Ausgabe 
9.6.1896
 
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führt Rechtsanwalt Rosenberg II.

Gießen, Dienstag, den 9. Juni

1896.

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landegzeikung.

Ausgabe Gießen.

Redaktion:

65 Kreuzplatz Ar. 4. 1

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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edition: 452 latz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

W. Gießen, 8. Juni. Heute wird vor den Geschworenen die Strafsache gegen den Bergmann Peter Naumann aus Weikartsheim, unbestraft, geboren am 7. Dezember 1869, zuletzt wohnhaft in Essen, verhandelt. Der Angeklagte wird be⸗

schuldigt, am 20. Dezember 1894 vor dem Amts⸗

gericht Grünberg wissentlich falsch die Unwahrheit beschworen zu haben. Die Anklage vertritt erster Staatsanwal Dr. Güngerich. Die Verteidigung Es sind 25

zu vernehmen. Auf Antrag der Staats⸗

1 Anale wird die Oeffentlichkeit während der Beweisaufnahme ausgeschlossen.

ö Alsfeld zusammen, um zu zeigen, wie weit sie

Gießen, 8. Juni. Die Turner des Gaues Hessen sie waren gestern wieder einmal in

es den Winter über in der edlen Turnerei ge⸗

t. Die beiden Gießener Turnvereine waren ann stark auf dem Platz. Die Marburger Turnerschaft war über Kirchhain von dort mit Wagen mit den Kirchhainer Turnern zusammen zur Feststadt gekommen. Bürgermeister Arnold begrüßte die zahlreich aus dem Gau versammelten

Turner namens der Stadt auf das Herzlichste Gauvertreter Helm⸗Gießen dankte namens der

Turnerschaft Preisen erhielten: 1. Preis Hermann K

den 10. d. N., u 10 Uhr ab, und Klee⸗Er a Adermanns Gotz

schhausen gebö Ort und Shelle un

chmittags von 3 ll,

ger zu dem bet. Gi u Hachbom bei Ga,

bt. a ih die Grundstüce

röcker Gießener Turnverein, 2. Preis Ferd.

Nennstiel M.⸗T.⸗V. Gießen, 3. Preis Rudolph Gießen,

1 Vöbe genf Heinrich Weigel⸗Biedenkopf, 7. Preis Heinrich

n, M.⸗T.⸗V. Gießen, 4. Preis Schmidt⸗ berg, 5. Preis Adam Schäfer M.⸗T.⸗V. 8. Preis Karl Kreiling⸗Wieseck, 6. Preis

4Preise der M.⸗T.⸗V. Gießen, 5 der Turnverein Gießen. Zu den Freiübungen traten an 101 Turner. Geturnt wurde beim Wettturnen u: Stab⸗hoch⸗Frei⸗hoch⸗Frei⸗Weitsprung⸗Steinstoß u. Stemmen(75 Pfund). Gießen stellte im Ganzen 9 Preisturner.

Gießen, 8. Juni. Das Sommerfest des le Fechtvereins Waisenschutz ist gestern bei denkbar schönstem Wetter auf der

shöhe glänzend verlaufen. Am Mittwoch end noch war der Vorstand zusammen berufen, um über eine eventuelle Verlegung der Festlich⸗

1 M.⸗T.⸗V. Gießen. Im Ganzen erhielten

keit zu beraten, da Regenwekter zu befürchten

gesammte Gut seiuste

en) ausgeboten

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Aber einstimmig war man der Meinung, selbst bei minder gutem Wetter das Fest t würde, hatte man doch den neuen Saal Verfügung, indem mindestens 600 Menschen

Antergebracht werden kounten. Gerade weil les bvorher geregnet hatte, war der Aufenthalt um

ein gutes Geschäft gemacht. Es waren mindestens

so angenehmer auf der reizend gelegenen Liebigs⸗ höhe. Der Verein, welcher zwar bedeutende Un⸗ kosten bei dem Arrangement hatte, hat trotzdem

4000 Personen anwesend. Trotz der reichhaltig geschaffenen Sitzen mangelte es an Platz. Die Illumination des ganzen Etablissements war sehr reichhaltig und schön arrangirt. Das Konzert im Garten dauerte bis 11 Uhr. Der Tanz, welcher um 8 Uhr begonnen, war erst gegen Morgen zu Ende. An Entree sind, wie wir hoͤren, über 500 Mark eingenommen, welcher Summe allerdings 250300 Mark Unkosten gegenüberstehen. Es ist dieser Erfolg dem Hess. Fechtverein von Herzen zu gönnen, um so mehr, als im vergangenen Jahr das Sommerfest ver regnete.

* Gießen, 8. Juni. Das von den gewerk schaftlich organisierten Arbeitern gestern abgehaltene Wald⸗Fest war sehr zahlreich besucht. Bei Volksspiel und Tanz amüsierte sich Jung und Alt auf das Beste. Zahlreiche Teilnehmer waren auch von auswärts erschienen.

* Gießen, 8. Juni. Ein wahres Aus⸗ stellungsfieber ist über Europa gekommen, und besonders die Gewerbe⸗Ausstellungen schießen üppig ins Kraut. In allen Gauen des deutschen Reichs, im Norden und Süden, Westen und Osten, haben sie ihre prangenden Pforten ge⸗ öffnet: Berlin, Kiel und Stolp, Nürnberg, Dresden und ihre 5 zeigen in rühmlichem Wetk⸗ kampf, was ihre Bewohner auf gewerblichem Gebiete zu leisten vermögen, und laden mehr oder minder geräuschvoll zum Besuche ein. Auch in Ungarn, in Budapest, ist mit der Millenniums⸗ feier eine Gewerbe-Ausstellung verknüpft, und wer nach dem sonnigen Italien reist, der kann in Mailand eine weitere Gewerbe-⸗Ausstellung in Augenschein nehmen. Also Ausstellungen überall, wohin man den Fuß lenkt oder vom Dampfroß getragen wird! Es ist fast ein bis⸗ chen zuviel des Guten, aber wir müssen uns eben mit dieser Fülle abfinden, so zersplitternd sie wirken kann. Sicherlich wäre eine solche Zersplitterung nicht zu befürchten gewesen, wenn der ursprünglich gehegte Plan einer Berliner Weltausstellung sich hätte verwirklichen lassen. Aber bekanntlich dekretierte die preußische Regierung als anno 92 wegen der Weltaus⸗ stellung bei ihr angepocht wurde, kurz und bündig: daß dem Plane einer solchen von Rechtswegen nicht näher zu treten sei womit natürlich das Schicksal dieser Ausstellung besiegelt war. Ob es besser ist, daß wir jetzt in Deutschland statt einer Weltausstellung sieben Lokal⸗Aus⸗ stellungen haben, das ist eine schwer zu ent⸗ scheidende Frage; begnügen wir uns damit, zu konstatieren, daß die sieben Ausstellungen wenig⸗ stens einen kräftigen Beweis dafür liefern, wie mächtig das deutsche Gewerbe seine Schwingen regt, wie heiß es sich bemüht, die Konkurrenz anderer Länder zu überflügeln. Natürlich steht es uns hier ebensowenig an, zu entscheiden, welcher

von den sieben Ausstellungen die Siegespalme gebührt. Belehrung und Unterhaltung in reichem Maße bietet so ziemlich jede; wer also vor die schwierige Wahl gestellt wird, welche von allen er am liebsten besuchen möchte, der hat eine siebenfache Qual und ist nicht zu beneiden. Wünschen wir nur, daß die Anstrengungen, die man in Berlin, Kiel und Stolp, Dresden und Leipzig, Stuttgart und Nürnberg gemacht hat, ihre Früchte in Gestalt klingender Erfolge tragen, und vor allem, daß der Himmel uns einen an⸗ genehmen Sommer und einen milden Herbst be⸗ scheert. Regen und Kälte sind nämlich die schlimmsten Ausstellungsfeinde, und wo sie auf⸗ tauchen, da folgt das drohende Gespenst des Defizits ihnen auf dem Fuße. Ein verregneter Sommer, ein kalter Herbst kaun grausamer zer⸗ stören, was der Fleiß der Besten mühevoll auf⸗ gebaut hat, kann das Ausstellungsfieber zu einer Krisis führen, die Tausende von Existenzen ge⸗ schäftlich vernichtet und unserm gesamten Erwerbs⸗ leben verhängnisvoll wird!

* Darmstadt, 7. Juni. Am 10. und 11. d. M. wird hier die Jahresversammlung der südwestdeutschen Konferenz für innere Mission abgehalten. Auf der Tagesordnung der Versammlung steht für den ersten Tag: Moderne Frauenerziehung im Lichte des Evan⸗ geliums(Referent Gerok-Stuttgart); für den zweiten Tag:Die innere Mission und die Ar beitslosen(Refer. Stöcker-Berlin); Pfarrer Naumann ⸗Frankfurt, der bekanntlich im Dienste dieser Misstousabteilung steht, wird nach dem Referat die Diskussion einleiten.

Mainz, 7. Juni. Schlosserei⸗Aus⸗ stellung. Die Vorarbeiten zur Ausstellung sind nunmehr beendet. Die Erwartungen, die man in den beteiligten Kreisen an diese Ausstellung knüpfte, sind durch die erfolgten zahlreichen An⸗ meldungen weit übertroffen. Die Ausstellung zerfällt in 5 Gruppen. Gruppe X wiederum in 3 und Gruppe B in 2 Unter⸗Abteilungen. Die Eintheilung des Arrangements ist folgende: Gruppe& Abt. 1 enthält Kunst⸗Schlosser⸗ und Kunst⸗Schmiede⸗Arbeiten. Wir finden daselbst: Schmiedeeiserne Thore, Treppen-, Balkon⸗ und Grab-Gitter, Pavillons, Kreuze, Thürbänder, Luxusgegenstände aller Art, wie Leuchter, Spiegel⸗ rahmen, getriebene Blumen, Blätter u. dgl. m. Abteilung 2 dieser Gruppe enthält 7 Schlosser arbeiten, wie Kunstschlösser, Geldschränke, Kassetten, Handfeuerwaffen u. dgl. m. Die 3. Abteilung dieser Gruppe bringt ausschließlich Neuheiten in Schlosserarbeiten: Automatische Schlösser, Bohr⸗ apparate ꝛc. Gruppe B enthält in Abteilung 1 Maschinen aller Art, wie Drehbänke, Motore, Schraubenschneidmaschinen und andere Hülfs⸗ maschinen und in Abteilung 2 Werkzeuge aller Art. Gruppe C ist dem Schulwesen und den

Schülerarbeiten gewidmet. Sie enthält Zeich⸗ nungen, Modelle und Arbeiten der Schulen zu Dresden, Roßwein, Worms, Wiesbaden und Mainz. Die Gruppe D enthält die für das Schlosser⸗Gewerbe vorhandene sehr umfangreiche Fachlitteratur. Gruppe E zeigt uns die im Gewerbe zur Verwendung kommenden Hülfs⸗ stoffe. Das Arrangement der Ausstellung ist Herrn Architekten Weiße übertragen.

Mainz, 7. Juni. Ein schrecklich er Unglücksfall hat sich in der Nähe des Forts Karl in der Hechtsheimer Chaussee zugetragen. Eine Anzahl Militärpersonen waren damit be⸗ schäftigt, durch einen mit zwei Pferden bespannten Militärwagen eine Partie Munition fortzufahren und war dem Fuhrwerk auch ein Fortiftkations⸗ arbeiter Namens Seipert beigegeben. An dem Hechtsheimer Berg wollten die Militärpferde nicht recht ziehen und nahm ein Landwirt aus Odernheim mit Namen Jox die Gelegenheit wahr, den Soldaten die Pferde etwas anzutreiben; diese scheuten und sprangen beiseite. Der Forti⸗ fikationsarbeiter retirierte sich dabei und sprang auf einen Baum zu. In diesem Moment wurde aber der Munitionswagen gegen den Arbeiter geschleudert, so daß dieser, zwischen Baum und Wagen stehend, sofort seinen Tod fand. Die Leiche wurde nach dem Friedhof verbracht; der Landwirt Jox, der die Pferde angetrieben hatte, wurde alsbald verhaftet. Heute Nachmittag fiel in einer Brauerei in dem Kästrich ein Pferd samt Wagen einen tiefen Schacht hinab; trotz⸗ dem gelang es, das Tier ohne schwere Beschädi⸗ gung wieder an das Tageslicht zu ziehen.

Mainz, 7. Juni. Die Durchsuchung bei den hiesigen Buchhandlungen nach der in Zürich erschienenen Broschüre über den Fall Kotze, geschah auf Anweisung der Staats- anwaltschaft in Berlin, und zwar, wie wir ver⸗ nehmen, wegen einer angeblich in der Broschüre enthaltenen Majestätsbeleidigung. Es soll hier nur ein Exemplar der Broschüre vorgefunden l sein, der übrige Vorrat war bereits ver⸗ griffen.

Vermischtes.

Abnahme der Geburten in Europa. Der italienische Statistiker Professor Bodio hat auf Grund einer Tabelle, in welcher er den Zustand des Jahres 1894 mit dem von 1874 vergleicht, die bemerkenswerte Thatsache festgestellt, daß in fast allen Staaten Europas die Zahl der Geburten im Verhältnis zu der Zahl der Bevölkerung mehr oder weniger abgenommen hat. Bei den meisten Staaten ist diese Abnahme freilich keine be⸗ trächtliche, z. B. handelt es sich bei Norwegen um eine Abnahme von nur 0,9 Geburten auf 1000 Einwohner (30,3 gegen 31,2). Es folgen weiter Oesterreich mit 2,2 Abnahme pro 1000, Ungarn mit 2,3, Schweden mit 2,9, Finnland 3,6, Holland, Belgien und Irland 3,8,

Gerettet.

Von Jenny Piorkowsky. (Nachdrudd verboten.)

Erich Felsing, ein junger Mann von sechs⸗ bis

. siebenundzwanzig Jahren, mit frischem Gesicht und

lachenden blauen Augen, saß eines abends mit

einigen Freunden im Wiener Cafe.

Erzählte ich Ihnen neulich nicht, daß Tante

Marie und meine Braut einen längeren Besuch bei

Frau von Wiedersli beabsichtigen?, wendete er sich zu seinem Freund Sandor, ein ernst dreinschauender junger Mann,heute nun erhalte ich Nachricht, daß zwei Tage nach ihrer Ankunft Frau von Wiederski ganz unerwartet nach Mentone reiste zu ührer Tochter, die plötzlich schwer erkrankt ist. Vor⸗ läufig werden Tante Marie und Irma nun dort bleiben, um nach dem Rechten zu sehen. Wann gedenken Sie denn Hochzeit zu machen? Vor dem Frühjahr wird es wohl kaum

werden, entgegnete Erich.

4

Er hat ja schon den Brautschmuck bereit, lachte ein Dritter. Woher wissen Sie das?

Ich sah ihn dieser Tage beim Juwelier,

lautete die Antwort.

Das heißt, ich habe die Familiendlamanten meu fassen lassen, erklärte Erich⸗und soeben noch ein Armband dazu gekauft, das hoffentlich Irmas Beifall findet, wenn es auch nicht antik ist.

Mit diesen Worten griff er in die Tasche und zog ein Etui hervor.

Ah! Wie schön! klang es bewundernd von den Lippen der Anderen, als er auf eine Feder drükte und die großen wertvollen Steine blitzten und funkelten. 5

Sie wollen bald nach Löberitz reisen?

Morgen mit dem Mittagszuge. Aber, meine Herten, Wert wir noch ins Theater wollen, ist es

hohe Zeit aufzubrechen, setzte er mit einem Blick nach seiner Uhr hinzu.

Die vier Herren griffen nach Hut und Stock und verließen das Café

Tags darauf reiste Erich um 12 Uhr 2 Minuten ab.

Es war ein kalter, feuchter, regnerischer Tag.

Eben war der Schaffner dabei, die Wagen⸗ thüren zu schließen, als am Ende des Bahusteigs noch zwei Damen, von einem Diener mit einem kleinen Handkoffer gefolgt, auftauchten. Schnellen Schrittes kamen sie herbei, und eine der Damen stieg in das Koupee das Erich allein hatte.

Nicht währ, Sie stehen ihr ein wenig bei, wendete die Zurückbleibende sich in besorgtem Ton an Erich.

Diesem blieb nur noch Zeit zu einem stummen Kopfnicken, als der Zug sich auch schon in Be wegung setzte.

Seine Reisegefährtin war atemlos in die Kissen gesunken.

Beinahe wäre ich nicht mehr mitgekommen, bemerkte sie.

Erich lächelte.

Soll ich das Fenster schließen? Es ist kalt und Sie sind erhitzt.

Ich bitte, entgegnete die junge Dame,das ist ja Rauchkoupee! Das habe ich in der Eile ganz übersehen, setzte sie hinzu und schaute mit ihren großen braunen Kinderaugen wie sich ent schuldigend zu Erich auf.

Ihre Frau Mutter schien besorgt um Sie? sprach er,Sie sind gewiß nicht daran gewöhnt, allein zu reisen! Wenn ich Ihnen irgendwie von Nutzen sein kann, bitte ich, ganz über mich zu be ehlen.

00Ich danke Ihnen, versetzte sie,doch Sie

irren ich bin schon viel allein gereist; die Dame war auch nicht meine Mutter, ich stehe schon seit vielen Jahren allein in der Welt.

Tiefe Trauer klang aus ihrer Stimme, und ihre braunen Kinderaugen schauten unendlich traurig drein.

Hierauf verging eine volle Stunde, während welcher keiner von ihnen das Schweigen brach.

Sie schaute sinnend vor sich hin, während Erich sie verstohlen hinter seiner Zeitung hervor beobachtete.

Können Sie mir sagen, hub sie endlich schüchtern an,warn wir nach Löberitz kommen?

In zwanzig Minuten müssen wir dort sein. Sie wollen auch nach Löberitz? Da haben wir ja ein gleiches Ziel.

Ja, erwiderte sie seufzend, dann schwieg sie wieder.

Da sind wir angelangt! sprach Erich, als der Zug langsamer werdend in den Bahnhof ein⸗ fuhr,Sie werden jedenfalls von Jemand er wartet?

Das hoffe ich; wenn nicht, so muß ich einen Wagen nehmen.

Haben Sie weit zu gehen?

Nein das heißt, ich weiß nicht, ich bin ganz fremd hier.

Da kommt mein Diener, der mag sehen, ob ein Wagen da ist für?

Fräulein de Brissal.

Doch bald kehrte Erichs Diener mit der Mel dung zurück, daß zwar kein Fräulein de Brissal er warte, er ihr aber einen gesichert habe.

Tausend Dank, sagte die junge Dame, nach⸗ dem Erich ihr in den Wagen geholfen hatte, und reichte ihm schüchtern ihre kleine Hand.

Kaum eine Viertelstunde später langte Erich an seinem Ziele an, von seiner Braut aufs Herzlichste willkommen geheißen.

mir

Kaum hatten die zwei Glücklichen sich begrüßt und teilen einander die beiderseitigen Erlebnisse mit, als heftig an der Hausklingel gezogen, und dann lebhaft im Flur gesprochen wurde.

Erwartet Ihr Besuch? fragte Erich.

Irma verneinte.Jedenfalls gilt es wieder Frau von Wiederski, sagte sieihre Abreise kam ja so plötzlich, daß keiner ihrer vielen Freunde und Bekannte davon weiß.

Der Diener trat ein und meldete eine Dame, die eigentlich zu Frau von Wiederski wünsche.

Als die Fremde auf Irmas Geheiß eintrat, war Erich nicht wenig erstaunt, in derselben seine Reise⸗ gefährtin zu erblicken.

Frau von Wiederski ist verreist, sagt man mir? hub die junge Dame mit vor Erregung beben⸗ den Lippen an.Mein Gott, was fange ich da an, was soll aus mir werden! schluchzte sie hände⸗ ringend, als ihr erwidert wurde, daß die Betreffende nach Mentone gereist, und ihre Rückkehr vorläufig ganz unbestimmt sei. Irma bat sie Platz zu nehmen.

Nachdem die junge Dame sich einigermaßen be⸗ ruhigt hatte, erzählte sie, wie alles gekommen war. Frau von Wiederski hatte sie als Gesellschafterin engagiert.

Hätte sie mir doch nach Paris telegraphiert, nicht zu kommen! sprach sie.In der Sorge um ihre Tochter hat sie vermutlich alles andere ver⸗ gessen. Was aber soll ich nun anfangen?

Wieder füllten ihre braunen Kinderaugen sich mit Thränen. 1

Darum machen Sie sich keine Sorge, tröstete Irma sie,vorläufig bleiben Sie hier, bis Sie von Frau von Wiederski Antwort haben können, das Weitere wird sich finden.

(Fortsetzung folgt.)