Ausgabe 
13.5.1896
 
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Gießen, Mittwoch, den 13. Mai

1896.

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Ausgabe

Gießen.

Andegzeikung.

RNeedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

ef eff 5 1 Ihre all

N III ben Lokales und Provinzielles. * Surdchalt Gießen, 11. Mai. Der Wonnemond 5 streut, obwohl er noch genugsam mit rauhen

Winden und frostkalten Nächten zu kämpfen hat, immer verschwenderischer seine Gaben; an allen Ecken und Enden strebt üppig das junge Grün er Gräser und Kräuter empor, die Flur belebt sich mit farbigen Blumen der mannig⸗ fachsten Art, und die Baumblüte entfaltet sich 427 1 7* täglich anmutiger und reicher. Die Tannenzweige ind mit kleinen hellgrünen Spitzen geschmückt, die einen würzigen Hauch ausatmen; die Blüten⸗ trauben der Akazien duften betäubend süß, auch die Kastanien fangen bereits an, ihre schwellenden Knospen unter dem Kuß der 111 0 Sonne zu erschließen und die Obstblüte steht sogar 5 1 br ihres Glanzes und wird bald, noch N evor der Mai uns zu Ende ist, vorüber sein. epfel, Birnen, Kirschen, Pfirsiche und Aprikosen locken D zu 100 797 5 1575 i die Aug önnen sich schier nicht satt 1 10 an 1 b li 11 Blütenpracht, die bom artesten Weiß bis ins leuchtendste Rosa hinüber⸗ schilert und dem malerischen Blick eine überaus

keizvolle, fein abgetönte Farbenskala bietet. Leider 1 111 es e viele Bewunderer nicht beim Je

d. Vaatd. pümann, W 0

115 Pewengeß sondern fühlen sich ütenzweige abzubrechen, um sie da⸗ heim, zur ängerung des Genusses, fürsorglich

0 ins Wasserglas zu stellen. Wer einen eigenen Harten und eigene Obstbäume besitzt, der mag 0 5 Unsitte nach Belieben fröhnen; wer sich dagegen zur Befriedigung einer flüchtigen Laune,

sei sie auch zehnmal einem schönen ästhetischen ae entsprungen, an fremdem Eigentum pbelrgreift, der begeht Diebstahl und hat, wenn 11 7 wird, unter Umständen ache dafür du büßen. Möchten das Alle bedenken, die beim Sehen in e geraten, fremde 3 Fun ume ihres mailichen Blükenschmuckes zu erauben. Schädigen sie doch durch ihr leicht⸗ fertiges Thun nicht nur die Bäume um ihre Zier, sondern auch die Besitzer um den Ertrag r Früchte. So Mancher, der sich keck ein 16 een bricht und auf den Hut steckt, tröstet

8 Stillen über den miese Schaden, den er anrichtet, mit der wohlfeilen Erwägung hinweg, daß der geraubte Gegenstand kaum der Rede wert sei, aber ein Zweiter und Dritter thut aus Ader Gründen 71 7 und schließlich steht der arme Baum kahl und entblättert da, denn viele Wenig machen ein Viel, und nichts wirkt ansteckender, als die gedankenlose Zer⸗ störungswut unnützer Hände. Weshalb begnügt man sich nicht mit Blumen, wenn man sein Heim 17 ode herausputzen will? Goldlack, ergißmeinnicht, Stiefmütterchen blühen in Hülle

und Fülle, und das liebliche Maiglöckchen nimmt es an Duft und Anmut mit allen Wundern der Baumblüte auf. Man lasse unsere Obstbäume unbehelligt und halte sich an den Blumenflor, den Mutter Natur freigebig immer von Neuem ergänzt. Blumen sind dazu geschaffen, zu kurzer

S

Augenweide zu dienen und dann hinzuwelken gleichviel, ob auf grünender Flur oder im Wasser⸗ glasse; Obstblüten dagegen sollen nicht nur das Auge erquicken, sondern zur Frucht gedeihen und im Stadium der Reife dem menschlichen Gaumen willkommenes Labsal gewähren. Man entziehe sie nicht diesem erhabenen Beruf, dessen Wichtig⸗ keit unsere Feinschmecker sicherlich am besten zu würdigen wissen!

Gießen 12. Mai. Im vergangenen Jahr bewilligten die Stadtverordneten die Mittel für mehrere Straßenbesprengapparate. Ein Stadtveordneter, welcher damals für diese Anschaffung besonders warm eintrat, führte aus, daß in den Straßen der Altstadt die Besprengung unbedingt notwendig sei. Reichlich wird nun zwar fast täglich durch Anschraubung der Schläuche an die Straßenhydranten eine gründliche Rei⸗ nigung der Rinnsteine in der Altstadt vorge nommen, aber mit demselben dabei verwendeten Quantum Wasser ließe sich auch eine gründliche Besprengung der Straßen gleichzeitig verbinden, indem das vom Straßendamm ablaufende Wasser vollkommen genügte, um auch noch damit die Gossen rein zu halten. Die Ladeninhaber in den Hauptstraßen der Altstadt klagen über die be⸗ lästigenden Staubmengen, welche sich bei Offen⸗ halten der Thüren zu den Verkaufslokalen in diesen ablagern. Es wäre im Interesse der All gemeinheit sehr zu wünschen, wenn von dem reichlichen Wasservorrat, über den die Stadt jetzt verfügt, nur ein kleiner Bruchteil verwandt würde, um Kühlung und so viel als möglich Staub⸗ freiheit in der Altstadt zu schaffen.

* Gießen. 12. Mai. Eine kleine Betriebs- störung wurde gestern Abend auf dem Bahnhof der Strecke Gießen⸗Fulda dadurch hervorgerufen, daß während dem Rangieren ein Güterwagen entgleiste und dasjenige Geleise versperrte, auf welchem der um 10 Uhr eintreffende Personenzug einzufahren hatte. Die Passagiere mußten mußten daher an der Ueberfahrt in der Frankfurterstraße

des Geleises stehen blieb.

Gießen, 11. April. Nachdem sich die Verhandlungen mit der Aktienbrauerei wegen Er⸗ richtung eines Vergnügungs⸗Etablissements auf threm Gelände zerschlagen, wird ein solches nun⸗ mehr an anderer Stelle errichtet werden. Restau⸗ rateur Max Schnacks aus Düsseldorf am Rhein hat die Besitzung des Konsul Heß an der Lahn⸗ straße für Mk. 65 000 käuflich erworben, um dieselben zu einem modernen Volks⸗Vergnügungs⸗ Etablissement umzuwandeln. Die Pläne hierzu sind von deu Architekten Stein und Meyer ent⸗ worfen. 5

* Grünberg, 11. Mai. Unser Bahnhof hat eine größere, durch die Einmündung der Nebenbahn GrünbergLondorf nötig gewordene Vergrößerung erfahren. Es ist jetzt wohl einer der ausgedehntesten der ganzen Strecke Gießen Fulda. Auch das Stationsgebäude er⸗ fährt gegenwärtig eine Renovierung. Da nach Fertigstellung des Viadukts der Uebergang über

aussteigen, woselbst der Zug bis zur Räumung

den Bahnkörper beseitigt worden ist, läßt die Stadt die Verbindungsstraße zwischen der Stadt und dem Viadukt planmäßig herstellen. Dem Vernehmen nach wird auch hier die geplante Kreisstraße GrünbergStangenrod unter Be⸗ nutzung des sog. Stangenröder Wegs einmünden. Wie nunmehr bestimmt ist, wird die Neben⸗ bahn Grünberg-Londorf am 1. Juli l. J. unter entsprechender Feier eröffnet und dem Be⸗ trieb übergeben werden.

W. Allendorf a. d. Lahn., 11. Mai. Unsere Gemeinde befindet sich seit voriger Woche in einiger Aufreguug. Unser Schulmeister, der sehr verschuldet war, ist nach Amerika durchge⸗ brannt. Seine Frau hat der Mann sitzen lassen, sich dafür aber ein anderes weibliches Wesen mitgenommen.

* Lauterbach, 11. Mai. Bei der Bür⸗ germeister wahl würde unser seitheriger Bürgermeister Alexander Stöpler unter recht starker Wahlbeteiligung mit 420 von 422 ab⸗ gegebenen Stimmen wiedergewählt.

* Darmstadt, 11. Mai. Die Bewegung gegen das geplante Verbot des Detail⸗ reisens ist eine immer stärkere geworden, und es ist bezeichnend, daß gerade die Gewerbe⸗ treibenden in den kleineren und Mittelstädten, in deren Interesse augenblicklich das Verbot ge⸗ richtet sein sollte, sich auf das Entschiedenste gegen diese Art vonHilfe wehren, weil sie für sich die schwerste Schädigung besorgen. Klar kommt das in einer aus Darmstadt an den Reichstag gesandten Petition zum Ausdruck, die den Beschluß einer dort am 4. Mai abgehaltenen Einspruchsversammlung wiedergiebt. Es heißt darin: Ganz besondere Schädigung haben die Geschäftsleute der mittleren und kleineren Städte zu befürchten, in deren Interesse angeblich diese Maßregel geschaffen werden soll. Denn gerade in diesen Städten ist eine Anzahl von Kauf- leuten genötigt, ihre auswärtige Kundschaft per⸗ sönlich zu besuchen, einesteils um der erdrückenden Konkurrenz der großen Versandt⸗Häuser zu be⸗ gegnen, andererseits den Schaden wenigstens teil⸗ weise auszugleichen, welcher durch den immer stärker werdenden Zug der Kundschaft nach den roßen Wagrenhäusern der nächst gelegenen Groß⸗ städte entsteht. Wir sind der Ueberzeugung, daß die neuen Formen, welche der Handel finden wird und muß, um den Verkehr mit aus⸗ wärtiger Kundschaft aufrecht zu erhalten, keines⸗ falls den Geschäftsleuten der kleineren Städte zugute kommen, sondern lediglich das Ueber⸗ ewicht der Versandt⸗Geschäfte und großen Waren⸗ häuser vermehren wird. Frkf. Ztg. Darmstadt, 11. Mai. An die Krieger⸗ kameradschaftHassia ist folgende Kabinetts⸗ ordre ergangen: Heute vor 25 Jahren wurde nach schwerem Kampf ein Frieden geschlossen, welcher Zeugnis gab von der Einigkeit, der Größe und Macht, welche die deutschen Heere ihrem Vaterlande erstritten hatten. Groß und unvergänglich wie das Errungene muß die Dank⸗ barkeit sein, vor allem gegen Gott, der die Ge

schicke des deutschen Volkes gnädig lenkte, dann aber auch gegen die, welche Leib und Leben für die höchsten Güter des Vaterlandes einsetzten. In Erinnerung an den ruhmvollen Anteil, wel⸗ chen unter meines Hochseligen Hrn. Vaters Führung die Söhne Hessens an den blutigen Kriegen ge⸗ nommen haben, die zu Deutschlands Einigung führten, bestimme Ich an dem heutigen 25. Jah⸗ restage des Frankfurter Friedens, daß Meine

kameradschaft Hassia alljährlich 500 Mark auszuzahlen hat und daß dieser Betrag in erster Linie zur Unterstützung hessicher Kriegs⸗ veteranen und von Hinterbliebenen solcher zu verwenden ist. Darmsta dt, am 10. Mai 1896. Ernst Ludwig.

Mainz, 11. Mai. Der gesamten Gar⸗ nison wurde gestern durch einen Befehl des Gou⸗

bach verboten, wo die Sozialdemokraten in einem Wirtslokal eine Maifeier veranstaltet hatten.

Mainz, 11. Mai. Das hiesige Gewerbe⸗ 9 hat im Geschäftsjahr 1895/96 im Ganzen 92 Sitzungen abgehalten, davon 52 ohne und 40 mit Zuziehung von Beisitzern. Es waren 444 Klagen erhoben, davon 13 von Arbeitgebern gegen Arbeiter und Lehrlinge, und 431 von Arbeitern und Lehrlingen gegen Arbeitge ber.

hängig gewordenen Sachen durch Vergleich, Ver⸗ fiche 12 Zurücknahme der Klage und 93 durch rteil.

zu Gunsten von Arbeitnehmern. Als Einigungs⸗

auch waren Gutachten auf Ersuchen von Behörden nicht zu erstatten. Wie in dem Vorjahre empfiehlt das Gewerbegericht den Abschluß schriftlicher Arbeitsverträge, da die meisten Streitig⸗

verhältnisses hervorgehen.

* Mainz, 12. Mai. des Oberbürgermeisters mit dem Arbeiterausschuß der Schuhfabrik Reifenberg behufs Bei⸗ legung des Streiks sind gescheitert. Der Fabrikbesitzer erklärte, mit Hilfe einer ameri⸗ kanischen Zwickmaschine den Betrieb ohne die Streikenden aufnehmen zu können. Eine Schuh⸗ e beschloß die Fortsetzung des

treiks.

Vermischtes. n. Wetzlar, 11. Mai. stein gebürtige 17 jährige Metzgerbursche Fritz

Schwanengasse erhängt. Was den jungen

aufgeklärt. Künstliches Leder.

lange ein Versuchsfeld der Erfinder gewesen. Man hat

5

Novelle von Cethegus. ö

Tante Doris. chömber 1 1 5*(Nachdruck verboten.) b Mit welchem Rechte auch ich Frau Rektor Neu⸗ ail bauer als Tante Doris anredete, wäre schwer zu sagen. Wenn ein verwandtschaftliches Verhältnis t fürzwischen uns bestand, so war es jedenfalls von ke. jener verwickelten und verzwickten- Art,; welche nur 0 geübte Heraldiker und ältere Hausfrauen aufzu⸗ Beste dröseln verstehen. Ich lernte Frau Neubauer im kur t... Hause meines Vetters kennen, der mit einer Nichte ie Preh der würdigen alten Dame verheiratet war; da sie Vomac, in diesem Hause niemand anders als Tante Doris , Dire nannte, so fügte auch ich mich dieser bequemen 1 Anrede, und sie hat es mir niemals verboten. e Tante Doris war Witwe. Ihr Gatte war I 9* Leiter einer Erziehung⸗Anstalt gewesen in irgend en belt. u einem sagenhaft entlegenen Orte Ostdeutschlands, in cob 4 welchem auch Tante Doris einst als Pastors⸗ tut e Til töchterchen das Licht der Welt erblickt hatte. In

ben den Kreisen älterer, Pädagogen lebt das Andenken

des Rektors Neubauer noch fort als eines ziemlich bärbeißigen Mannes von tiefen Kenntnissen und 8 e e e Fleiße; übrigens munkelte man, daß diefer Fleiß in einem unter Pädagogen ganz unge⸗ A Nibum er Maße Frucht getragen und den groben Re tor zum reichen Manne gemacht habe. Einige Zeit nach dem Tode ihres Gatten hatte sich Tante Doris dem Zug nach dem Westen angeschlossen und war schließlich in unserer schönen Rheinstadt ange⸗ langt, wo sie von meinem Vetter das zweite Stock

werk seines Hauses mietete. Dort wohnte sie in⸗

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mitten einer Ueberfülle sorgfältig geordneter alt fränkischer Möbel, in Gesellschaft eines alters- schwachen Kanarienvogels und einer gleichfalls schon allen Versuchungen der Jugend entrückten Magd, welche nur das Notwendigste sprach, und dies Wenige in einer polnisch-deutschen Mundart, die ich meinesteils niemals enträtseln konnte. Uebrigens schloß sich Tante Doris keineswegs von ihren Ver⸗ wandten ab. Allabendlich erschien sie freundlich nickend im Familienzimmer, von Allen zuvorkommend begrüßt, um in ihrem weichen Polstersessel Platz zu nehmen, mit jener zierlichen Steifheit, welche sie vor einigen sechzig Jahren in dem Honoratorien⸗ tänzkränzchen ihrer weltfernen Heimat erlernt haben mochte. Ich sehe ihr gutmütiges, etwas schläfriges Gesichtchen noch vor mir, init den halbgeschlossenen Aeuglein und den sechs grauen Wickellöckchen an den Schläfen, je drei auf einer Seite. Ihre übrige Frisur verbarg sich unter einer weißen Haube, und oben auf dieser Haube wiegte sich schalkhaft ein buntes Schleifchen, für jeden Wochentag in einer anderen Farbe, man konnte danach so sicher gehen wie nach einem Wochenkalender. Das gehörte nun einmal zu ihren Eigenheiten. Sie hatte aber dieser Eigenheiten so viele, wie Löcher auf einem Finger hut, und es waren einige recht unbequeme darunter. Mag sein, das ich mich einmal in der ersten Zeit darüber gegen meinen Vetter unter vier Augen etwas verwundert ausließ; jedenfalls exinnere ich mich, daß er mir mit einem gewissen trüben Lächeln sagte:Lieber Freund, ich bin ein höherer Justizbe⸗ amter ohne Vermögen, muß kepräsentieren, habe

früh geheiratet und blicke nun auf zwei heirats⸗ fähige Töchter; da muß man auf eine kinderlose Tante schon alle Rücksicht nehmen, abgesehen davon, daß sie die pünktlichst zahlende Mieterin ist und sich überhaupt nichts schenken läßt.

Mit den zwei Töchtern hatte es seine Richtig⸗ keit. Die ältere, Helene, galt von klein auf als Familienschönheit und wurde auch dem entspechend behandelt. Mit ihren dunklen, kunstooll gekräuselten Haaren über der weißen Stirn, mit den schmalen, sorgfältig gepflegten Häuden und der ganzen schlanken, vielleicht etwas überschlanken Figur war sie ohne Zweifel die interessanteste Erscheinung der Kasinobälle und Abendgesellschaften. Obendrein verstand sie eine ganze Reihe weiblicher Fertigkeiten edelster Art: sie häkelte und stickte wundervoll, spielte Klavier und sang dazu, zeichnete und malte in Oel und Wasser; auch nähte sie jedes Jahr in der Adventszeit mit Hülfe des Zweitmädchens ein Dutzend Nesselhemden für axme Kinder, und auf Gesellschaften in ihrem Elterahause pflegten bei Tisch gewiß kleine Kuchen, mit eingemachten Früchten gefüllt, zu erscheinen, welche Helene laut Versiche⸗ rung der Mutter ganz allein zubereitet hatte. Von all diesen Vorzügen besaß ihre jüngere Schwester Martha leider so gut wie garnichts. Sie war ein gutes rundliches Blondköpfchen, ein sogenanntes Pusselchen, mit einer Stulpnase und einem unver⸗ kenubar etwas breit geratenen Munde; übrigens war sie brav und fleißig, verfügte über eine Heiter⸗ keit des Gemüts, welche nicht einmal durch ihre beständige Unterordnung unter die schöne Schwester

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beeinträchtigt wurde, und hatte eine ganz merk⸗ würdige Fähigkeit, mit Kindern und mit brummigen Junggesellen wie ich zum Beispiel fertig zu werden. Bei alledem war wenig Aussicht vor⸗

einigen Standesbedenken seufzend darin gewilligt, daß sie sich zur Lehrerin ausbildete. Zur Zeit, als ich Tante Doris kennen lernte, stand Martha gerade am Abschlusse ihrer Studien.

Allen, schöne! Helene, dienstwillig und freundlich war. Auch war sie in der That die Einzige, durch welche sich Tante Doris ab und zu veranlassen ließ, an der allgemeinen Unterhaltung lebhafter Teil zu nehmen.

hörte. Meist saß sie schweigend in ihrem Lehnstuhl,

Glase Rheinwein nippend. es dann, daß sie ein paar Mal mit ihrer runzeligen

mit niedergeschlagenen Augen ganz leise und sanft

Gespräch zu passen schien und einein Witz ohne Pointe so ähnlich sah wie ein Ei dem andern.

(Fortsetzung folgt.)

Kabinettskasse an das Prästdium der Krieger⸗

vernements der Besuch des benachbarten Mom⸗

Erledigt wurden 344 oder 77,48 pCt. aller an-

U Von den 93 Urteilen ergingen 45 zu 1 Gunsten der Kläger und 48 zu Gunsten der Be⸗ klagten, 51 zu Gunsten von Arbeitgebern und 2

amt trat das Gewerbegericht nicht in Thätigkeit, ö

A Die Verhandlungen

Der aus Hermann⸗

Heger hat sich gestern in einer Scheuer der Menschen zu dieser That getrieben, ist noch nicht 9

handen, daß Martha auch nur von dem Abfall der glänzenden Aussichten ihrer Schwester etwas mitbe⸗ käme, und so hatten die Eltern schließlich nach

Sie sah etwas abge⸗ arbeitet aus und dalerte mich ordentlich. Um so mehr fiel es mir auf, mit welcher Herzlichkeit sie der alten Tante Doris so gut wie der

Denn in der Regel griff Tante Doris in das Gespräch nur auf eine Art ein, welche jedenfalls zu ihren merkwürdigsten Eigenheiten ge⸗

keiten aus unzulänglicher Regelung des Arbeits⸗ 1

Die Herstellung künst⸗ lichen Leders zur Sohlen- und Absatzfabrikation ist schn

scheinbar halb schlafend und nur mitunter an ihrem

Plötzlich aber geschah

Rechten die Falten ihres Kleides sanft glättete und 1

eine Bemerkung einschob, die zumeist gar nicht zum 0