Gießen, Sonnabend, den 13. Juni
Ausgabe
Gießen.
1896.
iche Landeszeitung
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg.
Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Ispaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Hessischer Landtag.
Darnistadt, 11. Juni. Die zweite Kammer setzte die Beratung des Entwurfs Kunststraßengesetz fort; Haas(Offenbach): Es nut Mühe gelungen, die Straßen in die Hand der sse und Provinzen zu legen. Das geschah s. Zt. um ii Selbstverwaltungskörper selbstständiger zu machen.
01 und 1894 sprach die Kammer den Wuusch aus, daß Strasenwesen den Kreisen übertragen werde. Die
ige Vorlage sei eine Folge dieser landständigen Wünsche. Kreisen werde kein neues Opfer zugemutet, da könne Aektammer doch nicht„nein“ sagen. Die Oberhessen, gte Redner mit Bezug auf den Antrag Erck, ullten die Straßen wohl uunterhalten haben, ber dafür nichts zahlen. Dem Antrag, die Kreis⸗ ämter wieder aufleben zu lassen, stehe neben anderen nden schon die getrennte Ausbildung der Ingenieure 3 Hochbautechniker entgegen. Muth sprach sich für eigabe der Straßen an den Staat aus; er befürchtet, verde sie sonst wieder deu Gemeinden aufhalsen, und nicht begreifen, daß die Straßenbrücke bei Mainz Uebergang auf den Kreis ausgeschlossen sein solle. begreiflich sei, daß man die Lasten der Allgemeinheit nehmen wolle. Ein von ihm gestellter Antrag unter⸗ beide sich von demjenigen Erck's dadurch, daß er die ertragung auf den Staat direkt ausgesprochen wünsche, ährend Erck nur ein Ersuchen an die Regierung in An⸗ ag bringt. Bergsträßer bezeichnet die Absichten Erck's d Muth's als undurchführbar, bestritt auf das Ent⸗ ebenste, daß die Gemeinden stärker belastet würden und bptestirt dagegen, daß Muth aus dem Fell der besser 1 Städte und Gemeinden Riemen schneiden wolle. uus vorgelegte Gesetz sei ganz vorzüglich, die in Abschnitt vorgesehene Organisation der Bauinspektoren könne nicht atbehrt werden. Dr. Schröder und namentlich Dr. Schmitt ud von der Vorlage anßerordentlich befriedigt, sie sei in ten Einzelheiten vorzüglich ausgearbeitet. Finanzminister Reber erklärte auf Veranlassung Schröders, daß die Re⸗ 2 erung nach reiflicher Ueberlegung zu der Einsicht kam, wlücht eingeluden. 2, iiß das reine Staatsstraßensystem nicht haltbar sei, damit f a i ihr Standpunkt gegen die Anträge Erck und Muth ge⸗ orstand.
unzeichnet. Die Zweite Kammer nahm das Kunststraßen⸗
setz gegen die Stimme des Abg. Muth an.
eokales und Provinzielles. ders zur Erbauung
W. Gießen, 11. Juni. Sitzung der Stadt⸗ serordneten. um 3½ Uhr nachmittags eröffnet Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung. Das Gesuch
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Ynagoge. Duni 1896.
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is Louis Troß zu Gießen um weitere Belassung eines lchtehenden Backsteinhäuschens im Neustädter Feld wird biderruflich auf 1 Jahr genehmigt.— Ebenso wird dem dulob Horr VII von Heuchelheim ausnahmsweise gestattet, im Neustädter Feld am Holzweg ein solches Häuschen zum lefenthalt von Arbeitern Tags über gestattet allerdings chenfalls nur widerruflich.— Gottlieb Nauheimer von gießen hat ebenfalls im Neustädter Feld ein solches äuschen errichtet. Es wird die Belassung desselbeu auf Jahr widerruflich genehmigt.— Dem W. Nachtigall wird widerruflich die Erlaubnis erteilt, ein Gartengeräte⸗ stuschen am Wißmarerweg zu errichten.— H. Schön hat die Besitzung des Feldschütz Hardt am Nahrungsberg nworben. Er beabsichtigt dort einen Aubau aufzuführen, um seine Ziegen unterzubringen. Die Genehmigung hierzu nird gegeben.— Das Gesuch des Brauereibesitzers Georg Uchler auf der Hardt um Erlaubnis zum Bau eines gesselhauses wird gut geheißen.— Ebenso das Gesuch des Gärtners Louis Becker an der Grünbergerstraße ein Treibhaus zu erbauen, sofern dasselbe an der Giebelseite, nelche von der Straße aus sichtbar sein wird, gefällig
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Mörtelbereitung. ien entgegen:
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widerruflich nur gestattet werden.— Ein Baugesuch des Löb Süß für die Wettergasse wird abgelehnt. Gesuch— steller beabsichtigt den größten Teil seines Hofes zu be—⸗ nutzen, um seine Geschäftslokalitäten zu benutzen. Am 15. Februar 1894 wurde dieses Gesuch schon ein Mal abgelehnt und zwar weil es gegen§ 15 der Baupolizei-Ordnung verstößt. Stadtverordneter Schmall fügt an, ob es in dem Falle nicht angehe, dem Gesuch⸗ steller zu willfahren. Der Oberbürgermeister weist darauf⸗ hin daß aus hygienischen Gründen daran festgehalten werden müsse, daß/ der Bebauungsfläche eines Grund⸗ stückes frei bleibe. Stadtverordneter Haubach wünscht zu wissen, ob bei ähnlichen Fällen nicht schon ein Mal von dieser Forderung Abstand genommen sei. Der Oberbürger⸗ meister verneint dies.— Christian Nebe will auf seiner Besitzung in der Zozelsgasse eine Milchkuranstalt errichten Er bittet, ihm die Errichtung eines Zugangs zu seiner Besitzung von der Nordanlage her zu gestatten. Das Gesuch wird genehmigt, wenn der Gesuchsteller das Ge— lände seiner Besitznng, welches außerhalb der Straßen⸗ flucht gelegen, 40—50 Quadratmeter, der Stadt gegen eine Vergütung von 200& überläßt, wenn er dessen Auffüllung derart gestattet, daß daß die Böschung der Regulierung auf seinem, des Nebe, Grund und Boden zu liegen kommt. Diese Auffüllungsarbeit wird gleich⸗ zeitig an Nebe pro Kubikmeter für 1/ übertragen, und wenn er sein Besitztum durch die Herstellung einer Ein— friedigung nach der Nordanlage zu abschließt.— Der Beigeordnete Wolff referirt über die Mißstände beim öffent⸗ lichen Anschlagswesen und deren beabsichtigte Abhilfe durch Erlaß einer Polizeiverordnung und durch Verpachtung der vorhandenen Anschlagstafeln und Säulen an Curt v. Münchow für den Preis von 4 150 pro anno ver⸗ suchsweise vorerst 1 Jahr. Die mit dem Pächter verein⸗ barte Gebühr für einen Anschlag beträgt: Format 21:31 für einen Tag 1, 50 w 2 Tage 2 /, 3 Tage 2 A 50, 7 Tage 3 1 50 3 Format 31:42 1 Dag 2%“, 2 Tage 2„ 0, 3 Tage 3 7 Tage 4, 50„ Format 42:63 1 Tag 3/ 50&, 2 Tage 4, 25, 3 Tage 5 ,, 7 Tage 7, 50 8. Fox mat 63:85 1 Tag 5„, 2 Tage 6, 25&, 3 Tage 7, 50, 7 Tage 12, Größere Plakate finden nur Raum, wenn der Platz vorhan den. Amt⸗ liche Verkündigungen muß der Pächter unentgeltlich an⸗ heften. Derselbe ist auch verpflichtet, Plakate, sie mögen gedruckt sein, von wem sie wollen, zum Anschlag zu bringen. Daß eine Bevorzugung nicht stattfindet, ist durch eine zweckentsprechend vorgesehene Kontrolle gewährleistet. An⸗ kündigungen, welche dem öffentlichen Verkehr dienen, z. B. die Fahrpläne der Omnibus⸗Gesellschaft, deren Anschlag kann vor wie nach in der bisher üblichen Weise überall da vorgenommen werden, wo ein Bedürfnis vorliegt. Diese letztere Bestimmung wurde auf Antrag des Stadtv. Kirch in das Polizeireglement aufgenommen. Das vorgelegte Polizeireglement wurde mit den vorgeschlagenen Abände⸗ rungen der Baudeputation genehmigt. Ebenso der Ver⸗ tragsabschluß nach einem vorgelegten Vertragsentwurf mit Curt von Münchow, nachdem noch der Stadtv. Brück dafür eingetreten, vorerst mit den andern Druckereibesitzern am Platze zu verhandeln, welche Pachtsumme sie etwa für das Recht des Auschlages bieten würden.— Georg Brömer ersucht um die Wirtschafts⸗Konzession für seinen Neubau am Riegelpfad. Sein Gesuch ist am 29. Mai eingereicht. Georg Pfaff hat ein gleiches Gesuch am 30. Mai für seinen Neubau am Riegelpfad eingereicht. Das Bedürfnis aber nur einer solchen Wirtschaft in der Nähe der Oberhessischen Werkstätten wird von der Kom⸗ mission anerkannt und so wird nach dem Prinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, dem Gesuch vom 29. Mai des Georg Brömer stattgegebeu, das Andere hingegen abge— lehnt.— Ein weiteres Gesuch um Erteilung der Er⸗ laubnis zum Wirtschaftsbetrieb des Franz Deter aus Hamburg für Neuen Weg 5(Deutsches Haus) wird ge⸗
chere
gestaltet werden wird. Diese Anlage soll ausnahmsweise
nehmigt. Es folgt eine geheime Sitzung.
W. Gießen, 12. Juni. Das neue Banner unserer Hochschule ist seit heute im Schau⸗ fenster der Kunststick-Anstalt von Schlatter, Neuen Weg, ausgestellt. Die Vorderseite zeigt auf blauem Grunde in der Mitte die beiden hessischen Löwen, welche als Wappenhalter dienen. Ueber dem heraldischen Mittelpunkt des Banners wirkt plastisch die goldene Krone, während unter demselben die fein gegliederte Ludwigskette als Abschluß dient. Ueber dem kunstvoll gestickten Wappen⸗Arrangement befindet sich in Goldstickerei die Inschrift: Academia Ludoviciana, unter dem⸗ selben die Jahreszahl 1896. Die aus weißer Seide hergestellte Rückseite des pomphaften Banners trägt in blauer gold-geränderter Schrift die Devise: Literis et armis ad utrumque parati(zu Wissenschaft und Waffen jeder Zeit bereit). Das Ganze legt Zeugnis ab von der Tüchtigkeit der heimischen Kunst auch auf diesem Gebiete.
„Gießen, 12. Juni. Auf der Liebigs⸗ höhe hat man in ganz großstädtischer Manier im Zeitraum von nicht ganz 8 Wochen den Saal— bau derart gefördert, daß derselbe schon am Sonntag benutzt werden kann. Der am Sonn⸗ tag provisorisch errichtete Musikpavillon fand jedoch nicht den Beifall der Besitzer(Brauerei Ihring-Lich), und so ist dann schleunigst der Auf⸗ trag erteilt, Vorsorge zu treffen, damit auch ev. eine 50 Mann starke Kapelle zweckentsprechend Unterkunft findet. Ebenso sollen noch in diesem Sommer Verandenbauten vorgenommen werden. Eine Einrichtung, die uns in Gießen noch fehlt, soll ebenfalls auf der Liebigshöhe ins Leben ge⸗ rufen werden, nämlich ein ständiger Reunplatz für Radfahrer. Ueberhaupt will die Brauerei Ihring, um es kurz heraus zu sagen, dort oben auf der Höhe ein Etablissement schaffen, das sich sehen lassen kann: einen Volksvergnügungsplatz, wie er uns in Gießen eben fehlt.
* Gießen, 12. Juni. Unsere Handels⸗ gärtner haben sich vereinigt und sind schlüssig geworden, im Herbst dieses Jahres eine Lokal⸗ Gartenbau-Ausstellung ꝛc. in Steins Saal zu veranstalten. Ueber die Zeitdauer, so⸗ wie über die geplanten Unterhaltungen der Be— sucher der Ausstellung wird demnächst weiteres durch die Presse bekannt gegeben.
* Gießen, 12. Juni. Wie wir hören, wird der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Levi, in aller Kürze in den wohlverdienten Ruhestand treten. Herr Levi ist mit seinen 90 Jahren Nestor aller deutschen Rabbiner. Er wirkt seit 67 Jahren in seinem Amte in der Stadt Gießen.
Gießen, 12. Juni. Gegen den Zeugen Pitzer, welcher während der Verhandlung gegen Rothe vor den Geschworenen in Haft ge⸗ nommen wurde, ist auf Antrag der Staats⸗ anwaltschaft das Vorverfahren wegen Meineid eröffnet.
* Gießen, 12. Juni. Unsere Leser erinnern sich der Verhandlung vor der Strafkammer gegen den städtischen Hospitalverwalter Grüneberg. Es scheint, als wenn gegen denselben von der städt. Verwaltung auch noch vorgegangen werden wird, denn der Beigeordnete Wolff hat dieser Tage den im Strafverfahren gehörten Zeugen, welcher
den damals Angeklagten am meisten belastet hat, zu Protokoll vernommen.
Gießen, 12. Juni. Zwischen den männ⸗ lichen Mitgliedern einer umherziehenden Korb⸗ machergesellschaft kam es gestern Nachmittag am Neustädterthor zu einer Schlägerei, wobei das Messer eine Hauptrolle spielte. Einer der Streitenden erhielt einen Stich in das Gesicht und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Der Hauptattentäter hatte sich, als die Polizei am Kampfplatze erschien, schleunigst aus dem Staube gemacht, worauf dann auch die ganze Gesellschaft zur Stadt hinausgewiesen wurde. Gießen, 12. Juni. Nach hier einge⸗ gangener telegraphischer Nachricht von Stutt- gart⸗Cannstadt erhielt auf der dortigen Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts⸗ Gesellschaft die Lahnkalk⸗ und Marmor⸗Industrie Aug. Gabriel jr.⸗Gießen die höchste Aus⸗ zeichnung in ihrer Branche, die einzige kleine silberne Medaille. 142 wurde der Firma in Rücksicht auf ihre hohe Leistungsfähigkeit auch der zweite Preis, die einzige große broncene Me⸗ daille zuerkannt.
Alsfeld, 11. Juni. Unsre in den letzten Jahren sehr im Aufblühen begriffene Stadt ent⸗ behrt bis jetzt immer noch die Annehmlichkeiten einer Hauswasserleitung. Das Bedürfnis nach Anlage einer solchen ist längst vorhanden, und trägt man sich nunmehr mit der Absicht, dem Beispiel andrer Städtchen Oberhessens zu folgen und ebenfalls eine Wasserleitung zu bauen. Es begaben sich daher mehrere Mitglieder des Stadt⸗ vorstandes nach Grünberg, um die dortige neue Wasserleitungsanlage einer eingehenden Besichti⸗ gung zu unterziehen. Unter Führung des Herrn Bürgermeisters Zimmer und des städtischen Wasserwerksbeamten wurden sowohl die Ma⸗ schinen, als auch das Hochreservoir in Augen⸗ schein genommen; auch wurde eine Probe des im höchst gelegenen Stadtteile, auf dem Markt⸗ platze, befindlichen Hydranten vorgenommen. Wie wir hören, sprachen sich die Herren sehr befriedigt über die in ihrer ganzen Ausführung wirklich mustergültige Anlage aus.
Himbach(Kreis Büdingen), 10. Juni. In unsrer Gemarkung haben die Kirschbäume auch in diesem Jahre wieder einen recht reichen Ertrag geliefert. Die der Gemeinde gehörigen Kirschen auf dem sogenannten,Himbacher uche sind vor einigen Tagen für über 1500. ver⸗ steigert worden. Die Käufer sind hiesige Orts⸗ angehörige.
* Mainz, 11. Juni. Gestern wurde hier die Leiche des 17jährigen Otto Grünewald aus Frankfurt a. M. geländet. Der junge Mann war seit März verschwunden und hatte seine Eltern benachrichtigt, daß er sich im Rhein das Leben nehmen werde.
* Aus Rheinhessen, 11. Juni. In vielen Gemeinden unsrer Provinz werden gegenwärtig Viehversicherungs-Gesellschaften auf Gegenseitigkeit gegründet. Durch die Großh. Kreisämter wurden neuerdings in den Gemeinden sogenannte Viehinspektoren ernannt und vereidigt. Das Amt, welches zur Bekämpfung und Verhütung von Viehseuchen, besonders der Maul- und Klauenseuche und Schweinepest ein-
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Gerettet. Von Jenny Piorkowsky.
Wand
14. Zuni:(Nachdruck verboten.) 10 7(Schluß.) „Sie bedauern mich?“ fuhr Jene fort;„und 1 loch, wie wenig bin ich Ihres Mitleids wert! Noch bissen Sie nicht, wie schändlich ich mich an Ihnen 9 bhe terging! Nicht genug, daß ich Ihnen die Diamanten iebigshö kahl,— ich gab Ihnen auch ein Betäubungsmittel,
das Ihrer Gesundheit hätte schaden können. Der Kaffee, welchen ich Ihnen in jener Nacht, als Sie vom Ball heimkehrten, brachte, für den Sie mir noch so innig dankten, enthielt einen Schlaftrunk. — Als es dann zu tagen anfing, schlich ich mich,
Iuummnatid
IL. . Belt
.% während das ganze Haus noch schlief, in Ihr Nigel 915 Ohne Sorge, Sie zu wecken, zog ich die
Schlüssel unter Ihrem Kopfe hervor, bemächtigte Pau 55 1 en und war schon auf dem Wege zur Bahn, bevor Jemand im Hause wach wurde 0 Noch an demselben Tage erreichte ich Hamburg,
Ua. U aum auf der Florida nach Amerika zu reisen. Dort wollte ich das gestohlene Gut zu Gelde machen,
um.... um, ja, um weiterzuschreiten auf der 0 Jede einmal betretenen Bahn von Sünde und Laster. K klbll Aber der Himmel hatte Besseres über mich be⸗ Icchossen!— Wir hatten ersi eine kurze Strecke auf
offener See zurückgelegt, als regnerisches, nebeliges Wetter eintrat; dazu erhob sich alsbald ein gewal⸗
lange Widerstand zu leisten vermochte. Erlassen Sie mir den traurigen Bericht jenes entsetzlichen Schiffbruches, bei welchem der größte Teil der auf dem Schiff Befindlichen zu Grunde ging. Mir ge— lang es, auf einem der kleinen Rettungsbote Platz zu finden; dasselbe ward aber von der hochgehen— den Brandung erfaßt und umgeworfen. Schon schlugen die schäumenden Wellen über meinem Kopfe zusammen, schon sah ich den sicheren Tod vor mir, als ich mich plötzlich von zwei kräftigen Armen erfaßt fühlte.
Mir schwanden die Sinne.
Als ich wieder zum Bewußtsein kam, befand ich mich in einem kleinen Fahrzeug, ein Mann beugte sich über mich, aus dessen Augen es freudig auf— leuchtete, als er sein Bemühen, mich wieder zum Bewußtsein zu bringen, von Erfalg gekrönt sah.
Wir erreichten glücklich das Land, der Mann brachte mich zu seiner alten Mutter, die mich während der langen Krankheit, in die ich bald nach meiner Rettung verfiel, mit rührender Selbstlosig— keit pflegte.
Diese zwei guten edlen Menschen haben mich nicht nur vom Tode gerettet, ihnen habe ich es auch zu danken, daß sie meine Seele von einer schweren Laß befreiten. Franz Hiller, mein Retter, lernte mich lieben und trug mir mit seiner Seele
Menschen ein Gefühl der Reue über meinen bis⸗ herigen Lebenswandel in mir, das mich zurückhielt, seiner Liebe, seinem Vertrauen, das er in mich setzte, mit einem neuen Betrug zu begegnen.—
Ich gestand ihm alles— alles! Und er, der Gute, suchte mein schweres Vergehen noch damit zu entschuldigen, daß mir, unter der Aufsicht einer ge⸗ wissenlosen Mutter halb verwahrlost, nie gelehrt worden war, auf besseren Wegen zu wandeln. Ich suchte mich nicht in seinen Augen besser zu machen, als ich bin, und dennoch strauchelte seine Liebe nicht bei dem Geständnis meiner Sünde und Schande.—
„Ich habe es mir selbst schon hundertfach ge— lobt“, fuhr Sabine nach kurzer Pause tief auf⸗ atmend fort,„und— Gott ist mein Zeuge— hier vor Ihnen leiste ich einen heiligen Eid: keine Schuld der Lüge oder des Diebstahls soll mein Gewissen je wieder belasten! Wie mein Franz mir meine Sünden vergeben hat, so hoffe ich, wird auch der Himmel das Flehen einer Reuigen erhören und mir vergeben.
„Fortan will ich durch mein Leben an der Seite dessen, dem ich auch die Rettung meiner Seele verdanke, meine vergangene Schuld zu tilgen suchen; vielleicht gewährt der Himmel mir, daß ich
Herz und Hand an. Wie beglückte mich diese
eien. 0 Lala„ niger, orkanartiger Sturm, dem das Schiff nicht
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1 20 0
Liebe! Und doch weckte der Edelmut dieser beiden
einst noch der Menschheit mit freiem Herzen und offenem Blick ins Auge sehen kann.— Und nicht
——— wahr, Sie vergeben mir, um... um meines Gottes willen?“
Sie schwieg; heiße Thränen rollten über ihre bleichen Wangen, und ihre vor Erregung bebenden Lippen vermochten auf Irmas warmen Händedruck
nur ein paar unverständliche Dankesworte zu murmeln. „Meine Mission ist erfüllt“, hub sie nach
kurzem Schweigen wieder an,„leben Sie wohl! Vergessen Sie die Sünderin und behalten Sie nur die in Erinnerung, deren ganzes Ziel und Streben es fortan sein soll, sich des tiefen Vertrauens, das ihr Retter in sie gesetzt, auch würdig zu zeigen.“
In der nächsten Minute hatte die Thüre sich hinter ihr geschlossen.
Irma und ihr Gatte sahen sie niemals wieder, doch hatte diese letzte Begegnung sie mit der festen Zuversicht erfüllt, daß Sabine eine Andere ge— worden, daß sie für immer gerettet war.
Humoristisches.
— Richtig.„Die Dame ist in höchster Erregung, haben Sie nicht etwas Niederschlagendes zur Hand?“ „Gewiß, hier meinen Steuerzettel!“
— Unsere Dienstboten. Madame: man mit Ihnen den ganzen Tag schimpfen muß.“
Köchin:„Wie wollten Sie auch sonst die Zeit
„Daß
herumkriegen!“
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