Ausgabe 
14.8.1896
 
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1 diet to, bah ö zu Gunst

Lokales und Provinzielles

sofortige Ueberführung ins Krankenhaus empfiehlt.

mag es für den Kranken ein beruhigendes Gefühl sein,

so zärtlich und liebevoll sie um den Kranken bemüht sind,

nicht möglich, wo im Interesse der Patienten genau darauf gehalten wird, daß keinerlei übel angebrachte Nachsicht ihr

Wohlergehen gefährde und den normalen Verlauf des Krankheitsprozesses störe.

tung gewährt, die das Allgemeinbefinden günstig beein⸗

, Verantd. J stmann, beben

zugelassen werden und nur von kürzester Dauer sein

Karrankenhäusern die Unsitte breit, den Kranken heimlich

N Erfrischungen zuzustecken, ohne danach zu fragen, ob diese

Leitern großer Krankenhäuser dieses unverantwortliche

gemeinten Warnungen fruchten wenig, wenn nicht die

daß Krankenhäuser nicht dazu da sind, die Kranken zu

auf den Stand der Ernte und der Weinberge

Jahre in der Provinz Rheinhessen mit dem 16.

Oberhessen, mit Ausnahme der Kreise Als⸗ feld, Lauterbach und Schotten, mit dem 23. d.

die Kreisblätter zur öffentlichen Kenntnis bringen,

daß die Jagd auf Rebhühner und Wach⸗ teln in der Provinz Rheinhessen mit dem 17. d. M., in den Provinzen Starkenburg und

herrscht eben noch in den breiteten Schichten der Bevölke⸗ rung ein Vorurteil gegen die Krankenhäuser und ähnliche Institute, welches durch nichts zu rechtfertigen ist und

daheim, im Kreise seiner Lieben, die Genesung abwarten zu dürfen; aber es giebt doch schwere Fälle genug, wo eine ständige ärztliche Ueberwachung, die zu Hause nicht durchführbar ist, dringend geboten erscheint, wo direkt das

werden fast immer geneigt sein, ärztliche Anordnungen nicht gar zu streng zu nehmen und dem teuren Patienten manche Gefälligkeit zu erweisen, die auf sein Befinden

lich dafür gesorgt, daß der Kranke seine Ruhe hat, wes⸗

stützen.

Gießen, Freita

g, den 14. August

1896.

Ausgabe

Gießen.

ische Lundeszeilung.

Redaktion:

605 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition:

. 24 Kreuzplatz Nr. 4.

* Gießen, 13. Aug.Nur nicht ins Kranken- haus! hört man oft unverständige Leute, besonders Frauen und junge Mädchen, in herzbrechenden Tönen jammern, wenn der behandelnde Arzt eindringlich eine Es

häufig zu den beklagenswertesten Folgen führt. Wohl

Leben des Patienten von einer sach⸗ und fachkundigen, unermüdlichen Pflege abhängt. Die nächsten Augehörigen,

sehr nachteilig einwirken kann. Das ist im Krankenhause

Hier wird gern jedeErleichte⸗

flußt, aber keine, die dem Arzte und den Pflegern ihr schwieriges Amt unnütz erschwert. Vor allem wird pein⸗ halb Privatbesuche

nur an bestimmten Wochentagen

dürfen. Auch macht sich bei derartigen Besuchen in

Erfrischungen zuträglich sind oder nicht. Mit Vorliebe wählt man hierzu, und gerade zur Jetztzeit, die ver⸗ schiedensten Obstsorten. Man bedenkt nicht, welche oft lebensgefährlichen Wirkungen eine solche Unvorsichtigkeit heraufbeschwören kann. Wiederholt ist von den ärztlichen

Treiben aufs schärfste verueteilt worden; aber die best⸗

Selbsterziehung des Publikums ein übriges thut, wenn nicht in immer weiteren Kreisen die Erkenntnis wächst,

quälen, sondern zu heilen, und daß eine glückliche Heilung nur dann ermöglicht wird, wenn unberufene Hände dem pflichttreuen Arzt nicht schnöde ins Handwerk pfuschen. Wäre diese Erkenntnis überall vorhanden, wie sie es leider noch nicht ist, so hätten wir sicherlich viel seltener über Todesfälle infolge thörichter Zuwiderhandlungen gegen ärztliche Gebote zu klagen!

* Gießen, 13. August.(Hühnerjagd.) Das Großh. Ministerium des Innern hat unterm 11. August an die Großh. Kreisämter folgendes Ausschreiben gerichtet:Mit Rücksicht

Feld wir bestimmt, daß die Hegezeit für eldhühner und Wachteln im laufenden

d. M. in den Provinzen Starkenburg und

M. en digt. Sie wollen daher umgehend durch

Oberhessen, mit Ausnahme der Kreise Als⸗

Hegezeit erst mit dem 31. d. M. endigt, mi dem 24. d. M. eröffnet sei. 97 0

Gießen, 13. August. Eine auch in unserer Stadt nicht unbekannte Persönlichkeit, der Bau- rat Peter Hochgesand, ist am 11. d. M. in seiner Vaterstadt Mainz nach kurzem Kranken⸗ lesen gestorben. Als Sohn einer altange⸗ sessenen Familie im Jahre 1818 in Mainz ge⸗ boren, widmete er sich früh dem Ingenieurfache und nach Beendigung seiner Studien dem da⸗ mals mächtig aufblühenden Eisenbahnwesen, dem er als einer der ersten Pioniere des Eisen⸗ bahnbaues fast zwei Menschenalter hindurch angehörte. Fünfundzwanzig Jahre lang war er im hessischen Staats dienste thätig. Er zeichnete sich bei dem Bau der Main⸗ Weserbahn in hervorragender Weise aus; der große Viadukt bei Friedberg, eine Anlage, die s. Zt. das berechtigte Aufsehen der Fachkreise erregte, ist sein Werk, später trat er in den Dienst der hessischen Ludwigsbahn über. Sein ganzes Leben fiel in die Zeit, in der die unge⸗ ahnte Entwickelung des Eisenbahnwesens eine vollständige Umwälzung des Verkehrs herbei⸗ führte, und mit der ganzen Kraft seines be⸗ deutenden Wissens und Könnens stand er als einer der vordersten in der Reihe, diesen gewal⸗ tigen Aufschwung zu fördern.

Gießen, 13. August. Von fachkundiger Seite erhalten wir heute eine Richtigstellung unserer gestrigen Notiz betr. die Bauarbeiten zum Kaufmännischen Vereinshaus in der Nord⸗ anlage. Entgegen der Darstellung unseres Mit⸗ arbeiters, so schreibt Einsender, müsse bei Legung des Fundamentes stellenweise eine Beton⸗ schicht von einem halben Meter und mehr auf⸗ geschüttet werden. Demnach wäre also der Bau⸗ grund von mangelhafter Beschaffenheit.

* Gießen, 13. August.(Feuer.) Ver⸗ gangene Nacht, 5 Minuten nach ½3 Uhr, zeigte der Glöckner an, daß es im zweiten Be⸗ zirk brenne. Etwa 3 Minuten später hörte man die Signale, welche unsere Wehren zu Hilfe rief. straße Nr. 73, ein älteres, teilweise aus Lehm⸗ fachwerk errichtetes, der Witwe Heim gehöriges Wohnhaus. Wir eilten sofort bei den ersten Alarmsignalen nach der Brandstätte und kamen gerade zur rechten Zeit an, um den ersten Angriff der Feuerwehr mit anzusehen. Der

anze Dachstuhl des Hauses stand in Helin Flammen. Mit drei Schläuchen wurde dem Elemente erfolgreich zu Leibe ge⸗ gangen. Die Habseligkeiten der Be⸗ wohner des Hauses waren bereits durch das thatkräftige Eingreifen der Bewohner der Nachbarschaft gerettet. Ueber die Entstehungs⸗ urfache des Brandes ist Sicheres noch nicht bekannt. Das arg beschädigte Haus dürfte für den Abriß reif sein, denn was das Feuer verschont, ist durch die Wassermassen zerstört. Von den vier im Hause wohnenden Familien hatten drei ihre Mobilien versichert.

* Gießen, 13. August. Wie man uns mit⸗ teilt, hat der Privatmatch zwischen dem Stall⸗ meister Kreutzburg und den Radfahrern einen lebhaften Umsatz an Wein zur Folge gehabt.

feld, Lauterbach und Schotten, in welchen die

Man schätzt den Champagner, der ver

Es brannte das Haus Stein⸗

wettet und getrunken wurde, auf mindestens hundert Flaschen. Mindestens doppelt so viel Geldwetten, die in Menge geschlossen wurden, differierten zwischen 10 3 und 50 4. Auch unter der Arbeiterbevölkerung in der Umgegend wurde tüchtig gewettet, und dürften diese Kreise es gewesen sein, welche die kleineren Beträge riskierten. Wir stehen also unter dem Zeichen der Matche.

* Gießen, 13. Aug. Der heute Vormittag angesetzte Match, von dem wir gestern Mel⸗ dung machten, war um eine Stunde früher ver⸗ legt worden. Am Start erschien Malermeister Groß, während sein Gegner nicht zur Stelle war. Groß ging infolgedessen allein über die Strecke und gebrauchte 17 Minuten von der Restauration Haubach bis zum Abendstern und zurück. Erst nachdem das Rennen zu Ende war, stellten sich zahlreiche Zuschauer am Ziel ein. Dem Stallmeister Creutzburg ist eine neue Wette angeboten und von demselben auch angenommen. Er wird demnächst gegen den jugendlichen Fahrer Duill auf einer Strecke von 10 Kilometer die Schnelligkeit seines Pferdes probieren, Ort und Zeit des Match's sind noch nicht bestimmt.

W. Gießen, 13. Aug. Die Lügentisch⸗ gesellschaft wird zu dem vom Schützenverein veranstalteten großen Preisschießen einen wertvollen Preis für den besten Schützen auf Wildscheibe stiften.

* Gießen, 13. August.(Unfall.) Gestern stürzte Lieutenant Busse beim Felddienst⸗ üben in der Gegend von Rödgen. Derselbe mußte sich bedeutender Hautabschürfungen wegen ins Lazarett begeben.

* Gießen, 13. August. In der Nacht vom Sonntag auf Montag entstand im Hotel-Restau⸗ rant Kaiserhof ein Gardinenbrand. Nur der Geistesgegenwart des Gastes, in dessen Zimmer die Gardinen Feuer fingen, ist es zu danken, daß größeres Unglück verhütet wurde.

* Gießen, 13. August. Der ehemalige Ge⸗ meinderechner von Vilbel, welcher s. Zt. wegen Veruntreuung von Gemeindegeldern in Haft genommen wurde, hat sich in der nächsten Schwurgerichtstagung wegen Unterschlagung 80 verantworten. Der Fehlbetrag soll annähernd

000, betragen.

* Gießen, 13. Aug.(Früher Herbst.) Das Laub der Bäume beginnt in diesem Jahre auffallend früh zu fallen, selbst schon die Kastanienbäume entblättern sich. Nach einer Bauernregel soll dies auf einen frühen Herbst und strengen Winter schließen.

* Londorf(Kreis Gießen), 13. Aagust. Heute Nachmittag gegen 6 Uhr hielt Herr Kreis feuerwehr⸗ Inspektor Loos aus Gießen eine Inspektion unserer Löschein richtungen, verbunden mit Brand⸗ angriff, in unserer Gemeinde ab. Die Pflichtfeuerwehr in Stärke von hundert Mann, war vollzählig mit ihren Geräten aufmarschiert. Die Ausrüstung der Mannschaft, der Zustand der Geräte, sowie das Exerzitium waren lobenswert. Die darauf folgende Spritzenprobe nebst Brandangriff legten von der Leistungsfähigkeit der Mann⸗ schaft ein gutes Zeugnis ab. Nach Schluß der Inspektion sprach Herr Loos der versammelten Mannschaft seine vollste Zufriedenheit aus und betonte, daß unsere tüchtige Mannschaft uoch mehr zu erreichen imstande wäre, wenn

sich dieselbe in den Dienst der freiwilligen Feuerwehr stellen würde.

* Langsdorf, 12. August. Ein drol⸗ liges Geschichtchen passierte vorgestern in unserem Dorfe. Zwei kleine Jungen, deren Väter sich mit Kaninchenzucht befassen, kamen in ein Gespräch über Stallhasen. Da der Vater des einen Jungen nurgewöhnliche Kaninchen züchtet, war der andere Junge nicht wenig stolz, daß es sein Vater schon bis zu sogen. Lapins (diejenige Rasse, die sich durch lange herab⸗ hängende Ohren auszeichnet) gebracht hatte. Der Junge des Kaninchenzüchters fragte nun den andern, wie es dessen Vater anfange, um Lapins zu bekommen, worauf letzterer antwortete, sein Vater schlage denHasen so lange auf die Ohren, bis sie herunter hängen. Eiligst lief der Sohn des Kaninchenzüchters nach Hause, nahm einen eisernen Stock und bent sich still⸗ schweigend in den Hasenstall, um die eben in Erfahrung gebrachte Methode anzuwenden. Er nahm einen Hasen nach dem andern und schlug den⸗ selben mit dem Stock so lange auf die Ohren bis sieherunter hingen. Zu seinem Erstaunen machte der Junge schließlich die Wahrnehmung, daß er bereits 12 Hasen totgeschlagen hatte. Die neue Züchtigungsmethode brachte dem Jungen zwar keine Lapins, wohl aber langgezogene Ohren und eine gehörige Tracht Prügel ein.

Friedberg, 13. Aug. Die Hauptversamm⸗ lung des Vereinsbezirks Friedberg des Ober⸗ hessischen Obstbauverelns, die gestern hier stattfand, war sehr stark besucht; auch der Präsident des Obstbau⸗ vereins, Herr Kreisrat Geh. Regierungsrat Dr. Braden, war anwesend. Herr Dr. v. Peter, der Direktor der Geschäftsstelle, erstattete eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahr. Die nächste Frage betraf eine zu erlassende Verordnung bezüglich der Zeit des Obsteinerntens in unserem Kreise. Hierüber referierte der Vorsitzende, mit dessen Ausführungen die Anwesenden übereinstimmten. Hiernach wird nächstens eine Verordnung erscheinen, worin bestimmt ist, daß in jedem Ort eine Kommission für die Bestimmung des Zeit⸗ punktes, an dem das Einernten einer Obstgattung be⸗ ginnen darf, gebildet wird. Auch wurde das Einsammeln des Fallobstes durch Kinder beanstandet. Nunmehr refe⸗ rierte der Sekretär des Vereins, Herr Reichelt, über eine landwirtschaftliche Reise durch Baden und Württemberg mit besonderer Berücksichtigung der dortigen Baumwärter⸗ verhältnisse. Herr Reichelt kam zu dem Schluß, daß, nachdem in den sieben Jahren des Bestehens des Ober⸗ hessischen Obstbauvereins so viel für Ausbildung tüchtiger Baumwärter geschehen sei, unsere Provinz hinter jenen Ländern in dieser Beziehung nicht zurückstehe. Auch in Bezug auf die Obstproduktion halte sie den Vergleich aus. Bei Oberhessen sei übrigens noch zu berücksichtigen, daß große Strecken im Vogelsberg zur Anpflanzung von Obst⸗ bäumen gänzlich ungeeignet seien. Es wurde in der Versammlung noch mitgeteilt, daß der Kreis Lauterbach in diesem Jahr mehr Obst liefere, als jeder andere Kreis in Oberhessen.

* Nidda, 13. August. Welchen Schaden die Engerlinge in diesem Jahre schon an⸗

Seither rechnete man den stellen⸗ Ausfall der Sommerfrucht der Jahres zu. Nunmehr aber stellt es sich heraus, daß die Engerlinge die Wurzeln des Getreides abgefressen haben. Einen anderen schweren Schaden, den (allerdings nur mittelbar) diese Tiere angerichtet

Tag mehr ein. weise schlechten Trockenheit des

..

Quietschmann. 5

Skizze von Felix von Stenglin. (Nachdrud verbeten.) Er war ein sehr armer Schlucker. Und so dachte die Frau Rätin: man muß die Kunst unter⸗ Er wird ja auch einmal emporkommen, eine gute Stellung finden und dann vielleicht etwas abtragen. Aber wenn er's auch nicht kann, mag's so hingehen! Wo zehn Leute satt werden, wird es auch noch ein elfter. a Und er nahm also, trotzdem er einstweilen durch Vermittelung eines Freundes nur die Miete für sein kleines Zimmer bezahlte, an dem gemeinsamen Mittagstisch im Peusionat der Frau Rätin teil. Beiläufig gesagt, zwei Jahre lang. Ein ruhiger

scheu, denn er blickte Einen nie gerade au. muß sein Selbstvertrauen und bot ihm außer dem stück und Abendbrot an. ihm sein und ihm Gutes erweisen, sich erschließt.

Und siehe da, er kam er freudestrahlend nach Hause

Mittagstisch noch Früh⸗

ausbilden. guten Absichten, die sie

Mensch Quietschmann hieß er

, sprach wenig, schien sogar ein wenig menschen⸗ Man

heben, dachte die Rätin,

Man muß freundlich zu damit sein Herz

hatte Glück. Eines Tages und erzählte, der berühmte Professor Nolte wolle ihn unentgeltlich Das bestärkte die Frau Rätin in den mit dem jungen Mann batte, und sie schämte sich angesichts dieses hoch⸗

herzigen Entschlusses des Professors Nolte der An⸗ wandlung von Ungeduld, die sie in letzter Zeit mehrmals Quietschmann's wegen gehabt. So hatte er denn alles frei, Wohnung, Essen und Unterricht. Jeden Nachmittag pünktlich dreiviertel auf zwei Uhr verließ er das Haus, und einen Tag wie den anderen um vier ein viertel kehrte er zurück. Wirklich, er studierte sehr eifrig.

Nach Verlauf von zwei Jahren erhielt er einen Brief aus München. Wie er erzählte, war ihm eine Stelle in, einem dortigen Orchester angeboten worden.

Was bedeuteten da schließlich die fünfzehn Thaler, die Frau Rätin ihm mit auf den Weg gab! Wenn man an Professor Nolte dachte, der hatte denn doch noch weit mehr an ihm gethan!

zahlen können. Das erste natürlich würde sein, so

der Musikschüler. 6 kam ein Brief von ihm, und zwar aus Leipzig. Es sei ihm, gangen, und er habe keinen Groschen

seiner Baarschaft sei ihm ausgegangen.

Und nun war doch Aussicht, daß er ihr eine Kleinigkeit für die zwei Jahre Beköstigung werde

versicherte er, daß er die 15 Thaler zurückschickte. Doch wer nichts von sich hören ließ, war Erst nach einem halben Jahr

schrieb er, in München leider schlecht er⸗ die Stellung sei eine jämmerliche gewesen, erübrigen können. Nun aber, in Bremen werde es besser werden. Wenn er nur erst dort sei! Aber der letzte Rest Ob Frau Rätin ihm nicht wenigstens 30 Mark auf ein paar

Wochen vorschießen könne, sie habe dann den Vor⸗ teil, auch die früher geborgten 45 Mark gleich zurück zu erhalten, während er ohne ihre Hülfe verkommen müsse. Von der Entschädigung für die Beköstigung schrieb er nichts.

Aber Frau Rätin wollte diesmal nicht. Nein, sie mußte auch an ihre Kinder denken. Sie sann hin und her, wie dem Mann zu helfen sei. Ah Professor Nolte! Der mußte etwas geben. Auf zu ihm!

Der Herr Professor ist nicht zu sprechen. Was Sie wollten? sagte ein hochnäsiger Diener.

Bestellen Sie nur dem Herrn Professor Nolte, ich hätte ihn in einer sehr wichtigen Angelegenheit u sprechen.

Der Diener schob knurrend ab, kam aber bald zurück und murmelte etwas, das wieReinkommen! klang.

Frau Rätin trat in ein mit schweren eichenen Möbeln, mit Kunstgegenständen und Teppichen au⸗ gefülltes Zimmer. Professor Nolte, der an seinem Schreibtisch saß, hielt es nicht der Mühe wert, seinen Kopf zu erheben, sondern schielte nur seit⸗ wärts zu dem Besuch empor. Er bot ihr nicht einmal einen Sitz an. Das war nicht sehr er⸗ mutigend. Aber was half's! Um einen Menschen glücklich zu machen, kann man schon eine kleine Demütigung auf sich nehmen. Sie kam ja nicht

für sich! Nun? sagte der Professor scharf. Sein

Schädel war halb kahl, die grauen Haare am Hinterkopf hingen laug über Hals und Nacken. Das Gesicht war glatt rasiert, die Bewegungen seiner Hand, mit der er sich Notizen machte, waren hastig und nervös. Ein Zucken, das ab und zu über sein Gesicht ging, schien seine Ungeduld an zudeuten. (Schluß folgt.)

Der Kapitän derCrathie, die den LloyddampferElbe auf den Grund bohrte, hat vor, Kurzem wiederum auf offener See Unheil an⸗ gerichtet. Wie nämlich demBerl. Tagebl. mitge⸗ teilt wird, stieß das spanische SchiffAbril auf der Fahrt nach Riga begriffen, zehn Meilen östlich von Rehel⸗ stone(2) mit dem englischen SchiffeTelephone zu⸗ sammen, das der ehemalige Kapitän derCrathie komman⸗ dierte. DerTelephone rannte in denAbril hinein und schnitt ihn fast mitten durch. Der größte Teil der Mannschaft desAbril rettete sich nun an Bord des Telephone, während derAbril sank. Einige Leute desAbril ertranken. 16 Matrosen vomAbril waren nun dieser Tage in Berlin auf der Durchreise nach Ham⸗ burg und äußerten sich in Worten der Eutrüstung über den Kapitän desTelephone, der bei einiger Umsicht die Kollision leicht hätte vermeiden können. Der spanische Konsul in dem Hafenorte, wo derTelephone landete, (der Ort wird nicht genannt) habe die Reklamationen der Matrosen des spanischen SchiffesAbril nicht annehmen zu können erklärt, weil er gleichzeitig englischer Konsul sei.

gerichtet haben, steht man erst jetzt von Tag zu