Ausgabe 
15.10.1896
 
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Starkenburg 2956, Rheiuhessen 1505,

Gießen, Donnerstag, den 15. Oktober

1896.

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Ausgabe

Gießen.

kilung.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

N Expedition:

Kreuzplatz Nr. 4.

2

Lokales und Provinzielles.

(Zur Reichs⸗

Gießen, 14. Oktober. tagswahl.) Am Sonntag, den 18. Oktober, bormittags 11 Uhr, wird Herr Reichstagsabge⸗ ordneter Eugen Richter in Steins Saal⸗ bau zu den Wählern des Kreises sprechen. Gießen, 14. Oktober. Bei der heute hier borgenommenen Wahl zum Landtag erhielt Metz 42 Stimmen. Heyligenstädt und Ober⸗ bürgermeister Gnauth je 1 Stimme. Gießen, 14. Oktober. Wir machen darauf aufmerksam, daß die dem Gesangverein Har⸗ monie gelegentlich des 50 jährigen Stiftungs⸗ sestes gewidmete neue Fahne und anderweitigen Geschenke in dem Schaufeuster des Herrn Julius Schulze auf einige Tage ausgestellt sind. Die ahne, welche oben genannte Firma ange ertigt hat, ist in prachtvoller künstlerischer Stickerei ausgeführt und zeugt von feinem Ge⸗ schmack und gediegener Arbeit.

* Gießen, 14. Okt.(Stadttheater). Wir wollen nicht unterlassen, auf das morgen Donnerstag Abend stattfindende Gastspiel des Frl. Thessa Klinkhammer aufmerksam zu machen. In dem Sudermannschen Schauspiel Die Heimath hat Frl. Klinkhammer die olle der Magda übernommen. Die Künstlerin sst bereits hier in Gießen mit bedeutendem Er⸗ folge aufgetreten, sodaß es überflüssig erscheint, hre Bedeutung als Schauspielerin noch besonders

a Welchen Rufes sie sich sowohl im In⸗ als Auslande erfreut, mag durch die Auslassungen derWiener Presse gekennzeichnet felt Dieselbe schreibt:Die ausgezeichnete Dar⸗ ellerin erinnert durch die äußeren Vorzüge, die anmuthige üppige Blondheit und die 1 Augen, durch das neckische Spiel und die fein⸗ 1 Rede lebhaft an Hedwig Raabe, mit der sie geistesverwandt ist. Wien grüßte den graziösen Gast mit Applaus und Blumen 5 ben wohl hoffen, ihn öfter in seinen Mauern zu sehen.

Gießen, 14. Oktober.(Stadttheater). Mit der gestrigen Aufführung des Schauspiels Dornenweg errang die Direktion denselben Erfolg, als wie bei der ersten Aufführung. Die ausgezeichneten Leistungen der Darsteller waren

wiederum von dem größten Beifall begleitet. Nur hätte der Besuch ein besserer sein können.

* Gießen, 14. Oktober. Wie man uns mit⸗ teilt, wurde der Reisende einer hiesigen Wein⸗ Engros⸗Handlung in Weilburg wegen Unter⸗

schlagung verhaftet.

Gießen, 14. Oktober. Aus dem auf der General⸗Versammlung des Landesgewerbe⸗ Vereins zu Darmstadt erstattete Geschäfts⸗ bericht pro 1895/96 entnehmen wir folgendes: Seit der letzten Generalversammlung sind 40 Mit⸗

glieder gestorben, darunter drei Ausschußmitglieder. Das

perflossene Berichtsjahr brachte einen Zuwachs von 72 Mitgliedern, lediglich in Starkenburg, während Rhein⸗

hessen und Oberhessen ein Minus von 40,

bezw. 22 hatten; der Mitgliederstand ist jetzt 5 691 Oberhessen * 85 außerhalb Hessens 79); 87 sind Einzelmitglieder, d. h. außerhalb der Ortsgewerbbereine stehend. Am 16. April d. J. bezog ihr neues

Zentralstelle. Auf gewerbepolitischem Gebiet stand und steht noch die Frage der Organisation des Handwerks im Vordergrund und die Organe des Vereins beschäftigten sich eingehend damit. Mit dem Beziehen des neuen Zentralstelle⸗Dienstgebäudes kann durch zweckentsprechendere und bessere Einrichtung bezüglich Sammlungen, Bibliothek mit Lesesaal, Vorbilder⸗- und Lehrmittelsammlung u. s. w. den Zwecken der Handwerkrr und des Unterrichts viel besser entsprocheu werden. Die Beamten der Zentral⸗ stelle und mehrere Lehrer der Unterrichtsanstalten unter⸗ nahmen mit entsprechender Reiseunterstützung Studienreisen zur Besichtigung der heurigen Gewerbe- und Kunstaus⸗ stellungen. 8 jungen Handwerkern konnten Zeugnisse von der Zentralstelle zwecks Erlangung des Berechtigungs⸗ scheins zum einj.⸗freiw. Dienste erteilt werden. Von den nunmehr bestehenden 62 Ortsgewerbvereinen wurden in einigen 40 Vereinen Vorträge gehalten. Fakultative Lehrlingsprüfungen bestehen schon in einer Reihe von Vereinen. In Nidda gab Drechslermeister Schul z gratis kursmäßigen Unterricht im Flach⸗ und Kerbschnitt usw. Eine Weberschule dürfte wahrscheinlich in Lauterbach ins Leben treten. Die Schulstatistik weist einen Gesamtaufwand für die Anstalten von 254000. auf, wovon durch den Staat 121000, durch die Orts⸗ gewerbvereine, Gemeinden(die auch meist Lokal, Heizung, Beleuchtung, Reinigung usw. stellen), Sparkassen usw. 80 000 4 dann 53000 durch Schulgeld gedeckt wurden. In⸗ nungen bestehen jetzt, soweit bekannt, im Großherzogtum 34, davon je 9 in Darmstadt und Mainz, je 3 in Gießen und Worms, 4 in Heppenheim a. d. B., 2 in Offenbach, je 1 in Groß⸗Gerau, Alzey, Oppenheim und Wörrstadt; Lehrlingsprüfungen sind in 2 Fällen bekannt. Am 15. April d. J. wurde in Worms unter Dr. Schneiders Leitung eine Fleischerschule eröffnet. Ein Zentralverband hessischer Innungen und Berufsvereine war am 26. Januar d. J. in Mainz ins Leben getreten. Auf der 4. und 5. Versammlung des Verbandes deutscher Gewerb⸗ vereine zu Kassel, bezw. Stuttgart war die Zentralstelle vertreten.

Lauterbach, 10. Okt. Wie das Ergeb⸗ nis der Landtags wahl im hiesigen Bezirk ausfallen wird, ist bis jetzt noch sehr zweifelhaft. Die Wahlmänner von Schlitz und Umgebung sind an Zahl fast ebenso stark wie die Wahl⸗ männer von Lauterbach und Umgebung. Die ersteren sollen die Absicht hegen, den seitherigen Abgeordneten Herrn Bürgermeister Zinßer von Schlitz wieder zu wählen, während die letzteren in Herrn Bürgermeister Stöpler von Lauter⸗ bach einen neuen Kandidaten aufgestellt haben.

* Lauterbach, 13. Okt. Die schon erwähnte Obstausstellung erstreckte sich hauptsächlich auf Aepfel. 1 5 Landwirtschaftslehrer Reichelt, der sich am Montag in einem interessanten Vortrag über das Ergebnis der Ausstellung verbreitete, legte ebenfalls das Hauptgewicht auf die Aepfel⸗ sorten. Nach seinen Ausführungen eignet sich der Kreis sehr wohl zur Obstkultur, nur dürfe man nicht Bäume aufs Geradewohl je nach Lieb⸗ haberei pflanzen, sondern man müsse diejenigen Sorten wählen, welche sich für die klimatischen Verhältnisse des Kreises besonders 55 eignen. Da gebe denn die jetzige Ausstellung einen Fingerzeig. Als diejenigen Sorten, die jetzt schon vorzüglich in unsrer Gegend gediehen, seien besonders zu nennen: 1) der geflammte Kardinal, auch falscher Gravensteiner oder Kaiserkrone ge⸗ nannt, 2) der Prinzenapfel, 3) der rote Eiser⸗ apfel. Diese 3 Sorten seien weniger Tafel- als

wertvollen Tafel⸗ und Marktäpfeln zu nennen: 4) der Boiken⸗Apfel, 5) der schwäbische Rosen⸗ apfel, 6) die Orleansreinette, 7) der rote Winter⸗ Kronenapfel. Außerdem seien noch alsPio⸗ niere für Gegenden, wo bisher noch kein Obst gezogen worden sei, zu empfehlen der sich durch große Widerstandsfähigkeit auszeichnende russtsche Apfel Charlamowsky und die Wintergoldpar⸗ mäne. Bezüglich der Anpflanzung sei zu be⸗ achten: Man pflanze nicht an Süd⸗ oder Südwest⸗, sondern an Nordabhänge und möglichst auf die Höhen, nicht in die Thäler; da, wo der Baum ein rauheres Klima zu über⸗ winden habe, müsse er durch einen um so besseren Boden entschädigt werden. Die Ausstellung ist sehr gut besucht worden, besonders stark am Sonnkag. Montag Nachmittag 4 Uhr wurde sie unter Verteilung der Diplome geschlossen.

* Darmstadt, 14. Oktober. Die Groß⸗ herzogin hat am 12. d. M. das Protek⸗ torat über das Konservatorium für Musik zu Darmstadt(Direktor W. Süß) übernommen.

* Offenbach, 12. Oktober. Gegen die am 6. Oktober stattgefundene Wahl der Wahl⸗ männer zum Landtage, bei der bekanntlich die von den Sozialdemokraten aufgestellte Liste siegte, wurde von Seiten der unterlegenen Partei Beschwerde erhoben. Diese Beschwerde wurde vom hiesigen Kreisamt als u begründet zurückgewiesen und den siegreichen Wahl⸗ männern heute Abend die amtliche Einladung zur Wahl des Abgeordneten für die Stadt Offenbach auf nächsten Donnerstag den 15. Ok⸗ tober zugestellt. Von den gewählten 78 Wahl⸗ männern mußten 15 ausscheiden, weil sie das erforderliche Steuerkapital von über 80. nicht versteuern. Die Wahl des Abgeordneten für den Landkreis findet nächsten Mittwoch in Groß⸗Steinheim statt, zweifellos wird Ulrich ge⸗ wählt werden. Bekanntlich wurden am 5. Ok⸗ tober 28 sozialdemokratische und 19 ultramon⸗ tane Wahlmänner gewählt.

* Mainflingen, 13. Okt. Die niedrigen Getreidepreise und andere Umstände bewirkten in letzterer Zeit hier ein stetiges Sinken der Preise des Grundeigentums. Diese Er⸗ scheinung zeigt sich sowohl bei Versteigerungen, als auch bei Verpachtungen. Bei der kürzlich vollzogenen Verpachtung der Grundstücke der Zabolitzkyschen Waisenkinder wurde durchschnitt⸗ lich nur 1 Mark pro Morgen= 625 Quadratmeter erzielt. Unter diesen Umständen mußte sich die Vormundschaft mit der Frage befassen, ob es nicht vorteilhafter wäre, die Grundstände brach liegen zu lassen. Infolge der in unserer Gemeinde vorzugsweise gepflegten Perlendustrie ist die Lust nach Uebernahme oder Ankauf von Grundeigentum neuerdings bedeutend

gesunken. * Heppenheim 1 12. Oktober. Infolge der regen aulust in unserer Stadt sind die Preise für Bauplätze bedeutend gestiegen. Unläng st wurden sogar 32 Mark per e e Ackerlandes erzielt. * Klein⸗Welzheim, 11. Okt. Der 24jäh⸗ rige Fabrikarbeiter Peter Schließmann von hier hatte sich im Jahre 1892 wegen Körperverletzung,

verübt an seinem eigenen Vater, vor der Straf- kammer in Darmstadt zu verantworten. Am Tage vor dem Verhandlun Stermine ergriff er die Flucht und wurde seitdem erfolglos steck⸗ brieflich verfolgt. Der Flüchtling erreichte unbe⸗ helligt Amerika, wo er inzwischen durch Spar⸗ een und eine glückliche Heirat zu einem be⸗ eutenden Vermögen gelangte; er hatte sich auch mit seinen Angehörigen vollständig ausgesöhnt. In der Annahme, seine Strafthat sei vergessen oder verjährt, traf er dieser Tage in Klein⸗ Welzheim ein, um seine Angehörigen nach der neuen Welt abzuholen. Die Seligenstädter Gen⸗ darmerie verhaftete ihn und eskortierte ihn zunächst nach dem Amtsgerichtsgefängnisse zu Seligenstadt und dann nach dem Untersuchungs⸗ gefängnisse in Darmstadt.

* Pfungstadt, 13. Oktober. Gestern wurde hier das 50 jährige Bestehen der Pfung⸗ städter Brauerei von Hildebrand festlich gefeiert.

Mainz, 12. Okt. Vor dem Schöffen⸗ gericht ging gerstern Abend nach zweitägiger Verhandlung der Beleidigungsprozeß zu Ende, den der Polizeiwachtmeister Olof Beofen⸗ berg gegen den Nähmaschinenhändler H einrich Wolter angestrengt hatte. Letzterer hatte den Ersteren bei der Staatsanwaltschaft wegen Mein⸗ eids, Bestechung und Mißbrauchs der Amtsge⸗ walt denunziert. Das Gericht hielt den Beweis für die Beschuldigungen nicht für erbracht, da⸗ gegen die Form der Denunzition für beleidigend und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 120. Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis beantragt.

* Mainz, 12. Oktober. Das einzige Lokal mit größerem Saal, demokratischen Partei und den Gewerk⸗ schaften seit etwa sechs Jahren zu ihren Ver⸗ sammlungen und Festen zur i ist ihnen jetzt entzogen worden. Der Wirt hat nämlich dem Vorstande der Partei und dem Ge⸗ werkschaftskartell die Mitteilung zugehen lassen, daß die Pächterin desWeißen Rößchens, die Direktion der Storchenbrauerei in Speyer, einen in dem Mietvertrag befindlichen, seither aber nicht angewandten Paragraphen, wonach das Lokal z. politischen Versammlungen nicht benutzt werden darf, nunmehr zur Anwendung bringe und ihm die fernere Hergabe des Lokals zu politischen Zwecken untersagt habe. Am Mitt⸗ woch wollen die Vorstände der Partei und der Gewerkschaften zu dieser plötzlichen Exmisston Stellung nehmen.

* Mainz, 13. Oktober. Im Schwur⸗ gerichtssaal verhaftet wurde gestern Nach⸗ mittag der Ackerknecht Pattison aus Gensingen, weil er, um einen Angeklagten zu entlasten, einen Meineid geschworen haben soll.

* Worms, 12. Okt. Die Landtags⸗ wahl ist für unsere Stadt und für den Bezirk Pfeddersheim auf Mittwoch den 14. ds. fest⸗

esetzt. Hier wird der seitherige Abgeordnete Reinhart und dort der seitherige Abgeordnete Möllinger wiedergewählt werden.

* Vom Main, 13. Oktober. Wegen not⸗

wendiger Ausbesserungen der Schiffs⸗ und Floß⸗

Dienstgebäude die gewerbliche *

Zpwische

Roman aus dem australischen Buschleben . von G. Löffel. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ein Fußgänger wäre sicher, aufgespießt und zer⸗ trampelt zu werden. i Dieses Weideland war in nicht ganz zwei Stunden durchritten, obgleich ich jetzt, den guten

2 Boden benutzend, weite Strecken Galopp ritt.

Nur mit Hilfe meines Taschen⸗Kompasses war es mir möglich, die nördliche Richtung annähernd inne zu halten.

Am Rande des Weidelandes hielt ich nochmals

an, um meinem Pferd eine kurze Rast zu gönnen.

Unvermittelt, ohne Uebergänge, wie Alles in Australien, trat hier eine Salzseen⸗Wüste an den fruchtbaren Landstrich heran. n

Der Ausblick war trostlos düster, ja, er war geeignet, auch den verwegensten Pfadfinder zu ent⸗

mutigen.

Eine unabsehbare strauch- und baumlose Sand⸗ wüste dehnte sich vor mir aus..

In diese eingebettet, blinkten und blitzten see⸗ artige Salzbecken im Mondschein. Da war, wohin man blickte, Laut eines Lebenden. Deer Instinkt ließ selbst

er schrecklichen Sand⸗

And da hinein sollte ich mich nun begeben, mit

keine Spur, kein

die wilden Tiere vor und Wasserwüste Kehrt

vortreffliche Wirtschaftsäpfel. Dagegen seien von

Kompaß!

Schwer wie ein Bleideckel, lag die matt er⸗ leuchtete Himmelsscheibe auf diesem Riesensarg.

Was da ruhte, hatte nur den Glanz eines Paradebettes.

Es war tot und zu keinem Leben mehr zu erwecken.

Ich gestehe, daß der Anblick mich schwer dar⸗ niederdrückte und mir das Gewagte meines Unter⸗ nehmens erst recht vor Augen stellte. 5

Da hatte mir mein Ehrgeiz wieder einmal einen schlimmen Streich gespielt.. g

Wie bequem hätte ich mich jetzt auf meinem Lager von Schaffellen strecken können.

Und das war Alles nur Vorspiel. a

Die eigentliche Gefahr erwartete mich erst jen⸗ seits der furchtbaren Sand⸗ und Wasserwüste, welche der sogenanntentoten Schlucht vorgelagert war.

Mein Pferd ließ den Kopf hängen.

Es schien selbst keine Neigung zu weiterem Vor⸗ dringen zu haben.

Mein ermunternder Zuspruch blieb unbeachtet.

Nur widerwillig fügte es sich dem stärkeren Antrieb durch Sporen und Reitgerte.

Endlich war der mühselige Wüstenritt ange treten.

Bei Tage, im Sonnenbrand, wäre er wohl kaum ausführbar gewesen.

Eine Anzahl der flachen Salzseen war voll⸗

ständig ausgetrocknet.

keinem anderen Wegweiser, als meinem Taschen⸗

Was da blitzte und blinkte waren Salzkrystalle, welche sich auf dem Boden abgelagert hatten.

Das erinnerte an sibirische Steppen.

Ich ritt Meilen Weges wie durch Eis⸗ und Schneefelder.

In der Umgegend der Seen selbst war der Boden schwammig; man ritt wie über Torfmoor.

Eine Zeit lang ging Alles gut.

Dann aber begannen, wohl in Folge Abkühlung der Luft, Nebel über den sumpfigen Gewässern auf⸗ zusteigen.

Sie verdichteten sich, breiteten sich mehr und mehr aus, stiegen und sanken ohne eine bemerkbare Bewegung der Luft, und auf einmal fiel ein dichter, weißer Schleier auf mich herab, welcher für Mond und Augen undurchdringlich war.

In höchster Bestürzung über diese ganz uner⸗ wartete Natur⸗Erscheinung hielt ich mein Pferd an.

Was nun?

Wenn ich weiter ritt, mußte ich fürchten, in einen der Seen zu geraten und in seinem sumpfigen Grund stecken zu bleiben.

An den Bewegungen, die mein Pferd mit den Beinen machte, erkannte ich aber, daß es schon jetzt in dem Schlammboden versank, und wo einer seiner Hufe einen Augenblick geruht hatte, gurgelte das Wasser herauf.

Wir mußten weiter.

Ich brachte den Kompaß unter meine Augen, vermochte aber nichts mehr zu erkennen.

Im Schritt ließ ich mein Pferd nun weitergehen.

Wir kamen an Wasser.

Ich lenkte es schleunigst ab und trabte nun in der entgegengesetzten Richtung fort.

Und nach kaum hundert Schritt stießen wir wieder auf Wasser. 5

Entsetzt lenkte ich abermals ab, um nach kaum fünfzig Schritt mich wieder am Wasser zu befinden.

Wohin war ich geraten?

Es sollte noch ärger kommen.

Der bis dahin michweiße Nebel nahm eine graue Färbung an.

Es dunkelte mehr und mehr.

Nach weiteren zehn Minuten eines ängstlichen Hin⸗ und Herreitens, welches wieder und wieder am Wasser endete, hüllte rabenschwarze Nacht mich ein.

Ich konnte nicht mehr die Hand vor Augen sehen.

Totenstille herrschte nach wie vor ringsum.

Mein Pferd war durch nichts mehr vorwärts zu bringen, es bewegte sich nur noch auf seinem Platz, um den Versinken zu entgehen.

Und von unten herauf drang gurgelnd, gleich⸗ wie mit leisem Kirchern, das Wasser.

Wohl selten ist ein Mensch in einer so schreck lichen Lage gewesen.

Ich hatte dergleichen nie zuvor erlebt und er⸗ wartete jeden Augenblick den Eintritt irgend einer surchtbaren Katastrophe eines Erdbebens, eines

Cyklons oder sonst eines gleich schrecklichen Natur⸗ Ereignisses.

das hier der sozial⸗