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rine zu genießen.
Gießen, Sonnabend, den 12. September
1896.
ssche Landeszeitung
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Ausgabe
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Aus dem Handelskammerbericht. II
Die Handelskammer hat sich u. A. auch mit
der Währungsfrage beschäftigt. Einmütig
mit dem ganzen deutschen Handelsstand sprach
sich die Kammer für die bestehende Wäh⸗
rung aus. Dem in Berlin gegründeten Verein
15 Schutze der deutschen Goldwährung trat ie hiesige Kammer als Mitglied bei.
Das Margarinegesetz lehnte die Kammer schlankweg ab. Es heißt in dem Jahresbericht: „Die Kammer verharrte in der schon in früheren Jahren eingenommenen ablehnenden Stellung gegenüber jeglichen die Margarine⸗ fabrikation einschränkenden gesetzlichen Bestim⸗ mungen, indem sie die Berechtigung der Margarine⸗ fabrikation darin begründet sieht, daß dieselbe ein billiges und gesundes Volksnahrungsmittel schafft. Wie im Jahre 1894 eine bezügliche Eingabe der Handelskammer zu Frankfurt a. M. unterstützt wurde, so befürwortete die Kammer im Berichtsjahre eine die ganze Materie in aus⸗ führlicher Weise behandelnde Petition des Königl. ommerz⸗Kollegiums zu Altona.“
Z3bwetfellos ist die Margarine ein weiteren Volkskreisen unentbehrlich gewordenes Volksnah⸗ rungsmittel. Die Bestrebungen der Agrarier gingen bekanntlich darauf hinaus, dem Volke die Marga⸗ rine zu vereckeln. Die Margarine sollte entweder intensiv 1 werden— blau, grün oder rot — oder aber es sollte überhaupt verboten sein, sie zu färben. Das war gehüpft wie 2 Das eine sowohl wie das andere edeutete eine Vereckelung der Margarine, die ungefärbt eine nicht sonderlich appetit⸗ liche graue Farbe hat. Nach Ansicht der Agrarier hatte man also die Wahl: entweder ungefärbte graue oder gefärbte blaue Marga⸗ Daß ein solch buntes Butter⸗
brot nicht gerade appetitförderlich ist, leuchtet ein.
Das war aber auch seitens der Agrarier bezweckt. Sie wollten dem Volke die Margarine ver⸗
eckeln. Sie glaubten, daß die Bevölkerung von — der Kunstbutter zur Naturbutter zurückkehren
Es ist erfreulich, daß die hiesige Handelskammer
werde. Die Herren Junker und ihre Trabanten dachten leider nicht daran, daß die geringeren Volksklassen die Margarine nicht genießen, um die Naturbutterproduzenten zu ärgern, sondern daß sie zu der billigen Kunstbutter greifen, weil sie die teuere Naturbutter nicht zahlen können.
Das einzige Gute an dem Entwurf waren die Bestimmungen über die schärfere Bekämpfung des Betruges, der dadurch ausgeübt wird, daß 4 und da Margarine zum Preise der Natur⸗ butter verkauft wird. Solche Bestimmungen hätten im Reichstage auch eine Mehrheit gefunden.
die Junkerbestrebungen bezüglich der Marga⸗
—
rine ebenso energisch zurückwies, wie den An⸗ trag Kanitz und den Bimetallismus.
Bekanntlich haben ja diese drei Junkerwünsche auch im Reichstage keine ausreichende Gegenliebe gefunden.—
Die inzwischen Gesetz gewordene Vorlage der Regierung betreffend den unlauteren Wett⸗ bewerb fand den Beifall der Kammer.
Ob dieses Gesetz das halten wird, was sich viele von ihm versprechen, ist mehr als zweifel⸗ haft. Unzählige Prozesse werden das erste sein, was dieses Gesetz im Gefolge hat.
Wenn es wirklich gelingen sollte, bei allen Geschäftsleuten absolut zuverlässige Angaben über ihre Waren und ihren Betrieb zu erlangen, dann wird das dem Handwerk wie dem kleinen Kauf⸗ mann nicht sonderlich viel nützen.
Die Hauptfeinde des Handwerks und des Kaufmanns sind die geldmächtigen Großfabri⸗ kanten und Bazarinhaber. Die haben es aber nicht nötig, unwahre Angaben zu machen.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 11. September. Uni versitäts⸗ Neubauten. An der Zugangsstraße zu der erst in diesem Jahre fertig gestellten Psychiatrischen Klinik hat der Staat im vergangenen Jahre mit einem Kosten⸗ aufwand von ca. 130 000 Mark, die Errichtung eines weiteren wissenschaftlichen Instituts begonnen, welches in wenigen Wochen vollendet sein wird. Wir meinen das nach Plänen des Bau⸗Bureaus für Universitäts⸗Neubauten errichtete Hyginische Institut. Der Bau macht in seiner ganzen Durchbildung einen ruhigen, vornehmen und monumentalen Eindruck, er fügt sich den Bauten unserer Kliniken, soweit sie auf dem Seltersberg errichtet sind, harmonisch an nnd bildet doch für sich ein charakteristisches Ganze. Das Hauptgebäude welches eine Front von etwa 40 Metern besitzt, liegt etwas höher als das Niveau der Straße und wird von dieser durch einen 12¼ Meter breiten Vorgarten getrennt. Von der Straße führt eine breite, steinerne Treppe, den Vorgarten terassenartig querend, direkt zu dem Hauptportal des Hauses. Eine geschmackvolle Sandsteinarchitektur giebt dem Mittelbau und somit dem ganzen Gebäude einen vornehmen An⸗ strich. Die Facade des etwas höher gehaltenen Mittelbaues so⸗ wohl als auch die der beiden Flügelbauten ist bis zur Fenster⸗ höhe des Parterregeschosses aus quadratisch behauenen Werk⸗ steinen ausgeführt, worauf sich bis zur ersten Etage roter Verblendziegelbau anfügt, während diese selbst mit leder⸗ farbenen Verblendern, durch Linien aus rotem Material wirkungsvoll gehoben, ausgeführt wurde. Kräftige, aber einfach gehaltene graugrüne Sandsteinumrahmungen der Fenster dassen sich den Formen der etwas reicheren Sand⸗ steinarbeiten des Portals im Mittelbau harmonisch an. Ein hinter dem Hauptgebäude besonders errichtetes Ge⸗ bäude, welches als einfacher Verblendbau gehalten ist, wird als Unterkunft für größere Versuchstiere dienen und schließt gleichzeitig einen Verbrennungsofen in sich, vermittels dessen die Tierkadaver vernichtet werden, nachdem dieselben wissenschaftlichen Zwecken gedient haben. Die Bedachung des Mittelgebäudes besteht aus einem mit Schiefer ge⸗
deckten Zeltdach, während die Dachung der Seitenbauten teils in Schiefer⸗, teils in Holzcementdeckung ausgeführt wurde. Das Institut, welches spätestens Ende Oktober zur Benutzung übergeben werden soll, und auf einem ca. 3900 Quadratmeter großen Gelände eine Bebauungs⸗ fläche von ca. 750 Quadratmeter umfaßt, wird nach seiner Fertigstellung von einer parkartigen Anlage umgeben sein. Der Bau wird für unsere Vaterstadt eine Zierde ersten Ranges werden.
Gießen, 11. September. Die Gendarmerie verhaftetete heute den Tischler Peter Biehl von Schwalbach, welcher seit voriger Woche hier Wohnung genommen. Derselbe wird von Wetzlar aus steckbrieflich wegen Unterschla— gung verfolgt.
Gießen, 11. Sept. Vergangene Nacht ver⸗ unglückte ein junger Mann dadurch, daß er beim Nachhausegehen von dem Trottoir auf der Mäus⸗ burg ausglitt und hierbei ein Bein brach.
Gießen, 11. Sept. Die Akrobaten⸗ Familie Knie, welcher bekanntlich der beste Ruf vorausgeht, ist hier eingetroffen und wird morgen Samstag Abend auf dem Brandplatz einen Cyklus von Vorstellungen eröffnen. Die Künstlerschar ist keineswegs zu verwechseln mit derjenigen Truppe, welche vor kurzer Zeit unter gleichem Namen mit nur wenig Erfolg hier gastierte. Die morgen hier auftretenden Künstler sind teils Kinder und Angehörige, teils Schüler des weltbekannten Akrobaten und Seil⸗ künstlers Knie, dessen Tod erst vor kurzer Zeit durch die Blätter gemeldet wurde.(S. Inserat.)
* Lollar, 11. September. Zu leicht be⸗ funden wurde vor wenigen Tagen ein Laib Brod, den ein Mitglied des Konsum⸗Vereins bei einem hiesigen Bäckermeister gekauft hatte. Beim Nachwiegen stellte sich heraus, daß drefi⸗ viertel Pfund am eigentlichen Gewicht fehlten. Wir lassen es dahin gestellt sein, ob hier ein Versehen oder absichtliche Uebervorteilung vorliegt, jedenfalls könnte von Zeit zu Zeit un⸗ erwartete Revision des Gewichts von Seiten der Behörde nichts schaden.
Friedberg, 10. Sept. In der verflossenen Woche wütete in der Gemarkung Steinfurth ein heftiger Wirbelsturm, der an einzelnen Stellen beträchtlichen Schaden anrichtete. Schon ziemlich kräftigstämmige Bäume wurden aus dem Boden gerissen und eine Strecke weit fortge⸗ schleudert. Das Obst wurde massenweise von den Bäumen geschüttelt.
* Darmstadt, 10. Sept. Nachdem der preußische Entwurf einer Abänderung der Gewerbeordnung nebst Begründung ver⸗ öffentlicht worden ist, hat die hesstsche Zentral⸗ stelle für die Gewerbe im Großherzogtum Hessen eine Aeußerung der Vorstände der Ortsgewerbe⸗ vereine, sowie auch einzelner Mitglieder des Landesgewerbevereins bis spätestens 10. Oktober d. J. darüber für wünschenswert erachtet:
1. Ob ein Bedürfnis zum Erlaß so eingehender Bestimmungen zur Herbeiführung einer Zwangs⸗ organisation für das Handwerk im Großherzog⸗ tum Hessen anzuerkennen ist, 2. ob die Bestim⸗ mungen des Gesetzentwurfs geeignet sind, eine Besserung in den Verhältnissen des Handwerks herbeizuführen, 3. welchen Einfluß der Entwurf, wenn er Gesetz würde, auf den Bestand des Landesgewerbevereins äußern wird, 4. im Falle der Verneinung der Frage 1 und 2, welche andere Maßnahmen elwa zu ergreifen sein wür⸗ den, um das, was der Entwurf aensc er⸗ strebt: genossenschaftlicher Zusammenschluß des Handwerks und bessere Ausbildung der Lehrlinge für ihren Beruf zu erreichen.
* Offenbach, 10. September. Von be⸗ freundeter Seite wird dem hiesigen Abend⸗ blatte mitgeteilt, daß am Samstag in Darmstadt in der Kaserne des 115. Infanterie⸗ Regiments eine große Spind durchsuchung nach sozialdemokratischen Schriften stattgefunden hat, bei welcher nichts gefunden wurde. Eine frühere Spindrevision war nicht so gut verlaufen, denn ein Soldat wurde mit der schweren Strafe von 14 Tagen Arrest be⸗ legt, weil bei ihm eine Nummer des„Offen⸗ bacher Abendblattes“ gefunden wurde. Der junge Mann ist aus einem Nachbarorte und hatte von seinen Angehörigen eine Sendung Nahrungs⸗ mittel erhalten, welche in das erwähnte Blatt verpackt waren.
* Mainz, 10. September. In der letzten Nacht verstarb im hiesigen Rochushospital ein Schlosser aus Großgerau, den man gestern Abend mit einer Schußwunde auf der Gustavs⸗ burg schwer verletzt aufgefunden hatte. Die Gendarmerie hat einen Mann aus Sprendlingen in das hiesige Gefängnis eingebracht, der eines Raubmordversuches verdächtigt wird.
* Mainz, 10. September. Zwei jugend⸗ liche Durchgänger aus Eltville, von welchen der eine reichlich mit Geld versehen war, hat die Polizei heute hier festgenommen und die Eltern benachrichtigt.— Von dem im preußisch⸗hes⸗ sischen Staats bahnbetriebe zur Verwen⸗ dung kommenden neuen Fahrmaterial sind bis jetzt im Ganzen 12 Personenwagen III. Klasse eingetroffen. Dieselben sind in der Waggonfabrik von Gebr. Gastell in Mombach erbaut und führen die Aufschrift Groß h. Hessische Staatseisenbahn. Sie sind zweiachstg, und durchgehend und zu acht Sitzabteilungen eingerichtet, wovon die eine Hälfte für Raucher, die andere Hälfte für Nichtraucher und Frauen bestimmt ist. Entgegen der seitherigen Heizvor⸗ richtung laufen in diesem Wagen die Heizrohre längs des Bodens der Seitenwände hin, wodurch eine geichmäßigg Temperatur erzielt wird.
* Mainz, 10. Sept. Das„Mainz. Journ.“ ist in der Lage zu erklären, daß Herr Pfarrcu⸗
ö Marja, das Heldenmädchen
von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Von der stillen Farm, das wußte sie aus frühe⸗
ken Beobachtungen, führte eine breite Reitspur nach
Westen— der Weg, welchen die sehr zahlreichen berittenen Verschwörer genommen und für das Auge der Wüstenbewohnerin deutlich erkennbar ge—
macht hatten.
An der Stelle im Buschland angelangt, wo die Verschwörer Halt gemacht hatten und dem An⸗
scheine nach abgesessen waren, stieg auch sie vom
Pferde. Sie sagte sich, daß Leute von so ausdauernder Reitkraft hier nicht abgestiegen waren, um zu rasten. Sie mußten eine andere Absicht damit ver⸗
— bunden haben und die konnte nach Marja's Ansicht 1
nur die sein, hier den Leichnam des im Kampfe
Erschossenen zu verscharren.
Was erst nur ahnend in ihrer Seele aufge⸗ stiegen war, der Verdacht, daß der Deutsche nicht der Führer, sondern das Opfer der Verschwörer ge⸗ worden, hatte sich jetzt schon mehr zur Gewißheit gesteigert. Sie wollte den Mann ihrer Wahl un⸗ schuldig wissen, und ihr erstes Bestreben ging da⸗
bin, nach Beweisen hierfür zu suchen, selbst für den Fall, daß ihr e ite blieb, als am Grabe des
ungerecht Ermordeten für sein Seelenheil zu beten und ihren Racheschwur zu erneuern. Ihrem Falkenauge entging nichts, Spur, und die Spuren, das heißt, di Fußeindrücke waren hier, in dem weichen boden erst leicht erkennbar. Es dauerte auch gar nicht lange, so erkannte arja, daß eine vereinzelte Hufspur an dieser Waldstee zu dem Haufen der übrigen Pferde
keine leiseste die Huf⸗ und 5 Wald⸗
heranführte.— Heran— und nicht hinweg von der Raststätte.
Das war doch sonderbar..
Marja ging in gespannter Erwartung jener Spur nach.
In nicht zu weiter Ferne kennzeichnete sich die Stelle, wo die Verschwörer den ahnungslosen Flücht⸗ ling überrascht und diesmal ohne Kampf in ihre Mitte genommen und fortgeführt hatten.
Marja stand vor einem Rätsel. 37
Fußeindrücke ringsum machten es augenfällig, daß die abgesessenen Verschworenen den einsamen Reiter hier erwartet und zu der Stelle geführt hatten, wo sie selbst ihre Pferde zurückgelassen.
Kopfschüttelnd und auf's Neue von beun⸗ ruhigenden Zweifeln befallen, hatte Marja die ver⸗ einzelte Pferdespur noch eine Strecke weit verfolgt und nun erkannt, daß dieselbe in gerader Linie nach der stillen Farm hinwies, während die große Zahl der Verschwörer um diese gerade Linie herum einen Halbkreis beschrieben hatten.
Ein solches Zusammentreffen konnte ein rein zufälliges sein, umsonst würden die Reiter ihre Pferde nicht an anderer Stelle verlassen haben, um die Strecke bis hierher zu Fuß zurückzulegen.
Das konnte nur auf Grund einer Verabredung geschehen sein und ferner sagte sich Marja, daß man so nicht einen gewöhnlichen Genossen, sondern nur einen Führer empfange. 5
Wenn der Deutsche nun doch jener Führer war? Wenn er diesen einsamen Weg einschlug, um die Verfolger von seiner Fährte abzulenken? Das wäre ein Beweis dafür, daß er mehr zu fürchten hatte, als sie alle, oder daß seine Bewah⸗ rung vor Gefangenschaft oder Verwundung richtiger war, wie die Aufhebung und Vernichtung der
ganzen Bande. Die Wiedervereinigung nach Be⸗ seitigung der Gefahr war gelungen und gemeinsam
setzten die Verschwörer dann ihre Flucht nach der
Westgrenze fort.
Marja konute nichts Anderes denken, und da
imz weiten Umkreis der Hauptlagerstätte die Erde nirgends gelockert war, dürfte sie sich versichert halten, daß man hier einen Toten nicht verscharrt atte. f Immer neue Rätsel reihten sich an das erste. Das Bild des Deutschen begann sich auf dem klaren Spiegel ihrer Seele, wo es so lange im Schimmer einer schönen Verklärung geruht, noch einmal zu trüben. Ihre eruste Auffassung war doch die richtige gewesen— er gehörte zu diesen Leuten und kaum durch sie dem Tode des Verschmachtens ent— rissen, hatte er seine letzten Kräfte aufgeboten, um jene zu erreichen.
Neue Kämpfe, neue Schmerzen rasten in der Brust der Unglücklichen. Und doch mußte sie auf ihrem Wege beharren, denn das Vaterland war in Gefahr. Ihre Thränen gehörten dem verlorenen, Geliebten, ihre Thaten dem Vaterlande. Dem mußte sie dienen.
Nachdem Marja am Ufer des Nyl angelangt war, erkannte sie, daß die Reiter durch eine hier befindliche Furth hindurchgegangen waren, was sie einigermaßen überraschte, denn sie hatte gehofft, daß die Spur nach der Stadt Nylstrom führen und sie dort vielleicht den wahren Verschwörungsherd ent— decken würde.
Erst nach Durchquerung des Flusses erkannte sie, daß das Gros der Reiter am jenseitigen Ufer zurückgeblieben war und daß nur eine kleine Kaval⸗ kade den Wüstenritt nach der Westgrenze zu fort— gesetzt hatte.
Marja kehrte sofort noch einmal um und stellte fest, daß die Abreitenden sich in zwei Haufen ge⸗ teilt hatten, deren einer in der Richtung auf Pretoria, der andere auf die nahe bei einander
liegenden Goldfelder von Pietersburg und Leydsdorp zugeritten war. Das entsprach auch ganz ihrer Voraussetzung, ergaben doch die Aufzeichnungen auf dem von ihr gefundenen Papier, daß bei jener nächtlichen Zusammenkunft auf der stillen Farm Vertreter aus allen Gauen des Transvaal zugegen gewesen waren.
Wohin aber wollten die nach Westen gehenden Verschwörer? Da gab es keine Goldfelder und keine Ortschaften. Wollten sie hier in der weglosen Wild⸗ nis'twa einen geheimen Verschwörungssitz, eine Lagerstätte für Waffen und Munition finden? Wies die Spur nach Betschuanaland?
Marja mußte jetzt auf Alles gefaßt sein.
Sie schlug an einer verdeckten Stelle ihr Lager auf und setzte in der Frühe des nächsten Tages ihren einsamen Ritt ins Unbekannte fort, nachdem sie zuvor noch ihr Gesicht und ihre Hände mit Erde abgerieben hatte, um sich nicht durch die Zartheit ihrer Haut als verkleidetes Weib zu verraten.
Am Nachmittag dieses Tages sah Marja in einiger Entfernung von der Reitspur, die sie sorg⸗ samst verfolgt hatte, eine Rauchsäule aufsteigen.
Sie wollte die Möglichkeit, vielleicht von An⸗ siedlern etwas Näheres zu erfahren, nicht unbenutzt lassen, merkte sich genau die Stelle, wo sie die weiter nach Westen führende Fährte verließ und ritt dann seitlich in gerader Linie auf die Rauch- säule zu.
Marja wandte bei der Annäherung jede ge⸗ botene Vorsicht an. Sie fand nicht, was sie er⸗ wartet, eine Farm, sondern ein Wilden-Camp, in welchem glücklicherweise zur Zeit nur Weiber, Greise und Kinder anwesend waren.
Marja ritt heran, das Gewehr in der Rechten, die Zügel in der Linken haltend.
(Fortsetzung folgt.)


