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8.9.1896
 
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Gießen, Dienstag, den 8. September

1896.

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Ausgabe

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Gießen.

N Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

Tage nach Sonn- und Feiertagen.

V 2.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Von unseren Bauten für industrielle Zwecke. II

Gegenüber der neuen Oberhessischen Repa⸗ ratur⸗Werkstätte, nach dem Schiffenberg zu ge⸗ legen, mit dieser und dem Heyligenstädtschen Etablissement ein nach dem Schiffenbergerweg u offenes Viereck bildend, hat die Lampen abrik Kaufmann und Co. Neubauten auf⸗ ühren lassen. Auch in diesen Bauten wird noch eißig geschafft, um die innere Einrichtung zu vollenden, damit die Kaufmannsche Arbeiterschar in die neuen Räume noch vor dem Winter ein⸗ ziehen kann. Nach Plänen der Architekten Stein und Meyer erbaut, zeigt sich die bauliche Anlage des ganzen Etablissements in räumlicher Aus- dehnung, in Rücksicht auf den Industriezweig, der hierin getrieben werden soll, als nicht 5 unbedeutend, wie es auf den ersten Blick scheint, sind es doch 650 Quadratmeter bebaute Fläche, welche der Gebäudekomplex einnimmt, mit einer Front von etwa 60 Meter Länge, welche der Beschauer ansichtig wird, sobald er die Stadt verlassend seinen Weg nach der kleinen Kolonie einschlägt, welche sich auf beiden Seiten des Schiffenbergerweges ausdehnt. Da ist rechts mit der Giebelseite an der Straße gelegen das neue Verwaltungsgebäude der Firma Kaufmann und Co. Den Anfang der Anlage auf der Straßenseite wird dessen Fassade aus roten Ver⸗ blendern bilden. Die Fenster sind mit gelben Steinen umrahmt, während die Längsansicht der Gebäudereihe als einfacher, sauber gefügter Roh⸗ Backsteinbau sich darstellt, dessen Fensterumran⸗

dungen ebenfalls mittels gelben Steinen gebildet sind. In dem Verwaltungsgebäude werden zu ebener Erde die kaufmännischen Bureaus der Firma Unterkunft finden, währeud die oberen Räume zu einer Werkmeister⸗Wohnung dienen sollen. An diesen Vorderbau schließt sich ein stöckiges Gebäude zu ebener Erde, in sich fassend einen Raum zur Dreherei, zur Presserei, worin die Maschinen mit Dampf, teilweise auch mit der Hand getrieben werden. Dann folgt die Gießerei, in welcher außer dem Gießofen ein Glühofen und eine Feueresse hergerichtet wird. In den Räumen über dem Parterre befindet sich die große Spenglerwerkstatt und daneben der Lackierraum, welcher eine Trockenofenanlage Aghalt, Anschließend an dieses Gebäude at das Keesselhaus mit daran anstoßendem Maschinen⸗ raum erbaut. Der schon vermauerte Dampf⸗ 6 kessel, der auf 8 Atmosphären geprüft ist, hat cg. 40 Quadratmeter Heizfläche und ist von

Weinbrenner und Co. erbaut. Die zur Auf⸗

stellung kommende Dampfmaschine ist 15 pferde⸗ 0 7 An das Kesselhaus schließt sich ebenso wie dieser ein einstöckiger Bau, welcher zwei

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Räume für das Galvanisieren und das Putzen der Waren umschließt. Dahinter reiht sich ein Lagerraum, welcher durch Oberlicht erhellt wird, während alle übrigen Räume durch von beiden Seiten angebrachte Fenster, welche oben mit Ventilationsflügel versehen sind, Erhellung er⸗ halten. Der 25 Meter hohe Fabrikschornstein befindet sich infolge der zentralen Lage des Dampfkessels ebenfalls in der Mitte der Ge⸗ bäudeflucht. Sämtliche Räume des Etablisse⸗ ments werden mittels Abdampf erwärmt, d. h. der aus dem Kessel entweichende überflüssige Dampf wird in Rippenrohren durch die Räume geleitet und dadurch nutzbar verwendet. Die Beleuchtung aller Räume der Anlage soll durch Gas geschehen. Im kommenden Jahre ist noch die Erbauung von Lagerschuppen sowie eines Magazingebäudes geplant.

Lokales und Provinzielles:

* Gießen, 7. September. Es wird uns geschrieben, daß Herr Oberbürgermeister Gnauth die ihm von den Nationalliberalen angebotene Kandidatur für den Hessischen Landtag ange⸗ nommen hat unter der Bedingung, daß er als solcher von der freisinnigen Volkspartei ebenfalls aufgestellt wird. Wenn diese Voraus⸗ setzung nicht erfüllt wird, wollen die National⸗ liberalen den Fabrikanten Heyligenstädt auf stellen.

* Gießen, 7. September. Sonntag, den 27. September, wird hierselbst eine Versamm⸗ lung des Verbandes der freisinnigen 0 für die Provinz Oberhessen statt⸗ inden.

* Gießen, 7. Sept. Ein Abend, wie sich ihn derjenige, der nach wochenlang getragener Last und Hitze des alltäglichen Geschäftslebens eine Zerstreuung sucht, nur wünschen kann, wurde gestern Abend den Teilnehmern an der Feier des 18. Stiftungsfestes des Gesangvereins Heiterkeit zuteil. Mehr als 400 Personen hatten sich in dem geräumigen Festsaale des Café Leib eingefunden. Die Vorstände und viele Mitglieder der übrigen Gießener Gesangvereine waren erschienen. Nach einigen einleitenden Musik⸗ und Gesangs⸗Vorträgen begrüßte ein Vorstandsmitglied, Herr Seidewand, die Er⸗ schienenen, entwickelte einen kurzen Rückblick über die Geschichte des Vereins und brachte ein Hoch auf denselben aus. Der nun folgende gesangliche, musikalische und theatralische Teil des Programms unterhielt die Teilnehmer vortrefflich. Ohne daß man es merkte, war die Mitternachtstunde längst überschritten, als der Tag erst in seine Rechte treten konnte. Die Männerchöre waren unter der bewährten Leitung des Herrn Grön inger vorzüglich einstudiert. Die nicht leicht wieder⸗ zugebende Komposition des LiedesDas Herz

am Rhein wurde ebenso exaktvoll vorgetragen wie dasMinnelied und das Doppelquartett Die Königskinder. Ein nicht auf dem Pro gramm vorgesehenes von einem Damenchor vor- getragenesWalzerlied wirkte überraschend. Herr Dirigent Gröninger, der dieses Walzerlied vortrefflich arrangiert hatte, bereitete den Fest⸗ teilnehmern damit eine angenehme Abwechslung. Das komische TerzettEine fidele Gerichts sitzung gefiel außerordentlich. Den theatralischen Teil hatten ausgesuchte Kräfte in Händen. Das LustspielEnglisch hatte daher den gewünschten Erfolg. Nach Abwicklung des Programms hielten die Teilnehmer in ungetrübter Stimmung bis zum frühen Morgen aus. Möge es dem Verein vergönnt sein, noch recht lange unter Leitung seines vorzüglichen Dirigenten Gutes zu leisten. Gießen, 7. September. Gestern Abend fand im Hofe einer Wirtschaft in der Neustadt eine Keilerei zwischen jungen Leuten von hier und von Laubach statt, wobei es auf beiden Seiten blutige Köpfe gab. Ein hinzukommender Schutzmann stellte den Frieden dadurch her, daß er alle Teilnehmer zur Strafanzeige notierte. Gießen, 7. September. Ein Fremder, anscheinend Handwerksbursche, entwendete gestern Nachmittag in einer Wirtschaft in der Rodheimerstraße einen noch neuen Regenschirm und ließ seinen alten Schirm dafür zurück. Derselbe wurde später noch in hiesiger Stadt im Besitz des gestohlenen Schirmes betroffen und verhaftet.

* Gießen, 7. September. In verflossener Nacht gegen 11¼ Uhr setzte ein bis jetzt noch Unbekannter auf dem Oberhess. Bahnhofe eine Maschine in Bewegung und fuhr damit bis zur Heiligenstädtschen Fabrik und wiede zurück in den Bahnhof, woselbst er die Maschine verließ und fortsprang. Die Maschine fuhr weiter und prallte gegen eine andere im Geleise stehende Maschine, wobei letztere stark beschädigt wurde.

* Gießen, 7. September. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden mehrfache

man ist sich nicht mehr so recht einig darüber, welche Vorstellungen man eigentlich damit verbinden soll. Die Mondschein-Periode der selig entschlafenen Postkutsche, die schwerfällig von Dorf zu Dorf rumpelte und in einsamer Mitternacht an grus'ligen Friedhöfen Halt machte, um demSchwager Gelegenheit zu geben, einem toten Kollegen seinLeiblied zu blasen diese längst über⸗ wundene Periode kommt vielen unsererModernen mehr lächerlich, als romantisch vor; wie andere Leute wiederum nicht begreifen wollen, daß es wunderliche Schwärmer giebt, für die das Telephon und sonstige nützliche Er⸗ rungenschaften der Neuzeit äußerst romantische Dinge sind, die in gleichem Maße die Phantasie anregend beschäftigen, wie sie dem praktischen Bedürfnisse entsprechen. Sach⸗ kundige Philosophen die wir bei solchem Zwiespalt der Meinungen um Rat gefragt haben, behaupten, die soge⸗ nannte Romantik sei nach allgemein giltiger Ansicht mit der Erfindung der Dampfmaschine definitiv aus der Welt geschieden. Wenn diese Behauptung auf Wahrheit beruht, so stehts freilich schlimm um die gute Romantik. Denn die Dampfmaschine, oder sagen wir genauer: die Lokomo⸗ tive, dehnt ihre Eroberungszüge bis in die verborgensten Winkel der zivilisierten Erdoberfläche aus; selbst die ur⸗ konservativen Chinesen haben schon ihre Eisenbahn, die Bewohner der verrufenen Riesenstrafkolonie Siberien nicht minder und in absehbarer Zeit werden auch unsere schwarzen Brüder in Afrika vergnüglich ins Rauchkupee steigen und auf Flügeln des Dampfrosses einander Visite abstatten können. Von den zahllosen Sekundärbahnen, die unser gesegnetes deutsches Vaterland sein eigen nennt, wollen wir schon garnicht reden; Jeder kennt sie, Jeder ist wenigstens einmal im Leben mit ihnen gefahren und hat dabei alte romantische Postkutschen⸗Erinnerungen neu aufgefrischt. Was aber für die brave Romantik am schlimmsten ist: das Dampfroß schreckt selbst vor den Bergen nicht mehr zurück, sondern klettert behende die steilsten Felsgipfel hinauf. Im Harz, im Riesengebirge, in der Schweiz kann man bequem in einer kleinen halben Stunde ganz stattliche Höhen erreichen, ohne den Bergstock in Thätigkeit zu setzen, ohne nägelbeschlagene Schuhe zu tragen, ohne keuchend im Schweiße des Angesichts an Schluchten und Abgründen vorbeizukraxeln. Der Roman⸗ tiker mag trauernd sein Haupt verhüllen aber es ist so: mit Lackstiefeln und weißen Handschuhen, ein zier⸗ liches Gigerlstöckchen unter dem Arm, machen heut unsre gräßlich prosaischen Realisten ihre Gebirgstouren und verärgern dadurch poetischen Gemütern allen Genuß an derGegend und am Bergsteigen. In der That, so

Rohheiten in der Stadt verübt. Unter anderem wurde das vom Tierschutzverein in der Süd⸗ anlage aufgestellte Futter häuschen beschädigt, in⸗ dem die Stange mit der Wetterfahne herunter⸗ gerissen wurde. In derselben Nacht wurde einen Wirt in der Wallthorstraße eine Fensterscheibe eingeschlagen.

Gießen, 7. September. Im Schlachthofe ereignete sich heute Morgen ein Unfall. Die Ehefrau eines Schweinehändlers kam unter einem umfallenden Wagen und erlitt dadurch einen doppelten Beinbruch.

L. Gießen, 7. September. Romantik sind unwiederbringlich dahin! So hört man jetzt poetisch veranlagte Menschenkinder klagen. Der BegriffRomantik ist nun zwar etwas verblaßt, und

Die Tage der

sehr wir für denFortschritt auf sämttichen nur denk⸗ baren Gebieten eingenommen sind und so inniges Mit⸗ leid wir der korpulenten Menschheit entgegenbringen, können wir doch nicht umhin, diesen Aerger zu begreifen und zu billigen. Der Eisenbahnbau im Gebirge ist nach⸗ grade zum Gegenstand einer wilden Spekulation geworden, die der gestrenge Herr Eisenbahnminister gelegentlich etwas eindämmen sollte. Gar zu bequem darf man's den Trägen, die vor der geringsten körperlichen Anstrengung zurückscheuen, nicht machen, und ein bischen Romantik könnte man getrost in unsremodernen Tage hinüber⸗ retten, indem man herrliche Gebirgslandschaften nicht durch Bahngeleise und Wärterbuden verunzieren und den Frieden einer erhabenen Natur nicht durch grelle Signalpfiffe und das Stöhnen und Prusten qualmiger Maschinen stören läßt. Andere mögen ja anders denken; aber trotzdem wir uns als echtes Kind unster Zeit fühlen, steckt uns doch

Marja, das Heldenmädchen von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg

Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Witborg nickte verständnisvoll.

Da war wohl dieser Tage hier ein deutscher Adeliger jung, schneidig Offizier im Boeren⸗ rock, na, Du kennst die Sorte Weltenbummler ein Herr von na, komm', helf' mir auf den Namen!

Graf Hallern? fragte der Präsident.

Eine jähe Blässe fuhr dem Boeren bei Nen⸗ nung dieses Namens über das wie aus Bronze ge⸗ gossene Gesicht. 5

Der? fragte er, wie seinen Ohren nicht trauend.Nein das heißt, ich kannte einmal

einen alten Herrn dieses Namens, der müßte ietzt schon an die Siebzig 5 1

Ganz recht, und Kurt von Hallern ist sein Neffe.

Sein Neffe so 5 Immer verlegener und doch mit etwas wie ver⸗ baltener Wut drehte Witborg seinen Schlapphut zwischen den schwieligen Händen. 4 Kaunst Du mir sagen, was der hier will? 5 8 er sucht jemand.

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Ja, einen gewissen Strehlen, von dem man, wie er mir late ganz gewiß Kunde habe, daß er vor etwa zwanzig Jahren nach Transvaal ausge⸗ wandert sei verheiratet und, wenigstens damals kinderlos. Es scheint, daß er der Ueberbringer sehr wichtiger Mitteilungen an den Gesuchten ist. Er selbft ist Gardehusaren⸗Offizier und hat zu diesem Zwecke einen zweijährigen Urlaub genommen. Das

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würde er wohl kaum gethan haben und hier im groben Rock das Land absuchen,

wenn nicht ganz

außerordentliche Umstände, irgend ein Familien geheimnis

Hm läßt sich denken, fiel Witborg, ver⸗ legen hüstelnd ein.Und konntest Du ihm einen Fingerzeig geben? 5 5

Leider nein, nur ganz allgemein. Hier im Süden kenn' ich so ziemlich jeden Einzelnen, wenigstens der älteren Kolonisten. Da ist er nicht darunter; und aus den Registern ließ sich nicht er⸗ sehen, daß einem Strehlen das Bürgerrecht erteilt worden sei. Das könnte auch nur, in den letzten vier Jahren geschehen sein, nach sechzehnjährigem Aufenthalt im Lande. Mann, Du weißt es ja, daß Du auch erst vor vier Jahren 5

Weiß, weiß, unterbrach Witborg abermals in nervöser Hast. Und so hast Du ihn nordwärts reisen heißen? n 5

Nach Pietersburg und Leydsdorp mit Empfeh⸗ lungen an die Landdrosten. Er selbst war mir von höchster Stelle warm empfohlen.

Ja, ja, die Hallerns, nickte der Boer,alter Adel schwer reich an Geld und Gut und doch

5 5 Paul hörte nicht nur, er beobachtete im Stillen und da hatte er an seinem Gast eine selt same Befangenheit und zugleich ein reges Interesse bemerkt.

Ja, aber was kümmert denn Dich die ganze Sache? fragte er plötzlich scharf.

Endlich war die Unterhaltung an dem Punkte angekommen, auf welchen Witborg von Anfang an zugesteuert hatte. 5

Was mich die ganze Sache angeht? fragte er mit einer Stimme, aus welcher es grollend wie dumpfer Donner hallte.Mein Kind hat er mir entführt, Dein Herr Graf. Wohin und zu welchen verbrecherischen Zwecken, das weiß nur er! Zwei Tage Vorsprung haben sie, und so könnte ich jetzt

das ganze Transvaal absuchen, um sie zu finden. Da dachte ich mir, fahre zu Oom Paul! Er weiß alles, und er ist der Vater seiner getreuen Boers. Du wirst solche Schandthaten auch wenn sie von Leuten mit hoch klingendem Namen und höchsten Empfehlungen begangen werden, in Deinem Reiche nicht dulden, Du wirst Sie zu verhindern trachten und, wenn sie begangen worden sind, strenge ahnden. Dir steht der Telegraph zu Gebot, jeder Landdrost und tausende von Beamten folgen Deinem Wink. Frage überall an die Kosten erstatte ich und gieb Befehl, daß man die beiden Flüchtlinge auf⸗ spürt und zurückhält. Mein Kind ist's, das ich von Dir fordere, Oom Paul ich, der Vater, und Gott gab Dir die Macht, den Boeren ihr Recht zu geben. Den Verbrecher überlasse ich Dir. Denn wenn er mir unter die Hände kommt ich schlage ihn mit Knüppeln tot, wie einen Hund. Meine Faust sollte seinem Hals zum Strick werden, dem

Ohnmächtige Wut erstickte die Stimme des furchtbar erregten Mannes. Er hob die geballten Fäuste wie zum Zuschlagen auf. Seine wild rollenden Augen waren blutunterlaufen.

Gemach, gemach! warnte der Präsident mit ernster Miene.Aus den Empfehlungen des Grafen Hallern und aus dem, was ich selbst be obachtete, glaube ich Dir versichern zu können, daß Du entweder irrst, oder, wenn das nicht der Fall, daß keine unlauteren Absichten im Spiele sind. Der Graf ist ein Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle; seine weite Herreise nach erhaltenen Urlaub, sein Hinabsteigen in Verhältnisse, die ihm, dem ver⸗ wöhnten Günstling der vornehmen Gesellschaft, höchst unbequem sein müssen, sein unermüdliches Forschen das übrigens einem Manne galt, keinem Weibe alles das kann unmöglich den

Zweck gehabt haben, eine Boerentochter trotzdem

Deine Marja die schönste im Lande sein mag zu entführen und dauerndem Elend preiszugeben.

Und doch hat er es gethan! beharrte Witborg mit echtem Bauerntrotz.Du wardst getäuscht,

kreuzen!

Noch hast Du mir nicht gesagt, entgegnete der Präsident mit überlegener Ruhe,wie Deine Tochter mit dem Grasen bekannt geworden, und welche Beweise Du hast, die Annahme, daß er sie entführt hat, rechtfertigen.

Begegnung Marja's mit dem schönen Unbekannten, erwähnte tadelnd ihre an den Tag gelegte unge wöhnliche Teilnahme für denselben sowie ihre Energie bei Verfolgung einer möglichen Spur von dem Verschwundenen. Er sprach von ihrem auf⸗ fällig veränderten Wesen nach jener Nacht. Immer war sie draußen, fuhr er fort,immer, forschend und suchend, und daheim ging sie um wie ein Schatten, bleich und stumm. Von schlaflosen

so frisches Gesicht. Ich hatte sogleich meine eigenen Gedanken hierüber, und eine Unterredung, die letzte, die ich mit meiner Tochter hatte, bestätigte voll und ganz meine Vermutungen.

Gestand sie ihre Liebe ein?

Sache genug, ich war überzeugt; und ich stürmte

fort, am selben Tage fortgegangen wie ich. Und das hatte sie mir hinterlassen, nachdem sie zuvor noch auf dem Grabe ihrer Mutter betend und

(FJortsetzung folgt.)

Der Boer berichtete mit tiefem Groll von jener, 1

und wehe ihm, wenn unsere Wege sich noch einmlll

Nächten und heimlichen Thränen erzählte ihr sonst 5

weinend gesehen wurde. Es war ein Abschied für's Leben und ich werde mein Kind nie wiedersehen!

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Das nicht, indessen doch das thut nichts zu

fort, nur ihn zu suchen, denn ich durfte annehmen, 165 6 daß er noch irgendwo in der Umgegend sich au hält. Als ich zurückkam nach zwei Tagen, war sie