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15.9.1896
 
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Gießen, Dienstag, den 15. September

1896.

Ausgabe

ische Landeszeitun

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

75

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition:

2 Kreuzplatz Nr. 4.

Delegirten⸗Versammlung der Gewerbetreibenden und Handwerker Hessens.

Frankfurt, 13. September 1896.

(Von unserem Special-Berichterstatter. N 15 Die auf Veranlassung des Gewerbevereins Offenbach 0 um Palais⸗Restaurants hier stattgefundene Delegierten⸗ Versammlung der Gewerbetreibenden und Handwerker Hessens, die aus allen Teilen des Großherzogtums zahl⸗ bleich besucht war, beschäftigte sich mit dem von Preußen bekannt gegebenen Gesetzentwurf betreffend die Zwang s⸗ organisation des Handwerks. In der Versamm⸗ lung waren mindestens/ der Anwesenden Handwerks⸗ meister. Der Gewerbeverein Gießen war vertreten durch einen Vorsitzenden Commerzienrat Heyligenstädt. Als Deleglerte des Vereins waren erschienen Spenglermeister Appel, Schuhmachermeister Berg, Möbelhändler Brück, Dachdeckermeister Carl é, Schlossermeister Ma r⸗ 5 tin Dörr, Schlossermeister Krog mann, Sattlermeister August Kilbinger, Schreinermeister Müller, Weiß⸗ bindermeister Louis Petri II, Bauunternehmer Winn. Brockmann⸗Offenbach übernahm als Vertreter des die Versammlung einberufenden Vereins den Vorsitz. In die Tagesordnung eintretend wurde über die von der Zentral⸗ stelle für die Gewerbe zur Beantwortung durch die ein⸗ zelnen Ortsvereine gestellten Fragen diskutiert, deren erste Frage dahin geht, ob ein Bedürfnis zum Erlaß so ein⸗ gehender Bestimmungen, wie sie der betreffende Gesetzent⸗ wurf enthält, zur Herbeiführung einer Zwangsorganisation für das Handwerk im Großherzogtum anzuerkennen ist. Diese Frage veranlaßte eine sehr gründlichr Debatte. [Dagegen sprachen sich aus die Gewerbevereine von

Büdingen, Bensheim, Offenbach, Rüsselsheim, Alzey und Gießen. Dafür trat nur Worms ein, welches behaup⸗ tete daß neben der geplannten Zwangsinnung, die Ge⸗ werbe⸗Vereine ganz gut wieder bestehen könnten, mit samt der Großh. Zentralstelle, der das Fachschulwesen ꝛc. unterstellt bleiben würde. Rockel⸗Darmstadt erklärt, daß

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1 ich der Vorstand des Gewerbevereins Darmstadt in seiner Mehrheit für die Zwangsorganisation ausgesprochen habe, 10 er persönlich vertrete in dieser Frage eine entgegengesetzte

Ansicht, doch ordne er sich der Mehrheit unter. Es sei

nicht zu verkennen, daß einzelne Interessen des Handwerks durch die bestehende Organisation nicht so vertreten seien, wie es wünschenswert wäre. Es gebe aber zu bedenken, daß die von Preußen vorgeschlagene Organisation des Handwerks dem Gewerbestand aufs neue große Geldopfer auferlege. Schlossermeister Heil⸗Offenbach bemerkt, daß er Gegner des ganzen von Preußen vorgeschlagenen Gesetzes sel, denn dieses sel gleichbedeutend mit einer Be⸗ vormundung des ganzen Handwerks und gleichbedeutend mit einer Stellung desselben unter Polizei⸗Aufsicht. Preußen könne ja die Sache für sich machen, aber die werker in Hessen solle man mit einer solchen Ein⸗ stung verschonen. Man habe von Berliu aus eine Studienkommission nach Oesterreich gesandt, wo man die Zwangsinnung eingeführt habe, aber über deren Erfah⸗ gen schweige man sich aus und dabei weiß man in g lt, wie traurig sich die Sache gerade in Oester⸗

reich gemacht hat. Der preußische Gesetzentwurf bürde dem Hankwerker, statt ihm zu helfen, nur vermehrte

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Marja, das Heldenmädchen von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.) Sie reichten einander die Hand. Dies geschah Es

in Gegenwart der Soldaten. 5 Recht so! nickte Jameson beifällig. kann Ihnen ja nicht uninteressant sein, nun auch das englische Afrika kennen zu lernen. Ich selbst bin ein viel gereister Mann und kann Ihnen über alles, waß Sie zu wissen wünschen, volle Auskunft geben. Lassen wir jetzt die politischen Verwickelungen ganz unberührt und handeln wir so, als reisten wir unter meinem Schutze nach Buluwayo, um Ihre Keenntnisse zu bereichern. Auch Britisch⸗Betschuana⸗ land ist einer Bereifung wert. Diese Auffassung sagt mir durchaus zu, ent⸗ geggnete Kurt,und wer weiß, wenn ich frei wäre, würde ich noch ganz von selbst zu Ihnen 5 5 sein. Ich suche hier nämlich jemand, an dessen Auffindung mir sehr viel gelegen ist nicht aus politischen Gründen, sondern im Auftrage meines verstorbenen Onkels, des Grafen von Hallern, und wenn es mir mit Ihrer Hülfe gelänge, diesen Mann zu finden, so würde ich mich Ihnen stets zu großem anke verpflichtet fühlen. g 5 Der Gouverneur schwieg einen Augenblick, viel⸗ leicht weil er an Kurts Worten zweifelte. Gut, sagte er dann, glauben wir an den Jemand! Wer ist er? Eein Mann Namens Strehlen, welcher vor etwa zwanzig Jahren nach Transvaal auswanderte. Er war verheiratet, aber kinderlos, wenigstens damals. Jameson sann nach. 5 5 Der Name klingt mir sogar nicht ganz unbe⸗

nt, sprach er für sich.

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Lassen Sie mich über⸗

Bernhard-Mainz spricht sich für, Jochem-Worms gegen den Gesetzentwurf aus.

Es entspinnt sich eine längere Geschäftsordnungs⸗ debatte darüber, ob die Versammlung abstimmen soll oder nicht. Man einigt sich dahin nur zu beraten und zu diskutieren, um die hier gehörten Meinungen bei den Be⸗ ratungen der Einzel⸗Vereine zu verwerten.

5 Der Vertreter von Mittelstadt spricht sich ebenfalls gegen eine Zwangsorganisation aus. Landtagsabgeordneter Dr. Schröder-Darmstadt, Mitglied des Ausschusses der Ge⸗ werbevereine, weist darauf hin, daß bei einer s. Z. vom Ausschuß vorgenommenen Enquete die große Mehrheit der Handwerker in Hessen sich gegen Zwangsinnungen ausgesprochen haben. Es sei doch aber gar nicht zu ver⸗ kennen, daß seit 10 Jahren der Anprall der Groß⸗

tieren, daß die Vertreter der kleineren Vereine auch hier in der Versammlung sich gegen die Zwangsinnungen ausgesprochen hätten.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 14. Sept. Ernannt wurden: Pfarrvikar Schreiber zu Langd, Dekanat Nidda, zum Pfarrverwalter daselbst; Pfarrver⸗ walter Weigel zu Nieder⸗Ramstadt zum Pfarr⸗ verwalter in Schwarz, Dekanat Alsfeld.

Gießen, 14. September, Atelier-Neubau. Im verflossenen Jahre ist unsere Stadt durch die Firmen

industrie ganze Zweige des Handwerks mehr und mehr lahm gelegt habe, auch sei nicht zu bestreiten, daß in ihrem Fach tüchtige Handwerker ihre Not haben, sich der Konkurrenz des Groß betriebes gegenüber über Wasser zu halten. Die Frage sei die, soll hier etwas geschehen, oder soll man die Sachen gehen lassen. Redner weist auf die Er⸗ folge der Bäcker- und Metzger⸗Innungen. Corporatieve Verbände seien es, die im Handwerk allmählich eine Not⸗ wendigkeit geworden, gegenüber der in der gewährten Freiheit durch die in den 60er Jahren inaugurierte Ge⸗ setzgebung. Durch diese seien die unhaltbaren Zustände des Lehrlingsweseus großgezogen, wodurch der mangelhafte Gesellenstand bedingt werde und so sei es gekommen, daß im Handwerk das Pfuschertum großgezogen wurde. Red⸗ ner hält ebenfalls die preußische Vorlage für unaunehm⸗ bar, tritt aber für eine Zusammenfassung der einzelnen Gewerbe ein und wenn dies im Guten nicht gehe, dann müsse man Zwang gebrauchen. Die Regelung des Lehr⸗ lings⸗ und Meisterwesens sei notwendig und da Hessen allein hier nichts ausrichten könne, müsse das Reich ein⸗ treten. Dr. Schröder erkennt die großen Verdienste der Centralstelle um das Lehrlingswesen und um das gewerbliche Schulwesen an, sie habe bedeutendes auf diesem Gebiete erreicht, aber das aktive Handwerk, so meint er, dem könne die Centralstelle für die Gewerbe allein nicht helfen, denn sie stehe dem eigentlichen Handwerk und seinen praktischen Bedürfnissen zu fern.

Der Obermeister der Metzger-Innung, Kröger-Offen⸗ bach, spricht für die Zwang,sorganisation. Michel⸗Offenbach weist darauf hin. daß die Erfolge der Bäcker⸗ und Metzger⸗Innungen doch nur auf eine freiwillige Organisation dieser Handwerker beruhen. Das Zusammenfassen des Handwerks kann nur Segen für das⸗ selbe bringen, wenn es freiwillig geschehe.

Schlossermeister Dörr-Gießen erklärt, daß es nicht nur seine Meinung sei, sondern die sämtlicher Handwerker, mit denen er darüber gesprochen, daß der Entwurf der preußischen Regierung ganz und gar nicht für das Handwerk passe.

Kommerzienrat Müller⸗Bensheim bedauert das ge⸗ ringe Interesse der Handwerker selbst für gewerbliche Fragen. Er habe in Bensheim die Erfahrung gemacht, daß die Handwerker fachwissenschaftlichen Vorträgen fern geblieben seien.

Rechtsanwalt Kalman-⸗Alzey erklärt, daß der Ge⸗ werbe⸗Verein Alzey, der unter seinen 105 Mitgliedern 85 wirkliche Handwerker zählt, ebenso die kleineren Vereine der Umgegend von Alzey sich sämtlich gegen die Zwangs⸗ innungen ausgesprochen haben. Er wolle nur konsta⸗

Bach, Rudolph und Schuchard um zeitgemäße, den modernen Auforderungen entsprechende Ladenbauten be⸗ reichert worden. Auch für die Kunst ist in diesem Jahre in Gießen gine würdige Stätte errichtet. Photograph Uhl hat an Stelle seines alten Ateliers einen Neubau aufführen lassen, welcher betreffs seiner inneren Einrichtung in jeder Großstadt konkurrenzfähig wäre. Nach Plänen der Architekten Stein u. Meyer erbaut, macht das Aeuß ere des Gebäudes, welches von der Alicestraße sichtbar ist, einen einfachen, aber geschmackvollen Eindruck. Betreten wir den Hof des Uhlschen Grundstücks von der Frank- furterstraße aus, so läßt die Gebäude-Ansicht sofort erkennen, was in dem Bauwerk betrieben wird. In das Innere des Hauses gelangend befinden wir uns zunächst in einem geräumigen Empfangsraum, welcher durch dekorativen Schmuck, sowie durch den Einbau eines in Kunstschreiner⸗ arbeit ausgeführten Erkers einen vornehmen und gediegenen Eindruck macht. Von hier aus führt ein bequemer Treppen⸗ aufgang zu den oberen Räumen des Gebäudes, welcher durch ein reiches Palmenarrangement dekoriert ist. Dieser Treppenbau wird durch ein in seiner ganzen Höhe ange⸗ legtes, kunstvoll gearbeites, in kräftigen Farben gemaltes Fenster erhellt, welches in seiner Zeichnung die Kunst in Verbindung mit Malerei und Photographie darstellt. Oben mündet die Treppe in einen zweiten Warteraum, welcher dazu berechnet ist, den Interessenten vor der Auf⸗ nahme die künstlerischen Erzeugnisse der Firma Uhl in großer Kollektion vorzuführen. Von hier stellt ein breiter Gang die Verbindung nach dem Atelier her. Rechts von diesem Gang belegen ist die Dunkelkammer mit einem Vorraum derartig untergebracht, daß man zu jeder Tageszeit, ohne die im Dunkeln vorzunehmenden Arbeiten zu genieren, hier eintreten kann. Links dieses Ganges sind Toiletten- und Ankleideräume plaziert. Das Atelier, welches eine Länge von 13 und eine Breite von 7 Metern hat, ist ganz in Eisen in der Weise hergestellt, daß die Konstruktionsteile selbst im Innern des Glashauses nicht sichtbar sind. Die Ausführung dieses Teiles des Bau⸗ werks wurde von der Firm Fries Sohn Frankfurt a. M. ausgeführt. Besonders elegant nehmen sich die halbkreis⸗ förmig gebogenen Glasscheiben an der Vorderseite des Ateliers aus, ebenso praktisch sind die Sonnensegel ange⸗ bracht, welche bezwecken, dem direkt einfallenden Sonnenlicht zu wehren. Die übrige Bedachung des Hauses besteht aus Holzeementdeckung und baut sich auf demselben noch ein vollständig von Glas und Eisen errichtetes Copierhaus auf, in dem bei jeder Witterung gearbeitet werden kann. Im Parterre des Hauses sind weiter die sonstigen Arbeits⸗ räume der Firma untergebracht, während das Souterrain außer einem Entwässerungsraum Lagerräume enthält. Ebenso ist hier die Centralheizung(Dampfniederdruck)

untergebracht, welche von Bernhard Oelrichs Frankfurt a. M. hergerichtet wurde und durch welche Anlage sämtliche Räume des Geschäftshauses gleichmäßig erwärmt werden können. Die Firma Uhl, welche s. Z. aus kleinen An⸗ fängen entstanden, hat sich stets die neuesten Errungen⸗ schaften auf dem Gebiete der Photographie zu Nutzen gemacht. Möge dem ferneren Streben derselben der Er⸗ folg nicht fehlen. Gießen, 14. Sept. Der am Sonnabend Abend stattgehabten Eröffnungs⸗Vorstellung, als auch dem gestrigen Auftreten der Künstler Familie Knie wohnte trotz der wenig günstigen Witte⸗ rung eine große Zuschauermenge bei. Die Künstler haben mit ihren Leistungen alle früher hier gastierenden Gesellschaften ähnlichen Genres weit in den Schatten gestellt. Die Leistungen auf dem hohen Turmseil war geradezu staunen⸗ erregend und man muß sie selbst sehen, um zu begreifen, in welch hohem Grade sich die Herren Alexander und Rudolf Knie auf diesem Gebiet ausgebildet haben. Auch auf dem Gebiete der Gymnastik und Equilibristik wurde nur Vorzüg⸗ liches geleistet. * Gießen, 14. Sept. Ein geistesge⸗ störter Passagier 4. Klasse, der von hier aus mit dem Zuge 12 Uhr 6 Minuten mit nach Frankfurt fahren wollte, schlug kurz vor Be⸗ ginn der Fahrt eine Frau, die im gleichen Wagen mit ihm verweilte, mit der vollen Faust ins Gesicht. Der Mensch wurde vom Zug⸗ personal mit Gewalt aus dem Wagen geholt und durch den Stationsbeamten von der Mit⸗ fahrt ausgeschlossen. Der Ausgeschlossene er⸗ klärte, er 1505 die Frau geschlagen, weil es un⸗ passend sei, in 4. Klasse einen Schleier vorm Gesicht zu tragen, die Frau solle 2. Klasse reisen, wenn sie einen Schleier tragen wolle. * Gießen, 14. September. Fliegenstiche. Besonders bei einer heißen Witterung sind die Fliegen außerordentlich lästige Insekten. Ihre Stiche können aber auch gefährlich werden, ja sogar den Tod eines Menschen herbeiführen, wenn nicht rechtzeitig vorgebeugt wird. Kürzlich wurde erst wieder ein Arbeiter von einer Fliege in die linke Hand gestochen. In der Nacht noch bekam er Geschwulst und Schmerzen, daß er einen Arzt holen mußte, welcher Blutvergiftung konstatierte und die Ueberführung ins Spital anordnete. Dieser Fall mahnt wieder dringend zur Vorsicht. Es besteht unter dem Publikum vielfach die irrige Auffassung, daß solche Un⸗ glücksfälle nur auf den Stichgiftiger Fliegen zurückzuführen seien, und da es solche doch nicht soviel gebe, sei die Sache nicht so tragisch zu nehmen. Das ist aber, wie gesagt, falsch, die liegen setzen sich mit Vorliebe auf die ekel⸗ aftesten, in Fäulnis übergegangenen Abfallstoffe und Tierleichen, und von diesen übertragen sie dann das Gift auf den Menschen. Man schützt sich dagegen zunächst, indem die Fliegen sofort

Namen irgend eine Erinnerung, irgend ein Ereignis knüpfte. Zwanzig Jahre ist allerdings eine lange Zeit, und ich habe ein sehr bewegtes Leben hinter mir. Ich werde mir Mühe geben, der Sache auf die Spur zu kommen. Fürerst wollen wir aber jetzt ein Lager beziehen und uns stärken. Sie sehen sehr schlecht aus, Herr Graf. Gestatten Sie mir, dem Arzte, einmal Ihren Puls! i

Matt sehr matt, fuhr Jameson mit ernster Miene fort.Fühlen Sie sich nicht wohl? 5

Nur zum Umsinken müde; hungrig und durstig bin ich auch! Drei Tage ohne Wasser im Sattel, das Pferd unter mir zusammengebrochen und ver⸗ endet, ich selbst wie durch ein Wunder dem Tode des Verschmachtens entrissen da haben Sie die Erklärung für den matten Puls. Der lange Ritt jetzt hat auch nicht dazu beigetragen, die Kräfte

zu heben.

O, o, o! machte Jameson bedauernd.Da müssen wir schnell etwas thun. Steigen wir ab Sie sollen sogleich bedient werden.

Bald flackerte ein Feuer auf, an welchem der den Engländern aller Länder unentbehrliche Thee von den Soldaten gekocht wurde. Einstweilen durfte Kurt einen ganz vorzüglichen Cognac, den Jameson bei sich führte, zur Stärkung nehmen. Nach einem frugalen, aber reichlichem Mahl, be⸗ stehend aus Biltong, Zwieback, Thee und Früchten, streckten sich der Gouverneur und sein Gefangener auf ihren Decken aus, um noch ein wenig zu rauchen und zu plaudern.

Sie haben da einen 1 Ritt Fu d

öffnete Jameson die Unterhaltung,und der un⸗ glace 8 desselben läßt erkennen, daß Sie erst kürzlich nach Transvaal gekommen und kein regelrechtgesalzenes Pferd zur Verfügung hatten. Da Sie zwischen Olifant und Nyl hinritten, wäre

en. Es ist mir nämlich, als wenn sich an diesen

es Ihnen ja ein leichtes gewesen, nach einem dieser

beiden Ströme abzulenken. Es scheint demnach, daß Sie ein festes Ziel im Auge hatten, das Sie um jeden Preis zu einer bestimmten Zeit erreichen mußten. Das ist Ihnen ja auch gelungen, wenn auch nicht mit dem beabsichtigten guten Erfolge. Sie werden nun auch Gelegenheit haben, zu sehen, wie man die wüstesten Strecken und tagelangen Ritte im Sonnenbrand überwindet, wenn man Ein⸗ gesessener des Landes ist. Uebrigens, wie war das mit Ihrer wunderbaren Rettung? Das interessiert mich.

1 hatte einen sarkastischen Ton ange⸗ schlagen. Er zweifelte keinen Augenblick, daß Kurt irgendwie von der geheimen Versammlung auf der stillen Farm Kenntnis erhalten, und es unternommen hatte, derselben beizupohnen. Einem Boer hätte man das nicht aufgeben können. Der Fremde mußte den Verschworenen unverdächtig erscheinen. Wurde er gefangen, so konnte er sich herausreden, und dazu hatte er auch sein Pferd totgeritten, um durch seine Hilflosigkeit Mitleid zu erwecken. Fein ausgedacht war der Plan. Doch der Spion wollte zu früh aufbrechen, und da erlag er der Wachsam⸗ keit der auf Posten gezogenen Soldaten.

Das dachte Jameson, und seine Worte verrieten halb, was er dachte.

Kurt erwiderte:Mein Fehler bestand darin, daß ich, um schneller hinzukommen, die nach Pieters⸗ burg führende Straße verließ und ohne Kompaß die Stadt in gerader Richtung zu erreichen strebte. So wußte ich zuletzt selbst nicht mehr, wo ich mich befand und ritt immer gerade aus in der Meinung, irgendwo auf die verlassene Straße oder eine Niederlassung zu stoßen.

Sie hatten dringende Geschäfte in Pieters⸗ burg? fragte Jameson ironisch.Freilich, das Gold ist ein Magnet, es zieht an und zwar um so

durch Ihr Nichteintreffen in Pietersburg hoffentlich keinen pekuniären Schaden.

Es war keine Geldangelegenheit, die mich nach der Goldstadt führte, entgegnete Kurt trocken. Doch nun hören Sie, wie es mir im Weiteren erging!

Und nun erzählte er die uns bekannten That⸗ sachen.

Als Jameson den Namen Marja Witborg hörte, nickte er bedächtig. Sein Gedanke war, daß Witborg, ein unversöhnlicher Gegner der Uitländers und besonders der Engländer, in der Sache seine Hand im Spiele hatte. Zugleich fiel ihm bei, daß man vor seinem Eintreffen auf der stillen Farm den bleichen Tom nach der Witborg-Farm hinüber⸗ geschickt hatte, um sich nach jener Seite gegen Ueberraschung zu sichern. Sollte man da den Bock zum Gärtner gemacht haben?

Sehr braves Mädchen das, sagte er be⸗ wundernd, aber mit verschmitztem Lächeln.Wie aber kamen Sie von der Unfallstelle, und nachdem Marja Sie verlassen hatte, nach der stillen Farm?

Kurt berichtete auch das, und er sah den Gouverneur jäh erbleichen. Dieser hatte sich nach träglich bei Williams nach seinem Streit mit dem bleichen Tom erkundigt, und der hatte zugegeben, den Namen Marja's mit Toms Auffassung, daß in Transvaal nie das englische Element zur Herrschaft kommen werde, in beleidigender Weise in Ver⸗ bindung gebracht zu haben. Immer mehr befestigte sich in Jameson der Gedanke, daß Witborg und seine Tochter um alles wußten und zwar durch den Verräter Tom. An der Stelle, wo Marja den ver unglückten Grafen verließ, war dann rechtzeitig Tom aufgetaucht, um jenen in Empfang zu nehmen, um ihm als Wegweiser zum Versammlungsort der Ver⸗ schwörer zu dienen.

schneller, je näher man ihm kommt. Sie erleiden

(Fortsetzung folgt.)

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