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zur Stunde noch nichts.— Die Darmstädter werden ihr blaues Wunder erleben.
* Mainz, 9. Oktober. Wie bestimmt ver⸗ lautet, wird die definitive U bernahme der Hessischen Ludwigseisenbahn in Staats⸗ betrieb nicht schon am 1. Januar 1897, sondern erst am 1. April 1897 stattfinden.— Die Wahl der Landtagsabgeordneten durch die Wahlmänner wird künftigen Mittwoch vor⸗ mittags 11 Uhr in dem Stadtverordnetensaal vorgenommen.— Gestern Mittag ist der Tage⸗ löhner Michael Kir sch fünf Stockwerk
och von einem Neubau Ecke der Kurfürsten⸗
abe und des Frauenlobplatzes abgestürzt. Er erlitt einen doppelten Schädelbruch und sonstige Verletzungen und blieb auf der Stelle tot. Die Mutter hatte dem Sohn den Vieruhr⸗ kaffee gebracht und rief ihm„Michel“ zu, in diesem Augenblick drehte sich der Sohn, that einen Fehltritt und stürzte in die Tiefe. Ein jüngerer Bruder des Verunglückten hat in der letzten Woche in einer hiesigen Fabrik drei Finger verloren. 5 5 5
* Mainz, 9. Okt. Die Errichtung eines städtischen Arbeitsamtes beschäftigte gestern den juristischen Ausschuß. Die Regierung in Darm⸗ stadt hatte dem von hier eingereichten Statut die Ge⸗ nehmigung versagt, während inzwischen die Statuten der Städte Worms und Gießen genehmigt wurden, obgleich das Gießener Statut den sogen. Streikparagraphen enthält, der in dem Mainzer Statut fehlte. Der juristische Ausschuß will nun das Gießener Statut auch für Mainz acceptieren und es dem Ministerium zur Genehmigung empfehlen.
Schwurgericht. W. Gießen, 10. Oktober. (Fortsetzung.)
Die den Geschworenen vorgelegten Fragen lauten, für jeden Angeklagten einzeln formuliert: Ist der Ange⸗ klagte schuldig: 1. des Aufruhrs? 2. des Landfriedens⸗ bruchs? 3. des Widerstandes gegen die Staatsgewalt? 4. einen Gefangenen befreit zu haben? Bei jeder Frage ist die Hilfsfrage nach mildernden Umständen gestellt.
Nach Beendigung der Mittagspause nimmt der Ver⸗ treter ber Staatsbehörde, Gerichtsassessor Dr. Friedrich, das Wort zur Begründung der Anklage. Er ist der Meinung, daß sich die That der Angeklagten nach der Beweisaufnahme als Aufruhr qualifiziert. Zwar wolle er von vornherein gestehen, daß die Staatsbehörde auf Zubilligung mildernder Umstände plaidieren werde. Dr. Friedrich geht nun dazu über, die rechtliche Seite der Fragen, welche zur Beurteilung den Geschworenen gestellt sind, zu erläutern, wobei er die Unterschiede zwischen dem Aufruhr und dem Landfriedensbruch scharf von einander abgrenzt. Nach der Beweisaufnahme waren es mehrere, die die Angriffe gegen die Gendarmen machten, es genügt dies, um eine Zusammenrottung anzunehmen, wenn die Gefahr für die Angegriffenen eine hochgradige gewesen sei, und daß dies der Fall, davon ist wohl jeder überzeugt. Der Staatsanwalt ist der Meinung, daß die Frage des Aufruhrs zu bejahen sei.
Der Verteidiger des Angeklagten Vitt, Rechtsanwalt Dr. Fuhr, nimmt hierauf das Wort, um an Hand des Strafgesetzes nachzuweisen, daß, wenn Mehrere eine That begehen, noch lange keine Zusammenrottung von Menschen vorhanden ist. Warum klagt man die Leute nicht an wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, warum stempelt man deren Thun zum Verbrechen? Es sei nicht zu verkennen, daß die Gendarmen den verhafteten Schade nicht sehr zart behandelt haben, als sie ihn am Festplatze vorbeiführten, um ihn nach Butzbach zu bringen. Und nur aus menschlichem Gefühl, aus Mitleid mit dem Ge⸗ fangenen haben sich die Leute hinreißen lassen, sich mit den Beamten anzulegen. Nie und nimmer, meint der Verteidiger, können nach Lage der Sache die beiden ersten Fragen bejaht werden, und daher bitte er die wegen seines Klienten Vitt an die Geschworenen gerichteten beiden ersten Fragen zu verneinen. Wenn sein Klient schuldig sei, so könne das höchstens ein Widerstand gegen die Staatsgewalt sein. Der Verteidiger bittet, dem Vitt auch mildernde Umstände zu bewilligen.
Die Rechtsanwälte Rosenberg II, Hirschhorn und Metz sprechen sich in ähnlicher Weise zu Gunsten
ihrer Klienten aus. Herr Metz weist darauf hin, daß sich die Gendarmen ganz und gar nicht in berechtigter Ausübung ihres Dienstes befanden, als sie den Schade
nach Butzbach schaffen wollten. Nicht mit kalter Ueber⸗ legung, wie der Staatsanwalt behauptet, haben die Be⸗ amten gehandelt, die am 12. Juli den Schade geschlossen am Festplatze vorbei nach Butzbach schafften. Als be⸗ sonnene, überlegte Männer hätten dieselben das Rekontre voraussehen müssen und mit dem Gefangenen⸗Transport um das Dorf herum einen anderen Weg einschlagen sollen. Soviel stehe fest, daß Beweise für die Schuld seines Klienten Stein nicht erbracht seien, weshalb er um dessen gänzliche Freisprechung bitte.
Auch Rechtsanwalt Kraft plaidiert für die Frei⸗ sprechung des Häde, der als harmloser Zuschauer bei der ganzen Affaire dabei gewesen.
Der Staatsanwalt tritt selbst dafür ein, daß den Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen seien. Das Verbrechen, welches diese begangen, sei zwar schwer, aber die Leute waren angetrunken.
Rechtsanwalt Dr. Fuhr sprach noch namens aller Verteidiger, worauf nach geschehener Rechtsbelehrung die Geschworenen sich zurückzogen.
Nach„ stündiger Beratung verkündete der Obmann, Georg Steinhäuser von Friedberg, den Spruch der Ge⸗ schworenen. Er lautete für sämmtliche Angeklagte auf nichtschuldig weder des Aufruhrs, noch des Landfriedens⸗ bruchs, dagegen auf schuldig des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und der Gefangenenbefreiung, begangen als eine einheitliche Handlung. Die Frage nach mildern⸗ den Umständen wurde für Vitt und für Ferdinand Joh. Fischer verneint, für die 3 anderen Angeklagten bejaht.
Der Staatsanwalt beantragt darauf gegen Vitt ein Jahr, gegen Ferd. Joh. Fischer acht Monate, gegen Friedrich Fischer 2 Monate, gegen Stein 3 Monate und gegen Häde 5 Monate Gefängnis.
Dr. Fuhr bat um Herabsetzung der Strafe, dem schloß sich sein Kollege Rosenberg II an, Rechtsanwalt Hirschhorn bat, die Angeklagten milder anzusehen, als es die Staatsbehörde gethan, ihnen aber besonders die Unter⸗ suchungshaft anzurechnen. Besonders für die verheirateten Leute wäre eine lange Strafe doppelt hart, denn deren Familien müßten schwer darunter leiden, wenn der Er⸗ nährer fehle. Rechtsanwalt Metz sprach sein Erstaunen aus, daß die 3 Angeklagten, denen die Geschworenen mil⸗ dernde Umstände zugebilligt, nicht von der Staatsbehörde mit gleichem Maße gemessen worden seien. Der Gerichts⸗ hof verurteilte den Vitt zu 9 Monate Gefängnis, den Ferd. Joh. Fischer zu 6 Monate Gefängnis. Beiden werden 2 Monate der verbüßten Haft auf die Strafe an⸗ gerechnet. Die 3 anderen Angeklagten wurden zu je 2 Monate Gefängnis verurteilt, unter Anrechnung, von ein Monat der Untersuchungshaft für jeden Angeklagten und aus der Haft vorläufig entlassen. Um 9½ Uhr war die Verhandlung zu Ende.
Vermischtes.
— Der verratene Frühschoppen. Ein Münchener Geschäftsmann hatte kürzlich auf dem Viktua⸗ lienmarkt seine Einkäufe gemacht, darunter auch 100 Stück Eier, die er in einem Netz nach Hause bringen wollte. Unterwegs begegnete ihm, wie die„M. N. N.“ erzählen, ein alter Bekannter, und man verfügte sich ins Gasthaus, um einen kleinen Frühschoppen zu halten. Dort befanden sich auch noch andere Geschäftsfreunde, von denen einer das Netz mit Eiern, das unter der Bierbank vorsichtig verwahrt war, hervorzog und in die Küche verbrachte, um es in einen bereit gestellten Hafen mit siedendem Wasser zu setzen, bis die Eier hart waren, worauf er sie unbe⸗ merkt wieder an ihren früheren Aufenthaltsort verbrachte. Kurz darauf brach unser Geschäftsmann auf, um seine Eier nach Hause zu bringen. Die Ehefrau wartete bereits auf den etwas über die Zeit ausgebliebenen Ehemann, da sie die Eier zur Bereitung des Mittagsmahls benötigte. Groß war ihre Ueberraschung, als sie vier bis fünf Eier, die sie aufgeschlagen hatte, bereits gekocht fand. Schleunigst rief sie zur Aufklärung des Räthsels ihren Ehemann her⸗ bei, der selbstverständlich nicht weniger erstaunt war, bald aber die natürliche Lösung fand, denn er kennt seine „Pappenheimer“. Wohl oder übel mußte er jedoch bei der Erklärung seiner Ehegesponsin ein Geständnis über den abgehaltenen Frühschoppen ablegen, was er natürlich gerne verheimlicht hätte.
— Der bestohlene König oder die echte Patriotin. Der im königlichen Palais in Kopenhagen bedienstete Hoflakal Oxenböll stahl aus den königlichen Zimmern 80 000 Kronen, damit seine Familie„herrschaft⸗
Der sollte mir dann weiter leuchten auf meinem einsamen und gefahrvollen Weg.
Mit dem Sinken des Tagesgestirns trat in der Natur vollständige Ruhe ein.
Nach genossenem Abendbrot streckte ich mich neben meinem Lagerfeuer auf die wollene Decke, nicht ohne zuvor den Platz nach Schlangen und Skorpionen abgeleuchtet zu haben.
Den Kopf auf den untergeschobenen Sattel ge⸗ bettet und die Pfeife im Munde, fühlte ich mich ungeheuer behaglich.
In solchen Stunden denkt man gern über Ver— gangenes nach. Alte und neue, angenehme und traurige Erinnerungen stiegen in mir auf.
Australien war immer das Land meiner Sehn⸗ sucht gewesen.
Nach beendetem Krieg, der in meine Dienstzeit fiel, wanderte ich aus.
Ich war eigentlich herübergekommen, um Gold zu graben, aber die Arbeit war mir denn doch zu schwer gewesen, und ich teilte das Schicksal der Mehrzahl der Goldgräber, ich machte nur unbe⸗ deutende Funde, kaum genug zum Leben, aber zu viel zum Sterben.
Damit fertig, wollte ich mich für das Militär anwerben lassen und fand zu meiner Ueberraschung, daß Australien gar kein stehendes Heer hat, sondern nur Freiwilligen⸗Korps.
Ich machte zwar einen kurzen Versuch, einer Ab⸗ teilung dieses Bürgerheeres etwas vom militärischem Drill beizubringen, aber natürlich ganz vergebens.
Die Leute wollten nur gelegentlich im roten Rock vor ihren Mitbürgern herumstolzieren, sonst nichts.
Meine Verweise wurden mit Grobheiten heim⸗ gezahlt.
Nun ließ ich mich für die reitende Polizei ein⸗ schreiben, und nach mehrmonatlichem Warten ward ich denn auch glücklich eingestellt.
Die australische reitende Polizei ist und war immer eine Elite-Truppe, schneidig, todesmutig und in einem beständigen Kampf mit gewalttbätigen Ver⸗ brechern begriffen, au denen Australien überreich ist.
Nachdem ich meine Probezeit mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ bestanden hatte, ward ich bierher⸗ geschickt, auf eine Stelle, die mein Sergeant selbst als einen„verlorenen Posten“ bezeichnete.
Es war eigentlich zu verwundern, daß wir noch nicht von einer Uebermacht überfallen oder Einzelne aus dem Hinterhalt niedergeschossen waren.
Dieser Gefahr waren wir beständig ausgesetzt, um so mehr, als immer drei von der vier Mann starken Besatzung unterwegs waren.
Wir hatten es also auch verstanden, uns„ge—⸗ fürchtet“ zu machen.
Wir hatten bier aber nicht nur mit den Busch⸗ räubern selbst, wir hatten auch mit den Sym⸗ pathien zu kämpfen, welche dieselben bei dem ärmeren Teil der Bevölkerung, das heißt, bei den Arbeitern genossen.
Besonders feurig in ihrer Bewunderung für die großen Räuber, welche, wie der schon erwähnte Morgan, die Reichen plünderten und das Gestohlene den Armen gaben, waren die Irländer, und jrische Arbeiter gab es sehr viele in unserem Distrik.
Diese Leute unterstützten die Räuber gegen uns, leisteten ihnen Kundschafter-Dienste und hielten sie verborgen, wenn Zeit und Umstände es erforderten.
So nur war es zu erklären, daß ein Räuber ganz allein zwanzig waffenfähigen und vielleicht heimlich Waffen tragenden Männern gegenüber treten konnte, ohne den geringsten Widerstand zu finden.
Auch mit dieser beklagenswerten Verirrung hatte ich zu rechnen.
Ich durfte mich Niemandem anvertrauen, aus Furcht, meinen Feinden verraten zu werden.
(Fortsetzung folgt.)
lich“ leben könne; und zwar war es seine Frau, welche ihn zu den Diebstählen bewog, und um den plötzlichen Wohlstand zu rechtfertigen, überall in der Nachbarschaft von einem großen Loos erzählte, das sie gewonnen hätte. Der Mann wurde zu zwei Jahren, die Frau zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der König erklärte, er wolle Beide begnadigen, wenn sie sich verpflichten würden, gleich das Land zu verlassen. Darauf ging aber die Frau nicht ein; sie lehnte vielmehr den Begnadigungsan⸗ trag ab und rief:„Lieber im Kerker, als das Vaterland verlassen!“ In den dänischen Kerkern muß es schöner sein, wie in deutschen, oder die Vaterlandsliebe der Diebin ist unverwüstlich.
— Für die Frage nach der ursprüng⸗ lichen Heimat des Menschengeschlechts und der anfänglichen Einheit der Menschenrassen sind die Ent⸗ deckungen nicht ohne Bedeutung, die der Engländer H. W. Seton⸗Karr vor einiger Zeit im Somaliland gemacht hat. Seton⸗Karr hatte bei mehreren Besuchen, die er diesem Lande zu Jagdzwecken abstattete, eine Anzahl be⸗ arbeiteter Feuersteine gefunden; er brachte sie mit nach England und legte sie den Anthropologen auf der letzt⸗ jährigen englischen Naturforscherversammlung zu Ipswich vor. Aber obgleich die Form dieser aus breiten, flachen, an den Rändern bearbeiteten Feuersteinsplittern bestehenden Werkzeuge darauf hindeutete, daß sie der sogenannten älteren Steinzeit(dem„paläolithischen Zeitalter“) ange⸗ hörten, so konnte doch kein völlig sicherer Beweis dafür gegeben werden. Ehe nun Seton⸗Karr nach Somaliland zurückkehrte, besuchte er die vorgeschichtliche Sammlung des Anthropologen Sir John Evans und studierte hier die verschiedenen Formen der in den diluvialen Ab⸗ lagerungen verschiedener Erdgegenden aufgefundenen Stein⸗ geräte. So mit deren Kennzeichen vertraut geworden, vermochte er bei einem neuen Aufenthalte in Somaliland während des letzten Winters eine große Anzahl von Steinwerkzeugen aufzufinden, die in ihrer Gestalt durchaus mit jenen der berühmten Fundstelle in Sommethale und anderen Oertlichkeiten übereinstimmten. An dieser Ueber⸗ einstimmung kann, wie Sir John Evans uunmehr be⸗ stätigt, kein Zweifel sein, und obwohl gegenwärtig keine fossilen Säugetierknochen oder andere Ueberreste, die das Alter der Steingeräte bezeugen könnten, mit diesen zusam⸗ men gefunden wurden, darf man nach Evans nicht zögern, sie für paläolithisch zu erklären. Sie scheinen über das ganze Land verstreut vorzukommen und aus sandigen oder lehmigen Ablagerungen durch die Wirkung des Regens ausgewaschen oder, in einigen Fällen, durch den Wind bloßgelegt worden zu sein. Sie sind zum Teil aus Feuerstein, zum Teil aus Quarzit; die meisten haben Lanzettegestalt, doch auch eiförmige und andere Formen kommen zahlreich vor. Jeder, der diese Steingeräte mit den europäischen vergleicht, muß, so versichert Evans, die Ueberzeugung gewinnen, daß, wenn sie nicht wirklich von derselben Menschenrasse angefertigt worden sind, doch eine sehr nahe Berührung zwischen den Rassen, die Werkzeuge von so übereinstimmender Form herstellten, bestanden haben muß. Wenden wir uns von Somaliland west⸗ wärts, so begegnen wir Feuersteinwerkzeugen von derselben Beschaffenheit in den Funden, die Flinders Petrie iu einer Höhe von vielen hundert Fuß über dem Nilthale gemacht hat. Einige wenige sind in Nordafrika gefunden worden; sie kehrten wieder im Manzanaresthale in Spanien, in einigen Gebieten von Mittel-Italien, und sind reichlich vorhanden in den Flußthälern Englands und Frankreichs. Gehen wir dagegen ostwärts, so haben wir einige Werk⸗ zeuge von entsprechender Form, die Chantre im Thale des Euphrat gefunden hat, und viele aus Quarzit in den Lateritablagerungen Indiens. Auch in Süd⸗Afrika treten sehr ähnliche Formen auf, obwohl deren Alter etwas un⸗ gewiß ist. Die reichen Funde sind sehr geeignet, neue Betrachtungen und Mutmaßungen über die ursprüngliche Heimat des Menschengeschlechts anzuregen, die ja doch höchst wahrscheinlich in einem Gebiete zu suchen ist, wo das Klima mild und der Lebensunterhalt leicht zu erlangen war; jedenfalls tragen sie sehr wesentlich dazu bei, den Raum zwischen dem paläolithischen Menschen in Britannien und in Indien zu überbrücken.
— Kein Havannatabak mehr. Aus Kuba wird berichtet: Es giebt dieses Jahr fast keine Tabak⸗ Ernte auf der Insel. Die Pflanzer schicken die auf⸗ gehobenen Reste früherer Ernten, die sie bisher nicht gut genug zum Verkaufe fanden, nach Europa. Es giebt noch Zigarren von der Ernte des Jahres 1894. Aber der Vorrat ist gering. Ist er zu Ende, so werden die Raucher ein oder zwei Jahre Borneo- oder indische Zi⸗ garren rauchen müssen. Die Yankees sind wieder einmal schlau gewesen. Die Bostoner Tabakhändler haben sich einen Vorrat von Tabak angelegt, der auf zwei Jahre ausreicht. Kuba produziert in normalen Jahren ungefähr 200 000 Ballen. Dieses Jahr beträgt die Ernte nur 20 000 Ballen, die längst verkauft sind. Die Aufständischen be⸗ finden sich im Besitz der Distrikte, welche den besten Tabak liefern.
— Ueber die Stellung der Frau in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sprach auf dem internationalen Frauenkongreß in Berlin Fräulein Frances Graham aus Washington, welche im Auftrage der Regierung am Kongreß teilnahm. Ihren Ausfüh⸗ rungen entnehmen wir das folgende: Auf Grund des Ergebnisses der Volkszählungen in den Jahren 1880 und 1890 sagte Fräulein Graham, daß von den 30 554 370 Frauen, die im Jahre 1890 in den Vereinigten Staaten lebten, 3 9147711 in verschiedenen Berufen thätig sind, um 47 vom Hundert mehr als im Jahre 1880. In den höheren Berufszweigen waren im Jahre 1880 177255 weibliche Personen thätig, im Jahre 1890 waren es 312 682, d. h. in zehn Jahren eine Zunahme von 75 v. H. In der Gewerbsthätigkeit, Fabrikgeschäften und anderen Industrien befanden sich 1027 525 Frauen im Jahre 1890, als Dienstleute in demselben Jahre 1667686 thätig, 1235 Frauen waren im Predigeramt thätig, 888 als Zeitungsberichterstatterinnen, 208 als Advokatinnen, 735 als Professorinnen, 4555 als Aerzt⸗ innen, 337 als Zahnärztinnen, 219 als Verlagsbuch⸗ händlerinnen, 25000 im Handel, 306 als Erfinderinnen und Musterzeichnerinnen, 34517 als Musiklehrerinnen, 4875 im Dienst der Regierung. In den amerikanischen Hochschulen gab es im Jahre 1892 140 053 Student⸗ innen, und 23,5 v. H. davon waren Frauen. In den Frauenkolleges waren im Jahre 1894 nicht weniger als 22 949 Studentinnen. Im Jahre 1894 bis 1895 er⸗ hielten 1609 den Baccalaureatsgrad der freien Künste, 454 denselben Grad für Wissenschaften, 678 den Bacca⸗ laureatsgrad der Litteratur, 161 den Magistergrad der freien Künste, 166 den Baccalaureatsgrad der Musik und 207 andere akademische Ehrentitel. Es gab in den öffentlichen Schulen etwa 250 954 Lehrerinnen. Durch⸗ schnittlich erhalten die Lehrerinnen 37 Doll. 56 Cts. monatlich, jedoch giebt es auch solche, die 1200 Doll. und mehr jährlich erhalten. Als Redakteure und Schrift⸗ stellerinnen bekommen sie noch höhere Salaire. In
Regierungsstellen erhalten die meisten Damen etwa 900 5 5
Bund
Dollars jährlich. Vor sechs Jahren wurde ein der amerikanischen Frauenvereine gebildet. Diesem Bunde eghören 478 Vereine an, und 20 Staaten haben Staats⸗ verbände mit 947 Vereinen, die 100 000 Müglieder zählen. In 36 Staaten haben die Frauen das
sich an Erziehungsangelegenheiten zu beteiligen und Schul⸗ ämter zu bekleiden.
— Hinrichtung eines Unschuldigen. Aus Omsk in Sibirien wird gemeldet, es habe sich herausge⸗ stellt, daß das dortige Militärkreisgericht vor einigen Jahren einen ganz Unschuldigen zum Tode verurteilt habe, welche Strafe am folgenden Tage vollzogen wurde. Von den oft mehrere Hunderte von Gefangenen zähleuden Trans⸗ porten, die sich auf dem Wege nach einem Verbannungs⸗ ort in Sibirien befinden, versuchen häufig Einzelne zu entkommen. Diese Versuche mißlingen meist und ziehen den Beteiligten schwere Strafen zu, abgesehen davon, daß bei solchen Fällen immer mehrere der Gefangenen von den eskortierenden Soldaten erschossen oder erstochen werden. Dann und wann gelingt es einem oder mehreren Ge⸗ fangenen, wenn sie bei solchen Gelegenheiten vor Blutver⸗ gießen nicht zurückschreckeu und sich plötzlich auf die ihnen zunächst stehenden oder gehenden Soldaten stürzen. während des darauf folgenden allgemeinen Kampfes zu entkommen, aber nur äußerst selten gelingt es den somit Entsprungenen über die Grenze zu kommen; gewöhnlich treiben sie sich so lange in den weitausgedehnten Wäldern umher, bis sie durch Zufall— wieder eingefangen wer⸗ den oder aber vor Hunger und Kälte sterben. In dem vorliegenden Fall, der sich vor ungefähr drei Jahren er⸗ eignete, kam es zu einem sehr harten Kampf zwischen einem größeren Transport von Gefangenen und den es⸗ kortierenden Soldaten; das Blut floß in Strömen und es gelang mehreren der Gefangenen zu entkommen, u. A. auch einem gewissen Losow, der zwei von den Soldaten erschlug. Nach Verlauf einiger Monate wurde indessen von der Omsker Landpoltzel ein Mann eingebracht, in dem sie mit aller Bestimmtheit den entsprungenen Losow zu erkennen meinte; er nannte sich Schukkin und seine Papiere waren anscheinend in guter Ordnung, die Poll⸗ zisten beharrten aber bei ihren Aussagen und Losow⸗ Schukkin wurde dem Militärgericht übergeben, das ihn, wie eingangs erwähnt, zum Tode verurteilte. Jetzt hal man aber den wirklichen Losow gefunden; er befindet fi zur Zeit im Zentralgefängnis und wurde vor Kurzem als Landstreicher aufgegriffen. Anfangs sagte er aus, er heiße Varontschuk, wenige Tage später aber legte er ein umfassendes Bekenntniß ab, aus dem hervorging, daß er eine ganze Reihe von Missethaten verübt hatte, daß sein wirklicher Name Losow und daß er es war, der während des Gefangenentransportes zwei Soldaten ermordet hatte.
— Eine Tragödie zur See. Ueber die Kata⸗ strophe des versunkenen italienischen Segelschiffes„Monte Tabor“ werden dem„Pester Lloyd“ die folgenden er⸗ schütternden Details gemeldet: Es war stürmisches Wetter und der Segler scheiterte bei dem Eingange zum Hafen von Boston, bekam ein riesiges Leck und der Untergang war unvermeidlich. Kapitän Dellacasa sah kein Ent⸗ rinnen und in seiner Verzweiflung stürzte er in seine Ka⸗ bine und schoß sich eine Kugel in die Schläfe. Als der zweite Kapitän den Tod seines Kommandanten sah, durch⸗ schuitt er sich mit einem Rasiermesser die Kehle und starb auf der Stelle. Vier Personen von der Mannschaft wurden von den hochgehenden Wellen über Bord geworfen, den anderen sechs Personen gelang es, im Rettungsboot das Land zu erreichen.
— Neunzehn Jahre unschuldig im Kerker. Wiener Blätter berichten: In der Strafanstalt zu Kart⸗ haus befindet sich seit 19 Jahren ein Kerkersträfling, der Mauer Joseph Mayer, der im Jahre 1877 wegen Raub⸗ mords an der Häuslerin Franziska Leidwein in Walden⸗ dorf vom Schwurgerichte Kronenburg zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglichem Kerker begnadigt wurde. Mayer beteuerte seit jeher in mehr oder minder heftiger Weise seine Unschuld. Vor einigen Tagen ist nun dem Kriegsgerichte Kronenburg ein Brief aus New⸗Pork zuge⸗ kommen, in welchem sich der Absender, der sich nur Wenzel unterschreibt, als der Mörder der Häuslerin be⸗ kennt. Dieses Schreiben wurde dem wegen dieses Mordes eingekerkerten Mayer vorgelesen und ihm erlaubt, selnen in Wien wohnhaften Bruder schriftlich zu bitten, um Wiederaufnahme des Prozesses einzuschreiten. Der Bruder wendete sich nun an den Vertheidiger Dr. Pupovac, der auf Grund des wenn auch anonymen Briefes aus New⸗ York um Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Joseph Mayer einkommen wird.
— Aussatz in Kolumbien. Im troplschen Amerika, besonders in Kolumbien, sind furchtbare Haut⸗ krankheiten, auch Aussatz(Lepra) und Elephantiasts ziemlich verbreitet. Da in jenen dünn bevölkerten, mangel⸗ haft regierten und verwalteten Gebieten und bei der halb⸗ kultivierten Bevölkerung an eine Absperrung und ordent⸗ liche Behandlung und Pflege der Aussätzigen nicht zu denken ist, breitet sich die grauenhafte Krankheit aus. So schreibt die Zeitung„El Porvenir“ von Karthageno Ende August: Im Jahre 1882 gab es nach unseren Erkun⸗ digungen im Orte Cienaga de Oro nur zwei Aussätzige und heute 97, wenn die in der nächsten Umgebung wohnenden mitgerechnet werden. Wenn nicht Maßregeln zur Absperrung der Kranken getroffen werden, dürfte sich die ganze bedeutende Ortschaft bald in ein Lazarett für Aussätzige verwandeln.
Letzte Nachrichten.
* Gießen, 10. Okt. Im Gartfeld brann⸗ ten heute Vormittag 2 Strohdiemen, dem Oekonomen Puth gehörig, nieder. Das Feuer soll durch Kinder angelegt worden sein. Der Strohhaufen ist versichert.
Gießen, 10. Okt. Der gestrige Theater⸗ abend hatte unserem Stadttheater ein volles Haus geschaffen. War es das Gastspiel der königl. bairischen Hofschauspielerin Bertha Gieseke, oder war es das Lustspiel Tilli von Stahl, welches seine Wirkung nicht verfehlte und der Direktion eine gefüllte Kasse schaffte? Jedeufalls wirkte beides zusammen und die Theaterbesucher hatten sich sicher nicht zu beklagen. Nicht nur häufige Lachsalven begleiteten den Gang der Handlung, sondern auch reicher Beifall lohnte die wackere Künstlerschaar, die es meisterlich ver⸗ stand, den humorvollen Inhalt des Lustspiels lebenswahr zur Darstellung zu bringen. Neben
Fräulein Bertha Gieseke, welches in der Titel⸗ rolle ein wahres Meisterstück vollführte, waren es besonders Herr Kunert als Bankier Rebus und Frau Helm, dessen Frau, welche fein ppin
tiert die Partien durchführten und viel zum Er⸗
Aufsteriung von 9. 2 wabrdnet wie falgt:
bümmobn gungen, Versammluf 1 05 dienen, dürfen Tuimihmebestimmungen agtsänlen und angeb Jußberzogl. Bürgerme Aubnis Großherzogl. sapglihem Polggeumt
Im Uebrigen ist Auinmung des Eigen Ai die Plakate auf ein Aschlagstasel besesigt!
Die Bestimmung Inn Orundflckseigentll nen Grundstlcen,
Zuwiderhandlun, nutzung und widerre Hazen von denselben, Hahstrafe bis zu 30
Lorsehendes bol Oießen, den
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Leiner Fraphlsehes Ge Beller, Dletzst
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