ht htben 9 gefangen g;
enter St Nn Nite elchem er ez
achuldign latter, a
mit der Jer
—
nagoge. 1896.
Obstes ꝛc.— Infolge des eingetretenen Wit⸗ terungsumschwungs, können manche schon ver⸗ loren gegebene Feldprodukte noch glücklich deingeheimst werden. Von den Kartoffeln haben
bon jetzt an strengstens beobachtet werden, ob sie nicht etwa mit Nihilisten oder
Aübreise des Zaren wird um sofortige Benachrich⸗ flgung eines jeden Zu⸗ und Abzuges von rus⸗
Hauptbahnhof trafen heute Vormittag zahl⸗ —
5 bezeichnete die Gegend als
Gießen, Sonnabend, den 10. Oktober
1896.
5
ische Landeszeilung.
Ausgabe
Gießen.
Redaktion: 8. Kreuzplatz Nr. 4. 8
—
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
edition: eka Nr. 4.
2
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 9. Okt. Der Ausfall der Hessischen Landtagswahlen läßt sich immer noch nicht völlig übersehen. Verloren haben die Nationalliberalen außer Stadt Offenbach noch Waldmichelbach und zweifelhaft ist Groß⸗Umstadt sowie Griesheim bei Darm⸗ stadt, wo neun sozialdemokratische Wahlmänner zwischen den Bauernbündlern und National⸗ liberalen den Ausschlag geben. Die Freisinnigen berloren Mainz⸗Land an das Zentrum.
* Gießen, 9. Okt.(Stadttheater.) Um auch unseren Kleinen einen Genuß zu ver⸗
ffen, bereitet die rüstige Direktion für Sonn⸗ tag Nachmittag eine„Kindervorstellung“ bor, auf welche wir schon heute aufmerksam machen wollen. Dieselbe bringt ein hübsches
dermärchen„Wahrheitsmündchen und
genmäulchen“, sowie eine urkomische Zauberpantomime„Das Zauberglöckchen im Walde“. Es ist also für das Amüsement der Kinder reichlich gesorgt.
b Langsdorf bei Hungen, 8. Okt. Gestern Abend hielten die Freisinnigen in der Traube hierselbst eine Seen Versamm⸗ lung ab. Professor tengel entwickelte sein Programm. Rechtsanwalt Dr. Jung⸗ Gießen sprach über die in Frage kommenden Kandidaten. Eine Diskusston fand nicht statt.
* Aus der Wetterau, 8. Okt. An der Obstbauschule zu Friedberg findet vom 12. bis 17. Oktober ein Obstverwertungskursus für Männer statt. Das Honorar beträgt für
essen 10, für Nichkhessen 15. Der
nterricht besteht Vormittags in grundlegenden 121 fachlichen Vorträgen,
Nachmittags in lebungen im Laboratorium zur Herstellung und Prüfung von Obstprodukten, Verpacken des
die roten am wenigsten unter der nassen Wit⸗ terung bei uns gelitten.
* Darmstadt, 8. Oktober. Der Zar in Hessen. Die hiesige Polizeibehörde hat sich aus Anlaß des Besuches des Zaren an die gleichen Behörden der umliegenden Städte gewandt um Mitteilung der Verzeichnisse der dort wohnenden russischen Unterthanen. Diese Leute sollen
Anarchisten in Verbindung stehen. Bis zur
schen Unterthanen ersucht.— Auf dem hiesigen
reiche Gendarmen aus Oberhessen ein, die zur Verstärkung der Gendarmerie in Darm⸗ stadt für die Dauer der Anwesenheit des Zaren bestimmt sind.
Darmstadt, 8. Oktober. Das russische Kaiserpaar trifft Sonntag früh 9 Uhr auf dem Main⸗Neckar Bahnhof ein, woselbst großer militärischer Empfang stattfindet. Die Fahrt
eht alsdann in das neue Palais. Sonntag Abend findet Festvorstellung im Hoftheater statt. Im Uebrigen sind in der Stadt Soldaten, Polizisten, Gendarmen.
* Darmstadt, 8. Okt. Die Wahl der nationalliberalen Kandidaten Wolfskehl und Schmeel soll im Landtage angefochten werden, weil eine Reihe von Personen gewählt haben, die als Nichthessen nicht wahlberechtigt waren.
* Offenbach, 8. Okt. Der älteste Mann Offenbachs, Herr Rentner Johannes Ochsen⸗ hirt ist gestern im Alter von 94 Jahren ge⸗ storben. Der alte Herr war bis zum letzten Tag noch verhältnismäßig recht rüstig.
* Mainz, 8. Okt. Heute Nachmittag 4 Uhr stürzte ein 21jähriger Maurer von hier von dem 4. Stockwerk eines Hauses der Neustadt herunter und blieb auf der Stelle tot.
* Mainz, 8. Okt. Mit der Reorgani⸗ sation der städtischen Armenpflege Hand in Hand geht nunmehr auch die von Seiten der Armendeputation geplante Reorganisation des städtischen Pfandhauses. Herr Beigeord⸗ neter Dr. Schmitt wird darüber demnächst der Stadtverwaltung Vorschläge unterbreiten, die dahin gehen, die Verwaltung billiger und für das Publikum bequemer als seither zu gestalten. Es ist übrigens eine nicht uninteressante That⸗ sache, daß trotz der Zunahme der Bevölkerung das Pfandhaus von Jahr zu Jahr von dem Publikum weniger in Anspruch genommen wird. Während beispielsweise noch vor fünf Jahren jährlich 30 500 Pfänder mit einem Darlehen bon A 237546 zum Versatz kamen, wurden im 10000 e Jahre nur 23000 Pfänder mit. 160000 versetzt. Die jetzigen Verwaltungskosten des Pfandhauses sind sehr erheblich: sie betrugen im abgelaufenen Jahre ν 26058.
* Mainz, 8. Okt. Eine interessante 0 die schon lange Zeit die hiesige Bevöl⸗
erung beschäftigt, kam in der letzten Sitzung des Kreisausschusses zur Entscheidung. Vor Monaten hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, einem hiesigen Kaufmann während der Niederlegung seines alten und des Neubaus seines neuen Hauses auf dem sog. Liebfrauen⸗ platz die Erlaubnis zu erteilen, ein Verkaufshaus auf die Dauer von vier Monaten zu errichten. Gegen diesen Stadtverordnetenbeschluß wurde
nun Rekurs an den Kreisausschuß ergriffen.
Dieser wies aber alle Rekursgesuche einstimmig ab, einesteils weil die Rekurrenten nicht befugt seien, Rekurs zu erheben, andererseits weil keine Rechtssphären verletzt seien; der Stadtverord— netenversammlung könne das Recht nicht benom⸗ men werden, den Platz zu Privatzwecken zu ver⸗ mieten.— Der s. Zt. in der Stadtverordneten⸗ sitzung gestellte Antrag, in den Lehrplan der Mädchenklassen der Volksschulen den Koch⸗ und Haushaltungsunterricht aufzu⸗ nehmen, hat nicht den Beifall an maßgebender Stelle gefunden, doch ist die Stadt Mainz bereit, die Einrichtung solcher Schulen durch Privat⸗ unternehmen finanziell zu unterstützen.
Schwurgericht.
W. Gießen, 9. Oktober. (Fortsetzung.)
Wachtmeister Schwarz ⸗Butzbach erklärt, daß er mit Bestimmtheit unter den Angeklagten keine von denjenigen Personen erkennen könne, die vor der Bürgermeisterei er⸗ schienen seien. Er glaube aber, daß Vitt und Friedrich Fischer dabei waren. Der Zeuge schildert den Vorgang vor der Bürgermeisterei wie in der Anklage. Wer dem Arrestanten zugerufen, die Fenster des Wachtlokals zu zertrümmern, wisse er nicht. Als der Verhaftete nach Butzbach geschafft werden' sollte, wurde er geschlossen. Ob der Angeklagte Vitt es gewesen, der gerufen: der Schade kommt nicht nach Butzbach, der bleibt hier, kann der Zeuge nicht sagen. Kurz vor dem Festplatz erscholl der erste Ruf: Russenbrenner herbei, und glaubt der Wachtmeister, an der Stimme den Vitt als denjenigen erkannt zu haben, der rief. Nun strömten von vorn und hinten eine Menge Menschen herbei. Es gab ein Ge⸗ dränge. Der Zeuge stellt die Angabe der Angeklagten entschieden in Abrede, daß der Gendarm Ebert zuerst um sich gestoßen, wenigstens hat er dies nicht gesehen. Der Zeuge will die Menge wohl 20 Mal aufgefordert haben, zurückzubleiben. Der Transport ging dabei immer langsam weiter, um eine Differenz mit der erregten Schar zu vermeiden. An der Weinstraße angekommen, ertönte der zweite Ruf: Russenbrenner herbei, auf sie! Auch dieser Ruf kam nach der Ueberzeugung des Zeugen von Vitt, und hierauf erhielt der Zeuge einen Schlag oder Stoß von hinten; wer denselben gethan, weiß der Zeuge nicht, doch glaubt er, daß es auf seinen Revolver abgesehen war, denn die vordere Klappe von dessen Tasche war abgerissen, im selben Moment drang Ferd. Joh. Fischer und Vitt auf den Zeugen ein, um ihm den Gefangenen zu entreißen. Da hat der Beamte, wie er angiebt, die Waffe gezogen und auf die beiden Angeklagten eingehauen, dann drangen etwa 15 Mann auf ihn ein und er schlug mit dem Säbel rechts und links um sich, um Luft zu bekommen. Da rief ihm Jemand zu: Wachtmeister, geben Sie Acht, Sie werden geschossen, worauf er die Waffe klar machte, sodaß die Angreifer zurückwichen. Wer von den Angeklagten bei diesem Angriff dabet war, kann der Zeuge mit Sicherheit auch nicht angeben, er glaubt aber, daß außer Vitt die vier Angeklagten bei dem letzten An⸗ griff dabei waren. Betreffs der„Barrikade“, die der Zeuge
in der Weinstraße angetroffen haben will, so soll nach dessen Bekundung dieselbe aus mindestens 200 Stangen
errichtet gewesen sein. Wer diese errichtet hat und ob vielleicht nicht die Stangen zu einer Straßensperrung überhaupt dienen sollten, vermag der Zeuge nicht anzu⸗ geben. Auf die Frage des Vorsitzenden, woher der⸗ jenige, der die Barrikade errichtet, denn wissen konnte, daß der Gefangenentransport gerade die Weinstraße passieren würde, da doch der eigentliche Weg die Chaussee bildet, vermag der Zeuge nicht zu beantworten. Vitt und Fischer wurden verhaftet. Die Verteidiger richten an diesen Zeugen Fragen, die derselbe damit beantwortet, er wisse es nicht, es könne sein. Er habe die Angeklagten an der Gestalt erkannt, glaube dies wenigstens behaupten zu können, und beschreibt den Anzug, den der einzelne der Angeklagten am 12. Juli getragen.
Der Gendarm Ebert⸗-Butzbach schildert die Verhaf⸗ tung des Schade ebenfalls wie in der Anklage angegeben. Daß Vitt den Arrestanten aufgefordert, die Fenster des Lokals zu zertrümmern, hat der Zeuge nicht gehört. Die weitere Schilderung des Transports des Schade nach Butzbach deckt sich mit der des Wachtmeisters. Auch er will die Barrikade von Baumstützen gesehen haben, ducch welche die Straße vollständig gesperrt war.
Der Gendarm Seng von Butzbach schildert die Ver⸗ haftung und den Krawall ähnlich wie seine Kameraden.
Der Bürgermeister Schneider von Ostheim erklärt, daß, nachdem Schade im Arresthause sich befand, Vitt und andere Kollegen desselben zu ihm gekommen selen und anständig dessen Losgabe verlangten. Nachdem er dies verweigert, sind dieselben wieder gegangen.
Jakob Konrad Adami von Nieder⸗Weisel hat nur soviel gesehen, daß Vitt in der Weinstraße flüchtete und vom Gendarm Seng verfolgt wurde. Die beiden seien, als der Beamte den Flüchtling packte, in den Chaussee⸗ graben gestürzt, es habe auch noch ein Dritter, ein Zivilist, dabei gelegen. Was weiter dort geschehen, hat der Zeuge nicht mehr wahrgenommen.
Der Zeuge Wilhelm Schade von Weiderode er⸗ klärt, er sei stark angetrunken gewesen, als man ihn am 12. Juli in Haft genommen. Er kann keine Aus kunft darüber geben, was am Abend des Tages auf dem Transport nach Butzbach passiert ist. Er hat keinen der Teilnehmer an der Affaire erkannt. Nur weiß er noch, daß die Beamten die Säbel gezogen. Der Zeuge wird wegen Verdachts der Mitthäterschaft nicht vereidet.
Jakob Weiß von Steinfurth hat beobachtet, daß in dem Moment, wo die Gendarmen blank gezogen, er gesehen habe, daß Friedrich Fischer auf Seng eingedrängt sei, gegriffen hat Fischer aber den Beamten nicht. Dieser Zeuge hat den fliehenden Vitt gepackt und ihn gemeinsam mit dem Gendarmen Seng nach einem Revolver unter⸗ sucht, man fand aber nur ein Taschenmesser bei ihm. Ob der Vitt von dem Gendarmen Seng geschlagen, kann Zeuge, der die Stelle bald verlassen, nicht sagen.
Justus Berger will vom Angeklagten Stein gehört haben, daß dieser bei der Affaire zwar von den Gen⸗ darmen tüchtige Schläge bekommen, aber auch gehörig Schläge ausgeteilt habe.
Martinus Engel von Aßmußhausen bezeugt, daß Vitt und die beiden Fischer dem Gefangenentransport aus dem Ort nach Butzbach zu immer etwa 6 Schritte folgten, trotzdem sie häufig zum Zurückgehen aufgefordert wurden. Der Zeuge bekundet auf das Besti umteste, ge⸗ sehen zu haben, daß alle 5 Angeklagten auf die Beamten
Zwischen Liebe und Pflicht.
Roman aus dem australischen Buschleben
von G. Löffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Das Hauptfeld“, sprach er mit Betonung. „Also, was wissen Sie von der neuen Schlucht?“
Ich mußte mich erst besinnen.
„Ueber ihre genaue Lage bin ich nicht orientiert“, sagte ich dann,„doch weiß ich, daß sie ziemlich weit von hier entfernt liegt.“
„Fünfundzwanzig Meilen nördlich“, warf der Sergeant ein.
„Mithin etwa fünf deutsche Meilen oder zehn Stunden Wegs“, ergänzte ich in Gedanken, und laut fuhr ich fort:„Man sagte mir, es sei das ein altes Strombett, welches durch Ablenkung des Wassers oder Versandung eines Binnensees in un⸗ vordenklicher Zeit trocken gelegt worden ist. In der el Viktoria's sei in der tiefsten Senkung des
ehemaligen Flußbettes, der sogenannten toten Schlucht, Erfolg nach Gold gegraben worden, wie denn alle unsere Goldfelder⸗Oberflächen angeschwemmtes Edelmetall enthalten. Seit etwa zwanzig Jahren ist dort klein Spaten mehr gerührt worden. Man „nicht geheuer“. Er soll dort„umgehen“. Man sprach sogar von einem delten Goldgräber, dessen Seele wegen eines gesühnten Verbrechens keine Ruhe im Grabe den könne und der nun dort in der Mitternachts⸗ ude der Erde entsteige, um weiter nach Gold zu graben und was dergleichen Unsinn mehr ist. 5 „Ganz recht“, nickte der Sergeaut mit seinem 184 testen und zugleich malitiösen Lächeln,„die to. Schlucht ist nach diesen Berichten ene Stätte, Daher meine Da Sie gefeit
wo man das Gruseln lernen kann. Frage, ob Sie an Gespenster glauben. „ vermöge Ihrer höheren Bildung,
sind, kann Ihnen das Geschwätz ja kein Bedenken machen.“
„Nicht die mindesten!“ versicherte ich.
„Ich bin nun der Meinung, daß an der Sache doch etwas ist.“
„Wie Sergeant, Sie glauben—?“
„Verstehen Sie mich recht, Deutscher, nichts Uebernatürliches; ich will sagen, Alles, was die Leute von der toten Schlucht munkeln, ist wahr, es geht aber Alles recht natürlich zu. Das Gespenst geht um, die Gespensterfurcht wird geflissentlich er⸗ regt und erhalten, von wem und warum— das eben sollen Sie ergründen.“ i
„Hm“, machte ich verständnißvoll.„Aber Sie, Sergeant, Sie haben sich schon eine bestimmte Mei⸗ nung darüber gebildet?“ 2
„Gewiß habe ich das, sonst hätte ich Sie nicht bemüht.“
„Darf man sie kennen lernen?“
„Selbstverständlich, obgleich das eben nur Ver⸗ mutung ist. Entweder ist die schwer zugängliche und an unterirdischen Gängen und Stollen reiche Schlucht ein Schlupfwinkel für lichtscheues Gesindel — es kann dort sogar der meist gefürchtete und nie zu fassende Buschräuber Morgan sein Asyl haben— oder es ist die tote Schlucht die Schatz⸗ kammer für eine kopfreiche, nach verschiedenen Rich⸗ tungen hin operierende Bande von Strauchrittern und Hochstaplern.“
Jetzt konnte ich mich eines Lächelns nicht erwehren.
„Sergeant, Sie werden romantisch!“ rief ich. „Sie denken gewiß an Ali Baba und die vierzig Räuber. Dann brauchte ich ja nur das:„Sesam, öffne Dich!“ zu sprechen, um—“
„— das Schicksal dessen zu teilen“, fiel er ein,„der den Weg aus der Schatzkammer nicht mehr fand und von den heimkehrenden Räubern
erschlagen wurde.“
„Dann wäre es doch das Einfachste und Sicherste, die tote Schlucht zu umstellen und das Nest auf einmal auszuneh men“, meinte ich.
Mein Vorgesetzter lächelte überlegen.
„Sie kennen die tote Schlucht nicht“, sagte er, „die über eine Meile lang ist, hundert unzugäng⸗ liche Schlupfwinkel und ebenso viele geheime Aus⸗ gänge hat. Um Ihren Plan zu verwirklichen, brauchten wir ein Regiment Soldaten. Ehe wir mit Erfolg etwas unternehmen können, müssen wir wissen, was da vorgeht, wer da einkehrt; Kopfzahl, Bewaffnung, ausgestellte Wachen, Verstecke, Lager⸗ plätze und Schatzkammer— Alles müssen Sie er⸗ mitteln. Das ist der leichtere Teil Ihrer Aufgabe.“
„Der leichtere?“ rief ich mit unverhohlenem Erstaunen.
Der Sergeant nickte.
„Weil das nur Mut und Verwegenheit erfordert, die Sie bei Ihrer Jugend und als ehemaliger Soldat in genügendem Maß besitzen. Sie sprachen vorher von Romantik. Warten Sie, Deutscher, die kommt erst jetzt hinein!“
„Da bin ich gespannt.“
„Dieses sogenannte Minen-Gespenst hat sich, wie ich aus sicherer Quelle weiß, neuerdings auch auf der Milton-Park-Station“) gezeigt, welche etwa zehn Meilen von der toten Schlucht entfernt liegt. Kennen Sie die Milton-Park⸗Station?“
„Nein.“
„Um so besser. Da kann Ihnen Ihre Unbe— kanntschaft nur förderlich sein. Die Milton-Park⸗ Station wird von der Witwe eines enorm reichen Squatters“) und ihrer einzigen Tochter bewohnt.
Aus den gemachten Beobachtungen, über die ich mich hier nicht weiter auslassen kann, scheint her— vorzugehen, daß zwischen der toten Schlucht und
) Die Landsitze oder Gutshöfe der großen Heerden⸗
Besitzer nennt man Stationen“,) die Besitzer selbst „Squatter“.
——
der Milton-Park⸗Station irgend welche geheime Be⸗ ziehungen bestehen, an deren Ergründung mir vor allen Dingen liegt. Da die Wahrheit zu ermitteln, ist der schwerere Teil Ihrer Aufgabe. Dieser Punkt des Geheimnisses der toten Schlucht scheint in un⸗ durchdringliches Dunkel gehüllt.“
„Wenn man nicht annehmen will, daß das so⸗ genannte Minen-Gespeust hier nur Spionage⸗Dienste thut und daß die Milton⸗Park⸗Station in nächster Zeit von den Buschräubern der toten Schlucht über⸗ fallen und ausgeplündert werden wird“, wandte ich ein. 3
„Wo denken Sie hin, Deutscher!“ lachte der Sergeant.„So arbeiten unsere Strauchritter nicht. Sie überfallen am hellen Tag. Wer sich nicht ge⸗ fangen giebt, wird niedergeschossen. Denken Sie doch an Morgan! Er führt seine Räubereien ganz allein aus, und man hat Beispiele, daß er, vermöge der Macht seiner, Persönlichkeit, zwölf bis zwanzig Stations-Arbeiter— handfeste Kerle, die ihren Mann stellen— so in Furcht setzte, daß sie sich willig von ihm in Keller oder Stube einsperren ließen, und, so lange er auf der Station war, sich nicht mehr hervorwagten. Sie müssen also schon Ihren Geist etwas mehr anstrengen und nicht nach Gründen suchen, die jedem Polizisten geläufig sind. Ich er⸗ warte von Ihnen mehr, viel viel mehr.
Es ruht da ein tiefes und undurchdringliches Geheimnis, das ich um jeden Preis aufgehellt wünsche. Ich vermute sogar, daß wir, bei richtigem Verfahren, an dieser Stelle dem herrschenden Räuber⸗ Unwesen einen vernichtenden Schlag werden bei bringen können. Ich habe darüber so meine eigenen Gedanken. Unserer Vier gegen die tote Schlucht mar schieren, hieße entweder nichts auffinden und mit langer Nase abziehen oder vier im Kolonial-Dienst höchst wertvolle Leben nutzlos hinopfern.
(Fortsetzung folgt.)


