Ausgabe 
13.11.1896
 
Einzelbild herunterladen

en Sieg silippinen

Floren in

10

Gießen, Freitag, den 13. November

90

Posiztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe Gießen.

andes

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

. Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

2 24

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

75

Gießen, 12. Nov. Großh. Handels⸗ kammer. Die regelmäßige Ergänzungs⸗ wahl zur Großh. Handelskammer soll am Mittwoch, den 2. Dezember l. J. statt⸗ finden. Es scheiden aus die Herren L. Hom⸗

berger, A. Katz, Albert Kraatz. Zum Wahl⸗

kommissär wird Herr Kommerzienrat Wilh. Gail erwählt und zu Urkundspersonen die Herren e Gustav Müller und Kaufmann Wilh.

ribus. Im Falle, daß einer dieser Herren ver⸗ . sein sollte, wird Herr Kommerzienrat 1 ail 8 5 5 einen Ersatzmann zu wählen. Die Liste der Wahlberechtigten soll vom 17. bis

10

27. November auf dem Komptoir des Herrn

Kommerzienrat Heichelheim dahier zur Einsicht offen liegen. Die Handelskammer zu Bielefeld

bat an den Deutschen Reichstag eine Eingabe

Interessen der

lutionen angenommen.

1 betreffs die Zulassung des Rechtswegs in

5 9 5

Zollstreitsachen. Bereits in den Jahren 1886 und 1890 hat der Reichstag dahingehende Reso⸗ Die hiesige Handels⸗

kammer beschloß, die Bestrebungen der Schwester⸗ kammer zu Bielefeld gleichfalls durch eine Ein⸗ gabe an den Deutschen Reichstag zu unterstützen.

Der Verein zur Wahrung der wirtschaftlichen isen⸗ und Stahl⸗Industrie für

Elsaß⸗Lothringen bemüht sich für das Zustande⸗ kommen einer Fernsprechverbindung: Metz, Trier,

Coblenz, Cassel, Berlin.

von seiner Begründung und übersandte

Die Kammer beschloß, die Bestrebungen des Vereins event. in geeigneter Weise zu unterstützen. Der Verein der Detail⸗ listen zu Gießen machte der Kammer Mitteilung ein

Exxemplar seiner Statuten.

* Gießen, 12. Nov.(Stadttheater.) Die wilde Katze, die für Gießen neue Ge⸗

sangsposse, gelangte gestern Abend vor einem

leider nur spärlich erschienenen Publikum zur 4 0 Man muß sich wirklich fragen: Was will unser Publikum denn eigentlich ge hoten haben? Die Theater⸗Direktion, die endlich bemüht ist, immer etwas Neues und zwar stets das Beste zu bieten, wird wahrlich schlecht ge dankt. Die gestrige Aufführung, in der sich Fräulein Emma Frühling verabschiedet, hätte ein volles Haus verdient. Das Stück gefiel außerordentlich. Sämtliche Darsteller wurden mit reichem Beifall belohnt.

* Gießen, 12. Nov. tanenen end Am Freitag wird SchillersKabale un Liebe wiederholt. Zu dieser Klasstker⸗Vor⸗ stellung werden für Schüler und Schüle⸗ rinnen höherer Lehranstalten Billets zu ermäßigten Preisen abgegeben. Diese Schülerbillets(Sperrsitz 1, I. Parquet 608)

sind bei Herrn Ernst Challier oder Abends

an der Kasse zu haben.

* Gießen, 12. November. Am 21. ds. Mts. wird das neu erbaute Hygienische In⸗ stitut durch einen feierlichen Festakt seiner Be⸗ nutzung übergeben. Anläßlich der Einweihung wird der Großherzog hier erwartet.

Gießen, 12. Nov. Reichstagsabgeord⸗ neter Vollmar wird voraussichtlich in der nächsten Woche auch in unserem Wahlkreise sprechen. Da dessen Parteigenossen in Gießen keinen Saal bekommen, beabsichtigt man eventuell in Wieseck eine öffentliche Versammlung einberufen.

Gießen, 12. November. Gestern Abend verunglückte der Wagenputzer Georg Wenzel aus Lützenlinden beim Rangieren an der Köln-Mindener Bahn dahier dadurch, daß er beim Besteigen eines Wagens fehl trat und unter die Räder der Maschine kam, wo⸗ bei ihm beide Beine abgefahren wurden, auch hat er schwere Verletzungen am Kopfe davongetragen. Der Verunglückte wurde in die Klinik verbracht.

* Gießen, 12. November. In vergangener Nacht wurde in einem Hausgarten an der Dietz⸗ straße die Wäsche gestohlen.

S. Gießen, 12. November. Gestern Abend kamen die Mitglieder des früheren karne⸗ valistischen Vereins in der WirtschaftZum Schipkapaß zu einer Generalversammlung zu⸗ sammen, in der beschlossen wurde, dem Verein den NamenFlorisei beizulegen. Zur wöchentlichen Zusammenkunft wurde derMontag bestimmt. Der Verein wird seinen Mitgliedern und den Angehörigen auch Maskenbälle, karnevalistische Sitzungen und dergl. reiche Unterhaltung bieten.

* Aus Oberhessen, 10. Nov. Im oberen Vogelsberg, dessen Waldungen sich trotz der vor⸗ geschrittenen Jahreszeit in sattem Grün zeigen, sind nunmehr die noch rückständigen Ernte- arbeiten ziemlich vollendet. Das letzte Grummet ist jedoch verdorben, so daß es nur noch als Streumat rial verwendet werden kann. Die Kartoffeln lieferten, trotzdem viele faule darunter waren, guten Ertrag, Kohlraben und Dickwurz ergaben eine gute Mittelernte. Trotz dem an haltenden Regenwetter brachten unsere Land⸗ wirte die Wintersaaten unter. Was noch zu thun übrig bleibt, sind die Wiesenarbeiten, An⸗ lage von Grenzgräben, Ent- und Bewässerungs⸗ anlagen. Der Oberwald zeigt in diesem Jahre einen recht starken Rehstand. Es wurden oft an einem Tage 15 bis 20 Rehe ge⸗ schossen; dabei gehört die Oberwaldjagd zu den billigsten weit und breit, denn der Pachtpreis betrug seither nur 310 l jährlich. Man nimmt an, daß mit Ausbreitung des Bahnnetzes in Oberhessen die Pachtpreise für die schon im nächsten Jahre frei werdenden Gemeinden und Domanialjagden ganz bedeutend gesteigert werden.

* Aus Hessen, 11. November. Im Groß⸗ herzogtum Hessen haben die in den Ehevertrags⸗ formularen vorgedruckten Worteim Falle ihres kinderlosen Ablebens von jeher zu zahllosen Weiterungen und Prozessen geführt. Das Mini⸗ sterium der Justiz hat deshalb für die rechts⸗ rheinischen Provinzen angeordnet, daß in den Eheverträgen die Worte:daß nur im Falle des kinderlosen Ablebens der Eheschließenden deren Vermögensverhältnisse nach den Bestim⸗

mungen des von ihnen bezeichneten Landrechts zu beurteilen sind zu streichen seien, wenn nicht der ausdrückliche Wille der Beteiligten diese Be stimmung aufgenommen haben will.

Aus der Wetterau, 11. Nov. Jetzt, nachdem der allerdings schon wieder vorüber gegangene kurze Frost die Landwirte gezwungen hat, rasch ihre Felder zu räumen, läßt sich das Ergebnis des diesjährigen Ernteertrags an⸗ nähernd feststellen, soweit das für eine größere Gegend in der Bodenart, Ausstellungszeit und Methode, sowie Fruchtgattung wechselt, möglich ist. Der Rückblick ist für unsere Landwirte ein erfreulicher. Wenn auch die Arbeiten durch die Ungunst der Witterung erschwert und verteuert wurden, so konnte mit Ausnahme des Grummets die ganze Crescenz gut eingebracht werden und verdarb nicht zum Teil gänzlich wie in einzelnen Strichen des Vogelsberges. Für den Normal⸗ morgen(/ Hektar) stellt sich der Mittelertrag folgendermaßen: Winterfrucht 6 bis 7 Malter, Hafer 9 Malter, Gerste auf schwerem Boden 5 bis 7 Malter, Zuckerrüben 169 Zentner, Kar⸗ toffeln 45 Malter. Gerste, Zuckerrüben und Kartoffeln litten strichweise in leichtem sandigen Boden durch Engerlingfraß; obige Zahlen be ziehen sich auf Erträge in schwerem Boden. Weizen ist in den größeren Wirtschaften erst teilweise gedroschen. Die Inhaber derselben haben also von der durch die ostindische Dürre hervorgerufenen Preissteigerung noch einen Nutzen, während der kleinere Landwirt schon vor dieser zu 14 bis 15 abgesetzt hat. Die Gerste kam in einem solchen Zustand heim, der die Ver⸗ wendung in Brauereien gestattet. Am meisten werfen wohl die Zuckerrüben ab. Der Zucker⸗ gehalt erreicht nicht die vorjährige Höhe, über steigt aber den aus den Jahren 1893 und 1894. Der Preis wird bei Rüben, die nach dem Gehalt bezahlt werden, im Durchschnitt 90 für den Zentner betragen, was einen Erlös von 144. für den Morgen bedeutet.

* Friedberg, 9. November. Die Brücke über das Rosenthal hier, die durch Er⸗ bauung der Nebenbahn FriedbergBeienheim Hungen nötig geworden war, ist so weit vollendet, daß die Materialzüge darüberfahren können. Sie ist aus Eisen konstruiert und ruht auf sechs über stockwerkhohen starken Pfeilern aus weißen und roten, in Rustika gehaltenen Sandsteinen. Die Brücke läuft nahe an der ganz aus Sand⸗ steinen hergestellten Brücke der Main⸗Weser⸗ Bahn her, ist aber nicht so hoch und lang wie diese. Auch am übrigen Teil der Bahnstrecke wird fleißig gearbeitet. Die Hochbauten kommen zum größten Teil sowohl an dieser als auch der Abzweigung Beienheim Nidda, vor Winter noch unter Dach.

* Ginsheim, 11. November. In unserer Gemarkung wird im nächsten Jahre seitens der Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg ein großes Hammerwerk errichtet.

* Mainz, 11. November. Lieutenant Pf. vom Hess. Pionierbataillon Nr. 11 und eine

junge Dame von hier begingen gestern Mittag in einem Hotel in Wiesbaden Selbstmord. Es heißt, daß ihrer Heirat sich unüber⸗ windliche Schwierigkeiten in den Weg stellten.

* Mainz, 11. November.(Lauter Sozialdemokraten!) Aus Kastel wird berichtet: Als am Samstag einige Schüler der obersten Klasse zu spät zur Schule kamen, wollte Herr Ehrlicher sie mit Stockschlägen be⸗ strafen. Die Jungen erhoben jedoch energische Einsprache gegen diese Behandlung, worauf der Lehrer mit der Bemerkung:Ihr seid lauter Sozialdemokraten! Abstand davon nahm. Eine vortreffliche Pädagogik!

Mainz, 12. November. Die gestern ge⸗ brachte Mitteilung, daß vom Minister der öffent⸗ lichen Arbeiten der Süddeutschen Eisenbahn⸗Ge⸗ sellschaft in Darmstadt die Erlaubnis zum Bau und Betriebe einer elektrischen Bahn von Wies⸗ baden nach Mainz erteilt worden sei, ist nicht richtig; es hat die Süddeutsche Eisenbahn⸗Ge⸗ sellschaft lediglich die Erlaubnis erhalten, die Vorarbeiten für die Anlegung einer solchen Bahn in Angriff nehmen zu dürfen. Es er⸗ scheint übrigens zweifellos, daß, wenn der Minister die Erlaubnis erteilt, Vorarbeiten für eine Bahn in Angriff zu nehmen, die Gesellschaft wohl auch schließlich die Erlaubnis erhält, die frag⸗ liche Bahn bauen zu dürfen. Sobald die definitive Bestätigung bezüglich der Erbauung dieser elek trischen Bahn eingetroffen ist, werden auch die jetzigen Dampfbahnstrecken Mainz-Bretzenheim⸗ Hechtsheim und Mainz⸗Gonsenheim-Finthen an das von der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft zu errichtende Elektrizitätswerk angeschlossen. Die Gesellschaft wird auch mit der Stadt Mainz in Verbindung treten, um den ganzen Straßen⸗ bahnbetrieb in einen elektrischen Betrieb um⸗ zuwandeln. Es haben dieserhalb bereits Vor besprechung en stattgefunden.

* Eppelsheim, 8. November. Wer zum erstenmale in den gegenwärtigen Tagen unsren Bahnhof passiert, der ist in hohem Maße er⸗ staunt über das Rübenmeer, das sich rings um unser Stationsgebäude und dessen weitere Umgebung ausbreitet. Gewiß sind hier zur Zeit 100000 Zentner Zuckerrüben aufgestapelt, und tagtäglich kommen ungezählte Fuhren mit dieser Ware hier an. Und wenngleich täglich mehrere Züge abgehen, man merkt noch keine Abnahme. Die Zuckerrübenernte ist heuer überreich ausge- fallen, und wenn etwas zu beklagen ist, so ist es nur der Umstand, daß die Rüben zu sehr mit Grund beklebt sind. Das Durchschnittsergebnis pro Morgen ist gewiß über 3000 Zentner, doch hat man auch Beispiele, daß auf nur/ Morgen Feld 2000 Zentner sind geerntet worden. Die Ware geht nach Offstein, Groß-Gerau und Frankenthal; für den Zentner werden 95 Pfg. bezahlt. ö

* Aus dem Kreise Worms, 11. Nov. Wider Erwarten lebhaft geht zur Zeit das Geschäft mit dem diesjährigen Wein. Aller⸗

Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel.

Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ueberhaupt war es schon zu jeder Ueberzeugung zu spät. Der Schattenmann war längst im Park⸗ land verschwunden. Ich konnte nur weiter lauschen, und das that ich jetzt mit angehaltenem Atem.

Nach einer Weile drang aus weiter Ferne Huf⸗ getrappel herüber, gedämpft, leiser werdend und verhallend. Es kam aus der Richtung der toten Schlucht..

Nun konnte ich nicht länger zweifeln. 5

Morgan war hier gewesen, vielleicht zu einer Zeit angekommen, als ich noch nicht auf meinem Beobachtungsposten war. 8 8

Eugenie hatte ihn eingelassen und in ihrem Zimmer verborgen gehalten. a

Jetzt wollte er fort und nun mußte meine merksamkeit abgelenkt werden. 5.

Darum kam sie nach oben, um meine Blicke an ihre Person zu fesseln, bis ihr Geliebter den Platz zwischen dem Haus und dem Gartenzaun passiert hatte. 5 N

Das war ihr gelungen, und während ich hier oben stammelnd und bebend wie ein Schulknabe vor der vermeintlich falsch verdächtigten Uuschuld stand, schlich sich unten ihr Buhle und Schuldgenosse hinweg. 5 55

Welch' ein Thor war ich und wle unwärdig des Vertrauens, welches mein Sergeant in mich gesetzt

hatte.

Auf⸗

Das Spiel ging weiter wie bisher und unter meinen Augen.

War es nicht, um rasend zu werden?

Ich ballte in ohnmächtiger Wut die Fäuste, ich knirschte mit den Zähnen, meine Eifersucht versetzte mich in einen Zustand stiller Raserei. 5

Ich hätte den Andern erschießen mögen, nicht mehr nur, weil er Morgan war, sondern weil er mein begünstigter Nebenbuhler war, weil er jetzt hinging und über den gefoppten Narrea lachte, dem ein Blick aus schönen Augen genügte, während er! O weg mit diesen Bildern! Ich ertrug es nicht.

Ich dachte an die Zweifel des Sergeanten, an die hämische Heiterkeit meiner Kameraden, an meine eigene alberne Rolle in diesem Intriguenspiel, an Eugenien's spöttisches:Gute Nacht und angenehme Träume! Meine Wut schwoll mit jedem ver⸗ fliegenden Bild.Ein Ende! rief ich fast laut. Vernichtung Beiden, ihr und ihm!

Ich stürmte in mein Zimmer hinunter und ver⸗ brachte die Nacht mit finsteren Racheplänen bis zum Morgen. Dann erst warf ich mich in meinen Kleidern auf's Bett und verfiel in festen, tiefen Schlaf, aus dem mich erst die Mittagsglocke, die bekanntlich in allen vornehmen englischen Häusern geläutet wird, erweckte.

Ich machte hastig Toilette und ging in den Speisesaal hinab.

Die Damen saßen schon an der Mittagstafel.

Langschläfer! rief mir Fräulein Eugenie neckisch zu, und dabei sah sie so reizend aus, auch

Frau Milton lud so freundlich zum Niedersetzen

ein, daß wieder von all' meinem aufgespeicherten Unmut nichts weiter übrig blieb, als eine ge stammelte Entsshuldigung.

Im Sonnenschein sehen Welt und Menschen so ganz auders aus, als wie man sie sich bei Nacht gedacht hat. Da tritt die Wirklichkeit vor den Menschen hin, die Phantasie weicht zurück, und diese von mir geschaute Wirklichkeit entsprach in keinem Zuge dem Bilde, welches ich mir in der Nacht von Eugenie Milton und ihrem ver brecherischen Treiben gemacht hatte.

Ich beobachtete sie genau, ich lauschte auf jedes ihrer Worte und ich fand nichts, was auf irgend welche Befangenheit im Verkehr mit mir hinge wiesen hätte.

Sie war eine vollendete Heuchlerin.

Es schwebte mir schon auf der Zunge, zu sagen, was ich gestern Nacht beobachtet hatte, aber da war die Mutter, die vielleicht unschuldig an alldem und so leidend war, wie Eugenie es gesagt hatte und das verschloß mir den Mund ihr gegenüber.

Auf Eugenie allein hätten meine Worte aber doch keinen Eindruck gemacht.

Sie hätte sich unwissend oder empört gestellt und ihre Vorsicht im Verkehr mit Morgan nur noch verschärft.

Ich durfte sie nicht warnen.

Im Gegenteil, ich mußte sie in Sicherheit wiegen und das konnte ich nur, indem ich ebenfalls voll⸗ ständige Unbefangenheit und Unwissenheit heuchelte.

Ich suchte die Befriedigung meiner Rachelust in dem Gedanken, sie einmal beisammen zu treffen

und dann Verbrecher und Mitschuldige mit einem vorgehaltenen Revolver zum Geständnis zu bringen. Die Gelegenheit hierzu sollte mir eher werden, als ich es erwartet hatte. Es war zwei Tage später.

Bis Mittag war die Hitze unerträglich gewesen.

Am Nachmittag ging ein Gewitter nieder und jetzt, am Abend, herrschte wieder vollkommen Friede in der Natur.

Die Luft war kühl und labend.

Im Hause standen fast sämtliche Feuster offen.

Die Damen saßen nach eingenommenem Thee im Salon, Fräulein Eugenie, wie immer um diese Zeit, am Klavier und ihre Mutter lässig in einem Sessel lehnend und einen französischen Roman lesend.

Ich war hinausgegangen, nur zwischen den Gartenbeeten hin zu wandeln und mich meinen recht ernsten Gedanken zu überlassen. 0

Ich war unzufrieden mit mir selbst und tief unglücklich. In diesen zwei Tagen hatte sich, brotz verschärfter Wachsamkeit, nichts weiter ereignet, da- gegen hatte ich im Verkehr mit Eugenie immer mehr erkannt, daß meine Liebe zu ihr selbst durch den auf ihr lastenden, dringenden Verdacht nicht zu er töten war, im Gegenteil, daß sie immer noch wuchs und mein ganzes Denken und Handeln beherrschte

Ich sagte mir, daß ich noch keine Beweise ihrer Schuld in Händen hätte, daß sie vielleicht 3c ö schuldig war, als es den Anschein hatte, daß si sich für ihre Mutter opfere und was ich sonst no zu ihrer Rechtfertigung und Verherrlichung vor bringen konnte. ö

Fortsetzung folgt.)