktober
e Landeszeitung.
. Ausgabe
Gießzen.
Redaktion:
8. Kreuzplatz Nr. 4.. 1
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
40 e ießen le; Ott.(erstagtlicnng
der Ludwigsbahn.) Der formelle Ueber⸗ gesig der Hessischen Ludwigsbahn in Staats- besitz findet nach den neuesten Vereinbarungen am J. April 1897 statt, an welchem Termin alle Rechnungsabschlüsse ihre Erledigung gefunden haben müssen. Bezüglich! der Personalien der zukünftigen Direktion Mainz ist, wie verlautet, Linstweilen fest bestimmt, daß neben dem zum Präsidenten vorgesehenen Ober-Regierungsrat Breidenbach Kommerzienrat Maschmann, das älteste Mitglied der bisherigen Spezial⸗ direktion der Ludwigsbahn, in die Direktion eintritt. Derselbe wird den Titel„Regierungs⸗ rat“ erhalten. Weiter verlautet noch, daß der 1 27 im Finanzministerium in Darmstadt be⸗ schäftigte Oberfinanzassessor Elemm in der 1 Mainz Stellung erhalten wird.
Gießen, 16. Okt.(Stadttheater.) Die gestrige Aufführung des Sudermannschen Schauspiels„Heimat“ hatte ein zahlreiches Publikum in den Theatersaal des Cafe Leib zusammengelockt. Da das Stück hier in Gießen licht unbekannt ist, so mag wohl die einzige Anziehungskraft Fräulein Thessa Klink⸗ hammer gewesen sein, welche man in der be⸗ fühmten Rolle der Magda hier noch nicht gesehen hat. Wir bestätigen die Anerkennungen der auswärtigen Kritiker über die Leistungen des Fräulein Klinkhammer Wort für Wort. Die Künstlerin liefert Beweise eines außer⸗ gewöhnlichen Darstellungstalentes, das mit Ver⸗ standsschärfe und fertiger Routine alle Einzel⸗ heiten der Rolle großartig zu verdeutlichen weiß. Die Schnelligkeit, mit der sie Stimmungen, Gemütswallungen, Gefühls⸗ und Gedankenblitze aufeinander folgen zu lassen vermag, ist einfach phänomenal. Daß die Rolle der„Magda“ daher den Glanzpunkt der gestrigen Aufführung bildete, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Der b Heffterding hätte in der Person des
0 Herrn Peichner etwas salbungsvoller auftreten bdürfen. Der Regierungsrat des Herrn Keller war gut. Den faden Cavalier, der mit allerlei leeren Redensarten zu vertuschen suchte, wie
denig er einst die Konsequenzen seiner Hand⸗ lungsweise der jungen unerfahrenen Magda gegenüber zu tragen wußte, verstand Herr
Fritzschler recht glaubhaft wiederzugeben. Herr Schröter als Oberstlieutenant Schwarze verdiente in dieser ungemein schwierigen Cha⸗ rakierrolle volles Lob. Frau Helm als zweite Frau des Oberstlieutenant Schwarze gefiel sehr; aber auch die übrigen Damenrollen waren durchweg in guten Händen. Alles in allem er⸗ kang die Theaterdirektion einen durchschlagenden Erfolg.
Gießen, 16. Oktober.(Stadttheater.) Wir machen auf die heutige Aufführung des Schwankes von Blumthal und Kadelburg„Die Orientreise“ besonders aufmerksam. Frl. Klara Leno vom Breslauer Stadtthegter tritt in dieser Vorstellung zum ersten Male als
Gießen, 16. Oktober. Wie gemeldet wird, ist Fräulein Thessa Klinkhammer jetzt für eine veränderte künstlerische Stellung als Er⸗ gänzun des Frankfurter Schauspiel⸗Ensembles ausersehen. Die von Fräulein Klinkhammer ge⸗ leitete Bühnen- Ausbildungsschule bleibt fort⸗ bestehen.
Gießen, 16. Okt. Die Kaiserl. Ober⸗ Postdirektion Darmstadt teilt der Großh. Han⸗ delskammer! mit, daß der Staatssekretär des Reichs⸗Postamts die Zulassungndes Sprechver⸗ kehrs Gießen⸗ Friedberg(Hessen) und Bad⸗ Nauheim einerseits und Biebrich⸗Bingen(Rhein) Darmstadt, Eltville, 1 Höchst(Main), Homburg v. d. Höhe, Kastel(Rhein), Königstein (Taunus), Langenschwalbach, Mainz, Rüdesheim, Wiesbaden und Worms andererseits genehmigt hat. Der genannte Sprechverkehr wird am 20. d. M. eröffnet werden.
Gießen, 16. Okt. Der„Darmst. Ztg.“ wird aus Grünberg unterm 14. d. M. ge⸗ schrieben:„Heute Nachmittag fand im Rathaus⸗ saale im Beisein des Herrn Regierungsrat Meliot von Gießen die Landtagswahl statt. Zur Abstimmung waren die 34 Wahl⸗ männer des Bezirks erschienen. Im ersten Wahlgang erhielten Herr Kreisrat Schönfeld zu Schotten 17, Herr Fleischhauer, der Kandidat der Antisemiten, 16 Stimmen und Herr Kauf⸗ mann Louis Moll dahier eine Stimme. Bei der sofort folgenden Stichwahl wurden für Herrn Kreisrat Schönfeld, wie bereits auder⸗ seits berichtet wurde, 18 und für den Gegen⸗ kandidaten 16 Zettel abgegeben; somit war ersterer mit 2 Stimmen Mehrheit gewählt. — Nach Bekanntwerden des Resulkats gab Landtagsabgeordneter Köhler, der mit
dem unterlegenen Kandidaten anwesend war,
seinem Unmut über den für seine Partei ungünstigen Ausfall der Wahl dadurch Aus⸗ druck, daß er seine vor dem Rathaus auf dem
Marktplatz versammelten zahlreichen Anhänger in einer Ansprache aufforderte, als Ant⸗
wort auf die Wahl sofort Grünberg zu verlassen!“ * Gießen, 16. Oktober. Entscheidungen des Großh. Oberlandesgerichts. Nach Artik. 55 des Enteignungsgesetzes vom 26. Juli 1884 können dinglich Berechtigte, also auch Hypothekargläubiger, deren Ansprüche durch die zwischen Eigentümer und Unternehmer verein⸗ barte Entschädigungssumme nicht gedeckt sind, verlangen, daß die Entschädigung für sie im Enteignungsverfahren festgestellt werde. Wird auf Grund dieser Bestimmung der von einem Hypothekargläubiger bei dem Gerichte er⸗ hobenen Entschädigungsklage mit dem Einwand begegnet, daß zunächst nur die Verwaltungsbehörde zur Amtshandlung berufen sei, so ist dies die Einrede der Unzulässigkeit des Rechtswegs, indem damit dem Gerichte überhaupt die Befugnis abgesprochen wird, in der Sache thätig zu sein. Diese Einrede erscheint jedoch in dem Falle als nicht begründet, wenn der betreffende dinglich Berechtigte im Verhandlungstermin des Art. 24 des Ge⸗ setzes, zu welchem er gehörig geladen war, nicht erschienen und deshalb als mit der angebotenen Entschädigung zu⸗ frieden angenommen, folglich dieser Punkt im Verwal⸗ tungsverfahren als erledigt behandelt worden ist, da der Art. 55 auf diesen Fall sich nicht bezieht.— Nach konstanter Rechtssprechung der Hessischen Gerichte versteht der Art. 16 des Hessischen Verjährungsgesetzes von 1853,
die Stadt
nach der hierzu in Betracht kommenden ratio legis unter Fuhrleuten nur Fuhrleute im technischen Sinne dieses Wortes, wie Frachtfuhrleute, Lohnkutscher usw. und also solche, welche die Leistung von Fuhrdiensten gegen Lohn gewerbsmäßig betreiben und hieraus ganz oder doch vor— zugsweise ihren Lebensunterhalt sich verschaffen, nicht aber solche, welche nur wegen ihrer Landwirtschaft Fuhrwerk halten und nur zeitweise und vorübergehend solche Fuhr⸗ dienste leisten.— Nach feststehender Rechtssprechung der Hessischen Gerichte und darunter namentlich des vormaligen Großh. Oberappellationsgerichts kann für Verabreichung von Alimenten, die Leistung von Diensten, wie häusliche Arbeiten und ländliche Arbeiten usw., unter nahen Ver⸗ wandten oder Verschwägerten eine Vergütung nur dann beansprucht werden, wenn ein hierauf gerichteter Vertrag ausdrücklich oder durch konkludente Handlungen zum Ab⸗ schluß gelangt ist. Zwar hat das Reichsgericht diesen Grundsatz bei bloß Verschwägerten oder Seltenverwandten, oder selbst Großeltern und Enkeln resp. da, wo Verab⸗ reichung von Alimenten in Sprache steht, nicht adoptiert. Nicht aber ging es hiervon bei solchen Leistungen von Kindern an Eltern und umgekehrt von Eltern an Kinder aus, und es ist bezüglich der Anwendbarkeit jeglicher Zweifel dann ausgeschlossen, wenn die Umstände des kon⸗ kreten Falls gegen das Vorliegen des animus repe- tendi und für bloße Leistung liberalitatis vel pietatis causa sprechen.
* Lollar, 16. Okt. In Staufenberg hat der Schreiner Heinrich Becker in der Darmstädter Pferdelotterie den 2. Hauptreffer gewonnen, lämlich ein Reitpferd mit Sattel. Wie bereits gestern gemeldet, ist der 1. Hauptgewinn zwei Arbeitern in Großenbuseck zugefallen.
* Bad Nauheim, 13. Okt. Der Güter⸗ wechsel ist im Hinblick auf die Thatsache, daß die diesjährige Saison wieder mit einem Mehr von Kurgästen, wohl nahezu 1200, abschließt, besonders rege. f
* Lauterbach, 15. Okt. Heute Morgen ist das 1½jährige blühende Kind eines Ar⸗ beiters auf schreckliche Weise verunglückt. Während die Mutter auf dem Felde war und der Vater am Webstuhl saß, dürfte das Kind sich an der Feuerung des Herdes zu schaffen ge⸗ macht haben und seine Kleider durch heraus⸗ fallende Kohlen in Brand geraten sein. Eine auf sein Geschrei herbeieilende Nachbarsfrau fand das Kind in Flammen stehend vor. Trotzdem dieselbe das Feuer alsbald löschte und man das
arme Wesen im Krankenhause hier unterbrachte, dürfte es kaum mit dem Leben davonkommen, da das Feuer die vordere Körperhälfte förmlich geröstet hat.
* Weckesheim, 13. Oktober. Am 16. v. M. war die Dienstfüh rung des hiesigen Rechners durch das Kreisamt Friedberg repi⸗ diert worden, wobei sich ein Fehlbetrag der Kasse von etwa 2500, ergeben hatte. Der Rechner, der übrigens ein durchaus zuverlässiger und geachteter Mann ist, hat nun die Anzeige erhoben, daß ihm jene fragliche Summe ge⸗ stohlen worden sei, infolgedessen Großh. Kreis⸗ amt Friedberg am verflossenen Samstag darüber Feststellungen vornahm.
* Obertshausen, 15. Oktober. Der Bau der neuen Stockfabrik, der das erste große Fabriketablissement in hiesiger Gegend ist und
einen größeren Komplex umfaßt, ist bereits so⸗ weit fertig gestellt, daß der Betrieb in demselben
in aller Kürze begonnen werden kann. Unsre Gemeinde wird um drei Wirtschaften, die in der Nähe des neuen Bahnhofes errichtet werden, „bere ichert“ werden.
* Darmstadt, 16. Oktober. Der Aufent⸗ halt des Kaisers und der Kaiserin von Rußland hier dauert, wie wir hören, bis zum 29. Oktober.
* Darmstadt, 14. Oktober. Die e vange⸗ lische Landessyno de beschloß heute auf An⸗ regung des Direktors Brand⸗Mainz einen Pro⸗ test gegenüber einem Ankrag Wasserbuürg, betreffend die Aufhebung des Jesukten⸗ gesetzes und gegen die Motivirung desselben durch den Antragsteller gelegentlich der vorletzten Tagung der zweiter Kammer. Namentlich wur⸗ den die Worte„von der unverfrorenen Ein⸗ mischung der Synode und des Oberkonsistoriums in Angelegenheiten der katholischen Kirche“ scharf zurückgewiesen..
* Darmstadt, 15. Okt. Die evange⸗ lische Landessynode nahm heute eine Vor⸗ lage des Oberkonststoriums an, welche die Kirchen ⸗ verfassung des Großherzogtums in einigen Punkten abändert. Am einschneidensten ist die Bestimmung, nach welcher den penstonkerten Geistlichen, oder solchen, denen wegen dauernder Dienstverhinderung ein Vikar bestellt wurde, die Zugehörigkeit zur Synode als geistliche Mit⸗ glieder abgesprochen wird. Dagegen bleiben sie nach einer ausdrücklichen Erklärung des Ober⸗ konsistoriums als weltliche Mitglieder wählbar.
*Seligenstadt, 13. Okt. Der 21jährige Seiltänzer Friedrich Knie aus Renchen gab hier am Sountag zwei Vorstellungen auf 5 Seile. Gestern Vormittag vollzog unsere Gendarmerie die Verhaftung des Genannten. Auch dessen Begleiterin, eine geborene Bertha Wandel, wurde in Polizeigewahrsam 1 men; dagegen wurde ein mitreisender Komiker in Freiheit gelassen. Die Verhaftung erfolgte auf Grund des in Nr. 26 des„Zentral⸗Steck⸗ brief⸗Anzeigers für Deutschland“ vom 30. Sep⸗ tember d. Js. vom Amtsgerichte Waldsee in Württemberg erlassenen Steckbriefes wegen Be⸗ trugs. Die Wandel, wegen desselben Deliktes verfolgt, ist nicht die Ehefrau des Knie, wie dieser angegeben hatte, sondern dessen Geschäfts⸗ führerin.
* Aus Rheinhessen, 15. Okt.(Herbst.) Die sonnigen Tage der letzten Woche sind den Trauben sehr zu statten gekommen, haben zur Veredelung derselben beigetragen und— da die Belaubung noch vorhanden— den Zuckergehalt vermehrt. In Winzerkreisen ist daher auch die Ansicht vorherrschend, daß man die allgemeine Lese noch möglichst hinausschieben solle, zumal das bessere Wetter Bestand verspricht. Aller⸗ dings sind an der Haardt, im Markgräfler Land und in Elsaß⸗Lothringen vorzeitige Lesen an⸗ beraumt, aber daß ein berühmter Weinort am Rhein, der sich sonst durch seine Spätlesen aus⸗ zeichnet, daß Nierstein den Beginn der all⸗ gemeinen Lese auf den 12. Oktober anberaumt, hat in Winzerkreisen allgemein überrascht, wenn auch der überreiche Behang der Weinberge als Gründ angeführt wird. Die Aussichten für den
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6 5———————— Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. Machdruck verboten.) 5(Fortsetzung.) Das Herz stand mir still vor unsagbarem 0 uen. 5 1 Der Angstschweiß brach an meinem ganzen Körper aus. Meine Gedanken begannen sich zu verwirren. 19 ů Vor meinem geistigen Auge stand das boshaft 1* Gesicht meines Sergeanten, als er mich fragte: 8 0„Glauben Sie an Gespenster?“ And baneben tauchte eine andere Gestalt auf, ein Monn, bleich und hager, in Lumpen gehüllt und den blinkenden Spaten über der Schulter. Der Goldgräber der toten Schlucht! a Wie lange dieser Zustand dauerte, ich weiß es „ vielleicht Minuten, vielleicht Sekunden. eich dünkte es eine Ewigkeit. 5 Ich hatte ein inneres zwingendes Gefühl, welches mir sagte, daß ich wahnsinnig werden müsse, wenn ich noch länger an dieser Stelle verharren sollte. „Vorwärts, vorwärts!“ schrie ich meinem Pferde zu und spornte es an, aber es spreizte die Beine und ermies sich so störrisch, daß ich, von Wut überwältigt, n Revolver herausriß und rasch hinter einander re Schülsse über seinen Kopf hinfeuerte. brach vor Schreck in die Hinterbeine
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nach vorn. N 1
Nur durch rasches Zugreifen entging ich dem Sturz. i
Hierbei ließ ich den Revolver fallen, ohne mich dessen klar bewußt zu sein. 0
Zeder Sprung in's Dunkle konnte ein Todes⸗ sprung sein, denn mein Pferd ging mit einge⸗ zogenem Kopf gerade durch Wasser und Sand.
War es die Vorwärtsbewegung, war es die durch die Schüsse bewirkte Lufterschütterung oder ein aufspringender Nachtwind— genug, die eben noch undarchdringliche Finsternis begann sich zu lichten, und bald spreugte ich siegreich durch die letzte dünnste Nebelwand wieder in die mondhelle Wüste hinaus. i
Ich wandte den Kopf zurück. 1 5
Da lag es wie ein schwarfer undurchdringlicher Schleier hinter mir auf Land und Wasser.
Nun wußte ich, was es war. 0
Der Rauchschleier, den ich zuerst gegen Abend ge⸗ sehen, war nicht, wie ich vermutet hatte, vom Himmel verschwunden, er war nur durch eine aufsteigende Luftschicht zu Höhen erhoben worden, in welchen er dem menschlichen Auge nicht mehr sichtbar war.
getzt hatte er sich mit einer abwärtigen Luft⸗ strömung auf die Erde gesenkt und mit dem Wasser⸗ nebel zu einer egyptischen Finsternis verdichtet.
Ich wollte nicht eine Verflüchtigung der schwe⸗ benden Nacht abwarten, um meinen verlorenen Re⸗
volver zu suchen.
Dann machte es einen Satz und stürmte
Neue Niederschläge konnten eine neue Verfinste⸗ rung herbeiführen und ein ungünstiger Wind die durchrittene Nacht noch einmal über mich hinwehen. Ich ritt wie rasend abseits von den Salzseen durch die Wüste, um an das Ende derselben zu gelangen, das ich auch nach Verlauf von einer guten halben Stunde erreichte.
Erst als ich mich wieder von wasserlosem Scrub— land umgeben sab, maßigte ich die Gangart meines Pferdes, denn hier konnte mir keine Dunkelheit mehr gefährlich werden.
Es war zehn Minuten nach Elf, als endlich am Horizont ein langgezogener Waldstreifen herauf⸗ dämmerte. ö
Das konnte nach des Sergeauten Beschreibung und meiner Berechnung nur der Wald sein, welcher den ehemaligen Wasserlauf, der in seinem tiefsten Teil die„tote Schlucht“ bildete, zu beiden Seiten umgab.
Auch meine Kompaß⸗Nadel deutete auf ihn hin.
Nun galt es, neuen und größeren Gefahren entgegen zu gehen, die durch den Verlust meiner einzigen Feuerwaffe gewachsen waren.
Wenn ich so lange bei den Einzelheiten meines Nachtrittes verweilte, so geschah es, um dem Leser die vielen Schwierigkeiten, welche sich meinem Vor— haben entgegenstellten, recht anschaulich zu machen.
Land und Leute mußten charakterisiert werden, um die nachgeschilderten Vorgänge verständlich und glaubhaft zu machen.
hohen Sträuchern gewährte mir jetzt eine will⸗ kommene Deckung. 5
Der tiefe Sand dämpfte den Schall der auf⸗ schlagenden Hufe. Das Bewußtsein, mich meinem Ziel zu nähern, gab mir neue Kraft. 5
Ich legte die letzte Strecke Wegs im schlanken Trab zurück.
Erst als der Malley- in einen Mulgascrub über⸗ ging, zog ich die Zügel an, denn hier wurde der Sandboden wieder tennenhart.
Entgegen der vielblättrigen, also schattigen Malley ist der Mulgastrauch mit nadelartigen, schmalen Blättern bedeckt und seine Zweige sind mit giftigen Stacheln bewehrt, aber wo Mulga ist, gedeihen immer, wenn auch spärlich, Gras und Kräuter, und das war für mich jetzt sehr wesentlich.
Se hatte mein Pferd, das ich hier zurücklassen mußte, doch Futter.
Bis auf eine englische Meile ritt ich an den Wald heran, im langsamsten Schritt und mit wach⸗ samem Auge und Ohr.
Daun stieg ich ab. 1
Sattel und Zaun verbarg ich Mein Pferd gab ich frei.
Wenn es zufällig gesehen wurde, mußte man glauben, daß es sich hierher verlaufen habe.
Jede Art von Fesselung hätte die Anwesenheit eines Uneingeweihten verraten. (Fortsetzung folgt.)
im Gesträuch.
Der Scrub mit seinen nicht mehr als mannes


