Gießen, Dienstag, den 10. März
1896.
Ausgabe
Gießen.
landeszeikung.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die z5spaltige Petitzeile.
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Kreuzplatz Nr. 4.
Zur Fabrikinspektion
0 in Hessen. Fort R. Der in beiden hessischen Kammern zur Laines g, innahme gelangte Antrag, den Fabrikinspektoren
ftühester, zeibliche Assistenz zur Seite zu geben, hat ithllose Federn in Bewegung gesetzt, die das We hal lr und Wider ventilieren. Die grundsätz⸗ der fh hen Gegner weiblicher Hilfe bei der Fabrik⸗ gelbe buy spektiou sind in der Minderheit. Fast aus⸗ bus syn⸗ hmslos wird zugegeben, daß im Interesse der ede uden, ebeiterinnen die Inspektion der Fabriken durch benden Cle auen freudig zu begrüßen ist. Neuerdings Aird nun bezüglich der Fabrikinspektion ein neuer 0 gemacht, der unserer festen Ueberzeugung 5 ch auch nicht erst von der Bildfläche veschwinden luste de ird, bis er— augenommen ist. Dieser Vor⸗ besssern lag b dahin, die Gewerbeaufsicht zum Teil die Regie urch Aerzte ausüben zu lassen. Gewiß ist ethalt ge, seser Vorschlag höchst beachtenswert. Die amt⸗ daß bel sche„Darmst. Ztg.“ veröffentlicht eine läugere Wahrheit zlͤschrift, die die ganze Fabrikinspektions-Frage ande zum sachkundig behandelt, daß wir sie hier wort— teu wiedergeben wollen: 5 „... Zunächst muß unbedingt zugegeben gerden, daß die Mitwirkung eines Aerztes bei Ar Fabrik⸗Inspektion auf die Daner kaum wird tbehrt werden können, da der Schwerpunkt der ewerbeaufsicht jetzt schon auf der hygienischen
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1 1 eite liegt und sich nach dieser Richtung mehr . 110-1 dd mehr verschiebt. Im Mittelpunkt der tech⸗
sschen Seite steht die Unfallverhütung. Hier at aber die Unfallversicherung außerordentlich selsam eingegriffen, daß ihre Beauftragten und evistonsingenieure neben den Fabrik-Inspektoren e Betriebe überwachen, und es steht zu erwarten, ß bei fortschreitender Entwickelung der Grund— tze für Unfallverhütung dieses Gebiet für die 0
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50% 0 Ml, Vente, Je fewerbeaufsicht immer mehr in Hintergrund tritt. . Dünen s letzte und entscheidende Wort in hygienischen 5 agen, über gesundheitsschädliche Einflüsse ge— rblicher Einrichtungen hat der Arzt. Wollte aber der Fabrik-Inspektor, ohne des nuverständnisses des Arztes gewiß zu sein, den ersuch machen, eine scharfe Grenzlinie zu ziehen ischen dem, was im Interesse der Gesundheit er Arbeiter verlangt werden kann und was icht, so würde er durch richterliche Entscheidung uhr bald von seiner Operationsbasis abgedrängt 00 erden, eine ungleichmäßige und als Willkür ae ö e Behandlung aller einschlägigen Fragen
hene Mittelung
e Folge sein und die Autorität der Aufsichts—
d bamten bei Unternehmer wie Arbeiter schwer Ischädigt werden.
0 N Aus allen diesen Gründen wird— ganz ab—⸗
sehen davon, daß in manchen Fällen der Arzt lein einen gesundheitsschädlichen Einfluß zu er— nnen vermag— auf die Mitwirkung des Arztes ei der Gewerbehygiene nicht gut verzichtet werden bunen. Nun umfaßt jedoch das hygienische Ge⸗ fset nur einen solchen Teil des Arbeiterschutzes, aß durch einen beamteten Arzt die Aufsicht im ganzen Großherzogtum nach dieser Seite hin ohl versehen werden könnte. Die Frage ob Arzt ber Aerztin, wird somit ohne Zweifel zu Gunsten
es Arztes beantwortet werden müssen, wenn cht auch Betriebe mit ausschließlich männlicher
Arbeiterschaft einer Aerztin zur Kontrolle über— wiesen werden sollen, was jedoch weder von der Regierung noch von der Volksvertretung beab— sichtigt ist. Ist nun andererseits jede Mit⸗ wirkung einer Frau durch die Gewerbeaufsicht durch Austellung eines Arztes vollständig ent— behrlich? Diese Frage muß verneint werden. Der enscheidende Grund hierfür, neben mauchen anderen, liegt darin, daß eine Reihe von Miß— ständen durch einen Besuch in der Fahrik von dem Beamten überhaupt nicht ermittelt werden kann, selbst wenn er sich tagelang darin auf— halten wollte. Es sind dies Dinge, die, wie man sagt, unter der Decke schlummern, und nie durch direkte Beschwerde der geschädigten Arbeiter zur Kenntnis des Fabrik-Inspektors gelangen können. Deshalb ist der Verkehr mit Arbeitern außerhalb der Fabrik von großer Bedeutung für die Ge— werbeaufsicht überhaupt. Die Arbeiterinnen haben aber bis jetzt den Fabrik-Inspektoren gegenüber die größte Zurückhaltung hinsichtlich der Be— schwerdeführung bewahrt, und es muß als un— wahrscheinlich bezeichnet werden, daß dies durch Anstellung eines Arztes besser werden wird. Dazu kommt, daß nur mit den Arbeitern am Wohnort des Fabrik⸗Inspektors ein Verkehr leicht anzu⸗ bahnen ist, und deshalb erscheint die von der Regierung in Aussicht genommene An— stellung weiblicher Vertrauenspersonen in den größeren Städten des Landes als die beste Lösung des Problems. Auch kounte hierbei den Wünschen der Ar- beiter, Leute aus ihren Kreisen zur Aufsicht heranzuziehen, am ersten Rech⸗ nung getragen werden, denn die Prüfung und Weiterverfolgung der Beschwerden wäre alsdann Sache der Beamten: des Arztes, des Technikers oder des Staatsanwalts. Ohne ärztliche Mit— wirkung wird aber die Thätigkeit der weiblichen Assistenten gerade auf dem ihnen speziell zuge— wiesenen Gebiete eine unfruchtbare bleiben, des— halb zunächst einen Arzt als Gewerbe— Aufsichtsbeamten und dann erst weib— liche Vertrauens personen.“
Das wunderbarste an dieser Zuschrift ist der Um—⸗ staud, daß sie im Darmstädter Ministerorgan ver—⸗ röffentlicht wird. Das Vorgeschlagene entspricht ja so ziemlich dem, was die Arbeiter verlangen: Austellung von Frauen und Aerzten zur Fabrikinspektion unter Mitwirkung von Ver⸗ trauenspersonen der Arbeiter und Ar— beiterinnen.—
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 8. März. In der höheren und erweiterten Mädchenschule hat dieses Mal, ent⸗ gegen der früheren Gepflogenheit, keine öffent- liche Prüfung stattgefunden. Wir wissen nicht, ob auch für die Folge die Oeffentlichkeit der Prüfung an dieser Schule in Fortfall kommen soll; zu wünschen wäre dies allerdings, denn abgesehen, daß ein bei solchen Prüfungen unver— meidliches Paradestehen der Mädchen seine großen Schattenseiten hat, ist auch ein pädagogischer Nutzen von der Oeffentlichkeit bei Prüfungen für die Schülerinnen schlechterdings nicht einzusehen,
und dürften dieses auch wohl die Gründe sein, welche unsere Schulbehörde auch zur Freude vieler Eltern veranlaßt haben, diese Eirichtung abzu— schaffen.
* Gießen, 8. März. Der Bau des Kauf⸗ männischen Vereinshauses an der Nord— anlage ist gesichert; es sind bereits 10000 4. gezeichnet und weitere 5000. stehen in Aussicht. In vierzehn Tagen wird sich eine einzuberufende Generalbersammlung mit der Frage des Neu— baues beschäftigen, damit derselbe schleunigst ge— fördert werden kann.
* Gießen, 9. März.(Zum Aus wendig⸗ lernen.) Die Brutto- und Netto-Einnahmen des Großherzogthums an Reichssteuern im Rechnungsjahre 1894/95 betrugen:
Brutto⸗[ Zur Gr.
Bezeichnung
der Einnahme. Einnahme[Staatskasse
l. 22 Zölle 7910939,55J 3453,10 Tabaksteuer 348003,200 19 130,84 Zuckersteuer 345 745,35 26 306,90 Salzsteuer 1084 179,80 1150150
Branntweinsteuer u. Verbrauchsabgabe von Branntwein
Bpauste hes
Stempelabgabe vonSpiel⸗ karten.
1283344, 1015120408 1034672,5ʃ157 506,44
F 155073/20% 7856½%8 Andere Reichsstempelabg.] 119 183,500 2383,67
Zusammen 112281140,751410421,31 * Gießen, 9. März. Im Schlierseer Bauerntheater kam gestern Abend das Volks⸗ stück„s Haberfeldtreiben“ zur Aufführung. Das Stück ist reich an Szenen, in denen die Schlierseer wieder ihr ganzes Können im Zu⸗ sammenspiel zeigen konnten. Gleich der erste Auftritt— Schuhplattler mit Guitarre- und Zitherbegleitung und darauffolgender allgemeiner Rauferei— war prächtig. Ein besseres Zusammen⸗ wirken Aller als in diesem Bauerntheater ist kaum denkbar. Es ist das wohl zurückzuführen auf die ziemliche Gleichwertigkeit aller Kräfte. Dadurch ist es ermöglicht, selbst die untergeord⸗ netsten Rollen gut zu besetzen. Ein weit besseres Andenken würde das„Haberfeldtreiben“ bei dem Publikum zweifellos hinterlassen, wenn das letzte Bild weniger geräuschvoll wäre. Wir haben nichts dagegen, daß man den geldhungrigen Grünmoser der bayerischen Volksjustiz unterwirft. Daß aber unter dem Haberfeldtreiben schließlich das ganze Theaterpublikum mitzuleiden hat, hat doch unzweifelhaft den Erfolg, daß dadurch die
voraufgegangenen prächtigen Auftritte— man denke nur an den Schneiderlenz und die Kramer⸗ Vroni, die Cenzl und deu Hansei!— beein⸗
trächtigt werden, und man das Theater verläßt in dem Bewußtsein, daß eigentlich in den letzten 10 Minuten Spektakel genug war. Natürlich machen wir die Schlierseer nicht für den Inhalt oder deu litterarischen Wert des Stückes ver⸗ autwortlich. Sie haben auch gestern Abend wieder durchweg Gutes geleistet. Geradezu vor⸗ züglich waren Michael Dengg als Bauer
Grünmoser, Xaver Terofal als Schneiderlenz,
Annna Dengg als Cenzl, Joseph Meth als Hansei und Therese Dirnberger als Kramer⸗Vroni. Wir sind überzeugt, daß die Schlierseer hier in Gießen noch fünf Abende vor ausverkauftem Hause spielen könnten. Leider ist die heutige Aufführung des„Herrgottschnitzer von Ammergau“ die letzte in unserer Stadt.
* Gießen, 9. März. Die in No. 58 in unserer Zeitung vom 8. d. M. gegebene Notiz, der Bürgermeister von Steinbach sei unter dem Verdachte der Unterschlagung verhaftet, ist un— wahr und rektifiziert sich auf eine übel angebrachte grobe Mystifikation unseres Gewährsmannes. Auf Veranlassung des als achtbarer und gutsituirter Mann bekannten Herrn Bürgermeisters Krämer bringen wir gerne diese Richtigstellung und be⸗ dauern das Versehen.
Gießen, 8. März. In der Verhandlung gegen den Viehhändler Nathan Sommer II von Crainfeld vor dem Schwurgericht sind über 1000 an die Zeugen und Sachverständige vergütet worden. Wie wir hören, beabsichtigt der Verurteilte durch seinen Vertreter die Res⸗ vision beim Reichsgericht zu verfolgen. Als Revi⸗ sionsgrund wird wahrscheinlich die unzulässige Be⸗ schränkung der Verteidigung in der Fragestellung an die Zeugen eine Rolle spielen.
m. Gießen, 9. März. Des einen Freud ist des andern Leid. Die hiesigen Drosch⸗ kenkutscher haben durch die Omnibusge⸗ sellschaft zweifellos eine recht empfindliche Konkurrenz erhalten. Man kann es daher leicht begreifen, daß sie die in unserm letzten Bericht über die Stadtverordnetenversammlung erwähnte Eingabe an die Stadt richteten. Daß dieselbe erfolglos blieb, war vorauszusehen. Die heutige Zeit kann eines Verkehrsmittels, wie es die Pferdebahnen oder Omnibusse sind, in verkehrs⸗ reichen und ausgedehnten Städten gar nicht mehr entbehren. Es geht in diesem Fall den Droschken⸗ kutschern mit den Omnibusseu wie den Schneidern mit den großen Konfektionsgeschäften, den Schuh⸗ machern mit den Schuhfabriken u. s. w. Es ist der Kampf Aller gegen Alle, den eine große Anzahl meist wohlhabender Leute recht schön finden und mit der Etiquette versehen: Das freie Spiel der Kräfte.
* Gießen, 8. März. Im Laufe der vorigen Woche wurde die Dienstmagd L. St. von Rödgen durch die Staatsbehörde in ihrem Heimatsdorfe wegen Mordes ihres neuge⸗ borenen Kindes verhaftet. Am Freitag
amtierte der Untersuchungsrichter vom Großh.“
Landgericht Gießen in Rödgen, und hatte die Mutter der Verhafteten, eine Witwe zum Ver⸗ hör laden lassen. Noch ehe der Beamte er— schienen war, hatte sich die Witwe vor das Dorf begeben und sich in selbstmörderischer Absicht in den hochangeschwollenen Wetterbach gestürzt. Ihr Thun war nicht unbeobochtet geblieben. Man eilte ihr nach und fand den bereits entseelten Körper der Unglücklichen am Ufergesträuch hängeen. Ein Landwirt suchte die Leiche durch Anfassen an einem Halstuche ans Ufer zu ziehen, doch das Tuch löste sich und der Körper der Selbstmörderin wurde von den rasch gehenden
Wasserwogen eilig weiter getrieben.
5—— Ein Besuch bei Garibaldi. Von Freiherrn B. von Cramm- Burgdorf. (Nachdruck verboten) Es war im April 1876. Ich kam aus der leche S. Agnese vor der Porta Pia, als ein . nischer Freund, der mich begleitet hatte, darauf Afmerksam machte, daß wir ganz in der Nähe der Ila seien, die die Stadt Rom Garibaldi zur Dis— sition gestellt und in welcher er seit mehren Mo aten sehr leidend sich aufhalte. hatte mich verschiedentlich darnach erkundigt, man den großen Patrioten nicht besuchen könne, de in früheren Jahren, allein immer die Auskunft daß er keine Fremde empfinge. So wollte c wenigstens einen Blick in den Garten werfen id das Haus mir von außen betrachten, in olchem er zur Zeit lebte. fall Die einfache Villa mit einer Säulenhalle liegt n einem großen Garten, der, wie in Rom üblich, de einer hohen Maner umgeben ist, so daß nur is eiserne Gitterwerk des Thores einen Einblick das Innere gestattet. 10 Ich stand am Thore und freute mich über die pige Pracht der Rosen, welche die ganze Luft mit hem herrlichen Duft balsamisch erfüllten— halb d halb in der Hoffnung, ich möchte Garibaldi ücken, der doch ohne Zweifel zuweilen in seinem Lurten spazieren gehen müßte. Da bewegte sich das hinter den Büschen und schon glaubte ich inen Wunsch erfüllt zu sehen, als ein alter Gärt— u aus dem Gebüsch hervortrat und mir in seinem
erditalienischen Patois sehr freundlich mitteilte:
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der General empfinge zu dieser Stunde nicht, wohl aber Nachmittags zwischen vier und fünf Uhr. Das war eine sehr freudige Nachricht und ich versicherte den Alten, daß ich nicht verfehlen würde, in den nächsten Tagen seinem Herrn meine Aufwartung zu machen.
Einige bekannte Damen, Baronin W. und Frau v. P. mit ihrer Tochter, denen ich von dieser Chance erzählte und die wie ich darauf brannten, den wunderbaren Mann kennen zu leruen, erklärten, sich mir auschließen zu wollen, und so fuhren wir denn am nächsten Tage schon um halb vier Uhr von der Piazza di Spagna, um Schlag vier vor der Villa Garibaldis zu sein. Der Wagen blieb auf der Straße, auf welcher schon einige andre mehr oder minder elegante Gefährte hielten.
Der alte Gärtner von gestern öffnete auf unser Klingeln das Gartenthor und wir schritten durch den anmutigen und wohlgepflegten Garten dem Hause zu.
In der Vorhalle waren schon eine Menge Menschen versammelt, nur Italiener und zwar nicht eben distinguierte Erscheinungen.
Ein Mann war da mit einem großen Korbe voll Wein, den er offenbar dem General zum Ge— schenk bringen wollte; mehrere Damen mit Schreiben in der Hand warteten ebenfalls. Die Thür, die aus der Halle in das Haus führte, war fest ver⸗ schlossen. Meine Damen waren besorgt, ob wir auch wirklich vorgelassen werden würden— das ganze Arraugement war nicht eben Vertrauen
erweckend.
Thür ein wenig geöffnet und der unfrisierte Kopf einer Magd ließ sich sehen. Was wir wollten?— Dem General unsre Aufwartung zu machen, seien wir gekommen, und um uns nach seinem Befinden zu erkundigen.— Wir möchten unsre Karte geben. Ich war der Einzige, der eine solche besaß, meine Begleiterinnen hatten sämmtlich die ihren zu Hause gelassen. Ich schrieb also auf meine Karte unter meinen Namen„colla sua famiglia“ in der be— stimmten Voraussetzung, daß man nach der Art unsrer Verwandtschaft nicht weiter nachforschen würde.
Die vor uns Angemeldeten wurden teils em— pfangen, so der Mann mit dem Weinkorbe, andre abgewiesen, was uns wiederum bedenklich machte, zumal die Zeit des Wartens unter der Halle uns ziemlich laug vorkam.
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
— Wo bleiben die Platzkartengelder der D-⸗Züge? Auf diese Frage gab kürzlich, wie die „Volksztg.“ meldet, ein schlagfertiger Zugführer eine ziemlich knappe Antwort, über deren Richtigkeit die An⸗ sichten allerdings auseinandergehen mögen. Von Gotha fuhr jüngst ein höherer Offizier mit dem Schnellzuge München— Berlin nach der Reichshauptstadt. Er war nicht gerade erbaut, als man ihm in Leipzig Mk. 2 für eine Platzkarte abverlangte und besprach die Sache ein⸗ gehend mit dem Schaffner und dem Zugführer. Diesen fragte er schließlich: Wo bleibt denn das Geld? Schlag⸗
Ich klingelte; erst nach einiger Zeit wurde die
fertig erwiderte der Zugführer S.:„Herr...„ zunächst bekommt es der Eisenbahnminister, dieser giebt es dem Finanzminister und von dem bekommt es der Kriegs⸗ minister,„der es zur Unterhaltung der Armee verwendet.“ Die Möglichkeit, daß der Zugführer mit dieser Erklärung Recht haben könne, schien auch der Offizier zuzugeben, denn er brach nach dieser Antwort die Unterhaltung ab.
— Ein eigenartiger Schwindel ist nach dem „Konfektionär“ vor einigen Tagen in Berlin verübt worden. Eine sehr elegant gekleidete Dame fuhr in einer Equipage vor einem großen Magazin vor, kaufte einen Pelzmantel für Mk. 1200 und gab einen Check über Mk. 5000 in Zahlung, auf eine große Bank gezogen. Der Inhaber des Geschäfts gebrauchte die Vorsicht, rasch Jemanden nach der benachbarten Bank zu schicken, mit der Anfrage, ob der Check in Ordnung sei. Als die Dame etwas lange warten mußte und die Ursache des unfreiwilligen Aufenthaltes erfuhr, wurde sie höchst un⸗ willig, verlangte ihren Check zurück, der ihr von dem inzwischen von der Bank zurückgekehrten jungen Manne ausgehändigt wurde, und verließ das Geschäft, ohne den Pelzmantel gekauft zu haben. Nach einer Viertelstunde kehrte sie jedoch zurück und kaufte den Pelzmantel, den man ihr selbstverständlich auslieferte, und sie erhielt auf den soeben vorgezeigten Check noch die Summe von Mk. 3800 heraus. Als der Check nun wieder auf der Bank vorgezeigt wurde, löste man denselben nicht ein, da die Dame, sofort nachdem der junge Mann zurückgekehrt war, sich inzwischen schon selbst auf die Bank begeben hatte, um den Betrag abzuheben, und dann sofort nach dem betreffenden Geschäft geeilt war, um einen anderen, mit dem ersten vollständig übereinstimmenden Check, der zu diesem Zweck schon vorbereitet war, in Zahlung zu geben. Ein sehr schlau angelegter Betrug, dem das betreffende
Geschäft zum Opfer gefallen ist.


