Einzelbild herunterladen

6 basel

ons

fkellenle I.

*

die Hen pfellenspen

1

N 10 bütten en gerigntt 15 f

lum, ul, traße 12

te

bezenbe 0

e 5 gefallen sei.

Gießen, Dienstag, den 8. Dezember

1896.

Pofiztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.

b

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Rr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

7

Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2

AKoedartlon:

* Gießen, 7. Dez. Ernannt wurde der mtsrichter bei dem Amtsgericht Büdingen serdinand Schmidt zum Amtsrichter bei dem imtsgericht Gießen mit Wirkung vom 20. dezember 1896 an. Gießen, 7. Dezember.(Schöffengericht' en Pirr.) Metzgermeister Ernst Ludwig Sack ist

ehr erinnert, keine Beleidigung enthalten hätten. Pirr e aufgrund statistischen Materials referiert, doch wolle

zugestehen, daß er(Zeuge) nach den Ausführungen des

bermeisters Pirr an jenem Abend den Eindruck gehabt, se Fleischbeschau geschehe bei uns wegen der Versicherung rtelisch, womit er aber nicht sagen wolle, daß dieser Assessor Neuschäffer stellt durch efragen fest, daß er unter dem statistischen Material, it dem Pirr damals seine Mitteilungen bewiesen, eine ostkarte gemeint habe, die allerdings Zahlen, von einem chwelnehändler mitgeteilt, enthalten. Städtischer üschbeschauer Stoß deponiert: Es sei ihm von niemand,

sonders aber nicht von Dr. Liebe, nahegelegt, die ver⸗ scherten Schweine glimpflicher zu behandeln, als die nicht sersicherten Tiere. Eine Schau sei so gewissenhaft vor⸗ enommen wie die andere. Schlachthausarbeiter gecker bezeugt in gleichem Sinne und bemerkt, er sei ungewiesen gewesen, dem Dr. Liebe von jedem verworfenen Den Zweck

Ter zu sagen, ob dasselbe versichert sei. leer Anordnung kenne er nicht. Trichinenbeschauer eußer erinnert sich nicht, daß in der fraglichen mungsversammlung jemand Parteilichkeit vorgeworfen hurde, jedenfalls sei aber kein Name genannt worden; er

hat auch nicht den Eindruck gehabt, als wenn an jenem Abend im Referat des Obermeisters eine Beleidigung ent⸗ halten gewesen wäre. Karl Sack II schildert, wie an dem fraglichen Abend in der Innungsversammlung Prr über die Versicherung und deren Differenzen mit der

Innung referiert. Dabei habe Pirr erklärt: Es sei ihm Mitteilung zugegangen, daß bei der Kasse ein gewisser Zwang ausgeübt werde. Ob die vom Zeugen Rosenbaum ledergegebene Aeußerung gefallen, weiß der Zeuge Sack hicht zu sagen, ebenso will er eine Beleidigung des Dr. e durch Pirrs Ausführungen in der Innungsversamm⸗

lung nicht gefunden haben. Schweinehändler Rost

hat erst nach einjährigem Bestehen bei der Kasse versichert;

ö er bekundet, daß auch nach dieser Zeit von ihm geschlachtete

1 Tiere beanstandet seien, allerdings sei dies früher, als er

* zu versichern geweigert, in viel stärkerem Maße der

0 gewesen. Daß man damals schärfer mit ihm ver⸗

ohren, als jetzt, wo er versichere, dafür hat Rost keine

Uuhaltspuntte. Der Glaube, wenn er der Kasse etwas

zu verdienen gebe, dann würde er bei der Fleischbeschau

glimpflicher fortkommen, sei der Grund gewesen, weshalb er seiner Zeit der Versicherung beigetreten. Auf Befragen erllärt Rost, ihm seien in dem Jahre, wo er der Kasse nicht angehört habe, 12 bis 13 Stück Vieh beanstandet,

1 0 V 0 ö 0 0

während im laufenden Jahre, wo er versichere, weniger Schweine, hochstens aber 3 bis 4 Stück beanstandet seien. Verwalter Möhl steht im Zeugenraum auf und er⸗ klärt, es sei unwahr, was der Zeuge ausgesagt, er könne durch die Bücher das Gegenteil beweisen. hl erhält den Auftrag, die Bücher zur Stelle zu schaffen, um daraus einen Nachweis zu führen. Der frühere Schweine⸗ händler, jetzige Wirt Arnold erklärt: Dr. Liebe habe, als er sich seiner Zeit geweigert, zu versichern, ihm einmal gesagt, es würde ihm Freude machen, wenn er ihn noch einmal greifen könne. Diese Aeußerung will Zeuge als Drohung aufgefaßt haben, als einen Druck, ihn zu

zwingen, sein Vieh zu versichern. Metzgergehilfe Wilh. Bernhardt, bei Metzgermeister Boller in Arbeit, erzählt

folgenden Fall. Er habe für Herrn Boller ein Schwein

luß des Berichts über den Beleidigungsprozeß Liebe

Meinung, daß die Worte, deren er sich aber nicht

b ihm den Auftrag gegeben, den Eiter dort anne i dee fe ub 50 der 5 50 5 nahe

1 er den ganzen Kopf gelaufen. Dr. Liebe habe ihm nachher noch geholfen, die ai aus dem Kinnbacken zu entfernen. Das Tier sei für gesund erklärt worden, obgleich ihm(dem Zeugen) beim Aufschneiden der Brust Eiter entgegengekommen sei. Das Fleisch ist dann verwertet worden. Der Schweine⸗ händler Heinrich Köhler von Ermenrod ist erst im Juli 1895 Mitglied der Kasse geworden. Veranlaßt wurde er dazu durch den vielfachen Schaden, den er vorher gehabt. Seiner Ansicht nach steht man sich der Fleisch⸗ beschau gegenüber besser, wenn man sich versichert. That⸗ sachen dafür anzugeben, ist Zeuge nicht in der Lage. Dr. Liebe habe ihm allerdings einmal im Laufe eines Ge⸗ sprächs gesagt;Wenn man einmal einen hoch nimmt, so kommt es nicht darauf an, denn es sei nicht gesagt, ob es viel oder wenig zu sein braucht. Auf Befragen des Angeklagten gesteht Zeuge Köhler zu, er habe Pirr auf dessen Verlangen die Post⸗ karte geschrieben, worauf jener den Vorwurf gründete, daß bei der Fleischbeschau mit zweierlei Maß gemessen werde, dem er in der Innungsversammlung Ausdruck verliehen. 75 Schweinehändler Groh hat sehr bald sein Vieh ver⸗ sichert, um sich vor Schaden zu schützen. Auch dieser Zeuge hat die Meinung, daß bei der Fleischbeschau mit zweierlei Maß gemessen worden sei. Thatsachen dafür anzugeben, vermag er jedoch nicht. Der Schweine⸗ händler Teiß versichert erst seit diesem Jahre. Vorher ging viel Fleisch auf die Freibank oder auf den Wasen. Möhl und Liebe haben ihm immer geraten, zu versichern, unter dem Hinweis, er würde nichts gut machen, wenn er nicht versichere. Er müsse aber zugestehen, daß, seitdem er versichere, gehe auch viel auf die Freibank, doch sei das Verhältnis nach seinen Aufzeichnungen gegen früher wie 2 zu 1. Konrad Malkomesius hat die Innungsversammlung im Auftrage seines verhindert ge⸗ wesenen Vaters besucht. Er hat die Pirrsche. Aeußerung betreffs der ungerechten Fleischbeschau nur auf Dr. Liebe bezogen, jedoch nicht den Eindruck gehabt, daß damit eine Beleidigung dieses Herrn beabsichtigt gewesen sei. Fleischbeschauer Wilhelm Schmitz war häufig bei Schweineuntersuchungen zugegen und hat diese auch selbst ausgeführt, er kann nur sagen, daß bei den Prüfungen im städtischen Schlachthaus sehr peinlich und genau, sowie gründlich verfahren werde und von Parteilichkeit keine Rede sein könne. Oktroi⸗Inspektor Möser deponiert, daß gegen den Obermeister Pirr ein Verfahren wegen Oktroi⸗Hinterziehung anhängig sei. Der Metzgermeister L. Vogt, der Vorsitzende der Gießener Schlachtvieh⸗ Versicherung, war in der Innungsversammlung, wo die beleidigende Aeußerung des Pirr gefallen sein soll. Der Zeuge hat als Vorsitzender der Gesellschaft sofort erklärt, er müsse gegen diese Angabe protestieren. Der Zeuge Rosenbaum habe die Erklärung abgegeben, daß es Pflicht und Schuldigkeit des Obermeisters sei, in das Schlacht⸗ haus zu gehen und sich zu überzeugen, ob diese Angaben, die er gemacht, wahr seien, ehe er in einer Versammlung derartige Behauptungen weiter verbreite. Auf Befragen erklärt der Zeuge Vogt, er habe damals sofort die Ueber⸗ zeugung gehabt, daß Pirr den Dr. Liebe habe treffen wollen. Es wird darauf zur Vernehmung des Neben⸗ klägers Dr. Liebe geschritten. Derselbe führt aus, wie der Kampf, den der Angeklagte und dessen Freunde gegen ihn, den Schlachtshofstierarzt, führen, nicht gegen seine Person, als solche, gerichtet sei. Schon seine beiden Vor⸗ gänger, Prof. Dr. Winkler und Tierarzt Köhler, hätten unter den Angriffen des Obermeisters zu leiden gehabt. Als er ins Amt getreten, da habe sich anfangs das Ver⸗ hältnis zum Obermeister gut angelassen, als er aber den Intentisionen der strengen hessischen Fleischbeschauordnung gemäß seine Pflicht ausgeübt und auf die Freibank ver⸗ wiesen, was dahin gehörte, da habe der Obermeister einen aggressiven Standpunkt ihm gegenüber eingenommen. Mit fortgesetzten Beschwerden, mit denen der Obermeister aber

bei der Bürgermeisterei und dem Kreisamt abgewiesen worden, hätte man ihm das Leben sauer zu machen ver⸗ sucht. Man begreife eben in Metzgerkreisen nicht, daß, je schärfer die Fleischbeschau, je besser es mit dem Gewerbe aussehe. Dieser Satz findet überall da Bestätigung, wo eine gute Kontrolle geübt werde. Dr. Liebe kommt dann auf die Gründung der Schlachtvieh-Versicherung, für die er sich so lebhaft interessiert hat, und deren technischer Beirat er mit Zustimmung seiner vorgesetzten Behörde ist. Zuerst, als man noch nicht wußte, wie sich diese Sache finanziell gestalten würde, verhielten sich die Kollegen der 7 Mitglieder dieser Kasse ruhig. Man merkte, die Sache mache sich, und da verhandelte der Obermeister mit ihm (dem Zeugen) wegen Eintritt als Mitglied in die Ge⸗ sellschaft, aber nur für die Schweinemetzger, nicht etwa für sämtliche, sondern nur für diejenigen, die viel schlachten. Anfangs war man von Seiten der Mit⸗ glieder der Kasse auch geneigt, die Schweinemetzger anzunehmen, doch zerschlugen sich die Verhandlungen und nun trat Pirr als Anwalt der ganzen Innung auf, um diese mit der Versicherungizu indentifizleren. Nachdem diese Bemühungen Pirrs in die Kasse aufgenommen zu werden gescheitert, steigerte sich dessen Haß gegen den Zeugen und aus diesem Haß heraus ist die Beleidigung, die in der Februar⸗Versammlung gefallen, erklärlich. In sehr scharfen Worten beschuldigt der erregte Zeuge den Obermeister, daß er bestrebt sei, seine Existenz zu untergraben und ihn in Gießen unmöglich zu machen, das Gute, was in der Versicherung für die Landwirtschaft, die Metzger und im Interesse der Fleischversorgung der Stadt geschaffen, wolle er vernichten, niederreißen, was er(der Zeuge) mit wenigen zielbewußten Metzgern aufgebaut. Wegen des vom Metzgergehülfen Bernhardt mitgeteilten Schweines erklärt Dr. Liebe das Folgende: Er erinnere sich des Vorfalles sehr genau. Das geschlachtete Tier sei ein Eber gewesen, der mit einer Zahnfistel am Unterkiefer behaftet war. Nachdem der Absceß durch Bernhardt hand⸗ werksmäßig beseitigt und die betreffenden Knochen heraus⸗ geschnitten, habe er das Fleisch für ladenrein erklären müssen. Er habe auch Lunge, Leber und Darm des Tieres untersucht und für gesund befunden. Nach Lage der Sache sei eine Verschleppung des Eiters in das Innere des Tieres ganz ausgeschlossen. Bernhardt bleibt jedoch dabei, beim Aufschneiden des Bauches jenes Ebers sei ihm Eiter entgegengespritzt, den Herd desselben habe er nicht wahrgenommen. Die von den Händlern Köhler und Arnold deponierten Aeußerungen, die jene für Drohungen aufnahmen, stellt Dr. Liebe entschieden in Abrede, wenigstens will er sie uicht in dem Sinne ge⸗ braucht haben, wie jene angeben. Mit Genehmigung der Bürgermeisterei habe er, so sagt Dr. Liebe weiter aus, für die Organisation der Gesellschaft usw. für seine weitere Thätigkeit Geschenke, u. A. eine Uhr und Kette, einen Ring und 2300, baares Geld vom Vorstand der Versicherungsgesellschaft angenommen. Auf Befragen des Amtsanwalts Brühl erklärt Dr. Liebe, es seien ihm allerdings in letzter Zeit Zweifel gekommen, ob es sich mit seiner amtlichen Stellung vertrage, daß er nebenbei für eine Privatgesellschaft thätig sei, er habe auch schon daran gedacht, die letztere einzustellen, aber die Bürger⸗ meisterel habe ihn davon zurückgehalten und veranlaßt, so lange technischer Beirat der Kasse zu bleiben, bis deren Verhältnisse sich mehr gefestet hätten. Professor Winckler, als Sachverständiger vernommen, tritt der Ansicht Liebes bei, daß bei dem Eber von der Zahnfistel aus Eiter in das Innere des Tieres nicht gelangen könne. Ob nun vielleicht aus anderen Ursachen im Innern des Tieres ein Eiterherd vorhanden gewesen, ließe sich nicht beurteilen, dazu müsse man das Tier besichtigen. Verwalter Möhl legt hierauf die Bücher der Versicherung vor, aus denen ersichtlich, daß dem Schweinehändler Rost, seitdem er Mitglied der Kasse, nicht 34 Stück Vieh, wie dieser unter Eid behauptet sondern 11 Stück Schweine beanstandet seien. Rost hierüber zur Rede ge⸗ stellt, giebt dies zögernd zu, ebenso muß Rost seine Be⸗

hauptung als unwahr ergänzen, wonach er nicht 13, sondern über 40/ für verworfenes Geraup von der Versicherung erhalten hat. Der Antrag des Assessor Dr. Neuschäffer, die in Sachen Pirr vom Kreisamt und der Bürger⸗ meisterei eingeforderten Akten zu verlesen, wird auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Jung vom Gerichtshofs abgelehnt. In den Plaidoyers wird seitens des Amtsanwalts sowohl, wie seitens des Vertheidigers des Pirr darauf hingewiesen, daß es ungleiche Verhältnisse seien, wenn die städtischen Beamten des Schlachthauses, die privaten Geschäfte der Gießener Schlachtvieh- Versicherungsgesellschaft besorgen. Assessor Neuschäffer weist darauf hin, daß es sich im vorliegenden Fall nur um e in Glied derjenigen Kette von Machinationen des Angeklagten handelt, welche darauf berechnet seien, dem Nebenkläger Dr. Liebe seine Ehre und seine Stellung zu rauben. Er könne bei der Thätig⸗ keit desselben, die in treuer Pflichterfüllung bestehe, nicht begreifen, wie man da von kollidierenden Interesse sprechen könne. Sein Antrag laute gegen den Angeklagten auf 4 Wochen Gefängnis. Der Amtsanwalt Brühl hatte, wenn das Gericht überhaupt zu einem Schuldig kommen sollte, eine Ge ldstrafe von 50 und Tragung der Kosten beantragt. Der Verteldiger Rechtsanwalt Dr. Jung, plaidierte auf Freisprechung. Es sei der Wahrheitsbeweis für das von seinem Klienten behauptete, erbracht event. stehe diesem der 8 193 das R.⸗StrG. zur Seite. Das Urteil wird am Freitag verkündet.

* Gießen, 7. Dez. Der diesmaligen ju⸗ ristischen Fakultätsprüfung an unserer Landesuniversität haben sich 29 Kaudidaten un⸗ terzogen, von deuen 6 im Hinblick auf den Aus⸗ fall des schriftlichen Examens vor der mündlichen Prüfung zurückgetreten sind. Von den verblie⸗ benen 23 Kandidaten erhielten 5 die Note gut, 16 genügend und 2 ungenügend.

* Gießen, 7. Dezember. Gestern Nach⸗ mittag 4 Uhr fand in der RestauratiouPfau in der Neustadt eine Versammlung der Mitglieder der Ortskrankenkasse statt, in der die Aufstellung der Liste der Kan⸗ didaten zu den Vertreterwahlen statt⸗ fand. Leider war die Versammlung schwach besucht. Herr Beckmann, als Leiter der Ver⸗ sammlung, wies auf den schwachen Besuch und die Interessenlosigkeit der Kassenmitglieder hin, die man dieser ihrer Institution entgegenbringe und forderte die anwesenden Mitglieder auf, vereint mit dem Vorstaude thatkräftig mitzu⸗ wirken, um stabilere Verhältnisse herbeizuschaffen. Die Vertreterwahlen finden am 15. De⸗ zember, von nachmittags 4 bis abends 8 Uhr auf dem Felsenkeller statt. Wir kommen später noch näher darauf zurück.

* Gießen, 7. Dezember.(Stadttheater.) Vor gut besetztem Hause ging gestern Abend das neueste Lustspiel von Schönthan und Koppel⸗ Ellfeld in Scene. Renaissance, das uns ins 16. Jahrhundert versetzeude Kostümstück, er⸗ 19 eine ganz vorzügliche Darstellung. Der fließende Dialog bewies, daß die Einstudierung des Stückes nichts zu wünschen übrig ließ. Die Kostümierung war elegant. Die Hauptgestalten, Vittorino und der Benediktiner-Pater Bentivoglio wurden durch Herrn Kunert und Frl. Clemen⸗ tine von Winterstein vortrefflich verkörpert. Alles in Allem wurde das Stück mit größtem Erfolge aufgeführt, sodaß wir der Direktion eine Wiederholung desselben nur empfehlen können.

* Gießen, 7. Dez. Am Donnerstag wurde auf dem Hof Bubenrod(bel Rodheim) ein Knecht von einem Pferd geschlagen und zwar so

Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. (Nachdruck verboten.)

0

geschlachtet, welches am Kinnbacken vereitert war. Dr. 0 0(Fortsetzung.)

Ich habe keinen schweigen, um so weniger, fürchtungen in Ihnen wachgerufen habe. was ich von dem Depesche, die ich vor fünf Minuten auf meine nach Steinfelden gerichtete hielt. Die Depesche lautet kurz:Zug

bel Hezenbel f ll tales

l 1

Base nd

10 9 A 1 elbe

Hollingstadt abgefahren, Näheres fehlt. Hollingstadt

beiden Ortschaften verursacht worden sein.

Der Gutsbesitzer starrte mit weit aufgerissenen gewaltige An⸗

den Stand setzen könnte, die ver⸗

i(heit zu durchdringen. Sein Gesicht deere 115 05 kein Tropfen Blut

Augen gradeaus, wie wenn eine strengung ihn in

war erdfahl geworden, ale mehr unter der Haut pulsiere. Auf der offenen Strecke und Steinfelden! wiederholte er

daran ist kein Zweifel, und auch Sie sind davon

Grund, es Ihnen zu ver als ich übertriebene Be⸗ Alles, Zuge weiß, besteht in einer als Antwort Anfrage er Nr. 27 ordnungsmäßig um acht Uhr vier Minuten aus hier aber nicht eingetroffen. ist, wie Sie wissen 1 werden, die letzte Station vor Steinfelden, die Ver⸗ spätung muß also auf der offenen Strecke zwischen

zwischen Hollingstadt mechanisch, um 8 5 dann plötzlich in heftigster Erregung emporzufahren.] Zuge auf dem anderen Geleise entgegenfahren.

Es ist ein Unglück geschehen, rief er aus,

der Depesche gesagt. Aber ich muß Gewißheit haben, Gewißheit um jeden Preis! Giebt es denn gar kein Mittel, Bestimmtes zu erfahren?

Der Beamte schüttelte bedauernd den Kopf.

Wenn man an irgend einer Station der Bahn⸗ strecke Bestimmtes wüßte, würde es bereits hierher gemeldet worden sein. Ich kann Sie leider nicht vollständig beruhigen, denn auch mir erweckt jenes rätselhafte Telegramm einige Besorgnis; aber wir haben doch durchaus keinen Grund, gleich eine große Katastrophe zu befürchten.

Er mußte sich sagen, daß dieser Trost in der gegenwärtigen Situation schlimmer war als gar keiner; aber er vermochte leinen besseren zu spenden, und er hatte es für ein Gebot der Menschlichkeit gehalten, den Gutsbesitzer schonend auf die Hiobs⸗ post vorzubereiten, deren Eintreffen ihm selber nur allzu wahrscheinlich dünkte.

Rodewald stürmte mit langen Schritten bis an das äußerste Ende des Bahnsteiges, um dann, von einer plötzlichen Eingebung getrieben, wieder zurück⸗ zukehren.

Sie müssen mir einen Extrazug zur Verfügung stellen, Herr Thomas! Ich werde dem vermißten Es gilt mir gleich, auf welche Summe sich die Kosten belaufen.

überzeugt, denn Sie hätten mir sonst nichts von

Zwei fieberrote Flecke brannten jetzt auf seinen Wangen, und auf dem Grunde seiner Augen loderte die Verzweiflung. Der Beamte, der das innigste Mitleid mit ihm empfand, bereute nun doch seine Offenheit.

Es thut mir sehr leid, Herr Rodewald, sagte Thomas,daß ich diesem Wunsche nicht nachzu⸗ kommen vermag. Auch unter gewöhnlichen Verhält- nissen hätte ich das erforderliche Material hier nicht zur Verfügung; unter den obwaltenden Umständen aber würde mir meine Dienstinstruktion ein Ein⸗ gehen auf Ihr Verlangen jedenfalls auf das Strengste verbieten. Nur wenn wir die volle Gewißheit haben, daß die Strecke frei und Alles in Ordnung ist, dürfen wir einen Sonderzug abgehen lassen.

Rodewald nahm seinen Hut ab und trocknete die Stirn, auf welcher trotz des schneidend kalten Windes dicke Schweißtropfen perlten. Seine Hände bebten und alle Muskeln seines Antlitzes zuckten. Der stolze, hochgewachsene Manu bot in diesem Augenblick ein wahrhaft erschütterndes Bild ver⸗ zweifelter Ratlosigkeit und ohnmächtiger Angst.

So kann ich nichts gar nichts thun, um von dieser schrecklichen Ungewißheit erlöst zu werden? stöhnte er.Und dieser Zustand soll vielleicht noch Stunden lang dauern! O, das ist entsetzlich eutsetzlich!

Die Thür zum Amtszimmer des Stationsvor⸗ stehers war geöffnet, und das Glockenzeichen des

Telegraphen⸗Apparates tönte vernehmlich zu den Sprechenden heraus.

Da ist eine Depesche! sagte der Beamte. Hoffentlich befreit sie uns in befriedigender Weise von all' unseren bangen Zweifeln.

Er konnte nicht hindern, daß Rodewald ihm auf dem Fuße folgte, als er das Zimmer betrat. Mit beiden Armen auf den Tischrand gestützt, stand der Gutsbesitzer neben ihm, das graue Haupt welt vorgeneigt, und mit stieren Augen den länger wer⸗ denden Papierstreifen verfolgend, auf dem nichts Anderes zu sehen war als Striche und Punkte, und der doch vielleicht eiue so verhängnisvolle Botschaft enthielt. Nun war der letzte Buchstabe des Tele⸗ gramms abgegeben; der Beaute gab auf dem Apparat das Zeichen, daß er dasselbe verstanden habe, und erhob sich dann von seinem Stuhl mit der feierlichen Langsamkeit Jemandes, dem die Er⸗ füllung einer schweren Aufgabe bevorsteht. Seine beiden Hände auf die Schultern des Anderen legend, sagte er mit bewegter Stimme:

Sie müssen standhaft bleiben, mein lieber Herr Rodewald, und mir versprechen, daß Sie nicht gleich den Mut verlieren wollen. Es ist keine gute Nachricht, welche ich da erhalten habe!

(Fortsetzung folgt.)

7

kitung.