Gießen, Donnerstag, den 9. Juli
1896.
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4 ar de 90 Kreuzplatz Nr. 4.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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0 Auel bb— San Pott 9 — 2 e e dokales und Provinzielles. 1 c Gießen, 8. Juli.(Strafkammersitzung Nlitker lan m 7. d. M.) Robert Hofmann von Nidda, wegen leger in 1 e 2 Mal und 1 Mal wegen Diebstahl vor⸗ il nde„ sraft, ist vom Schöffengericht zu Nidda wegen Körper⸗ ten in Gu, legung. Widerstands gegen die Staats- Ale spalt und Beleidigung eines Beamten, sowie 10 ruhestörenden Lärms, unter Einbeziehung einer her gegen ihn erkannten zweimonatlichen Gefängnis⸗ ne wegen Körperverletzung, die er aber noch nicht ver⸗ Ven it, zu 2 Monat und 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Pat, i Amtsanwalt hatte damals 8 Monate und 8 Tage beit beantragt. Heute wird auf Berufung der Staats⸗ sörde die Sache vor unserer Strafkammer verhandelt. b handelt sich um ein nächtliches Renkontre, welches der beklagte mit dem Nachtwächter Bingel in der Sylbester⸗ uht in Nidda gehabt hatte, wobei der Beamte von dem hheklagten im Gesicht blutig gekratzt und beleidigt wurde. h senso hat der Angeklagte den Straßenwärter Petermann, . dem bedrängten Wächter zu Hülfe kam, mehrfach in Hand gebissen. Am 16. Juni ist in dieser Sache teungen Mobs, en einmal vor der Strafkammer verhandelt. Der An⸗ espondenten de(ogte behauptete damals unter Angabe von Zeugen, iti erfahren. be sich in Notwehr befunden, denn er sei zuerst vom ter angegriffen und geschlagen worden. Der Nacht- scchter Bingel beschwört indes auch heute, daß Hofmann if ben helle V zuerst mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. 90100 och uachdem er ihn aufgefordert, die nächtliche Ruhe auf der 8 ah aße nicht zu stören, hat der Angeklagte ihn beleidigt, 17, Lüsen. un ist dieser an ihn gegangen. Die heute vernommenen 5 0 61.90 1% aftungszengen stellen die Sache allerdings anders dar. . Gans 190 klgegen der Bekundung des Bingel behaupten zwei Zeugen, 100 A Affaire habe sich in Gegenwart eines Haufens 1 1 fei 1 inender Burschen abgespielt. Der Wächter behauptet, 10 gecl 70. Hofmann sei allein gewesen. Eine Zeugin hat von 70, artofu zen Fenster aus wahrgenommen, daß bei dem Wächter 15 1 10 dem Angeklagten mindestens noch 2 Burschen gewesen Pd. 15—18 li, Der Wächter sei aus einem Gäßchen herausge⸗ kamen, aus welchem Lärm bis in ihre Wohnung ge⸗ ungen. Der Wächter hat heute zuerst bestritten, in dem lischen gewesen zu sein, gab dies aber der Zeugenaussage Frau gegenüber zu. Der Staatsanwalt Koch, Alcher die Anklage vertritt, erklärt, die Berufung zu ver⸗ en aus rechtlichen Gründen und weil die erkannte safe zu niedrig vom Schöffengericht bemessen. Er be⸗ gt, den Angeklagten unter Einbeziehung der noch zu ßenden 2 Monat Gefängnis zu 6 Monaten und Woche Gefängnis und wegen des ruhestörenden Lärms 1 Woche Haft zu verurteilen. Rechtsanwalt Metz, in Abwesenheit des Angeklagten dessen Verteidigung het, plaldiert auf Freisprechung. Dem Nachtwächter lein Glaube beizumessen, wenn er behauptet, er sei ferst geschlagen. Der Wächter hat auch keine Beamten⸗ nalltät. Nach dem hessischen Gesetz hätte der Nachtwächter m Kreisrat in Pflicht genommen werden müssen, dies arg, Denantw. 9 bei Bingel nicht geschehen, und wenn dem so sei, so Dumarn, bade. e auch kein Widerstand gegen die Staatsgewalt vor. ich die Beleidigung des Bingel sei nur durch die Aus⸗
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sondern die Staatsbehörde Berufung verfolge, so liege das daran, daß der Angeklagte ein armer Teufel sei, der die Kosten scheue, nachdem aber von der Gegenseite zur Er— höhung des erkannten Strafmaßes das schöffengerichtliche Urteil einmal angefochten, müsse auch, wenn der Gerichtshof die Ansicht der Verteidigung teile, zu Gunsten des An⸗ geklagten erkannt werden.— Die Berufung der Staats⸗ behörde wird verworfen. Das Gericht ist zu der gleichen Ansicht wie die Vorinstanz gekommen, daß der Angeklagte nur zweier Körperverletzungen und einer Be⸗ leidigung schuldig und die erkannte Strafe hinreicht als Sühne für die Vergehen.
* Gießen, 9. Juli. Das gestern vom Schöffengericht verkündete Urteil gegen den Assessor Schimmelpfenng, der im März dieses Jahres den Schutzmann Link die Treppe im Korpshaus der Hassia hinunter zu werfen versuchte, weil dieser in Gemeinschaft mit seinem Kollegen Kliff müller verlangte, daß das Musi⸗ zieren aufhöre— es war nach 2 Uhr nachts lautete auf 150 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten. In Rücksicht auf die notorische Wohlhabenheit des Verurteilten ist die Strafe eine recht milde. Das Urteil wird leb⸗ haft besprochen.
* Gießen, 8. Juli. Der Auftrieb auf dem gestrigen Kuhmarkt war etwas größer als beim letzten Markt. Es mochten etwa 800 Stück Vieh, darunter 100—150 Kälber und Rinder, am Markt sein. Trotzdem sich die Kauf⸗ lust für Zugvieh wenig lebhaft zeigte, zogen die Preise doch etwas an. Fettvieh behauptete seinen Preis, schwere Kälber, die besonders für Bade⸗ orte stark gesucht waren, wurden hoch bezahlt. Schwere Milchkühe, sogenannte 1.⸗klassige Ware, war nicht am Markt, woran wohl die strengen Vor⸗ Ichriften für unsern Platz die Schuld trägt. Der Handel wickelte sich im allgemeinen schleppend ab. Es wurden verkauft Kühe frischmelkend und tragend 1. Qual. Oberhessische Landkühe 350400, 2. Qual. 250320, geringere Ware, die verhältnismäßig am theuersten sich stellte, 150— 240 /. Fettvieh kostete: Rinder 1. Qual. 55—57, 2. Qual. 53—54 al, Kälber besonders schwere Ware bis 60 ½¼, leich— tere Ware 53—55. per 100 Pfund Schlacht⸗ gewicht.— Der heutige Ochsenmarkt hatte einen Auftrieb von 100—150 Stück mit wenigen Ausnahmen lauter Fahrvieh. Trotzdem fremde Händler ganz fehlten, war der Verkauf doch flott, auch die Preise gestalteten sich etwas höher als am letzten Markt. Schweres Fahrvieh fehlte gänzlich, so daß vorhandene Reflektanten(größere Gutsbesitzer) nicht kaufen konnten. Bezahlt wurde für Fahrochsen 2. Qual. 750820, 3. Qual. 600700, geringe Ware erhielt 400 bis 500, pro Paar. Der vorhandene Auftrieb
4 des angeblich Beleidigten bewiesen und diese Aussage
e keinen Wert, reiche aber keinesfalls hin, um seinen
Samen zu verurteilen. Ruhestörenden Lärm habe nicht
i Angeklagte, sondern der Wächter verursacht. Wenn
onate alten cual. bat aber zu einem anderen Ergebnis kommen würde, so
i basen die vom Staatsanwalt beantragte Strafe doch zu hoch.
flege bei* denn hier im vorliegenden Fall nicht der Angeklagte, t. 5
junger Stiere wurde zu annehmbaren Preisen verkauft. Der heutige Markt wurde ebenso wie der gestrige ganz geräumt.
* Gießen, 8. Juli. Unsere von den Stadt⸗ verordueten s. Zt. gut geheißene Markt-Ord⸗
nung liegt dem Ministerium zur Genehmigung vor. Dem Vernehmen nach wird der Entscheid dieser Tage hier eintreffen und steht dann hoffentlich der Benutzuug unserer Marktlauben nichts mehr im Wege. Endlich!
* Gießen, 8. Juli. Gestern traf seit kurzer Zeit der zweite große Dampfkessel, von Weinbrenner u. Co. fabriziert, hier ein. Der⸗ selbe ist für die Neuanlage der Firma Heyligen— städt u. Co. bestimmt, hat ein Gewicht von 300 Zentner und eine Heizfläche von ca. 80 Quadratmeter. 8 Pferde waren erfor⸗ derlich, um den Koloß von der Eisenbahn nach seinem Bestimmungsort zu befördern. Lollar, 8. Juli. Bei der gestern Abend stattgehabten Uebung der Freiwilligen Feuerwehr ereignete sich ein Unfall, der für die Beteiligten hätte schwere Folgen haben können. Während der Uebung am Steigerturm riß einem Steiger, der eben im Begriff war, die am obersten Stock⸗ werk befindliche Leiter auszuhängen, der Kara⸗ binerhaken. Der Feuerwehrmann rutschte, die ausgehangene Leiter festhaltend, die übrige Leiter herab und stürzte auf einen unten stehenden Feuerwehrmann. Während der erstere mit dem bloßen Schrecken davonkam, wurde der letztere nur leicht am Auge verletzt. * Darmstadt, 7. Juli. Der Direktor und erste Lehrer des evangelischen Prediger-Seminars sowie Pfarrer zu Friedberg D. Gustav Diegel ist auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Auszeichnung geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober l. J. an, in den Ruhestand versetzt worden. Der zweite Lehrer und Professor an dem evangelischen Prediger-Semiuar zu Friedberg D. Wilhelm Weiffenbach wurde zum Direktor und ersten Lehrer an diesem Seminar befördert. Der dritte Lehrer und Professor an demselben Institut Dr. Friedrich Flöring wurde zum zweiten Lehrer und Professor ernannt.
Darmstadt, 7. Juli. Landgerichtsrat Schlink wurde zum Oberlandesgerichtsrat er— nannt, Oberamtsrichter Weiß in Laubach zum Landgerichtsrat in Darmstadt und Land⸗ gerichtsrat Schmitt zum ersten Staatsanwalt in Mainz befördert.
* Darmstadt, 7. Juli. Eine hiesige Zei⸗ tungskorrespondenz will wissen, daß die Regie⸗ rungen von Preußen und Hessen jetzt auch ein Einverständnis dahin erzielt haben, die Direktion der Main⸗Neckarbahn in Darmstadt aufzu⸗ lösen. Der hessische Teil dieser Bahn werde der königl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. unterstellt; es gehe also das ganze hessische Eisen⸗ bahnwesen in den preußischen Staatsbahnen auf. Die neue Eisenbahndirektion Mainz erhalte weder die Bezeichnung königlich noch großher— zoglich. Hessen partizipire am Reinertrag der preußischen Staatsbahnen mit 5 pCt. und habe zu den Anschaffungen von Fahrmaterial u. s. w.
2 pCt. beizutragen. Die Verhandlungen zwischen Preußen, Hessen und Baden seien zwar noch nicht perfekt, aber dem Abschluß nahe. „Mainz, 7. Juli. Heute Nachmittag wurden, wie die„Frkf. Ztg.“ meldet, etwa 10 Soldaten des hiesigen nassauischen Infanterie-Regimentes, die in Folge eines anstrengenden Marsches in der Sonnenglut heute in der Mittagszeit von Hitzschlägen getroffen wurden, in das Militär⸗ lazarett verbracht.— Eine Frau in der Bahn⸗ hofsstraße stürzte sich heute Nachmittag, aus Furcht vor einer vorzunehmenden Operation, zum vierten Stockwerk hinaus in den Hof. Die Unglückliche blieb auf der Stelle tot.— Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte den 13 jährigen Volksschüler E. O. Som⸗ mer wegen Straßenraubes zu 8 Wochen Gefängnis. Der Junge hatte am 6. Mai einem 16 jährigen Mädchen auf der Hechtsheimer Chaussee mit der Drohung:„Das Geld her oder das Leben“ 1 A 10 abgenommen und am folgenden Tag einen ähnlichen Versuch bei einem 9 jährigen Mädchen gemacht. Bei dieser Gelegenheit fiel der jugendliche Straßenräuber der Gendarmerie in die Hände.
* Mainz, 7. Juli. In der heutigen außer⸗ ordentlichen Generalversammlung der Hessischen Ludwigsbahn waren 43840800 Mk. durch 204 Aktionäre mit 3068 Stimmen vertreten. Die Berlin⸗Hamburger Gruppe, die den Antrag auf Erhöhung des Regierungsangebots auf 750. eingebracht hatte, vereinigte 12645 600 1 Aktien mit 21076 Stimmen unter ihrer Führung. Von den Regierungen war kein Vertreter erschienen. Auf Verlesung des Vortrages des Verwaltungs- rates wurde verzichtet. Nachdem Walter(Berlin) erklärt hatte, auf der Ablehnung des Verwaltungs⸗ ratsantrages beharren zu müssen, gab Präsident Hedderich einen Vermittelungsantrag des Ver⸗ waltungsrats bekannt, wonach die Gewährung einer weiteren baren Zuzahlung von 10,50. pro Aktie— insgesamt Erhöhung des Betrags auf 741 1— gefordert wird. Nach längerer Debatte über die verschiedenen Anträge wird der Antrag des Verwaltungsrats auf Annahme des Regierungsangebots von 730.50. mit 41 197 gegen 27929 Stimmen abgelehnt. Rechtsanwalt Blumenfeld erklärte hierauf, durch persönliche Verhandlungen mit den verschiedenen Regierungen die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß die Forderung von 750 ½ nicht durchdringen würde; der Redner tritt deshalb für den Vermittelungs vorschlagdes Ver⸗ waltungsrats ein. Dieser wird mit 71494 gegen 914 Stimmen angenommen.
Vermischtes.
— Die Psychische Taubheit und Taub⸗ stummheit. Ein Fall psychischer Taubheit im Kindes⸗ alter wurde auf dem Internationalen Kongreß der Ohren⸗ ärzte, der in voriger Woche in Wien abgehalten wurde,
Marburß'“ Kleines Feuilleton.
büchich.„ Nachricht von der Andree'schen Ex⸗
7 edition. Mit dem am 24. Juni von seiner
een Reise nach Spitzbergen in Tromsö einge⸗ hoffenen norwegischen Touristendampfer„Rastsund“ il die erste, bereits telegraphisch mitgeteilte Mel⸗ zug von der Ankunft der Andree'schen Nordpol; edition an Bord des Expeditionsschiffes„Virgo“ 1Eisfiord, Westküste von Spitzbergen, eingetroffen, um hier die geologische Expedition, deren Führer
n unter A.
ö Uhrmache 20 schwedische Staatsgeologe De Geer ist, zu 0 unden. Die Andree'sche Expedition selbst setzt die al geise bis zu den an der Nordküste belegenen Nor— 7 Kappl zerischen Inseln fort, von wo aus die Auffahrt des 0 177 clarballons stattfinden soll, und nur wenn Eis⸗ ana% ingältnisse die Erreichung jener Inselgruppe nicht fh 0 1 közlich machen, wird an der Amsterdaminsel, auf 1 1 4, 10 3 die Holländer in der Blütezeit des spitzberge⸗ futkubbn) dt den Walfischfangs ihre Hauptniederlassung hatten,
Klundet. Der„Raftsund“ traf die„Virgo“ vor em Einlanf zum Eisfjord, nahm die geologische (pedition an Bord und setzte sie in der an der . 0 lichen Seite des Eisfjords liegenden Adventbai ib Dort wird auch das erste spitzbergerische Tharistenhotel errichtet, zu dem der„Raftsund“ in Material jmitbrachte. Auf seiner Heimreise 0 gane er zwei Mann einer Fangexpedition an Bord, ü auf Spitzbergen überwintert hatten. Zwei mere Leute waren auf Spitzbergen am Skorbut e orben. Der zwischen dem 78. und 79. Breiten⸗ add belegene Eisfjord, der das hauptsächlichste A seits gebiet der schwedischen geologischen Expedition
* 1 busen soll, ist, abgesehen von dem an der Ostküste un den sisenden Storfjord, der eigentlich ein Sund ist, A de umfangreichste Fjord Spitzbergens. Er gewährt
ul seiner weiten prächtigen Wasserfläche und den
ringsherum liegenden Gebirgen einen großartigen Anblick, weshalb die Touristenfahrten, die nach Spitzbergen gehen, besonders den Eisfjord auf⸗ suchen. Seine Breite beträgt etwa 5—6 Meilen, an den Küsten bildet er tiefe Einschnitt, von denen als bekannteste besonders Green Harbour und die Adventbai zu nennen sind. Da sowohl die Gebirgs— bildung wie die klimatischen Verhältnisse des Eis⸗ fjord besonderes Interesse bieten, ist er für Forschungen, wie die von De Geer geplanten, ein vortreffliches Arbeitsfeld. Nur in der Nähe der Meeresküsten und namentlich an der nördlichen Seite zeigt die Gebirgsbildung des Eisfjord den gewöhnlichen Spitzbergencharakter, an der südlichen Seite dagegen, insbesondere von Green Harbour ab in östlicher Richtung deuten schon die abweichenden Gebirgsformen an, daß hier andere Gesteinsarten auftreten. In der Blütezeit des Walfischfangs war der Eisfjord ein belebtes Jagdgebiet. Hier hatten die Engländer ihr Revier. Als es bei Beginn des spitzbergischen Walfischfangs anfangs des 135 Jahrhunderts unter den verschiedenen hier bethei— ligten Nationen, namentlich den Holländern und Engländern, blutige Köpfe setzte, wobei letztere Nation den Kürzeren zog, wurden die verschiedenen Häfen Spitzbergens auf Veranlassung der betreffenden Re⸗ gierungen unter die am Walfischfang beteiligten Nationen verteilt, aus welcher Zeit noch das in den geographischen Bezeichnungen spitzbergischer Inseln und Buchten zum Ausdruck kommende Völkergemisch, Amsterdam⸗Jnsel, Dänische Insel, Hamburger Bai, Biscayers Hoek u. s. w. herrührt. In der alten Walfischstation Green Harbour hat einst nach Angaben des englischen Geueralkonsuls Crove, der viel mit Spitzbergen zu thun hatte, der russische Fangschiffer Sharostin 39 Winter, ein⸗
ist noch zu erwähnen, daß der Eingangs erwähnte Dampfer„Raftsund“ auch die englische Expedition unter Sir Conway nach Spitzbergen gebracht hat.
Ueber die Sichtbarkeit der Röntgen'⸗ schen Strahlen hat Herr Brandes vor Kurzem der Berliner Akademie der Wissenschaften interessante Versuchsresultate mitgeteilt. Bekanntlich sind diese Strahlen für das menschliche Auge unsichtbar, während sie sich durch ihre fluorescierende Wirkung auf verschiedene Substanzen und durch ihre Wirkung auf die photographische Platte verraten. Man hielt es für wahrscheinlich, daß sie deswegen auf das Auge nicht wirken, weil sie den empfindlichen Teil desselben, die Netzhaut, gar nicht erreichen. Die durch die Pupille in das Auge dringenden Licht— strahlen treffen dort auf die Krystallinse; diese wirkt wie eine Glaslinse, indem sie die von einem Punkte ausgehenden Strahlen wieder in einem Punkt, welcher hinter der Linse auf der Netzhaut liegt, vereinigt, so daß dort ein Bild des lichtaussenden— den Punktes entsteht. Da die Netzhaut das ausge⸗ breitete Ende des zum Gehirne führenden Augen— nerven ist, so wird dieser durch das auf der Netz haut entstehende Bild gereizt, wodurch die Licht— empfindung hervorgerufen wird. Man glaubte nun, daß die Krystallinse sich gegen die Röntgen'schen Strahlen wie die meisten Metalle verhalte, so daß sie durch die Linse, wie durch einen Metallschirm, von der Netzhaut zurückgehalten würden und nicht auf sie wirken könnten. Ist diese Meinung richtig, so müßten in einem Auge ohne Linse die X-Strahlen bis zur Netzhaut dringen und dort eine Lichtwirkung hervor— bringen. Linsenlose Augen sind aber nicht ganz selten; die„grauer Staar“ genannte Krankheit be⸗ steht in einer Trübung der Krystallinse, so daß kein Licht durch sie mehr hindurchdringt und das be—
mal 15 Jahre hintereinander, zugebracht. Schließlich
heilen oder wenigstens die Blindheit zu beseitigen, schneidet man die undurchsichtig gewordene Krystall— linse heraus und ersetzt sie durch eine vor das Auge gebrachte Glaslinse(Staarbrille), wodurch das Sehen wieder in gewöhnlicher Weise ermöglicht wird. Herr Br. ließ nun eine Person mit liusen⸗ losen Augen gegen eine birnenförmige Röhre, in welcher X Strahlen erzeugt wurden, blicken, und thatsächlich erhielt dieselbe im völlig verdunkelten Zimmer unter Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln zur Abhaltung fremden Lichtes— die Röhre war mit einem schwarzen Tuche verhüllt und dicht vor das Auge ein schwarzer Papierschirm gebracht— einen Lichteindruck; aber zum größten Erstzunen des Herrn Br. erhielten auch seine gesunden Augen einen Lichteindruck. Auch bei anderen Personen zeigte sich dasselbe Resultat; z. B. bekam ein Mann, welcher ein gesundes und ein linsenloses Auge besaß, auf beiden Augen einen gleich starken Eindruck. Daher glaubt Herr Br., daß die Krystalllinse die ihr zu⸗ geschriebene Eigenschaft, die X⸗Strahlen von der Netzhaut des Auges abzuhalten, gar nicht hat, sondern daß der Augenkörper selbst es ist, der die X⸗Strahlen nicht durchläßt. Aber aus seinen Ver- suchen, meint er, geht hervor, daß sehr kräftige Strahlen doch in das Auge eindringen und die Netzhaut erregen; um die Strahlen zu verstärken, hatte er den Boden der Röhre, welche er zur Er— zeugung derselben benutzte, mit einer Schicht des Salzes Jod⸗Rubidium bedeckt, und diesem Umstande schreibt er es zu, daß er die X-Strahlen gesehen hat, was anderen Beobachtern bisher nicht gelungen ist. Es bleibt abzuwarten, ob die interessante Neuigkeit auch von anderer Seite Bestätigung finden wird; in diesem Falle würde man in der Erkenntnis der geheimnisvollen Natur der X-Strahlen vielleicht
treffende Auge blind ist. Um diese Krankheit zu
einen Schritt vorwärts kommen.


