Ausgabe 
8.7.1896
 
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Bereinen den Siegern von Dillenburg 0 9 gemeinsam gegeben wurde, war auch von Nicht⸗

All Heil wurde den Mannschaften beider Vereine

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5 Nabim, 5 Lr.

Gießen, Mittwoch, den 8. Juli

1896.

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Ausgabe

Gießen.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 7. Juli. Für die neu zu be⸗ setzende Stelle eines Universitäts⸗Musik⸗ direktors an Stelle Felchners haben sich über 60 Bewerber gemeldet, trotzdem der Melde schluß erst am 15. Juli angesetzt ist.

* Gießen, 7. Juli. Der hier sehr bekannte Generalarzt a. D. Dr. Zimmermann früher hier, dann in Mainz und zuletzt in Darm⸗ stadt in Garnison, ist gestern in Darmstadt an einem Krebsleiden gestorben.

Gießen, 7. Juli. Das Bankett, das gestern Abend von unseren beiden Radfahrer⸗

kadfahrern, Herren und Damen, sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende der Wanderer G. R. G., Herr Wilh. Homberger, begrüßte die Teil⸗ nehmer des Banketts und hieß die Sieger in der Heimat herzlich willkommen. Ein kräftiges

gebracht. Der erste Fahrwart des Gießener Radfahrer⸗Vereins Herr Ruppel, feierte in längerer Rede die Einigkeit, die unter den hiesigen Vereinen bestehe, welche ja doch beide demselben Ziele zustrebten. Früher sei es anders gewesen, da hätten vier Radfahrer⸗Vereine in unserer Stadt rivalistert, doch das sei nun anders und besser geworden, sein All Heil galt der Einigkeit, damit der Radfahrersport wachse, blühe und gedeihe. Herr Henze feierte, zum Sprechen von seinen Freunden gedrängt, die erschienenen Damen. Der Reden folgten noch viele mehr. Inzwischen kon⸗ zertierte die Bauersche Zivillapelle und begleitete die von den Radfahrern gesungenen Lieder. Eine vom Maler Fritz arrangierte Radfahrerpyramide wurde beifällig aufgenommen. Es war längst nach 1 Uhr, als die letzten Teilnehmer der Ver⸗ anstaltung Steins Etablissement verließen.

* Gießen, 7. Juli. Ende dieses Monats wird die Piston⸗Solistin Sophie Bran⸗ don in Steins Saalbau ein Konzert veran stalten. 1

* Gießen, 7. Juli. Die Bavaria, eine Bereinigung, die meistens aus Kaufleuten be⸗ steht hat am 4., 5. und 6. Juli ihr 20 jäh⸗ riges Stiftungsfest begangen. Von Bremen, von Frankfurt und Nürnberg, ja selbst von jen⸗ seits des Ozeans hatten sich die alten Herren, 1 8 Mitglieder des Vereins zu der Feier 75 eingefunden. Am Sonntag Abend vereinigte m Cafe Ebel ein Kommers die Festteil⸗ nehmer. Am Samstag Vormittag vereinigte im Cafe Ebel ein Kommers die Festteilnehmer. Am Sonntag Vormittag war eine Partie nach

Weilburg geplant, zu welcher zahlreiche Ein ladungen an unsere Damenwelt ergangen waren. Gegen 10 Uhr Vormittags versammelten sich wohl an 100 Teilnehmer dieses Ausfluges am Bahnhof und nun gings ins herrliche Lahn thal. Man hatte die Bauer'sche Kapelle mitge⸗ genommen und war in Weilburg unweit der Bahn im Goertz'schen Felsenkeller abgestiegen, um dort einen musikalischen Frühschoppen zu nehmen, dem sich Mittags um 1 Uhr im Hotel zum Deutschen Hause ein gemeinsames Mittagessen anschloß. So gestärkt machte die Gesellschaft einen Kaffeeausflug nach Guntersau, wo man sich bei dem überaus günstigen Wetter prächtig amüsirte. Mit Musik gings Nachmittags um 6 Uhr unter Vorantritt der Musik nach Goertz, Felsenkeller zurück, wo im Saalbau nach ge⸗ nossenem Abendessen ein Tanz stattfand, welcher für die junge Welt leider zu früh um 11 Uhr aufhören mußte, weil 13 Minuten später die Eisenbahn die Festtheilnehmer in die Heimat zu⸗ rückzubefördern hatte. Gestern am Montag bildete Vormittags ein Frühschoppen und Nachmittags ein Herren-Ausflug in die Umgebung unserer Stadt den Beschluß dieses Festes.

* Gießen, 7. Juli.Verein zur Züch⸗ tung reiner Hunderassen in Gießen. Wie wir hören, sollen demnächst schon dem Vor⸗ stande zur Verteilung oder Verlosung unter die Mitglieder zwei wertvolle rassereine Hunde zur Verfügung gestellt werden. Im Herbst dieses Jahres ist eine allgemeine Schau für Hunde aller Rassen in Aussicht genommen. Wenn sich die nötige Beteiligung findet, sollen auch eine Prüfungssuche für Vorstehhunde sowie Preisschliefen für Teckel und Foxterrier abgehalten werden.

* Gießen, 7. Juli. Zur Vorsicht beim Genuß von Fischen muß während der heißen Jahreszeit gemahnt werden, und zwar nicht nur vor den in kotem Zustande feilgebotenen frischen, sondern auch vor geräucherten Fischen. Selbst wenn sie auf Eis liegen, gehen die toten Fische im Sommer immer schnell in Zersetzung über, und das dadurch entstehende Fischleichengift ist noch bedeutend gefährlicher als das Gift in zer⸗ setztem Fleische anderer Tiere. Werden dann solche bereits in Verwesung übergegangene Fische, wie Flunder ꝛc., geräuchert, so tritt durch die in dem Rauch enthaltenen Desinfizierungsstoffe, be⸗ sonders Ammoniak, in dem Zersetzungsprozesse zwar ein Stillstand ein; das vor dem Räuchern in den Fischen bereits vorhanden gewesene Leichen⸗ gift wird dadurch aber nicht im mindesten un⸗ schädlich gemacht, sondern bleibt in seiner vollen

Gefährlichkeit bestehen. Man achte daher beim

Genießen von Fischen darauf, daß deren Fleisch stets fest zusammenhält. Denn sobald die Fleisch⸗ fasern keine Festigkeit mehr haben und durch ein⸗ fachen Druck mit einem Messer zu Brei gedrückt werden können, hat die Zersetzung des Fleisches begonnen. Am meisten geboten ist diese Vorsicht aber bei geräucherten Fischen, weil diese in den Fällen, in welchen sie erst nach der begonnenen Zersetzung geräuchert worden sind, und dann bald verkauft werden, noch gar keinen Fäulnisgeruch von sich geben und lediglich an der Beschaffenheit des Fleisches als giftig zu erkennen sind.

* Gießen, 7. Juli. In der zu New⸗Mork er⸗ scheinendenHessen-Darmstädter Zeitung vom 17. Juni befindet sich folgender Aufruf:Ein jammervoller Hilferuf kommt von St. Louis, aus dem Munde unserer so schwer heimgesuchten Landsleute, von denen Einzelne, neben schweren Verletzungen, durch den letzten Wir belsturm Hab und Gut verloren haben. Arm und hilflos irren sie auf den Straßen umher, ohne Klei⸗ dung, ohne Nahrung, ohne Obdach. Der Segen jahre⸗ laugen Fleißes, mühevoller Arbeit ist mit einem Schlage zu nichte geworden. Unser Vertreter in St. Louis war trotz dem herrschenden Chaos imstande, folgende Hessen-Darmstädter Familien zu eruieren; Henry Rohrbach, Saloon, Ecke Park Avenue und Broad⸗ way; die oberen Stockwerke nebst Halle total zertrümmert. Aug. Wagenbach, Möbelgeschäft, 1421 South Broadway; total zertrümmert. Karl Brühmann, Grocer 8 und Marion Str.: oberer Stock und Store demoliert. Konr. Roth, Hufschmied Park Ave. und Dallmann Str.; Shop demoliert, Wohnung stark beschädigt und selbst verletzt. G. Wetterau, Wholesale Grocer, 1030 Dallmann Str.: oberer Stock und Dach weggeblasen. Jakob Vorhoff, 1720 Allen Ave. total vernichtet. Seltzer Bros, Schneider⸗ geschäft Chonteau Avennue; Store durch Sturm und Wasser stark beschädigt. Anton Seltzer 1016 S. 9 Str.; Dach abgerissen, Wohnung und Möbel stark beschädigt. W. Heer, Bäcker 743 S. 4 Str.; die Front des Hauses stark mitgenommen, das Hinterhaus eingestürzt. Henry Schaumburg, Kontraktor; Haus im Bau begriffen, alles eingestürzt. Selbstverständlich werden die Nachforschungen fortgesetzt und die Namen weitereer verunglückten Hessen sofort bekannt gegeben. Die den Verunglückten bis jetzt zur Verfügung stehenden Mittel sind völlig ungenügend und fehlt es sozusagen an allem. Viele Familien, da⸗ runter Mütter mit Säuglingen, kampieren auf der Straße. Wir richten in Anbetracht der schlechten Lage, in der sich viele landsmännische Familien befinden, an alle unsere Leser die herzliche Bitte, nach Kräften zur Linderung des Elends beizutragen. Namentlich bitten wir die Hessen⸗ Vereine, den Hülferuf unserer Brüder nicht ungehört ver⸗ klingen zu lassen und mit rascher That zu beweisen, daß die altbewährte Hessentreue heute noch einen guten Klang hat. Wer rasch giebt, giebt doppelt. Die Redaktion der Hessen-Darmstädter Zeitung ist gerne erbötig, etwaige Gaben in Empfang zu nehmen und darüber in ihrer Zeitung zu quittiren.

gelegten Rechenschaftsbericht hat der hiesige Vor⸗ schuß⸗ und Kredit⸗Verein, e. G. m. u. H., sich eines erheblichen Aufschwungs zu erfreuen. Einem Bruttogewicht von nahezu 400 000 Mark steht ein Reservefonds mit 16 250 Mark und ein Dis⸗ positionsfond von 1200 Mark gegenüber. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Jahres 128.

Aus der Wetterau, 7. Juli. Hun⸗ dert Jahre sind in diesen Tagen verflossen, daß in den gesegneten Fluren unserer Wetterau zum letzten Male die Schrecken des Krieges tobten. Es war dies ein Gefecht zwischen den Franzosen und den Oesterreichern, das am 10. Juli 1796 in der Nähe von Friedberg statt⸗ fand. Noch heute sind Spuren dieses Kampfes sichtbar; in Fauerbach bei Friedberg und in Ossenheim findet man in verschiedenen Häusern Kugeln eingemauert, von denen eine die Unter⸗ schrift trägt:6. Juli 1796, die andere: 12Pfünder 1796. Der vor kurzem in Fried⸗ berg gegründeteGeschichts- und Alter⸗ tums verein wird zur Erinnerung an diesen vor 100 Jahren stattgehabten Kampf am 13. Juli d. J. einen Vereinsabend veranstalten, wobei Herr Direktor Schwabe über diesenletzten Kampf in der Wetterau einen Vortrag halten wird.

* Mainz, 6. Juli. Die seit längerer Zeit zwischen der Provinzialdirektion von Rheinhessen und den Bürgermeistereien der Städte Mainz und Kastel gepflogenen Verhandlungen über die Einverleibung von Kastel in die Stadt⸗ gemeinde Mainz haben anläßlich der Erweite⸗ rung der Kasteler Festungswerke einen vorläufigen Abschluß gefunden. Die Aktien über die Vor⸗ bedingungen sind nunmehr dem Kriegsministerium in Berlin unterbreitet worden.

* Mainz, 6. Juli. Im Akademiesaal des kurfürstlichen Schlosses sind die im Wettbewerbe um den Entwurf einer festen Eisenbahn⸗ brücke über den Rhein bei Worms einge⸗ gangenen Pläne ausgestellt. Den ersten Preis mit 10000 4 erhielt Professor Frentzen⸗ Aachen, den zweiten mit 6000, Großh. Baurat K. Hoffmann, Stadtbaumeister in Worms, den dritten mit 3000. Architekt O. Rieth⸗ Berlin, den vierten mit 3000 K. Walther, Professor der Kunstgewerbeschule in Nürnberg. Im Ganzen waren nur sechs Pläne eingelaufen. Das römisch⸗germanische Zentral⸗ museum hat auch in dem abgelaufenen Jahre eine große Bereicherung erfahren. Die Samm⸗ lungen wurden um 600 Gegenstände vermehrt und die Zahl der Nachbildungen aus Gips und Metall ist derart angewachsen, daß das Museum nunmehr 14320 Nummern zählt. Aus 21 Staats⸗

* Hungen, 7. Juli. Nachdem soeben offen⸗

und Vereinssammlungen, sowie aus zahlreichen

Das blaue Herz.

Roman von Karl Ed. Klopfer. Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Donnerwetter! Nach einer kleinen Weile strahlte aber sein verblüfftes Gesicht wie unter einer inneren Erleuchtung.Ah, jetzt begreife ich erst ganz und gar...! Darum seufzt mein armer Attache so herzbrechend und ist niedergeschlagen und launenhaft... O Gott! Diese Baronesse! Also wirklich verlobt rettungslos verlobt?

Im Herbst ist die Hochzeit. Wir heißen dann Frau Gräfin.

So so ein Graf?

Graf Norbert v. Degenstein. schöner Name, nicht wahr? b

Hol' ihn der Teufel! Diesen, Grafen Degenknopf liebt sie also, Ihre Gnädige?

Bärbchen überlegte eine Weile, ehe sie sich zu der stolzen Mitteilung entschloß:

Wir lieben überhaupt keinen Mann.

Sie auch nicht, Fräulein Wetti, Sie wirklich auch nicht? 5

Keine Seitensprünge! Jetzt reden wir von Fräulein Adele. Und da will ich Ihnen meinet⸗ wegen gestehen, daß ihre Verbindung mit dem Grafen keine Liebesheirat sein wird. Ich glaube, sie nimmt ihn nur, weil ihre Mutter es will. Na ja, sie kann ja doch nicht so, wie sie eigentlich möchte am liebsten wäre sie ja Malerin; und ihr liegt jetzt vor Allem nur daran, aus diesem Hause fortzukommen, wo ihr die gnädige Frau Mama manchmal das Leben recht sauer macht, und dazu ist ihr der Degenstein noch der Annehmbarste. Ueberdies war ja seine erste Frau einst ihre intimste Freundin.

schon

Was, heiratet? Er ißt seit fünf Jahren Witwer. g Ei der tausend! Und Baroneß Adele war die Freundin der verftorbenen Gräfin? Ja, aus dem Pensionat her.

Das ist ein

der Graf war einmal ver⸗

Denn, als die

Eine eben heiratete, scheint man sich mehr aus den Augen gekommen zu sein. Die Gräfin war aber nicht gerade glücklich in ihrer Ehe, wie man sagt; der Gemahl war ein lockerer Kumpan, ein Ver⸗ schwender...

Und trotzdem entschloß sich Ihr Fräulein, seine zweite Frau zu werden?

Ah, jetzt ist der Mann solide geworden, das weiß man! Und überdies ist Fräulein Adele der Meinung, daß auch das Meiste, was man von seiner schimmen Ehe erzählt, nur Vkrleumdung ist. Gewisse Leute ärgern sich, daß der Graf seine Frau sie war eine Bürgerliche, aber ungeheuer reich beerbt hat und denen nicht Recht ließ, die da be haupteten, er werde mit dem Vermögen in ein paar Jährchen fertig sein. Meine Baroneß trotzt allen Klatschereien, und ich glaube wirklich, je mehr man ihr von dem Grafen abraten würde, um so fester würde ihr Widerspruchsgeist auf der Verbindung bestehen. Sie ist eben eine aparte Natur, immer ganz anders als alle Welt. Mein Geschmack wäre der Graf allerdings auch dann nicht, wenn es aus⸗ gemacht wäre, daß er eine Frau auf Händen trägt.

Da hätten Sie also nichts dagegen, wenn aus der Heirat nichts würde? Famos! Ich hoffe, daß es doch noch Mittel geben wird, die Baronesse von ihrem Entschlusse abzubringen. Eine Ehe ohne Liebe kann nicht gut thun, das weiß ich bestimmt!

Nun ja, aber gesetzt auch den Fall, daß die Verlobung zurückginge wer sagt Ihnen denn, daß dann Ihr Herr Hoffnungen hätte, geliebt zu werden?

Oh, das würde schon kommen! Mein Herr ist ein wundervoller, prächtiger Mensch, da kann's nicht fehlen. Wenn ich ein Frauenzimmer wäre, in den Mann hätte ich mich augenblicklich vergafft.

Der Herr Attache würde sich wohl freuen, wenn er hören könnte, was er an Ihnen für einen Rekommandeur hat.

Was? Er würde mich... Nein, was glauben Sie! Herr v. Fröden ist kein Geck, und es ist auch

nicht der richtige Ausdruck, den ich da gebraucht habe. In den Mann vergafft man sich nicht, den lie bizman aus ganzer Seele!

Hören Sie auf! Sie schwärmerisch.

Schwärmerisch? wiederholte der Ignaz, nach⸗ denklich werdend, und seufzte.Ja, da hätten Sie nicht so ganz Unrecht, teuerste Mamsell Wetti. Ich versteh' mich ein wenig auf Schwärmerei.

Vielleicht durch eine unglückliche Liebe? spottete sie und verdrehte die Augen.

Nazi sah sie ganz sonderbar an, zögerte eine Weile und sagte daun mit einer gewissen Treu⸗ herzigkeit:

Ich weiß eigentlich nicht, wie ich dazu komme, Ihnen mein Herz auszuschütten, aber Sie haben so viel Zutrauen Erweckendes... Fräulein Wetti, Sie sind das erste lebende Wesen, dem ich gestehe: ja, ich habe so was wie ein Ideal ein Ideal aus meiner Jugend.

Aus Ihrer Jugend? lachte Wetti, den Burschen vom Kopf bis zu den Füßen musternd.Hören Sie, das müßte dann schon in Ihren Buben⸗ jahren gewesen sein.

So ziemlich. Es ist volle fünf Jabre her. Ich war damals im letzten Jahre meiner Lehrzeit, bei einem Friseur, der dann bald darauf abgewirt⸗ schaftet hat. Die betreffende Dame war eine Kundschaft..

Und da sahen Sie sie öfter im Laden Ihres Herrn?

Nein, sie kam nur ein einziges Mal, und auch da habe ich sie nicht eigentlich gesehen nämlich nicht ihr Gesicht. Sie ging zu einem Maskenballe und trug schon die Larve vor dem Gesicht.

Jetzt lachte die Zofe hell hinaus.

Sie konnten ihr Gesicht nicht sehen und dieses Frauenzimmer lieben Sie?

Nazi wollte bejahen, besann sich aber und senkte seinen Blick so tief in die Schelmenaugen der

werden ja ganz

Jetzt vielleicht nicht mehr, sagte er dann. Ueberhaupt wenn ich meine Gefühle Liebe genannt habe, so war das nie eigentlich das rechte Wort dafür. Es war gleich damals zu viel wie soll ich sagen? zu viel schaurige Ehrfurcht in meiner Empfindung, denn dieses Wesen stand ja in unerreichbarer Höhe über mir. Es war un⸗ zweifelhaft eine Dame aus vornehmem Hause.

Woher wissen Sie das?

Dafür hat man doch einen gewissen Justinkt. Sie war eine Fremde vielleicht eine Südländerin. Auf dem Souvenier, das ich von ihr bewahre, steht Napoli. Das ist Italienisch und heißt auf Deutsch Neapel.

Was? rief Wetti voll des heitersten Er staunens.Sie haben sogar ein Andenken von der vornehmen Unbekannten?

Nazi kraute sich mit der Miene eines Menschen, der sich vergaloppiert hat, hinter den Ohren.

Na, sagte er dann;ist mir schon viel herausgerutscht, so sollen Sie auch das wissen! Es ist ein Anhängsel, ein kleines blaues Herz, das die Dame verloren hat und ich ge funden habe.

Ah! Und das haben Sie bis heute behalten?

Ich trage es stets bei mir es ist mein Talisman, und ich glaube fest, daß mich dieses Andenken schon vor Unglück oder doch min destens vor manchem dummen Streich bewahrt hat zum Beispiel vor einer leichtfertigen Liebelei.

Na, na! machte sie, ihn mit halbzugekniffenen Augenlidern von der Seite ansehend.

Damit will ich aber keineswegs sagen, daß ich mich sträuben würde, mich in ein nettes Kind zu verlieben... Dabei äugelte er sie so wirkungs voll an, daß Fräulein Wetti ganz rot wurde. Wenn man zum Beispiel einem niedlichen Ge schöpfe begegnet, mit so ein Paar verteufelten Schwarzbeerenaugen, die sich auf's Feueranzünden verstehen... Ach sagen Sie, sind die Wienerinnen alle so hübsch, wie Sie, Fräulein Wetti?

Kammerkatze, als habe er darin noch eine Reihe der interessantesten Entdeckungen zu machen.

(Fortsetzung folgt.)

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