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Gießen, Freitag, den 9. Oktober
1896.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeilung
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles.
Gießen, 7. Oktober. Nach den bis jetzt borliegenden Landtags⸗Wahlergebnissen dürften die Oppositionsparteien in die neue Kammer um 2 Sitze verstärkt einziehen, so daß künftig die nationalliberale Mehrheit nur 30 gegen 20 Oppositionelle betragen wird. Es wird nun obzuwarten sein, ob die Nationalliberalen bei ihrer bisherigen Taktik verharren und auch fernerhin Präsidium und Ausschüsse allein nach Willkür gestalten werden.
* Gießen, 8. Okt. Am 15. d. Mts. tritt
ein Polizel⸗Reglement betr. Anschlag von Be⸗
kanntmachungen, gewerblichen Anzeigen, öffentliche Ankündigungen, Versammlungen ꝛc. in Kraft. (Siehe Inserat.)
Gießen, 8. Okt. Dem Vorstand des hes⸗ sischen Anwaltstages gehören von hiesigen Rechtsanwälten an die Herren Dr. Gutfleisch Bafst und Dr. Reatz.
Gießen, 7. Okt. Nächsten Sonntag, 11. Oktober, feiert der Gesang verein„Harmo⸗ nie“ in Steins Saalbau sein 50 jähriges sfest, verbunden mit Fahnen⸗ onzert und Ball. Die eingeladenen Vereine haben fast vollständig zugesagt, sodaß der gesangliche Teil des Programms von reich⸗ haltiger Abwechselung sein wird. Der Lahn⸗ thalsängerbund wird unter anderem mehrere 1 Chöre mit Musikbegleitung vortragen.
ie hiesige Sängervereinigang wirkt unter der tüchtigen Leitung des Herrn Franz Bauer mit. Ein gutes Gelingen des Festes steht, nach alledem zu urteilen, außer Frage.
* Gießen, 7. Oktober.(Sta dttheater.) Der heutige Theaterabend bringt als Novität das Zaktige Schauspiel von Felix Philippi„Der Dornenweg“. Auf allen Bühnen mit groß⸗ artigem Erfolge aufgeführt, wird das Stück auch hier seine Wirkung gewiß nicht verfehlen, umso⸗ mehr, als das Ensemble erwiesenermaßen aus durchweg tüchtigen Kräften besteht, die ihr ganzes Können einsetzen, um der Direktion das beste Renomms zu sichern. Da nun feststeht, daß man bon unserem Stadttheater nur vorzügliche Leistungen zu erwarten hat, muß es umsomehr befremden, daß sich unser Publikum immer noch passiv verhält. Hat es etwa an der seither un⸗ praktischen Einrichtung des Billets⸗Vorverkaufs gelegen? Es wäre doch ein zu winziger Grund, wenngleich es im Interesse der Bequemlichkeit des Publitums liegt, daß man die Vorverkaufs- stelle inmitten der Stadt errichtet, und nicht so abgelegen, wie es seither der Fall gewesen ist. Ein gutes Theater sollte man diesen kleinen
Mißgriff nicht entgelten lassen. Dem Uebelstand ist nun abgeholfen, seitdem Herr Ernst Chal⸗ lier den Vorverkauf der Billets bereitwilligst übernommen hat.— Morgen Freitag wird nun ein Gast in unserem Theaker erscheinen. Es ist der Direktion gelungen, Fräulein Bertha Gie⸗ seke vom Franffuürter Stadttheater zu einem einmaligen Auftreten zu gewinnen und zwar in dem Lustspiel„Tilli“ von Francis Stahl. Wir sprechen den Wunsch aus, daß die Bemühungen der Direktion, die keine Kosten scheut, um den Anforderungen des Publikums zu entsprechen, demnächst besser belohnt werden. Grünberg, 8. Okt. Vor einigen Tagen ereignete sich hierselbst ein recht bedauerlicher Unglücksfall. Beim Einernten von Wall⸗ nüssen stürzte ein hiesiger Einwohner so un⸗ aa vom Baum, daß er das Genick rach und augenblicklich starb. Zwei andere Männer stürzten von demselben Baum und zogen sich mehr oder weniger Hautverletzungen zu. * Grünberg, 8. Okt. Die Durchschnitts⸗ preise der auf dem letzten Wochenmarkte ver⸗ kauften Früchte stellen sich pro 50 Kilogramm bei Weizen 7,34 Mk., Korn 6,49 Mk., Hafer 6,32 Mk. * Bad Nauheim, 7. Okt. Der mit dem Ingenieur Wilhelm Meyer am 4. Mai 1863 auf 35 Jahre wegen der städtischen Gasbeleuch⸗ tung abgeschlossene Vertrag läuft den 4. Mai 1898 ab. Der hiesige Gemeinderat hat nun in seiner gestrigen Sitzung im Interesse der Stadt und des Bades die Einführung der elektrischen Beleuchtung der Stadt zu dem bezeichneten Zeit⸗ punkt für ein dringendes Bedürfnis erklärt, weil sonst zu befürchten stehe, daß noch weitere Hotels und andere größere öffentliche Etablissements selbst für elektrische Anlagen sorgen würden und deren Kundschaft für das Unternehmen verloren gehen werde. Die Bürgermeisterei wird nun Namens der Stadt ein Ausschreiben erlassen, um Unter⸗ nehmer zu Offerten zu veranlassen.
*Darmstadt, 7. Okt. Großherzog und Ministerium genehmigten die Ausführungen der elektrischen Straßenbahn nach dem Be⸗ schluß der Stadtverordneten.— Bei Auerbach an der Bergstraße wurden gestern in einer Kalksteingrube durch herabstürzende Fels⸗ massen zwei Arbeiter, beide Familienväter, getötet. Einem dritten Arbeiter wurden beide Beine abgequetscht.
* Darmstadt, 7. Oktober. Aus dem 13. Landtagswahlbezirk(Ried, seitheriger Vertreter der nationalliberale Hechler) wird gemeldet, daß, nachdem in Griesheim die Wahlmännerwahlen
sind, die Wahl des zum Bunde der Landwirte und den Reformern nahestehenden Landwirts Graf in Büttelborn wahrscheinlich ist. Jeden⸗ falls sind die Chancen für Hechler sehr gering.
* Darmstadt, 7. Okt. Das russische Kaiserpaar trifft am Samstag Vormit⸗ tag 9 Uhr auf dem Ludwigsbahnhof ein. Nach Ueberführung des r En in die Main⸗Neckarbahn findet dort offizieller Empfang statt. Am Abend werden die hiesigen Vereine vor dem Alten Palais eine Serenade darbringen.
* Mainz, 7. Oktober. Vor dem Schwur⸗ gericht stand heute der Kohlenhändler Benedikt Eifler von Kostheim unter der Anklage des be⸗ trügerischen Bankerotts. Der Angeklagte hat nach ausgebrochenem Konkurs eine Reihe kleiner Geldbeträge einkassiert und für sich be⸗ halten. Die Geschworenen erklärten ihn für schuldig, billigten jedoch angesichts der Notlage, in der sich der Angeklagte befunden, mildernde Umstände zu, worauf das Gericht ihn zu 3½ Monaten Gefängnis verurteilte.
* Mainz, 7. Okt. In unserem Nachbarorte Weisenau hat sich heute Morgen ein Un⸗ glücksfall zugetragen. Der Cementarbeiter Hehler aus Ober-Saulheim geriet in den großen Treibriemen der Fabrik und wurde, 05 die Maschine stillgestellt werden konnte, mehrere Male in dem Maschinenraum herumgeschleudert und zu einer unförmlichen Masse verstümmelt. Der Tod war sofort eingetreten.— Das Schwurgericht verhandelte heute gegen die 25jährige Köchin Maria Anna Elisabeth Lang aus Markwei, die angeklagt ist, am 20. Juli d. J. ihr uneheliches Kind während der Geburt getötet zu haben. Das Urteil lautete auf 17 Monate Gefängnis.
Mainz, 7. Okt. Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Schmitt⸗Mainz will in Gemeinschaft mit den übrigen Zentrumsmit⸗ gliedern des hessischen Landtags in der nächsten Sesston einen Gesetzentwurf über die Wahl⸗ pflicht der Wahlberechtigten einbringen.— Bei dem gestern Abend vom Worms kommenden Personenzug Nr. 19 ist kurz nach der Ausfahrt in Nierstein der Hilfsschaffner Nuß baum vom Trittbrett gestürzt. Nußbaum ist eine Zeitlang besinnungslos liegen geblieben; er hat verschiedene Verletzungen im Gesicht davongetragen. Er wurde mit dem nächsten Zug nach Mainz verbracht.— Vor kurzem reiste ein hiesiger Herr auf 14 Tage von hier fort, um sich zu erholen. Er hinterließ weder seiner Familie, noch seinen Freunden den Ort seines Reisezieles. Die Tochter des Herrn wollte auf die Dauer der Abwesenheit ihres Vaters zu nahe wohnenden
im soztialdemokratischen Sinne ausgefallen
Verwandten sich begeben. Kaum war das Mäd⸗
chen von hier abgereist, als es schwer erkrankte und alsbald verschie d. Als der Vater wieder zurückkehrte, lag sein unglückliches Kind bereits 10 Tage unter der Erde.
Schwurgericht. W. Gießen, 8. Oktober.
Heute Vormittag wirb nach Bildung der Geschworenen⸗ Bank in die Verhandlung gegen Vitt und vier Genossen wegen Landfriedensbruch eingetreten. Die Anklage wird vertreten durch Gerichtsassessor Dr. Friedrich. Fünf Verteidiger nehmen im Saale Platz. Die Angeklagten und deren Verteidiger sind die Folgenden: 1. Heinrich Wilh. Vitt, 32 Jahre alt, Ziegelelarbeiter von Erks⸗ hausen(Rechtsanwalt Dr. Fuhr), 2. Ferdinand Joh. Fischer, 20 Jahre alt, Tagelöhner von Ober-Erlenbach (Rechtsanwalt Rosenberg II), 3. Friedrich Fischer, 27 Jahre alt, Taglöhner von Ober⸗Erlenbach(Rechts⸗ anwalt Hirschhorn), 4. Johannes Stein, 30 Jahre alt, Ziegeleiarbeiter von Rautenhausen(Rechtsanwalt Metz), 5. Joh. Hade, 22 Jahre alt, Ziegelelarbeiter von Schwarzenhassel(Rechtsanwalt Kraft). Vitt und Hade sind vorbestraft. Außer Fischer und Hade sind die Angeklagten verheiratete Männer. Die Angeklagten sind beschuldigt, daß sie in der Gemarkung Ostheim am 12. Juli 1896 an der Zusammenrottung einer Menschen⸗ menge, welche mit vereinten Kräften Gewaltthätigkeiten gegen Personen beging, teilgenommen und hierbei selbst Gewaltthätigkeiten begangen haben; Verbrechen aus§ 125, Abs. 2 des R.⸗Str.⸗G. Es sind über 20 Zeugen, dar⸗ unter 3 Gendarmen, zu hören. Der Thatbestand der Anklage ist nach der Darstellung der Anklagebehörde der folgende:
Am 12. Juli d. J. wurde zu Ostheim das Gesangs⸗ fest des Wetterauer Hausberg⸗Sängerbundes abgehalten. Der Bürgermeister des Ortes hatte das Aufstellen von Buden zu diesem Feste untersagt. Trotzdem erschien einige Tage vorher in Ostheim ein Budenbesitzer und erklärte, er würde seine Bude doch aufstellen, auch wenn zehn Gendarmen ihn daran hindern wollten. Das Kreisamt, von dieser Willenserklärung jenes Mannes in Kenntnis gesetzt, benachrichtigte die Gendarmerie⸗Station Butzbach von diesem Vorkommen, und so erklärt es sich, daß am Tage des Festes die drei Gendarmen Schwarz, Ebert und Seng in Ostheim auf dem Festplatz anwesend waren. Die Beamten behaupten nun, daß sie bereits am Nachmittag von Russensteinbrennern belästigt wurden, und als ste gegen Abend einen derselben, den Wilhelm Schade, der sich besonders auffallend benommen hatte, nach seinen Legitimationspapieren befragten, soll derselbe sich dumm gestellt und dabei frech benommen haben. Auf wieder⸗ holtes Verlangen nach seiner Legitimation habe derselbe nur immer gefragt:„Was für eine Portion?“ Um der Komödie ein Ende zu machen, forderten die Gendarmen den Schade auf, mit zur Bürgermeisterei zu kommen. Dieser habe sich entschieden geweigert, mitzugehen, sodaß er verhaftet wurde und mit Gewalt dorthin transportiert werden mußte. Unterwegs nach der Bürgermeisterei schlug der Arrestant wie ein Wütender um sich, sodaß die Gen⸗ darmen Mühe hatten, den Rasenden von der Stelle zu
Schwester Adele. Novelette von A. Schöbel. Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Daneben aber fand er Zeit genug, mit der jungen Schwester zu plaudern, herzlich, innig. Aus all seinen Worten, aus jeder vagen Anspielung formte sich's ihr zu unabweisbarer Gewißheit, daß er ihr Schicksal auf dem Herzen trage, daß er sie liebgewonnen habe in den schweren Tagen hier.
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Und sie zitterte vor der entscheidenden Frage. Sie
wagte es nicht, den Gedanken auszudenken, was danach kommen sollte, danach——— An einer bestimmten Grenze hielt ihre Phantasie erschauernd inne.
Aber unbewußt umgab sie den Genesenden mit
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einer heißen stummen Zärtlichkeit, und ihre Stimme
schwebte um sein Ohr gleich einer Liebkosung. Ihr war's, als trüge sie ein verbotenes Festkleid, von
dem sie doch nicht wußte, ob man's ihr lassen, ob man's ihr abreißen würde, sobald man es entdeckte.
Und in schmerzlich süßer Angst erwartete sie die Stunde des Abschieds, die alles entscheiden bn die ihr selber eingeben sollte, das Rechte zu thun.—
Man hatte ihr im Büreau der Anstalt die Wert⸗ lachen des Baumeisters eingehändigt, die man seit einer Einlieferung aufbewahrte.
Zaum letzten Mal ging sie zu ihm, auf den schon ber Wagen harrte, der ihn fortführen sollte. Stumm legte sie seine Uhr vor ihn hin, eine Busennadel und den zürbrochenen Ring, den man ihm vor der Operation abgenommen hatte. g Lächelnd bob er die Trüchmer auf.„Blessiert wie ich. Aber das Beste ist unverletzt geblieben“, Er bückte sich tiefer.„Der Name, der drin steht, und die Jahreszahl. Beide sind unversehrt. 1892! Drel Jahre wartet sie nun schon auf mich! und wie hat sie meine alte Mutter in der Zeit gepflegt!
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And dann, als ich endlich eine gute Anstellung ge, unden hatte,— da wär's beinahe aus gewesen! Arme kleine Abele!— Sie heißt Adele, wie Sie,
und gleicht Ihnen—— In meinen Fieberträumen hab' ich Sie ja beide verwechselt! Und weil Sie ihr so ähnlich sind, wünscht' ich so sehr, daß Sie
zu meinem Mutterchen gingen, nach meiner
Hochzeit—“ 5 Er sah auf. Ein ächzender Wehlaut hatte ihn
unterbrochen. Der Mann erschrak vor dem, was
er da ablas von dem Gesicht des jungen Weibes in der klösterlichen Tracht. Die Thränen schossen ihm heiß in die Augen und blendeten ihn. Die plötzliche Erkenntnis dessen, was er heraufbeschworen, mit seiner unbefangenen Zutraulichkeit, mit der Kundgebung seines heftigen Mitleids, das sich die junge Schwester trügerisch gedeutet, raubte ihm fast die Besinnung.
„Schwester Adele“, stammelte er fassungslos. „Oh mein Gott, werden Sie mir verzeihen können?“
Sie nickte heftig. Aber ihre Augen flehten ihn an, zu gehen, sie allein zu lassen. 5
Er schämte sich, es zu thun, hinauszugehen in die Welt, in den Sonnenschein, in das Leben, und sie zurückzulassen an dem traurigen Ort.
Eine Sturmflut von Worten drängte in seinem Innern empor. Aber er mußte schweigen. Er konnte, er durfte hier nicht trösten. 5
Langsam schritt er zur Thür, den Kopf gesenkt. Wie ein Wegelagerer kam er sich vor, der eine wehrlose Frau beraubt hat.
„Leben Sie wohl, Schwester Adele“, sagte er mit erstickter Stimme.„Liebe Schwester Adele.“ Und er betonte das Wort„Schwester“.
„Werden Sie glücklich“, entgegnete sie tonlos.
Und dann war er fort.— 355
Die junge Diakonissin legte den Kopf auf die Kissen, zwischen denen ihr Liebstes gelitten und ge⸗ ruht. Eine ungeheure kalte Leere war in ihr.
„Der Kampf ist das Glück“, murmelte sie mit todtblassen Lippen.„Und ich bin glücklich gewesen.“ Sie stöhnte.
Und dann erhob sie sich und ordnete das Zimmer für einen neuen Gast.
Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel.
(Nachdruck verboten.)
„Sagen Sie, Deutscher, glauben Sie an— Ge— spenster?“ fragte mich der Polizei-Sergeant mit einem halb belustigten, halbspöttischen Zwinkern seiner kleinen, stechenden Augen.
„Nein, Sergeant, ich glaube nicht an Ge— spenster“, entgegnete ich prompt in streng⸗dienstlicher Haltung.
„Ich auch nicht“, nickte er beifällig, und dann bückte er sich wieder über das Aktenstück, welches aufgeschlagen vor ihm auf dem Tisch lag.
Das war die allerdings sonderbare Einleitung zu dem merkwürdigsten Erlebnis in meiner lang— jährigen Thätigkeit als berittener Polizist im wilden Innern von Australien.
„Eine sonderbare Sache“, sagte mein Vorge— setzter kopfschüttelnd und halb für sich.„Ich weiß auch nicht, ob Sie ihr gewachsen sein werden.“
Das trieb mir das Blut zu Kopf.
„Sergeant, ich bin Soldat gewesen“, erinnerte ich.„Ein ehemaliger Ziethen-Husar, der sich im großen Krieg das eiserne Kreuz verdient hat, kennt keine Furcht“
„Wohl, Deutscher, so war es auch nicht gemeint“, lenkte er ein.„An Ihrem Mut habe ich noch niemals gezweifelt und Ihre militärische Akkuratesse in allen Punkten des Dienstes ist geradezu muster— haft. Damit kommen wir aber in dieser Sache nicht weit. Hier handelt es sich um ebenso viel Schlauheit, wie Verwegenheit, zunächst überhaupt nur um Spionage, dann allerdings auch um rasches, selbständiges Handeln, wenn der dazu ge— eignete Moment gekommen scheint. Ich fürchte ge⸗ rade von Ihrem zu mutigen und militärischen Vor⸗ gehen, daß Sie sich nutzlos opfern und uns um einen schönen Erfolg bringen werden. Das möchte
ich nicht. Ich würde Sie ungern verlieren.“ Diese mysteriösen Andeutungen machten mich
natürlich erst recht gespannt auf diesen außerge⸗ wöhnlichen Fall.
Das Geheimnisvolle reizt immer und bisher hatten wir es hier nur mit offenen Verbrechen und gemeinen Verbrechern zu thun gehabt.
„Wenn Sie mir einen Einblick gestatten wollten“, sagte ich,„dann würde ich eher in der Lage sein, zu beurteilen, in wie weit Ihre Befürchtungen zu⸗ treffen oder nicht.“
„Gut, ich will Ihnen den Fall unterbreiten“, nickte der Sergeant.„Setzen Sie sich und brennen Sie sich eine Zigarre au. Wir wollen die Sache außerdienstlich behandeln. Sie sollen selbst darüber bestimmen, ob Sie diese geheimnisvolle und nicht gefahrlose Mission übernehmen wollen oder nicht. Thun Sie es, dann erteile ich Ihnen einen Urlaub auf unbestimmte Zeit. Die Uniform müssen Sie ausziehen. Und nun hören Sie zu.“
Nachdem ich dem freundlichen Sergeanten für das mir bewiesene Vertrauen gedankt und es mir bequem gemacht hatte, begann er:
„Sie wissen, daß wir hier auf einen verlorenen Posten gestellt sind. Eine Polizei-Station, die nicht mehr ist, als ein Blockhaus, mitten in der Wildnis und mit nur vier Mann Besatzung, von denen immer Drei unterwegs sind, ist kein begehrenswerter Aufenthalt, zumal in einem Distrikt, der in der Kriminal⸗Statistik Viktoria's eine traurige Berühmt⸗ heit erlangt hat. Wir sind hierher gesandt, um mit dem nach der Grenze verdrängten Räuber-⸗Un⸗ wesen gründlich aufzuräumen, und das dürfte, aller Wahrscheinlichkeit nach, auch am Grund dieser Sache stecken.— Kennen Sie die sogenannte tote Schlucht.“
„Ich— habe davon sprechen hören“, erwiderte ich zögernd.
„Sagen Sie doch lieber, Sie kennen sie nicht“, meinte der Sergeant kurzweg.„Das erschwert Ihnen Ihre Aufgabe.“
„Also dort liegt das Feld meiner Thätigkeit?“ fragte ich ablenkend.
(Fortsetzung folgt.)


