Ausgabe 
14.11.1896
 
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Gießen, Sonnabend, den 14. November

Postztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die§spaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Lokales und Provinzielles. * Gießen, 13. November. Die Mainzer Stichwahl hat, so schreibt dieFrkf. Ztg., nur innerhalb der national⸗ liberalen Partei, sondern auch zwischen ihrer lokalen und allgemeinen Leitung zu einer Meinungs verschiedenheit ge führt. Der Mainzer Nationalliberalismus be⸗ schloß Wahlenthaltung, freilich nicht unbe⸗ dingte, er überließ es vielmehr den einzelnen Bekennern, es mit ihrem Gewissen auszumachen, ob sie für den Ultramontanen oder den Sozial demokraten stimmen wollen. Die Berliner entralleitung weist dagegen die National⸗ beralen von Mainz⸗Oppenheim an, unbe⸗ dingt für den Zentrumsmann zu stimmen. Die Zentralleitung handelt hier ohne die Kenntnis des Wahlkreises, in dem die Meinungen stark auseinander gehen. Sie denkt dabei offenbar an das Wortwenn unser Volk sich doch ermannte und träumt für die

Kartell aller Ordnungsparteien gegen die Sozialdemokratie, das man an gewisser Stelle sehr gern sehen würde. Mit Kartellen hat aber doch gerade der Nationalliberalismus am eigenen Leibe trübe Erfahrungen gemacht, da er schließ⸗ lich die Zeche für die allgemeine Versumpfung Wenn die ultramontane Partei bon der Zentralleitung heute schon für bündnis⸗ fähig erachtet und in den Kartelltraum einbe⸗

t der Ultramontanen im Reichstag

meister Gnauth die Sitzung. N ymnasiums und der Realschule

zogen wird, so ist das eine der interessantesten

Wandlungen unserer veränderungsreichen Zeit.

In Mainz hat man insbesondere geltend ge⸗ macht, es sei nicht Aufgabe der National⸗ liberalen, die ausschlaggebende Stel-

noch weiter zu stärken, während ein Sozialdemokrat mehr ohne Gefahr sei. Die fortschrittsfreundlichen Rheinländer sagten sich auch, daß der Sozialdemokrat heute ein Element des Fortschritts ist, der Ultramontane dagegen nicht oder doch nur sehr bedingt. Die Wähler zeigen sich wenigstens zum Teil hierin weitsichtiger, als die Zentralleitung, deren Weisung deshalb schwerlich auf allgemeine Befolgung rechnen kann.

* Gießen, 13. Nov. Wir machen an dieser Stelle auf die Bekanntmachung Großh. Bürger⸗ meisterei im Inserateuteil aufmerksam, wonach für die am 19. l. Mts. stattfindende Reichs⸗

tags⸗Stichwahl dieselben Wählerlisten maßgebend sind, wie für die erste Wahl, und daß die Stichwahl in denselben Lokalen stattfindet, wie bei der ersten Wahl.

Ein. Nachtrag von Wahlberechtigten in 1 die Wählerliste ist ausgeschlossen. Wahl⸗

1 e bei der ersten Wahl in hnungswechsels oder aus anderen nicht in dem Wahlbezirk ihrer

jetzigen Wohnung zur Abstimmung zuge⸗ lassen werden konnten, vielmehr in das Wahl⸗ lokal eines anderen Wahlbezirks verwiesen werden mußten, haben bei der Stichwahl in dem⸗ jenigen Wahllokal ihr Stimmrecht auszu⸗ üben, in welchem sie auch bei der ersten Wahl abgestimmt haben.

* Gießen, 12. Nov.(Sitzung der Stadt⸗ verordneten.) Um 3 ½ Uhr eröffnet der Oberbürger⸗ Die Rechnung des Real⸗

pro 1895/96, deren 16. Juli d. J. bereits

Uebersicht der Versammlung am gegeben wurde, fand keinen Anstand. Die Einnahme und Ausgabe schließt ab mit je 92 426/ 86 5, bei welcher in Ausgabe ein städtischer Zuschuß von 28 281 4 23&, mit einem Plus von 1421, 18& gegen den Vor⸗ anschlag zu leisten war. Dieses Mehr ergiebt sich, weil im Voranschlag die Einnahme von Schulgeldern verhält⸗ nismäßig sehr hoch angenommen war. Bei den sachlichen Ausgaben ist jedoch eine Ersparnis von rund 1000, gegen den Voranschlag zu verzeichnen. Die Vorlage der Rechnung der Armenkasse pro 1895/96 beträgt in Einnahme 260 221, 19, dem eine Ausgabe von 259 830 89 J gegenübersteht, sodaß ein Ueberschuß von 390 30 J verbleibt. Der in Einnahme gestellte Zuschuß für Armenzwecke betrug pro 1895/96 37 24 69 K, ca. 7000. weniger, als voranschlagsmäßig vor⸗ gesehen war. Der Exsatz von Verpflegungsgeldern betrug 20 651 4 76, 6835 4 94 mehr, als der Vor⸗ anschlag enthielt. Den zurückempfangenen, Kapitalien in Höhe von 185 000, sowie 1873 78 Kaufgeld für veräußertes Gelände zum Zwecke der Anlage einer Kreisstraße standen in Ausgabe gegenüber 174312% 40 4 neu ausgeliehenen Kapitals und 8025% 97 0. werausgabt zum Ankauf des Schmidtschen Hauses im Tiefenweg. Von den sonstigen Ausgaben zu Lasten der Armenkasse aus beregter Rechnungsperiode dürften all⸗

9 gemein interessieren(die eingeklammerten Zahlen bedeuten

Gehalte und Pensionen

Dis lags): die Summe des Voranschlags) Nat chalend bon

2975 30 4(2686 4 40,

Gen Grundstücken 1089, 51 8(1000, eldunterstützungen und sonstige Gaben, als Brennmaterial, Milch, Essen, Mietsunterstützung u. s. w. 28771 L 4 (25 700), Anschaffung von Schulbedürfnissen 709, 49(800%), ärztliche Behandlung und Arzneien 14496 J 32(13 200 /), Begräbniskosten 406, 76(800), Kosten des städt. Hospitals 9707 4 33 4(9388 20 4), für Arme pro Kopf und Tag 1% 20, für Sieche 1 4 90, Verpflegung armer Geisteskranker 464, 25%(1000, der Epileptischen und Idioten 1643 4 35,(2600%). Aus Stiftungen wurden verausgabt 2019, 94(laut Voranschlag). Zur Unterbringung armer Kinder in Familien waren 7844 1 31(7800 /), zur Fürsorge für ver⸗ wahrloste, blinde und taubstumme Kinder 2697, 18 (3100%) erforderlich. Lehrgelder wurden 310 K (300%) gezahlt. Das Gesamtvermögen der Armenkasse betrug mit Ablauf des Rechnungsjahres 1895/96 248 062 4, wozu noch der Ueberschuß des Dispositions⸗ fonds in Höhe von 704/ 5, kommt. Beigeordneter Wolff, der über die Rechnung der Armenkasse referiert, bemerkt, daß die Aufwendungen für bare Unterstützungen, für Mietsunterstützungen, für Milch und Essen, sowie für Hergabe von Brennmaterial im steten Steigen begriffen seien, weil mehr Unterstützungsfälle vorhanden seien, als in den Vorjahren. Der Voranschlag der Armenkasse pro 1897/98 weist an Einnahmen auf: ordentliche 75 109, 70, außerordentliche 1290, zusammen 76 400, denen an Ausgaben gegenüberstehen: ordentliche Verwaltungskosten, Abzüge und Nachlässe 6412, Unterstützungen in offener Armenpflege 43 200 Mark, in geschlossener Armenpflege 56159, 70. Aus Stiftungen werden verausgabt 1999, 65, für Pflege und Erziehung armer Kinder, Reservefonds 104&. Hierzu kommen noch außerordentliche Ausgaben, als neu auszuleihende Kapitaltien, sodaß Einnahme und Ausgabe mit 76 400 balancierten. Dem Disposionsfonds von 1000& stehen voranschlagsmäßig als Ausgabe gegen⸗ über: Für verschämte Arme 340, für Badekuren 510 J, Ausgabe für Personen, die in Bewahrungs⸗ anstalten unterzubringen sind, 150 J. Die Versammlung findet hiergegen nichts zu erinnern. Die Uebertragung von Krediten des städt. Budgets aus dem Rechnungsjahr 1895/96 in dasselbe von 1896/7 hat nur eine formale Bedeutung und erfolgt demgemäß. Es handelt sich um die Gesamtsumme von 139811, 41, bestimmt zur Erweiterung des Friedhofs, zum weiteren Ausbau der Stephansstraße., der Liebigstraße, des Schloßgebäudes am Brand, Anschaffungen für das städt. Archiv, zur Unter⸗ führung der Eisenbahn nach der Hammstraße, der Anlage der Wieseckbrücke im Zuge der Goethestraße, zum Ausbau der Hammstraße und zur Verbesserung des Bürgersteiges an der Nordanlage. Dem Haune Schaumberger wird die Erlaubnis zur Aufstellung eines Gartenhäuschens am Wartweg, der Firma Gebr. Röhrle zur Anlage einer weiteren Eishalle am Lichtenauerweg auf Widerruf ereilt. Die Versammlung genehmigt nachträglich die bereits erfolgte freihäudige Abgabe von Fichten-⸗Deckreisern zu seither üblichen Preisen im Gesamtbetrage von 358 Kl. 24 C. Ebenso wird darin gewilligt, daß zwei alte hölzerne Gießfässer und ein alter hölzerner Kadaverkarren meistbietend verkauft werden sollen. Für den Druck der Wählerlisten für die Wahlen zum Landtag und Reichstag werden die entstandenen Kosten in Höhe von 255% gegen 220& bei früheren Wahlen bewilligt. Zu Gratifikationen für städtische Arbeiter, die auch den Sommer über dem städtischen Dienst ihre Thätigkeit ge⸗ widmet, werden 1547, 15 W bewilligt, welche in Be⸗ trägen von je 1536, an 60 Arbeiter zur Auszahlung gelangen werden. Zur Beleuchtung der Aliceschule mit Gaslicht sind 531 4 50 4 erforderlich. Die Ausführung der Beleuchtungsanlage wird genehmigt, wönn der Alice⸗ Verein den Gasverbrauch, die Gasmessermiete zu tragen sich verpflichtet und außerdem 236 60 zur An⸗ schaffung der Beleuchtungskörper übernimmt. Das Gesuch des Brauereibesitzers Georg Bichler um die Er⸗ laubnis zur Anlage eines ca. 350 Meter kürzeren Weges zwischen der Stadt und seiner Brauerei, von der Rod⸗ heimerstraße abgehend, findet die Billigung des Kollegiums unter der Bedingung der Verbesserung der projektierten Wegeanlage nach Vorschlägen des Stadtbauamtes; ebenso wird die käufliche Ueberlassung städtischer Wassergräben im Neustädter Feld genehmigt. Eine Beschwerde der Gießener Gepäckträger wegen der Gepäckbeförderung durch die Gießener Omnibusse wird, als die Sache übertrieben darstellend, zurückgewiesen, um so mehr, als der Vorstand dieser Gesellschaft erklärt hat, streng darauf zu achten, daß die bezügliche Polizeiverord⸗ nung, betreffend den Omnibusverkehr in unserer Stadt, vom Fahrpersonal auch beachtet wird. Es gehe nicht an, die Mitnahme von Handgepäck zur und von der Bahn über die Gebühr zu beschränken, weil sonst die Frequenz unserer Omnibusse leiden würde. Ein Gesuch des Spezereiwarenhändlers Wilhelm Schomber, Neuenbäue, um die Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein über die Straße ist von der Stadtverordneten⸗Versammlung bereits zweimal abgelehnt worden, well dieselbe früher ein Bedürfnis hierfür in jener Sraße nicht für vorliegend erachtet hat. Inzwischen ist nun eine solche Ausschankstelle in der Neuenbäue(Fuckert) eingegangen, und wird daher das Schombersche Gesuch diesmal genehmigt. Ein Gesuch des Philipp Mank, ihm für das Haus an den Bahnhöfen 20 die Wirtschaftserlaubnis zu erteilen, wird abgelehnt, weil bei der schwachen Bebauung der Gegend ein Bedürfnis nicht vorliegt. Joseph Stahl wird für den Russischen Hof, Wilh. Gerhardt für den Rheinischen Hof die Erlaubuis zum Betriebe der Wirtschaft

erteilt; es

gang bestehender Wirtschaften an andere Wirte. Hierauf folgt eine geheime Sitzung.

Gießen, 13. November. In der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung sollte darüber Beschluß gefaßt werden, ob dem Verschönerungs verein⸗Gießen gestattet werden sollte, auf der Hohen-Warte einen hölzernen Aussichts⸗ turm von 78 Meter Höhe zu errichten. Das Stadtbauamt, dem das Gesuch zur Begutachtung vorgelegen, war aber der Meinung, daß, wenn man an dieser Stelle ein solches Bauwerk er⸗ richten wolle, der Turm höher sein müsse, um den Ausblick über den weiteren Vogelsberg zu ermöglichen und daß daher ein massiver Bau am Platze sei. Der Punkt wurde von der Tagesordnung abgesetzt, um mit dem Ver⸗ schönerungsverein weiter darüber zu verhandeln.

* Gießen, 13. Nov. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat die Genehmigung zur Vornahme einer, mit dem am 18. März k. J. stattfindenden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verlosung von Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirtschaftlichen Geräten unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 13000 Lose à 1., ausgegeben werden dürfen und(abzüglich eines Betrags von 350% für Prämlierung) mindestens 65 Prozent des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Ge⸗ winngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Ob er hessen gestattet worden.

Gießen, 13. Nov. Die Lokal⸗Garten⸗ bau⸗Ausstellung ist heute Vormittag in Steins Saalbau eröffnet worden. Den Gesamt⸗Eindruck, den man bei nur oberflächlicher Besichtigung der Ausstellung erlangt, ist als ein in jeder Hinsicht großartiger zu bezeichneu. Man erkennt auf den ersten Blick, daß die hiesigen Gärtnereien mit ihren Leistungen nicht allein auf der Höhe der Zeit stehen, daß sie es viel⸗ mehr auch verstanden haben, eine Ausstellung zu arrangieren, in der die gärtnerischen Erzeugnisse durch geschmackvolle Gruppierung zu noch höherer Geltung gelangen. Es wäre ungerecht, vorläufig auch nur eine Gruppe, nur einen Aussteller be⸗ sonders hervorzuheben; bei eingehender Be⸗ sichtigung wird sich herausstellen, daß jeder einzelne der Aussteller sein Bestes gethan, um der Ausstellung einen würdigen Charakter zu verleihen. Bemerkt sei nur, daß das Arrange⸗ ment im allgemeinen den Beifall aller bis jetzt die Ausstellung Besuchenden gefunden hat. Ein durch Glühlicht beleuchteter Wasserfall en miniature, von Pflanzengruppen umgeben, lenkt sofort die Aufmerksamkeit des Eintretenden auf sich. Eine ausführliche Besprechung folgt in nächster Nummer.

* Gießen, 13. November. Auch die Privat⸗ spekulation setzt jetzt bei uns ein, um kleinere preiswerte Wohnungen zu schaffen, wie solche in gesunder Bauart bislang in unserer Stadt fehlen. Behausungen mit 3 Räumen und Küche im Preise zwischen 2300 waren sehr rar und fand sich eine Wohnung, die einigermaßen den zeitgemäßen Anforderungen genügte, so war sie teuer, lag nach dem Hofe oder Garten heraus, oder befand sich unterm Dach. Bauunter⸗ nehmer Winn hat nun in der anzulegenden Bruchstraße, also in unserm vornehmsten Stadt⸗ teil, vor, vorerst 6 Häuser mit Wohnungen ge⸗ dachter Art zu bauen. Das erste dieser 3 Familien⸗ häuser ist bereits fertig, bezogen und von dem Erbauer bereits für 14500 ½ verkauft. Drei weitere Bauten sind in Angriff genommen und kommen noch sämtlich in diesem Jahre unter Dach. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch andere Unternehmer dem Beispiel folgten, dann würden sich die alten Baracken im Innern der Stadt mit ihren ungesunden Wohnungen bald ent⸗ völkern und Neubauten an deren Stelle treten.

S. Gießen, 13. Nov.( Strafkammer.) Der Viehhändler Otto Theis von Ilsdorf war von dem hiesigen Schöffengericht zu einem Tag Gefängnis verurteilt worden, weil er Vieh von dem Bahnhof nach dem Schlachthaus traus⸗ portierte und dortselbst schlachten ließ, ohne die Polizei vorher davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Gegen dieses Urteil legte Theis Be⸗ rufung ein und begründete dieselbe, indem er erklärt, aus Unwissenheit gehandelt zu haben. Die Strafkammer entschied dahin, daß der An⸗ geklagte gemäß§ 66, Abs. 4 des Viehseuchen⸗ gesetzes zu 10. Geldstrafe event. zwei Tage Gefängnis zu verurteilen sei. Ein unverbesser⸗ licher Betrüger steht in der Person des 21 Jahre alten Weißbinders Heinr. Ehren⸗

felder von Hattenrod vor Gericht. Es

Vermögen der Gastwirte J. Rüßing, Gg. Euler, Ww. Lehrmund, Hch. Sauer, J. Thoma und Joseph Stein dadurch geschädigt zu haben, daß er sich Speisen und Getränke verabreichen ließ und sich, ohne dieselben zu bezahlen, heimlich aus den Lokalitäten entfernte. Ferner fertigte der Angeklagte ein Schreiben an, welches er mit der Unterschrift des Maurers Heinrich Dörr versah, worauf er sich von dem Wirt Rüßing für ca. 2 1 Speisen und Getränke verabreichen ließ. Der Angeklagte war geständig und wurde wegen Betrugs zu 3 Monaten und wegen Ur⸗ kundenfälschung zu 2 Monaten Gefängnis ver⸗ urteilt.

Gießen, 18. Nov.(Schöffengericht.) Die Ehefrau Heinrich Hartmann bon hier entwendete im Sommer l. J. bei dem Rechts⸗ anwalt Dr. Fuhr aus dem Kassaschrauk einen Geldbetrag von 700, weshalb sie sich heute wegen Diebstahl zu verantworten hatte. Von dem gestohlenen Gelde verausgabten die Eheleute Hartmann 10, weshalb der Ehemann der Angeklagten wegen Beihülfe beschuldigt war. Frau Hartmann war geständig und führte zu ihrer Entschuldigung an, aus Not gehandelt zu haben, was von Herrn Dr. Fuhr, der das Ge⸗ richt bittet, Milde walten zu lassen, bestätigt wird. Während des Plaidoyers verfällt die Angeklagte in Krämpfe, weshalb die Verhand⸗ lung ausgesetzt werden mußte. Nach Wieder⸗ aufnahme derselben wird das Urteil verkündet, welches gegen Frau Hartmann auf 3 Monate und 14 Tage, gegen den Ehemaun Hartmaun auf 1 Monat 14 Tage Gefängnis lautete. Aus Eifersucht schlug der 17 Jahre alte Kauf mannslehrling Wilhelm Zipp von hier am 16. August dem Kommis Ludwig Lippmann mit einem Stock derart auf den Kopf, daß eine blutende Wunde entstand. Der Angeklagte er⸗ klärt, er sei erst von dem Verletzten angerempelt worden, was dieser in Abrede stellt, indem er hinzufügt, daß die That lediglich nur aus Zorn geschehen sei, weil er tagsüber mit einer Ver⸗ wandten des Angeklagten verkehrt habe. Das Urteil lautet auf 24. Geldstrafe eventuell fünf Tage Gefängnis.

W. Gießen, 13. Nov.(Besitzwechsel.) Das Haus Liebigstraße Nr. 61, dem Fabri⸗ kanten Döring gehörig, ging heute durch Kauf für den Preis von 20000 4 an den Inhaber der Firma Katzenstein u. Seipp, Holzhand lung hier, über.

4 Lollar, 13. Nov. Der hiesige Rad⸗ fahrer-Verein veranstaltet am nächsten Sonn⸗ tag den 15. November bei günstiger Witterung 10 der Strecke Lollar-Gießen ein Ver⸗ einsrennen über 5000 Meter, dem später im Vereinslokal zumEinhorn die Preisver⸗ teilung folgen soll. Alle Freunde des Rad⸗ fahrersports sind sehr willkommen.

* Friedberg, 13. November.(Erstickte Ochsen.) Von sechszehn Ochsen, die von Assen⸗ heim kamen und für Frankfurt bestimmt waren, sind unterwegs vier im Wagen erstickt. Die Anderen befanden sich in einem kläglichen Zustand und mußten auf hiesiger Station aus⸗ geladen werden, da sie trausportunfähig waren. Der Transporteur hatte die Thüren zu weit zu⸗ gemacht und daran vergessen, die Luftklappen zu öffneu.

* Nidda, 11. November. Der gestrige Schweinemarkt war verhältnismäßig gut befahren und zeigte einen lebhaften Handel. Der Preis fetter Schweine betrug 40 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht, das Paar schöne Ferkel kam auf 22 bis 26/ und für das Paar Eiu⸗ legeschweine wurden 50 bis 60. bezahlt. Der früherhin als Flachsmarkt berühmt ge⸗ wesene Jahrmarkt war Dauk der günstigen Witterung ziemlich gut besucht.

* Darmstadt, 12. Nov. Der frühere Kommandeur des Großherzoglichen Gendar meriekorps Generalmajor a. D. Rüti feiert mit seiner Gemahlin geb. Hoffmann am 24. Nov. das Fest der goldenen Hochzeit. Das Ehe⸗ paar erfreut sich vollständiger körperlicher und geistiger Rüstigkeit und der General, obgleich im 80. Lebeusjahre stehend, liegt noch heute dem Waidwerk ob. Durch seinen langjährigen Aufenthalt in Gießen, Mainz und jetzt in Darmstadt, sowie durch die jahrzehutelang sich alljährlich wiederholenden Inspektionsreisen in allen Teilen des Laudes gehört er zu den be⸗ kauntesten, älteren, militärischen Persönlichkeiten des Großherzogtums.

* Dreieichenhain, 12. November. Gestern Abend hätte sich auf der Station Sprendlingen leicht ein schweres Unglück ereignen können. Der

handelt sich in beiden Fällen um den lleber⸗ wird dem Angeklagten zur Last gelegt, das

von Frankfurt kommende Arbeiterzug fuhr