Ausgabe 
17.9.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 17. September

1890.

ssche Landeszeitung.

Ausgabe

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

75

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Aus dem Handelskammerbericht. IV

Der Bericht giebt die s. Zt. von uns schon veröffentlichte Statistik des hiesigen Ge⸗ werbegerichts wieder und knüpft daran folgende Bemerkungen: b

Die Erfolge des hiesigen Gewerbegerichts sind sonach als durchaus günstige zu bezeichnen, vermögen aber unserem im vorjährigen Bericht (S. 17) 1 Wunsch auf Einfüh⸗ rung der Berufung gegen sämtliche Ge⸗ werbegerichtsurteile, gleichgültig ob das Streit⸗ objekt 100 A übersteigt oder nicht, sowie auf Vollstreckbarkeit nur gegen Sicherheitsleistung nicht zu beeinträchtigen. Ist die Thätigkeit des einzelnen Gewerbegerichts eine ersprießliche, so wird die erstrebte Gesetzesänderung in diesem Wirken nichts schaden, sie würde* B. in den in Gießen anhängig gewordenen 92 Fällen nur bei den 17 Endurteilen, also Galler Prozesse in Betracht gekommen sein; bestehen aber wie bei vielen Gewerbegerichten Mißstände, so muß Abhülfe geschaffen werden, die eben nur durch Reichsgesetz erfolgen kann. Wir können deshalb von unserer Stellungnahme, trotz des im Ver⸗ waltungsbericht der Stadt Gießen pro 1895 ausgesprochenen Bedauerns der hiesigen Stadt⸗ verwaltung nicht abgehen. Ginge der Wunsch der Handelskammer in Erfüllung, dann würden die Arbeiter mit Recht sagen, daß für sie das Gewerbegericht wertlos geworden sei. Gerade das schnelle und endgültige Urteil ist das für

den mittellosen Arbeiter JWichtigste an unseren Gewerbegerichten.

Der hiesige Kaufmännische Verein zählte dem Handelskammerbericht zufolge zu Ende 1895 269 Mitglieder(gegen 220 im Vor- jahr). Die von ihm begründete Kaufmännische Fortbildungsschule begann, wie wir dem Bericht des Kaufmännischen Vereins entnehmen, mit dem 15. Oktober den Winterkursus, welcher sich auf folgende Fächer erstreckte: 1. Französisch in 2 Klassen mit 2. Englisch J. Doppelte Buchführung, 1 14 Einfache Buchführung 2 28 Wechsellehre, 2 30 Rechnen 2 1 26 Korrespondenz, 2 30 Der Unterricht wurde erteilt: 1. Für französisch in wöchentlich 2 Std. für jede Klasse. 2. englisch 4 70 2 Doppelte Buchführg. 1 5 Einfache Buchführg., 15 Wechsellehre, 7 Rechnen* Korrespond.

4 bezw. 5 Schülern. 3 4

Da jedoch die Beteiligung an dem Kursus in fremden Sprachen sehr gering war, so wurde der Unterricht auf je eine Stunde für jede Klasse reduziert.

Bei Beginn des Semesters traten 114 junge Leute, zum größten Teil Lehrlinge, ein; im Laufe des Kursus traten 8, meistens wegzugshalber, aus, so daß bei Schluß der Schülerbestand sich auf 106 bezifferte. Der Besuch der Fachschule hat also seit dem ersten Jahre 1893/94 merklich zugenommen, denn im Vorjahre betrug der Schülerbestand nur 85, mithin ist ein Zuwachs von 29 Schülern zu verzeichnen.

Von den Besuchern waren 52 fortbildungs⸗ pflichtig, es kann somit lobend hervorgehoben werden, daß mehr als die Hälfte der jungen Leute nicht dem Schulzwang, sondern dem eigenen Drange nach beruflicher Bildung folgend, diese so wohlthätige Anstalt besuchte.

Nach Schluß des Kursus fand am 6. April abends von 8 bis 10 Uhr die öffentliche Prüfung statt, wobei die Kammer, der Stadt- und Schul⸗ vorstand, sowie einige Prinzipale vertreten waren. Das Ergebnis der Prüfung wurde auf Grund der ausgelegten schriftlichen Arbeiten und der mündlichen Leistungen alsgut undrecht gut bezeichnet.

Die Stadtverordneten⸗Versammlung hat das Bedürfnis und die Erfolge dieser Schule durch Verwilligung eines(inzwischen auf 1000 Mark erhöhten) jährlichen Beitrages von 800 Mark auch ihrerseits anerkannt. Die Kammer bewilligte zu Lasten des Budget-Ueberschusses zunächst einen einmaligen Zuschuß. Die mangelhaften Schul⸗ räume ließen den Gedanken der Erbauung eines eigenen Vereinshauses entstehen, der bei Schluß unseres Berichtsjahres die besten Aus⸗ sichten auf Verwirklichung zeigte.

Ueber das städtische Arbeitsamt sagt der Bericht:Von einer Ausdehnung desselben auf Angestellte im Handelsgewerbe, wie seitens des Ausschusses der Gießener Arbeiterschaft be⸗ antragt wurde, riet die Kammer ab, weil die bestehende Stellenvermittelung kaufmännischer Vereine ausreichend und des Handelsstandes würdiger erscheint, als eine, wenn auch nuräußerliche Gleichstellung, mit ge⸗ werblichen Arbeitern und Dienstboten.

Das erscheint uns als eine recht unglückliche Begründung. Sollten die Gießener kaufmänni⸗ schen Angestellten wirklich derselben Ansicht sein, wie die Herren Handelskammermitglieder? 2?

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 16. Sept.(General⸗Versamm⸗ lung des Freisinnigen Vereins für den 1. Hess. Wahlkreis). Schluß.) Rechtsanwalt Metz erklärt, daß seine letzte Abstimmung in der Jesuiten⸗ frage kein Grund sein könne, weshalb er von den

Gegnern nicht mehr in den Landtag gewählt werden könne, denn die Nationalliberalen haben vor 6 Jahren, als man ihn wählte, genau gewußt, wie er über dieses Ausnahmegesetz denke. Er halte, nebenbei bemerkt, die Jesuiten im Frack für viel gefährlicher, als die in der Kutte, deren Treiben man überwachen könne. Weiter er⸗ klärt Redner seine Stellungnahme in der Ludwigsbahn⸗ frage. Es sei der Vertagungsantrag von ihm unterstützt worden, damit das hessische Volk oder derjenige Teil des⸗ selben, der die Wahl diesmal auszuüben haben wird, durch sein Votum bestimmend auf die Vorlage hätte wirken können, und so die hochwichtige Frage von der Entschei⸗ dung des Volkes abgehangen hätte. Redner weist darauf hin, wie bis beinahe in die Entscheidungsstunde hinein eine Anzahl nationnalliberaler Abgeordneter genau so über diese Frage dachten wie er, wenn diese aber so nach und nach umgefallen, so sei dies ihre Sache. Er habe geglaubt, im Interesse der hessischen Steuerzahler so votieren zu müssen, wie er es in der Ludwigsbahnfrage gethan und glaube damit auch seine Pflicht seinen Wählern gegenüber treu erfüllt zu haben. Ein lautes Bravo bewies dem Rechtsanwalt Metz, daß die Versammlung, die er nun verließ, seine Meinung teile. Ein Redner wies darauf hin, daß der Beschluß des Vorstandes, eine gemeinsame Kandidatur mit den Nationalliberalen abzu⸗ lehnen, nur mit Freuden zu begrüßen sei, darüber solle man sich aber doch klar sein, nationalliberal sei unser Oberbürgermeister nie und nimmer. Er stände den Frei⸗ sinnigen politisch viel näher, wenn er auch selber sich keiner Partei zurechne. Die Gründe des Vorstandes seien auch die der Versammlung, wenn sie den von den Gegnern gemachten Vorschlag einer gemeinsamen Kandidatur unseres Ober⸗ bürgermeisters entgegen sei. Die Versammlung befür⸗ wortet darauf einstimmig die Wiederaufstellung des Rechts⸗ anwalts Metz als Kandidaten für die Stadt Gießen in den Landtag. Aus der Mitte der Versammlung wurde hierauf das Verhalten des Landtagsabgeordneten Dr. Schröder auf der Delegiertenversammlung der Gewerbe⸗ vereine und dessen Stellungnahme betreffend dei Einfüh⸗ rung der Zwangsinnung einer scharfen Kritik unterzogen. Er habe sich dort um den eigentlichen Kern der Frage aalglatt herumgedrückt. Rechtsanwalt Metz, der in⸗ zwischen sich wieder der Versammlung zugesellt hatte, schildert in drastischer Weise den Umfall des Dr. Schröder in der Ludwigsbahnfrage. Damit war die Tagesordnung erschöpft und man trennte sich mit dem Beschluß, nun energisch für die Wahlen zu werben und zu arbeiten. Gießen, 16. September.(Strafkammer⸗ Verhandlung). Wegen versuchter Erpressung und verläumderischer Beleidigung des Straßenwärters Schu e e⸗ berger zu Stammheim bei Friedberg hatte sich gestern vor der Strafkammer der Landwirt Wilhelm Thaler von Stammheim zu verantworten. Das Gericht hatte in dieser Sache schon einmal verhandelt und wurde damals versucht, den Wahrheitsbeweis wegen der die Beleidigungen begründenden Thatsachen zu führen. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Jung, stellte in der da⸗ maligen Verhandlung den Antrag der Vertagung und Ladung neuer Zeugen, um die Aussagen zweier Ent⸗ lastungszeugen durch die weitere Vernehmung deren Ge⸗ währsmänner zu erhärten.

hinter seinem Wagen einen Pflug eine kurze Strecke Wegs geschleift hatte. Auf ein ihm daswegen zugefertertigtes

Der Thatbestand der Anklage ist der folgende: Thaler war vom Straßenwart Schnee⸗ berger, ohne vorher verwarnt zu sein, angezeigt, weil er

Strafmandat in Höhe von 3& 10 b erhob er keinen Eiuspruch. Hierauf teilte Thaler dem Straßenmeister Ritzert mit, daß Schneeberger Straßenabraum gegen Entgeld abgegeben habe. Es soll so behauptet die An⸗ klage darauf Thaler den Bruder des Schneeberger den Polizeidiener des Orts, veranlaßt haben, diesem mitzu⸗ teilen, er wolle seine Anzeige nicht weiter verfolgen, wenn er, der Straßenwart, die auf seine Anzeige erfolgte Strafe bezahle. Dieser lehnte jedoch die Sache ab wie er selber meinte, weil er glaubte, sein Gegner wollte ihn aufs Glatteis führen und dann erst recht anzeigen. Thaler hat hierauf die Anzeige an das Kreisamt erstattet, auch einer dritten Person gegenüber die Be⸗ hauptung aufgestellt, daß Schneeberger an den Landwirt Carl von Stammheim mehrere Fuhren Straßenabraum gegen 23 Mesten Korn abgegeben habe. Der Zeuge Lang sowohl, wie der vernommene Schneeberger behaupten unter Eid, das Korn sei nicht für den Abraum gegeben, Schnee⸗ berger will seine Frau zu Carl geschickt haben, um Zah⸗ lung für das Korn zu leisten, und da will Carl deren Empfang abgelehnt und erklärt haben, er wolle dem Straßenwart das Korn schenken. Die Beweisaufnahme, bei der sehr gründlich zu Werke gegangen wurde, recht⸗ fertigte nicht nur den Verdacht, sondern gestaltete denselben zur Thatsache, daß das Korn gegen den Abraum gegeben. Der Gerichtshof hielt den Wahrheitsbeweis für erbracht und sprach den Angeklagten wegen Beleidigung frei, aber auch wegen des Erpressungsversuchs kam der Gerichtshof zu einem Freispruch. Es lägen zwar objektiv alle Merk⸗ male einer Verletzung des§ 253 des R.⸗Str.⸗G. vor. Der Gerichtshof war aber mit dem Verteidiger der An⸗ sicht, daß sich der Angeklagte nicht bewußt gewesen, daß er eine strafbare Handlung begehe, indem er dem Polizei⸗ diener Schneeberger einen Vermittelungsvorschlag gemacht, wie die Differenz mit dessen Bruder aus der Welt zu schaffen sei. Der Angeklagte kann geglaubt haben, er sei von dem Straßenwart zu Unrecht angezeigt, er kann es für zulässig gehalten haben, daß er die Anzeige, die er dem Straßenmeister Ritzert schon mündlich gemacht, zu⸗ rücknehmen könne, und daher rechtfertige sich das ergangene Urteil. Der Staatsanwalt hatte wegen des Erpressungs⸗ versuchs das niedrigste zulässige Strafmaß, 8 Tage Ge⸗ fängnis, und wegen Beleidigung in einem Falle, die er allerdings nach der Beweisaufnahme als eine einfache Injurie auffaßte, 20 J Geldstrafe beantragt.

* Gießen, 16. September. In der Straf⸗ sache gegen Freund Vater und Sohn aus Alten⸗Buseck wegen Verbrechens der Brandstiftung ist durch Beschluß der Strafkammer die Ein⸗ stellung des Verfahrens wegen nicht genügender Beweise verfügt worden und sind beide Ange⸗ schuldigten schon vor 14 Tagen aus der Unter⸗ suchungshaft entlassen.

* Gießen, 16. Sept. Die schon von uns gemeldete Versammlung des Provinzialver⸗ bandes der freisinnigen Volkspartei für Oberhessen findet am Sonntag, den 20. d. M., vormittags imHotel Schütz statt, Am Nachmittag ist eine Vertrauensmännersitzung im Restaurant Feidel angesetzt.

* Gießen, 16. Sept. Ein Ständchen brachte gestern in später Abendstunde der Gesang⸗ vereinHeiterkeit seinem ältesten Mitgliede,

.....

Marja, das Heldenmädchen

von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg (Fortsetzung.) 13. Kapitel. Der erste Mann in Süd-Afrika. In dem Gouverneurshause zu Buluwayo war großer Empfang. a Sir Cecil Rhodes, der ungekrönte König von Rhodesta, ein Mann, ausgezeichnet durch seltene Gaben des Geistes, durch Thatkraft und fabelhaften Reichtum weilte wieder einmal, wie so oft schon,

bei seinem Freunde, d. h. bei seinem ersten und

treuesten Unterthan, und ihm zu Ehren gab Jameson

dieses Fest.

Mittels Blumen, Fahnen und Beleuchtungs⸗

körpern, Teppichen und Behängen war es dem

eur gelungen, vornehme, eines so hohen Gastes würdige Räume herzustellen, und sein Ge⸗ fangener, Graf Hallern, hatte ihn dabei unterstützt, auch die Oberleitung der ganzen Festarrangements übernommen.

Kurt hatte sich bereits eingelebt. Er bemerkte ningenvs einen Zwang, sah niemanden ihn bewachen, denn es bewachten ihn eben alle, wenn man ihm auch mit großer Zuvorkommenheit begegnete. Ebenso

unmöglich, wie es ihm gewesen wäre, ein Pferd zu

oder Buluwaho zu irgend einer Tages⸗ ober Nachtzeit unbegleitet zu verlassen, ebensowenig hätte er einen Brief absenden können, der zuvor nicht heimlich geöffnet worden wäre.

Jameson gestattete seinem Gefangenen so zu sagen volle Freiheit, einmal, weil er gänzlich fremd im Lande war, und daun weil er noch immer hoffte, den intelligenten Deutschen und vermutlichen Abge⸗ Regierung für die Sache n, was zwangsweise unmöglich geschehen konnte.

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Fast wollte es scheinen, als hätte Jameson das Fest seinem Gefangenen zu Ehren gegeben. Selbst Cecil Rhodes, dem Kurt hier zum ersten Male gegenübertrat, bemühte sich mit aller ihm zu Gebote stehenden Liebenswürdigkeit um seine Gunst. Der selbst in seinem Zivilkleide noch schneidige, schöne Offizier war Gegenstand allgemeiner Beachtung. Er war der flotteste Tänzer und daher von den Damen förmlich umstritten.

Besonders war es eine glutäugige, fast weiße Creolin, von siunberückender Schönheit und feinsten Umgangsformen, welche ihre Schmachtblicke auf Kurt richtete, und der es auch mehr und mehr ge⸗ lang, ihn in ihrer Nähe zu bannen. Sie stand in irgend welchen Beziehungen zu König Rhodes und hatte von ihm die Rolle zugedacht erhalten, Kurt in ihre Netze zu locken, um, wenn nicht anders, ihm unter dem vereinten Einfluß von Wein und Liebe seine vermeintlichen Geheimnisse zu entlocken und einen Umschwung in seinen Ansichten zu Gunsten der englischen Herrschaft in Transvaal herbeizu⸗ führen. Von der anderen Seite wirkte Sir Cecil mit seinen bestechenden Gunstbezeugungen ein. Er zog Kurt in in Gespräch über die politische Lage und gab ihm eine Uebersicht, welche Reformen im Boerenlande als dringende Notwendigkeit hinstellte.

Man irrt, sagte er,wenn man unseren Landsleuten in Transvaal revolutionäre Tendenzen zuschreibt. Wir wollen nichts als Reform en, wie sie die Gleichberechtigung in einem Staat mit gemischter Bevölkerung mit zwingender Notwendigkeitfordert. Die Boeren⸗Regierung aber will keine Parität; sie sagt; Alle Rechte den Boeren, alle Pflichten den Fremden. Unsere Landsleute in Trausvaal verdienen aber längst nicht mehr den Namen Uitläuders und numerisch sind sie schon seit langem den Boeren überlegen. Immer weitere Gebiete erobern englische Intelligenz, englische Arbeit und englisches Kapital.

Und doch noch immer ist von Seiten der Boeren dieser passive Widerstand und eine ungerechte Ge⸗ setzgebung, welche geradezu himmelschreiende Härten aufweist. sein hitziges Blut oder die unsinnige Anordnung eines dummen Unterbeamten zur Widersetzlichkeit treibt, wird all seiner sauer erworbenen Güter und Sparpfennige für verlustig erklärt, und in den Raub teilen sich Staat und Denunziant. Und schlau ist dieser Paragraph 19 des Goldgesetzes er⸗ sonnen! Wohl weiß es der kluge Mann in Pretoria, der Bettler hat niemals Macht. Seine Klage ver⸗ hallt ungehört; und das Beispiel einer solchen bürgerlichen Existenzvernichtung schreckt die Anderen. Er bindet ihnen Zunge und Hände, denn wer möchte um einen Augenblick des Aufatmens verlieren, was er in einem halben Menschenleben erworben?

Ist es da natürlich, daß schließlich eine allge meine tiefe Gährung Platz greift, und daß es nur eines geringen Anstoßes bedarf, um den angehäuften Zündstoff zur Entladung zu bringen?

Ich sage Ihnen, Graf, wenn Sie als Ausländer in Transvaal lebten, Sie selbst würden sich gegen die Boerenherrschaft auflehnen und ihre Beseitigung fordern.

Das vermag ich nicht zu beurteilen, ent⸗ gegnete Kurt mit weiser Zurückhaltung,ich kann nur nach dem urteilen, was ich mit eigenen Augen gesehen und was ich an mir selbst erfahren habe.

Ich kaun Ihnen nicht verhehlen, Sir, daß meine Landsleute, die Deutschen, sich drüben alle sehr wohl befinden und gar keinen Umschwung wünschen. Denn, Sir, deutsche Intelligenz, deutsches Kapital und deutsche Arbeit sind doch auch ein mächtiger Faktor in der Entwickelungsgeschichte der Südafrika⸗ nischen Republik! Mir selbst hat man von allen Seiten, auch von der höchsten Stelle das größte Entgegenkommen bewiesen. Ich habe nichts von

Wen der lange oder zu schwere Druck,

dem Zwang und Druck empfunden, unter welchem Ihre Landsleute seufzen.

Ja, Sie! sagte Rhodes mit einem süßsauren Lächeln.Den Gast behandelt man anders als den Mitwohner des Hauses. Und was Ihre Lands⸗ leute anbetrifft, so sind sie gleich den Boeren in der Minorität. Darum läßt man sie in Ruhe und buhlt um ihre Bundesgenossenschaft. Zwei Mino⸗ ritäten geben einer opponierenden Majorität keinen zu weiten Spielraum. Vergessen sie nicht, zwischen Deutsch-Südwest-Afrika und Transvaal liegt eng lisches Gebiet. Wäre die Lage nicht denkbar, daß man den gewaltigen Gegner im Falle eines Krieges zwischen sich erdrückte? Die Delagoa-Bai-Bahn ist

betrachtet könnte man sie eine strategische Bahn nennen. In der Delagoa-Bai können deutsche Kriegsschiffe ungezählte Truppen landen, und die Delagoa-Bahn kann sie auf dem kürzesten Wege nach Pretoria führen. 1

Sie vergessen das Stückchen Portugal, wandte Kurt, dem das Gespräch peinlich wurde, lächelnd ein.Lourenco-Marquez, die Hauptstadt

Portugiesischen Bahn! Sir Rhodes zuckte die Achseln. 1 Portugiesisch-Ostafrika ist ausdehnbar noch nach! dem Zwischenreiche Britisch⸗Betschuanaland Sie begreifen! 13 O, Sie sind aber ein weit schauender Politiker, Sir Cecil! scherzte Kurt.Ich fand bei Ihrem! Herrn Bruder, dem Oberst Rhodes in Johannes burg, viel gemäßigtere Ansichten. Der Lord wechselte ein wenig die Farbe. Er hatte nicht geahnt, daß der Graf auch mit seinem Bruder zusammengetroffen war.

(Fortsetzung folgt.)

hauptsächlich mit deutschem Geld erbaut und genauer;

von Portugiesisch⸗Ostafrika, ist der Euppunkt dieser