Ausgabe 
9.8.1896
 
Einzelbild herunterladen

il

Monts No. 0 ee 40 Pl

he 0

7 ers zur Erbauu

Wohnhäuser Ausmauerung!

für Massiobl 16 d

aukalt und Wo von gructbeg

telbereitung, entgegen?

ec

cher-Massst

1 gedermau 0 5(oblgose

4 86

Gießen, Sonntag, den 9. August

deszeitun

usgabe Gießen.

Redaktion:

65 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2

Die Verstaatlichung der hessischen Ludwigsbahn

hat, wie dieFrankft. Ztg. meint, in einem Kreise spezifisch borussischer Partikularisten Hoffnungen eigener Art wachgerufen; man träumt bereits von einer Unifi⸗ zlerung der deutschen Staatsbahnen unter preußischer Ver⸗ waltung. So schreibt der Silbermann und Landtagsabg. Dr. Arendt in seinemDtsch. Wchbl.:

Mit der hessischen Ludwigsbahn greift die preu⸗ ßische Staatsbahn nach Süddeutschland hinein.

Ihr nächstes Ziel muß es sein, die elsaß⸗lothringi⸗

schen Reichsbahnen sich anzugliedern.

Gelingt

dies, so wird Baden den größten Teil des Durchgangs⸗

kurrenzkampfes zu setzen.

Theorie so endgiltig beseitigt schien.

wigsbahn ist also von außerordentlicher Tragweite.

verkehrs von Norden nach der Schweiz verlieren. Eine empfindliche Schmälerung der badischen Eisenbahnen muß die Folge sein, bis schließlich Baden es vorzieht, die Vereinigung an Stelle des vernichtenden Kon⸗ Mit jedem Zuwachs wird naturgemäß das Uebergewicht der preußischen den noch übrigen deutschen Staatsbahnen gegenüber um so unerträglicher. Es vollzieht sich demnach durch einen unwiderstehlichen wirtschaftlichen Prozeß in der Praxis derselbe Uebergang zum Reichsbahnsystem, der in der Der scheinbar so einfache Vorgang der Verstaatlichung der hessischen Lud⸗ Das Prinzip ist gefunden und wird hier zuerst verwirklicht, welches uns die Einheit des Eisenbahnwesens in Deutsch⸗

N land schließlich bringen wird. Es ist ein hohes Verdienst

der preußischen Finanzverwaltung, hier erfolgreich ein⸗ gegriffen zu haben. Finanzminister Miquel hat damit in aller Stille und fast unbemerkt einen großen und folgenschweren Schritt vorwärts gethan. Der Weg zur Vereinheitlichung der deutschen Eisenbahnen ist frei, die Erreichung des Zieles ist nur noch eine Frage der Zeit. In Hessen, so bemerkt hierzu dieFrkf. Ztg., wird man diese Auslassungen mit sehr gemischten Gefühlen lesen, im übrigen Süden werden sie aber das Gegenteil des etwa beabsichtigten Zweckes erreichen. Die politischen Freunde des Dr. Arendt mögen ja Sympathien dafür besitzen, dem Süden den preußischen Wasserstiefel fühlen zu lassen, um ihn dadurchkirre zu machen, in Süddeutschland 0 aber würde jeder Versuch einer solchen Eroberungs⸗ politik eine Stimmung erzeugen, die wir im Interesse 10 Reiches nicht erleben möchten. Der frivole Politiker, er Preußen solche Ratschläge zu erteilen wagt, weiß offenbar nicht, wie groß jetzt schon die süddeutsche Ab⸗ geigung gegen gewisse preußische Eigenheiten ist und wie leicht es ist, sie durch kindische Faselejen zu steigern. In Eisenbahndingen ist Preußen in wichtigen Stücken der rückständigste deutsche Staat und schon deshalb nicht ge⸗ eignet, die Führung zu übernehmen. Nimmt der Gedanke eines Reichseisenbahnwesens einmal greifbare Gestalt an, dann kann das nur unter Schaffung von Garantieen geschehen, die Reichseisenbahnen vor dem verkehrsfeindlichen skalismus Preußens völlig sicher stellen. Auch Herrn srendt und seinen politischen Freunden wird man die üddeutschen Bahnen schwerlich ausliefern. Was schließlich en in Aussicht gestelltenvernichtenden Konkurrenzkampf der preußischen Linien gegen die süddeutschen anbelangt, o klagt man auch jetzt nicht über übermäßige Liebens⸗ ürdigkeit Preußens.

5 5 7 7 7 Lokales und Provinzielles. IL. Gießen, 8. August. Eine sichtbare Son⸗ enfinsternis findet am morgigen Sonntag, den 9.

August statt, worauf wir alle Leser, die sich für derartige

Naturerscheinungen interessieren, schon heute gebührend aufmerksam machen. Leider wird die Sache nicht sonder⸗ lich aufregend und interessant sein, da die Finsternis in unsern Gegenden nur eine teilweise ist, infolge der That⸗

che, daß der Südrand der Sonnenscheibe

vom Monde

unbedeckt bleibt; im nördlichen Norwegen dagegen, in Sibirien und Japan, wird man das Phänomen in seiner ganzen Ausdehnung beobachten können. Die Mitte der Verfinsterung tritt im nördlichen Deutschland etwa früh um 4 Uhr 41 Minuten ein, fällt also fast mit dem Sonnenaufgang zusammen, während im südlichen Deutsch⸗ land der mittlere Stand gegen 7 Uhr 34 Minuten Mor⸗ gens erreicht ist. Im nördlichen Deutschland wird die Sonnenscheibe bis zu 8/00, im südlichen bis zu 68/0 ihres Durchmessers verfinstert. Wer diese bescheidenen Verfinsterungen beobachten will, der wird gut thun, recht zeitig aufzustehen, da die Sonne auf säumige Zuschauer nicht wartet und äußerst prompt ihren himmlischen Ver⸗ pflichtungen nachzukommen pflegt. Wir fürchten freilich, das Schauspiel, das sie morgen giebt, wird wenig Lieb⸗ haber finden, weil es sehr unglücklich in Sonntagvor⸗ mittagsstunden hineinfällt, die man gewöhnlich zum Aus⸗ schlafen von den Strapazen und Lustbarkeiten der Sonnabendnacht benutzt. Wir schlagen also unverbesser⸗ lichen Nachtschwärmern vor, sich an die Sternschnuppen⸗ fälle zu halten, denen sie beim Nachhausegehen bequem ein halbes Stündchen widmen können. Kein Monat ist so reich an Sternschnuppenfällen, wie der August, und besonders die Nächte um den zehnten herum bieten nach dieser Richtung hin genug des Sehenswerten. Es regnet da förmlich Sternschnuppen, vorausgesetzt, daß der Him⸗ mel hübsch klar bleibt, was wir natürlich zu Gunsten unserer Sternschnuppenfreunde aufrichtig wünschen. Sie werden bei reiner Atmosphäre ein um so glänzenderes Gratis⸗Feuerwerk erleben, als im Monat August bekannt⸗ lich der Sternenhimmel sein helles sommerliches Gewand mälig mit einem herbstlichen vertauscht und um Mitter⸗ nacht jene tiefdunkle Färbung zeigt, welche die winzigsten Sternchen zur Geltung kommen läßt und dem staunenden Blick alle Sternbild⸗Wunder der schimmernden Milchstraße erschließt!

* Gießen, 8. Aug. Zwei Konzerte in einer Woche, beide vor gut besetztem Hause, wie es diese Woche in Steins Garten der Fall war, ist für Gießen ein Ereignis. Erst die Ungarn, von denen man einstimmig sagen kann, die ganze Kapelle bestand aus Geigerkönigen, gestern das Trompeterkorps des 6. Magdeburgischen Dragoner Regiments. Der Besitzer von Steins Garten hat in diesem Jahr, das muß ihm der Neid lassen, eine glückliche Hand. Alle seine musi⸗ kalischen Veranstaltungen werden nicht nur gut besucht, sondern er gewinnt, weil er vorzügliches bietet, immer mehr begeisterte Anhänger, die für die Konzerte in Steins Garten nicht nur schwärmen, sondern auch kräftig Propaganda für dieselben machen. Doch nicht davon wollten wir sprechen, sondern von den Leistungen der Dragoner. Ein Konzert von Trompetern, in einem geschlossenen Raum, in dem dasselbe der kühlen Witterung halber stattfinden mußte, ist für manche Ohren nicht gerade etwas Angenehmes. Doch diese Dragoner-Musik war so recht für einen Saal berechnet, man konnte dabei die feinen Nüancirungen, die auch auf Blechinstrumenten möglich sind, bewundern und nach dieser Richtung leistete die Kapelle einfach Großartiges. Selbst der historische Teil des Programms, welcher in schmetternder Fan⸗ farenmusik bestand, wirkte im geschlossenen Raum vorzüglich. Die Kapelle plazierte sich auf der Gallerie des Saales, wodurch die Schallwellen etwas abgeschwächter wurden. Der Spielzettel war vorzüglich zusammengestellt und bot viel neues für Gießen, u. A.Unterm Kyffhäuser von Schröder für Heroldstrompeten, auch der

Finnländische Reitermarsch aus dem 30jährigen Kriege, dürfte neu für uns sein, ebenso das Potpourri von ThieleBerliner Gewerbe-Aus⸗ stellungs-Melodien. Die Kapelle erntete, wie dies nicht anders sein konnte, reichen Beifall und wiederholte in Folge dessen manche der Piegen oder erwies sich dankbar durch manchen hübschen Reitermarsch, den sie als Einlage brachte.

Gießen, 8. August.(Strafkammer⸗ sitzung.) Kirchner und Ebersbach, zwei norddeutsche Stromer hatten in Langgöns Wäsche gestohlen. Ein schwarzer Menschenbruder, der in Sansibar geborene William Charles, traf kurz nach dem Diebstahl mit ihnen zu sammen. Den Norddeutschen machte es an scheinend Spaß, den Neger mit einem reinen Hemd zu versehen, um so mehr, als sie dieses Vergnügen nichts kostete, denn sie schenkten dem Charles ein solches, welches sie eben gestohlen hatten. Diese Liebesgabe wurde aber für den Afrikaner ein Dangergeschenk, denn die beiden Diebe wurden verhaftet und auch der Schwarze wurde unter dem Verdacht der Teilnahme oder der Hehlerei mit in Sicherheit verbracht. Gestern Vormittag hatte sich das Kleeblatt vor unserer Ferienstrafkammer wegen ihrer Strafthaten zu verantworten und legte die Anklage dem schwarzen Menschenkinde zur Last, sich der Hehlerei schuldig gemacht zu haben. Der Beschuldigte konnte in seiner Einfalt nicht einsehen, daß darin ein Un⸗ recht liege, wenn man ein reines Hemd geschenkt bekomme und dieses doch für die ganze Mensch heit im allgemeinen so wohlthätige Kleidungsstück annehme. Nach seinen afrikanischen Begriffen hätten die beiden Geschenkgeber alles eher ver dient, als daß man dieselben ins Loch sperre. Lächelnd hörten unsere sonst so ernsten Richter diese Rechtsbelehrung des Negers an. Zwar die Staatsbehörde plädierte für Verurteilung aller drei Angeklagten. Die Strafkammer verhängte über die beiden Diebe 4 resp. 1 Monat Gefäng⸗ nis. Das Menschenkind aus Sansibar wurde aber von Strafe und Kosten freigesprochen. Mit vor Freude strahlendem Gesicht verließ der Neger den Gerichtssaal. In einer zweiten Sache drehte es sich um gemeinschaftlichen Hausfriedens⸗ bruch, den der Dachdeckermeister Rößner und dessen Geselle Buchnauer von Alsfeld be⸗ gangen haben sollten. Das Schöffengericht Als⸗ feld hatte die beiden Leute freigesprochen. Die Staatsbehörde verfolgte Berufung. Der Land⸗ tagsabgeordnete Gundrum in Alsfeld hatte zu Meister Rößner gesandt, er solle sofort an einem ihm gehörigen Hause ein Gesims festmachen, das der Sturm losgerissen hatte. Rößner beauf⸗ tragte seinen Gesellen mit der langen Leiter voran zu gehen, während er inzwischen in den

Gasthof zur Krone sich begab, um einen Schlüssel

zur Thür des Gartens zu holen, da man nur von diesem aus an die beschädigte Stelle des Daches gelangen konnte. Der Geselle, dem die Ankunft des Meisters zu lange dauerte, kletterte aber inzwischen über das nur niedrige Stacket des Gartens, die lange Leiter mit sich nehmend und begab sich ans Werk um den Schaden zu reparieren. Doch da erschien der Reallehrer Dr. Georg Jakob, welcher die Parterreräume,

Haus und den Garten vom Gundrum

gemietet hatte, und verlangte, der Dach decker sollte sich augenblicklich entfernen, sonst zeige er denselben wegen Hausfriedensbruch an. Es gab einen lauten Wortwechsel zwischen den Parteien, den der herankommende Meister schon außerhalb des Gartens hörte, und da er die leere Leiter am Hause wahrnahm, glaubte er, es sei etwas passiert und wählte ebenfalls den kürzesten Weg, um an Ort und Stelle zu kommen, in dem er auch über das Stacket stieg. Auch der Meister wurde, unter der Androhung der Anzeige, zum Verlassen des Gartens aufgefordert. Beide An⸗ geklagte erklärten heute vor der Strafkammer, sie hätten nicht das Gefühl gehabt, als ob sie widerrechtlich in dem Garten verweilt hätten. Der Geselle stützte sich auf den Auftrag des Meisters und dieser wiederum erklärte, er habe

gewußt, daß das Haus Gundrums Eigentum

sei und daß dieser den Garten stets begangen

habe, wenn er zu einer in demselben befindlichen Faßhalle gelangen wollte, ihm sei auch der

Schlüssel zur Pforte des Garteus eingehändigt

gewesen, wenn er diesen nicht benutzt, so sei der

Dr. Jakob selber Schuld daran, denn hätte dieser

nicht gelärmt, so wäre dies geschehen. Assessor

Brühl, der die Staatsbehörde vertrat, plai⸗ dierte auf schuldig des gemeinsamen Hausfriedens⸗ bruches und beantragte als ausreichende Sühne gegen jeden der Angeklagten auf 8 Tage Ge⸗ fängnis zu erkennen. Rechtsanwalt Dr. Jung, der die Verteidigung führte, war der Meinung,

beide Angeklagten müßten freigesprochen werden.

Es sei allgemeiner Rechtsgrundsatz, daß jedem Wohnungsvermieter das Recht zustehe, die ver⸗ mietete Wohnung zu betreten, oder von Hand⸗

werkern betreten zu lassen, sofern darin Repara⸗

turen vorzunehmen seien. Jeder Mieter einer Woh⸗ nung oder eines Hauses solle froh sein, wenn der Vermieter mit der Ausbesserung von Schä den

recht eilig sei. Im vorliegenden Falle

war der Schaden am Dache ganz besonders

dringend, denn jeder neue Windstoß konnte in

Folge der vorhandenen Lücke am Gesims größeres Unheil an der Baulichkeit anrichten. Es können

hier nur, im Fall man überhaupt ein widerrecht⸗

liches Verweilen annehmen wolle, gegen jeden der Angeklagten wegen einfachen Hausfriedens⸗ bruches auf eine geringe Geldstrafe erkannt werden, denn beide Angeklagte seien vollkommen unbestraft. Der Gerichtshof sprach beide Ange⸗ klagte von Strafe und Kosten frei, indem er die Berufung der Staatsbehörde verwarf und das schöffengerichtliche Urteil bestätigte.

Lich, 7. August. Eine Stierjagd in aller Form hatten wir dieser Tage. Einem Bauer war auf dem Transport nach hier ein Stier wild geworden. Das Thier riß sich los und versuchte seinen Transporteur zu stellen. Dieser gab so schnell wie möglich Fersengeld und flüchtete, um sich den Tierarzt und mehrere Männer zu Hülfe zu holen. Man zog bewaffnet in den Wald, wo sich der Stier nach Herzenslust austobte. Beherzt gingen die Männer auf die Suche nach demWildgewordenen, der seine Nähe durch kräftiges Gebrüll anzeigte. Aber, o weh! kaum hatte das Tier die Mannschaft erblickt, da stürzte es in gewaltigen Sätzen mit gebeugten Hörnern auf seine Gegner zu, die so

Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Sind Sie bei Trost? warf Degenstein mit 5 Kälte hin, die sozusagen aus der abgrundtiefen Kluft drang, die er als Aristokrat zwischen sich und diesemRoturier erblickte.Was haben Sie mir zu melden?

Daß ich eine fürchterliche Anschuldigung wider Sie erheben muß, Herr Graf, erwiderte Ignaz prompt, ohne mit der Wimper zu zucken.Seit einer Viertelstunde weiß ich durch die Güte des Freiherrn v. Effenberg, was der in dem Medaillon

der seligen Frau Gräfin gefundene Zettel enthielt

E und das ist mir ein Schlußstein. Straf' mich tt, wenn ich nicht aus voller Ueberzeugung preche! Sie, Herr Graf, waren jener verkleidete Mann, der am 11. Februar 1889 in den Laden des Friseurs Dingelmann in München gekommen um für seine Schwester ein Haarfärbemittel

zuwählen, und der am andern Tage... Halt! unterbrach ihn da Degenstein mit mandostimme.Sparen Sie ihre Lunge, Sie aselhannes! Belieben Sie, Herr Baron, mir gen, wo das hinaus soll! Sie können un⸗ glich verlangen, daß ich mit diesem Herrn isput fuͤhre...

Effenberg fuhr sich bekümmert über den teten Scheitel und rang nach Luft. i Doch doch der junge Mann hat die Sache ganz an der richtigen Stelle aufgegriffen. Man muß wirklich annehmen, daß Sie und Gräfin Thekla jene Fremden waren, die damals 5 Wie? Ich sagte Ihnen doch klar und deutlich, daß und warum diese Annahme falsch ist. Weil Sie damals wie Sie behaupteten schon in Paris waren? ächzte der Freiherr. Ganz richtig. Wir kamen am 9. oder 10. Februar an; so genau weiß ich das nicht mehr. Effenberg winkte dem Ignaz; das wäre aber nicht nötig gewesen, denn der legte schon i seiner Bewelsakten auf den Lesetisch.. Sie werden sich in dem Datum noch wesent licher geirrt haben, Herr Graf, sagte der Baron mit beinahe flehender Stimme.Lesen Sie das dort! 5 Degenstein schenkte dem Papier keinen Blick, verschränkte die Arme über der Brust und nahm die Miene eines Mannes an, der die Entwicklung einer vorläufig ganz unverständlichen Komödie ab⸗ warten will. a Mit dieser Note, erläuterte Ignaz ernst, giebt die Pariser Polizeipräfektur Auskunft, daß Graf und Gräfin Norbert Degenstein am 13 Februar 1889 in Paris angekommen sind an⸗ geblich aus Prag und im Grand⸗Hotel abge

stiegen sind Am selben Abend noch erkrankte die

gelich⸗

Frau Gräfin, um vierundzwanzig Stunden später zu sterben.

Da ist es doch nicht zu glauben, sagte Effenberg mit sanftem Vorwurf,daß Sie sich des genauen Datums nicht mehr erinnern sollten, Norbert! Thekla gleich nach der Ankunft erkrankt am andern Tage tot der 13. und der 14. Februar müßten Ihnen da doch sehr lebhaft im Gedächtnis stehen.... 5

Gewiß, entgegnete Degenstein jetzt bewegt; dies waren ja die beiden schmerzlichsten Tage meines Lebens. Aber diese Note ist unrichtig, insofern sie behauptet, wir wären erst am Drei zehnten eingetroffen. Wir befanden uns da min⸗ destens schon seit drei Tagen in Paris. Möglich, daß hier ein Fehler des registrierenden Polizeibe⸗ amten vorliegt oder daß wir vom Hotel aus erst hinterher gemeldet worden sind als eben der Trauerfall das Personal an die vernachlässigte Pflicht gemahnte; daß man sich dann im Datum vergriff, das ist leicht zu entschuldigen.

Das wäre ein recht schlimmer Fehlgriff für Sie gewesen, Herr Graf, sagte Effenberg.Aber Sie haben dann, wie man Ihnen nachweisen wird, dem amtlichen Leichenbeschauer ebenfalls den vorhergehenden Tag als den Ihrer Ankuuft zu Protokoll geben müssen. Zeigen Sie den be treffenden Auszug, junger Manu!

Degenstein war plötzlich bis erbleicht.

in die Lippen

es ihm fast tonlos. (Fortsetzung folgt.)

Hübsch zurecht gewiesen. Eine drastische Belehrung wurde vor einiger Zeit in London einer geizigen Dame zu Teil, die folgende Anzeige erlassen hatte:Eine Dame von zarter Gesundheit sucht eine passende Gesell⸗ schafterin. Sie muß häuslich, musikalisch, liebenswürdig, in der Pflege erfahren, von gutem Aussehen sein und früh aufstehen. Temperenzlerinnen bevorzugt. Gemüt⸗ liches Heim. Kein Gehalt. Einige Tage darauf wurde der Dame ein Korb geschickt, in welchem sich bei der Eröffnung eine hübsche Katze präsentierte. Um den Hals war ihr ein Brief gebunden, worin es hieß: Gnädige Frau, es freut mich Ihnen auf Ihre Anzeige eine durchaus passende Gesellschafterin übersenden zu können, die allen Ihren Anforderungen entspricht. Sie ist häus⸗ lich, im Besitze guter Stimmmittel, steht früh auf, besitzt einen liebenswürdigen Charakter und gilt allgemein für hübsch. Sie hat als Pflegerin große Erfahrung, da sie schon eine zahlreiche Familie aufgezogen hat. Ich brauche kaum zu bemerken, daß sie vollständige Temperenzlerin ist. Gehalt beansprucht sie nicht und wird Ihnen für ein ge⸗ mütliches Heim durch treue Dienste danken.

Ein Abschriftsteller. Eine starte dichterische Nachempfindung hat sich einSchriftsteller Leopold Schiener imMarkt⸗Redwitzer Tageblatt geleistet. Wie imRecht der Feder mitgeteilt wird, hat der Herr in jenem Blatte unter dem TitelAuf immer eine Novelle veröffentlicht, die eine wörtliche Abschrift der Hauffschen NovelleDie Bettlerin vom Pont des Arts darstellt.