Ausgabe 
13.8.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 13. August

1896.

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Ausgabe

Gießen.

lundeszeikung

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Tage nach Sonn- und Feiertagen.

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Expedition:

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Lokales und Provinzielles. W. Gießen, 12. August.(Faufmän⸗ nisches Vereinshaus.) Beim Ausschachten des Fundamentes zum Kaufmännischen Vereins- hause an der Nordanlage zeigt sich, daß dieses Gelände ganz wider Erwarten einen vorzüglichen Baugrund besitzt, so daß, entgegen den gehegten Befürchtungen weder Brunnenbauten noch Beton⸗ schüttung nötig sind. Die Bauarbeiten werden bis Samstag über 8 Tage soweit gediehen sein, daß der Verein dann die beabsichtigte feierliche Grundsteinlegung veranstalken kann, die allerdings in alnfachser Fornl stattfinden soll. Gießen, 12. August. Mit dem Anfang Oktober wird im Café Leib die neue Theater⸗Saison eröffnet werden. Die

15 Wand Direktoren Kruse und Helm haben sich nicht .en. St.([ nur, den Gießener Festsaal für theatralische Gänse ha e Fee vertraglich gesichert, sondern sie ver⸗ and Mice fügen auch über tüchtiges Personal und wollen

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orerst Schau- und Lustspiele, sowie Possen zur. ufführung bringen, woran sich später dann peretten⸗Aufführungen anschließen werden. Der euen Theater⸗Direktion geht ein vorzüglicher Nuf voran und wird nunmehr für diesen Winter dem Theaterbedürfnis für unsere Stadt ge nügt sein. * Gießen, 11. Aug. Ein Privatmatch zwischen Reiter und Radfahrern hatte gestern Abend nicht nur unsere gesamte Radfahrerwelt auf die Räder gebracht, sondern außer denselben waren noch mindestens 1000 Personen auf den Beinen, um den Ausgang dieses sehr interessanten Wettkampfes, an welchen sich zahlreiche Wetten knüpften, beizuwohnen. Es handelte sich darum, die Strecke Gießen(Kempfsche Besitzung)⸗Wellers⸗ burg, hin und zurück ca. 56 Kilometer, zu nehmen. Der Record war geschlossen wischen dem Großherzogl. Universitätsstallmeister Kreuz⸗ burg, dem freigestellt war, an der Wende einen Pferdewechsel vorzunehmen, und Röder und Jung vom Gießener R.⸗V., wobei der erste Fahrer durch den zweiten an der Wende eben⸗ falls abgelöst werden konnte. Die Bahn hat ungefähr zur Hälfte der Strecke starke Steigung.

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sengesell an Punkt 8 ühr verließ der Reiter mit dem Rad⸗ ter Kohlen fahrer Röder den Start. Etwa 100 Meter von letzterem wich der Renner, wohl durch das

1 Menschengewimmel, scheu geworden, in einen Bießen Feldweg aus, sodaß der Reiter Mühe hatte, das ler wieder in die richtige Bahn zu lenken. Der

Oberhessy Fahrer hatte hierdurch etwa 100150 Meter ö Vorsprung bekommen, den der Stallmeister

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Kreuzburg erst auf dem halben Wege ausglich, dann die Führung übernahm und an dem Wende⸗ punkt seinen Gegner etwa 300-350 Meter zu⸗ rückließ. Der Pferdewechsel unterblieb und im gestreckten Galopp gings nun denselben Weg zu⸗ rück, den Radfahrer, der gewechselt hatte, weit hinter sich lassend. Stallmeister Kreuzburg traf nach 6 Minuten 54 Sekunden am Ziel wieder ein, auf dem ganzen dicht mit Menschen besetzten Wege mit Hurra begrüßt. Sein Gegner Jung,

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heben milch

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

gilt, die Strecke Restaurant Haubach an der Rodheimerstraße Abendstern hin und zurück ca. 8 Kilometer zu nehmen. Die Gegner sind zwei hiesige Bauhandwerkmeister und gehört jeder von ihnen einem unserer Radfahrervereine an. Das Matchen nimmt kein Ende mehr!

L. Gießen, 12. August. Die Leute, die sich's leisten konnten, kehren jetzt aus Bädern heim, um das gewohnte Berufsleben wieder aufzunehmen. Sie empfinden, selbst wenn es noch so herrlich in der Ferne war und sie noch so prachtvoll sich amüsiert und erholt haben, nicht annähernd so schmerzlich wie die jugendliche Schar das Scheiden von neuen, liebgewordenen Bekannten, von Berg und Thal, Wald und Wasser; denn daheim, so meinen sie, ist's doch am schönsten, und nach der Ruhe däucht ihnen die Arbeit nur doppelt süß. Vater sehnt sich, wie unbegreiflich es scheinen mag, zum Sterben nach seinen staubigen Aktenstößen zurück, und Mutter freut sich schon wochenlang vorher auf ihre blitzblanke Küche, auf ihren gemütlichen Lehnstuhl am Fenster und zahllose andere Dinge, für welche die kleine Welt noch kein rechtes Ver⸗ ständnis hat. Die Heimreise wird von beiden in einer Gemütserregung angetreten, die sich mehr und mehr steigert, je näher das Ziel rückt, und die für Kenner be⸗ greiflich genug ist. Ob Guste auch regelmäßig die Zimmer gelüftet, die Teppiche gebürstet und geklopft und die Flur⸗ thür beim Ausgehen sorgfältig verschlossen hat? Ob sie wohl abends stets pünktlich zu Hause war, keinen fremden Besuch einführte oder nicht etwa gar mit lüderlicher Ge⸗ sellschaft die Nächte in derguten Stube auf der schönen neuen Plüschgarnitur durchschwärmte? Das alles sind Fragen, deren Besprechung denarmen Leuten auf der Heimreise viel Kopfzerbrechen verursacht und die ihnen doch, trotz eifriger Debatte, ungelöste schreckhafte Rätsel bleiben. Gott sei Dank: endlich tauchen am Horizont die Mauern und Türme der Stadt auf; über Brücken und Wälle donnert der Zug fauchend und pfeifend der Halle zu. Mit Behagen atmen die Heimkehrenden den Rauch der Fabrikschlote und saugen entzückt die dunstige Atmo⸗ sphäre ein, die ihnen plötzlich reizvoller dünkt, als die reinste Höhenluft. Am Bahnhof warten schon Freunde und Verwandte; welch ein Begrüßungsjubel, welch Küssen und Händeschütteln! Umarmungen werden getauscht, Blumensträuße überreicht, und wie im Triumphe geht es nach Hause. Guste, die treue, empfängt die Herrschaft mit strahlendem Lächeln auf der Schwelle; von leiner mächtigen Guirlande winkt es in fetten LetternWill⸗ kommen herab, sämtliche Zimmer prangen in duftigster Toilette. Kein Stäubchen macht sich unangenehm be⸗ merkbar, die Teppiche glänzen wie neu, das Geschirr in der Küche glitzert und funkelt, und die Plüschgarnitur in derguten Stube zeigt nicht eine Spur nächtlicher Zech⸗ gelage. Sogar die Zigarrenkiste auf dem Schrank, die der Hausherr vergessen hat wegzuschließen, steht unberührt noch am alten Platze, und die Betten, schneeweiß über⸗ zogen, sind frisch gemacht. Guste hat gut schmunzeln; eben flüstert Nesthäkchen ihr vertraulich zu, was Mamachen aus der Sommerfrische für sie mitgebracht habe. Wir aber scheiden von dem freundlichen Bilde, das wir da eben in unzulänglichen Farben geschildert haben. Möchte der Empfang, der unsern heimkehrenden Abonnenten zuteil wird, unser Phantasiegemälde weit übertreffen! * Steinbach, 12. Aug. Den hiesigen Land⸗ wirten und Viehbesitzern hat die in den letzten Wochen stark aufgetretene Schwei ne⸗Bräune arg mitgespielt. Glücklicherweise ist die Seuche jetzt als erloschen zu betrachten, nachdem sie unter dem Schweinebestand gehörig aufgeräumt

für die Fspaltige Petitzeile.

Preise zu verkaufen, um auf diese Weise einem größeren Schaden vorzubeugen. Hoffen wir, daß der Schaden bald wieder auswächst und unser Dorf vor einer neuen Plage bewahrt bleibt.

* Bad Nauheim, 12. August. In der letzten Woche sind 920 Kurfremde angemeldet worden, gegen 801 in der entsprechenden Woche des Vorjahres. Bis zum 6. August d. J. be⸗ trug die Gesamtfrequenz 12001, gegen 11138 bis zum 8. August 1895. Bis zum 26. Sep⸗ tember 1895 sind noch 2998 Personen ange⸗ meldet worden, so daß in diesem Jahre unter allen Umständen auf eine Gesamtfrequenz von 15000 zu rechnen ist. Bis 6. d. M. wurden 139857 Bäder abgegeben, 12 252 Bäder mehr als bis zum gleichen Tage des Vorjahres. In der letzten Woche wurden im Durchschnitt in einem Tag 1619 Bäder abgegeben; die Woche vorher 1602. Auf 200 000 Bäder wird man bis zum Schluß der Saison wohl kommen. Lauterbach, 12. August. Die diesjährige Obstausstellung des Oberhessischen Obstbauvereins wird vom 9. bis 12. Oktober hier unter dem Präsidium des Herrn Kreisamt⸗ mann Dr. Heinrichs abgehalten. Die Preise bestehen nur in Diplomen, die in drei Klassen geteilt sind.

Nieder⸗Eschbach, 11. August. Die hie⸗ sige freiwillige Feuerwehr, eine der älte⸗ sten Landfeuerwehren in der Provinz Oberhessen, feiert am 16. August das Fest ihres fünfund⸗ zwanzigjährigen Bestehens. Bei dieser Gelegen⸗ heit werden die Mitglieder, die seit der Grün⸗ dung dem Korps angehören, mit dem vom Großherzog gestifteten Verdienstzeichen dekoriert; die Frauen und Jungfrauen der Gemeinde schenken eine Standarte. Die zahlreichen Zu sagen der Kameraden aus der Provinz lassen eine rege Beteiligung, die Vorbereitungen des Festausschusses in Gemeinschaft mit der ganzen Einwohnerschaft einen würdigen Empfang und vergnügte Stunden für die Gäste erwarten.

* Offenbach, 12. August. Das hessische Landeskomitee der sozialdemokra⸗ tischen Partei hielt am Sonntag hier im deutschen Haus eine Sitzung ab, zu der auch die Vertrauensleute aus neun hessischen Landtags⸗ wahlkreisen zugezogen waren. Vertreten waren steben Kreise. Auf der Tagesordnung stand die bevorstehende Landtagswahl, die Agita⸗ tion und die Aufbringung der Geldmittel. Das in voriger Sitzung beschlossene Flugblatt wurde seinem Inhalt nach festgestellt und wird binnen Kurzem erscheinen.

5 b a. d. B., 10. Aug. Zwei hiesige Weinhändler, die eineVerbesserung des Weins mit Rosinen vorgenommen hatten, wurden vom Schöffengericht Lorsch wegen Wein⸗ verfälschung zu Strafen von 70 und 50. verurteilt.

Vermischtes.

Die Rettung aus dem Rheinfall. In einem plötzlichen Anfall von Schwermut stürzte sich ein junger Mann vomKänzell des Schlosses Laufen mitten in den gegenwärtig mächtig hohen Rheinfall. Gerade der Wasserreichtum und die Wucht des Falles ließ ihn nicht

Kreuzplatz Nr. 4.

Schwimmer sich geltend machte, und dem vonMännli geleiteten, ihm sofort entgegenfahrenden Kahne zuschwamm, in dem er rettende Aufnahme fand. Es ist das zweite Mal, schreibt dasSchaffh. Intelligbl. daß am Rhein⸗ fall ein derartiges Wunder begegnet, und jedes Mal war es der Schiffer des Schlosses Laufen, Männi, der ent⸗ gegeneilte. Vor einigen Jahren stürzte sich eine junge Frau von der Seite ihres Mannes und Kindes auch von derselben Stelle in die Flut, wurde aber dadurch, daß ihr Kleid Luft fing, ebenfalls ohne Schaden hinabgespült und von dem herbeieilenden Schiffer gerettet.

Verurteilte Betrüger. Vor dem Brüsse ler Zuchtpolizeigericht wurde am 4. August ein bemerkens⸗ werter Prozeß verhandelt. Im Mai d. J. waren in vielen ausländischen und belgischen Zeitungen Anzeigen erschienen, die unter verlockeuden Bedingungen junge Mädchen als Gesellschafterinnen für die belgischen See⸗ bäder, besonders für Ostende, verlangten. Diese jungen Mädchen sollten die Führerinnen und Genossinnen der Damen sein, die in dem betreffenden Etablissement ab⸗ steigen würden. Für die Dauer der Badezeit Juni bis September waren 1500 Frk. Gehalt und freie Wohnung und Beköstigung zugesagt. Die Anmeldungen strömten zu und den Bittstellerinnen wurde eröffnet, daß sie der Agentur 5 v. H. des Gehaltes und zwar 20 Frk. sofort, den Rest nach beendeter Badezeit einzahlen müssen. Die Dummen werden nicht alle, und so floß den Inhabern der Brüsseler Agentur, Towenier und Delmotte, ein hübsches Sümmchen zu. Natürlich erhielten die Bitt⸗ stellerinnen keine weitere Antwort. Infolge von Be⸗ schwerden der Gefoppten wurden die Agenturinhaber fest⸗ genommen. Es stellte sich heraus, daß die beiden Gauner schon in London ihr Unwesen getrieben und das Weite gesucht hatten. Am Dienstag wurden sie zu 31 Monaten Gefängnis verurteilt und sofort zur Verbüßung der Strafe abgeführt.

Ein gemütlicher Selbstmörder. Von einem gemütlichen Selbstmörder erzählen Wiener Blätter: Ein komischer Vorfall spielte sich jüngst um die Mittags⸗ stunde am Donaukanal nächst der Stephaniebrücke ab. Daselbst sprang der obdachlose Bäckergehilfe Tho⸗ mas Fiedler anscheinend in trunkenem Zustand in den Donaukanal. Zur allgemeinen Ueberraschung einer nach Hunderten zählenden Menschenmenge teilte der sonderbare Selbstmörder mit kundiger Hand die Wogen und schwamm gemütlich stromabwärts. Die Mannschaft des Propellers, der die Ueberfuhr von der Rotenturmstraße zur Lilien⸗ brunngasse versieht, fuhr Fiedler entgegen, um ihn zu retten. Fiedler tauchte aber in dem Moment, als sich der Propeller näherte, unter, schwamm ein Stück unter dem Wasser weiter und kam plötzlich, wieder gemütlich weiterschwimmend, auf der Wasserfläche zum Vorschein. Der Propeller gab infolgedessen die Rettungsversuche auf; inzwischen näherte sich eine von einem Fährmann geführte Zille dem schwimmkundigen Selbstmordkandidaten. Der⸗ selbe machte Miene, sein einmal gelungenes Kunststück zu wiederholen, der Fährmann brachte ihn aber durch gütiges Zureden dazu, von seinen Schwimmversuchen abzusehen. Schurl, sagte er zu dem geduldig Zuhörenden,halt di an, da, kumm' eina! Nach einigem Parlamentieren ließ sich Fiedler überreden und stieg in die Zille. Am Ufer wurde er von inzwischen herbeigeeilten Wachmännern übernommen und auf die nahegelegene Wachstube geführt. Auf dem Wege dahin äußerte Fiedler lachend zu den ihn eskortierenden Wachleuten:Halt's mi do net so fest, i lauf Enk net davon, i hab' mi nur a bisserl ab⸗ kühlen wollen. Beim Publikum, das sich auf beiden Ufern des Donaukanals nach Hunderten angesammelt hatte, rief die ganze Szene mit ihrem komischen Ende große Heiterkeit hervor.

ueber die Gesammtbevölkeruug des russischen Reiches im Jahre 1892 hat jetzt der Russische Regierungsbote auf Grund der von den Me⸗ dizinal⸗Verwaltungen an die Zentralbehörde des Mini⸗

sinkeu, sondern spülte ihn einfach hinab, wo er sofort als

steriums eingereichten Berichte die statistischen Angaben

tles und ale der an der Wellersburg abgelöst hatte, traf 10 hat. Die Zahl der verendeten Tiere wird auf Minuten später am Ziel ein. mehr als 150 geschätzt. Aber nicht diese allein Gießen, 12. August. Ein Privat⸗ haben den Schaden verursacht, viele Leute sahen match zwischen zwei Radfahrern wird morgen sich genötigt, ihre gesunden Schweine, die teil⸗ Amal. Vormittag 8 Uhr zum Austrag kommen. Es weise zum Schlachten bestimmt waren, für billige 8 r* S. 18 . leien nicht sagen köunen, mit denen ich mir dama Das blaue Herz. unter fürchterlichen Qualen bewies, daß ich schweigen f Roman von Karl Ed. Klopfer. müsse, um mich nicht dem verderblichsten Verdacht tt Shun 1(Fortsetzung.) 5 1 auszusetzen. Kommen Sie zu Ende, Herr Baron! im wic Degenstein zuckte zusammen und fuhr auf, um Aber lassen Sie nichts aus, ich will das Schein⸗ 2 warzvalt dann mit matter Geberde auf den beabsichtigten gebäude dieser Anklage doch bis auf den letzten 2 Protest doch wieder zu verzichten. Stein kennen lernen, und Ihrer Rede fehlt ja noch für 5Sie reden ja im Namen eines findigen] der Schlußeffekt, das große Pathos, mit dem der stolt Staatsanwaltes! sagte er mit Aerea e Staatsanwalt auf die Phantasie der Geschworenen nk mus und ließ sich müde in einen der a tdeutschen wirkt!. 15. 1 Sessel fallen.Bitte weiter! Ich will dem Becher, Effenberg stützte sich wirklich unter einer ge⸗ saletlur, den Sie mir kredenzen, bald auf die Neige sehen wissen Amtsmiene auf die Tischplatte. Seine 10 können. Was könnte also nach Ihrer Meinung der bureaukratische Pedanterie glaubte den einmal auf⸗ 1 Graf mit jenem Flacon gethan haben? gegriffenen Faden zu Ende spinnen zu müssen.. 12Während Dingelmann mit den übrigen Flaschen Am folgenden Abend beschränkt sich die Auf⸗ 10 in dem Schrank hantiert, muß es dem Grafen doch gabe des Unseligen nur mehr auf die Beobachtung

ein Leichtes sein, die ihm gereichte zu öffnen vielleicht um den Ger und, nehmen wir an, in die Flüssigkeit zu mischen, kapfel zum Beispiel oder einer dem Alkohol des Haarfärbemittels

lösen soll. Pegepsteln lachte ei

ging. Gott steh' mir

uch der Tinktur zu prüfen ein bereitgehaltenes Präparat mittels einer Gelatine⸗ Pille, die sich in über Nacht auf⸗

u hölzernes Lachen, das am Ssgchlusse in einen wilden Verzweiflungsschrei über⸗

bei! So weit also wirk⸗

aller Maßregeln, um einer späteren Entdeckung des Sachverhaltes vorzubeugen. Thekla darf ihr Gesicht nicht zeigen. Graf Norbert kann ihr ja die Maske unter dem Vorwand aufgedrängt haben, daß er seine Gattin nicht etwa von zufällig ein⸗ tretenden Kunden begaffen lassen wolle er ver⸗ bietet sich, daß sie angeredet werde, wodurch sie allenfalls zu einer Aeußerung über ihr Woher und Wohin veranlaßt werden könnte, dann verschüttet er noch den Rest der vergifteten Tinktur und die Hauptsache ist gelungen. Auf dem Balle findet sich bald Gelegenheit, den Saal zu verlassen, um

kehren, man eingetroffene Depes

habe ihm vom Hotel aus eine soeben che überbracht, die seine sofortige Abreise nach Paris erheische. Das kann Thekla nicht außerordentlich befremden, denn Degenstein hat sich in vielerlei Finanz⸗Spekulationen einge⸗ lassen, und eine solche führte ihn angeblich ja über haupt nach Paris. Man verläßt also sofort das Masken⸗ fest, eilt in's Hotel, sich umzukleiden. Thekla hat natürlich keine Zeit, ihre Frisur zu berühren und der Orient⸗Expreßzug, der München eine Stunde nach Mitternacht passiert, bringt das Ehepaar am folgenden Spätnachmittag in die französische Haupt⸗ stadt. Hier beginnt Thella bereits die Wider⸗ lehr ihrer kaum überstandenen Krankheit zu spüren. Die Wirkung einer Blutvergiftung tritt ein. Die Gräfin ist ja daheim von ihrem Hausarzte er⸗ wiesenermaßen auf die bei der Kopfrose gewöhnliche Art behandelt worden: es waren ihr zahlreiche kleine Ritze und Einschnitte in die Kopfhaut appliziert worden, die die Ausbreitung der Eut⸗ zündung gemeiniglich aufhalten. Durch diese kaum vernarbten kleinen Wunden hätte ein Giftstoff die Verbindung mit dem Blute erreichen müssen, wohl noch begünstigt durch Theklas Erregung beim Tanze und bei der überstürzten Abreise von München.

(Fortsetzung folgt.)

ch so weit glaubt mau

ehen zu dürfen? Das ich mir in meinen allerpessimistischsten Grübe⸗

dann zum Beispiel mit der Mitteilung zurückzu⸗

Geburtsregister der Welt. Ueber die Völkerbewegungen der Erde hinsichtlich der Geburts- und Sterbefälle giebt Lavasseur folgende interessante Statistik. Danach beträgt die Bevölkerung Asiens ungefähr 825 954000 Einwohner, Europas 557379000, Afrikas 163 953 000, Amerikas 421713000 und Australiens 3 230 000 Seelen. Von dieser Summe sterben jährlich etwa 32 214000, also 98 840 pro Tag oder 4020 die Stunde oder 67 die Minute. Die Zahl der Geburten beträgt 36 792 000 pro Jahr, 100 800 pro Tag oder 4200 die Stunde oder 70 jede Minute. Hiernach zu beurteilen, würde jede Minute die Zahl der Geburten gegen die der Sterbenden um drei überschreiten.

Gehärtetes Aluminuim. Mit Geschützen aus Aluminium werden sich die Geschütztechniter in Zu⸗ kunft nun auch zu beschäftigen haben. Einem Amerikaner ist es nämlich gelungen, ein Verfahren zu entdecken, nach dem man dem Aluminium die Härte und Festigkeit des Eisens verleihen kann. Kürzlich hat er aus so gehärtetem Aluminium ein kleines Geschütz gegossen, das% Meter lang war bei einem Kaliber von 75 Millimeter Es wurde in Gegenwart des Artillerieobersten Spencer pro⸗ biert und hielt dabei den Druck einer Pulverladung von 460 Gramm aus. Die Wandstärke des Rohres betrug 6 Millimeter und das ganze Geschütz wog 6,3 Kilogramm, während es aus Stahl nach einer Mitteilung des Pa⸗ tent⸗ und technischen Bureaus von Richard Lüders in Görlitz vielleicht 80 Kilogramm gewogen haben würde. Die amerikanische Regierung hat nunmehr ein größeres Probegeschütz in Auftrag gegeben.